Bald wieder im Brustring (?): Antonis Aidonis, Maxime Awoudja, Darko Churlinov, Momo Cissé, Philipp Klement, Alou Kuol, Pablo Maffeo, Matej Maglica und Leonhard Münst

Neun VfB-Spie­ler waren in der Rück­run­de der abge­lau­fe­nen Sai­son an ande­re Ver­ei­ne im In- und Aus­land aus­ge­lie­hen. Wie schon im ver­gan­ge­nen Som­mer geben wir Euch einen Über­blick über deren Leis­tun­gen und Per­spek­ti­ven aus ers­ter Hand: Von Expert*innen vor Ort.

Es gab Zei­ten, da war die­ser Arti­kel wesent­lich kür­zer. In der ver­gan­ge­nen Sai­son waren es zu Beginn mit Niko­las Nar­tey und Pablo Maf­feo nur zwei Spie­ler, die der VfB ver­lieh, im Win­ter kam dann noch Maxi­me Awoud­ja hin­zu. Am Ende der gera­de beschlos­se­nen Sai­son hat sich die­se Zahl ver­drei­facht, so dass man in Anleh­nung an manch eng­li­schen Ver­ein schon von einer loan army spre­chen kann, auch wenn natür­lich das dahin­ter­ste­hen­de Kon­zept ein ande­res ist. Der VfB hat nicht wie etwa Chel­sea rei­hen­wei­se Jugend­spie­ler ein­ge­sam­melt, die eh nie eine Chan­ce in der Bun­des­li­ga hät­ten, nur um sie über Lei­hen zu Geld machen zu kön­nen. Nein, die Leih­spie­ler-Trup­pe war in der Sai­son 2021/2022 eine Mischung aus Spie­lern, die man beim VfB nicht wei­ter­ent­wi­ckeln konn­te, weil sie für die Regio­nal­li­ga zu stark und für die Bun­des­li­ga zu schwach waren oder denen man mit Lei­hen eine neue Per­spek­ti­ve eröff­nen woll­te, vor­nehm­lich außer­halb Stutt­garts. Zur ers­ten Kate­go­rie zäh­len Anto­nis Aido­nis, Dar­ko Chur­li­nov, Momo Cis­sé, Alou Kuol und Leon­hard Münst, zur zwei­ten Kate­go­rie gehö­ren Maxi­me Awoud­ja, Phil­ipp Kle­ment, Matej Mag­li­ca und natür­lich Pablo Maf­feo. Wäh­rend der Sai­son konn­tet ihr ja schon in unse­ren wöchent­li­chen Pod­cast-Fol­gen erfah­ren, wie sich unse­re Leih­spie­ler am jeweils ver­gan­ge­nen Wochen­en­de geschla­gen hat­ten. Im Win­ter gab es dann ein Update der bereits seit Sai­son­be­ginn ver­lie­he­nen Spie­ler Aido­nis, Awoud­ja, Chur­li­nov, Maf­feo und Münst. Um die Bewer­tung von Hin- und Rück­run­de ver­glei­chen zu kön­nen, haben wir — wenn mög­lich — die glei­chen Expert*innen befragt. Bei den Win­ter­lei­hen ging das natür­lich nicht. Wie in der Ver­gan­gen­heit und um kei­ne beson­de­re Wer­tung rein­zu­brin­gen, gehen wir die Spie­ler alpha­be­tisch durch, am Ende folgt eine Gesamt­be­wer­tung der Leih­ge­schäf­te des VfB in die­ser Sai­son. Begin­nen wir mit

Antonis Aidonis

Antonis Aidonis © Martin Rose/Getty Images
Anto­nis Aido­nis © Mar­tin Rose/Getty Images

Der DFB-Junio­ren-Pokal­sie­ger 2019 such­te nach einem Jahr, das er statt in der zwei­ten Liga größ­ten­teils in der Ober­li­ga Baden-Würt­tem­berg zuge­bracht hat­te, nach einer Mög­lich­keit, im Pro­fi­fuß­ball mehr Spiel­zeit zu krie­gen und fand die­se auch zunächst in Dres­den. Denn in der Hin­run­de bestritt der Innen­ver­tei­di­ger immer­hin elf von mög­li­chen 18 Spie­len, auch wenn der dama­li­ge Trai­ner Alex­an­der Schmidt für Aido­nis Spiel­wei­se eigent­lich zu defen­siv und pres­sin­g­ori­en­tiert spie­len ließ, wie uns Nick damals ver­riet. Zu Aido­nis Leis­tun­gen in der Rück­run­de haben wir dies­mal mit Mar­tin vom Dyna­mo Fan-Pod­cast (@sgd1953_podcast) gespro­chen. Wobei: Viel gab es da nicht zu bespre­chen, um ehr­lich zu sein. Denn zu den elf Spie­len der Hin­run­de kam kein ein­zi­ges wei­te­res hin­zu. Weder unter Alex­an­der Schmidt, der Anfang März nach sie­ben sieg­lo­sen Spie­len auf Platz 14 ste­hend ent­las­sen wur­de, noch unter des­sen Nach­fol­ger Gue­ri­no Capret­ti, unter dem die SGD noch auf Platz 16 abrutsch­te und nach der ver­lo­re­nen Rele­ga­ti­on in die Drit­te Liga abstieg. Nick hat­te im Win­ter bereits ange­deu­tet, dass Aido­nis eher tech­nisch beschla­gen sei, im Spiel gegen den Ball aber Pro­ble­me habe. Mar­tin führt hier­für auch man­geln­de Kon­zen­tra­ti­on als Grund an, die zu Aus­set­zern füh­re, die sich die Mann­schaft im Abstiegs­kampf nicht habe leis­ten kön­nen. Von 18 mög­li­chen Spie­len inklu­si­ve Rele­ga­ti­on stand Aido­nis über­haupt nur sie­ben Mal im Kader, was dar­auf hin­deu­tet, dass sein Stan­ding in Dres­den in der kur­zen Win­ter­pau­se noch­mal deut­lich gelit­ten haben muss. In einer für die Fans frus­trie­ren­den Sai­son sei er auch nicht posi­tiv her­vor­ge­sto­chen, meint Mar­tin, “dass er am Ende nicht mehr berück­sich­tigt wur­de, dürf­te dann den wenigs­ten auf­ge­fal­len sein.”

