Wählt weise!

Der VfB wird heu­te 126 Jah­re alt und steht per­so­nell mal wie­der vor einem Neu­an­fang. War­um wir genau hin­schau­en soll­ten, wer dem Jubi­lar der­zeit sei­ne Auf­war­tung macht.

Drei ver­schie­de­ne Prä­si­den­ten hat­te der Ver­ein für Bewe­gungs­spie­le in den letz­ten acht Jah­ren. Der ers­te war dem Ver­neh­men nach nicht nur per­sön­lich unge­nieß­bar, son­dern auch für das Amt unge­eig­net. Der zwei­te war zwar umgäng­li­cher, mit sei­nen Sport­vor­stän­den aber viel­leicht etwas zu umgäng­lich und nett. Der drit­te hat den VfB und sei­ne Mit­glie­der wahr­schein­lich am nach­hal­tigs­ten geschä­digt und dafür gesorgt, dass wir am 15. Dezem­ber sei­nen Nach­fol­ger wäh­len dür­fen. Dabei kommt es zu einem Novum: zum ers­ten Mal, seit die Sat­zung es zulässt, dür­fen wir als Mit­glie­der zwi­schen zwei Kan­di­da­ten wäh­len und müs­sen uns nicht in Friss-oder-Stirb-Manier für oder gegen einen Bewer­ber ent­schei­den. Zu ver­dan­ken ist das dem Ver­eins­bei­rat, der in die­ser Zwi­schen­pha­se eine bedeu­ten­de Rol­le im Ver­ein nimmt, denn so wich­tig wie jetzt war er in sei­ner kur­zen Exis­tenz noch nie. Wes­we­gen den acht Mit­glie­dern (Hans Pfei­fer ist ja inte­rims­wei­se in den e.V.-Vorstand ent­sandt wor­den), eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung zukommt.

Denn es ist nicht wie in der Ver­gan­gen­heit ein Die­ter Hundt oder ein Wil­fried Porth, der ver­sucht, sei­nen favo­ri­sier­ten — und ein­zi­gen — Kan­di­da­ten durch die Mit­glie­der­ver­samm­lung zu drü­cken. Nein, der Ver­eins­bei­rat nimmt noch bis kom­men­den Sonn­tag, den 15. Sep­tem­ber, und damit zwei Mona­te vor der Mit­glie­der­ver­samm­lung, Bewer­bun­gen für das Amt des Prä­si­den­ten ent­ge­gen. Da die Bewer­bungs­pha­se noch läuft, ist auch noch nicht bekannt, aus wel­chen Bewer­bern der Bei­rat am Ende die zwei Kan­di­da­ten aus­wäh­len muss. Die­ser Umstand öff­net bis zur Bekannt­ga­be der Kan­di­da­ten natür­lich die Tür für Spe­ku­la­tio­nen und Rän­ke­spie­le, wie man sie von Seri­en wie Game of Thro­nes oder, da hier kei­nem der Kopf abge­schla­gen wird viel­leicht pas­sen­der, House of Cards kennt. Es wird in den kom­men­den Wochen am Ver­eins­bei­rat lie­gen, sich dabei nicht instru­men­ta­li­sie­ren zu las­sen und eine wei­se Ent­schei­dung zu tref­fen.

Ein Fortschritt

Bevor wir uns genau­er anschau­en, wer da wie und war­um sei­nen Hut in den Brust­ring wirft und was das even­tu­ell mit dem in der AG zu beset­zen­den Pos­ten des Vor­stands­vor­sit­zen­den zu tun hat, ein paar grund­sätz­li­che Wor­te zum — und viel­leicht an den — Ver­ein­bei­rat und zum anste­hen­den Aus­wahl­pro­zess. Die füh­ren­den Gre­mi­en des VfB, und dazu zählt auch der Ver­eins­bei­rat, haben sich in die­sem Jahr bis­her nicht unbe­dingt mit Ruhm bekle­ckert, wenn es um den Umgang mit den Mit­glie­dern geht, denen sie eigent­lich Rechen­schaft schul­dig sind. Auch der Ver­ein­bei­rat, zumin­dest sei­ne Vor­sit­zen­den, hiel­ten Wolf­gang Diet­rich bis zuletzt die Stan­ge. Man mag es Oppor­tu­nis­mus oder Kon­ser­va­tis­mus nen­nen, auf jeden Fall scheint man sich nach der Mit­glie­der­ver­samm­lung im Juli eines Bes­se­ren beson­nen zu haben: 

