#TeamVfB

Endlich findet am Sonntag die zweifach verschobene Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart 1893 e.V. statt. Es gibt jede Menge Entscheidungen zu treffen – auch darüber, wie das Verhältnis zwischen Verein und Mitgliedern in Zukunft aussehen soll.

Vorab: Ich werde am Sonntag nicht dabei sein können. Die räumliche Distanz verbunden mit einem Umzug verhindern zum dritten Mal in Folge, dass ich einer Mitgliederversammlung beiwohne, auch wenn es die vielleicht wichtigste der letzten Jahre ist. Seht dies also, wenn Ihr wollt, als meinen Redebeitrag oder einfach einen Debattenbeitrag zur aktuellen Lage vor der Versammlung. Und eigentlich sollte der schon am Freitag kommen, aber dann hätte ich ja “House of Stuttgarts” verpasst, die vierteiligen “Enthüllungsserie” der Zeit, bei der man von der Qualität der Überschrift schon auf den Inhalt schließen kann. Aber dazu später mehr. 

Es geht am Sonntag natürlich zuvorderst um die Frage “Vogt oder Steiger”. Dass sich für das Amt des Präsidenten überhaupt nur vier Personen und von denen nur drei ernsthaft beworben haben, spricht Bände. Immerhin stand ja diesmal eine vierjährige Amtszeit in Aussicht und nicht nur ein knappes Jahr wie 2019, als der Vereinsbeirat aus wesentlich mehr BewerberInnen auswählen musste. Man kann es allerdings niemandem verdenken, der um das weiterhin von Heckenschützen umzingelte Amt des VfB-Präsidenten einen großen Bogen macht. Am Ende wurde dann Pierre-Enric Steiger der Gegenkandidat zu Claus Vogt und nicht Volker Zeh. Mit Sicherheit der professionellere und besser vorbereitete Kandidat, auch wenn Zeh mit seinem “Bierpreise runter”-Zehn-Punkte-Plan vielleicht der ehrlichere gewesen wäre. Aber auch dazu gleich mehr.

Warum nicht Claus Vogt? 

Wen aber sollten die VfB-Mitglieder am Ende der Mammutsitzung mit 15 Tagesordnungspunkten und zahlreichen Abstimmungen über Ämter, Entlastungen und Satzungsänderungsanträge – zu denen ich auch noch komme – wählen? Wer, wie Fritsch und Brost erwartet, dass ich hier nur Claus Vogt hinschreibe und danach Absatz und Artikel beende, den muss ich leider enttäuschen. Man muss Vogts Themenschwerpunkte – Frauenfußball, Professionalisierung des e.V., Vertrauen zwischen Mitgliedern und Verein, um nur eine Auswahl zu nennen – nicht gut finden, man muss seine Ansichten nicht teilen. Ich habe aber gleichzeitig bisher kein überzeugendes Argument gehört, warum eine Wiederwahl des amtierenden VfB-Präsidenten den von Hitzlsperger suggerieren Untergang des Vereins zur Folge hätte. Sicherlich, Kritik an ihm und seiner Amtsführung gab es. Nicht zuletzt auch im Text von Oliver Fritsch und Marc Brost in der Zeit. Der ist aber in Teilen so selektiv, wie ihr gleich in Auszügennsehen werdet, und stellt zudem Blogger und Podcaster wie uns so dreist wie pauschal als “Vogts Machtbasis” hin, dass er sich seinen eigenen Artikel verdient hat. Nach der Wahl, wenn ich wieder Internet habe. Aber auch, weil ich anders als manche Wochenzeitungen die Veröffentlichung meiner Artikel nicht an Klickzahlen ausrichte.