Wie also sieht sei­ne Per­spek­ti­ve nach einem aus Spie­ler­sicht ver­lo­re­nem hal­ben Jahr mit nega­ti­ven Sai­son­aus­gang aus? Mar­tin möch­te nicht aus­schlie­ßen, dass Aido­nis neben per­sön­li­chen spie­le­ri­schen Ver­säum­nis­sen auch zum fal­schen Zeit­punkt bei Dyna­mo war und führt als Robert And­rich, Vin­cen­zo Grifo oder Mar­vin Schwä­be als Spie­ler an, die sich in Dres­den nicht durch­set­zen konn­ten und spä­ter in der Bun­des­li­ga auf­lie­fen. Die­se hät­ten aller­dings auch bes­se­re Leis­tun­gen gezeigt als Aido­nis. Wenn der den nächs­ten Schritt mache, traue Mar­tin ihm aber durch­aus die zwei­te Liga zu. In der drit­ten Liga hät­te er sogar eine Per­spek­ti­ve als Stamm­spie­ler, so Mar­tin, er wäre aber nicht unbe­dingt die Ver­pflich­tung, nach der sich die Dyna­mo-Fans seh­nen wür­den. Dass er also in der ers­ten Pokal­run­de gegen den VfB auf dem Platz steht, ist aktu­ell eher unwahr­schein­lich. Statt­des­sen ist er ab 1. Juli erst­mal wie­der im Brust­ring tätig. Und dann?

Ich hat­te ja im Win­ter die Hoff­nung gehegt, Aido­nis wür­de in Dres­den Spiel­pra­xis sam­meln und dann für die Bun­des­li­ga-Sai­son 2022/2023 ein guter Back­up für die Abwehr des VfB sein, der für spiel­star­ke, ball­be­sitz­ori­en­tier­te Innen­ver­tei­di­ger ja durch­aus Ver­wen­dung hät­te. Wenn Aido­nis auf­grund von Unkon­zen­triert­hei­ten aller­dings schon bei einem Zweit­li­ga-Abstei­ger in der hei­ßen Pha­se der Sai­son gar kei­ne Rol­le mehr spiel­te, sehe ich da ziem­lich schwarz. Denn unkon­zen­trier­tes Abwehr­ver­hal­ten haben wir in der abge­lau­fe­nen Bun­des­li­ga­sai­son häu­fig genug gese­hen. Wie zu hören ist, sucht Sven Mislin­tat aktu­ell einen Defen­siv­all­roun­der und Aido­nis wäre nicht der Spie­ler in der zwei­ten Rei­he, den ich bei Sper­ren oder Ver­let­zun­gen unse­rer Innen­ver­tei­di­ger rein­wer­fen wol­len wür­de. Gleich­zei­tig ist er aber auch gera­de erst 21 gewor­den und hat bis zur U20 alle deut­schen U‑Nationalmannschaften durch­lau­fen. Außer­dem stand die Lei­he nach Dres­den, wie im Win­ter beschrie­ben, von Anfang an unter kei­nem guten Stern. Eine Chan­ce wür­de ich ich ihm, bei einem spie­le­risch ambi­tio­nier­te­ren und weni­ger abstiegs­ge­fähr­de­tem Zweit­li­gis­ten noch geben wol­len. Oder man ver­leiht ihn direkt in die Drit­te Liga, um ihm regel­mä­ßig Spiel­zeit zu geben. Auf jeden Fall gehört er nach die­ser Sai­son zu den jun­gen Spie­lern, deren Zeit beim VfB ein kla­res Ablauf­da­tum hat, soll­te in der nächs­ten Sai­son nicht noch etwas Über­ra­schen­des pas­sie­ren. Was die ver­lo­re­ne Zeit in Dres­den umso ärger­li­cher macht.

Eine per­sön­lich ähn­lich durch­wach­se­ne, sport­lich aber erfolg­rei­che­re Rück­run­de hat­te

Maxime Awoudja

Maxime Awoudja © VfB-exklusiv.de
Maxi­me Awoud­ja © VfB-exklusiv.de

…, der mit der WSG Tirol zwar nach 22 Haupt­run­den-Spie­len in die Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pe genann­te Abstiegs­run­de muss­te, die­se aber gewann und sich dadurch um ein Haar noch für die Euro­pa-League-Qua­li­fi­ka­ti­on qua­li­fi­ziert hät­te, jedoch in zwei Ent­schei­dungs­spie­len an Rapid schei­ter­te. Von mög­li­chen 17 Par­tien seit dem Jah­res­wech­sel in der Haupt­run­de, der Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pe und den Ent­schei­dungs­spie­len bestritt Awoud­ja acht Par­tien. Ein­mal fehl­te er wegen einer Gelb­sper­re, war danach zwei Spie­le ver­letzt. Beim 4:0 gegen Linz Ende April berei­te­te er noch das Tor zum 1:0 vor, muss­te aber nach 17 Minu­ten ver­letzt raus und stand dann erst wie­der im Rück­spiel gegen Rapid Ende Mai auf dem Platz. Immer­hin für 90 Minu­en wie auch sonst eigent­lich immer, wenn er nicht gera­de von Ver­let­zun­gen zurück­kam.

Dani­el Sau­er (@danielistsauer), der wie Georg San­der, unser Gesprächs­part­ner im Win­ter, für das öster­rei­chi­sche Online-Fuß­ball­ma­ga­zin 90minuten.at schreibt, sieht ihn als maxi­mal den zweit­bes­ten Innen­ver­tei­dier einer ins­ge­samt schwa­chen Defen­si­ve, schränkt aber ein, dass er Awoud­ja nicht beson­ders beob­ach­tet habe. Vor allem im eins gegen eins sei er oft eher ent­täu­schend gewe­sen und  habe zu pas­siv agiert. Ins­ge­samt sei weder posi­tiv, noch nega­tiv auf­ge­fal­len, in der deut­schen Bun­des­li­ga kann Dani­el sich ihn in der kom­men­den Sai­son nicht vor­stel­len. In der öster­rei­chi­schen aber auch nicht unbe­dingt, zumin­dest nicht in Tirol, wo nach Dani­els Aus­kunft finan­zi­ell nur eine wei­te­re Lei­he umsetz­bar wäre, wonach es aber aktu­ell nicht aus­se­he.