“Eine Erkennt­nis der letz­ten Wochen ist, dass bei eini­gen The­men­fel­dern die Mit­glie­der­ein­bin­dung durch den Ver­eins­bei­rat nicht gut genug war. Hier kann und muss eini­ges ver­bes­sert wer­den. Im Hin­blick auf die außer­or­dent­li­che Mit­glie­der­ver­samm­lung am 15.12.19 wur­de eine Pro­jekt­grup­pe ins Leben geru­fen, an der auch der Ver­eins­bei­rat betei­ligt ist und die sich u.a. mit dem The­ma Mit­glie­der­kom­mu­ni­ka­ti­on beschäf­tigt. Hier­zu wird es in den nächs­ten Wochen ers­te Infor­ma­tio­nen und Aktio­nen geben.
Nach den Som­mer­fe­ri­en will der Ver­eins­bei­rat auch die Ereig­nis­se und die Kri­tik „rund um die MV“ noch­mals rück­wir­kend betrach­ten und ana­ly­sie­ren. Über die­se Ergeb­nis­se wer­den wir Euch dann eben­falls infor­mie­ren.”

Das ist in einem Post auf der bereits vor einer Wei­le ins Leben geru­fe­nen Face­book­sei­te Ver­eins­le­ben 1893 zu lesen, in dem ansons­ten das Pro­ce­de­re bis zur Mit­glie­der­ver­samm­lung beschrie­ben wird.

Die in die­sem Face­book-Post ange­spro­che­nen Maß­nah­men sind zunächst ein­mal lobens­wert, genau­so wie das Gesprächs­an­ge­bot, wel­ches der Bei­rat den Mit­glie­dern bei den letz­ten Heim­spie­len vorm Sta­di­on mach­te. Dass ein Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat den For­ma­li­tä­ten der Sat­zung gerecht wer­den muss, ist klar. Ange­sichts der Umstän­de, unter denen in der Ver­gan­gen­heit jene Kan­di­da­ten ins Amt gehievt wur­den, muss die Trans­pa­renz jedoch noch wei­ter gehen. Sobald der Ver­eins­bei­rat den Aus­wahl­pro­zess abge­schlos­sen hat, rate ich ihm drin­gend, auch zu kom­mu­ni­zie­ren, war­um die bei­den Kan­di­da­ten aus­ge­wählt wur­den und war­um ande­re abge­lehnt wur­den. Es darf beim VfB nicht mehr der Ein­druck enste­hen, dass Pos­ten auf­grund von Ein­zel­in­ter­es­sen besetzt wer­den.

Von Präsidenten, Vorstandsvorsitzenden und Räten

Ein Präsidialrat in jüngeren Jahren: Wilfried Porth. © Getty Images
Ein Prä­si­di­al­rat in jün­ge­ren Jah­ren: Wil­fried Porth. © Get­ty Images

