Derzeit nicht im Brustring: Die verliehenen Spieler des VfB

Auch in die­sem Win­ter bli­cken wir auf die Hin­run­de der ver­lie­he­nen VfB-Spie­ler — wegen der frü­he­ren Pau­se etwas frü­her als sonst. Neun Spie­ler streif­ten für die­ses Sai­son ein frem­des Tri­kot über — so vie­le wie lan­ge nicht mehr, viel­leicht noch nie. Sie hat­ten aber auch so wenig Spiel­zeit wie weni­ge ihrer Vor­gän­ger. Mit Exper­ten und Fans ihrer Leih­ver­ei­ne haben wir über die Grün­de gespro­chen.

Es gab Zei­ten, da war die­ser Arti­kel von über­schau­ba­rer Län­ge und man brach­te sogar alle Spie­ler in die Über­schrift und aufs Titel­bild. Nicht so die­ses Jahr, in dem neben dem für zwei Spiel­zei­ten ver­lie­he­nen Momo Cis­sé acht wei­te­re Spie­ler tem­po­rär in die Frem­de geschickt wur­den. Anders als in der Ver­gan­gen­heit, als Lei­hen auch ein Mit­tel waren, um das Gehalt per­spek­tiv­lo­ser älte­rer Spie­ler zumin­dest für eine Sai­son zu spa­ren, sind es größ­ten­teils Talen­te, die ent­we­der in der ver­gan­ge­nen Spiel­zeit in Bad Cannstatt auch ange­sichts der schwie­ri­gen Sai­son nicht zum Zug kamen: Ömer Bey­az, Wahid Fag­hir, teil­wei­se Clin­ton Mola und Mo San­koh, die lan­ge ver­letzt waren oder Alexis Tibi­di, der sich durch Undis­zi­pli­niert­hei­ten in die zwei­te Mann­schaft degra­dier­te. Hin­zu kom­men Spie­ler wie Teto Kli­mo­wicz und Rober­to Mas­si­mo, deren Ent­wick­lung bereits län­ger sta­gniert und die trotz­dem auf­grund ihres Alters noch vor einer Schwel­le ste­hen. Und eben Momo Cis­sé, der sowie­so für zwei Jah­re ver­lie­hen wur­de sowie Leo Münst, des­sen Lei­he nach einer schwe­ren Ver­let­zung im Janu­ar um eine wei­te­re Sai­son ver­län­gert wur­de. Von bei­den hat man im Her­ren­be­reich beim VfB noch nichts gese­hen. Zusam­men kom­men sie auf 3.229 Ein­satz­mi­nu­ten, das sind pro Spie­ler im Schnitt 358,7 Minu­ten und damit nur unge­fähr ein Vier­tel von dem, was ein Wata­ru Endo in der Hin­run­de beim VfB an Spiel­zeit gese­hen hat. Spiel­pra­xis sieht anders aus, wobei die Minu­ten zum Einen ungleich ver­teilt sind und zum ande­ren die Grün­de bei jedem Spie­ler unter­schied­lich sind — genau­so wie die Bewer­tung der Lei­he. Aber dazu spä­ter mehr.

Begin­nen wir mit

Ömer Beyaz

© Christian Kaspar-Bartke/Getty Images
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Bey­az kam zu Beginn der ver­gan­ge­nen Sai­son mit gro­ßen Vor­schuss­lor­bee­ren von Fener­bah­ce zum VfB, in der Bun­des­li­ga reich­te es jedoch nur zu vier Kurz­ein­sät­zen, in der zwei­ten Mann­schaft in der Regio­nal­li­ga durf­te er auf­grund sei­ner tür­ki­schen Staats­bür­ger­schaft nicht ein­ge­setzt wer­den. Ein ver­lo­re­nes Jahr also für ihn, da erschien die Lei­he zu Zweit­li­ga-Auf­stei­ger Mag­de­burg und des­sen Trai­ner Chris­ti­an Titz zunächst sinn­voll. Alex Schnarr vom Pod­cast Nur der FCM, mit dem ich über Bey­az sprach, war jedoch zunächst über­rascht über die Lei­he, weil der Club auf die­ser Posi­ti­on eigent­lich kei­nen Bedarf mehr hat­te. Ein jun­ger Spie­ler mit Poten­zi­al und Talent, “das klang schon nach einem für Titz”, so Alex, des­we­gen sei er durch­aus auf Bey­az Ent­wick­lung gespannt gewe­sen.

Die­se war, nun ja, über­schau­bar. Neun Minu­ten gegen Kiel, 26 gegen St. Pau­li und 14 gegen Han­no­ver, dazu 20 Minu­ten beim Pokalaus in der ers­ten Run­de gegen Frank­furt. Vie­le Erkennt­nis­se las­sen sich aus die­sen 69 Ein­satz­mi­nu­ten nicht zie­hen. Alex sagt, er habe zwar bei den Ein­wechs­lun­gen beson­ders auf ihn geach­tet, wirk­lich auf­ge­fal­len sei er aber nicht, son­dern habe “ver­lo­ren und bin­dungs­los” gewirkt — was ange­sichts der feh­len­den Vor­be­rei­tung mit der Mann­schaft kein Wun­der sei. Zumal Mag­de­burg mit Krem­pi­cki, Mül­ler und damals Con­dé bereits über ein ein­ge­spiel­tes zen­tra­les Mit­tel­feld ver­füg­te und Bey­az als jun­ger Spie­ler vor einer gro­ßen Her­aus­for­de­rung stand, um in der Mann­schaft Fuß zu fas­sen.

