Neu im Brustring: Wataru Endo und Silas Wamangituka

Am ver­gan­ge­nen Diens­tag hat der VfB noch zwei­mal auf dem Trans­fer­markt zuge­schla­gen und Defen­siv­spie­ler Wata­ru Endo von VV Sant-Trui­den aus­ge­lie­hen sowie Silas Waman­gi­tu­ka vom Paris FC ver­pflich­tet. Wir haben Exper­ten aus Japan, Flan­dern und Paris zu unse­ren Neu­zu­gän­gen befragt.

Irgend­wann in den letz­ten Wochen hieß es ja mal, die Kader­pla­nung für die aktu­el­le Sai­son sei eigent­lich abge­schlos­sen, nach der schwe­ren Ver­let­zung von Sasa Kalajd­zic war aber längst klar, dass Sven Mislin­tat noch ein­mal wür­de nach­le­gen müs­sen. Am Diens­tag hat er das gleich zwei­fach getan, indem er den japa­ni­schen Natio­nal­spie­ler Wata­ru Endo vom bel­gi­schen Erst­li­gis­ten VV Sint-Trui­den für ein Jahr aus­lieh und wenig spä­ter den Kon­go­le­sen Silas Waman­gi­tu­ka für kol­por­tier­te acht Mil­lio­nen Euro vom Paris FC aus der fran­zö­si­schen Ligue 2 ver­pflich­te­te. Um uns ein Bild von den bei­den Neu­zu­gän­gen machen zu kön­nen, haben wir wie­der Exper­ten — also Fans und Jour­na­lis­ten — aus dem Umfeld ihrer bis­he­ri­gen Ver­ei­ne inter­viewt. 

Wataru Endo: Von der Grundschule zu den Red Diamonds

Anfan­gen wol­len wir mit Wata­ru Endo. Zu ihm haben wir drei Exper­ten befragt. Alan Gib­son (@JSoccerMagazine) ist Chef­re­dak­teur von JSoc­cer, einem eng­lisch­spra­chi­gen Maga­zin, das sich aus­führ­lich mit dem japa­ni­schen Fuß­ball beschäf­tigt. Er hat uns 2016 auch Taku­ma Asa­no vor­ge­stellt. Niels Chris­tiaens (@ChristiaensN) ist Sport­jour­na­list beim Regio­nal­fern­seh­sen­der TV Lim­burg, in des­sen Sen­de­ge­biet Sint-Trui­den liegt. Stef Wijnants (@StefWijnants) arbei­tet eben­falls als Sport­ana­lyst bei TV Lim­burg und mode­riert zudem die Sen­dung Sport­weekend im flä­mi­schen Fern­seh­sen­der VRT.

Wata­ru wur­de im Febru­ar 1993 in Yoko­ha­ma gebo­ren und begann mit 6 Jah­ren in der Grund­schu­le Mina­mi­tot­suka mit dem Kicken. Nach dem Wech­sel auf die gleich­na­mi­ge Mit­tel­schu­le schloss er sich mit 15 Jah­ren im Jahr 2008 der Jugend­ab­tei­lung des Erst­li­gis­ten Sho­nan Bell­ma­re an, für die er bis 2015 in den ers­ten bei­den japa­ni­schen Ligen 158 Spie­le absol­vier­te und 23 Tore schoss. Danach wech­sel­te er zu den auch hier­zu­lan­de nicht zuletzt durch das Enga­ge­ment Gui­do Buch­walds bekann­ten Ura­wa Red Dia­monds. Alan erläu­tert, dass Wata­ru schon in Bell­ma­re ein Schlüs­sel­spie­ler gewe­sen und bereits damals beim Natio­nal­trai­ner auf dem Radar gewe­sen sei. Ihn zeich­ne­te schon zu die­sem Zeit­punkt sei­ne Ruhe am Ball aus.