Mei­ner Mei­nung nach muss ein Prä­si­dent des VfB Stutt­gart aber nicht nur die in der Sat­zung fest­ge­schrie­be­nen Kri­te­ri­en erfül­len. Er muss auch dem Ver­ein und sei­nen Mit­glie­dern gerecht wer­den. Dazu gehört ein Dia­log zwi­schen Ver­eins­füh­rung und Mit­glie­dern auf Augen­hö­he statt von oben her­ab. Mit­glie­der und Ihre Inter­es­sen müs­sen wie­der ernst genom­men wer­den. Das bedeu­tet: Kei­ne Pseu­do-Dia­log-Ver­an­stal­tun­gen mehr, kei­ne Geschen­ke vor Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen und kei­ne holz­schnitt­ar­ti­gen Kam­pa­gnen mehr, kei­ne Spal­tung in böse und gute Mit­glie­der. Was sich dar­an anschließt: So viel Trans­pa­renz wie mög­lich. Es kann nicht sein, dass wir zufäl­lig von der Exis­tenz eines will­kür­lich zusam­men­ge­stell­ten Prä­si­di­al­rats erfah­ren, der ja der­zeit auch wie­der eine nicht uner­heb­li­che Rol­le ein­nimmt. Und: Ehr­lich­keit. Mehr als ein­mal wur­den wir Mit­glie­der in den letz­ten Jah­ren rund­her­aus ange­lo­gen. Damit muss Schluss sein. Dem Ver­ein gerecht zu wer­den bedeu­tet auch: Ein kla­res Bekennt­nis zu 50+1 und nicht nur der Ver­weis auf das Ergeb­nis der außer­or­dent­li­chen Mit­glie­der­ver­samm­lung 2017. Wir konn­ten in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit schon beob­ach­ten, wel­chen Scha­den ein Inves­tor anrich­ten kann, der nur 11,75 Pro­zent der Antei­le am VfB hält. Ein ein­deu­ti­ges Bekennt­nis gegen Dis­kri­mi­nie­rung, ger­ne auch mal nicht nur mit einer stei­fen Erklä­rung auf der Web­sei­te, son­dern dort wo sie lei­der häu­fig statt­fin­det, näm­lich im Sta­di­on und vor allem in den sozia­len Medi­en, ist eigent­lich selbst­ver­ständ­lich, ich erwäh­ne es trotz­dem noch ein­mal. Ich hof­fe, dass die vom Ver­ein­bei­rat aus­ge­wähl­ten Kan­di­da­ten die­se Ansprü­che erfül­len, so dass wir am 15. Dezem­ber mit bei­den Wahl­aus­gän­gen sehr gut leben kön­nen.

Womit wir zu den Kan­di­da­ten kom­men, die bis jetzt bekannt sind und zum Amt des Vor­stands­vor­sit­zen­den der VfB AG. Denn durch die per­so­nel­le Ver­qui­ckung des Prä­si­den­ten­am­tes mit dem des Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den sel­bi­ger AG kommt die­sem neu zu schaf­fen­den Pos­ten im Bereich des Pro­fi­fuß­balls beim VfB eine über­ra­gen­de Bedeu­tung zu. Schließ­lich soll der Vor­stands­vor­sit­zen­de in Zukunft jene Lücke schlie­ßen, in die der eigent­lich nur zur Auf­sicht bestimm­te Wolf­gang Diet­rich in der Ver­gan­gen­heit nur zu häu­fig und sel­ten zum Vor­teil des VfB hin­ein­stieß. Gesucht wird also ein Chef für die Vor­stän­de Finan­zen, Mar­ke­ting und Sport, der nicht nur die die Legi­ti­ma­ti­on son­dern auch die Fähig­keit hat, die VfB AG zu füh­ren. Sich­tet man das bis­her bekann­te Feld der Kan­di­da­ten jedoch, wird schnell klar, dass for­mel­le Struk­tu­ren und deren Beset­zung zwei paar Schu­he sind. Das geht schon damit los, dass der Vor­stands­vor­sit­zen­de der AG nicht in einer vom Ver­eins­bei­rat initi­ier­ten Wahl bestimmt wird, son­dern von jenem omi­nö­sen, bereits erwähn­ten Prä­si­di­al­rat der AG. In dem sit­zen der­zeit Dr. Bernd Gai­ser, qua­si als Nach­fol­ge von Wolf­gang Diet­rich, VfB-Legen­de Her­mann Ohli­cher und: Wil­fried Porth. War­um die­se wich­ti­ge Per­so­na­lie von einem Gre­mi­um vor­be­stimmt wird, in dem der Ver­tre­ter des Inves­tors eine von drei und nicht eine von sechs Stim­men hat, erschließt sich mir nicht. Man kann ja nun Herrn Porth auch nicht gera­de nach­sa­gen, dass sei­ne bis­he­ri­gen Per­so­nal­ent­schei­dun­gen zum Woh­le des Ver­eins waren. Beson­ders pikant wird das Gan­ze in der Pos­se um die Gesprä­che mit Jür­gen Klins­mann.

