Derzeit nicht im Brustring: Ofori, Ailton, Grgic, Mangala, Kaminski und Massimo

Auch in die­ser Win­ter­pau­se bli­cken wir auf die Spie­ler, die beim VfB Stutt­gart unter Ver­trag ste­hen, in die­ser Sai­son aber das Tri­kot mit dem Brust­ring für eine gewis­se Zeit gegen ein ande­res getauscht haben: Die aus­ge­lie­he­nen Spie­ler.

Wenn im Som­mer das Trans­fer­fens­ter öff­net, ste­hen für Sport­di­rek­to­ren und Spie­ler wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen an. Ent­we­der man ver­ab­schie­det sich per­ma­nent von­ein­an­der — oder auf Zeit. So auch vor Beginn der lau­fen­den Sai­son. Im Janu­ar 2018 haben wir schon ein­mal einen Blick auf die damals aus­ge­lie­he­nen Spie­ler — Jean Zim­mer, Juli­an Green, Tobi Wer­ner, Jérô­me Ongué­né, Jan Kli­ment und Hans Nunoo Sar­pei — gewor­fen. Die­ses Jahr haben wir uns mit Fans und Exper­ten der der­zei­ti­gen Ver­ei­ne von Ebe­ne­zer Ofo­ri, Ail­ton, Anto Grgic, Orel Manga­la, Mar­cin Kamin­ski und Rober­to Mas­si­mo unter­hal­ten, um her­aus­zu­fin­den wie sich die VfB-Leih­ga­ben machen. Übri­gens: Von den in der letz­ten Sai­son aus­ge­lie­he­nen Spie­lern haben drei den Ver­ein mitt­ler­wei­le ver­las­sen. Die ande­ren drei ste­hen noch beim VfB unter Ver­trag, spie­len aber nur eine Neben­rol­le. Damals habe ich nur Jean Zim­mer zuge­traut, sich beim VfB noch ein­mal durch­zu­set­zen, am Ende war es Hans Sar­pei, der in die­ser Hin­run­de als ein­zi­ger des Sex­tetts für den VfB auf­lief — wenn auch nur gele­gent­lich. Schau­en wir mal, wie das bei den Spie­lern aus­sieht, die in die­ser Sai­son ver­lie­hen sind.

New York, New York!

Begin­nen wol­len wir mit Ebe­ne­zer Ofo­ri, der bereits im ver­gan­ge­nen Win­ter für ein Jahr an den New York City FC ver­lie­hen wur­de. Ein Jahr, weil die Sai­son der Major League Soc­cer im Kalen­der­jahr aus­ge­tra­gen wird und nicht über zwei Halb­jah­re wie in Euro­pa. NYCFC wur­de von der City Foot­ball Group, also dem Mehr­heits­eig­ner von Man­ches­ter City und dem Base­ball Club New York Yan­kees gegrün­det und erreich­te in der Sai­son 2018 die Play­offs, in denen sie aller­dings in den Con­fe­rence Semi­fi­nals, also letzt­end­lich dem Meis­ter­schafts­vier­tel­fi­na­le, am spä­te­ren Meis­ter Atlan­ta United schei­ter­ten. Über Ofo­ris Leis­tun­gen in New York City spra­chen wir mit NYCFC-Fan Antho­ny Mer­ced (@NYCSportsWorld) vom Pod­cast Dudes in Blue. 

Antho­ny erklärt, dass man Ofo­ri in New York durch­aus als Stamm­spie­ler ein­plan­te, auch weil er aus der Bun­des­li­ga kam. Man erwar­te­te, dass er das defen­si­ve Mit­tel­feld sta­bi­li­sie­ren und damit Offen­siv­spie­lern wie Maxi Mora­les oder Alex­an­der Ring den Rücken frei­hal­ten wür­de. Ins­ge­samt mach­te Ofo­ri 29 Spie­le, 21 Mal stand er in der Start­elf. Jedoch, erklärt Antho­ny, sei sei­ne Leis­tungs­kur­ve par­al­lel mit der sei­ner Mann­schaft nach dem Rück­tritt von Trai­ner Patrick Viei­ra Anfang Juni etwas abge­fal­len. Durch die Ver­pflich­tung von Ofo­ri und Links­au­ßen Jesus Medi­na wäre NYCFC durch­aus ein Titel­kan­di­dat gewe­sen, nach dem Trai­ner­wech­sel geriet die Mann­schaft aber ins Strau­cheln, das frü­he Aus­schei­den in den Play­offs wur­de dem­entspre­chend auch als Ent­täu­schung wahr­ge­nom­men. Ofo­ri habe unter Viei­ra gut gespielt unter dem neu­en Trai­ner Domenec Tor­rent habe er aber kei­nen rich­ti­gen Platz mehr in der Mann­schaft gefun­den, auch sein Pass­spiel habe sich ver­schlech­tert, so dass er sich häu­fi­ger auf Bank wie­der­fand und schließ­lich auch in den Play­offs gegen Atlan­ta nicht mehr zum Ein­satz kam, weil Tor­rent mit Yangel Her­rei­ra auf mehr Offen­si­ve set­zen woll­te. Antho­ny beschreibt die Liga als sehr inten­siv. Ofo­ri habe sich zeit­wei­se sehr gut an die Spiel­wei­se anpas­sen kön­nen, beim 4:0‑Heimsieg gegen Realt Salt Lake erziel­te er sogar ein Tor. Ohne den Trai­ner­wech­sel hät­te er nach Antho­nys Ansicht eine noch bes­se­re Sai­son gespielt.

