Es nervt

Einen Tag nach sei­nem 130. Geburts­tag steht dem VfB heu­te zur Abwechs­lung mal nicht eine schwe­re Aus­wärts­par­tie ins Haus, son­dern ein kom­pli­zier­tes Heim­spiel: Die ordent­li­che Mit­glie­der­ver­samm­lung für das Jahr 2023. Schaut man sich in den sozia­len Netz­wer­ken um, ist die Stim­mung so auf­ge­heizt wie lan­ge nicht mehr, auch die Tages­ord­nung ver­deut­licht das Kon­flikt­po­ten­zi­al. Eine Ein­schät­zung der aktu­el­len Lage.

Dis­clai­mer: Auch die­ses Jahr wer­de ich es aus per­sön­li­chen Grün­den nicht zur Mit­glie­der­ver­samm­lung schaf­fen, die Anfahrt und ande­re Ver­pflich­tun­gen las­sen es zeit­lich lei­der nicht zu. Wen es beim Lesen der fol­gen­den Zei­len stört, dass ich aus der Fer­ne mei­nen Senf dazu gebe, aber nicht am Sonn­tag mein Sitz­fleisch für den Ver­ein hin­hal­te, möge die­sen Arti­kel über­sprin­gen. Allen ande­ren kann ich mit mei­nen Ein­schät­zun­gen hof­fent­lich eine Hil­fe zur Mei­nungs­bil­dung sein, mehr neh­me ich auch gar nicht in Anspruch. Haupt­sa­che ist, ihr kommt, wenn es Euch mög­lich ist, zur Mit­glie­der­ver­samm­lung und nutzt Euer Rede- und Stimm­recht.

Ich möch­te mich erst­mal dem größ­ten Ele­fan­ten im Raum wid­men, den Abwahl­an­trä­gen gegen Prä­si­dent Claus Vogt sowie gegen die Ver­eins­bei­rä­te André Büh­ler und Marc Nico­lai Schlecht. Die­se kom­men aus zwei ver­schie­de­nen Rich­tun­gen, näm­lich ein­mal von der Initia­ti­ve VfB-jetzt, die im Früh­jahr ver­such­te, eine außer­or­dent­li­che Mit­glie­der­ver­samm­lung zu initi­ie­ren, und ein­mal von Cor­ne­lia Ger­s­tung. Bei­de Abwahl­an­trä­ge sind in der erwei­ter­ten Tages­ord­nung auf mgv.vfb.de abruf­bar und sind aus­führ­lich begrün­det. Ob die Abwahl­an­trä­ge auch fun­diert begrün­det sind, dar­über lässt sich strei­ten. Mei­ner Mei­nung nach ver­lie­ren sich bei­de Anträ­ge einer­seits in Kri­tik an Sach­ver­hal­ten, die durch­aus kri­tik­wür­dig sind, für mich in Sum­me aber nicht aus­rei­chend, um Claus Vogt des Amtes zu ent­he­ben, ande­rer­seits basie­ren sie auf teil­wei­se auf Quel­len, deren Glaub­wür­dig­keit zumin­dest nicht beleg­bar ist. Nicht ange­spro­chen wer­den hin­ge­gen The­men, die mei­ner Mei­nung nach zum Aus­lö­ser für den Wunsch nach einer außer­or­dent­li­chen Mit­glie­der­ver­samm­lung und die Abwahl Vogts wur­den oder die mei­ner Mei­nung nach nicht nur wesent­lich pro­ble­ma­ti­scher sind, son­dern auch anders als anonym geäu­ßer­te Vor­wür­fe öffent­lich beob­acht­bar und nach­voll­zieh­bar sind. Aber der Rei­he nach.