Aber zurück zur Kritik an Vogt auch, wenn die folgenden Absätze die Zeit-Autoren nur in ihrer Wahrnehmung bestätigen wird: Im Fall von Thomas Hitzlsperger wurde sich für die Art und Weise der Kritik, wenn auch nicht für den Inhalt entschuldigt. Von anderen Seiten hört man kein Wort des Bedauerns. Wie auch, betrachtet man, wer da mit welcher Vorgeschichte kritisiert:

Wilfried Porth, beispielsweise, mischt sich in seiner Funktion als Vertreter des Ankerinvestors im Aufsichtsrat der AG (!) erneut in Belange des Vereins ein und denkt, dass Mitglieder seine Rückzugsankündigung im Falle einer Wahl Vogts als Drohung verstünden. Selbst wenn viele Porth am liebsten mit der vielzitierten Schubkarre in den Ruhestand fahren würden: Die Ankündigung, dass der Vertreter des Ankerinvestors seine Zukunft von Vogt abhängig macht, löst bei vielen Mitgliedern auch die von Porth gewünschte Schnappatmung aus. Denn schließlich steht der Konzern mit dem Stern und sein Investment seit 2017 für nichts anderes als Erfolg. Nicht auszudenken, wenn der sich zurückzöge. Für die ganz Vergesslichen: Wilfried Porth gehörte dem Rumpf-Aufsichtsrat des e.V. an, der im Herbst 2016 Wolfgang Dietrich ohne Gegenkandidat aufstellte, obwohl die Satzung einen zuließ. Der wild durch den VIP-Bereich polterte, der irgendwann offen zugab, dass Dietrich der Präsident gewesen sei, den “wir” – wer auch immer das ist – wollten und der schließlich das Daimler-Extranet nutzte, um beim VfB-Vereinspolitik zu machen.

Grüße vom Ex

Und wo wir grad bei ehemaligen Aufsichtsräten sind: Martin Schäfer, damaliger Aufsichtsratsvorsitzender, beließ es nicht dabei, Dietrich ohne Gegenkandidat aufzustellen. Nein, er diktierte seinem Stichwortgeber Gunter Barner auch noch Schreckensszenarien von einem VfB in Schutt und Asche in den Block, für den Fall dass Dietrich nicht gewählt und der Aufsichtsrat abberufen werden sollte. Angstmache kann der Vertreter des ehemaligen Sponsors Würth, welcher nach dem von Schäfer indirekt mitverschuldeten zweiten Abstieg den VfB finanziell im Stich ließ, auch 2021 noch. Der publizistische Stichwortgeber war ein anderer, die Message war die gleiche: Vogt wolle sich den Verein einverleiben und umstülpen. Unterhalb von Revolutionslyrik macht es der Herr Schäfer nicht. Vielleicht kommt er ja damit in Freiburg besser an.

Auch Wolfgang Dietrich ließ sich nicht lang bitten, als die Stichwortgeberin vom Blatt mit den vier Buchstaben anfragte, beugte vermutlich aus Gewohnheit gewisse Wahrheiten zum Thema Guerilla-Marketing und sprach Vogt en passant die Eignung fürs Amt ab. Dass diese Worte aus dem Mund des schlimmsten Präsidenten der Nachkriegszeit pure Ironie sind, ist ihm wahrscheinlich entgangen. Aber gut. Wollen wir uns nicht lange mit Dietrich aufhalten, vielleicht befassen wir uns mit ihm noch einmal, wenn der VfB 2022, wie von ihm angekündigt, in der Champions League aufläuft.

Trojaner aus dem Off

Er ist ja nicht der einzige, über dessen Nachfolge am Sonntag entschieden wird – de jure führte Vogt ja nur seine Amtszeit zu Ende. Da gibt es auch noch die Herren Mutschler und Gaiser. Am Mittwoch macht Vereinsbeiratskandidat Michael Astor auf Twitter öffentlich, dass ihn interessierte Kreise gerne als trojanisches Pferd in die Mitgliederversammlung geschickt hätten: Als “Vogt-Kandidaten”, der nach erfolgreicher Wahl aber die Interessen jener Kreise vertritt. Kreise? Geht’s auch genauer?

