Rund um das Spiel in Darmstadt

Gelingt dem VfB zum Hin­run­den­aus­klang mal wie­der ein Aus­wärts­sieg? Mit Lili­en-Fan Jana (@janapurplepen) spra­chen wir über das Spiel in Darm­stadt und den SVD.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo Jana und vie­len Dank, dass Du Dir Zeit für unse­re Fra­gen nimmst. Stell Dich doch erst­mal bit­te kurz vor: Wie bist du Lili­en-Fan gewor­den?

Jana: Hal­lo Lenn­art! Ich füh­le mich geehrt, dass ich dei­ne Fra­gen beant­wor­ten darf, denn ich bin als Lili­en-Fan ehr­lich gesagt noch gar nicht so lan­ge dabei. Ich bin erst 2012 wegen der Arbeit nach Darm­stadt gezo­gen und kann­te die Stadt und den Fuß­ball­ver­ein davor noch gar nicht. Vor­her leb­te ich in Nie­der­sach­sen — zu Ein­tracht Braun­schweig, Han­no­ver 96 und dem VfL Wolfs­burg etwa gleich weit ent­fernt und so war ich eigent­lich nie zu einem Fan eines bestimm­ten Ver­ei­nes gewor­den, ich bekam nur ein wenig Kreis­li­ga am Ran­de mit und ver­folg­te die Welt­meis­ter­schaf­ten.
In Darm­stadt hab ich dann nach dem Auf­stieg in die Zwei­te Liga in der Sai­son 2014/15 mein ers­tes Spiel in der Süd­kur­ve gese­hen und mir noch im Win­ter die “Rück­run­den-Dau­er­kar­te” für die Gegen­ge­ra­de geholt. 2016 bin ich dann in Kon­takt mit der Fan- und För­der­ab­tei­lung gekom­men und habe im Team Redak­ti­on mit­ge­ar­bei­tet. Die Redak­ti­on ver­fasst Spiel­be­rich­te und erstellt zu Beginn einer Sai­son das Sai­son­jour­nal, in dem der Kader vor­ge­stellt wird. So habe ich noch­mal einen nähe­ren Ein­blick in den Ver­ein bekom­men. Inzwi­schen ist der SVD ein Teil in mei­nem Leben, auf den ich gar nicht ver­zich­ten möch­te. 

Das letz­te Mal war der VfB in der Rück­run­de 2015/2016 am Böl­len­fall­tor zu Gast. Der SVD hielt damals als Auf­stei­ger die Klas­se, wir stie­gen in die zwei­te Liga ab. Für vie­le jün­ge­re Darm­stadt-Fans waren die zwei Erst­li­ga-Jah­re ein Novum. Hat man sich in Darm­stadt mitt­ler­wei­le mit der zwei­ten Liga wie­der arran­giert und denkst Du, Ihr schafft in den nächs­ten Jah­ren noch­mal einen Auf­stieg?

Ich den­ke, dass es immer ein biss­chen dar­auf ankommt, was man erwar­tet. Ich gehö­re ja zu den Leu­ten, die wegen des SVD ins Sta­di­on gehen. Wir wit­zeln in unse­rer “Knodderer”-Gruppe immer, dass kei­ner zu den Lili­en geht, weil er guten Fuß­ball erwar­tet. Trotz­dem kann man beob­ach­ten, dass “Highlight”-Spiele (schnel­ler) aus­ver­kauft sind, aber bei ande­ren Geg­nern noch lan­ge Kar­ten vor­han­den sind. Und das liegt nicht immer aus­schließ­lich an halb­lee­ren Gäs­te­be­rei­chen.
Ich ken­ne auch eine Viel­zahl an Leu­ten, die aus Darm­stadt und Umge­bung stam­men und die Lili­en mit Dau­er­kar­ten ver­fol­gen, aber den­noch Fans eines Bun­des­li­ga-Ver­eins sind. Das war für mich span­nend zu beob­ach­ten, wie die­se Leu­te reagier­ten als wir in der Bun­des­li­ga gespielt haben und eben jene Teams ans Böl­len­fall­tor kamen.
Ich per­sön­lich kann mir einen Auf­stieg ehr­lich gesagt kaum vor­stel­len. Ich glau­be aber auch, dass die Zwei­te Liga gut zu Darm­stadt passt und auch voll­kom­men klar geht.