Awoud­jas Ver­trag läuft 2023 aus, er wur­de letz­tes Jahr ver­län­gert, um ihn noch ein­mal ver­lei­hen zu kön­nen. Weder in sei­ner Zeit bei Türk­gücü Mün­chen, noch in dem Jahr in Tirol konn­te er sich für die Bun­des­li­ga emp­feh­len, die Wahr­schein­lich­keit, dass er mit 24 noch­mal einen Sprung macht, der bis in den Erst­li­ga-Kader des VfB reicht, hal­te ich für nicht sehr hoch. Hin­zu kommt sei­ne Ver­let­zungs­an­fäl­lig­keit, die ihn schon die zwei­te Hälf­te des Jah­res 2020 außer Gefecht setz­te, ihm den Sai­son­end­spurt bei Türk­gücü ver­kürz­te und auch in der ers­ten Hälf­te die­ses Jah­res zu ver­pass­ten Spie­len führ­te. Ich könn­te ihn mir durch­aus in Öster­reich oder der zwei­ten deut­schen Bun­des­li­ga vor­stel­len, ich gehe aber schwer davon aus, dass das 2:6 in Ham­burg vor drei Jah­ren sein letz­tes Spiel im Brust­ring war. Dass man in die­sem Jahr die damals mut­maß­lich gezahl­te Ablö­se von 1,5 Mil­lio­nen Euro wie­der rein­be­kommt, hal­te ich für unrea­lis­tisch, aber anders als bei Anto­nis Aido­nis hat­te Awoud­ja immer­hin die Mög­lich­keit, sei­ne Fähig­kei­ten ins Schau­fens­ter zu stel­len und sich somit für ande­re Ver­ei­ne inter­es­sant zu machen.

Auch bei

Darko Churlinov

Darko Churlinov. © Christof Koepsel/Getty Images
Dar­ko Chur­li­nov. © Chris­tof Koepsel/Getty Images

ist es aktu­ell unsi­cher, ob wir ihn noch ein­mal im Brust­ring sehen wer­den. Der nord­ma­ze­do­ni­sche Natio­nal­spie­ler wur­de mit sei­nem Leih­ver­ein Schal­ke 04 Zweit­li­ga-Meis­ter und kommt auf ins­ge­samt 27 Ein­sät­ze, davon 13 in der Start­elf. Von sei­nen zwei Toren und sechs Vor­la­gen gelan­gen dem Außen­bahn­spie­ler eines bezie­hungs­wei­se vier in der Rück­run­de, wobei er in den letz­ten vier Spie­len je ein Tor vor­be­rei­te­te. Wie schon im Win­ter stand uns für Chur­li­novs Leih-Bilanz Anni­ka Becker (@annika_be) vom S04-Blog Halb­feld­flan­ke Rede und Ant­wort. Wäh­rend Chur­li­nov in der Hin­run­de bedingt durch eine Ver­let­zung und tak­tisch-per­sön­li­che Grün­de von Trai­ner Gram­mo­zis ins­ge­samt sie­ben Spie­le ver­pass­te, war in der Rück­run­de nur ein­mal wegen mus­ku­lä­ren Pro­ble­men nicht im Kader, ein wei­te­res Mal saß er 90 Minu­ten auf der Bank. Im Lau­fe der Rück­run­de star­te­te Schal­ke von Platz 4 auf Platz 1 durch und sicher­te sich am Ende sou­ve­rän den Auf­stieg. Gram­mo­zis wur­de nach einem 3:4 gegen Ros­tock Ende März ent­las­sen, anschlie­ßend hol­te die Mann­schaft unter Mike Büs­kens acht Sie­ge aus neun Spie­len — und ein 1:4 gegen den spä­te­ren Mit­auf­stei­ger aus Bre­men.

Für Chur­li­nov habe sich in der Rück­run­de trotz des Trai­ner­wech­sels und der damit ver­bun­de­nen Sys­tem­um­stel­lung von einem 3–5‑2 auf ein 4–4‑2 oder 4–2‑3–1 nicht viel ver­än­dert, erzählt Anni­ka. Er habe zwar durch die Vie­rer­ket­te einen nomi­nel­len Rechts­ver­tei­di­ger hin­ter sich gehabt, habe aber trotz­dem viel nach hin­ten gerar­bei­tet. Auch bedingt durch Ver­let­zun­gen von Posi­ti­ons­kon­kur­ren­ten sei Chur­li­nov gegen Ende der Hin­run­de ins Team gerutscht und habe sich dort fest­ge­spielt. Eine Ent­wick­lung macht sie im Ver­hal­ten auf dem Platz fest: Wäh­rend er in der Hin­run­de abseits des Plat­zes durch­aus ein Team­play­er war, auf dem Rasen aber sehr eigen­sin­nig agiert habe, setz­te er sei­ne Mit­spie­ler in der Rück­run­de bes­ser in Sze­ne und akzep­tier­te auch eine tak­tisch beding­te Ein- und wie­der Aus­wechs­lung gegen Regens­burg und applau­dier­te beim Ver­las­sen des Plat­zes sogar dem Publi­kum. Anni­ka zufol­ge sei Chur­li­nov dadurch auch zu einem “sehr wich­ti­gen Spie­ler” für Schal­ke gewor­den, zudem ver­mu­tet sie, dass er auch mit Mike Büs­kens bes­ser klar­kam als mit Dimi­tri­os Gram­mo­zis, auch das mag sei­nen Teil zu Chur­li­novs Auf­schwung in der Rück­run­de bei­getra­gen haben.

Stark im Dribbling

Dabei über­zeug­te er Anni­ka zufol­ge vor allem mit sei­nen Fähig­kei­ten im Dribb­ling. Sie zieht dafür die Daten von Wyscout her­an, die für Chur­li­nov beim Dribb­ling eine Erfolgs­quo­te von 62 Pro­zent aus­wei­sen, in die­ser Kate­go­rie lan­det er damit liga­weit auf Platz 13. Sei­ne Spe­zia­li­tät sei­en Läu­fe bis zur Grund­li­nie gewe­sen, an der er sich dann ent­we­der an sei­nem Gegen­spie­ler vor­bei­ge­spielt oder eine Ecke her­aus­ge­holt hät­te. Wenn er durch­kam, hat­te er auch einen guten Über­blick und mit Simon Terod­de und Mari­us Bül­ter auch dank­ba­re Abneh­mer. In Zah­len aus­ge­drückt sind das 4,3 Ball­be­rüh­run­gen und 3 Pass­ver­su­che im Straf­raum pro Spiel, von den Pass­ver­su­chen gelang jeder zwei­te. Eine beson­de­re Bedeu­tung erfah­ren die Zah­len dadurch, dass Schal­ke sehr links­las­tig und damit nicht über Chur­li­novs rech­te Sei­te spiel­te. Auch im Pres­sing habe Chur­li­nov stark agiert, Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al sieht Anni­ka noch im Abschluss und in der Varia­bi­li­tät bei Zuspie­len.