Nunja. Dass Astor hier keine Namen nennt, ist nachvollziehbar. Es wird ihm wohl keiner öffentliche auf die Facebook-Pinnwand (heißt das noch so?) geschrieben haben. Solche Anfragen müssen also entweder mündlich und damit undokumentiert oder schriftlich aber vertraulich gestellt worden sein. Ich würde mich auch nicht derart in die Schusslinie bringen, wenn man beim VfB immer noch zu solchen Methoden greift. Deswegen wissen wir nicht, ob hier das ehemalige Präsidiumsmitglied Dr. Bernd Gaiser und der in der Vergangenheit in vielen verschiedenen Funktionen beim VfB tätige Rainer Mutschler gemeint sind. Angesichts deren Agieren in der jüngeren Vergangenheit ist es allerdings nicht auszuschließen. Zur Einnerung: Gaiser sah dreieinhalb Jahre lang ungerührt zu, wie Dietrich Mitglieder und Fans verarschte, den VfB durch seine Personalpolitik sportlich vor die Wahd fuhr und hatte im Sommer 2019 sogar noch die Chuzpe, Dietrich bei seinem Bericht (!) des Präsidiums zu verteidigen. Im Frühjahr trat er zurück, weil Claus Vogt nicht seine Werte teile. Ob man das will, ist eine andere Frage.

Mit einer ähnlich jammerlappigen Beschwerde trat Rainer Mutschler von seinem Amt zurück. Jener Rainer Mutschler, der im Frühjahr 2016 Projektleiter Ausgliederung war. Dem man vielleicht arbeitsrechtlich in letzter Instanz nicht nachweisen konnte, dass er in der Mitgliederverarsche in Form von “FokusVfB” seine Hände im Spiel hatte, der aber trotzdem auch seinen Posten im NLZ verlor. Es entzieht sich auch weiterhin meiner Vorstellungskraft, dass der Leiter dieses Prestigeprojekts nicht wusste, was Dienstleister und Kommunikationschef alles anstellten, um die Mitglieder des VfB für dumm zu verkaufen. Mittlerweile gibt es gegen Herrn Mutschler übrigens ein von mehreren Mitgliedern unterzeichneten Antrag auf Vereinsausschluss. Ob der Erfolg hat, weiß ich nicht, geholfen hat sein Verhalten dem VfB jedenfalls nicht. 

Gaiser und Mutschler gehören übrigens zu den Leuten, die von Fritsch und Brost überhaupt nicht aufs Korn genommen werden. Kein Wort über deren Rolle in der Ausgliederungskampagne oder während der Amtszeit von Wolfgang Dietrich. Stattdessen aber viele Worte über Interna aus Vorstandssitzungen, deren Teilnehmerzahl ja nun begrenzt ist. Und in denen Protokolle der vorangegangen Sitzung höchstwahrscheinlich auch von den stimmberechtigten Mitgliedern verabschiedet werden. Ob Gaiser und Mutschler dem, wie die Zeit berichtet, von Vogt nachträglich geänderten Protokoll zugestimmt haben, erfährt man leider nicht. Und zurück gefragt hat wohl auch keiner. 

Wer solche Freunde hat… 

Schließlich gibt es beim VfB aber nicht nur aktuelle und ehemalige Amtsträger, die sich gegen Vogt in Stellung bringen, sondern auch das schwierige Umfeld. Nein, nicht jenes, welches ahnungslose Sportjournalisten immer wieder auf den Rängen der Cannstatter Kurve verorten. Nein, die Rede ist von Organisationen wie dem VfB-Freundeskreis, aus dessen Reihen nicht nur Steiger, sondern auch Präsidiumskandidat Markus Scheurer stammt. Letzterer machte beim Dunkelroten Tisch mit der Aussage auf sich aufmerksam, dass zusammengefasst, die kritischen Mitglieder mit den eben genannten Rücktritten doch bekommen hätten, was sie wollen, und dass es jetzt mal gut sei. Scheurer ist Schatzmeister des Freundeskreises dessen Vorstand von Jürgen Schlensog geleitet wird. Auch der hielt Dietrich in Aussendungen des Freundeskreises die Stange und sprach Vogt aufgrund des Konflikts mit Hitzlsperger die Eignung zum Präsidenten ab. So weit nichts Neues. Aber auch das schwierige Umfeld lernt dazu. Beklagte man sich 2019 noch über anonym pöbelnde Hetzer im Internet, macht man das 2021 einfach selber:

Ich lasse das mal so stehen und wende mich jenen zu, deren Aufgabe es eigentlich wäre, solcherlei Vorgänge kritisch zu betrachten.

