Schieflage

Der Berg kreiß­te und gebar…eine nahe­lie­gen­de Lösung. Ex-Prä­si­di­ums-Assis­tent Alex­an­der Wehr­le wird im April 2022 Vor­stands­vor­sit­zen­der der VfB Stutt­gart AG. Über die Nach­be­set­zung des Sport­vor­stands­pos­tens von Tho­mas Hitzl­sper­ger ist hin­ge­gen noch kei­ne Ent­schei­dung gefal­len und über­haupt offen­bart der gan­ze Pro­zess, was beim VfB der­zeit im Argen liegt.

Es war ein anstren­gen­des Jahr für VfB-Fans. Weni­ger im sport­li­chen Bereich, auch wenn die Mann­schaft aus nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den nach der Som­mer­pau­se ziem­lich abbau­te. Abseits des Rasens aber, in den Vor­der- und Hin­ter­zim­mern, auf den Flu­ren der Geschäfts­stel­le ging es unter­des hoch her. Ich mei­ne, wie viel Cha­os kann man in ein Jahr packen? Es ging los mit der Kan­di­da­tur Tho­mas Hitzl­sper­gers für das Prä­si­den­ten­amt, ver­bun­den mit einer offe­nen Atta­cke gegen den dama­li­gen Amts­in­ha­ber und gleich­zei­tig Hitzl­sper­gers Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den. In der Fol­ge wag­ten sich jene, die seit dem Rück­tritt Wolf­gang Diet­richs im Som­mer 2019 die Füße still­ge­hal­ten hat­ten, auch aus der Deckung um zu ver­su­chen zu ver­hin­dern, dass die Mit­glie­der des VfB über die Amts­füh­rung des amtie­ren­den Prä­si­den­ten ent­schei­den dür­fen. Die für März ange­setz­te Mit­glie­der­ver­samm­lung wur­de in den Juli ver­scho­ben und nach und nach ver­lie­ßen sie alle das Club­haus in der Mer­ce­des­stra­ße wie­der: Nicht nur die Demo­kra­tie­ver­hin­de­rer, son­dern auch jene, die zwi­schen 2016 und 2019 ent­we­der aktiv dar­an mit­wirk­ten oder nicht ver­hin­der­ten, dass die Ver­eins­füh­rung des VfB und ihre Hand­lan­ger die Fans und Mit­glie­der des VfB gering­schätz­ten und teil­wei­se nach Strich und Faden ver­arsch­ten.

Nach­dem Claus Vogt im Juli für vier wei­te­re Jah­re ins Prä­si­den­ten­amt gewählt wur­de, schien die Geschich­te aus­er­zählt, mit einem beson­ders simp­len Nar­ra­tiv: Das Vogt-Lager habe auf gan­zer Linie gesiegt und kön­ne nun ohne Gegen­wehr “durch­re­gie­ren”. Dass die­ses Nar­ra­tiv vor allem von jenen bedient wur­de, die bei den Machen­schaf­ten diver­ser Ex-Ver­ant­wort­li­cher ger­ne mal weg­schau­ten, spricht für sich. Den­noch: Der VfB schien wie­der in ruhi­ge­re Fahr­was­ser zu kom­men, bis Tho­mas Hitzl­sper­ger im Sep­tem­ber ankün­dig­te, sei­nen im Herbst 2022 aus­lau­fen­den Ver­trag nicht zu ver­län­gern. Sofort begann sie von Neu­em: Die Dis­kus­si­on, ob Claus Vogts Amts­füh­rung den VfB in die sport­li­che Bedeu­tungs­lo­sig­keit füh­ren wür­de. Die­se fand ihren Höhe­punkt im Dezem­ber, als Sven Mislin­tat öffent­lich im Inter­view mit Car­los Ubi­na den Aus­wahl­pro­zess des Sport­vor­stands kri­ti­sier­te und sein Befrem­den dar­über aus­drück­te, dass Inter­na ein­mal mehr beim Bou­le­vard gelan­det waren. 