Dünne Argumentation

Die Initia­ti­ve, die sich aus Moni­ca Wüll­ner, Chris­toph Burandt, Hans Dürr und Andre­as Wald­ner zusam­men­setzt, wirft Vogt vor, den Ver­ein in Bezug auf das Wohl und die För­de­rung der Mit­glie­der und des Sports nicht gewis­sen­haft zu füh­ren und begrün­det das mit der Auf­lö­sung der Mit­glie­der­aus­schüs­se Ver­eins­ent­wick­lung und NLZ, ohne gleich­zei­tig die ange­kün­dig­ten Exper­ten­rä­te umzu­set­zen,  mit dem beschä­dig­ten Anse­hen des VfB durch Vogts Umgang mit der Daten­af­fä­re, die Per­so­nal­fluk­tua­ti­on sowie den neu­en Haupt­spon­sor sowie mit dem Umgang mit den Per­so­na­li­en Büh­ler und Schlecht. Lei­der wird hier wie­der deut­lich, was schon wäh­rend der Unter­schrif­ten­samm­lung für eine außer­or­dent­li­che Mit­glie­der­ver­samm­lung pro­ble­ma­tisch war: Die Argu­men­ta­ti­on ist inhalt­lich ziem­lich dünn, aber immer­hin hat man sich mehr Gedan­ken gemacht, als bei der Argu­men­ta­ti­on für die Abwahl­an­trä­ge gegen alle Gre­mi­en­ver­tre­ter auf einer mög­li­chen außer­or­dent­li­chen Mit­glie­der­ver­samm­lung. Las­sen wir die Auf­lö­sung der Mit­glie­der­aus­schüs­se mal außen vor — zum einen geht es hier ganz offen­sicht­lich um per­sön­li­che Betrof­fen­hei­ten von Mit­glie­dern der Grup­pe, die, wie auf der Web­sei­te ersicht­lich, in die­sen Aus­schüs­sen mit­wirk­ten, zum ande­ren erwi­dert das Prä­si­di­um dar­auf, dass Mit­glie­der auf ande­re Art und Wei­se ein­ge­bun­den wur­den, was ich schlicht nicht nach­prü­fen kann. Beim Umgang mit den Per­so­na­li­en Büh­ler und Schlecht wer­den Bei­trä­ge aus einem Fan­fo­rum zitiert, in dem schein­bar auch E‑Mails des Ver­eins­jus­ti­ziars Jan Räker kur­sie­ren, in denen er aus­führt, dass dem Gut­ach­ten von Pierre-Enric Stei­ger im Fal­le von Marc Nico­lai Schlecht zuzu­stim­men sei und alle Beschlüs­se mit des­sen Betei­li­gung unwirk­sam sei­en, wenn er dir ent­schei­dend Stim­me gehabt habe. Der Ver­ein ver­weist auf recht­li­che Bewer­tun­gen des Sach­ver­halts, die im Gegen­satz zu Stei­gers Gut­ach­ten “in Kennt­nis sämt­li­cher Unter­la­gen und Zusam­men­hän­ge” ent­stan­den sei. Hier lässt sich von außen schwer bewer­ten, wer Recht hat. Aber mal ganz abge­se­hen davon, dass der Fall Büh­ler hier außen vor gelas­sen wird — und den­noch ein Abwahl­an­trag gestellt wird — bleibt unkon­kret, wel­ches Fehl­ver­hal­ten Vogt hier kon­kret vor­ge­wor­fen wird. Man muss ver­mu­ten, dass es um den Vor­wurf geht, den eige­nen Jus­ti­zi­ar über­gan­gen und rechts­wid­rig gehan­delt zu haben. Ob das der Vor­wurf ist, wird nicht klar, ob er berech­tigt ist, ist schwer zu bewer­ten.