Nationalspieler in der japanischen Dependance in Belgien

Wataru Endo (r.) im Finale der asiatischen Champions League 2017. © Getty Images Sports
Wata­ru Endo (r.) im Fina­le der asia­ti­schen Cham­pi­ons League 2017. © Get­ty Images Sports

Ura­wa habe “einen guten Spie­ler bes­ser gemacht”, erläu­tert Alan. Endo habe zu den Leis­tungs­trä­gern des Teams gehört und habe auf ver­schie­de­nen Posi­tio­nen in der Abwehr und im Mit­tel­feld gespielt. Mit den Reds gewann er nicht nur den japa­ni­schen Liga­po­kal, son­dern 2017 auch die asia­ti­sche Cham­pi­ons League. Gleich­zei­tig reif­te er in die­ser Zeit zum japa­ni­schen Natio­nal­spie­ler, in dem er die Nach­wuchs­mann­schaf­ten der JFA durch­lief. 2015 debü­tier­te er bei den Ost­asi­en­meis­ter­schaf­ten in der A‑Nationalmannschaft. Bei der Welt­meis­ter­schaft 2018 stand er zwar im Kader, kam aber zu kei­nem Ein­satz. Dafür spiel­te er bei den Asi­en­meis­ter­schaf­ten im Janu­ar, die Japan im Fina­le gegen Katar ver­lor, fast jedes Spiel über 90 Minu­ten. In der Natio­nal­mann­schaft habe er vor allem im defen­si­ven Mit­tel­feld gespielt, auch weil die Innen­ver­tei­di­gung bereits mit eta­blier­ten Spie­lern besetzt gewe­sen sei, so Alan. Es wird bereits deut­lich: Endo kann auf meh­re­ren Posi­tio­nen ein­ge­setzt wer­den, aber dazu gleich mehr.

Im ver­gan­ge­nen Jahr wech­sel­te er dann zum bel­gi­schen Erst­li­gis­ten VV Sint-Trui­den. Der Wech­sel nach Flan­dern ist dabei nicht unbe­dingt ein Zufall. Denn Stef weist dar­auf hin, dass die japa­ni­sche Inter­net­fir­ma DMM.com Eigen­tü­me­rin des Ver­eins ist und die VV seit der Über­nah­me regel­mä­ßig Spie­ler aus Japan ver­pflich­tet und teu­er wei­ter­kauft, wie im Fall von Take­hiro Tomi­ya­su, der die für ihn gezahl­te Ablö­se mit sei­nem Wech­sel zum FC Bolo­gna in die­sem Som­mer ver­zehn­fach­te. Der neue Ver­ein von Andre­as Beck, die KAS Eupen, gehört übri­gens zur kata­ri­schen Aspi­re Group. Aber das nur am Ran­de. Unab­hän­gig von den Besitz­ver­hält­nis­sen des Ver­eins sei­en die Erwar­tun­gen an Endo bei sei­nem Trans­fer hoch gewe­sen, sagen Niels und Stef, schließ­lich war er japa­ni­scher Natio­nal­spie­ler und WM-Teil­neh­mer

Sint-Truiden verpasst ohne flexiblen Endo die Meisterschafts-Playoffs

In der Jupi­ler League absol­vier­te Endo 17 Spie­le, alle im defen­si­ven Mit­tel­feld und erziel­te in sei­nen ers­ten drei Spie­len sogar zwei Tore, eines davon im Der­by gegen Genk. Im Lau­fe der Vor­run­de (in Bel­gi­en wird der Meis­ter sowie ein Euro­pa­po­kal­teil­neh­mer im Play­off-Modus aus­ge­spielt), die Sint-Trui­den auf Platz 7 abschloss, habe er sich aber spie­le­risch nicht so rich­tig durch­set­zen kön­nen, erklärt Niels. Stef hält hin­ge­gen fest, dass er der Mann­schaft zu mehr Qua­li­tät ver­hol­fen habe. Der gro­ße Bruch in sei­ner Sai­son kam durch die Teil­nah­me an den Asi­en­spie­len im Janu­ar, deren Fina­le er wegen einer Ver­let­zung ver­pass­te, die ihn bis zum Beginn der Play­offs für den Euro­pa­po­kal­platz außer Gefecht setz­te. Stef erklärt, dass in die­sen Play­offs die Luft im Team bereits raus gewe­sen sei und auch Endo nicht mehr groß habe glän­zen kön­nen. Der Grund: Nur die ers­ten sechs Mann­schaf­ten neh­men an den Meis­ter­schafts-Play­offs teil, Sint-Trui­den lan­de­te wie bereits erwähnt auf Platz 7.