Nach der Sai­son mach­te Chur­li­nov rela­tiv schnell deut­lich, in Gel­sen­kir­chen blei­ben zu wol­len. Dass er sich im Schal­ker Team wohl­fühlt, wur­de ja schon deut­lich. Anni­ka wür­de Chur­li­nov ger­ne behal­ten, ver­deut­licht aber auch, dass die vom VfB auf­ge­ru­fe­ne Ablö­se­sum­me von 3 Mil­lio­nen Euro für den Ver­ein der­zeit nur schwer zu stem­men sei, denn “Schal­ke gibt end­lich nur noch das Geld aus, das es auch hat”. Sie sieht Chur­li­nov durch­aus als Berei­che­rung für Mann­schaf­ten im unte­ren Tabel­len­drit­tel, aller­dings nicht über 90 Minu­ten, da sei­ne Art zu spie­len sehr kraft­rau­bend sei. Im unte­ren Tabel­len­drit­tel wer­den sich sehr wahr­schein­lich in der kom­men­den Sai­son sowohl der VfB als auch Schal­ke wie­der­fin­den. Wäre Chur­li­nov also eine Ver­stär­kung, soll­te er zum VfB zurück­keh­ren? Zunächst ein­mal ist frag­lich, ob es über­haupt dazu kommt, schließ­lich wur­de er ja 2019 schon unter den Vor­zei­chen ver­pflich­tet, dass er in Köln für sich kei­ne Per­spek­ti­ve sah und des­we­gen das Wei­te such­te. Ande­rer­seits hat er bei Schal­ke end­lich die Spiel­zeit gekriegt, die er in Stutt­gart nicht hat­te und auch wenn sich die Zah­len aus der zwei­ten Liga nicht kom­plett in der Bun­des­li­ga wer­den repro­du­zie­ren las­sen, so ist doch davon aus­zu­ge­hen, dass er sich in der ver­gan­ge­nen Sai­son wei­ter­ent­wi­ckelt hat.

Churlinov oder Marmoush?

Eigent­lich eine gelun­ge­ne Lei­he also, ich sehe aller­dings ein gewis­ses Pro­blem in sei­nem Pro­fil. Denn Offen­siv­spie­ler, die den letz­ten Pass spie­len kön­nen, beim eige­nen Tor­ab­schluss aber regel­mä­ßig schei­tern, haben wir eigent­lich schon genug im Kader. Das wäre kein Pro­blem, wenn ihre Zuspie­le wenigs­tens erfolg­reich Ver­wen­dung fin­den wür­den, aber auch das war in der abge­lau­fe­nen Sai­son zu sel­ten der Fall. Die Dif­fe­renz zwi­schen erwar­te­ten und erziel­ten Toren lag in der ver­gan­ge­nen Sai­son bei sie­ben Tref­fern. Die Fra­ge die sich stellt: Liegt das an der Qua­li­tät der Pass­ab­neh­mer oder an der Qua­li­tät der Zuspie­le. Sven Mislin­tat und Pel­le­gri­no Mat­a­raz­zo müs­sen sich sehr genau anschau­en, ob es einen grö­ße­ren Mehr­wert bie­tet, einen Chur­li­nov im Kader zu haben, der die Stür­mer in noch bes­se­re Schuss­po­si­tio­nen bringt oder die Ablö­se ein­zu­strei­chen, von wem auch immer, und sich damit einen treff­si­che­ren Stür­mer zu finan­zie­ren. Oder in einen Omar Mar­moush zu inves­tie­ren, der zwar ein ähn­li­ches Pro­fil mit ähn­li­chen Stär­ken und Schwä­chen hat, im Gegen­satz zu Chur­li­nov aber auch beim VfB blei­ben will. Je nach­dem, wie der Ver­hand­lungs­po­ker um Sasa Kalajd­zic aus­geht, wird der VfB sowie­so gezwun­gen sein, im Offen­siv­spiel neue Wege zu gehen, auch weil Bor­na Sosa aller Vor­aus­sicht nach den Ver­ein ver­las­sen wird. In die­sen Über­le­gun­gen spielt dann natür­lich auch die Per­so­na­lie Chur­li­nov eine Rol­le.

In der neu­en Sai­son kei­ne Rol­le beim VfB spie­len wird

Momo Cissé

Momo Cissé © THOMAS KIENZLE/AFP via Getty Images
Momo Cis­sé © THOMAS KIENZLE/AFP via Get­ty Images

…, denn der ist bis Som­mer 2023 an Wis­la Kra­kau ver­lie­hen. Wobei: So sicher ist das gar nicht, denn Wis­la stieg ver­gan­ge­ne Sai­son aus der Eks­tra­kla­sa ab und ob eine Lei­he in der zwei­ten pol­ni­schen Liga das rich­ti­ge für Cis­sé ist, soll­te man noch ein­mal neu bewer­ten. Nach dem Auf­stieg kam er 2020 als 18jähriger vom AC Le Hav­re nach Stutt­gart und auch direkt bei der Auf­takt­nie­der­la­ge gegen Frei­burg zu einem Kurz­ein­satz, dem vier wei­te­re fol­gen soll­ten, bevor ihn gegen Ende der Spiel­zeit eine Ver­let­zung stopp­te, die ihn auch Tei­le der fol­gen­den Hin­run­de ver­pas­sen ließ. Im Janu­ar die­ses Jah­res wur­de er dann für ein­ein­halb Jah­re nach Kra­kau ver­lie­hen. Über sein ers­tes hal­bes Jahr dort haben wir mit Jacek Stas­zak (@jaceksta) gespro­chen, der uns schon 2016 bei der Vor­stel­lung von Mar­cin Kamin­ski als Polen-Exper­te zur Ver­fü­gung stand. Auch dies­mal ist er ein kom­pe­ten­ter Gesprächs­part­ner, er ist näm­lich Wis­la-Fan.

Apro­pos Kamin­ski: Der gab im Win­ter dem Por­tal Newonce.sport ein Inter­view und brach­te sei­nen Lands­leu­ten den Neu­zu­gang aus Deutsch­land näher: Cis­sé sei ein guter, schnel­ler Dribb­ler mit Schwä­chen in der Ent­schei­dungs­fin­dung. Er soll­te in Kra­kau Yaw Yeboah erset­zen, einen drib­bel­star­ken Flü­gel­spie­ler, der kurz vor Cis­sés Lei­he zu Colum­bus Crew in die MLS gewech­selt war. Ein­ge­fä­delt wur­de die Lei­he übri­gens, wie auch der kicker schon berich­te­te, über das aus gemein­sa­men Dort­mun­der Zei­ten gute Ver­hält­nis zwi­schen Sven Mislin­tat und Jakub Błaszc­zy­kow­ski, dem seit 2019 ein Teil von Wis­la gehört und des­sen Bru­der Prä­si­dent des Ver­eins ist. Die Lei­he von Cis­sé sei am dama­li­gen Sport­di­rek­tor Tomasz Pasiecz­ny vor­bei ent­schie­den wor­den, erklärt Jacek, ein Zei­chen dafür, dass des­sen Amts­zeit danach nicht mehr von gro­ßer Dau­er war.

