Von der Kunst, sich immer wieder neu zu verlieben

Kei­ne Sor­ge, das ist nicht der Beginn mei­nes ers­ten Gro­schen­ro­mans. Nein, es geht um etwas viel Pro­fa­ne­res: Lie­be in Zei­ten des Pro­fi­fuß­balls.


Ges­tern ver­öf­fent­lich­te der hoch­ge­schätz­te Kol­le­ge Andre­as drü­ben beim Ver­ti­kal­pass eine mit Zita­ten der öster­rei­chi­schen Band Wan­da gar­nier­te Lobes­hym­ne auf den Spie­ler der Stun­de beim VfB: Sie­ben-Tore-in-sechs-Spie­len-ich-küss-Dei­ne-Augen-Sasa Kalajd­zic. Ich bewun­de­re Andre­as und sein ande­re Ver­ti­kal­pass-Hälf­te für sol­che Stü­cke, denn es ist nicht das ers­te sei­ner Art. Mir feh­len erstaun­li­cher­wei­se teil­wei­se die Wor­te, um das schö­ne Spiel der Geprie­se­nen auch schön zu beschrei­ben, ich kom­me eher über die Schie­ne mei­ner eige­nen Emo­tio­nen. Teil­wei­se ver­ges­se ich auch ein­fach mar­kan­te Spiel­sze­nen und wich­ti­ge Spie­le, wahr­schein­lich weil ich gera­de in den letz­ten zehn Jah­ren zu vie­le Spie­le gese­hen habe, dich ich lie­ber ver­ges­sen möch­te. Vor allem aber und das ist viel­leicht das Haupt­pro­blem und Ursa­che der ande­ren bei­den Unzu­läng­lich­kei­ten: Mir fehlt die Lei­den­schaft.

Ver­steht mich nicht falsch. Die für den Ver­ein ist unge­bro­chen und ich war im Mai 2019 so am Boden zer­stört, wie ich im Mai 2007 auf Wol­ke Sie­ben schweb­te. Ich genie­ße die­se Sai­son wie lan­ge kei­ne mehr. Und mit Sicher­heit sind Andre­as und Sebas­ti­an und alle ande­ren, die in der Lage sind, einem Spie­ler einen schö­nen Arti­kel zu wid­men, kei­ne Fan­boys und — girls mit Herz­le­au­gen. Aber ich habe es mir müh­sam abge­wöhnt, mich für einen Spie­ler über das hin­aus , was er dem VfB auf dem Platz bringt, zu begeis­tern. Natür­lich: Es gab eini­ge, die ich ger­ne für immer in mei­nem Fan-Herz getra­gen hät­te. Aber es soll(te) nicht (mehr) sein.

Es gab einige

Da war zum Bei­spiel Ibrahi­ma Tra­o­ré, den wir erst im zwei­ten Anlauf aus Augs­burg los­eis­ten. Ein tol­ler, lei­den­schaft­li­cher, agi­ler Spie­ler. Am letz­ten Spiel­tag sei­ner ers­ten Sai­son im Brust­ring, 2011/2012, in der er nur wenig zum Zug kam, gelang ihm mit dem 3:2‑Siegtreffer end­lich das ers­te Tor für den VfB und ich erin­ne­re mich noch sehr gut an sei­nen erleich­ter­ten Jubel an der Eck­fah­ne. Oder der jun­ge Andre­as Beck, der sich damals in vie­ler­lei Hin­sicht von sei­nen Kol­le­gen der Jun­gen Wil­den 2007 abhob. Neben, aber auch auf dem Platz. Viel­leicht weil er damals schon die glei­chen spie­le­ri­schen Ein­schrän­kun­gen hat­te, die uns nach sei­ner Rück­kehr wahn­sin­nig mach­ten. Dafür rann­te und grätsch­te er aber wie wild über den Platz, bereit, sich für den VfB die Lun­ge aus dem Leib zu ren­nen. Oder Vedad Ibi­se­vic, der eine Zeit lang unse­re Lebens­ver­si­che­rung war und auf­grund sei­ner Bio­gra­fie, sei­ner Kind­heit im Bos­ni­en-Krieg beson­ders geer­det schien. Genau­so wie übri­gens Simon Terod­de, der uns fast im Allein­gang zurück in die Bun­des­li­ga schoss, sich damit einen Traum erfüll­te und auch sonst wie der boden­stän­di­ge Mus­ter­pro­fi wirk­te, den man ger­ne sym­pa­thisch fin­det. 

Aber ach. Tra­o­ré ging nach Mön­chen­glad­bach, wo er bis heu­te geblie­ben ist, weil sich schon damals abzeich­ne­te, dass die Borus­sia dem VfB den Rang abge­lau­fen hat­te. Beck zog aufs Dorfb. Ibi­se­vic wur­de, sicher nicht ganz ohne eige­nes Zutun, in mei­nen Augen aber trotz­dem als Sün­den­bock, mit der Schub­kar­re und einem Kof­fer voll Geld nach Ber­lin gekarrt und Simon Terod­de flir­te­te erst nach dem Auf­stieg aus Gehalts­grün­den mit Glad­bach, nur um im Win­ter das Pro­jekt Bun­des­li­ga-Stür­mer auf Eis zu legen und aus emo­tio­na­len Grün­den zum rhei­ni­schen Erz­ri­va­len der Borus­sia, näm­lich nach Köln zu wech­seln. Über jeden von ihnen hät­te ich ein von Pop­mu­sik inspi­rier­tes Por­trait schrei­ben kön­nen. Ich bin im Nach­hin­ein froh, dass ich es nicht getan habe. Denn ich habe mein Herz nun­mal an den Ver­ein ver­lo­ren, die Spie­ler eben nicht und ich kann ihnen das nicht mal zum Vor­wurf machen. 

He’s that kind

Und Sasa? Ich möch­te ihm zuru­fen: “Don’t go brea­king my heart”, denn er schießt nicht nur vie­le schö­ne Tore, son­dern man möch­te mit ihm auch in einem Wie­ner Kaf­fee­haus über ste­hen­ge­las­se­ne Wein­fla­schen sin­nie­ren. Und er wird mir viel­leicht mit die­sem öster­rei­chi­schen Akzent für den ich seit Wan­da eine Schwä­che haben, ant­wor­ten: “I won’t go brea­king your heart”. Aber ich weiß: Er wür­de es trotz­dem tun. Aber hey, immer­hin ein biss­chen Pop­mu­sik zitiert.

Titel­bild: © ima­go 

1 Gedanke zu „Von der Kunst, sich immer wieder neu zu verlieben“

  1. Dan­ke für die net­ten Wor­te 😉 Ich hal­te das Ver­lie­ben für essen­ti­ell, ich nähe­re mich dem Spiel in ers­ter Linie über die Emo­ti­on. Das Spiel zu erklä­ren über Statistiken/Zahlen und tak­ti­sche Fines­sen (und der dazu­ge­hö­ri­gen Spra­che) ist der Ver­such, ratio­nal zu erklä­ren, was pas­siert. Trotz der von Dir zurecht ange­spro­che­nen Pro­ble­ma­tik, dass die Spie­ler irgend­wann weg sind, kann ich mich da voll rein­wer­fen. Sonst gäbe es ja kei­ne Hel­den wie Sigur­vins­son, Elber, Bor­don, Klins­mann usw, die nicht durch­gän­gig beim VfB gespielt haben.

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