Keine einfachen Antworten

Zur Debat­te stand, war­um auch Mislin­tat den Weg an die Öffent­lich­keit gesucht hat­te, war­um der die Vor­stands­be­ru­fun­gen vor­be­rei­ten­de Prä­si­di­al­aus­schuss bestehend aus Claus Vogt, Rai­ner Adri­on und Dr. Bert­ram Sugg nicht aus­rei­chend mit Mislin­tat kom­mu­ni­ziert und des­sen Wün­sche nicht mehr berück­sich­tigt habe und war­um Mislin­tat der Mei­nung sei, sich sei­nen Vor­ge­setz­ten sel­ber aus­su­chen zu kön­nen. Am Ende die­ses im Ver­gleich zu den Wochen davor tur­bu­len­ten Monats berief der Auf­sichts­rat Kölns Geschäfts­füh­rer Alex­an­der Wehr­le zum neu­en Vor­stands­vor­sit­zen­den, ohne jedoch die Sport­vor­stand-Fra­ge geklärt zu haben. Gleich­zei­tig beton­te Mislin­tat bei Sky90, er wer­de sei­nen bis 2023 lau­fen­den Ver­trag erfül­len, von einer mög­li­chen Ver­län­ge­rung bis 2024, die er für den Fall der Beru­fung eines sei­ner engs­ten Ver­trau­ten im Ver­ein, in Aus­sicht gestellt hat­te, war da zwar kei­ne Rede mehr. Aber immer­hin schien der Kon­flikt befrie­det, viel­leicht war es am Ende auch gar kei­ner? 

Ich habe mich in der Bewer­tung des Gan­zen bis­her auch des­halb zurück gehal­ten, weil einer­seits stän­dig neue, sich teil­wei­se wider­spre­chen­de Infor­ma­tio­nen im den Medi­en zu lesen waren und es ande­rer­seits kei­ne ein­fa­chen Ant­wor­ten gibt. Ja, Sven Mislin­tat hat durch­aus ein Anrecht dar­auf, dass der Auf­sichts­rat sei­ne Mei­nung und Vor­schlä­ge sowie die Arbeit sei­nes Teams ange­mes­sen wür­digt. Schließ­lich ist Mislin­tat das Gesicht und der Kopf der sport­li­chen Neu­aus­rich­tung. Mit sei­ner Kri­tik am Aus­wahl­pro­zess des Sport­vor­stands ist er, so gut glau­be ich ihn ein­schät­zen zu kön­nen, nicht ohne guten Grund an die Öffent­lich­keit gegan­gen. Ande­rer­seits sehen die Struk­tu­ren der AG nun ein­mal vor, dass der Auf­sichts­rat über die Beru­fung von Vor­stands­mit­glie­dern ent­schei­det. Den Sport­di­rek­tor dabei kon­ti­nu­ier­lich eng ein­zu­be­zie­hen mag sinn­voll sein, not­wen­dig ist es for­mal nicht. 

Kann Wehrle VfB? 

Mit der Ent­schei­dung für Alex­an­der Wehr­le als Vor­stands­vor­sit­zen­den ist eine Zwi­schen­etap­pe erreicht, mehr aber auch nicht. Auf die Per­so­na­lie sel­ber darf man gespannt sein. Köln-Exper­te und effzeh.com-Chefredakteur Tho­mas hat uns ja in der letz­ten Pod­cast-Fol­ge schon einen Ein­blick in sein Wir­ken am Rhein gege­ben, auch der Ver­ti­kal­pass hat sich sei­ne Gedan­ken gemacht und ein paar Quel­len zu Wehr­le zusam­men­ge­tra­gen. Mich stört an ihm nicht unbe­dingt der Stall­ge­ruch, den man in jüngs­ter Zeit bei Neu­be­set­zun­gen meist erfolg­reich ver­mied und auch die Tat­sa­che, dass man sich der teu­ren Diens­te einer Per­so­nalagen­tur bedien­te um einen ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter zu fin­den — da wird mir zu ein­fach und ohne Kennt­nis der Abläu­fe dis­ku­tiert. Auch las­sen sich die Ver­hält­nis­se und Wehr­les Wir­ken in Köln mit Sicher­heit nicht eins zu eins auf den VfB über­tra­gen. Gleich­wohl steht er in sei­ner neu­en Posi­ti­on vor einer gro­ßen Her­aus­for­de­rung, für die es nicht nur Tat­kraft bedarf, son­dern auch ein Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, gera­de auch im Umgang mit dem Umfeld, wel­ches ihm nicht unbe­dingt alle Köl­ner Kom­men­ta­to­ren attes­tie­ren wür­den.