Der­zeit weilt Ofo­ri wie­der in Stutt­gart, eine Per­spek­ti­ve hat er aller­dings beim VfB nicht. Nach einer pas­sa­blen Zweit­li­ga-Sai­son war es ja vor allem der schwa­che Auf­tritt in Frank­furt in der ver­gan­ge­nen Sai­son, der ihm bereits bei Han­nes Wolf eini­ges an Stan­ding kos­te­te. In den USA sam­mel­te er immer­hin Spiel­pra­xis, aller­dings nicht unbe­dingt auf Bun­des­li­ga-Niveau. Man­gels gemein­sa­mer Wett­be­wer­be ist die MLS natür­lich leis­tungs­mä­ßig nur schwer mit Deutsch­land zu ver­glei­chen, der U19-Trai­ner von Atlan­ta United, Tony Annan, sag­te jüngst im Rasen­funk, dass die bes­ten MLS-Teams in der hol­län­di­schen Liga eine gute Rol­le spie­len könn­ten. Antho­ny wür­de es begrü­ßen, wenn Ofo­ri in New York City blie­be, weil der Kader auf sei­ner Posi­ti­on nicht beson­ders viel Tie­fe habe und er die Liga bereits ken­ne. Er wis­se aber nicht, ob eine wei­ter Lei­he mög­lich und ange­dacht sei und ob sich der Club Ofo­ri ange­sichts des gel­ten­den Sala­ry Caps, also der Ober­gren­ze an Gehalts­aus­ga­ben pro Ver­ein, leis­ten kön­ne.

Der Ver­trag von Ofo­ri läuft noch bis 2020, er wird im Juli 24 Jah­re alt. Ich könn­te mir vor­stel­len, dass er in die­sem Win­ter noch ein­mal ver­lie­hen wird, wenn auch nicht unbe­dingt noch ein­mal in die USA, son­dern eher für ein hal­bes Jahr inner­halb Euro­pas, so dass er sich im Som­mer einen neu­en, fes­ten Ver­ein suchen kann. Leis­tungs­mä­ßig ist bei ihm wahr­schein­lich die zwei­te Bun­des­li­ga oder eine klei­ne­re euro­päi­sche Liga das höchs­te der Gefüh­le. Je nach­dem, wie sei­ne Rück­run­de ver­läuft, wür­de der VfB am Ende viel­leicht nur ein gerin­ges Minus­ge­schäft machen. Es ist natür­lich ärger­lich, dass ein vor zwei Jah­ren bis 2020 ver­pflich­te­ter jun­ger Spie­ler im Grun­de nur eine Halb­se­rie wirk­lich für den Ver­ein auf dem Platz stand, es ist aber nun mal auch das Risi­ko von Spie­lern, die man in der zwei­ten Liga ver­pflich­tet: Sie müs­sen, wie der gesam­te Ver­ein, nach dem Auf­stieg ihre Erst­li­ga­taug­lich­keit bewei­sen.

Nur zweite Geige

Auch Ail­ton Fer­rei­ra Sil­va wur­de vor fast genau einem Jahr aus­ge­lie­hen. Aller­dings zunächst nur für sechs Mona­te zu sei­nem vor­he­ri­gen Ver­ein Esto­ril Pra­ia. In der Som­mer­pau­se ging es für den nach dem Auf­stieg verp­lich­te­ten Außen­ver­tei­di­ger dann erneut nach Por­tu­gal, zum SC Bra­ga. Wir haben uns mit Bra­ga-Fan Mat­thieu Mon­tei­ro (@MMatthieuZSCB), der den Blog Zone SC Bra­ga betreibt, über ihn unter­hal­ten.