Die bei­den letz­ten Jah­re habt Ihr auf Platz 10 been­det, aktu­ell steht ihr zum Ende der Hin­run­de auf Platz 13, vier Punk­te vor den Abstiegplät­zen. Was glaubst Du, wo die Sai­son für die Lili­en endet? Wird es nach unten noch­mal brenz­lig?

Ich kann mir sehr gut vor­stel­len, dass es noch­mal brenz­lig wird. Wäre denn eine “sor­gen­freie” Sai­son nicht auch irgend­wie ziem­lich lang­wei­lig? Wün­schen wür­de ich es mir aller­dings nicht.
Aktu­ell stimmt es mich nicht glück­lich, dass man das Gefühl hat, dass das Team nicht über 90 Minu­ten eine kon­stan­te Leis­tung erbrin­gen kann. Wo genau die Sai­son schließ­lich endet, ist für mich, wie sicher auch für vie­le ande­re Fans, gar nicht so wich­tig — solan­ge sie nur über den Abstiegs­plät­zen endet. Mit allem ande­ren kann ich mich gut arran­gie­ren, wenn ich im Sta­di­on sehe, dass das Team gemein­sam sein Bes­tes gibt und mit den Fans zu einer Ein­heit wird.

Von 2005-2012 im Brustirng: Sebastian Hertner. © Getty/Bongarts
Von 2005–2012 im Brust­irng: Sebas­ti­an Hert­ner. © Getty/Bongarts

Wie zufrie­den bist Du nach der Hin­run­de mit den Trans­fers im Som­mer und wo muss der Ver­ein im Win­ter Dei­ner Mei­nung nach nach­le­gen?

Tat­säch­lich ist das eine gute Fra­ge. Mit vie­len Zugän­gen bin ich eigent­lich zufrie­den. Paik, Skar­ke, Schu­hen, Dumic, Schnell­hardt, auch wenn letz­te­rer zuletzt ver­let­zungs­be­dingt pau­sie­ren muss­te. Manu lei­der ver­let­zungs­be­dingt bis­her ohne Ein­satz, aber der soll ja jetzt gene­sen sein. Was uns der­zeit mög­li­cher­wei­se fehlt ist ein Stür­mer, der auch Tore schießt. Wir brau­chen eine Alter­na­ti­ve für Dursun. Aber ich set­ze da auch gro­ße Erwar­tun­gen in Felix Plat­te!

Über Dresden nach Darmstadt: Ex-VfBler Erich Berko. © Getty/Bongarts
Über Dres­den nach Darm­stadt: Ex-VfBler Erich Ber­ko. © Getty/Bongarts

Im Som­mer kam auch Erich Ber­ko, der von 2006 bis 2015 neun Jah­re beim VfB spiel­te, aus Dres­den zu Euch. Carl Klaus und Sebas­ti­an Hert­ner spiel­ten in der Jugend bei uns. Wie läuft es für die drei in Darm­stadt?

Puh. Carl Klaus wur­de ja zusam­men mit Ihor Bere­zovs­ky ver­pflich­tet als Mar­cel Schu­hen sich im Trai­ning vor dem Spiel gegen Kiel (2. Spiel­tag) den Arm gebro­chen hat­te. Mar­cel Schu­hen war zuvor als Nach­fol­ger von Fer­ro als Num­mer 1 im Tor vor­ge­se­hen. In die­ser Zeit war Carl Klaus zumin­dest als Ersatz­tor­hü­ter im Kader. Eine gro­ße Rol­le scheint er jedoch nicht zu spie­len.
Der Wech­sel von Erich Ber­ko war ja bereits früh­zei­tig bekannt. Schon im Win­ter war klar, dass er im Som­mer zu uns wech­seln wür­de. Das war erst­mal ziem­lich unge­wohnt. Lei­der ver­letz­te er sich jedoch bereits in der Vor­be­rei­tung und stand daher an den ers­ten Spiel­ta­gen nicht zur Ver­fü­gung. Mitt­ler­wei­le kommt er nach 16 Spiel­ta­gen auf 6 Ein­sät­ze. 5x wur­de er ein­ge­wech­selt, ein­mal stand er in der Start­elf und wur­de bereits nach einer Halb­zeit aus­ge­wech­selt. Ich wür­de mir wün­schen, dass er noch­mal ähn­lich auf­blüht wie in der letz­ten Rück­run­de in Dres­den und offen­siv doch noch Akzen­te setzt.
Sebas­ti­an Hert­ner stand in die­ser Sai­son in jedem Spiel im Kader, kommt jedoch auf kei­nen Ein­satz bis­her.