Kampagnen und andere Ungereimtheiten 

Gut, von der Bild erwartet man ja nichts anderes als Kampagnenjournalismus. Nachdem Protegée Zeh aussortiert und der Redaktionsausflug an die montenegrinische Adriaküste damit Geschichte war, nahm man wohlwollend Pierre-Enric Steiger in Feuerschutz beziehungsweise Vogt erst recht ins publizistische Fadenkreuz – gerne auch in Form von Interviews mit den oben genannten Ex-Funktionären. Aber auch in Sportredaktionen wo echte Journalisten arbeiten, lässt man sich dazu hinreißen, einseitig zu berichten. Gunter Barner ist mittlerweile in Ruhestand, aber andere, die zum Beispiel nach drei Siegen unter Tayfun Korkut lange Schlangen büßender Dietrich- und Reschke-Kritiker in der Mercedesstraße erwarteten, schreiben munter weiter. Und nun Reihen sich auch noch zwei von mir eigentlich hochgeschätzte Journalisten ein. Denen unterstelle ich beileibe keine eigene Agenda in der Vereinspolitik. Aber man muss schon fragen dürfen, warum beispielsweise erwähnt wird, dass der Esecon-Bericht bislang nicht veröffentlicht wird, aber nicht, aus welchem Grund. Warum neben Mutschler und Gaiser auch Wolf-Dietrich Erhard nicht kritisch beleuchtet wird. Oder wie ein André Bühler, der für den Vereinsbeirat kandidiert und nicht fürs Präsidium und dann erstmal gewählt werden muss, in Zukunft von Vogt mehr Macht verliehen bekommen soll. Aber wie gesagt derlei Ungereimtheiten hebe ich mir für nächste Woche auf. 

Wie also soll ich die von den meisten dieser Personen an Claus Vogt vorgebrachten oder an andere weitergetragene Kritik anders als von Eigeninteresse motiviert bewerten? Eigeninteresse, dass das eigene Fehlverhalten gegenüber Mitgliedern nicht zum Vorschein kommt. Eigeninteresse, dass die bei einem Verein von der Größe und der Relevanz des VfB fast unvermeidbaren Seilschaften keinen Zugriff mehr auf den Präsidenten mehr haben? Gestern vor zwei Jahren trat Wolfgang Dietrich mit dem kryptischen Statement zurück, es gebe Menschen, die sich am VfB bereichern wollten. Bei der darauffolgenden Mitgliederversammlung griff Thomas Hitzlsperger in seiner Rede einen meiner Tweets auf und widersprach der Auffassung, es handele sich beim VfB um einen Klepperles-Verein. Lieber Thomas, Stand jetzt und angesichts der Vorkommnisse der letzten sieben Monate bin ich leider immer noch nicht vom Gegenteil überzeugt.