Am aus­führ­lichs­ten wird die Initia­ti­ve beim beschä­dig­ten Anse­hen des VfB durch einen unpro­fes­sio­nel­len Umgang mit der Daten­af­fä­re, Per­so­nal­fluk­tua­ti­on und dem neu­en Haupt­spon­sor. Über den Haupt­spon­sor habe ich mich hier schon aus­ge­las­sen, wür­de man beim VfB zu dem ste­hen, was man so hoch­tra­bend zu Papier bringt, hät­te die­ser Spon­so­ren­deal nie die Zustim­mung des Auf­sichts­ra­tes krie­gen dür­fen. Hier­für kann man Vogt zurecht kri­ti­sie­ren, ob das Grund für eine Abwahl ist, las­se ich mal dahin­ge­stellt. Die The­men Daten­af­fä­re und Per­so­nal­fluk­tua­ti­on sind da schon etwas viel­schich­ti­ger. Es klang ja schon mehr­fach an, dass die Auf­klä­rung der Wei­ter­ga­be von Mit­glie­der­da­ten auch ver­eins­po­li­tisch instru­men­ta­li­siert wor­den sei und im einem Ver­ein, in dem schein­bar jeden Tag neu um die Macht gekämpft wird, ist das ver­mut­lich nicht ganz von der Hand zu wei­sen. Dass der VfB “mona­te­lang im media­len Fokus stand” hat­te aber vor allem damit zu tun, dass man auf der Geschäfts­stel­le eine Zeit lang Mit­glie­der­da­ten an einen Dienst­leis­ter wei­ter­gab, des­sen Auf­ga­be es war, eben­je­ne Mit­glie­der hin­ters Licht zu füh­ren. Auch die Per­so­nal­fluk­tua­ti­on muss man in Kon­text set­zen: Zu den zurück­ge­tre­te­nen Ver­eins­bei­rä­ten zäh­len die ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­den Wolf-Diet­rich Erhard und Clau­dia Main­tok, die Wolf­gang Diet­rich eben­so­we­nig Ein­halt gebo­ten wie die zurück­ge­tre­ten Prä­si­di­ums­mit­glie­der Bernd Gai­ser und Rai­ner Mutsch­ler — letz­te­rer Pro­jekt­lei­ter der Aus­glie­de­rung, angeb­lich ohne Kennt­nis der Mit­glie­der­ver­ar­sche. Natür­lich sind das nicht alle und gera­de bei den Rück­trit­ten von Mar­tin Bizer und Susan­ne Schos­ser steht Aus­sa­ge gegen Aus­sa­ge.  Hät­te man sich auf jene Rück­trit­te kon­zen­triert, die dem Ver­ein unter Umstän­den scha­den könn­ten, wäre das Argj­ment stär­ker, in die­ser Pau­scha­li­tät und mit Zita­ten von Tho­mas Hitzl­sper­ger, Schos­ser und Bizer ver­se­hen, ist der Antrag ein­fach nur, par­don, schlam­pig. Glei­ches gilt auch für die wei­te­ren Abwahl­an­trä­ge, doch dazu gleich mehr.

Kritik teilweise berechtig, aber nicht ausreichend

Wesent­lich mehr Mühe hat sich Cor­ne­lia Ger­s­tung gemacht. Sie zitiert zur Neu­be­set­zung des Auf­sichts­ra­tes aus­führ­lich aus den öffent­lich abruf­ba­ren Pro­to­kol­len der AG-Haupt­ver­samm­lun­gen und der Sat­zung der AG. Im Grun­de geht es dar­um, dass mit Dr. Bert­ram Sugg vom OFC Cou­ra­ge Ger­lin­gen ein Ver­tre­ter eines Fan­clubs durch Bea­te Beck-Dehar­de ersetzt wur­de, wie dem Pro­to­koll zu ent­neh­men ist gegen die Stim­men der Inves­to­ren Mer­ce­des und Jako. Aus per­sön­li­chen Gesprä­chen mit Sugg weiß ich, dass der sich im Auf­sichts­rat durch­aus für Fan­be­lan­ge ein­setz­te, die Grün­de für die Neu­be­set­zung ken­ne ich aller­dings nicht. Man muss Vogt zwar die Argu­men­ta­ti­on im ver­eins­ei­ge­nen Pod­cast STR zuge­ste­hen, dass es kei­nen Pro­zess für die Wahl eines “Fan­ver­tre­ters” in den Auf­sichts­rat gibt und dass das Ver­spre­chen, immer einen sol­chen im Auf­sichts­rat zu haben, von Wolf­gang Diet­rich gemacht wur­de. Es ist dies jedoch eine sehr for­ma­lis­ti­sche Ant­wort. Man fin­det zwar, mit sechs­wö­chi­ger Ver­spä­tung nach der Neu­be­set­zung, eine rela­tiv aus­führ­li­che Selbst­vor­stel­lung der neu­en Auf­sichts­rä­te und nicht “nur Namen”, wie Ger­s­tung kri­ti­siert, aber eine Erläu­te­rung der Neu­be­set­zung fin­det sich in der Tat nicht, auch wenn ich dem Vor­wurf, sie erken­ne kei­nen “Mehr­wert” in der Ernen­nung von Beck-Dehar­de, etwas harsch fin­de. Das geneig­te Mit­glied muss sich Mal wie­der zusam­men­rät­seln, dass man damit wohl die Ver­bin­dun­gen zur Poli­tik und zur loka­len Wirt­schaft stär­ken will. Auch der Punkt, dass sich der e.V.  in der Cau­sa Sugg  mit sei­ner Stim­men­mehr­heit gegen die Inves­to­ren durch­set­zen muss­te, lässt auf­hor­chen. Aber erneut: lch ken­ne die Hin­ter­grün­de nicht.