Für Mat­thieu war Ail­ton bereits vor der Lei­he kein Unbe­kann­ter, da er in der Rück­run­de 2018 bereits für Esto­ril in der Liga NOS, der ers­ten por­tu­gie­si­schen Liga, spiel­te. Dort war Ail­ton zwar Stamm­spie­ler, Esto­ril stieg aber am Sai­son­ende als Tabel­len­letz­ter in die Segun­da Liga ab. Nach Mat­thieus Ansicht aller­dings nicht unbe­dingt ver­dient, Trai­ner Ivo Viei­ra habe dort gute Arbeit geleis­tet. Er habe Ail­ton beim Heim­sieg von Esto­ril gegen Sport­ing gese­hen, in dem er als Links­ver­tei­di­ger einen guten Auf­tritt gehabt und auch gefähr­li­che Flan­ken geschla­gen habe. In Bra­ga soll­te er in die­ser Sai­son Jef­fer­son erset­zen, der sei­ner­seits nach einer Lei­he zu Sport­ing zurück­kehr­te und neben­bei auch über Esto­ril von Bra­si­li­en nach Euro­pa kam.

Es kam ganz anders. Ail­ton hat bis­her genau ein Spiel für Bra­ga gemacht. Kurz vor Weih­nach­ten berei­te­te er im Liga­po­kal-Spiel bei Vito­ria Setu­bal sogar das 3:0 durch Wil­son Edu­ar­do per Flan­ke vor.

Ansons­ten steht für ihn nur ein Auf­tritt bei der zwei­ten Mann­schaft im Novem­ber zu Buche. Mat­thieu zufol­ge sei er von Nuno Sequei­ra, der in der ver­gan­ge­nen Sai­son der Back­up für Jef­fer­son war, auf die Bank ver­drängt wor­den, Die­ser füge sich sehr gut ins Spiel und das Sys­tem von Trai­ner Abel Fer­rei­ra ein und sei kurz vorm Sprung in die por­tu­gie­si­sche Natio­nal­mann­schaft. Ail­ton habe zwar gegen Setu­bal einen guten Ein­druck hin­ter­las­sen, auch tech­nisch, er wer­de wohl aber auch in der Rück­run­de nur die zwei­te Gei­ge spie­len. Bra­ga steht zur Win­ter­pau­se auf Platz 4 in der Liga, dem­entspre­chend ist es unrea­lis­tisch, dass der Trai­ner im Kampf um die vor­de­ren Plät­ze auf der lin­ken Sei­te auf die zwei­te Wahl set­zen wird.

Nichts­des­to­trotz traut Mat­thieu Ail­ton auf­grund sei­ner Fähig­kei­ten eine Zukunft in Bra­ga zu, weil gera­de sei­ne Tech­nik, sei­ne offen­si­ven Fähig­kei­ten und sei­ne Kör­per­lich­keit zum offen­si­ven Spiel­stil des Ver­eins pass­ten. Ail­ton sei zudem sehr ehr­gei­zig, die Kon­kur­renz auf die­ser Posi­ti­on sei gut für die Mann­schaft.

Beim VfB läuft Ail­tons Ver­trag bis 2021. Bei einer Rück­kehr im Som­mer wäre er aber auf links hin­ter Emi­lia­no Insua und Bor­na Sosa nur die Num­mer drei, soll­te Den­nis Aogo sei­nen aus­lau­fen­den Ver­trag noch ein­mal ver­län­gern viel­leicht gar nur an vier­ter Stel­le. Kei­ne gute Per­spek­ti­ve für einen Spie­ler, der durch­aus gewis­se Fähig­kei­ten zu haben scheint, aber der­zeit wohl zur fal­schen Zeit am fal­schen Ort ist. Im ers­ten Spiel nach dem Wie­der­auf­stieg ließ er sich von Her­tha BSC schwind­lig spie­len, danach reich­te es nur noch zu Kurz­ein­sät­zen. Ihm ist zu wün­schen, dass er einen Ver­ein fin­det, der sei­nem Leis­tungs­ni­veau, wo auch immer das am Ende wirk­lich liegt, ent­spricht und der auf die­ser häu­fig so schwer zu beset­zen­den Posi­ti­on Ver­stär­kung sucht. Es wäre inter­es­sant gewe­sen zu sehen, wie er sich in Stutt­gart ent­wi­ckelt hät­te, wenn er und nicht der nach ihm ver­pflich­te­te Den­nis Aogo Emi­lia­no Insua wei­ter hät­te ver­tre­ten dür­fen. Viel­leicht ist Ail­ton auch ein Opfer des Bruchs in der Trans­fer­phi­lo­so­phie des Ver­eins, die sich im Som­mer 2017 voll­zog. Oder viel­leicht war das Gan­ze auch ein­fach nur ein Miss­ver­ständ­nis, wie sie häu­fig auf dem Trans­fer­markt zustan­de kom­men. Lei­der ein teu­res, denn die kol­por­tier­te dama­li­ge Ablö­se­sum­me von 2,5 Mil­lio­nen Euro wird der VfB wohl nicht mehr wie­der rein­ho­len. 