Jürgen & Guido & Thomas & Alexander & Erwin

Ziemlich beste Freunde. © AFP
Ziem­lich bes­te Freun­de. © AFP

Dass Klins­mann ein­mal ein Amt beim VfB über­nimmt, ist ein lang geheg­ter Traum vie­ler VfB-Fans. Dass Gui­do Buch­wald und vor allem Tho­mas Bert­hold auch in Amt und Wür­den kom­men, wür­de mei­ner Wahr­neh­mung nach eher weni­ger Vor­freu­de aus­lö­sen. Es scheint die­se drei, zumin­dest aber Klins­mann und Buch­wald, der­zeit nur im Paket zu geben. Anders ist mei­ner Mei­nung nach nicht zu erklä­ren, was sich zuletzt abspiel­te. Da traf sich Klins­mann mit dem VfB zu Gesprä­chen, nur um die­se Mit­te letz­ter Woche plat­zen zu las­sen, zumin­dest “in der jet­zi­gen Füh­rungs­kon­stel­la­ti­on des Ver­eins”. Denn die  Ver­hand­lun­gen sei­en weder ziel­füh­rend, noch von gro­ßer Dring­lich­keit gewe­sen. Kurz dar­auf: Auf­tritt Tho­mas Bert­hold. Der kann die Ent­schei­dung sei­nes alten Freun­des nach­voll­zie­hen, ver­weist aber dar­auf, dass die Kar­ten unter einem neu gewähl­ten Prä­si­den­ten “neu gemischt” wür­den. Die Grün­de für den Abbruch der Gesprä­che behält Bert­hold, ganz unty­pisch, für sich. Und einen Tag spä­ter mel­det sich auch Gui­do Buch­wald zu Wort, der Klins­mann den Rücken stärkt: Der sei “der idea­le Vor­stands­vor­sit­zen­de beim VfB”. Dass Tho­mas Bert­hold, angeb­lich mit Karl All­gö­wer und Rai­ner Adri­on zusam­men, in den Auf­sichts­rat der AG strebt, wis­sen wir ja seit Ende Juli. Was wir am Mitt­woch noch nicht wuss­ten: Auch Gui­do Buch­wald will wie­der zurück zum VfB.

Es kommt, wie von Chris­ti­an Prechtl ange­kün­digt: Gui­do Buch­wald möch­te VfB-Prä­si­dent wer­den. Und sie­he da, plötz­lich meint Jür­gen Klins­mann, von Freund Buch­wald als idea­ler Vor­stands­vor­sit­zen­der ange­prie­sen, man sol­le nie­mals nie sagen. Und  bezeich­net Buch­wald im Gegen­zug als “idea­len Prä­si­den­ten”. Es braucht nun nicht viel Fan­ta­sie, um sich vor­zu­stel­len, mit wel­cher Per­so­na­lie ein Gui­do Buch­wald im Fal­le einer Nomi­nie­rung Wahl­kampf machen wür­de. Wenn er sich dann nicht ein­mal gegen Wil­fried Porth, der ja bekannt­lich nicht nur mit ihm, son­dern auch gene­rell mit Ex-Spie­lern in ver­ant­wort­li­chen Posi­tio­nen ein Pro­blem hat, durch­set­zen müss­te…

… dann wäre die Wahl des Ehren­spiel­füh­rers und Meis­ter­tor­schüt­zen von 1992 qua­si gesi­chert. Prak­tisch, oder? Anders als pein­lich kann man das Thea­ter, was Buch­wald und Klins­mann der­zeit auf­füh­ren, nicht nen­nen. Im Epi­log echauf­fiert sich dann noch Tho­mas Bert­hold über die Begren­zung auf zwei Kan­di­da­ten und spinnt Ver­schwör­tungs­theo­rien. Viel­leicht wür­de jeman­dem, der ein Amt beim VfB anstrebt, ein Blick in die Ver­eins­sat­zung hel­fen. Ich kom­me mir als Mit­glied bei dem gan­zen Zir­kus schon wie­der ver­äp­pelt vor. Das ist genau die Art von Kom­mu­ni­ka­ti­on — wenn man es so nen­nen möch­te — mit Mit­glie­dern, die wir mit Wolf­gang Diet­rich hin­ter uns las­sen woll­ten.

