Pokal! Vol. VI (Corona-Version)

Am Sonn­tag wird die ers­te Run­de des DFB-Pokals 2020/2021 gelost — dabei ste­hen nur weni­ge Teil­neh­mer des Ama­teur­top­fes über­haupt fest. Eine redu­zier­te Über­sicht über die mög­li­chen Pokal­geg­ner des VfB.

Nor­ma­ler­wei­se. Nor­ma­ler­wei­se wüss­ten wir Ende Juli längst, wer Anfang bis Mit­te August unser Geg­ner in der ers­ten Run­de des DFB-Pokals ist und wür­den uns ent­we­der über die gei­le Aus­wärts­fahrt zu einem gefal­le­nen Tra­di­ti­ons­ver­ein in ein aus der Zeit gefal­le­nes Sta­di­on freu­en oder uns dar­über ärgern, dass wir an den Arsch der Hei­de fah­ren müs­sen, weil dem VfB ein hoch­ge­züch­te­ter Dorf­ver­ein zuge­lost wur­de, der letz­te Sai­son im Lan­des­po­kal alles kurz und klein geschos­sen hat. Nor­ma­ler­wei­se gibt es aber seit März die­ses Jah­res nicht mehr und so sit­zen wir Ende Juli da und war­ten dar­auf, aus wel­chem Lan­des­ver­band der Geg­ner des VfB kommt, um uns das Spiel dann höchst­wahr­schein­lich am Fern­se­her anzu­schau­en oder sit­zend, mit Mund­schutz und 1,5 Meter Abstand. Also nicht.

Die ers­te Pokal­run­de wird am Wochen­en­de vom 11. bis 14. Sep­tem­ber aus­ge­tra­gen und erst am 22. August, an dem alle Lan­des­po­kal­fi­nal­spie­le statt­fin­den — vom DFB als “Tag der Ama­teu­re” ver­mark­tet, um sein ansons­ten schmal­spu­ri­ges Enga­ge­ment in die­sem Bereich, Stich­wort 3. Liga — zu über­tün­chen. Teil­wei­se ste­hen aktu­ell noch nicht ein­mal die Fina­lis­ten fest, wes­we­gen es auch kei­nen Sinn ergibt, Euch vier mög­li­che Geg­ner eines Lan­des­ver­bands vor­zu­stel­len. Neun mög­li­che Geg­ner ste­hen aller­dings schon fest, denen wol­len wir uns in der gebo­te­nen Kür­ze wid­men. Soll­te dem VfB dann der Pokal­sie­ger des Mit­tel­rheins zuge­lost wer­den, wer­den wir schon jeman­den aus­fin­dig machen, der uns den Ver­ein vor­stel­len kann. Also, here we go:

2. Bundesliga

Karls­ru­her SC

Die Badenser sind irgend­wie jedes Mal im Los­topf der Ama­teu­re und damit ein mög­li­cher Geg­ner des VfB. Ent­we­der sie stei­gen aus der zwei­ten Liga, stei­gen in die zwei­te Liga auf, oder wie in die­sem Fal­le, schaf­fen den Klas­sen­er­halt auf dem letz­ten Nicht­ab­stiegs­platz. Der ist näm­lich gleich­zei­tig der höchs­te Platz für die Zuord­nung in den Ama­teur­topf. Dass der KSC über­haupt als Zweit­li­gist in den nächs­ten Pokal­wett­be­werb geht, hat er nicht zuletzt dem letz­ten “Der­by” (ihr wisst schon, kein Bock, kei­ne Zuschau­er) zu ver­dan­ken, dass der VfB mit 3:1 abschenk­te. Immer­hin haben wir ja das Hin­spiel mit 3:0 gewon­nen und sind damit in Sum­me doch irgend­wie Der­by­sie­ger. Im Pokal sieht der VfB gegen den KSC tra­di­tio­nell schlecht aus, nur ein Sieg in vier Spie­len. Immer­hin die Gesamt­bi­lanz stimmt: 34 Sie­ge, 11 Unent­schie­den, 18 Nie­der­la­gen. Aktu­ell ste­hen beim KSC noch drei ehe­ma­li­ge VfB-Spie­ler unter Ver­trag: Mar­vin Wanit­zek, David Pisot und Alex­an­der Groiß. Tor­hü­ter Ben­ja­min Uphoff hat sei­nen 2020 aus­lau­fen­den Ver­trag nicht ver­län­gert.