Schon länger unterwegs

Der drit­te Spie­ler, der sich bereits Anfang des ver­gan­ge­nen Jah­res zeit­wei­se aus Stutt­gart ver­ab­schie­de­te, war Anto Grgic. Ihn wer­den wir aller­dings erst nach die­ser Sai­son wie­der zu Gesicht bekom­men, bis dahin spielt er für den FC Sion in der Schweiz, den ehe­ma­li­gen Ver­ein von Chadrac Ako­lo. Über Ako­lo hat­ten wir uns damals bei Sion-Fan Valen­tin (@Vali1909) erkun­det und er war natür­lich auch dies­mal unser ers­ter Ansprech­part­ner.

In der Rück­run­de 2017/2018 absol­vier­te Grgic für Sion 15 von 18 Spie­len und stand elf Mal in der Start­elf. Valen­tin kann­te ihn bereits von sei­ner Zeit beim FC Zürich — von dem er 2016 nach Stutt­gart wech­sel­te — und hat­te ihn auch beim VfB ver­folgt. Die hohen Erwar­tun­gen, die Valen­tin an Grgic ange­sicht des­sen, wie er sagt “soli­den” Zweit­li­ga-Sai­son am Neckar hat­te, konn­te der zunächst nicht ganz erfül­len, am Ende stei­ger­te Grgic sich jedoch und half Sion als “wich­ti­ge Stüt­ze im Team” im Abstiegs­kampf zum Klas­sen­er­halt.

Die lau­fen­de Sai­son begann furi­os: Grgic traf in jedem der ers­ten drei Sai­son­spie­le jeweils ein Mal. Gegen St. Gal­len ver­senk­te er einen direk­ten Frei­stoß…

… und gegen Neu­cha­tel traf er mit links.

Grgic trifft im August zum 3:0 gegen Neu­cha­tel.

Sein Glück soll­te lei­der nicht lan­ge anhal­ten. Nach einer knap­pen Aus­wärts­nie­der­la­ge beim FC Basel fiel Grgic für zwei Spie­le aus, wur­de dann, so ver­mu­tet Valen­tin, noch ein­mal fit­ge­spritzt, konn­te aber an die Form vom Sai­son­be­ginn nicht mehr anknüp­fen und fiel ab Ende Sep­tem­ber wegen einer Leis­ten­ope­ra­ti­on aus. Bis dahin war er jedoch bei Trai­ner Mau­ri­zio Jaco­b­ac­ci gesetzt — nur ist der auch schon wie­der Geschich­te beim FC Sion. Denn auch der Ver­ein aus dem Wal­lis hat­te, wie Grgics Stamm­ver­ein, 2018 ein Drei-Trai­ner-Jahr. Mitt­ler­wei­le sitzt Murat Yakin auf der Bank, mit dem sich Grgic zwar eine VfB-Ver­gan­gen­heit teilt, unter dem ver­let­zungs­be­dingt aller­dings noch nicht gespielt hat. Valen­tin kann sich aber vor­stel­len, dass die VfB-Leih­ga­be auch unter dem neu­en Trai­ner eine gute Rol­le spielt, da die­ser auf jun­ge Spie­ler set­ze. Hof­fen wir mal, dass Yakin unter dem für sei­ne kur­ze Zünd­schnur euro­pa­weit bekann­ten Prä­si­den­ten des Ver­eins eine län­ge­re Amts­zeit hat und Grgic sich in der Rück­run­de nicht erneut auf einen ande­ren Trai­ner umstel­len muss.

Der­zeit steht Sion in der Schwei­zer Super League auf Platz 7 von 10, wobei das Sai­son­ziel laut Valen­tin eigent­lich bei Platz 4 auf­wärts liegt. Er traut Grgic zu, nach sei­ner Rück­kehr auch wei­ter­hin eine wich­ti­ge Rol­le in der Mann­schaft zu spie­len, auch wenn er nicht davon aus­geht, dass er so schnell wie­der auf dem Platz steht. Prin­zi­pi­ell traut er ihm sogar zu, sich in der Bun­des­li­ga durch­zu­set­zen, hält es aller­dings für sinn­voll, dass Grgic vor­her noch bis Ende des Jah­res in der Schweiz bleibt.