Schnell abgemeldet

Bei Cis­sés Ankunft lag Wis­la noch auf Platz 13 von 18, am Ende bedeu­te­te Platz 16 den Abstieg in die Zweit­klas­sig­keit. Jacek zufol­ge habe sich die­ser lan­ge ange­kün­digt. In den letz­ten 3 Jah­ren habe Wis­la 50 Spie­ler ver­pflich­tet oder aus­ge­lie­hen und fünf ver­schie­de­ne Trai­ner gehabt. Nach einem gutem Sai­son­start habe eine 0:5‑Niederlage gegen Lech Poz­nan im Sep­tem­ber dem bis dahin offen­siv auf­tre­ten­den Team einen schwe­ren Schlag ver­setzt, der letzt­lich Trai­ner Adri­an Gula Im Febru­ar den Job kos­te­te. Ersetzt wur­de er von Jer­zy Brzęc­zek, ehe­ma­li­ger Natio­nal­trai­ner und pikan­ter­wei­se der Onkel von Błaszc­zy­kow­ski. Das habe zwar zu Ver­bes­se­run­gen geführt, habe aber die Sai­son nicht mehr ret­ten kön­nen, auch weil es der Mann­schaft nie gelang, ein Spiel über 90 Minu­ten zu kon­trol­lie­ren. Am Ende sei auch der Irr­glau­be, unab­steig­bar zu sein, ein Fak­tor gewe­sen, meint Jacek. VfB-Fans ken­nen das.

Cis­sé spiel­te in der Rück­run­de acht von 15 mög­li­chen Spie­len und stand dabei vier Mal in der Start­elf. Jacek zufol­ge habe er aber kei­ne gro­ße Rol­le gespielt und sei nach einer schlech­ten Leis­tung im Der­by gegen Cra­co­via in den letz­ten drei Sai­son­spie­len gar nicht mehr zum Ein­satz gekom­men. Und auch vor­her lief es nicht gut für ihn. Er habe zwar bei jedem Ein­satz ein paar gute Dribb­lings und Päs­se gehabt, Ver­tei­di­ger hät­ten aber schnell gemerkt, dass sie ihn durch kör­per­be­ton­tes Spiel abmel­den konn­ten. Über­haupt sei dir Eks­tra­kla­sa eine sehr phy­si­sche Liga, in der Geschwin­dig­keit und Dribb­lings allei­ne nicht aus­reich­ten. Als Schwä­che Cis­sés, der in Kra­kau als lin­ker Flü­gel­spie­ler ein­ge­setzt wur­de, macht Jacek neben der feh­len­den Phy­sis auch das tak­ti­sche Ver­ständ­nis und die Defen­siv­ar­bekt aus, attes­tiert Ihm aber auch eine viel­ver­spre­chen­de Schuss­tech­nik.

Weiter in der zweiten Liga

Wie wird es also mit Cis­sé wei­ter­ge­hen? Offi­zi­ell hat der VfB noch nicht durch­bli­cken las­sen, dass er am Lei­har­ran­ge­ment etwas ändern will und man liest auch in den Medi­en nichts Gegen­tei­li­ges. Jacek meint, der VfB habe wohl kurz­fris­tig kei­ne Ver­wen­dung für ihn, was die unge­wöhn­lich lan­ge Leih­dau­er erklä­re. Die zwei­te pol­ni­sche Liga sei noch phy­si­scher als die ers­te, aller­dings sei­en die Gegen­spie­ler tech­nisch nicht so beschla­gen. Wenn Cis­sé sich in der Som­mer­vor­be­rei­tung wei­ter­ent­wick­le kön­ne er in der zwei­ten Liga zu einem wich­ti­gen Spie­ler wer­den, auch wenn Jacek dar­an aktu­ell noch Zwei­fel hat. Sagen wir mal so: Der Abstieg von Wis­la war sicher nicht ein­kal­ku­liert, als man Cis­sé für ein­ein­halb Jah­re dort­hin ver­lieh. Gleich­zei­tig muss es ein mög­li­ches Sze­na­rio gewe­sen sein, wenn man Jaceks Beschrei­bung der letz­ten Jah­re liest. Ein dann 20jähriger Cis­sé. der in der zwei­ten pol­ni­schen Liga Spiel­pra­xis und Erfolgs­er­leb­nis­se gesam­melt hat, wäre in gewis­sen Berei­chen sicher wei­ter als aktu­ell. Ob sich die Leis­tun­gen sei­ner Lei­he aber dann auf die Bun­des­li­ga über­tra­gen las­sen, steht auf einem ande­ren Blatt. Aktu­ell bin ich mir echt unsi­cher, ob wir ihn noch­mal im VfB-Tri­kot sehen, denn dass er nach Lei­hen­de für die zwei­te Mann­schaft auf­läuft, hal­te ich für aus­ge­schlos­sen. Alles in allem eine eher unbe­frie­di­gen­de Situa­ti­on für alle Sei­ten.

Wesent­lich zufrie­de­ner war

Philipp Klement

Philipp Klement © Cathrin Mueller/Getty Images
Phil­ipp Kle­ment © Cath­rin Mueller/Getty Images

in der Rück­run­de der ver­gan­ge­nen Sai­son in Pader­born. Denn der VfB ver­lieh sei­nen Mit­tel­feld­spie­ler für eine Halb­se­rie zurück zu dem Ver­ein, von dem er 2019 gekom­men war. Nach­dem er im Auf­stiegs­jahr noch auf 12 Start­elf-Ein­sät­ze und sie­ben Ein­wechs­lun­gen gekom­men war, schaff­te er es in ein­ein­halb Jah­ren Bun­des­li­ga nur noch fünf Mal in die Start­elf, wur­de aber 19 Mal ein­ge­wech­selt. Über Kle­ments Rück­run­de und sei­ne wei­te­re Per­spek­ti­ve habe ich mit Mar­co (@MaKornrumpf) vom SCP-Pod­cast Pader­cast gespro­chen. Er sei ver­wun­dert gewe­sen, dass Kle­ment nach Ost­west­fa­len zurück­kehr­te, habe sich aber auch gefreut, da dem SCP nach Kle­ments die Rol­le eines Spiel­ge­stal­ters lan­ge gefehlt habe. Mar­co hoff­te sogar, mit Kle­ment und Stür­mer Sven Michel oben noch­mal angrei­fen zu kön­nen, aber letz­te­rer wech­sel­te dann als Kru­se-Ersatz zu Uni­on Ber­lin. Auch wenn er sich wie die meis­ten Fans über die Rück­kehr gefreut habe, gibt Mar­co zu beden­ken, dass die Lei­he für den Ver­ein nicht ein­fach zu finan­zie­ren gewe­sen sein wird.