Nach den ers­ten drei Kurz­ein­sät­zen rutsch­te Bey­az für die nächs­ten sie­ben Spie­le auf die Bank und dann für den Rest der Hin­run­de aus dem Kader. Alex zufol­ge sei zu hören gewe­sen, dass dies auch mit sei­nen Trai­nings­leis­tun­gen zu tun gehabt habe. Offi­zi­ell gibt es zu sei­ner Degra­die­rung kei­ne Infor­ma­tio­nen, das sei in Mag­de­burg auch nicht üblich. Seit die­ser Woche trai­niert Bey­az nun in Abspra­che mit dem FCM unter Bru­no Lab­ba­dia (kann immer noch nicht glau­ben, dass ich das schrei­be) beim VfB mit, eine Rück­kehr nach Mag­de­burg scheint unwahr­schein­lich. Falls doch, müs­se Bey­az wohl auch im Trai­ning stark zule­gen: “Bei Chris­ti­an Titz ist es wirk­lich schwie­rig, in eine eta­blier­te For­ma­ti­on zu kom­men und jeman­den zu ver­drän­gen, weil Titz sehr wenig rotiert und Bey­az nun­mal eini­ge Spie­ler vor sich hat, die schon län­ger da sind und sehr regel­mä­ßig spie­len. Da müss­te es im Trai­ning schon eine ordent­li­che Leis­tungs­explo­si­on geben, die Titz beein­druckt, oder er über­zeugt bei Kurz­ein­sät­zen der­art, dass der Trai­ner im nächs­ten Spiel kei­ne ande­re Wahl hat, als ihn auf­zu­stel­len”, erklärt Alex. Über einen Abschied aus Mag­de­burg sei ange­sichts der bis­her gezeig­ten Leis­tun­gen aber auch nie­mand unbe­dingt trau­rig.

Bey­az müs­se sei­ne Chan­ce nut­zen, ist Alex’ Fazit. Das gilt auch für einen mög­li­chen Ein­satz beim VfB oder bei einem ande­ren Leih­ver­ein. Nach­dem Alou Kuol letz­te Sai­son bis auf einen unglück­li­chen Auf­tritt im Tri­kot des SV Sand­hau­sen den Rasen kaum aus der Nähe sah, hat mit Ömer Bey­az ein wei­te­rer Spie­ler, der unbe­dingt Ein­satz­zei­ten braucht, viel Zeit ver­lo­ren. Ich traue Bey­az mehr zu als Kuol, bei dem es, nach allem, was man so hört, auch mit­tel­fris­tig nicht für die Bun­des­li­ga rei­chen wird. Der Plan, jun­ge Spie­ler zu Mann­schaf­ten zu schi­cken, die viel­leicht ihrem aktu­el­len Leis­tungs­ni­veau ent­spre­chen, aber eben des­we­gen auch in sport­li­chen Schwie­rig­kei­ten ste­cken, ist jeden­falls erneut nicht auf­ge­gan­gen, weil eben­je­ne Mann­schaf­ten lie­ber auf erfah­re­ne Spie­ler set­zen als auf Leih­spie­ler, die zu ihrer Ent­wick­lung meist ein ruhi­ges sport­li­ches Umfeld und Zeit brau­chen — bei­des im Abstiegs­kampf eher Man­gel­wa­re, egal in wel­cher Liga. Hof­fen wir mal, dass man in der Rück­run­de eine bes­se­re Lösung für Bey­az fin­det, eine wei­te­re ver­lo­re­ne Sai­son dürf­te weder ihm, noch dem VfB gut tun.

Ob die zwei­te pol­ni­sche Liga, die opti­ma­le Lösung für

Momo Cissé

ist, darf auch bezwei­felt wer­den. 2020 für vier Jah­re aus Le Hav­re gekom­men, soll­te Cis­sé nach meh­re­ren schwie­ri­gen Ver­let­zun­gen und dadurch bedingt nur fünf Kurz­ein­sät­zen für den VfB ab Janu­ar 2022 bis Ende die­ser Sai­son in der pol­ni­schen Eks­tra­kla­sa bei Wis­la Kra­kau wie­der auf die Bei­ne kom­men. Schon die Rück­run­de im Früh­jahr lief für ihn nicht gut, am Ende stieg er mit Wis­la zum ers­ten Mal seit Mit­te der 90er wie­der in die zweit­klas­si­ge 1. Liga ab. Kein leich­tes Pflas­ter für einen jun­gen Spie­ler, wie auch unser Wis­la-Exper­te und ‑Fan Jacek Stas­zak betont: “Er hat­te schon in der Ektra­kla­se Pro­ble­me mit der Kör­per­lich­keit im pol­ni­schen Fuß­ball, in der zwei­ten Liga geht es noch här­ter zur Sache.” Cis­sé sei als Flü­gel­spie­ler ein­fach nicht ver­läss­lich genug.

Immer­hin kam er auf elf Liga­ein­sät­ze und ein Pokal­spiel und schaff­te es fünf Mal in die Start­elf, auch wenn er kein Spiel über 90 Minu­ten absol­vier­te. Im Pokal gelang ihm im Zweit­run­den­du­ell mit Liga­kon­kur­rent Puszc­za Nie­po­lo­mice sogar der Tref­fer zum 1:0.