Alex­an­der Wehr­le steht vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen. © Chris­tof Koepsel/Getty Images)

Denn auch wenn sich die öffent­li­che Dis­kus­si­on in der kur­zen Win­ter­pau­se sowohl auf als auch neben dem Platz etwas beru­higt hat, offen­bar­te das ver­gan­ge­ne Jahr in drei­er­lei Hin­sicht eine Schief­la­ge, die für das Funk­tio­nie­ren einer Orga­ni­sa­ti­on wie des VfB gefähr­lich ist: es fehlt an sta­bi­len Struk­tu­ren, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ver­trau­en. Alle drei Aspek­te müs­sen Wehr­le und auch Vogt drin­gend anpa­cken und ver­bes­sern, damit ihnen der Laden nicht in den kom­men­den zwölf Mona­ten erneut um die Ohren fliegt. 

Choose your fighter oder wer führt eigentlich den VfB? 

Die Struk­tu­ren des Gesamt­kon­strukts VfB sind ja soweit bekannt: Der ein­ge­tra­ge­ne Ver­ein küm­mert sich um alles außer Pro­fi­fuß­ball und den drei ältes­ten U‑Mannschaften und ist gleich­zei­tig demo­kra­tisch orga­ni­siert und kon­trol­liert in Per­son des Prä­si­di­ums die aus­ge­glie­der­te AG. Die wie­der­um ist nur der den Anteils­eig­nern e.V. und Daim­ler Rechen­schaft schul­dig und agiert auch sonst wie das Wirt­schafts­un­ter­neh­men, das sie ist. Ent­stan­den ist die­ses Kon­strukt unter Feder­füh­rung von Wolf­gang Diet­rich, dem letz­ten Prä­si­den­ten, der noch einen e.V. mit einer Pro­fi­fuß­ball-Mann­schaft führ­te. Dass man bis 2019 kei­nen Unter­schied zwi­schen der Zeit vor und nach der Aus­glie­de­rung bemerk­te, lag dar­an, dass Diet­rich die AG eben nicht nur beauf­sich­tig­te, son­dern sie und den aus drei gleich­be­rech­tig­ten Mit­glie­dern bestehen­den Vor­stand genau­so führ­te wie frü­her den e.V.. Dem­entspre­chend war auch die recht stüm­per­haft ange­pass­te Ver­eins­sat­zung ziem­lich auf Wolf­gang Diet­rich zuge­schnit­ten. Das wur­de spä­tes­tens in dem Moment offen­sicht­lich, als der nach Diet­richs Abgang zum Vor­stands­vor­sit­zen­den beru­fe­ne Tho­mas Hitzl­sper­ger sich wie beschrie­ben anschick­te, für das Amt des Prä­si­den­ten zu kan­di­die­ren und damit de fac­to nicht nur AG son­dern auch den e.V. füh­ren woll­te. Wie Diet­rich, nur dass er damit immer­hin nicht die Kom­pe­ten­zen sei­ner Ämter über­schrit­ten hät­te.