Soweit die sport­li­che Bilanz. Wie bereits ange­führt, kann Endo auf meh­re­ren Posi­tio­nen in der Defen­si­ve spie­len, nicht umsonst spricht der kicker vom “fle­xi­blen Endo”. Transfermarkt.de zufol­ge spie­le er den größ­ten Teil sei­ner Kar­rie­re als Innen­ver­tei­di­ger, hat­te aber auch vie­le Ein­sät­ze im defen­si­ven und zen­tra­len Mit­tel­feld, eini­ge weni­ge auf rechts­au­ßen in der Vie­rer­ket­te. Alan zufol­ge sei die Innen­ver­tei­di­gung sei­ne Lieb­lings­po­si­ti­on, auch wenn ver­schie­de­ne Trai­ner gemerkt hät­ten, dass er auch auf den ande­ren Posi­tio­nen zu gut sei, um nicht auf­ge­stellt zu wer­den. Niels und Stef sind sich hin­ge­gen einig, dass die Posi­ti­on vor der Abwehr im defen­si­ven Mit­tel­feld am Bes­ten zu Endo passt, auch wegen sei­ner über­schau­ba­ren Kör­per­grö­ße von 1,78 m. Den­noch habe er häu­fi­ger, vor allem bei Ver­let­zun­gen oder Platz­ver­wei­sen sei­ner Kol­le­gen, auch in der Innen­ver­tei­di­gung gespielt, vor allem auch des­we­gen, weil der Trai­ner in die­ser Situa­ti­on kei­ne Alter­na­ti­ve hat­te.

Dirigent im defensiven Mittelfeld

Endo im Dress der japanischen Nationalmannschaft. © Getty Images Sports
Endo im Dress der japa­ni­schen Natio­nal­mann­schaft. © Get­ty Images Sports

Zur Posi­ti­on im defen­si­ven Mit­tel­feld passt auch der Spiel­stil, den ihm unse­re Exper­ten attes­tie­ren. Alan lobt sei­ne Fähig­kei­ten als intel­li­gen­ter Spie­ler, der bereits einen Spiel­zug wei­ter­denkt und sei­ne Mit­spie­ler ent­spre­chend diri­giert. Niels hebt sei­ne Agi­li­tät her­vor und sei­ne Stär­ke bei Bal­ler­obe­run­gen und den dar­auf fol­gen­den Kon­tern. Stef ergänzt, dass er zwar Zwei­kämp­fen lie­ber spie­le­risch aus dem Weg gehe, aber durch­aus auch in der Lage sei, ein gutes Tack­ling anzu­set­zen. Alle drei sind sich sich einig, dass er für Tim Wal­ters Ball­be­sitz- und Pass­fuß­ball durch­aus geeig­net ist. Auch offen­siv strah­le er durch sei­ne Agi­li­tät eine gewis­se Gefahr aus, gera­de in Kon­ter­si­tua­tio­nen. Als Schwä­che sehen unse­re Exper­ten vor allem sei­ne Kör­per­grö­ße, wenn er in der Innen­ver­tei­di­gung ein­ge­setzt wird, Niels hat­te zudem das Gefühl, dass er auf­grund ver­schie­de­ner Ver­let­zun­gen nie hun­dert­pro­zen­tig fit war. Abge­se­hen davon sei Endo ein sehr dis­zi­pli­nier­ter Spie­ler mit einer guten Men­ta­li­tät.

Alan, Niels und Stef sind sich einig, dass Endo eine Ver­stär­kung für den VfB sein wird — Stef beschränkt sich bei die­ser Ein­schät­zung auf einen Ein­satz Endos im defen­si­ven Mit­tel­feld — und sie­deln die Jupi­ler League von der Leis­tungs­stär­ke her etwas höher an als die 2. Bun­des­li­ga. Natür­lich stellt sich die Fra­ge, war­um die VV Endo an einen deut­schen Zweit­li­gis­ten ver­leiht und nicht ver­sucht, ihn direkt gewinn­brin­gend zu ver­kau­fen. Alan ver­mu­tet, dass sie sei­ne Ent­wick­lung beim VfB abwar­ten wol­len, um ihn gege­be­nen­falls spä­ter teu­rer, viel­leicht auch an den VfB zu ver­äu­ßern. Niels ver­weist dar­auf, dass der VfB trotz des Abstiegs in Euro­pa immer noch einen guten Namen habe und Endo bei uns die Mög­lich­keit sieht, den nächs­ten Schritt zu machen. Stef gibt uns einen Ein­blick in die Fan­see­le der Sint-Trui­den-Fans: Nie­mand wis­se genau, was der Plan der japa­ni­schen Eigen­tü­mer sei, da die­se nicht mit der Pres­se oder den Fans kom­mu­ni­zier­ten.