Die wei­te­ren Grün­de für die Abwahl sind die Strei­chung von gedruck­ten Mit­glie­der­zei­tun­gen und Ein­la­dun­gen zur Mit­glie­der­ver­samm­lung und das Feh­len eines ÖPNV-Tickets und eines Ver­zehr­gut­scheins bei Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen sowie das angeb­lich nicht daten­schutz­kon­for­me Abdru­cken von Geburts­ta­gen in der Mit­glie­der­zei­tung. So berech­tigt die­se Kri­tik in Tei­len sein mag: In der Begrün­dung eines Abwahl­an­trags haben sie mei­ner Mei­nung nach nichts zu suchen. Ähn­lich ver­hält es sich mit dem The­ma Gemein­nüt­zig­keit und Nach­hal­tig­keit wegen des Mit­flugs von e.V.-Funktionären zum Rele­ga­ti­ons­spiel nach Ham­burg und der Nut­zung einer Media­to­rin. Die­se Vor­wür­fe wer­den vom Prä­si­di­um inhalt­lich ent­kräf­tet. Bleibt noch das The­ma Kom­mu­ni­ka­ti­on. Hier kri­ti­siert Ger­s­tung die aus­blei­ben­de offi­zi­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­on zu vie­len The­men, wäh­rend regel­mä­ßig Inter­na bei der Pres­se lan­den. So berech­tigt die­ser Vor­wurf in Tei­len ist — wäh­rend man von der AG aktu­ell eher wider­sprüch­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on sieht, bräuch­te es beim e.V. einen Fan­blog, um die Vor­tei­le des neu­en Grund­la­gen­ver­trags zu erklä­ren — besteht er argu­men­ta­tiv teil­wei­se aus Ver­mu­tun­gen oder aus dem Vor­wurf, Vogt hef­te sich, wenn er kom­mu­ni­zie­re die Leis­tun­gen ande­rer ans Revers. Unschön, wenn kor­rekt, aber Grund zur Abwahl? Eher nicht. 

Was fehlt

Das war’s? Das wars. Dabei hat Ger­s­tung in der Ein­lei­tung ihrer Begrün­dung nicht ganz unrecht: Der VfB und sei­ne Gre­mi­en sind sind spä­tes­tens Anfang 2021 ein ein­zi­ges Pul­ver­fass. Und mir fehlt die Fan­ta­sie, um zu glau­ben, dass dies nichts mit Claus Vogts Amts­füh­rung als e.V.-Präsident zu tun hat. Dazu sind die Vor­wür­fe zu zahl­reich und kom­men aus ver­schie­de­nen Rich­tun­gen: von Tho­mas Hitzl­sper­ger, von den Quel­len hin­ter Marc Brosts und Oli Frit­schs House of Cannstatts, von zurück­ge­tre­te­nen Ver­eins­bei­rä­ten oder anony­men Blogs. Was es in der Bewer­tung so schwer macht, ist, dass man die­se Vor­wür­fe und  dir Inten­ti­on ihrer Urhe­ber schwer über­prü­fen kann. Stel­lung­nah­men des Ver­eins dazu sind rar gesät, teil­wei­se kom­men sie trotz Ankün­di­gung (“Zu ande­ren halt­lo­sen Vor­wür­fen in dem Blog wer­den wir uns nach Sai­son­ende in einem geeig­ne­ten For­mat äußern.”) gar nicht. Die man­gel­haf­te Kom­mu­ni­ka­ti­on mag kein Abwahl­grund sein, sie führt aber nicht zuletzt bei mir zu einem mas­si­ven Ver­trau­ens­ver­lust. In Ein­zel­ge­sprä­chen Unklar­hei­ten aus­räu­men ersetzt halt nicht die öffent­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on, wie sie bei­spiels­wei­se der CEO mei­nes Dritt­klubs Aber­deen FC bei­spiel­haft, wenn auch zuge­ge­be­ner­ma­ßen weni­ger bri­san­ten The­men, bei­spiel­haft vor­lebt.

