Rund um das Spiel in Mainz

Erneut trifft der VfB zu Sai­son­be­ginn auf den FSV Mainz 05 — dies­mal aus­wärts. Wir spra­chen mit 05-Fan, ‑Blog­ge­rin und Buch­au­to­rin Mara Pfeif­fer (@Wortpiratin) über das Spiel, ihren Ver­ein und den Sai­son­auf­takt.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo Mara, dan­ke, dass Du dir Zeit für unse­re Fra­gen nimmst. Vor ziem­lich genau einem Jahr spra­chen wir an die­ser Stel­le über das ers­te VfB-Heim­spiel der ver­gan­ge­nen Sai­son. Für die­je­ni­gen, die dich noch nicht ken­nen, stell Dich doch bit­te kurz vor. Wie bist Du 05-Fan gewor­den und wor­um geht es in Dei­nem gera­de erschie­ne­nen Buch “Im Schat­ten der Are­na”? Ist das auch was für Fuß­ball­fans außer­halb von Mainz?

Mara: Hi Lenn­art. Ich bin vor genau 20 Jah­ren zum Stu­di­um nach Mainz gekom­men, zu einer Zeit also, als die 05er am Bruch­weg spiel­ten und der Zulauf über­schau­bar war. Des­we­gen gab es damals in den so genann­ten Ersti-Tüten Tickets fürs Sta­di­on und Anfang der 2000er war ich zum ers­ten Mal bei einem Spiel. Das lief so kit­schig, dass ich in der Erin­ne­rung Gei­gen höre und alles in Slo­Mo sehe: Ich wuss­te sofort, hier gehö­re ich hin. Seit 2016 lebe ich nun in Wies­ba­den, an mei­ner Lie­be zum Ver­ein hat das nichts geän­dert. Was den Kri­mi angeht, dar­in ver­sucht eine Lokal­jour­na­lis­tin, den Tod ihres Freun­des und Kol­le­gen auf­zu­klä­ren. Sie merkt bald, der hat etwas mit sei­nen Recher­chen rund um Mainz 05 zu tun, in deren Mit­tel­punkt ein schwu­ler Fuß­bal­ler stand, des­sen Bera­ter ihn vom Outing abhal­ten will.

Am Sams­tag, nur weni­ge Stun­den, bevor wir uns im Abend­spiel aus dem DFB-Pokal ver­ab­schie­de­ten, habt Ihr Euch mit einem 3:1 gegen Zweit­li­gist Erz­ge­bir­ge Aue für die zwei­te Run­de qua­li­fi­ziert. Wie lief denn die Sai­son­vor­be­rei­tung bei Euch und wie aus­sa­ge­kräf­tig ist die­ser Aus­wärts­sieg in Unter­zahl für die anste­hen­de Bun­des­li­ga-Sai­son?

Ich sehe ehr­lich gesagt immer Herz­chen, wenn es im DFB-Pokal so klappt. Wir ken­nen das in Mainz ja durch­aus anders. Aller­dings waren wir ver­gan­ge­ne Sai­son nach einem 3:1 gegen Lüne­burg auch wei­ter und der Start lief dann alles ande­re als opti­mal. Trotz­dem, bei fast 90 Minu­ten in Unter­zahl gegen einen Zweit­li­gis­ten so zu lie­fern, ist schon sehr posi­tiv. Gene­rell hat mir das Team in der Vor­be­rei­tung gut gefal­len, sowohl auf, als auch neben dem Platz. Da haben die Spie­ler näm­lich ein­hel­lig betont, dass noch­mal ein ande­rer Zug drin ist als letz­tes Jahr, was sich so auch in den Ergeb­nis­sen und Spiel­ein­drü­cken wider­spie­gelt. Ich bin vor­sich­tig opti­mis­tisch.


Beim Aus­wärts­sieg im DFB-Pokal in Aue erziel­te Alex Maxim zwei Tore für die 05er.

Gleich dop­pelt traf unse­re ehe­ma­li­ger Spie­ler Alex­an­dru Maxim im Erz­ge­bir­ge. Waren die bei­den Tref­fer das ers­te Anzei­chen für sei­nen Durch­bruch, was meinst Du?