Silas Wamangituka: Von Kinshasa nach Paris

Kom­men wir, bevor wir bei­de Trans­fers bewer­ten, nun zu Silas Waman­gi­tu­ka. Des­sen Kar­rie­re ist allein alters­be­dingt etwas kür­zer als die von Endo. Im Okto­ber 1999 in Kin­sha­sa in der Demo­kra­ti­schen Repu­blik Kon­go gebo­ren (genau­so wie übri­gens Chadrac Ako­lo, nur eben vier Jah­re spä­ter), spiel­te er bis zu sei­nem 18. Lebens­jahr in sei­nem Hei­mat­land für den Olym­pic Mate­te FC, bevor er nach einem erfolg­lo­sen Pro­be­trai­ning in Mont­pel­lier beim fran­zö­si­schen Fünft­li­gis­ten Olym­pi­que Alès lan­de­te. Von dort wech­sel­te er 2018 in die Haupt­stadt, aber nicht wie sein neu­er Team­kol­le­ge Tan­guy Cou­li­ba­ly zu PSG, son­dern zum Zweit­li­gis­ten Paris FC. Aus dem Umfeld die­ses Ver­eins, der übri­gens in der ver­wor­re­nen Geschich­te des Pari­ser Fuß­balls auch ein Ursprungs­ver­ein von PSG ist, haben wir drei Exper­ten gefun­den, die uns zu Waman­gi­tu­ka (ich schrei­be den Namen jetzt so häu­fig, damit ich ihn mir mer­ken kann) Rede und Ant­wort stan­den: Ste­ve Wyss (@meatmansoccer) ist Fuß­ball- und Wett­ana­lyst, der sich mit den ers­ten bei­den fran­zö­si­schen Ligen, der MLS und der nor­we­gi­schen Liga beschä­figt. Sofia­ne (@BledMamba) ist Fan des Paris FC. Lau­rent Pru­n­e­ta (@PrunetaLaurent) ist Jour­na­list bei der Pari­ser Tages­zei­tung Le Pari­si­en, der sich auf die Ligue 1 und Ligue 2 spe­zia­li­siert und letz­te Sai­son kein Spiel des Paris FC ver­passt hat.

Anders als bei Endo sei­en die Erwar­tun­gen an ihn bei sei­ner Ver­pflich­tung von Alès rela­tiv gering gewe­sen. Weder Ste­ve, noch Sofia­ne oder Lau­rent kann­ten ihn vor­her. Nach eini­gen Ein­sät­zen in der zwei­ten Mann­schaft und in Freund­schafts­spie­len habe sich aber sein Poten­zi­al schnell offen­bart, erklä­ren Sofia­ne und Lau­rent. Letz­te­rer erin­nert sich, dass Waman­gi­tu­kas Bera­ter zu ihm gekom­men sei und ange­kün­digt habe, dass man noch von sei­nem Schütz­ling hören wür­de. Anfang Sep­tem­ber absol­vier­te er gegen Troyes sein ers­tes Spiel in der Ligue 2, es soll­ten noch 31 wei­te­re Fol­gen, in denen er als Mit­tel­stür­mer ins­ge­samt elf Mal traf und zwei Tore vor­be­rei­te­te. Für Lau­rent ist er eine der Ent­de­ckun­gen der Ligue 2 der ver­gan­ge­nen Sai­son, Sofia­ne nennt ihn “unse­ren X‑Faktor”, der Spie­ler, der den Unter­schied zwi­schen einem Unent­schie­den und einem Sieg machen konn­te. Dem­entspre­chend sei ihm rela­tiv bald ein Drei-Jah­res-Ver­trag vor­legt wor­den, erklärt Lau­rent. 