1. FC Nürn­berg

Dass der FCN ein mög­li­cher Geg­ner des VfB in der ers­ten Pokal­run­de wer­den könn­te, war lan­ge unvor­stell­bar. Zwar hat der Club in den letz­ten Jah­ren eine durch­aus wech­sel­haf­te Geschich­te hin­ter sich, dass er aber erst in aller­letz­ter Sekun­de den Klas­sen­er­halt in der zwei­ten Liga klar­macht und als Tabel­len­sech­zehn­ter in den Ama­teur­topf muss, ist aller­dings höchst außer­ge­wöhn­lich. Die Erin­ne­run­gen an die Fran­ken sind natür­lich noch frisch. Zum einen der 3:1‑Heimsieg in der Hin­run­de, zum ande­ren der völ­lig absur­de 6:0‑Auswärtssieg, der dem VfB de fac­to den Wie­der­auf­stieg bescher­te. Im Pokal ist die Bilanz aus­ge­gli­chen: 1969/70 sieg­te der FCN 1:0, zehn Jah­re spä­ter der VfB mit 2:0 (Hat­ten­ber­ger und Kelsch). Auf dem Weg ins Pokal­fi­na­le 1986 setz­te sich der VfB mit 1:0 in Nürn­berg durch (Nus­höhr), die jüngs­te und sicher­lich schmerz­haf­tes­te Nie­der­la­ge gegen Club gab es 2007 im Pokal­fi­na­le, die den VfB das Dou­ble kos­te­te. In der Gesamt­bi­lanz hat der VfB die Nase aber vor­ne: 43 Sie­ge, 20 Unent­schie­den, 29 Nie­der­la­gen. Stand jetzt steht in Nürn­berg mit Felix Lohk­em­per ein ehe­ma­li­ger VfBler im Kader. Phil­ip Hei­se spiel­te jedoch letz­te Sai­son leih­wei­se beim FCN.

Würz­bur­ger Kickers

Auch der nächs­te mög­li­che Geg­ner kommt aus Fran­ken, dem ver­neh­men nach gibt es in Würz­burg aller­dings mehr Fans des 1. FC Nürn­berg als der hei­mi­schen Kickers. An den FWK hat der VfB gute Erin­ne­run­gen. Zwar ver­lor man kurz vor Weih­nach­ten 2016 pein­li­cher­wei­se aus­wärts mit 0:3, im Rück­spiel mach­te man dafür den Auf­stieg mit einem 4:1 end­gül­tig klar. In jenem Spiel stie­gen die Kickers ab, nach drei Jah­ren in der Dritt­klas­sig­keit sind sie jetzt zurück in der zwei­ten Liga — als zwei­ter hin­ter Dritt­li­ga-Meis­ter Bay­ern II. Das war’s. Mehr Begeg­nun­gen gab es nicht, geschwei­ge denn, Stand jetzt, ehe­ma­li­ge VfB-Spie­ler im Kader.

Ein­tracht Braun­schweig

In jener Zweit­li­ga-Sai­son war die Ein­tracht einer der schärfs­ten Kon­kur­ren­ten des VfB — nur um dann am vor­letz­ten Spiel­tag gegen Bie­le­feld unter­zu­ge­hen und in der Rele­ga­ti­on an VW und Mario Gomez zu schei­tern. Vor zwei Jah­ren stie­gen die Braun­schwei­ger in einem engen Abstiegs­kampf in die Drit­te Liga ab, wären fast durch­ge­reicht wor­den, berap­pel­ten sich aber und schaff­ten als Tabel­len­drit­ter (s.o.) den direk­ten Auf­stieg. Den VfB und die Ein­tracht ver­bin­det natür­lich eine län­ge­re His­to­rie als den VfB. Drei Mal traf man im Pokal auf­ein­an­der, drei­mal setz­te sich der VfB durch: 1980 mit 3:2 n.V. (Ohli­cher, K.-H. Förs­ter, Hade­wicz), 1985 mit 6:3 (Buch­wald, Hart­mann, 3x All­gö­wer plus ein Eigen­tor), 2015 erneut mit 3:2 n.V. (Nie­der­mei­er, Wer­ner, Sun­jic. Sun­jic, kein Witz). Gesamt­bi­lanz: 20 VfB-Sie­ge, zehn Unent­schie­den, 13 Nie­der­la­gen. Mit Kapi­tän Bernd Neh­rig und Stür­mer Manu­el Schwenk (geb. Jan­zer) ste­hen gleich zwei ehe­ma­li­ge VfB-Spie­ler bei den Blau­gel­ben unter Ver­trag, die durch­aus mal als gro­ße Talen­te gal­ten.

3. Liga

SV Wehen Wies­ba­den

Die Kicker aus der hes­si­schen Lan­des­haupt­stadt bezie­hungs­wei­se dem Vor­ort der­sel­ben stie­gen auf — und direkt wie­der ab, blei­ben also im Ama­teur­topf. Über die letz­ten bei­den Par­tien des VfB gegen den SVWW schwei­gen wir jetzt ein­fach mal. Ansons­ten ste­hen auch nur zwei Begeg­nun­gen bei­der Ver­ei­ne in den Büchern, bei­de im Pokal, bei­de gin­gen 2:1 für den VfB aus. Die Gesamt­bi­lanz ist also aus­ge­gli­chen. Ben­no Röcker, der frü­her im Brust­ring ver­tei­dig­te läuft für die Wies­ba­de­ner auf, Moritz Kuhn und Jere­mi­as Lorch spiel­ten in der Jugend für den VfB.