Die Schwä­che der Abwahl­an­trä­ge liegt auch dar­in begrün­det, dass sie Vogts öffent­lich wahr­nehm­bar wesent­lich pro­ble­ma­ti­scher Rol­le als Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der der AG kaum the­ma­ti­siert. Sei es bei der holp­ri­gen Suche nach einem Sport­vor­stand oder der man­geln­den Kon­troll­funk­ti­on bei der Ein­stel­lung oder Ent­las­sung von Trai­nern. Hin­zu kommt, dass vie­le The­men bereits vor der letz­ten Mit­glie­der­ver­samm­lung exis­tier­ten, damals aber nicht zu einem Abwahl­an­trag führ­ten. Mei­ne Ver­mu­tung ist, dass die kata­stro­pha­le Ein- und Vor­stel­lung von Phil­ipp Lahm, Sami Khe­di­ra und Chris­ti­an Gent­ner am Tag nach der Mit­glie­der­ver­samm­lung sowie die Tren­nung von Sven Mislin­tat und die Ein­stel­lung von Bru­no Lab­ba­dia, hier ein wesent­lich wich­ti­ge­re­re Aus­lö­ser waren als Per­so­nal­fluk­tua­ti­on oder die Kom­mu­ni­ka­ti­on. Dass man sich als VfB-Fan und Mit­glied nach der shit show der letz­ten zwölf Mona­te Sor­gen um die lang­fris­ti­ge sport­li­che Per­spek­ti­ve des Clubs macht, ist nach­voll­zieh­bar und legi­tim. Dann soll­te man das aber auch so for­mu­lie­ren, wenn man die­se Per­spek­ti­ve durch Vogt gefähr­det sieht.

Unprofessionalität allerorten

Wei­te­re geht es zu den bei­den ande­ren Abwahl­an­trä­gen, die aus­schließ­lich von der Initia­ti­ve VfB-jetzt gestellt wur­den, wobei bemer­kens­wert ist, dass Andre­as Wald­ner sich dem Abwahl­an­trag gegen Marc Nico­lai Schlecht nicht anschließt. Was viel­leicht dar­an liegt — und hier grei­fe ich inhalt­lich vor — dass die­ser eine kom­plet­te Far­ce ist. Wenn man näm­lich, wie im Abwahl­an­trag gegen Claus Vogt zitiert, der Mei­nung ist, dass ein Rück­tritt irrele­vant sei, weil der Scha­den schon ent­stan­den und irrever­si­bel ist, dann bringt auch eine jet­zi­ge Amts­ent­he­bung nichts mehr — zumal Schlecht die als kri­tisch emp­fun­de­nen Pos­ten in der AG mitt­ler­wei­le auf­ge­ge­ben hat, ein mög­li­cher Sat­zungs­ver­stoß also aktu­ell nicht mehr exis­tiert. Hier geht es ledig­lich dar­um, Schlecht noch einen mit­zu­ge­ben. Schlecht erwi­dert auf die Vor­wür­fe, die sich teils auf dem Ergeb­nis einer Goog­le-Such­an­fra­ge, teils auf sei­ner Twit­ter-Bio, aber auch wie­der auf in oben genann­tem Forum zitier­te E‑Mails von Jan Räker spei­sen, dass er nie in irgend­ei­ner Form als Tor­wart-Trai­ner der in der AG ver­an­ker­ten 1. Frau­en­mann­schaft des VfB tätig war, son­dern ledig­lich ab und zu Tipps gege­ben hat. Auch André Büh­ler ver­weist dar­auf, dass sei­ne Anstel­lung an der Hoch­schu­le, die, ver­kürzt gesagt, über den VfB-Mas­ter mit dem Ver­ein in Ver­bin­dung steht, kei­nen Sat­zungs­ver­stoß dar­stellt. Ich ken­ne sei­nen Arbeits­ver­trag nicht, die Fra­ge muss aller­dings gestellt wer­den, ob Pierre-Enric Stei­ger die­sen kann­te. Was mich sei­tens des VfB an die­ser Cau­sa stört ist, dass man offen­sicht­lich von den Vor­wür­fen über­rascht war. Der VfB-Mas­ter besteht seit 2019, 2021 wur­de die Sat­zung auf Antrag von Ron Merz ange­passt, 2022 kam das Gut­ach­ten von Stei­ger an die Öffent­lich­keit. Gera­de nach der Ein­füh­rung die­ses Para­gra­phen wäre es doch sinn­voll gewe­sen, die­sen Sach­ver­halt direkt über­prü­fen zu las­sen. So gab es ein inter­nes und ein exter­nes Gut­ach­ten zu bei­den Fäl­len, was alles Zeit in Anspruch nahm.