Groß und wichtig

In der abge­lau­fe­nen Sai­son beleg­te der PFC Platz 4 in der Ligue 2 und schei­ter­te in den Auf­stiegs­play­offs knapp an Lens. Mit zwei Toren in den letz­ten bei­den regu­lä­ren Spie­len gegen Lokal­ri­va­len Red Star und Ajac­cio habe Waman­gi­tu­ka gro­ßen Anteil am Erfolg der Mann­schaft gehabt, die Ste­ve zufol­ge weit über ihren Mög­lich­kei­ten spiel­te. Das wird deut­lich, wenn man sich die Bilanz des PFC ansieht. Nur 36 Tore und damit weni­ger als eines pro Spiel schos­sen die Haupt­städ­ter, dem­entspre­chend war Waman­gi­tu­ka für etwa ein Drit­tel der Tref­fer ver­ant­wort­lich. Platz 4 hat die Mann­schaft vor allem der äußerst soli­den Defen­si­ve zu ver­dan­ken, die nur 22 Gegen­to­re zuließ. Sofia­ne attes­tiert ihm dem­entspre­chend, dass er für die Ligue 2 eigent­lich ein zu gro­ßes Talent habe. 

Nicht nur in Bezug auf ihren Bekannt­heits­grad, auch was die Kör­per­grö­ße angeht, bil­den unse­re bei­den Neu­zu­gän­ge ein unglei­ches Paar. Waman­gi­tu­ka ist knapp 1,90 m groß und hat eine dem­entspre­chen­de phy­si­sche Prä­senz. Gleich­zei­tig ver­fü­ge er aber auch über gute Ball­kon­trol­le, Tech­nik und Schnel­lig­keit. Sofia­ne zufol­ge war­tet er meist  als Ziel­stür­mer im Straf­raum auf den Ball, las­se sich aber auch gele­gent­lich zurück­fal­len. Dem schließt sich Lau­rent an. Schwä­chen sehen Sofia­ne und Lau­rent im Kopf­ball­spiel und wenn ihm vor­ne der Raum feh­le. Zudem sei er bis­wei­len ein wenig eigen­sin­nig und könn­te sich mehr in der Defen­si­ve ein­brin­gen.

“Be excited” — Eine Investition in die Zukunft

Wie mitt­ler­wei­le bekannt ist, war der VfB im Wer­ben um Waman­gi­tu­ka nicht allei­ne, stach aber am Ende die bei­den Erst­li­gis­ten Sta­de Ren­nes und Schal­ke aus und über­wies angeb­lich acht Mil­lio­nen Euro nach Paris, also etwa so viel wie für alle bis­he­ri­gen Neu­zu­gän­ge die­ses Som­mers zusam­men. Unse­re Exper­ten sehen die­se Sum­me aber als eine gute Inves­ti­ti­on des VfB an, auch wenn sie die Ablö­se zum jet­zi­gen Zeit­punkt für etwas über­teu­ert hal­ten. Sofia­ne und Lau­rent sind sich sicher, dass Waman­gi­tu­ka in weni­gen Jah­ren sei­nen Markt­wert ver­viel­fa­chen wird. Die Ent­schei­dung für Stutt­gart fiel den drei­en zufol­ge vor allem zwei Grün­den: Ren­nes woll­te bei der Ablö­se­sum­me nicht mit­ge­hen und bot nur knapp sechs Mil­lio­nen Euro, bei Schal­ke wie­der­um rech­ne­te sich Waman­gi­tu­ka zu wenig Ein­satz­chan­cen aus, um den nächs­ten Schritt zu machen. Beim VfB hin­ge­gen, so Lau­rent, habe der wirt­schaft­li­che Aspekt für den Ver­ein gepasst, der sport­li­che für den Spie­ler. Ste­ve sieht in der Ver­pflich­tung Waman­gi­tu­kas für den VfB nur ein gerin­ges Risi­ko.

Lau­rent pro­phe­zeit dem jun­gen Stür­mer zehn bis 15 Tore in der zwei­ten Liga und sieht ihn in einem Jahr bereit für die Bun­des­li­ga. Die Ligue 2 sei etwas schwä­cher als die 2. Bun­des­li­ga, erklärt Ste­ve, er sei sich des­halb nicht sicher, ob Waman­gi­tu­ka direkt in der Start­elf lan­den wer­de. Sofia­ne sagt vor­aus, dass der Spie­ler uns auf jeden Fall beein­dru­cken wer­de, auch weil ihm der deut­sche Offen­siv­fuß­ball lie­ge. Als Arse­nal-Fan hält er auch gro­ße Stü­cke auf Sven Mislin­tat und ist sich sicher, dass sich die­ser mit der Ver­pflich­tung nicht geirrt habe. Am Ende gibt er mir noch mit: “Be exci­ted, you are gon­na love Silas.”