SG Dyna­mo Dres­den

Noch so ein Ver­ein, mit dem man zuletzt nicht unbe­dingt in der ers­ten Run­de gerech­net hät­te. Schiel­te Dyna­mo in der letz­ten Zweit­li­ga-Sai­son des VfB noch Rich­tung obe­res Tabel­len­drit­tel, stieg man jetzt als Tabel­len­letz­ter ab. Dass die Mann­schaft wegen zwei­wö­chi­ger Qua­r­anä­ne ihre neun post-Coro­na­pau­se-Spie­le im Drei­ta­ges­rhyth­mus aus­tra­gen muss­te, half dabei sicher nicht. Der VfB gewann die bei­den Par­tien in der abge­lau­fe­nen Sai­son, im Pokal traf der VfB noch nie auf die SGD. Ins­ge­samt ste­hen für den VfB sechs Sie­ge, sie­ben Unent­schie­den und drei Nie­der­la­gen gegen Dyna­mo zu Buche, am pro­mi­nen­tes­ten waren natür­lich die bei­den Halb­fi­nal­spie­le im UEFA-Pokal 1988/1989 (wer mehr dar­über erfah­ren möch­te, soll­te unse­re Pod­cast-Fol­ge mit Karl All­gö­wer hören). Der­zeit steht mit Panagio­tis Vlacho­di­mos ein gebür­ti­ger Stutt­gar­ter und ehe­ma­li­ger VfB-Spie­ler im Kader Dyna­mos. Der Bru­der von Tor­wart Odys­se­as Vlacho­di­mos wech­sel­te die­sen Som­mer von Dritt­li­ga-Abstei­ger Groß­as­pach an die Elbe.

FC Ingol­stadt 04

Die Ingol­städ­ter schei­ter­ten in der Rele­ga­ti­on denk­bar knapp am 1. FC Nürn­berg und müs­sen sich jetzt mit dem Trost­pflas­ter DFB-Pokal-Teil­nah­me begnü­gen. Nach­dem man 2016 noch den Klas­sen­er­halt schaff­te, rutsch­te der Ver­ein in der Fol­ge­sai­son in die zwei­te und zwei Jah­re spä­ter in die drit­te Liga ab. Und so kamen zum dem 3:3 in Ingol­stadt und dem 1:0‑Heimsieg des VfB in des­sen Abstiegs­sai­son kei­ne wei­te­ren Begeg­nun­gen hin­zu. Mit Fabi­jan Bun­tic steht ein ehe­ma­li­ger Brust­ring­trä­ger und gebür­ti­ger Stutt­gar­ter im Tor der Ingol­städ­ter, auch Canig­gia Gino­la Elva spiel­te schon für die zwei­te Mann­schaft des VfB. Auch bei der U19 stand er schon im Kader, war aber wegen sei­ner Natio­na­li­tät als Staats­bür­ger von St. Lucia nicht spiel­be­rech­tigt. Erst als Kana­di­er konn­te er schließ­lich für den VfB II auf­lau­fen.

MSV Duis­burg

Den Auf­stieg knapp ver­passt, aber immer­hin im DFB-Pokal dabei. So lau­tet auch das Los der Mei­de­ri­cher In Duis­burg pen­delt man in den letz­ten Jah­ren zwi­schen zwei­ter und drit­ter Liga, auf den VfB traf man folg­lich zuletzt 2008, als Tho­mas Hitzl­sper­ger und Mario Gomez einen 3:2‑Auswärtssieg an der Wedau her­aus­schos­sen. Im Pokal ging der VfB zwei­mal in sel­bi­ger baden, 1966 mit 0:2, 1977 mit 0:3. Ins­ge­samt steht die Bilanz bei 25 VfB-Sie­gen, zehn Unent­schie­den und 19 MSV-Sie­gen. Mar­vin Comp­per spiel­te frü­her für den VfB und trägt jetzt Zebra­strei­fen.

1. FC Mag­de­burg

Der FCM schloß die abge­lau­fen­de Dritt­li­ga-Sai­son nur auf einem für einen Abstei­ger ent­täu­schen­den 14. Platz ab. Gro­ße Ernüch­te­rung also in Sach­sen-Anhalt nach dem ers­ten Zweit­li­ga-Auf­stieg vor zwei Jah­ren. Immer­hin konn­te man sich über den abge­bro­che­nen Lan­des­po­kal für den DFB-Pokal qua­li­fi­zie­ren. Ver­bin­dun­gen zum VfB gibt es nur über Duel­le mit der zwei­ten Mann­schaft in der Drit­ten Liga.

Also: Ist einer die­ser neun Ver­ei­ne Euer Favo­rit für die ers­te Run­de, oder darf es lie­ber ein wasch­ech­ter Ama­teur­ver­ein sein? 

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