Blieb in Darmstadt: Marvin Mehlem (l.). © Bongarts/Getty
Blieb in Darm­stadt: Mar­vin Meh­lem (l.). © Bongarts/Getty

Mar­vin Meh­lem war zu Sai­son­be­ginn bei uns als Neu­zu­gang im Gespräch. Bist Du froh, dass er geblie­ben ist und wie wich­tig ist er für das Team?

Ich bin wirk­lich froh, dass er geblie­ben ist. Grund­sätz­lich hat Mar­vin auch mal nicht so gute Spie­le, aber im gro­ßen und gan­zen ist er wirk­lich wich­tig für unser Spiel und unser Team und setzt gute Akzen­te.

Trai­ner Dimi­tri­os Gram­mo­zis kam Anfang des Jah­res zu Euch. Wie ent­täu­schend war es, dass die Rück­kehr von Auf­stiegs­trai­ner Dirk Schus­ter nicht von Erfolg gekrönt war? Und wie zufrie­den bist Du mit sei­ner Arbeit bis­her?

Ehr­lich gesagt war ich kein Fan der Rück­kehr von Dirk Schus­ter. Grund­sätz­lich hal­te ich nicht viel von Rück­hol-Aktio­nen, auch wenn die­se zuerst von Erfolg gekrönt zu sein schei­nen. Schus­ter hat­te gro­ße Ver­diens­te und sein Abgang nach Augs­burg sei hier mal kom­plett aus­ge­klam­mert. Darm­stadt hat Schus­ters Leis­tung eini­ges zu ver­dan­ken, beson­ders, wenn wir es schaf­fen, uns nun in der Zwei­ten Liga zu eta­blie­ren. Aber manch­mal ist eben auch gut, etwas in guter Erin­ne­rung zu behal­ten. Beson­ders, da doch die Hoff­nung bestand, dass sich das Spiel der Lili­en auch wei­ter­ent­wi­ckelt und ich das unter Schus­ter nicht gese­hen hät­te. Von Gram­mo­zis hat­te ich anfangs einen guten Ein­druck. Man sah, wie er sich aus­ge­tes­tet hat.
Aktu­ell sieht man jedoch, dass eigent­lich immer die­sel­ben Spie­ler eine Rol­le spie­len und das ist doch sehr aus­re­chen­bar. Mög­li­cher­wei­se wür­den hier neue Akzen­te hel­fen. Da ich die Mann­schaft aber eben auch nicht im Trai­ning beob­ach­te und wir zuletzt mit vie­len Ver­let­zun­gen zu kämp­fen hat­ten, kann ich kaum beur­tei­len, ob es über­haupt ande­re Optio­nen gege­ben hät­te. An der indi­vi­du­el­len Fit­ness vie­ler Spie­ler soll­te das Trai­ner­team jedoch noch arbei­ten.

Ihr habt mit 17 Toren gemein­sam mit Dres­den die wenigs­ten Tref­fer der Liga, Ser­dar Dursun ist der ein­zi­ge Stür­mer, der bis­her getrof­fen hat. Wor­an liegt es? Zu wenig Tor­chan­cen oder zu schlech­te Chan­cen­ver­wer­tung?

Ich bin aktu­ell kein gro­ßer Fan von Ser­dar Dursun und den­noch steht er in jedem Spiel über den Groß­teil der Distanz auf dem Feld. Felix Plat­te war lei­der lan­ge ver­letzt und Oggy hat­te nach sei­ner Ver­pflich­tung weni­ge Ein­sät­ze, fehlt aktu­ell ver­let­zungs­be­dingt. Ohne mich vie­len nega­ti­ven Aus­sa­gen, die über Dursun so durch Sozia­le Medi­en geis­tern, anschlie­ßen zu wol­len, ist es auf­fäl­lig, dass er nicht die bes­te Pass­quo­te hat und Bäl­le oft ver­liert. Posi­tiv ist zu bewer­ten, dass er auch ein­fach mal aufs Tor schießt, es ein­fach pro­biert. Trotz­dem wür­de ich mir mehr Kon­kur­renz inner­halb unse­res Teams auf der Posi­ti­on wün­schen, denn so ist Dursun der­zeit trotz schlech­ter Leis­tung alter­na­tiv­los.

Wo lie­gen denn abge­se­hen davon die Schwä­chen der Lili­en in die­ser Sai­son und wo die Stär­ken? Vor wem müs­sen wir uns in Acht neh­men?