Was micb aber noch viel mehr stört, ist das Vor­ge­hen der genann­ten Initia­ti­ve. Die sam­mel­te Unter­stüt­zung für die Ein­be­ru­fung einer außer­or­dent­li­chen Mit­glie­der­ver­samm­lung — in Form von Unter­schrif­ten und finan­zi­ell. In bes­ter VfB-Manier ver­lief die Kom­mu­ni­ka­ti­on dabei aber genau­so schlep­pend und teil­wei­se unpro­fes­sio­nell wie im Ver­ein sel­ber. Der ursprüng­li­che Auf­ruf zur Unter­stüt­zung strotz­te nur so vor unkon­kre­ten Vor­wür­fen, in der Fol­ge nahm man sich vor, gegen alle Gre­mi­en­mit­glie­der Abwahl­an­trä­ge zu stel­len — selbst wenn man die­sen offen­bar nichts vor­zu­wer­fen hat­te. Dass sich Men­schen, die sich für den Ver­ein enga­gie­ren, nur zwei Jah­re nach ihrer Wahl anlass­los einer Ver­trau­ens­fra­ge stel­len müs­sen, mag ver­eins­de­mo­kra­tisch legi­tim sein, ziel­füh­rend ist es genau­so wenig wie die Inkauf­nah­me, dass in letz­ter Kon­se­quenz bei einer Abwahl aller Gre­mi­en das Stutt­gar­ter Amts­ge­richt einen Not-Ver­eins­bei­rat ein­set­zen wür­de. Als die selbst­ge­setz­te Frist für das Errei­chen des Quo­rums abge­lau­fen war, erfuh­ren Inter­es­sier­te erst aus den Medi­en, dass die­ses ver­fehlt wur­de, auch was mit den über 4.000 Euro ein­ge­sam­mel­ten Spen­den pas­siert war, beka­men die Spen­der erst mit erheb­li­cher Ver­zö­ge­rung mit. Neben Ant­walts­kos­ten fie­len für die Ini­ta­ti­ve auch Kos­ten für die Home­page in Höhe von 3.000 Euro an. Nur so viel: Die­se Sei­te hier hat in den ers­ten vier Mona­ten ihrer Exis­tenz kei­ne 3.000 Euro ver­schlun­gen. Dee Abwahl­an­trä­ge rei­hen sich in die­ses Bild der Unpro­fes­sio­na­li­tät ein, die mit ander­wei­ti­gen Ver­pflich­tun­gen nur unzu­rei­chend erklärt ist. Die hab ich auch.