Ein Joker und das fehlende Puzzlestück in der Offensive?

Erneut hat uns der VfB also mit zwei Neu­zu­gän­gen über­rascht, die kei­ner so wirk­lich auf dem Schirm hat­te, auch wenn der Name Endo schon ein paar Wochen zuvor bereits kur­sier­te. Zunächst ein­mal reagiert Sven Mislin­tat damit, wie bereits ange­spro­chen, auf die Ver­let­zung von Kalajd­zic, der, wie wir bereits her­aus­ge­fun­den haben, ein ähn­li­ches Pro­fil hat wie Waman­gi­tu­ka. Die Lei­he von Endo gibt mir noch ein wenig Rät­sel auf. Viel­leicht macht Tim Wal­ter aus ihm noch einen Rechts­ver­tei­di­ger, denn auf die­ser Posi­ti­on hat Frei­burg-Leih­ga­be Pas­cal Sten­zel bis­her noch kei­ne Kon­kur­renz. Endos Stär­ken schei­nen jedoch eher in der Spiel­feld­mit­te, also ent­we­der in der Innen­ver­tei­di­gung oder im defen­si­ven Mit­tel­feld zu lie­gen. Natür­lich ist mir klar, dass Innen- und Außen­ver­tei­di­ger bei Tim Wal­ter im lau­fen­den Spiel stän­dig die Posi­tio­nen tau­schen, den­noch scheint Endo auf der Außen­bahn die Erfah­rung zu feh­len. Viel­leicht ist er aber auch ein­fach der Joker, den Wal­ter nach Belie­ben im Defen­siv­raum ver­schie­ben kann, wenn es der Spiel­stand erfor­dert. Mit die­ser Lei­he macht der VfB auf jeden Fall nicht viel falsch, im bes­ten Fall ver­leiht Endo der teil­wei­se sehr jun­gen Abwehr zusätz­li­che Sta­bi­li­tät in der Rück­wärts­be­we­gung.

Bei Waman­gi­tu­ka sieht das schon etwas anders aus. Er ist noch jung und schein­bar mit reich­lich Talent geseg­net. Ob er das beim VfB wird abru­fen kön­nen und damit, wie von unse­ren Exper­ten pro­phe­zeit, sei­nen Markt­wert ver­viel­facht, wird span­nend zu sehen sein. In den ers­ten drei Pflicht­spie­len wur­de ja durch­aus deut­lich, dass es beim VfB wei­ter­hin im Angriff ein wenig hakt. Al Ghad­dioui konn­te immer­hin schon zwei Mal tref­fen, die ande­ren Tore gehen auf das Kon­to der alt­ge­dien­ten Brust­ring­trä­ger Gomez, Dida­vi und Bad­s­tu­ber, drei der fünf Tore resul­tier­ten aus Stan­dards. Wenn der VfB nicht Gefahr lau­fen will, in den nächs­ten Spie­len zu vie­le Punk­te zu ver­lie­ren, muss die Mann­schaft in der Lage sein, den Sack zuzu­ma­chen. Mit Waman­gi­tu­ka eröff­net sich hof­fent­lich eine wei­te­re Mög­lich­keit, den Ball in den Straf­raum und schließ­lich auch ins Tor zu brin­gen. Gleich­zei­tig darf man aber auch von einem 19jährigen kei­ne Wun­der­din­ge erwar­ten. Denn was er an Talent mit­bringt, set­zen ihm die Zweit­li­ga-Ver­tei­di­ger an Erfah­rung und Zwei­kampf­här­te ent­ge­gen. Aber immer­hin: der VfB ist offen­sicht­lich gewollt, für mehr offen­si­ve Durch­schlags­kraft und einen even­tu­el­len lang­fris­ti­gen Erfolg über­ra­schend viel Geld in die Hand zu neh­men. Kurz­fris­tig geht es jetzt vor allem dar­um, Ball­be­sitz und Pass­staf­fet­ten auch in Punk­te umzu­mün­zen.

Titel­bild: © Get­ty Images Sports

Schreibe einen Kommentar

Rund um den Brustring
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.