Ansons­ten, so Jacek, sei Cis­sé bis­her vor allem des­halb auf­ge­fal­len, weil im Spiel gegen Reso­via Rzes­zów einen Zahn ver­lo­ren habe. Cis­sés Ein­sät­ze führt er vor allem dar­auf zurück, dass der Club einen ande­ren Flü­gel­spie­ler los­wer­den woll­te und des­halb statt ihm Cis­sé spie­len ließ. Gegen lang­sa­me Abwehr­spie­ler sei Cis­sé gut, sei­ne Päs­se und Schüs­se lie­ßen jedoch zu wün­schen übrig. Der frü­he­re Wis­la Trai­ner Jer­zy Brzęc­zek — des­sen Nef­fe Jakub Błaszc­zy­kow­ski dem Ver­neh­men nach die Lei­he ein­ge­fä­delt hat­te — habe Cis­sé vor allem des­halb gelobt, weil er vorm geg­ne­ri­schen Straf­raum Fouls zie­he.

© THOMAS KIENZLE/AFP via Getty Images
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Wer jetzt denkt, dass Wis­la in der 1. Liga oben mit­spie­le und Cis­sé immer­hin Spiel­pra­xis in einem sport­lich erfolg­rei­chen Team sam­melt, irrt sich. Nach 18 Spie­len steht das Team auf Platz 10 — trotz eines guten Sai­son­starts. Jacek führt das zum einen auf hohe Erwar­tun­gen an den Club zurück, der zu den erfolg­reichs­ten des Lan­des gehört, aber seit Jah­ren finan­zi­el­le Pro­ble­me hat und gleich­zei­tig nicht nur erfolg­reich, son­dern auch schön spie­len soll. Zum ande­ren ver­pflich­te der Club vie­le Spie­ler, die schon in der Ver­gan­gen­heit Ver­let­zungs­pro­ble­me hat­ten und auch die medi­zi­ni­sche Abtei­lung sei nicht die Bes­te. Fast jeder Spie­ler, der zu Wis­la kom­me, wer­de schlech­ter und kön­ne die in ihn gesetz­ten Erwar­tun­gen nicht erfül­len. Klingt für VfB-Fans ver­traut, genau­so wie diver­se Schar­müt­zel abseits des Plat­zes, vor allem bei den Klub­eig­nern. Jacek: “Wis­la ist die Dra­ma Queen des pol­ni­schen Fuß­balls”. Nun­ja.

Pol­ni­scher Klep­pel­ers­ver­ein hin oder her, Jacek sieht auch nach der WM-Pau­se nicht mehr Ein­satz­zei­ten für Cis­sé, zumal sich der Club der­zeit nach einem Flü­gel­spie­ler umsieht, der dem Ver­ein direkt hel­fen soll. Eine Eint­wick­lung habe er bei Cis­sé nicht wahr­ge­nom­men und die Bun­des­li­ga traut er ihm aktu­ell auch nicht zu — auch wegen der Pro­ble­me in bei­den pol­ni­schen Ligen. Natür­lich waren vor allem die vie­len Ver­let­zun­gen bis­lang alles ande­re als för­der­lich für Cis­sés Kar­rie­re. Ihm täte sicher­lich auch ein ande­res Umfeld bes­ser für die Ent­wick­lung, es scheint mir aber so, als sei die Per­spek­ti­ve beim VfB nicht unbe­dingt bes­ser. Viel­leicht wur­de die Lei­he auch des­halb so lang­fris­tig abge­schlos­sen, damit man ihn im nächs­ten Som­mer, ein Jahr vor Ver­trags­en­de, immer­hin noch für eine Sum­me ver­kau­fen kann, die höher wäre als wenn er die 18 Mona­te in Stutt­gart ver­bracht hät­te. Unterm Strich jedoch für alle Betei­lig­ten eine unbe­frie­di­gen­de Situa­ti­on, denn Wis­la kann er nicht wirk­lich wei­ter­hel­fen und für den VfB qua­li­fi­ziert er sich auch nicht wirk­lich, so dass eine Kar­rie­re in der Bun­des­li­ga aktu­ell unwahr­schein­li­cher denn je erscheint.

Noch nicht ganz so schlimm steht es um

Wahid Faghir

, der im Som­mer 2021 mit hohen Erwar­tun­gen und nicht ohne Stolz bei den Betei­lig­ten aus Däne­mark geholt wur­de, beim VfB jedoch nur durch den Last-Minu­te-Tref­fer gegen Uni­on auf sich auf­merk­sam mach­te und sonst nur auf Kurz­ein­sät­ze in der Bun­des­li­ga und immer­hin vier Tref­fer in der Regio­nal­li­ga kam.

So zog es ihn im Som­mer zeit­wei­se wie­der zurück nach Däne­mark, jedoch nicht zu sei­nem Stamm­ver­ein Vej­le BK, son­dern zum FC Nordsjæl­land, eben­falls in der däni­schen Super­li­ga. Den FCN-Fans sei Fag­hir wegen sei­ner Leis­tun­gen in Vej­le natür­lich ein Begriff gewe­sen, so Cas­per de Lin­de vom Pod­cast Nordsjæl­land Dre­a­min’. Die Vor­freu­de war also groß, auch weil der Ver­ein damit end­lich wie­der einen offen­si­ven Ziel­spie­ler im Kader hat­te, der die Jah­re davor gefehlt habe. Gleich­zei­tig hat­te die Sai­son in Däne­mark aber schon begon­nen als Fag­hir kam und man habe ihm die man­geln­de Spiel­pra­xis durch­aus ange­merkt. Hin­zu kam, dass der FC Nordsjæl­land, 1991 aus der Fusi­on klei­ne­rer Ver­ei­ne ent­stan­den und seit 2016 Koope­ra­ti­ons­part­ner der gha­nai­schen Right to Dream-Aca­de­my (ein paar Hin­ter­grün­de zum Ver­ein lie­fert die­ser Kicker-Arti­kel), einen sehr guten Sai­son­start hat­te und auch aktu­ell die Tabel­le der Super­li­ga anführt. So war Fag­hir zunächst vor allem Ersatz­spie­ler und ver­letz­te sich dann Mit­te Sep­tem­ber bei einem Spiel der zwei­ten Mann­schaft bereits nach sechs Minu­ten am Ober­schen­kel und fiel bis Anfang Okto­ber aus, was sei­ne Fit­ness natür­lich wie­der zurück­warf. Ein Licht­blick war ds 5:1 gegen Aal­borg BK direkt vor der WM-Pau­se, als er sehr sehens­wert zum End­stand traf.