Mittendrin, aber nicht dabei 

Die eben beschrieben Machenschaften, die sich derzeit nach eigenen Aussagen auch auf Journalisten und andere Vereinsbeiratsmitglieder und -Kandidaten ausweiten, gehen jedoch laut verschiedener Quellen nicht auf Pierre-Enric Steiger zurück, der ja die Erfüllung der Träume all jener eben genannten Personen wäre, gewänne er die Wahl. Wie bereits gesagt: Er ist ein professioneller Gegenkandidat und sein Zukunftspapier ist sicherlich Ausdruck seines Engagements im Wahlkampf. Es hilft zwar nicht gerade, dass er seinen zentralen Wahlkampfinhalt häufig zur “Diskussionsgrundlage zur Stärkung der Debattenkultur” degradiert, wenn man ihn auf Ungereimtheiten hinweist. Aber dennoch. Sein krudes, von christlichem Fundamentalismus durchsetztes Menschenbild im Rettungswesen ist das eine, die Alt-Herren-Ansicht zu Frauen, die sich nicht in Führungspositionen trauen, das andere. Vor allem aber bedient sich Steiger in seinen Äußerungen immer wieder der Narrative, die uns schon aus dem Frühjahr und aus 2019 wohl bekannt sind und nicht nur im Zeit-Artikel, sondern auch in Oli Fritschs begleitendem Facebook-Post (den ich mir auch noch zur Brust nehmen werde, weil er in Teilen ähnlich schwach ist wie der Artikel) : In den sozialen Medien herrsche eine Meinungsdiktatur, die Vogt bevorzuge und Steiger bewusst und mit harschen Worten missverstehe. Wer fühlt sich da nicht an das Lamento des ehemaligen Vereinsbeiratsvorsitzenden Wolf-Dietrich Erhard  – dessen ehemaligen und aktuellen Aktivitäten ich nur deshalb keinen Absatz widme, weil der Artikel schon lang genug ist – erinnert, der sich nicht zu schade war, mit dem Facebook-Account des e.V. einen Beitrag von der Undercover-Vereins-Seite FokusVfB zu teilen, in dem sich der Dienstleister des VfB über die verrohten Sitten im Internet beklagte? Nur dass es 2019 noch keine 100 von einem Insider ausgemachten Twitter-User der digitalen Elite gab. 

Vor allem aber führt Steiger das Argument an, mit ihm kehre wieder Ruhe beim VfB ein. Was impliziert, dass die Unruhe, die den VfB seit Jahresbeginn erfasst, von Claus Vogt verursacht wurde. Jenem Claus Vogt, der gemeinsam mit Thomas Hitzlsperger versuchte, die Verbrechen von Vereinsvertretern und Angestellten des VfB an den Mitgliedern und Fans des Vereins aufklären zu lassen. Der sich dann eines im Ton unangemessenen und inhaltlich nicht ohne Weiteres nachvollziehbaren Angriffes von Hitzlsperger erwehren musste. Dem von Seiten einer zu Zeiten von Dietrich handzahmen Mehrheit im Vereinsbeirat zunächst die Aufstellung zur Wahl verweigert wurde und erst zu seinem und dem Recht der Mitglieder kam, als der handzahme Teil nicht ohne großes Wehklagen zurücktrat. Jenem Claus Vogt, der die oben beschriebene Kampagne über sich ergehen lassen musste. Nicht falsch verstehen: Auch Claus Vogt hat Fehler gemacht und einige liegen sicherlich auch darin begründet, dass die Strukturen beim VfB noch nicht lange in dieser Form existieren. Oder dass er am Anfang mit dem Amt und den Strukturen überfordert war. Aber der Vorwurf, er habe den Verein in Unruhe gebracht, weil er nicht nach dem ersten Angriff direkt zurücktrat, ist nichts anderes als eine Nebelkerze, um die wahren Urheber der Unruhe zu verschleiern: Porth, Schäfer, Mutschler, Gaiser, Erhard, Schlensog und wie sie alle heißen. Und die teilweise in jenen Gremien saßen in denen Vogt isoliert gewesen sein soll. Welch Wunder. 

Team VfB! 

Wen also wählen? Wo steht Ihr? Team Vogt? Team Steiger? Team Hitzlsperger, weil ihr immer noch denkt, dass Sven Mislintat bei einer Wiederwahl Vogts mit Kalajdzic unterm Arm nach Dortmund abhaut?

Für mich gibt es nur ein Team: Den VfB. Klingt melodramatisch, aber ich bin Fan des Vereins, nicht von Personen. Und in diesem Team gibt es für mich keinen Platz für Drohgebärden, Mitgliederverarsche, trojanische Pferde und Kampagnenjournalismus.