Sion hat sich eine Kauf­op­ti­on im Anschluss an die Lei­he gesi­chert und und ich kann mir gut vor­stel­len, dass sie die­se, ange­sichts der Wich­tig­keit Grgics für die Mann­schaft, zie­hen wer­den. Auch Grgic hat, im Bezug auf den VfB, ein wenig das Pro­blem, dass sich der Ver­ein in sei­ner Abwe­sen­heit ent­wi­ckelt hat, zumin­dest was  die Trans­fer­phi­lo­so­phie angeht. Im Som­mer ver­pflich­te­te der VfB für sei­ne Posi­ti­on Gon­za­lo Cas­tro, der zwar außer Form ist, im Ver­gleich zu Grgic im Zwei­fels­fall aber immer noch die Nase vor­ne haben wür­de. Zudem expe­ri­men­tiert Mar­kus Wein­zierl aktu­ell mit einer Dop­pel­sechs bestehend aus Gent­ner und Aogo, es gibt im defen­si­ven Mit­tel­feld noch Sant­ia­go Ascací­bar und schließ­lich wird aller Vor­rau­sicht nach im Som­mer Orel Manga­la, auf den wir gleich noch zu spre­chen kom­men, zum VfB zurück­keh­ren. Viel Kon­kur­renz also für einen Spie­ler, der in der Schweiz viel­leicht glück­li­cher wird. Ähn­lich wie bei Green und Zim­mer wird Grgic am Ende sei­ner Lei­he nicht nur Spiel­pra­xis und Erfah­rung gesam­melt haben, son­dern in sei­nem Leih- auch sei­nen zukünf­ti­gen Ver­ein gefun­den haben. Was ich ehr­lich gesagt ein wenig scha­de fin­de, weil er mir in der zwei­ten Liga eigent­lich ziem­lich gut gefiel, was natür­lich nichts über sei­ne Taug­lich­keit für die höchs­te deut­sche Spiel­klas­se aus­sagt.

Kom­men wir nun zu den drei Spie­lern, denen weit­aus grö­ße­re Chan­cen auf eine Wei­ter­be­schäf­ti­gung in Stutt­gart zuge­stan­den wer­den und für deren Betreu­ung der VfB im Sep­tem­ber auch Hel­mut Schul­te an Bord hol­te: Orel Manga­la, Mar­cin Kamin­ski und Rober­to Mas­si­mo.

Der per­fek­te Sech­ser?

Der Leih­spie­ler, der in die­ser Sai­son sicher­lich am schmerz­haf­tes­ten von VfB-Fans ver­misst wird, ist Orel Manga­la, Er ist näm­lich, immer­hin ohne Kauf­op­ti­on, an der­zei­ti­gen Tabel­len­füh­rer der 2. Bun­des­li­ga, den Ham­bur­ger SV aus­ge­lie­hen. Dort stand er nach sei­nem Wech­sel Anfang August in allen 17 vor der Win­ter­pau­se ver­blie­be­nen Spie­len auf dem Platz, 16 Mal sogar in der Start­elf. Chris­ti­an (@Krischan1887) vom Pod­cast HSV Klönstuv berich­tet uns, wie sich Manga­la an der Elbe macht.

Er habe per­fekt ins “Beu­te­sche­ma des (end­lich) neu­en HSV gepasst, erzählt Chris­ti­an, da der Mann­schaft noch ein zwei­kampf- und tech­nisch star­ker defen­si­ver Mit­tel­feld­spie­ler gefehlt habe. Dies sei­en auch die Erwar­tun­gen an Manga­la gewe­sen. Ein­zi­ger Wer­muts­trop­fen: Die feh­len­de Kauf­op­ti­on. Das sei aber etwas, wor­an man sich als HSV-Fan wohl gewöh­nen müs­se.

Wie es scheint, hat Manga­la die Erwar­tun­gen in der Hin­run­de auch erfüllt, Chris­ti­an zufol­ge ist er neben Aaron Hunt und Dou­glas San­tos einer der Leis­tungs­trä­ger des Teams und sei auch für sein Alter bereits sehr weit. Umso mehr wun­dert er sich über das man­geln­de Ver­trau­en gegen­über Manga­la sei­tens der Ver­ant­wort­li­chen beim VfB und mut­maßt, bei einem frü­he­ren Trai­ner­wech­sel in Stutt­gart wäre Manga­la wohl nicht zum HSV gekom­men. Ganz von der Hand zu wei­sen ist das nicht, wobei er auch unter Han­nes Wolf ab Mit­te der Hin­run­de mehr und mehr auf der Bank saß.