© THOMAS KIENZLE/AFP via Getty Images
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Abge­se­hen davon habe Fag­hir sei­nen Wert fürs Team aber noch nicht zei­gen kön­nen, so Cas­per, was er aber für die zwei­te Sai­son­hälf­te erwar­te. Im Novem­ber spiel­te Fag­hir noch 30 Minu­ten in einem Test­spiel für die däni­sche U21-Natio­nal­mann­schaft, er scheint also auf dem rich­ti­gen Weg zu sein. Die gemein­sa­me Win­ter­vor­be­rei­tung mit dem Rest des Teams bie­te Fag­hir eine neue Chan­ce und Cas­per kann sich Fag­hir gut als Stamm­spie­ler auf der Neu­ner­po­si­ti­on vor­stel­len, wenn es in der Liga im Febru­ar wei­ter­geht. Von daher kann er sich auch gut vor­stel­len, dass der FCN die Kauf­op­ti­on von angeb­lich 2,5 Mil­lio­nen Euro zieht.

Das hof­fe ich ehr­lich gesagt nicht, denn auch wenn Fag­hir, ent­ge­gen mei­ner bis­he­ri­gen The­se, auch bei einem erfolg­rei­chen Team in einer klei­ne­ren Liga Pro­ble­me hat, so hat das ver­mut­lich vor allem mit Ver­let­zun­gen zu tun und weni­ger mit sei­ner Qua­li­tät. Wie auch Bey­az, der ja mit ähn­lich hohen Erwar­tun­gen ver­pflich­tet wur­de, muss Fag­hir sei­ne Chan­ce ergrei­fen und nut­zen, wenn er sich in der Bun­des­li­ga durch­set­zen will. Bei ihm sehe ich aber eigent­lich ganz gute Vor­aus­set­zun­gen, es wird jetzt dar­auf ankom­men, wie sei­ne Rück­run­de ver­läuft und ob er sich am Ende vor­stel­len kann, den Sprung in die Bun­des­li­ga erneut zu wagen. Finan­zi­ell wäre die Nordsjæl­land vor­lie­gen­de Kauf­op­ti­on zudem wohl auch ein Ver­lust­ge­schäft für den VfB. Hof­fen wir also, dass es für den FCN und Fag­hir wei­ter berg­auf geht.

Zurück in den Abstiegs­kampf der zwei­ten Liga, zu

Mateo Klimowicz

Der konn­te sich beim VfB seit sei­nem Wech­sel im Som­mer 2019 nie so rich­tig durch­set­zen. Weder in der zwei­ten Liga, noch in der guten ers­ten oder der kata­stro­phal schlech­ten zwei­ten Bun­des­li­ga­sai­son nach dem Auf­stieg. Auch wenn er wei­ter­hin erst 22 Jah­re alt ist, steht Tetos jun­ge Kar­rie­re bereits jetzt an einem Schei­de­weg. Wür­de er es schaf­fen, sich bei Bun­des­li­ga-Abstei­ger neu­es Selbst­ver­trau­en und Spiel­pra­xis zu holen? Nun, bis­lang nicht wirk­lich. Die Armi­nia leg­te einen kom­plet­ten Fehl­start in der zwei­ten Liga hin und steht zur Win­ter­pau­se wie der VfB auf dem Rele­ga­ti­ons­platz 16. DSC-Fan Mai­ke sieht dafür ver­schie­de­ne Grün­de. Da sei zum einen die ande­re Spiel­wei­se in der zwei­ten Liga, mit Uli For­te “der kom­plett fal­sche Trai­ner”, zudem Spie­ler, die noch lan­ge mit einem Wech­sel koket­tiert hät­ten und Neu­zu­gän­ge, die die Erwar­tun­gen nicht erfüll­ten. Kli­mo­wicz wech­sel­te am Dead­line Day nach Ost­west­fa­len, spiel­te in Darm­stadt 20 Minu­ten und stand die Woche dar­auf gegen Nürn­berg sogar in der Start­elf und 58 Minu­ten auf dem Platz. Es kamen jedoch nur noch 49 Zweit­li­ga-Minu­ten und eine ziem­lich ver­korks­te ers­te Halb­zeit bei der 0:6‑Pokalklatsche in Stutt­gart dazu.