#Team­Hitz? ©Mat­thi­as Hangst/Getty Images)

Da er sein Vor­stands­amt nicht abge­ben woll­te, hät­te eine Wahl Hitzl­sper­gers aber dazu geführt, dass der höchs­te demo­kra­tisch legi­ti­mier­te Ver­tre­ter des Ver­eins nicht gleich­zei­tig der ers­te Kon­trol­leur der AG hät­ten wer­den kön­nen. So weit, so for­mal­ju­ris­tisch. Gleich­zei­tig ver­deut­lich­te Hitzl­sper­gers Kan­di­da­tur und der beglei­ten­de offe­ne Brief aber ein Struk­tur­pro­blem, das den VfB bis in den Dezem­ber 2021 hin­ein beglei­ten soll­te. Denn nun gab es den Gegen­satz zwi­schen der angeb­lich von e.V.-Seite gepräg­ten Ver­eins­po­li­tik mit ihren Hier­ar­chien einer­seits und dem von der AG und ihrem den Pro­fi­fuß­ball ver­wal­ten­den Kern­team, bestehend aus Hitzl­sper­ger, Mislin­tat, Pel­le­gri­no Mat­a­raz­zo, Tho­mas Krü­cken und Mar­kus Rüdt, ande­rer­seits. In einer Zeit, in der man sich nach Jah­ren des auf und ab nach einer beru­hi­gen­den Sorg­lo­sig­keit sehn­te, galt bei vie­len das Pri­mat des Sport­li­chen Erfolgs: Egal wie niveau­los Hitzl­sper­gers Kri­tik in der Form und wie wenig sie bis dahin inhalt­lich über­prüf­bar war: Er stand für die Ver­pflich­tung von Sven Mislin­tat und den damit ver­bun­de­nen sport­li­chen Auf­schwung. Die Grä­ben, die Wolf­gang Diet­rich zwi­schen Ver­eins­füh­rung und Fans auf­ge­ris­sen hat­te, zogen sich jetzt quer durch die Ver­eins­füh­rung sel­ber und vie­le im Umfeld lie­ßen sich nur zu bereit­wil­lig spal­ten. Choo­se your figh­ter: #Team­Hitz oder #Team­Vogt? Die unter­kom­ple­xe Argu­men­ta­ti­on für eine Kan­di­da­tur Hitzl­sper­gers: Ihn müs­se man nach Mög­lich­keit behal­ten und unter­stüt­zen, eine effek­ti­ve demo­kra­tisch legi­ti­mier­te Kon­trol­le der AG war da zweit­ran­gig. Eine ähn­li­che Argu­men­ta­ti­on war im Dezem­ber zu beob­ach­ten, zumal Mislin­tat sei­ne Kri­tik an Vogt geschick­ter ver­pack­te als Hitzl­sper­ger und sich damit sel­ber weni­ger angreif­bar mach­te. Für vie­le Beob­ach­ter war es alter­na­tiv­los, Mislin­tats Vor­schlä­ge für die Vor­stands­be­set­zung genau so umzu­set­zen, wol­le man nicht ihn auch noch ver­prel­len. Dass man damit die Ent­schei­dung über die per­so­nel­le Aus­rich­tung der AG nicht in die Hän­de des demo­kra­tisch gewähl­ten Prä­si­den­ten son­dern in die eines, wenn auch wich­ti­gen, lei­ten­den AG-Mit­ar­bei­ters leg­te, schien die wenigs­ten stö­ren.

Mit der Ein­füh­rung eines Vor­stands­vor­sit­zen­den wur­de die noch von Diet­rich de fac­to aus­ge­üb­te Macht des e.V.- Prä­si­den­ten in der AG auf die sat­zungs­ge­mä­ße Rol­le zurück­ge­schnit­ten: die des Kon­trol­leurs. Wehr­le und Vogt müs­sen dafür sor­gen, dass Kom­pe­ten­zen klar und deut­lich von­ein­an­der abge­grenzt sind und dafür, dass der Auf­sichts­rat nicht in die Rol­le des Gegen­spie­lers der sport­li­chen Lei­tung gescho­ben wird. Gleich­zei­tig müs­sen in der AG Struk­tu­ren ent­ste­hen, die so sta­bil sind, dass sie auch den mög­li­chen Abgang von zen­tra­len Figu­ren unbe­scha­det über­ste­hen. Ob Hitzl­sper­ger die­se Struk­tu­ren, wie von mir im Sep­tem­ber ange­merkt, viel­leicht bereits geschaf­fen hat — und dazu gehört auch ein grund­sätz­li­ches sport­li­ches Kon­zept, zu dem sich der VfB per­so­nen­un­ab­hän­gig bekennt — wird sich zei­gen. Wir kön­nen es uns jeden­falls nicht wei­ter­hin leis­ten, die Hier­ar­chien inner­halb des VfB auf den Kopf zu stel­len, weil wir der Mei­nung sind, ohne bestimm­te Per­so­nen wür­den wir direkt in die Regio­nal­li­ga durch­ge­reicht.