Als Mitglied ratlos

Bevor ich zu den Sat­zungs­än­de­run­gen kom­me, viel­leicht noch ein kur­zer Umweg zu dem, was ich viel­leicht gesagt hät­te, hät­te ich mich heu­te ans Red­ner­pult gestellt: Es nervt alles kolos­sal. Und ich rede hier nicht davon, dass wir dem Abstieg zwei­mal knapp von der Schip­pe gesprun­gen sind. Nein, es nervt, dass man nicht mehr weiß, wem man in die­sem Ver­ein ver­trau­en kann. Viel­leicht ist Ver­trau­en im Pro­fi­fuß­ball sowie­so fehl am Platz. Aber wenn ich wie­der­holt vom Vor­stand­vor­sit­zen­den und vom Prä­si­den­ten höre, es tue ihnen ja leid, dass sie kei­nen regio­na­len Spon­sor an Land gezo­gen hät­ten, dann kom­me ich mir ver­schau­kelt vor. Bei Alex Wehr­le ist das nur einer von vie­len Kri­tik­punk­ten in der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Der steht aber heu­te nicht zur (Ab-)Wahl. Ich war­te, als deut­lichs­tes Bei­spiel seit April dar­auf, dass sich der Ver­eins­bei­rat, wie ange­kün­digt, “zu ande­ren halt­lo­sen Vor­wür­fen in dem Blog […] nach Sai­son­ende in einem geeig­ne­ten For­mat [äußert].” Jetzt erfah­re ich, dass man wohl vie­le Vor­wür­fe vor dem Frank­fur­ter Land­ge­richt wider­le­gen konn­te, da der omi­nö­se Blog aber kein Impres­sum hat und als kos­ten­lo­se Word­Press-Sei­te ange­legt ist, habe man aber kei­ne Hand­ha­be, eine Unter­las­sung durch­zu­set­zen. In der Zwi­schen­zeit bleibt man als Mit­glied rat­los, was jetzt dran ist an den Sachen und was nicht. Und die­ses Miss­trau­en gilt natür­lich auch jenen, die die­se Vor­wür­fe in den Raum stel­len oder sie ver­brei­ten. Wem nutzt das? Mit wel­cher Inten­ti­on wer­den bei­spiels­wei­se immer wie­der Inter­na an die Medi­en durch­ge­sto­chen? Geht es um Auf­klä­rung oder um Demon­ta­ge? Was ist da in und rund um unse­ren Ver­ein los, dass kei­ner die Klap­pe hal­ten kann und jeder Strauß öffent­lich aus­ge­foch­ten wird? Es wäre jeweils zu ein­fach, die Ver­ant­wor­tung dafür nur dem Prä­si­di­um oder nur des­sen Kri­ti­kern in die Schu­he zu schie­ben. Aber es führt soweit, dass ich die­sen Arti­kel lan­ge vor mir her­ge­scho­ben habe und es vor­zie­hen wür­de, wenn Ser­hou Gui­ras­sy, Chris Füh­rich und Silas die­ses Wochen­en­de einen belie­bi­gen Bun­des­li­gis­ten her­spie­len wür­den, anstatt dass ich mich mit sowas beschäf­tig­ten muss.

Noch zu den Sat­zungs­än­de­rungs­an­trä­gen: Micha­el Reichl hat gleich meh­re­re ein­ge­bracht, einen gemein­sam mit Hol­ger Roth­bau­er. Im ers­ten geht es dar­um, dass bei der Wahl zum Prä­si­di­um nicht mehr, wie 2021 gesche­hen, zwei Kan­di­da­ten gegen­ein­an­der antre­ten, son­dern dass das Prä­si­di­um in Lis­ten­wahl gewählt wird. In der Tat fiel es auf, dass damals bei­spiels­wei­se Chris­ti­an Rieth­mül­ler und Rai­ner Adri­on nicht “gegen­ein­an­der” antra­ten. Das Prä­si­di­um unter­stützt den Sat­zungs­än­de­rungs­an­trag und dem kann ich mich nur anchlie­ßen, eben­so wie beim zwei­ten Antrag, der die Amts­zeit des Prä­si­di­ums ein­ma­lig bei der Wahl 2025 auf fünf Jah­re fest­legt, um zu ver­hin­dern, dass die Wah­len zum Prä­si­di­um und zum Ver­eins­bei­rat immer in das glei­che Jahr fal­len und zu Mam­mut­ver­an­stal­tun­gen füh­ren. Bei der Amts­zeit­be­gren­zung für Gre­mi­en­mit­glie­der bin ich noch unent­schlos­sen. Einer­seits ist es sowie­so schon schwer genug, Kan­di­da­ten für das Amts des Prä­si­den­ten zu fin­den, wie die letz­te Wahl gezeigt hat, ande­rer­seits ver­hin­dert man damit natür­lich, dass jemand ewig an sei­nem Pos­ten klebt und setzt gleich­zei­tig neue Impul­se. Letzt­lich über­wiegt dann für mich doch das ers­te Argu­ment gegen eine Amts­zeit­be­gren­zung, schließ­lich besteht ja die Mög­lich­keit, jeman­den nicht wie­der­zu­wäh­len.