Auf jeden Fall taten sich durch den Abgang von Michel, der Lei­he von Kle­ment und der Ver­pflich­tung von Flo­rent Mus­li­ja neue spie­le­ri­sche Optio­nen für Trai­ner Lukas Kwas­ni­ok auf, der dar­auf­hin zur Rück­run­de sein Spiel­sys­tem umstell­te. Nicht nur mit sei­ner spie­le­ri­schen Stär­ke, auch mit sei­ner Erfah­rung habe Kle­ment zum Erfolg die­ser Sys­tem­um­stel­lung bei­getra­gen. Er fehl­te vier Spie­le ver­letzt und eines, weil er Vater wur­de, erziel­te in den ver­blei­ben­den elf Spie­len zwei Tore und berei­te­te vier vor, vor allem stand er aber bis auf eine Aus­nah­me immer min­des­tens 75 Minu­ten auf dem Platz. Zu Beginn habe es, so Mar­co, Kle­ment man­gels Spiel­pra­xis noch ein wenig an Rou­ti­ne und Selbst­ver­ständ­nis gefehlt, er sei aber schnell wie­der zum alten Regis­seur gewor­den, der er vor dem Wech­sel war. Ledig­lich sei­ne Chan­cen­ver­wer­tung habe, wohl auch bedingt durch die man­geln­de Spiel­pra­xis und dadurch feh­len­des Selbst­be­wusst­sein, zu Wün­schen übrig gelas­sen. Mar­co zieht trotz­dem ein posi­ti­ves Fazit: “In Sum­me hat Phil­ipp in sei­ner Zeit in Stutt­gart Erfah­rung gesam­melt die ihn gepaart mit sei­ner Tech­nik und der Spiel­über­sicht zu einem der bes­ten Mit­tel­feld­spie­ler in der 2. Liga machen.”

In der Komfortzone

Inter­es­san­ter­wei­se führ­ten Mar­co und sein Pod­cast-Kol­le­ge Anfang Mai ein Inter­view mit Kle­ment, das ihr hier (oder in jeder Pod­cast-App) nach­hö­ren könnt. Neben der Erkennt­nis, dass die Trai­nings­an­la­gen in Pader­born kom­for­ta­bler sind als die Con­tai­ner-Lösun­gen in Bad Cannstatt, hört man hier einen sehr reflek­tier­ten, boden­stän­di­gen Kle­ment, der sich in Pader­born wohl­zu­füh­len scheint. Das beruht durch­aus auf Gegen­sei­tig­keit, wie Mar­co ver­si­chert, es sei, als wäre er nie weg gewe­sen. Eine Zunei­gung, die ihm in Stutt­gart offen­sicht­lich fehl­te, denn im Inter­view wird auch deut­lich, dass Kle­ment das Ver­trau­en des Umfelds braucht, um sei­ne bes­te Leis­tung zu brin­gen. Pader­born scheint da so ein wenig sei­ne Kom­fort­zo­ne zu sein, die er in Stutt­gart nie hat­te, aber schein­bar brauch­te, um Wider­stän­de zu über­win­den. In der Tat brach­te er es ja immer wie­der zu Ein­sät­zen, in denen er nicht so wirk­lich über­zeug­te, im Anschluss rotier­te er dann wie­der aus der Mann­schaft raus. Gleich­zei­tig deu­tet er aber an, im Som­mer eine neue Her­aus­for­de­rung zu suchen. Wenn man die finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten Pader­borns uns sei­ne Per­spek­ti­ve beim VfB betrach­tet, wird er die wohl bei kei­nem von bei­den Ver­ei­nen fin­den. Mar­co fast sei­ne Per­spek­ti­ven wie folgt zusam­men: “Ich weiß auch nicht ob die Bun­des­li­ga ein Umfeld ist in dem er sich als Stamm­spie­ler eta­blie­ren kann, dazu ist sicher­lich eine gro­ße Por­ti­on ver­trau­tes Umfeld not­wen­dig. Viel­leicht fin­det er dies ja bei Stef­fen Baum­gart oder San­dro Schwarz bei Ihren Ver­ei­nen in der ers­ten Bun­des­li­ga. Ansons­ten soll­te er kei­ne Pro­ble­me haben ein Ange­bot von einem Zweit­li­gis­ten zu bekom­men der sich den Auf­stieg auf die Fah­nen schreibt.”

So ähn­lich sehe ich es auch. Kle­ment war für den Auf­stieg ein wich­ti­ger Spie­ler, dem aber noch ein biss­chen Selbst­ver­trau­en und damit ver­bun­den viel­leicht auch Qua­li­tät für die Bun­des­li­ga fehlt. Er müss­te dafür wahr­schein­lich schon an sei­ne obe­re Leis­tungs­gren­ze gehen und um das zu schaf­fen, braucht er den ent­spre­chen­den Rück­halt. Wenn wir ihn, wie Chur­li­nov, für eine ange­mes­sen Ablö­se in die­sem Som­mer ver­kau­fen, hät­te ich nichts dage­gen und es wären wohl alle glück­lich — außer viel­leicht die Pader­bor­ner, denen Mar­co eine Hin­ter­tür offen lässt:  Wenn sie Kle­ment doch hal­ten wür­den, wür­den sie wohl auch den Bun­des­li­ga-Auf­stieg anpei­len.

Blei­ben wir in der zwei­ten Liga und wid­men wir uns

Alou Kuol

Alou Kuol © VfB-exklusiv.de
Alou Kuol © VfB-exklusiv.de

Der mach­te zwar jüngst durch sei­nen Scor­pi­on-Kick-Tor auf sich auf­merk­sam, hat­te aber im ver­gan­ge­nen hal­ben Jahr nicht viel zu lachen. Im ver­gan­ge­nen Som­mer von den Cen­tral Coast Mari­ners zum VfB gewech­selt, schoss er in der Hin­run­de für die zwei­te Mann­schaft in der Regio­nal­li­ga in 18 Spie­len sie­ben Tore und war damit auch nach Sai­son­ende noch Top­tor­schüt­ze des Teams, obwohl er im Win­ter zum in der zwei­ten Liga vom Abstieg bedroh­ten SV Sand­hau­sen wech­sel­te. SVS-Fan Ste­fan (@CDSandhausen), mit dem ich über Kuols Zeit am Hardt­wald gespro­chen habe, meint, Kuol sei von den vie­len Neu­ver­pflich­tun­gen im Win­ter der gewe­sen, auf den man sich am Meis­ten gefreut habe: “Jung, talen­tiert, und stark in der Offen­si­ve.” Der Vor­freu­de wich rela­tiv schnell Ernüch­te­rung, denn in 16 Rück­run­den­spie­len stand Kuol nur ein ein­zi­ges Mal im Kader: Bei der 1:2‑Niederlage gegen Schal­ke wur­de er in der 79. Minu­te ein­ge­wech­selt und flog in der Nach­spiel­zeit mit glatt Rot vom Platz, die anschlie­ßen­de Sper­re been­de­te sei­ne Sai­son vor­zei­tig. War­um er auch vor­her nie zum Ein­satz kam, kann sich Ste­fan wie ande­re SVS-Fans nicht erklä­ren, auch der Ver­ein hat sich dazu nicht geäu­ßert. Die ein­zig mög­li­che Erklä­rung ist die star­ke Rück­run­de der Mann­schaft, die ab dem 21. Spiel­tag nur noch drei Spie­le ver­lor und somit Aido­nis und Dyna­mo im Abstiegs­kampf noch über­hol­te. Da Trai­ner Alo­is Schwartz nicht für gro­ße Rota­tio­nen bekannt sei, so Ste­fan, habe im Lau­fe die­ser Erfolgs­se­rie immer die glei­che Elf gespielt. Was aber immer noch nicht erklärt, war­um er sich die Spie­le von der Tri­bü­ne und nicht von der Bank aus anse­hen muss­te.