Bringt Alex Wehrle seinen ehemaligen Präsidenten mit? © Getty/Bongarts
Bringt Alex Wehr­le sei­nen ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten mit? © Getty/Bongarts

Die ehe­mals kicken­de Drei­er­ket­te Buch­wald-Klins­mann-Bert­hold ist aber nicht die ein­zi­ge Frak­ti­on, die sich durch sol­che Spiel­chen in Stel­lung bringt. Da gibt es zum Bei­spiel noch einen Ex-Prä­si­den­ten Erwin Staudt, der per Inter­view mit Gun­ter Bar­ner (!) zu den Gesprä­chen mit Klins­mann bereits Anfang August Stel­lung bezog. Prak­ti­scher­wei­se kennt er da auch jeman­den, des­sen Namen ihm Gun­ter Bar­ner in gewohn­ter Wei­se wie eine Flan­ke von Bor­na Sosa auf­legt: Alex­an­der Wehr­le, der­zeit Geschäfts­füh­rer beim 1. FC Köln und von 2003 bis 2013 Refe­rent des Vor­stands beim VfB. Refe­rent von Erwin Staudt, um genau zu sein. Buch­wald, Bert­hold oder All­gö­wer möch­te Staudt lie­ber in einem Bei­rat sehen. Und wenn Wehr­le schon Vor­stands­vor­sit­zen­der wer­den könn­te, wer wäre denn da als VfB-Prä­si­dent nahe­lie­gend? Natür­lich ist mir bis­her nichts dies­be­züg­lich bekannt, über­ra­schen wür­de mich nach die­sem Inter­view aber nichts mehr.

Guten Freunden gibt man ein Pöstchen

Ein wei­te­rer Name, den Peter Stol­ter­foht in der Stutt­gar­ter Zei­tung (print) in den Raum gewor­fen hat, ist Hans Zeisl. Der ist nicht zu ver­wech­seln ist mit Wolf­gang Kuhn, der von der Süd­west­bank kommt und wohl der Wunsch­kan­di­dat von Bernd Gai­ser war, jetzt aber nach der Absa­ge Klins­manns einen Rück­zie­her gemacht hat. Zeisl war bis Mit­te des Jah­res bei der Stutt­gar­ter Volks­bank, dem VfB war er schon vor­her ver­bun­den. Über ein Gre­mi­um näm­lich, von dem man viel­leicht schon mal gehört hat: Dem VfB-Freun­des­kreis. Der Freun­des­kreis  hat eine eige­ne Loge im Neckar­sta­di­on, bezie­hungs­wei­se “eine stil­voll ein­ge­rich­te­te Lounge, die mit geho­be­ner Ver­pfle­gung und bes­tem Ser­vice auch den Erwar­tun­gen anspruchs­vol­ler Gäs­te gerecht wird” und begrüßt dort regel­mä­ßig VfB-Spie­ler zum per­sön­li­chen Aus­tausch, besteht aus “über­wie­gend fuß­ball­be­geis­ter­te und ein­fluss­rei­che Per­sön­lich­kei­ten aus der Regi­on” und ist auch sonst ein ziem­lich edler Hau­fen, oder um sei­nen Ehren­vor­sit­zen­den Dr. Die­ter Hundt (!) zu zitie­ren:

„Als Mit­glied des Freun­des­krei­ses wird der Besuch eines Bun­de­li­ga­spiels zu einem beson­de­ren Erleb­nis. Und auch unse­re Akti­vi­tä­ten außer­halb des Sta­di­ons ent­spre­chen den beson­de­ren Wün­schen unse­rer Mit­glie­der. So ent­steht eine Atmo­sphä­re, um die uns vie­le benei­den.“

Ehrenfreund, hier mit später gescheitertem Präsidenten. © Getty/Bongarts
Ehren­freund, hier mit spä­ter geschei­ter­tem Prä­si­den­ten. © Getty/Bongarts