Und sonst? 

Noch kurz zu den weiteren Tagesordnungspunkten: Nach der Begrüßung, dem Totengedenken, der Ehrungen und den Berichten der verschiedenen Gremien sowie zum Thema Mitgliederverarsche kommt die allgemeine Aussprache (“I däds macha!”) und abschließend für diejenigen, die noch durchgehalten haben, diverse Abstimmungen. Zunächst zur Entlastung des Präsidiums für die Jahre 2019 und 2020. Zur Klarstellung: Entlastungen oder deren Vorenthaltung haben meist keine Konsequenzen, nur in seltenen Fällen juristische. Man kann sie als Denkzettel der Mitglieder sehen und mir fielen auf Anhieb durchaus ein paar Vorstandsmitglieder ein, die einen verdient hätten. Das Nette: Es wird über jede Person einzeln abgestimmt. Alles  eben gesagte gilt übrigens auch für den Vereinsbeirat. 

Der nächste Punkt sind vom Präsidium eingebrachte Satzungsänderungen, die der Arbeit der Satzungskommission entspringen. Da geht es u.a. um die strukturelle Stärkung der Abteilungen, die lebenslange Mitgliedschaft, sowie die Einladung zur Versammlung per E-Mail. Die vollständigen Änderungen findet Ihr in der Aussendung zur Mitgliederversammlung und ich finde sie ebenso zustimmungswürdig wie den Antrag von Ron, der eine Doppelfunktion einer Person in AG und e.V. ausschließt, den Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden natürlich ausgenommen. Ein weiterer Satzungsänderungsantrag, unter anderem von den ehemaligen PräsidentschaftskandidatInnen Schoßer, Bizer und Riehtmüller fordert bis zu drei Kandidaten und eine automatische Aufstellung von AmtsinhaberInnen. So nachvollziehbar wie zustimmungswürdig. Dass es der immer wiederkehrende Antrag auf Fernwahl diesmal nicht auf die Tagesordnung geschafft hat überrascht nicht, auch das ist vielleicht ein Thema für einen anderen Artikel. Die letzte sachinhaltliche Abstimmung dreht sich um die Erhöhung der Beiträge für passive Mitglieder, also jene Mehrzahl der Mitglieder, die nicht aktiv Sport beim VfB treiben. Kann man zu stehen wie man will, wer den Antrag deswegen kritisiert, weil er nur an Fußball und nicht an Randsportarten interessiert ist, der sollte sich nochmal Gedanken machen, ob eine Mitgliedschaft, die scheinba nur auf Rabatte im Fanshop abzielt, das richtige ist. 

Wir haben die Wahl 

Und schließlich geht es wie gesagt um die Wahlen. Vogt vs Steiger, Adrion vs Scheurer, Riethmüller vs Deutsch. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Paarungen für das Präsidium jeweils Lager abbilden sollen – der Dietrich-kritische Adrion und der Vogt-Unterstützer Riehtmüller einerseits, Freundeskreis-Mitglied Scheurer und Deutsch als Teil der angekündigten Paketlösung anderseits. Die oben angeführten Äußerungen Scheurers halte ich für entlarvend, gleichzeitig sehe ich aber auch Adrion nicht gänzlich unkritisch. Ich könnte nicht mal sagen, wie ich mich hier entscheiden würde und das gleiche gilt für die Wahlen zum Vereinsbeirat. Über die KandidatInnen könnt Ihr Euch übrigens hier ein Bild machen.

Was bleibt also vor Sonntag zu sagen: Geht hin und geht wählen, wenn Ihr Euch dabei gut fühlt. Trefft Eure eigenen Entscheidungen, denn meine sollen nur ein Denkanstoss sein. Ruhiger wird es wohl nach der Mitgliederversammlung nicht werden. Aber vielleicht lösen wir unsere Konflikte in Zukunft anders als mit offenen Briefen, Rücktritten und billigem Sportjournalismus. 

Titelbild: © imago 

 

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