In Ham­burg haben sich die bei­den jetzt wie­der getrof­fen, aller­dings unter ande­ren Umstän­den. Das führt dazu, dass Manga­la Stamm­spie­ler auf der Sech­ser­po­si­ti­on ist. Mit sei­ner Prä­senz auf dem Platz kön­ne er aus dem defen­si­ven Mit­tel­feld als Ein­zel-Sechs sei­ne Stär­ken, näm­lich die Zwei­kämp­fe und sein schnel­les Auf­bau­spiel, am Bes­ten zur Gel­tung brin­gen. Christan lobt beson­ders  Manga­las Facet­ten­reich­tum, der es ihm ermög­li­che, sein Augen­merk je nach Bedarf ent­we­der auf defen­si­ve oder offen­si­ve Auf­ga­ben zu rich­ten.

Dem­entspre­chend traut er ihm auch zu, sich in der Zukunft in der Bun­des­li­ga durch­zu­set­zen, auch wenn er ihn, wie vie­le HSV-Fans, ger­ne in Ham­burg behal­ten wür­de. Fast genau­so groß ist der Wunsch vie­ler VfB-Fans, Manga­la bereits im Win­ter wie­der zurück zu holen. Gera­de ange­sichts der gro­ßen Pro­ble­me, die die Brust­ring­trä­ger in der Hin­run­de im Umschalt­spiel offen­bar­ten und die sich per­so­nell vor allem an Gon­za­lo Cas­tros man­geln­der Form und Sant­ia­go Ascací­bars Fokus­sie­rung auf Grät­schen fest­ma­chen las­sen. Dabei darf man natür­lich nicht außer Acht las­sen, dass Manga­la sei­ne der­zeit sehr guten Leis­tun­gen eben “nur” in der zwei­ten Liga zeigt, wenn auch bei einem poten­zi­el­len Auf­stei­ger.

Dass er im Som­mer zurück zum VfB kommt, ist bereits aus­ge­mach­te Sache, Micha­el Resch­ke hat einen Ver­kauf kate­go­risch abge­lehnt. Ich kann mir auch, wenn Manga­la sich so wei­ter­ent­wi­ckelt wie bis­her, durch­aus vor­stel­len, dass er sich beim VfB eta­bliert und uns in den nächs­ten Jah­ren wird hel­fen kön­nen. Das wür­de aller­dings einen Sys­tem­wech­sel beim VfB bedeu­ten, der in der Ver­gan­gen­heit meis­tens mit zwei Spie­lern im defen­si­ven zen­tra­len Mit­tel­feld auf­lief. Viel wird davon abhän­gen, wel­che Leis­tun­gen Gon­za­lo Cas­tro in der Rück­run­de zeigt und wie sich Sant­ia­go Ascací­bar wei­ter­ent­wi­ckelt. Mehr Power im Umschalt­spiel brau­chen wir in Zukunft auf jeden Fall, wenn wir die nun schon län­ger andau­ern­de Offen­siv­flau­te been­den wol­len. Schau­en wir mal, wie die Kar­ten im Som­mer neu gemischt wer­den.

Ein Leihgeschäft par excellence

Auch die Lei­he von Mar­cin Kamin­ski zu For­tu­na Düs­sel­dorf sorg­te bei VfB-Fans im Lau­fe der Hin­run­de mit­un­ter für Bauch­schmer­zen. Nicht nur, weil er mit sei­nem der­zei­ti­gen Arbeit­ge­ber zur Win­ter­pau­se zwei Plät­ze und vier Punk­te vor dem Ver­ein mit dem Brust­ring liegt. Schließ­lich wur­de Kamin­ski auch des­halb ver­lie­hen, weil er durch die uner­war­te­te Wei­ter­ver­pflich­tung von Hol­ger Bad­s­tu­ber im Innen­ver­tei­di­ger-Ran­king auf Platz 5 zurück fiel. Dum­mer­wei­se ver­letz­te sich Marc Oli­ver Kempf zu Sai­son­be­ginn und sowohl Bad­s­tu­ber als auch Pavard lie­fen ihrer Form hin­ter­her. Wie Kamin­skis Hin­run­de bei der For­tu­na lief, hat uns Tho­mas Nowag (@Dagobert95), Jour­na­list beim Sport-Infor­ma­ti­ons-Dienst (sid) und Düs­sel­dorf-Fan erklärt.