Offen und ehrlich, intern und konstruktiv

Dia­me­tral gegen­über ste­hen sich die Anträ­ge von Reichl und VfB-jetzt, wenn es um den Wahl­aus­schuss für die Wahl des Prä­si­di­ums geht. Reichl will den Ver­eins­bei­rat als qua­si-Wahl­aus­schuss durch einen Wahl­aus­schuss ande­ren Zuschnitts ersetz­ten, wäh­rend die Initia­ti­ve VfB-jetzt eine Vor­auswahl kom­plett ablehnt. Bei­de Anträ­ge schlie­ßen sich offen­bar gegen­sei­tig aus, haben aber bei­de ihre Rei­ze — schließ­lich beka­men wir lan­ge genug vom Auf­sichts­rat des e.V. nur einen Kan­di­da­ten vor­ge­setzt, der dann mit allen Mit­teln durch­ge­drückt wur­de. Wich­tig ist dabei auch der Hin­weis, dass der Prä­si­dent nach der letz­ten Sat­zungs­än­de­rung sowie­so immer zur Wahl steht, wenn er kan­di­diert — ein Ergeb­nis aus den Ver­su­chen ehe­ma­li­ger Bei­rä­te, den Mit­glie­dern die Ent­schei­dung über die Amts­zeit des Prä­si­den­ten vor­zu­ent­hal­ten. Da die Anzahl der Kan­di­da­ten in der Ver­gan­gen­heit über­schau­bar war, braucht es einen Wahl­aus­schuss fast wirk­lich nicht, auf der ande­ren Sei­te bie­tet man, wenn man nur die Min­dest­maß­stä­be an die Kan­di­da­tur anlegt, auch Men­schen eine Büh­ne, die für die­se viel­leicht wirk­lich unge­eig­net sind. Schwie­rig. Zuletzt gibt es noch die Sat­zungs­än­de­rungs­an­trä­ge des Prä­si­di­ums, von denen der inter­es­san­tes­te viel­leicht der ist, dass die Mit­glie­der­ver­samm­lung  — und nicht das Prä­si­di­um  — ent­schei­den kann, ob die jeweils nächs­te Mit­glie­der­ver­samm­lung hybrid oder vir­tu­ell statt­fin­det. Wich­tig: Damit geht es nicht grund­sätz­lich um die Ein­füh­rung eines sol­chen For­mats — son­dern dar­um, wer dar­über ent­schei­den darf. Dass die finae­le Tages­ord­nung eine Woche vor der Mit­glie­der­ver­samm­lung allen Mit­glie­dern zugäng­lich gemacht wer­den soll­te, dass sich nur wäh­len las­sen kann, wer min­des­tens sechs Mona­te Mit­glied ist und Details zum Bewer­bungs­pro­zess auf ein Amt sind die ande­ren Ände­rungs­an­trä­ge, denen man ver­mut­lich ohne Wei­te­res zustim­men kann,

Zum Abschluss: Ich wün­sche mir eine Mit­glie­der­ver­samm­lung, die wenn sie schon nicht har­mo­nisch ver­läuft — was nach den letz­ten Jah­ren kein Wun­der ist — zumin­dest respekt­voll über die Büh­ne geht. Viel­leicht ist es dann doch was ande­res, wenn man sich auf der Büh­ne in die Augen schaut, als wenn man sich auf Social Medie über jeman­den aus­lässt. Das oben von mir beschrie­ben Miss­trau­en hat sich näm­lich dort aus­ge­brei­tet wie ein Virus und schlägt sich nicht nur in Ver­un­glimp­fun­gen von Gre­mi­en­mit­glie­dern nie­der, son­dern in bei­de Rich­tun­gen auch gegen­über ande­rer Nutzer*innen. 

Egal wie es aus­geht — und ich bin mitt­ler­wei­le an dem Punkt ange­langt, dass es mir fast egal ist, auch wenn ich man­chem Antrag­stel­ler nicht die Genung­tu­ung gön­ne, dass sein Antrag ange­nom­men wird: Die Dis­kus­sio­nen wer­den auch am mor­gi­gen Mon­tag wei­ter­ge­hen. Ich hof­fe aber, dass der Ver­ein mit­tel­fris­tig wie­der dahin kommt, dass er sei­nen Mit­glie­dern gegen­über offen und ehr­lich — und recht­zei­tig — kom­mu­ni­ziert und dass Kon­flik­te intern und kon­struk­tiv aus­ge­tra­gen wer­den. Damit man sich auch mal wie­der auf eine Län­der­spiel­pau­se freu­en kann.

Titel­bild: © Chris­ti­an Kas­par-Bart­ke/­Get­ty Images

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