Ich wür­de es Maxim sehr wün­schen. Mir hat das letz­te Sai­son leid­ge­tan, zu sehen, wie er sich – für mei­ne Begrif­fe – extrem abmüht, aber nicht so rich­tig einen Fuß auf den Boden bekommt. Nicht nur für den Ver­ein, son­dern auch für ihn per­sön­lich wün­sche ich mir, dass er sich nun mehr zei­gen kann.

Machte 2013/2014 14 Spiele und ein Tor für den VfB II: Besar Halimi. Bild: © VfB-exklusiv
Mach­te 2013/2014 14 Spie­le und ein Tor für den VfB II: Besar Hali­mi. Bild: © VfB-exklu­siv
Von 2010 bis 2016 beim VfB: Philipp Mwene. Bild: © Thomas Hilmers / Der Betze brennt
Von 2010 bis 2016 beim VfB: Phil­ipp Mwe­ne. Bild: © Tho­mas Hil­mers / Der Bet­ze brennt

Wei­te­re Ex-VfBler, die jetzt bei Euch unter Ver­trag ste­hen, sind Besar Hali­mi und Phil­ipp Mwe­ne, der neu­lich auch im Bal­les­te­rer por­trä­tiert wur­de. Bei­de stan­den jedoch nicht im Kader für das Pokal­spiel. Konn­test Du von den bei­den in der Vor­be­rei­tung schon einen Ein­druck gewin­nen?

Hali­mi ist bei Mainz 05 ja schon län­ger unter Ver­trag, bis­lang war er aber immer aus­ge­lie­hen. Von ihm habe ich aktu­ell zu wenig gese­hen, um ihn seri­ös ein­schät­zen zu kön­nen. Von Mwe­ne habe ich in der letz­ten Sai­son immer mal etwas mit­be­kom­men, weil er da ja beim FCK spiel­te und der gemein­sam mit Mainz 05 im SWR Flut­licht The­ma ist. Ich hal­te ihn defi­ni­tiv für ein gutes Back­up, aber ich sehe ihn im Moment nicht als Kan­di­dat für die Start­elf.

Außer­dem habt ihr noch wei­te­re Spie­ler geholt, deren Namen mir zumin­dest nichts sagen: Jean-Phil­ip­pe Mate­ta aus Lyon, Pierre Kun­de von Atle­ti­co und Moussa Niak­ha­té aus Metz tra­gen jetzt das 05er-Tri­kot. Finan­ziert wur­den die Neu­zu­gän­ge auch durch die lukra­ti­ven Abgän­ge von Dial­lo nach Dort­mund, Muto nach New­cast­le und Ser­dar zu Schal­ke. Kön­nen und sol­len die Neu­en die Abgän­ge erset­zen?

Niak­ha­té hat bei sei­nem Antritt betont, dass er Dial­lo nicht 1:1 erset­zen möch­te, son­dern ein ande­rer Spie­ler­typ ist. Im Pokal hat­te er nun das Pech, direkt nach drei Minu­ten vom Platz zu flie­gen, was die eige­ne Ein­schät­zung ein wenig bestä­tigt… J Was ich bis­her von ihm gese­hen habe, gefällt mir sonst aber gut und ich glau­be, die schein­ba­re Vor­lie­be von Rou­ven Schrö­der für Spie­ler aus Frank­reich ist sicher kein Scha­den für Mainz 05. Mate­ta ist defi­ni­tiv ein Kan­di­dat für die Start­elf, er hat sich im Pokal super geschla­gen. Auf Kun­de bin ich extrem neu­gie­rig, er wird, so mein Ein­druck, noch ein wenig Zeit brau­chen, kann das Team dann aber ver­stär­ken.

Am Ende die­ser Sai­son wer­det ihr zehn Jah­re am Stück in der Bun­des­li­ga gespielt haben. In den letz­ten bei­den Spiel­zei­ten ging es jedoch lan­ge gegen den Abstieg. Was macht Dich zuver­sicht­lich, dass Mainz auch — wie pas­send — im elf­ten Jahr in Fol­ge erst­klas­sig bleibt? Und wie ist die Erwar­tungs­hal­tung im Umfeld an die kom­men­de Spiel­zeit?