Kontrolle ist gut, Vertrauen wär besser

Wo kla­re Struk­tu­ren feh­len, sind Ver­trau­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on umso wich­ti­ger. Bei­des scheint, so zumin­dest in der Außen­wahr­neh­mung, im und um den VfB kaum aus­rei­chend vor­han­den. Dass Fans mit der Vor­ge­schich­te der letz­ten Jah­re beim Rele­ga­ti­ons­platz unterm Weih­nachts­baum kol­lek­tiv am Rad dre­hen, hat auch etwas mit feh­len­dem Ver­trau­en zu tun, davon soll hier aber nicht die Rede sein, denn dazu habe ich in den ver­gan­ge­nen Mona­ten genug geschrie­ben. Nein, es geht um das Ver­trau­en zwi­schen den Akteu­ren der Ver­ein­füh­rung und vom Umfeld zu die­ser. Das Miss­trau­en des Umfelds in die Ver­eins­füh­rung haben in der Ver­gan­gen­heit vie­le gesät, nicht zuletzt Wolf­gang Diet­rich in sei­nem gering­schät­zen­den Umgang mit Mit­glie­dern und Fans, von der in sei­ner Amts­zeit durch­ge­führ­ten Wei­ter­ga­be per­sön­li­cher Mit­glie­der­da­ten und der Mit­glie­der­ver­ar­sche mal ganz zu schwei­gen. Die Ern­te fuh­ren Claus Vogt und Tho­mas Hitzl­sper­ger ein. Der eine, weil man ihm zu wenig Ver­trau­en ent­ge­gen­brach­te um die Vor­wür­fe gegen ihn kri­tisch zu hin­ter­fra­gen, der ande­re, weil er das in ihn gesetz­te Ver­trau­en mit sei­ner öffent­li­chen Atta­cke erschüt­ter­te. Der in der ers­ten Jah­res­hälf­te insze­nier­te Macht­kampf, der vor allem dazu dien­te, Recher­che­er­geb­nis­se von Ese­con zu dis­kre­di­tie­ren, war für vie­le Fans und Mit­glie­der min­des­tens genau­so ner­ven­auf­rei­bend, ermü­dend und ent­täu­schend wie der Abstiegs­kampf 2019. Dass der inhalt­li­che Kon­flikt zwi­schen Mislin­tat und Vogt im Dezem­ber viel­leicht am Ende gar nicht so heiß geges­sen wie gekocht wur­de, zogen die meis­ten Beob­ach­ter nicht in Betracht. Es blieb hän­gen: Der VfB kriegt sei­ne Pro­ble­me nicht intern gelöst und ent­we­der über­schrei­tet der Sport­di­rek­tor sei­ne Kom­pe­ten­zen oder der Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de ist nicht in der Lage, die sport­li­che Zukunfts­fä­hig­keit des Ver­eins zu sichern.