Außer Kamin­skis Name und Posi­ti­on habe er vor dem Wech­sel wenig über den Innen­ver­tei­di­ger gewusst, so Tho­mas, er sei aber nach ein wenig Recher­che sehr ange­tan gewe­sen: “Es klang nach einer sinn­vol­len Ver­stär­kung”. Die­se Ein­schät­zung soll­te sich bestä­ti­gen, denn Kamin­ski wur­de, auch auf­grund von Ver­let­zun­gen ande­rer Spie­ler, sofort Stamm­spie­ler und stand bei allen sei­ner 14 Star­t­el­fein­sät­ze über 90 Minu­ten auf dem Platz. Den ers­ten Spiel­tag ver­pass­te er, weil er erst am Tag zuvor gewech­selt war, Mit­te der Sai­son saß er zwei Spie­le lang auf der Bank. Es waren die bei­den Par­tien, die auf das 1:7‑Debakel der For­tu­na in Frank­furt folg­ten. Tho­mas betont jedoch, dass er zwar mit der Mann­schaft zeit­wei­se unter­gan­gen sei, jedoch wenig gro­be Feh­ler gemacht habe. Er lobt Kamin­skis Stel­lungs­spiel, sei­ne Ruhe und sein Kopf­ball­spiel — vom ihm ange­prie­se­nen gefähr­li­chen Offen­siv­kopf­ball habe er jedoch bis­her wenig gese­hen. Pro­ble­me habe er auf­grund sei­ner feh­len­den Schnel­lig­keit und gegen wen­di­ge Spie­ler —  Stär­ken und Schwä­chen, die uns aus sei­ner Stutt­gar­ter Zeit durch­aus bekannt sind. Dem­entspre­chend hät­te Tho­mas auch kein Pro­blem damit, wenn die For­tu­na Kamin­ski trotz feh­len­der Kauf­op­ti­on im Som­mer wei­ter­ver­pflich­ten wür­de — “als Innen­ver­tei­di­ger zwei bis drei”.

Anders als Manga­la hat Kamin­ski sei­ne Bun­des­li­ga­taug­lich­keit durch­aus schon bewie­sen, nicht nur beim VfB in der letz­ten Sai­son, son­dern auch bei der For­tu­na. Ange­sichts des fest­ste­hen­den Wech­sels von Pavard nach Mün­chen und der der­zeit kur­sie­ren­den Gerüch­te über einen Abgang Hol­ger Bad­s­tu­bers im Win­ter oder spä­tes­tens im kom­men­den Som­mer gehe ich fest davon aus, dass Kamin­ski in der Sai­son 2019/2020 wie­der das Tri­kot mit dem Brust­ring tra­gen wird. Aller­dings wird er auch dann, nach jet­zi­gem Stand, nur Innen­ver­tei­di­ger Num­mer drei sein, denn ich schät­ze sowohl Timo Baum­gartl als auch Marc Oli­ver Kempf als stär­ker ein. Gera­de Kamin­skis Behä­big­keit am Boden berei­tet mir wei­ter­hin Sor­gen und ist der Grund, war­um ich in ihm nicht mehr als einen Ergän­zungs­spie­ler sehe. Aber auch sol­che Akteu­re braucht man eben im Kader. In die­sem Fall scheint sich der Zweck eines Leih­ge­schäfts — das sieht auch Tho­mas so — bis­her erfüllt zu haben. Der Spie­ler hat die Mög­lich­keit zu spie­len, der Leih-Ver­ein hat sich ver­stärkt und der Stamm­ver­ein hat sei­nen Kader sinn­voll redu­ziert.

Ein Versprechen für die Zukunft

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I’m not done yet… soon be back

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Zum Abschluss geht es um einen Son­der­fall. Rober­to Mas­si­mo hat zwar einen Ver­trag beim VfB unter­schrie­ben, aber noch nie ein Spiel im Brust­ring absol­viert, denn der 18jährige wur­de direkt wie­der an sei­nen bis­he­ri­gen Ver­ein Armi­nia Bie­le­feld ver­lie­hen. Zunächst für ein Jahr, viel­leicht sogar für zwei. Im Som­mer stell­te uns DSC-Fan Mai­ke (@masi_76) den Neu­zu­gang vor, nach einem hal­ben Jahr haben wir uns wie­der bei ihr gemel­det, um uns bei Mas­si­mo auf den neu­es­ten Stand brin­gen zu las­sen.

Im Som­mer sei­en die Reak­ti­on auf das Trans­ger­ge­schäft posi­tiv gewe­sen, erklärt Mai­ke, schließ­lich habe man eine gute Ablö­se­sum­me für ein Eigen­ge­wächs kas­siert, das aber erst­mal wei­ter Spiel­pra­xis im Ver­ein sam­meln kann. Wäh­rend Mas­si­mo aller­dings gegen Ende der ver­gan­ge­nen Sai­son häu­fi­ger zum Ein­satz kam, reich­te es in der Hin­run­de nur für drei Ein­sät­ze in der Liga und zwei im Pokal. Bei der 1:0‑Niederlage in Aue stand er das ein­zi­ge Mal in der Start­elf, beim 1:2 gegen St. Pau­li spiel­te er nur sie­ben Minu­ten. Immer­hin: Beim Aus­wärts­sieg in Darm­stadt gelang ihm nach sei­ner Ein­wechs­lung in der 70. Minu­te immer­hin das Tor zum Aus­gleich.