Die Erwar­tungs­hal­tung ist gemischt. Was man in Mainz dies­be­züg­lich ganz gut beob­ach­ten kann, ist ein Bruch zwi­schen den Fans, die „schon immer nuff“ gehen und denen, die erst mit dem ers­ten oder zwei­ten Auf­stieg dazu­ge­kom­men sind. Gera­de unter Letz­te­ren gibt es schon eini­ge, die glau­ben, man müs­se sich nach zehn Jah­ren höhe­re Zie­le ste­cken, als den Klas­sen­er­halt. Mein Ein­druck ist aber, die meis­ten Fans sehen es durch­aus rea­lis­tisch, was in Mainz mög­lich ist. Jedes Jahr in der 1. Liga ist ein mas­si­ver Erfolg für den Ver­ein. Wenn Mainz eine Sah­ne­se­rie hin­le­gen und Kon­kur­ren­ten schwä­cheln, kann auch mal mehr gehen, aber der Nor­mal­fall ist das nicht. Ich bin trotz­dem zuver­sicht­lich, dass die Sai­son ins­ge­samt etwas sta­bi­ler wird, weil nach zwei rela­tiv chao­ti­schen Jah­ren im Ver­ein nun in den Struk­tu­ren und ver­ant­wort­li­chen Posi­tio­nen wie­der Ruhe ein­ge­kehrt ist und das Druck raus­nimmt.

Im Ver­eins­vor­stand scheint bei Euch nach der auf­rei­ben­den letz­ten Sai­son ja wie­der Ruhe ein­ge­kehrt zu sein. Wie sieht es mit Trai­ner San­dro Schwarz aus? Sitzt der mitt­ler­wei­le etwas fes­ter im Sat­tel, wie man so sagt? Und wie zufrie­den bist Du mit Prä­si­dent Ste­fan Hof­mann bis­her?

Ich war und bin sehr zufrie­den mit der Wahl von Ste­fan Hof­mann zum Vor­sit­zen­den, weil ich dar­in ein kla­res Bekennt­nis auch der Fans zu Mainz 05 als Aus- und Wei­ter­bil­dungs­ver­ein sehe. Hof­mann hat zuvor lan­ge Jah­re gemein­sam mit Vol­ker Kers­t­ing das Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum gelei­tet und setzt klar auf Spie­ler aus den eige­nen Rei­hen. Aktu­ell sind acht Spie­ler aus dem NLZ nah bei den Pro­fis – eine sen­sa­tio­nel­le Quo­te. Geschich­ten wie die um Rid­le Baku, der letz­te Sai­son bereits mit der U23 auf dem Weg zum Spiel war, auf­grund kurz­fris­ti­ger Aus­fäl­le auf einem Park­platz abge­holt wur­de, mit den Pro­fis auf­lief und seit­her dort nicht weg­zu­den­ken ist, zei­gen, was den Main­zer Weg aus­macht.

Zum Spiel am Sonn­tag zunächst ein Blick in die His­to­rie. Ein Auf­ein­an­der­tref­fen zwi­schen Mainz und Stutt­gart am ers­ten Spiel­tag, das gab es schon ein­mal, wenn auch im ande­ren Sta­di­on: Vor 14 Jah­ren bezwang der VfB den FSV in des­sen ers­tem Bun­des­li­ga-Spiel der Ver­eins­ge­schich­te mit 4:2, Cacau schoss drei Tore. Hast Du noch Erin­ne­run­gen an die­ses Spiel? Warst Du viel­leicht sogar da?

Mei­ne bes­te Freun­din hielt es frü­her mit dem FCK und hat das Inter­es­se am Fuß­ball inzwi­schen lan­ge ver­lo­ren. An jenem Nach­mit­tag war ich bei ihr, wir haben im Gar­ten gegrillt und drin­nen lief das Spiel. Ich erin­ne­re mich an kein ein­zi­ges Tor von Cacau, aber an das von Chris­tof „Bum Bum“ Bab­atz, den ers­ten Bun­des­li­ga­tor­schüt­zen der 05er. Ich habe gera­de einen Salat in den Gar­ten getra­gen und die Schüs­sel wäre fast durchs Wohn­zim­mer geflo­gen, als der Ball im Kas­ten lag. Es war ein­fach groß.