#Team­Mislin­tat? © Mat­thi­as Hangst/Getty Images)

Ich schlie­ße mich da sel­ber nicht aus. So ent­täuscht ich von Hitzl­sper­gers Atta­cke war, so sehr zwei­fel­te ich, ob er nicht viel­leicht doch recht hat­te. Zwei­fel, die sich nach Mislin­tats Inter­view zu bestä­ti­gen schei­nen, denn wie ein klar struk­tu­rier­ter Pro­zess zur Neu­be­set­zung der offe­nen Pos­ten wirk­te das auf mich nicht. Dass zum Bei­spiel erst der neue Vor­stands­vor­sit­zen­de und dann ein Sport­vor­stand ein­ge­stellt wird, kann kaum so geplant gewe­sen sein, wenn man auch Namen auf der Short­list hat­te, die wie Hitzl­sper­ger bei­de Posi­tio­nen beklei­den könn­ten. Ähn­lich scheint es auch Sven Mislin­tat gegan­gen zu sein, der so wenig Ver­trau­en in den Pro­zess und die ihn lei­ten­den Per­so­nen zu haben schien, dass er sich genö­tigt fühl­te, die­sen über die öffent­li­che Stim­mung zu len­ken. Gleich­zei­tig scheint man auch im Auf­sichts­rat Mislin­tats Exper­ti­se nicht vor­be­halt­los zu ver­trau­en, viel­leicht weil man meint, es aus eige­ner Erfah­rung bes­ser zu wis­sen. Natür­lich soll­te beim VfB nicht blin­de Gefolg­schaft herr­schen. Das anschei­nend vor­herr­schen­de Miss­trau­en scheint aber über das kri­ti­sche Hin­ter­fra­gen des jeweils ande­ren hin­aus zu gehen. 

Was man von außen sieht

Ver­trau­en kön­nen Wehr­le und Vogt über die rich­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on schaf­fen und auch die ließ zuletzt zu wün­schen übrig. Denn wenn schon bei mir, der — anders als es mir und ande­ren enga­gier­ten Fans immer wie­der unsin­ni­ger­wei­se vor­ge­wor­fen wird — weder Vogt, noch Mislin­tat oder Hitzl­sper­ger näher steht als den jeweils ande­ren, der Ein­druck ent­steht, Hitzl­sper­ger könn­te mit sei­ner inhalt­li­chen Kri­tik an Vogt nicht ganz so dane­ben­lie­gen, dann liegt das dar­an, dass ich — wie gesagt unvor­ein­ge­nom­men — das bewer­te , was ich öffent­lich wahr­neh­me. Der Grund für die hier Kri­tik an Vogt ist eben auch der, dass ich ver­meint­li­che Defi­zi­te in der Amts­füh­rung sel­ber beob­ach­te und sie mir nicht von Leu­ten mit Agen­da oder eige­nen Feh­lern in der Amts­füh­rung mit­ge­teilt wer­den.

Oder #Team­Vogt? So ein­fach ist es nicht. © Mat­thi­as Hangst/Getty Images)

Die Kom­mu­ni­ka­ti­on beim VfB war schon gestört, als man sich Anfang des Jah­res gegen­sei­tig mit offe­nen Brie­fen bedach­te. Wenn man geschla­ge­ne vier Tage braucht, um ein nichts­sa­gen­des State­ment zu öffent­lich geäu­ßer­te Kri­tik an der eige­nen Amts­füh­rung abzu­stim­men und zu ver­öf­fent­li­chen, dann ver­liert man voll­ends die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ho­heit, die einem schon des­halb ent­glit­ten ist, weil man schein­bar vor­her intern nicht gut genug kom­mu­ni­ziert hat. So über­lässt man die Deu­tungs­ho­heit jenen, die auch wei­ter­hin Ver­eins­po­li­tik übers bereit­wil­lig mit­spie­len­de Bou­le­vard macht. Ich erwar­te nicht, über jeden Schritt und Tritt der Ver­eins­füh­rung auf dem Lau­fen­den gehal­ten zu wer­den. Aber ich möch­te auch nicht den Ein­druck gewin­nen müs­sen, dass man beim VfB nicht aus den Feh­lern der Ver­gan­gen­heit gelernt hat, weil die öffent­li­che Wahr­neh­mung kei­nen ande­ren Schluss zulässt. Ich bin, wie schon vor der Mit­glie­der­ver­samm­lung geschrie­ben, #Team­VfB. Wenn bei mir der Ein­druck ent­steht, dass es Per­so­nen war­um auch immer nicht im Sin­ne des Ver­eins Han­deln, ist das Euer Pro­blem nicht mei­nes und Eure Auf­ga­be, mich vom Gegen­teil zu über­zeu­gen. Wie Ron in sei­nem sehr lesens­wer­ten Rück­blick auf die Tur­bu­len­zen des ver­gan­ge­nen Jah­res her­aus­ge­ar­bei­tet hat, hapert es auch sonst, ein hal­bes Jahr nach der Neu­be­set­zung fast aller demo­kra­tisch gewähl­ten Gre­mi­en an der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Was Prä­si­di­um und Ver­eins­bei­rat vor­ha­ben, weiß man nicht, oder wie Ron schreibt:

Nach der Mit­glie­der­ver­samm­lung im Som­mer ist es wie­der viel zu still gewor­den. Natür­lich muss­ten sich die neu zusam­men­ge­stell­ten Gre­mi­en erst fin­den, das ist ganz nor­mal. Aber dass kom­plet­te Funk­stil­le herrscht, ist ein Rück­fall in alte Zei­ten und soll­te eigent­lich der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren. (…) Ich wür­de mir hier mehr Trans­pa­renz wün­schen, eben weil so vie­le neue Per­so­nen in Prä­si­di­um und Ver­eins­bei­rat sit­zen. So drängt sich der Ein­druck auf, dass man sehr viel mit sich selbst beschäf­tigt ist und zu viel Zeit dar­auf ver­wen­det, sich in den neu­en Rol­len zu arran­gie­ren.

Wiederaufbau

Genau­so wie die Mann­schaft in 17 Rück­run­den-Spie­len die Mög­lich­keit hat, den Abstieg abzu­wen­den, hat die Füh­rung des VfB im kom­men­den Jahr Gele­gen­heit, das Schiff VfB end­lich auf einen ruhi­gen Kurs zu brin­gen. Klar: Von der Beschau­lich­keit ande­rer Stand­or­te war der VfB immer schon mei­len­weit ent­fernt, selbst mit­ten in der 25jährigen Amts­zeit Ger­hard May­er-Vor­fel­ders. Nach meh­re­ren per­so­nel­len und auch inhalt­li­chen Zäsu­ren in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit ist die Auf­bau­ar­beit an einem sta­bi­len, ver­trau­ens­vol­len und — wür­di­gen und kom­mu­ni­ka­ti­vem VfB noch lan­ge nicht abge­schlos­sen.

Titel­bild: © Chris­ti­an Kas­par-Bart­ke/­Get­ty Images 

1 Gedanke zu „Schieflage“

  1. Also das Gan­ze lässt mich immer mehr „rat­los“ zurück. Selbst wenn wir die Uhr der Aus­glie­de­rung zurück­dre­hen könn­ten wür­de es ver­mut­lich auch nicht bes­ser. Lei­der kocht schein­bar jeder der beim VfB an irgend­ei­nen Job kommt sein eige­nes „Süpp­chen“ um sich per­sön­lich bes­ser zu stel­len oder sich nur ganz, ganz, ganz wich­tig füh­len zu kön­nen und abso­lut unbe­lehr­bar zu blei­ben!

    Also ich star­te hier und jetzt eine Kam­pa­gne für „Team VfB“ und da dür­fen nur die­je­ni­gen mit­ma­chen die es wirk­lich ernst mei­nen mit ihrer Lie­be zum VfB. Bin ger­ne bereit mich da voll mit ein­zu­brin­gen damit wir viel­leicht ein Zei­chen set­zen kön­nen um end­lich ein „Umden­ken“ zu errei­chen! was meinst du Lenn­art, hät­te das Gan­ze eine Chan­ce ?
    Mit freund­li­chen Grü­ßen Oli­ver

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