Mai­ke zufol­ge sei­en sei­ne Auf­trit­te in den Spie­len in Ord­nung gewe­sen, er habe sich wohl im Trai­ning nicht bewei­sen kön­nen, ihm feh­le noch die Kon­stanz, was ange­sichts sei­nes Alters aber auch kei­ne Über­ra­schung sei. Mit­te Novem­ber zog sich Mas­si­mo eine Sprung­ge­lenks­ver­let­zung zu und hat seit­her des­halb kein wei­te­res Spiel mehr für die Armi­nia gemacht. Trai­ner Jeff Saibe­ne, unter dem er sein Pro­fi­de­büt fei­er­te, wur­de ange­sichts der pre­kä­ren Tabel­len­si­tua­ti­on der Armi­nia, die auf Platz 14 über­win­tert, durch Uwe Neu­haus ersetzt. Es wird inter­es­sant sein zu sehen, ob Mas­si­mo unter ihm mehr Ein­satz­zeit bekommt, Mai­ke zufol­ge bevor­zu­ge er ein ande­res Sys­tem. Es ist also noch vie­les unklar, zumal Neu­haus die Mann­schaft erst in zwei Spie­len betreu­te.

Mas­si­mo bereits im Som­mer nach Stutt­gart zu holen, ist sicher­lich aktu­ell kei­ne gute Idee, das sieht auch Mai­ke so. Statt­des­sen soll­te er sich lie­ber in Bie­le­feld noch wenig ent­wi­ckeln und mehr Spiel­pra­xis sam­meln. Er wird auch im Okto­ber erst 19 Jah­re alt und hat dem­entspre­chend noch genug Zeit, sich im Anschluss an sei­ne Zeit in Bie­le­feld in Stutt­gart durch­zu­set­zen. Es ist das ers­te Mal seit lan­gem, dass der VfB zu einem sol­chen Ver­trags­kon­strukt greift, Rober­to Mas­si­mo ist und bleibt zunächst ein Ver­spre­chen für die Zukunft. Uns bleibt nichts wei­ter übrig als abzu­war­ten, wie er sich in den kom­men­den ein­ein­halb Jah­ren in Bie­le­feld ent­wi­ckelt und der Armi­nia die Dau­men zu drü­cken, dass sie die Klas­se hält. Ein Abstieg sei­nes Ver­eins in die Drit­te Liga wäre wohl für alle Par­tei­en der Worst Case, dann blie­be dem VfB nur, ihn zu einem ande­ren Zweit­li­gis­ten zu ver­lei­hen. Wer­den wir Mas­si­mo irgend­wann ab 2020 im Brust­ring in der Bun­des­li­ga auf­lau­fen sehen? Ich kann es aktu­ell nicht mit Bestimmt­heit sagen, dafür gibt es momen­tan ein­fach noch zu vie­le Unge­wiss­hei­ten.

Class of 2018/19

Vor einem Jahr habe ich an die­ser Stel­le über die Sinn­haf­tig­keit von Leih­ge­schäf­ten phi­lo­so­phiert. Uns VfB-Fans stellt sich die­se Fra­ge auch ange­sichts der bis­he­ri­gen Win­ter­neu­zu­gän­ge Alex­an­der Ess­wein und Ste­ven Zuber. Anders als in der ver­gan­ge­nen Sai­son hat das Ver­lei­hen der in die­sem Arti­kel genann­ten Spie­ler aber ganz unter­schied­li­che Ziel­set­zun­gen. Bei Ofo­ri, Ail­ton und Grgic geht es schein­bar vor allem dar­um, durch die Lei­he neue Ver­ei­ne für die drei Spie­ler zu fin­den, wäh­rend Manga­la und Kamin­ski eher Spiel­pra­xis sam­meln soll­ten, mit der sie dem VfB in Zukunft hel­fen kön­nen. Ein Son­der­fall ist wie eben erwähnt Rober­to Mas­si­mo. Im Fall der drei erst­ge­nann­ten Akteu­re bleibt zu hof­fen, dass der Plan auf­geht und sie nicht wie bei­spiels­wei­se Jan Kli­ment beim VfB kom­plett auf dem Abstell­gleis lan­den und am Ende sogar eine teu­re Ver­trags­auf­lö­sung das Resul­tat ist. Ziel der Trans­fer­po­li­tik soll­te es wei­ter­hin sein, Spie­ler nur stra­te­gisch sinn­voll oder zumin­dest aus­sichts­reich aus­zu­lei­hen. In einem Jahr, bei der nächs­ten Auf­la­ge die­ses Arti­kels, wis­sen wir viel­leicht schon mehr.

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