Eigent­lich kann ich das selbst nicht beant­wor­ten. Nach vor­ne am ehes­ten vor Dursun und Kem­pe. Gene­rell muss der Geg­ner ver­mut­lich nur auf einen unauf­merk­sa­men Moment und war­ten und beim Tor­schuss das gewis­se Quänt­chen Glück haben.
So sahen Stadion und Gästeblock 2016 aus.
So sahen Sta­di­on und Gäs­te­block 2016 aus.

Beim bereits ange­spro­che­nen letz­ten VfB-Spiel in Darm­stadt gab es das “alte” Böl­len­fall­tor mit der gro­ßen unüber­dach­ten Gegen­tri­bü­ne noch. Mitt­ler­wei­le ist das Sta­di­on im Umbau begrif­fen. Wie schwer fiel den SVD-Fans der Abschied vom alten Sta­di­on und wie siehst Du den Umbau? Und: Was hat sich im Gäs­te­block geän­dert?

Der Abschied fiel wirk­lich schwer. Gera­de erst hat­te ich die “Erin­ne­rung” an mei­nen Post vor einem Jahr, dass es das “Abschieds­spiel” gab, als wir nach dem letz­ten Heim­spiel vor Weih­nach­ten noch lan­ge auf der Gegen­ge­ra­de geblie­ben sind und sie mit Ben­ga­los in Sze­ne gesetzt wur­de. Das fühlt sich immer noch trau­rig an und die Gegen­ge­ra­de lebt in vie­len Gär­ten und Wohn­zim­mern wei­ter in Form von Erin­ne­rungs­stü­cken.
Jetzt ist die Gegen­ge­ra­de im Heim­be­reich nicht mehr ein gro­ßer Block, son­dern in drei Berei­che unter­teilt. Seit­dem kann ich mich gar nicht mehr frei zu allen Leu­ten bewe­gen, die ich auf der GG so ken­ne. Das fin­de ich per­sön­lich schon auch scha­de. Außer­dem ist es deut­lich enger gewor­den, die Stu­fen sind weni­ger tief und dadurch steht man schon gequetsch­ter als wir es gewohnt waren.
Was sich im Gäs­te­be­reich geän­dert hat, kann ich aller­dings gar nicht sagen, da ich selbst weder vor noch nach dem Umbau jemals dort war. Soweit ich weiß, wird der Block N4 auf der Nord­tri­bü­ne der­zeit als Sitz­plät­ze für die Gäs­te­fans ver­kauft, so dass die­je­ni­gen zumin­dest bereits über­dacht sit­zen.

Wel­che The­men beschäf­ti­gen Euch Fans denn der­zeit sonst so abseits des grü­nen Rasens?

Auch hier kommt es ver­mut­lich dar­auf an, wen Du fragst. Die Fan- und För­der­ab­tei­lung beschäf­tigt sich ver­mut­lich mit ande­ren The­men als der “nor­ma­le Fan”. Ich habe schon oft gehört, dass sich Leu­te weni­ger Müll und daher Pfand­be­cher wün­schen. Aber in wie weit das ver­folgt wird, kann ich nicht sagen.

Ein Mon­tag­abend eig­net sich nor­ma­ler­wei­se nicht für einen Stadt­bum­mel vor dem Aus­wärts­spiel aber für die­je­ni­gen, die sich den Tag frei­ge­nom­men haben: Was soll­te man in Darm­stadt außer dem Böl­len­fall­tor gese­hen haben?

Mein Lieb­lings­stadt­teil ist Bes­sun­gen und daher wür­de ich hier im Som­mer defi­ni­tiv die Oran­ge­rie nen­nen. Jetzt im Win­ter rate ich dann doch eher zu einer Indoor-Akti­vi­tät: das Lan­des­mu­se­um ist immer einen Besuch wert und kann auch häu­fi­ger besucht wer­den, da man nie Zeit hat, sich alles anzu­schau­en. Wer auf den Weih­nachts­markt möch­te, soll­te zum Food­truck Weih­nachts­markt Hei­li­ges Blech­le im Car­ree vor der Cen­tral­sta­ti­on gehen.

Abschlie­ßend: Dein Tipp fürs Spiel?

Das ist eher eine Wun­der­tü­te. Ich wün­sche mir natür­lich grund­sätz­lich einen Heim­sieg, aber das Tip­pen habe ich längst auf­ge­ge­ben.

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