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In den Spie­len sei Kli­mo­wicz recht unauf­fäl­lig gewe­sen, so Mai­ke, trotz guter Ansät­ze habe sie ihn in den Spie­len, die er auf der Bank ver­brach­te, nicht ver­misst. Es sei natür­lich auch nicht ein­fach, in eine ver­un­si­cher­te Mann­schaft zu kom­men und dann jedes Mal unter­schied­li­che Posi­tio­nen beklei­den zu müs­sen — er spiel­te mal als Links- oder Rechts­au­ßen, mal als Mit­tel­stür­mer. Mitt­ler­wei­le schei­ne sich die Mann­schaft ohne ihn ein­ge­spielt zu haben, wes­we­gen die Lei­he aus ihrer Sicht aktu­ell wenig Sinn erge­be, so unse­re Armi­nia-Exper­tin. Sie sehe auch in der Rück­run­de nicht mehr Spiel­zeit für ihn als zuletzt. In der Tat über­legt man ja auch beim VfB, die Lei­he abzu­bre­chen. Für Kli­mo­wicz, des­sen Ver­trag beim VfB noch bis 2025 läuft, kann es dann nur zu einem wei­te­ren Leih­ver­ein gehen, dass er im Abstiegs­kampf in der ers­ten Liga mehr Minu­ten sam­melt als in der zwei­ten Liga, kann ich mir schwer vor­stel­len. Soll­te es auch da nicht zu einer Leis­tungs­explo­si­on kom­men, wird man ver­su­chen müs­sen, für ihn einen Abneh­mer zu fin­den — zur Not mit einer erneu­ten Lei­he und einer Kauf­op­ti­on oder Kauf­pflicht.

In einer ähn­li­chen Situa­ti­on befin­det sich

Roberto Massimo

den Micha­el Resch­ke im Som­mer 2018 eben aus Bie­le­feld ver­pflich­te­te, um ihn sofort wie­der an die Armi­nia zu ver­lei­hen. Nach dem Abstieg 2019 wur­de Mas­si­mos zwei­jäh­ri­ge Lei­he vor­zei­tig been­det, er soll­te sich fort­an beim VfB wei­ter­ent­wi­ckeln. Aber auch das funk­tio­nier­te ähn­lich wie bei Kli­mo­wicz nicht so, wie sich Ver­ein und Spie­ler das vor­stell­ten, so dass im ver­gan­ge­nen Som­mer ein Wech­sel in die zwei­te Liga zur durch­aus inter­es­sier­ten For­tu­na aus Düs­sel­dorf im Raum stand. Am Ende lan­de­te Mas­si­mo aber nicht am Rhein, son­dern in der zwei­ten por­tu­gie­si­schen Liga, bei Aca­dé­mi­co de Viseu — jenem Ver­ein, an dem Diet­mar Hopp über eine Fir­ma mit 51 Pro­zent ent­schei­dend betei­ligt ist und bei dem über­ra­schend vie­le deut­sche Spie­ler unter Ver­trag ste­hen, die von Roger Witt­mann und sei­ner Agen­tur Rogon bera­ten wer­den. Wie Ben­ni Hof­mann und Geor­ge Mois­si­dis im kicker schrei­ben: “Der Agen­tur-Mit­grün­der Roger Witt­mann und Hopp sind befreun­det.” Dass der Wech­sel Mas­si­mos nach Viseu durch die Ver­bin­dun­gen sei­nes Bera­ters zustan­de kam, das sieht auch Dio­go Matos von der por­tu­gie­si­schen Sport­zei­tung Record so. Demen­spre­chend groß sei die Vor­freu­de bei den Fans auf Mas­si­mo gewe­sen, denn dass ein Bun­des­li­ga­spie­ler ins por­tu­gie­si­sche Unter­haus wech­selt, kommt in der Tat eher sel­ten vor — oder eben unter beson­de­ren Umstän­den.

Mas­si­mo absol­vier­te in der Liga Por­tu­gal 2 bis­her neun von 13 Spie­len für Aca­dé­mi­co, sechs Mal in der Start­elf und traf dabei sogar drei Mal-Häu­fig spiel­te er sogar min­des­tens 45 Minu­ten. Mas­si­mo habe ein wenig gebraucht, um in die Start­elf zu kom­men, so Dio­go, wur­de dann aber ein wich­ti­ger Teil der Mann­schaft. Nach einem schwe­ren Sai­son­start traf Mas­si­mo beim ers­ten Sieg der lau­fen­den Spiel­zeit zum 1:0 gegen CD Maf­ra. Trotz der aktu­el­len Ver­let­zung, wegen der er auch am Don­ners­tag im Liga­po­kal gegen Ton­de­la nicht zum Ein­satz kam, sei Mas­si­mo auf einem guten Weg. Dio­go lobt vor allem sei­ne Schnel­lig­keit, sei­ne Tor­ori­en­tie­rung und sein Selbst­be­wusst­sein — trotz sei­nes jun­gen Alters. Mas­si­mo ist wie Kli­mo­wicz Jahr­gang 2000 und Dio­go erwar­tet von ihm auch in der zwei­ten Sai­son­hälf­te gute Leis­tun­gen, wenn Viseu die Auf­stiegs­plät­ze angreift.

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Ob Mas­si­mo mit angreift, wird sich zei­gen, angeb­lich hat Düs­sel­dorf erneut ein Auge auf ihn gewor­fen. Für Mas­si­mo läuft die Lei­he eigent­lich grund­sätz­lich gut und auch der VfB pro­fi­tiert natür­lich von einem Leih­spie­ler mit Ein­satz­zei­ten und Erfolgs­er­leb­nis­sen. Gleich­zei­tig läuft Mas­si­mos Ver­trag eben­so wie Cis­sés 2024 aus, ein neu­er Ver­trag beim VfB erscheint unwahr­schein­lich, soll­te er auch die Rück­run­de in Por­tu­gals zwei­ter Liga ver­brin­gen, die mit Sicher­heit vom Niveau nicht mit den ers­ten bei­den deut­schen Ligen zu ver­glei­chen ist. Schön für Mas­si­mo, wenn er sich trotz der obsku­ren Begleit­um­stän­de in Viseu für einen neu­en Ver­ein emp­feh­len kann, sei­ne Zeit in Stutt­gart wird aber ver­mut­lich in abseh­ba­rer Zeit enden.