Weni­ger erfreu­lich für den VfB ist die Sta­tis­tik der letz­ten Jah­re. Noch nie konn­ten wir im mitt­ler­wei­le nicht mehr ganz so neu­en Sta­di­on am Euro­pa­k­rei­sel gewin­nen. Was habt ihr mit dem Sta­di­on gemacht? Oder hat es damit viel­leicht gar nichts zu tun?

Für mich geht die Legen­de so: Chris­ti­an Gent­ner hat vor einem Spiel in Mainz mal gesagt, es sei die kla­re Erwar­tungs­hal­tung für den VfB, immer vor einem Ver­ein wie Mainz 05 zu ste­hen. Für die, sor­ry, Arro­ganz eures Kapi­täns, wer­det ihr seit­her jede Sai­son abge­straft.

Teil die­ser schreck­li­chen Bilanz sind auch unse­re erbärm­li­chen Aus­wärts­auf­trit­te in der ver­gan­ge­nen Sai­son. Hand aufs Herz: War 05 in bei­den Spie­len wirk­lich so gut, oder waren wir so schlecht?

Hand aufs Herz? Das ist mir völ­lig wurscht. Wir hat­ten es letz­te Sai­son wahr­lich nicht immer leicht und die Spie­le gegen euch haben wirk­lich, wirk­lich gut­ge­tan.

Vor wem müs­sen wir uns denn die­ses Mal in Acht neh­men? Und wo siehst Du momen­tan die Schwä­chen der 05-Elf?

Ich den­ke, Mate­ta ist hung­rig auf sein ers­tes Pro­fi-Tor, Bro­sin­ski eupho­ri­siert von sei­ner vor­zei­ti­gen Ver­trags­ver­län­ge­rung und das gan­ze Team heiß dar­auf, zu zei­gen, dass die ver­gan­ge­ne Sai­son eine schlech­te Visi­ten­kar­te fürs Poten­ti­al der Mann­schaft war. Es wird auf jeden Fall eine hei­ße Par­tie.

In Stutt­gart sieht die Bilanz für den VfB bes­ser aus — so auch in der letz­ten Sai­son.

Gera­de durch die vie­len Trans­fers sind die Erwar­tun­gen an den VfB nicht nur in Stutt­gart teil­wei­se etwas über das Min­dest­ziel Klas­sen­er­halt hin­aus gestie­gen. Wie ist Dein Blick von außen? Was traust Du uns zu? 

Ehr­lich gesagt tue ich mir immer schwer damit, den Geg­ner seri­ös ein­zu­schät­zen, weil ich natür­lich mit­be­kom­me, was zum Bei­spiel in Sachen Trans­fer pas­siert, aber nicht tie­fer in die Mate­rie ein­stei­ge. Ich den­ke, das Aus im DFB-Pokal soll­te nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass ihr euch klug ver­stärkt habt und tip­pe, ihr lan­det am Ende im Mit­tel­feld, ohne viel mit dem Abstieg zu tun zu haben.

Vor dem Aus­wärts­spiel in der Liga emp­fahl uns Steff­in­ho das Doms­gi­ckel als Anlauf­punkt nach dem Spiel. Auch wenn vie­le von uns schon häu­fig bei Aus­wärts­spie­len in Mainz waren. Hast Du einen Geheim­tipp, was man der­zeit in Mainz vor oder nach dem Spiel getan oder gese­hen haben soll­te?

Aktu­ell ist das Wet­ter ja noch wun­der­bar som­mer­lich, inso­fern kann ich nur emp­feh­len, nach dem Spiel noch rund ums Sta­di­on zu ver­wei­len. Im Win­ter ist das eher weni­ger ange­nehm, angeb­lich ändert sich das aber bald – und wir blei­ben auch hier vor­sich­tig opti­mis­tisch. Ansons­ten kann ich tat­säch­lich nur emp­feh­len, für Spie­le gegen Mainz 05 ein gan­zes Wochen­en­de ein­zu­pla­nen und Mainz und Wies­ba­den aus­führ­lich zu erkun­den. Bei­de Städ­te sind wirk­lich wun­der­bar.

Und schließ­lich natür­lich die Fra­ge: Dein Tipp fürs Spiel?

Wir gewin­nen 2:0.

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