Aus den paar Minu­ten Zweit­li­ga-Fuß­ball lässt sich natür­lich auch kei­ne ver­nünf­ti­ge Bewer­tung ablei­ten. Kuol brau­che Ein­sät­ze, um sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, so Ste­fan, die kön­ne ihm even­tu­ell die die Drit­te Liga bie­ten. Aller­dings sei man in Sand­hau­sen auf der Suche nach Stür­mern, es sei also nicht aus­ge­schlos­sen, dass er doch noch blei­be. Ins­ge­samt sicher­lich die Lei­he mit dem größ­ten Frus­tra­ti­ons­po­ten­zi­al. Ich bin mir ziem­lich sicher, dass es nicht nur Kuol in sei­ner Ent­wick­lung, son­dern auch dem VfB II gut getan hät­te, wenn er die gesam­te Sai­son in der Regio­nal­li­ga ver­bracht hät­te, aber natür­lich ken­ne ich nicht alle Hin­ter­grün­de und weiß auch nicht, wel­che For­de­run­gen die Spie­ler­sei­te bezüg­lich Ein­satz­zei­ten gestellt hat. Ohne Spiel­pra­xis ist er auf jeden Fall noch weni­ger eine Opti­on für die Bun­des­li­ga. Ob abzu­se­hen war, dass er in Sand­hau­sen nicht spielt? Nun zumin­dest wird eine von bei­den Sei­ten unrea­lis­ti­sche Vor­stel­lun­gen bezüg­lich sei­ner Per­spek­ti­ve beim Zweit­li­gis­ten gehabt haben. Letzt­lich ein ver­lo­re­nes hal­bes Jahr, dem kein zwei­tes fol­gen soll­te. Wenn er der Regio­nal­li­ga schon ent­wach­sen ist, dann ist viel­leicht wirk­lich die Drit­te Liga etwas für ihn, viel­leicht bei einer Mann­schaft, die oben mit­spielt und ihm die not­wen­di­ge Spiel­pra­xis geben und ihm auch ein paar Tore ermög­li­chen kann.

Rund­um glück­lich sind alle Betei­lig­te hin­ge­gen mit der Lei­he von

Pablo Maffeo

Pablo Maffeo © OSCAR DEL POZO/AFP via Getty Images
Pablo Maf­feo © OSCAR DEL POZO/AFP via Get­ty Images

Er absol­vier­te in La Liga 35 von 38 mög­li­chen Spie­len und schaff­te mit dem RCD Mal­lor­ca den Klas­sen­er­halt, der wie­der­um eine Kauf­pflicht in Höhe von kol­por­tier­ten 3 Mil­lio­nen Euro aus­lös­te. Nicht ganz die von Wolf­gang Diet­rich 2019 voll­mun­dig ange­kün­dig­ten zehn Mil­lio­nen, für die man ihn ver­pflich­tet hat­te, aber bes­ser als nichts und damit end­lich ein Schluss­strich unter die­sem unglück­li­chen Kapi­tel. Laut Alex Fitz­pa­trick (@Mallorcalex100), ein Sport­jour­na­list mit Mal­lor­ca-Pod­cast. der uns auch schon im Win­ter mit Infos aus Spa­ni­en ver­sorg­te, war Maf­feo einer der bes­ten Spie­ler Mal­lor­cas in der abge­lau­fe­nen Sai­son, vor allem durch sein Tem­po, sein Abwehr­ver­hal­ten und sei­ne Inten­si­tät. Alex geht auch davon aus, dass  Maf­feo dort blei­ben wird, solan­ge man ihn nicht ver­kauft, um einen teu­re­ren Schlüs­sel­spie­ler zu ver­pflich­ten. Auf dem Platz sieht Alex Maf­feo als einen “top level play­er”, der wahr­schein­lich immer bei einem Ver­ein der Top 5‑Ligen spie­len wird. Auch abseits des Plat­zes habe er sich sehr pro­fes­sio­nell ver­hal­ten. Und damit kön­nen wir das Kapi­tel Maf­feo nun wirk­lich schlie­ßen den­ke ich und uns zum Abschluss der Schweiz zuwen­den, wo

Matej Maglica und Leonhard Münst

An den FC St. Gal­len ver­lie­hen waren. Wobei wir mit Leon­hard Münst rela­tiv schnell durch sind, denn der ver­letz­te sich kurz nach Ver­öf­fent­li­chung des Leih­spie­ler-Arti­kels im Win­ter und fiel dem­entspre­chend für die Rück­run­de aus. Mar­co vom St. Gal­ler Fuß­ball­ma­ga­zin SENF hat­te uns von sei­ner Hin­run­de berich­tet und stand uns auch dies­mal für Fra­gen zu Matej Mag­li­ca zur Ver­fü­gung, der im Win­ter leih­wei­se nach St. Gal­len wech­sel­te, wäh­rend Leo Münst nach sei­nen Recher­chen noch in St. Gal­len ope­riert wur­de, sei­ne Reha aber größ­ten­teils in der gleich­na­mi­gen Welt des VfB absol­vier­te. Trai­ner Peter Zeid­ler habe aber Medi­en­be­rich­ten zufol­ge in der Rück­run­de Gro­ßes mit Münst vor­ge­habt, was die Ver­let­zung umso bit­te­rer macht. Kom­men wir aber zu Mag­li­ca.