Von der zwei­ten por­tu­gie­si­schen Liga in die zwei­te eng­li­sche Liga, die Cham­pi­on­ship, in der

Clinton Mola

für die Blackb­urn Rovers auf­läuft. Auch Mola wur­de beim VfB immer wie­der durch Ver­let­zun­gen zurück­ge­wor­fen. In der Rück­run­de der ver­gan­ge­nen Sai­son soll er auch star­kes Heim­weh nach Eng­land gehabt haben, so dass die Lei­he nach Blackb­urn für Spie­ler aus dem Chel­sea-Nach­wuchs fast logisch war. Dass Mola sich in Eng­land schon aus­kann­te und in Deutsch­land trotz­dem anders als ande­re jun­ge eng­li­sche Spie­ler schon Aus­lands­er­fah­rung hat­te, wur­de als Vor­teil ange­se­hen, so Scott vom Rovers-Fan­zine 4000 Holes, den ich als alter Beat­les-Fan schon allein wegen des Namens des Fan­zines inter­view­en woll­te. Zudem hat Mola alle U‑Nationalmannschaften Eng­lands durch­lau­fen und sei somit für einen Zweit­li­gis­ten “an excel­lent loan sig­ning”.

Nach­dem er im Pokal in Dres­den noch fünf Minu­ten für den VfB auf­lief, absol­vier­te er bis zur WM-Pau­se genau 101 Minu­ten für die Rovers — eine gegen Wat­ford, zehn gegen Rother­ham und 90 gegen Burn­ley. Gegen Pres­ton stand er am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de — die Cham­pi­on­ship hat den Betrieb noch wäh­rend der WM wie­der auf­ge­nom­men — 82 Minu­ten auf dem Platz. Die weni­ge Spiel­zeit führt Scott dar­auf zurück, dass Mola zu Sai­son­be­ginn Hüft­pro­ble­me plag­ten und er es des­halb schwer hat­te, in eine Mann­schaft, die aktu­ell auf Platz 3 um den Auf­stieg in die Pre­mier League kämpft, hin­ein zu kom­men. Mana­ger und Ex-VfB-Stür­mer Jon Dahl Tom­asson habe wenig Anlass gehabt, die Abwehr­ket­te umzu­stel­len.

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In den kur­zen Ein­sät­zen habe Mola als lin­ker Wing­back sehr ath­le­tisch gewirkt und einen guten lin­ken Fuß offen­bart, so Scott. Anfang Novem­ber habe er im Liga­po­kal gegen West Ham in der Innen­ver­tei­di­gung eine gute Leis­tung gezeigt, Blackb­urn setz­te sich im Elf­me­ter­schie­ßen durch. Ein Rück­schlag sei jedoch das Spit­zen­spiel gegen Lokal­kon­kur­rent Burn­ley gewe­sen, das nach einer gute ers­ten Halb­zeit mit 0:3 ver­lo­ren ging und bei dem Mola im Auf­bau­spiel den Ball in gefähr­li­cher Posi­ti­on an sei­nen Gegen­spie­ler ver­lor. Tom­asson hat­te ihn vor allem wegen sei­ner Geschwin­dig­keit auf­ge­stellt. Gegen Pres­ton wur­de Mola rela­tiv früh wegen einer Ver­let­zung ein­ge­wech­selt, ob er auch in den kom­men­den Spie­len in der Start­elf steht, wird sich zei­gen. Wenn, so Scott, dann wahr­schein­lich eher aus Ver­let­zungs­grün­den. Mola sieht er den­noch als Ver­stär­kung an, auch für die kom­men­de Spiel­zeit, wenn er denn in Blackb­urn blei­ben woll­te.

Auch bei Mola wäre mir lie­ber er käme nach Stutt­gart zurück, denn ein Spie­ler, der das Poten­zi­al hat, sich bei einem mög­li­chen Pre­mier League-Auf­stei­ger zu eta­blie­ren, kann uns grund­sätz­lich auch wei­ter­hel­fen, zumal auf einer Posi­ti­on, auf der wir chro­nisch unter­be­setzt sind. In den weni­gen Spie­len im Brust­ring mach­te Mola auch kei­nen schlech­ten Ein­druck. Er muss natür­lich hof­fen, dass er ver­let­zungs­frei bleibt, sonst wird es schwer, egal wo er spielt. Ich wür­de mir jeden­falls wün­schen, dass auch Bru­no Lab­ba­dia ihm im Som­mer eine Per­spek­ti­ve auf­zei­gen kann und dass Mola nach einer guten Rück­run­de in der Cham­pi­on­ship dann dafür bereit ist.

Wesent­lich weni­ger Ein­satz­zeit hat­te

Leonhard Münst

Der Junio­ren-Pokal­sie­ger von 2019 ist aktu­ell bereits das zwei­te Jahr an den Schwei­zer Erst­li­gis­ten FC St. Gal­len aus­ge­lie­hen. Nach­dem er sich im Früh­jahr kurz vor Erschei­nen unse­res Leih­spie­ler-Arti­kels für den Rest der Sai­son ver­letz­te, blieb er trotz­dem  bei den Grün-Wei­ßen, sah aber in der bis­he­ri­gen Run­de in der Schwei­zer Super League nicht mal den Innen­raum aus der Nähe. Kei­ne ein­zi­ge Spiel­mi­nu­te steht für die ers­te Mann­schaft zu Buche, was ich im wöchent­li­chen Update im Pod­cast aus Unwis­sen­heit aber unter­schlug: Münst spiel­te regel­mä­ßig für die U21 des FCSG in der dritt­klas­si­gen Pro­mo­ti­on League. 18 Par­tien absol­vier­te er für den aktu­ell Tabel­len-16. Mar­co vom St. Gal­le­ner Fan­zine SENF erklärt, dass ver­letz­te Spie­ler häu­fig über die U21 wie­der auf­ge­baut wür­den, anhand der Daten schien er in der zwei­ten Mann­schaft eine Stamm­kraft zu sein, er habe aber sel­ber zu wenig Spie­le gese­hen, um das zu bewer­ten. Ange­sichts des­sen sei­en aber Ein­sät­ze in der Super League in der Rück­run­de nicht unwahr­schein­lich. Zu Münst Bun­des­li­ga­taug­lich­keit kön­ne er aber ange­sichts der feh­len­den Ein­sät­ze auf Erst­li­ga-Niveau eben­so­we­nig etwas sagen wie zu sei­ner Per­spek­ti­ve in St. Gal­len.