Was der Freun­des­kreis, bezie­hungs­wei­se sein Vor­sit­zen­der Jür­gen Schlen­sog, auch tun: Nach der Mit­glie­der­ver­samm­lung einen “offe­nen Brief an die Mit­glie­der und Freun­de des VfB Stutt­gart” zu rich­ten,  in dem er Wolf­gang Diet­rich für das Erreich­te dankt, sei­ner Fas­sungs­lo­sig­keit über “Hass­ti­ra­den und Hetz­pa­ro­len gegen Funk­tio­nä­re des VfB” Aus­druck ver­leiht, mit kei­nem Wort auf die berech­tig­te Kri­tik an Diet­rich ein­geht und zum Abschluss den “ewi­gen Kri­ti­keren” zuruft, sie mögen Anstand bewah­ren. Der offe­ne Brief ist nicht datiert, er muss aber nach dem Rück­tritt Diet­richs ver­fasst wor­den sein, als ein Groß­teil der Men­schen in ver­ant­wort­li­chen Posi­tio­nen schon gemerkt hat­te, dass ein solch arro­gan­ter und den enga­gier­ten Mit­glie­dern gegen­über her­ab­las­sen­der Duk­tus der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren soll­te. Der Brief steht bis heu­te auf der Start­sei­te der Freun­des­kreis-Web­sei­te, was mich zu der Ver­mu­tung ver­an­lasst, dass der Freun­des­kreis hin­ter dem Geschrie­be­nen nach wie vor steht. Das bedeu­tet nicht auto­ma­tisch, dass Herr Zeisl ein schlech­ter Kan­di­dat ist. Ande­rer­seits beklag­te bereits im April 1991 ein gewis­ser Mat­thi­as Sam­mer. Spie­ler des VfB Stutt­gart, im Inter­view mit dem Spie­gel:

Es geht nicht an, wenn etwa der VfB-Freun­des­kreis Ver­eins­po­li­tik macht.

Auf jeden Fall muss die Fra­ge erlaubt sein, ob ein VfB-Prä­si­dent, der es anders und bes­ser machen soll als sei­ne Vor­gän­ger, aus dem Kreis die­ser Freun­de kom­men soll­te.

Ungesunde Strukturen

Wor­auf ich mit den letz­ten Absät­zen hin­aus will: Wir und in unse­rer Ver­tre­tung der Ver­eins­bei­rat müs­sen sehr wach­sam sein, wen wir uns als Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten aus­wäh­len. Viel­leicht ist Gui­do Buch­wald als Prä­si­dent geeig­net, viel­leicht auch Erwin Staudt oder Hans Zeisl. Ok, bei Buch­wald bin ich mir sicher, dass er es nicht ist, denn wer aus gekränk­tem Stolz Inter­na aus dem Auf­sichts­rat an Freun­de wei­ter­gibt, im Inter­view aus dem glei­chen Näh­käst­chen plau­dert und sei­ne Kan­di­da­tur mit einem sol­chen Schau­spiel ver­bin­det, der ist mei­ner Mei­nung nach nicht zum VfB-Prä­si­den­ten geeig­net. Aber dar­um geht es im Grun­de nicht. Nein, es geht dar­um, dass da im Hin­ter­grund schon wie­der Struk­tu­ren ent­ste­hen — oder genutzt wer­den — die für den Ver­ein und uns nicht gesund sind. Indem sich Kan­di­da­ten für die bei­den vakan­ten Pos­ten gegen­sei­tig emp­feh­len oder in Stel­lung brin­gen.

Anders als ande­re Blog­ger krie­ge ich kei­ne Insi­der­infos. Ich bin vor allem nicht tief genug drin im Ver­ein, um alle Play­er zu ken­nen, die sich da gera­de in Stel­lung brin­gen. Aber ich ken­ne mei­ne Erwar­tun­gen als Fan und Mit­glied. Und ich erwar­te, dass ich im Dezem­ber zwi­schen Kan­di­da­ten wäh­len kann, die sol­che Spiel­chen wie oben beschrie­ben nicht nötig haben. Die mei­nen oben ange­führ­ten Erwar­tun­gen gerecht wer­den. Also lie­ber Ver­eins­bei­rat: Ich möch­te nicht zwi­schem dem einen Klün­gel und dem ande­ren Klün­gel wäh­len müs­sen. Schließ­lich gibt es ja auch noch ande­re mög­li­che Kan­di­da­ten, die, so mein ers­ter Ein­druck, mit ihrer Kan­di­da­tur den Ver­ein und die Mit­glie­der in den Vor­der­grund stel­len, und nicht ihre Freun­de oder ihre wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen:

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