Der wech­sel­te 2020 nach dem Wie­der­auf­stieg der zwei­ten Mann­schaft aus der Ober­li­ga aus Göp­pin­gen zum VfB und absol­vier­te bis Ende letz­ten Jah­res 40 Spie­le in der Regio­nal­li­ga Süd­west sowie einen fünf­mi­nü­ti­gen Ein­satz bei der 0:1‑Heimniederlage gegen Bie­le­feld in der Hin­run­de. Im Win­ter wur­de er dann nach St. Gal­len ver­lie­hen, wo man auf­grund sei­ner bis­he­ri­gen Vita nicht viel von ihm erwar­te­te, so Mar­co, aber hoff­te, dass er mit sein 1,98m Kör­per­grö­ße Sta­bi­li­tät in die Abwehr des FCSG brin­gen wür­de. Am Ende ver­pass­te Mag­li­ca nur zwei von 19 Liga­spie­len und spiel­te im Halb­fi­na­le und Fina­le des Schwei­zer Pokals, wel­ches St. Gal­len lei­der ver­lor. Damit zu rech­nen war laut Mar­co nicht, dafür sei er aber eines der Puz­zle­tei­le des gro­ßen Erfolgs in der zwei­ten Sai­son­hälf­te gewe­sen, in der St. Gal­len vom 19. bis zum 29. Spiel­tag unge­schla­gen blieb. Die Mann­schaft sei wie­der zum Team gewor­den und habe durch Mag­li­ca und ande­re Spie­ler indi­vi­du­el­le Klas­se hin­zu­ge­won­nen. Zwar habe vor allem die Offen­si­ve über­zeugt, was aber auch mit einer sta­bi­len Defen­si­ve rund um Mag­li­ca zusam­men­hin­ge. Ein Indiz daa­für sei­en die weni­gen Gegen­to­re.

An Mag­li­ca lobt Mar­co die Spiel­eröff­nung mit dem lin­ken Fuß, sei­ne Ruhe im Spiel­auf­bau und sein Kopf­ball­spiel, sei­ne Ein­satz­zei­ten sei­en voll­auf ver­dient. Schwä­chen sieht er noch in der Erfah­run­gen, was sich in unge­stü­men Aktio­nen aus­drück­te und im Stel­lungs­spiel. Mag­li­ca habe aber wäh­rend sei­ner Zeit in St. Gal­len auch eine Ent­wick­lung durch­ge­macht. Also eigent­lich zum Abschluss die­ses Arti­kel die per­fek­te Lei­he aus VfB-Sicht. Nur dass St. Gal­len eben einer Kauf­op­ti­on ver­ein­bart hat­te und die­se nach der Sai­son auch zog und Mag­li­ca mit einem Ver­trag bis 2024 aus­stat­te­te. Dem Ver­neh­men nach hat der VfB aller­dings wie­der­um auch eine Rück­kauf­op­ti­on. Nach Mar­cos Ansicht täten ihm ein oder zwei Spiel­zei­ten in einer “Aus­bil­dungs­li­ga” wie der Schweiz auch gut, um sei­ne Unge­stüm­heit abzu­stel­len und Erfah­rung zu sam­meln. An den gestan­de­nen Innen­ver­tei­di­ger des VfB sieht er aktu­ell für Mag­li­ca kein Vor­bei­kom­men. Klar, gute Leis­tun­gen in der Schwei­zer Liga las­sen sich nicht not­wen­di­ger­wei­se ein­fach so auf die Bun­des­li­ga über­tra­gen. Ande­rer­seits ist der VfB in der Innen­ver­tei­di­gung in der Tie­fe so gut wie gar nicht besetzt. Ich hät­te also auch nichts gegen Mag­li­ca als Back­up für Ito gehabt, zumal der mehr Spiel­pra­xis als Aido­nis und in letz­ter Zeit weni­ger Ver­let­zun­gen als Awoud­ja hat­te. Dass man aber kurz­fris­tig nicht mit ihm plant, war irgend­wie schon abseh­bar, nach­dem man ihn nach dem Kurz­ein­satz in der Hin­run­de mit Kauf­op­ti­on ver­lieh, was unter Sven Mislin­tat bei sol­chen Spie­lern eher unge­wöhn­lich ist.  Aber wer weiß, viel­leicht sehen wir ihn ja doch noch Mal im Brust­ring.

Keine gute Ausbeute

Wel­ches Fazit kann man also aus den Leih­ge­schäf­ten der ver­gan­ge­nen Sai­son zie­hen? Abge­se­hen von der in Kraft getre­te­nen Kauf­pflicht von Pablo Maf­feo und der Spiel­pra­xis von Phil­ipp Kle­ment hat kei­ne der Lei­hen so wirk­lich ihren Zweck erfüllt: Anto­nis Aido­nis und Alou Kuol erhiel­ten in der zwei­ten Liga zu wenig Spiel­pra­xis, mög­li­cher­wei­se viel­ver­spre­chen­de Spie­ler wie Dar­ko Chur­li­nov und Matej Mag­li­ca wur­den ent­we­der ver­kauft oder wol­len weg, Leon­hard Münst muss sich nach sei­ner Ver­let­zung wie­der her­an­kämp­fen. Momo Cis­sé spielt noch ein Jahr in der zwei­ten pol­ni­schen Liga und wie es mit Maxi­me Awoud­ja wei­ter­geht, weiß man nicht. In der Bun­des­li­ga-Mann­schaft der kom­men­den Sai­son sehen wir wahr­schein­lich kei­nen der genann­ten Spie­ler, am ehes­ten noch Chur­li­nov. Anders war das in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mit Niko­las Nar­tey oder noch frü­her Orel Manga­la, denen die Zeit in der Frem­de sicht­bar gut tat. Letz­ten Endes wird der VfB mit Anschluss­ver­käu­fen durch die Lei­hen wahr­schein­lich eher sei­nen Kader aus­dün­nen, wobei man mit Aus­nah­me von Leon­hard Münst auch nicht unbe­dingt dei­ne Hoch­po­ten­zi­al-Spie­ler ver­lie­hen hat. Für Aido­nis und Awoud­ja bei­spiels­wei­se war die ver­gan­ge­ne Sai­son eine der letz­ten Chan­cen, beim VfB Fuß zu fas­sen. Anders sieht das in der kom­men­den Sai­son aus, wenn Ömer Bey­az, der als nicht-EU-Aus­län­der nicht in der Regio­nal­li­ga spie­len darf, mög­li­cher­wei­se woan­ders leih­wei­se Spiel­pra­xis kriegt, ähn­lich wie Wahid Fag­hir. Hof­fen wir mal, dass dann die Rah­men­be­din­gun­gen güns­ti­ger sind als etwa bei Alou Kuol und dass der VfB in Zukunft vor allem die Spie­ler ver­leiht, deren Lei­hen auch einen Mehr­wert für den Kader und nicht nur für den Geld­beu­tel haben.

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