Ja, mehr lässt sich aktu­ell zu Leon­hard Münst wirk­lich nicht sagen. Die Ansät­ze vor sei­ner Ver­let­zung schie­nen posi­tiv, ob er sich die­se behal­ten konn­te oder woan­ders mehr dar­aus machen kann steht in den Ster­nen. Beim VfB läuft sein Ver­trag noch bis 2025 auch hier wird man sich im Som­mer hin­set­zen und genau über­le­gen müs­sen, wie es wei­ter­geht.

Die über­ra­schends­te Lei­he im ver­gan­ge­nen Som­mer war sicher­lich die von

Mo Sankoh

© Christian Kaspar-Bartke/Getty Images
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, der sich nach guten Auf­trit­ten in der Regio­nal­li­ga zu Beginn der ver­gan­ge­nen Sai­son in den Bun­des­li­ga-Kader spiel­te und direkt im ers­ten Spiel gegen Fürth so böse ver­letz­te, dass er für den Rest der Spiel­zeit aus­fiel. Vie­le erwar­te­ten in Stutt­gart, dass er im zwei­ten Jahr im Pro­fi­ka­der durch­star­ten wür­de, schein­bar sahen Sven Mislin­tat und Pel­le­gri­no Mat­a­raz­zo das aber anders und ver­lie­hen ihn für mehr Spiel­pra­xis zu Vites­se Arn­hem. Vites­se-Fan Wil­ko vom Pod­cast Stu­dio Langs de Rijn sei von Anfang an skep­tisch gewe­sen, sagt er. Mo sei ein jun­ger Spie­ler mit viel Talent, aber wenig Spiel­pra­xis und ein Stür­mer, der viel auf Vor­la­gen ange­wie­sen sei und sich weni­ge Chan­cen sel­ber erar­bei­te. Das pas­se nicht wirk­lich zur Mann­schaft aus Arn­hem, die nicht nur ein Qua­li­täts­pro­blem habe, son­dern auch zu wenig Tore erzie­le.

Im Lau­fe der Hin­run­de wech­sel­te Arn­hems Trai­ner Tho­mas Letsch zudem nach Bochum und wur­de durch Phil­ip Cocu ersetzt. Wil­ko hofft, dass San­koh unter ihm eine Qua­li­tä­ten, vor allem sein phy­si­sches und weni­ger tech­ni­sches Spiel, bes­ser zur Gel­tung brin­gen kann. In der Ere­di­vi­sie kam er in den ers­ten vier Par­tien zu Kurz­ein­sät­zen und stand danach nur noch zwei Mal auf dem Platz, hin­zu kam ein Pokal­spie und ein Spiel in der zwei­ten Mann­schaft, in dem er immer­hin ein Tor erziel­te. Die ers­te Sai­son­hälf­te sei sehr unru­hig gewe­sen, erklärt Wil­ko, San­koh müs­se jetzt gedul­dig auf sei­ne Chan­ce war­ten, was ange­sichts von Kon­kur­ren­ten wie  Wolfs­burg-Leih­ga­be Bar­to­sz Bia­lek und Niko­lai Fre­de­rik­sen schwer sei. Wil­ko sieht ihn auch wei­ter­hin eher als Ein­wech­sel­spie­ler und traut ihm auch nicht unbe­dingt sofort die Bun­des­li­ga zu, son­dern emp­fiehlt mehr Spiel­pra­xis in der zwei­ten Liga.

All das wer­den VfB-Fans, die in der Ver­gan­gen­heit gro­ße Hoff­nun­gen in San­koh gesetzt haben, nicht ger­ne hören. Wer weiß, wie er sich ver­gan­ge­ne Sai­son ohne die Ver­let­zung ent­wi­ckelt hät­te, auf jeden Fall wur­de er offen­sicht­lich stark zurück gewor­fen. Ich traue ihm aber trotz­dem zu, in Arn­hem eine bes­se­re Rück­run­de zu spie­len und vie­le genau so zu über­ra­schen, wie er das in Stutt­gart getan hat. Zur Not hilft viel­leicht eine wei­te­re Lei­he, um ihm auf Bun­des­li­ga-Niveau zu brin­gen, aber war­ten wir erst­mal ab wie die Kar­ten im Som­mer gemischt wer­den.

Kom­men wir zum Abschluss noch zu einer Erfolgs­ge­schich­te:

Alexis Tibidi

Der hat­te sich gegen Ende der ver­gan­ge­nen Sai­son nach ins­ge­samt 13 Bun­des­li­ga-Spie­len durch Undiszpli­niert­hei­ten sel­ber aus der Mann­schaft genom­men. Fei­er­te aber mit der A‑Jugend trotz­dem den DFB-Pokal­sieg im Mai. Im Anschluss wur­de er in die öster­rei­chi­sche Bun­des­li­ga zum SCR Alt­ach unter Trai­ner Miros­lav Klo­se ver­lie­hen. Ähn­lich wie woan­ders sei­en die Erwar­tun­gen groß gewe­sen, weil ein jun­ger Bun­des­li­ga-Spie­ler nach Öster­reich wech­sel­te, zum ande­ren hät­ten Spie­ler­ty­pen wie Tibi­di, näm­lich tech­nisch star­ke, schnel­le Außen­bahn­spie­ler, den Alta­chern noch gefehlt, so ORF-Jour­na­list Andre­as Blum. Tibi­di sei der Königs­trans­fer des Som­mers gewe­sen. Dass er “angeb­lich die Mann­schafts­kas­sa in Stutt­gart fast im Allein­gang gefüllt hat” hat­te sich auch nach Alt­ach rum­ge­spro­chen, auch dort sei schon die “eine oder ande­re Klei­nig­keit” vor­ge­kom­men sein, so Andre­as. Ange­sichts sei­ner Leis­tung und wahr­schein­lich weil die Ver­ge­hen gerin­ge­rer Art waren, habe man dort aber ein Auge zuge­drückt.

Die Leis­tun­gen kön­nen sich durch­aus sehen las­sen: Tibi­di stand in allen 16 bis­he­ri­gen Par­tien auf dem Platz, 15 Mal in der Start­elf, erziel­te fünf Tore und berei­te­te eins vor. Zuletzt traf er zum 3:2 beim Wolfs­ber­ger AC

“Tibi­di war im Herbst defi­ni­tiv der auf­fäl­ligs­te Alt­ach-Spie­ler, er ist in kur­zer Zeit zu einer ech­ten Attrak­ti­on für die Fans gewor­den”, erklärt Andre­as. Vor allem sei­ne Fähig­kei­ten und sein Tem­po sei­en wich­tig für die Mann­schaft. Nach­dem er zu Beginn der Sai­son kör­per­lich noch nicht auf der Höhe war, spiel­te er zuletzt fast immer durch. Er ist mit sei­nen Fähig­kei­ten und sei­nem Tem­po der­zeit nicht aus der Mann­schaft weg­zu­den­ken. In den ers­ten Spie­len wur­de er öfters von Klo­se aus­ge­wech­selt, da war er kör­per­lich noch nicht top­fit, in den letz­ten Run­den hat  er dann aber prak­tisch immer durch­ge­spielt. Auch Alt­ach hat­te nach dem Abstiegs­kampf im letz­ten Jah­re einen schlech­ten Sai­son­start, fing sich aber dann wie­der, erlitt aber beim 0:3 gegen Lust­en­au im Vor­arl­ber­ger Der­by direkt vor der WM-Pau­se einen Rück­schlag. Dem Kader, so Andre­as, feh­le es schlicht an Qua­li­tät, um wei­ter vor­ne mit­zu­spie­len. Mit der Mann­schaft habe sich aber auch Tibi­di gestei­gert. An der Qua­li­tät möch­te Alt­ach in der Win­ter­pau­se was ändern, aber “Tibi­di wird ein wich­ti­ger Teil der Mann­schaft blei­ben – umso bes­ser die Ver­stär­kun­gen, umso mehr wird sich auch Tibi­di in Sze­ne set­zen kön­nen”, so Andre­as. Und wenn er sei­ne Dis­zi­plin den Griff bekom­me, kön­ne aus ihm auch eta­blier­ter Bun­des­li­ga­spie­ler wer­den.

© Sebastian Widmann/Getty Images
© Sebas­ti­an Widmann/Getty Images

Alexis Tibi­di ist viel­leicht der ein­zi­ge Fall, in dem das Kal­kül der Lei­he wirk­lich auf­ging. Ande­re Spie­ler wur­den ent­we­der, wie letz­te Sai­son, zu Ver­ei­nen ver­lie­hen, die für sie kei­ne Ver­wen­dung haben oder es scheint sich abzu­zeich­nen, dass ihre Qua­li­tät nicht wirk­lich für die Bun­des­li­ga reicht — mit der Ein­schrän­kung, dass es vie­le jun­ge Spie­ler sind, wes­we­gen man viel­leicht ein “noch” ergän­zen soll­te. Nichts­des­to­trotz wird man den Kader ver­schlan­ken müs­sen, Spie­ler wie Mas­si­mo und Kli­mo­wicz kann man nicht noch eine wei­te­re Sai­son mit­zie­hen, auch Cis­sé sehen wir wahr­schein­lich, ande­res als Tibi­di und San­koh, nicht mehr im Brust­ring­tri­kot. Span­nend wird es mit Bey­az und Fag­hir, die noch wenig Gele­gen­hei­ten hat­ten, sich zu zei­gen und deren Talent wei­ter­hin ein Ver­spre­chen auf die Zukunft bleibt. Hof­fent­lich ist der VfB in die­ser Zukunft nicht wie­der gezwun­gen, so vie­le Spie­ler zu ver­lei­hen. Wobei ich das nicht ein­mal der Trans­fer­po­li­tik per se anlas­ten wür­de. Dass es für man­chen kurz- und mit­tel­fris­tig in der Bun­des­li­ga nicht reicht, ist bei einer Ver­pflich­tung von jun­gen Spie­lern genau­so wenig abseh­bar wie bei jenen, die man aus der eige­nen Jugend hoch­zieht. Das Poten­zi­al haben die meis­ten. Was sie in Stutt­gart oder anders­wo dar­aus machen, liegt an ihnen.

2 Gedanken zu „Derzeit nicht im Brustring: Die verliehenen Spieler des VfB“

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