Neu im Brustring: Deniz Undav

Kei­ner weiß, wie es bei Ser­hou Gui­ras­sy wei­ter­geht. Dafür hat der VfB in der ver­gan­ge­nen Woche einen ande­ren Stür­mer unter Ver­trag genom­men — zunächst für ein Jahr als Lei­he. Deniz Undav kommt von Brigh­ton & Hove Albi­on aus der Pre­mier League und soll das Angriffs­spiel des VfB bele­ben. Über Undav, der vor drei Jah­ren noch beim SV Meppen spiel­te, sei­ne inter­es­san­te Kar­rie­re und sei­ne letz­ten bei­den Sta­tio­nen haben wir uns in Bel­gi­en und Eng­land umge­hört.

Zunächst mal ein kur­zes Sor­ry: Nor­ma­ler­wei­se habe ich sol­che Arti­kel frü­her fer­tig, aber Urlaub ist Urlaub. Ihr habt Deniz Undav zwar schon beim Test­spiel in Shef­field gese­hen, ich hof­fe — und den­ke — Euch mit den Infos von Fans und Exper­ten sei­ner bis­he­ri­gen Ver­ei­ne den­noch ein paar zusätz­li­che Infos geben zu kön­nen, bevor er in Reut­lin­gen und gegen Bochum da wei­ter­macht, wo er letz­ten Som­mer in Saint Gil­les auf­ge­hört hat.

Aus Niedersachsen nach Belgien

Natür­lich hat­te ich schon mal von Deniz Undav und sei­nen unge­wöhn­li­chen Kar­rie­re­weg von Havel­se über Braun­schweig II und den SV Meppen in die zwei­te bel­gi­sche Liga und von dort über die bel­gi­sche Vize­meis­ter­schaft in die Pre­mier League gehört. Dass ich aller­dings in abseh­ba­rer Zeit einen Arti­kel in die­sem Blog über ihn schrei­be, hät­te ich nicht gedacht. Und man muss natür­lich die­ses gan­ze Trans­fer­fens­ter noch mit Vor­sicht genie­ßen: Noch ist im Defen­siv­be­reich, wo zumin­dest bei der Zahl der Gegen­to­re viel Ver­bes­se­rungs­be­darf besteht und wo die lukra­tivs­ten Ange­bo­te erwar­tet wer­den, nichts pas­siert. Gleich­zei­tig hat der VfB bis­her vor allem Geld aus­ge­ge­ben, wenn man mal von klei­ne­ren Gehalts­ein­spa­run­gen durch die Lei­hen absieht. Neben wem Deniz Undav in der kom­men­den Sai­son im Sturm auf­lau­fen wird, ist auch noch unklar. Den­noch: Die­se Lei­he ist bemer­kens­wert. Aber dazu am Ende mehr, wid­men wir uns erst­mal dem neu­en Mann im Brust­ring, der wie gesagt bis Som­mer 2020 vor allem im geho­be­nen Ama­teur­fuß­ball bezie­hungs­wei­se nie­de­ren Pro­fi­fuß­ball unter­wegs war, bevor er in die zwei­te bel­gi­sche Liga zur Roya­le Uni­on Saint-Gil­loi­se wech­sel­te. Über sei­ne zwei Jah­re in Brüs­sel habe ich zum einen mit Sté­pha­ne Lecail­lon, Jour­na­list beim Nach­rich­ten­por­tal Laven­ir, gespro­chen, zum ande­ren mit Jesús, einem der ältes­ten Mit­glie­der der Fan­grup­pe Uni­on Bhoys. Zu sei­ner Sai­son in Brigh­ton habe ich gleich drei Exper­ten befragt: Scott vom tra­di­ti­ons­rei­chen Blog WeAreBrighton.com, Ady vom Pod­cast The Albi­on Roar und Jim Frank, Jour­na­list bei BBC4 und Brigh­ton-Fan.

Undav im Trikot des SV Meppen. © Sebastian Widmann/Getty Images for DFB
Undav im Tri­kot des SV Meppen. © Sebas­ti­an Widmann/Getty Images for DFB

Undav wur­de am 19. Juli 1996 in Achim bei Bre­men gebo­ren, ist also gera­de 27 Jah­re alt gewor­den. Mit sechs Jah­ren schloss er sich dem TSV Achim an, spiel­te dann fünf Jah­re lang bei Wer­der in der Jugend und kam über den SC Wey­he schließ­lich zum durch­aus ambi­tio­nier­ten TSV Havel­se, der 2021/2022 immer­hin in der drit­ten Liga spiel­te. Zwi­schen 2015 und 2017, als Undav dort die Fuß­ball­schu­he schnür­te, tat er das jedoch “nur” in der Regio­nal­li­ga Nord, in der er aber in jeweils 32 Sai­son­spie­len 16 Tore schoss. Wei­ter ging es 2017 zum dama­li­gen und heu­te wie­der Zweit­li­gis­ten Ein­tracht Braun­schweig, die gera­de gegen den VfB im Auf­stiegs­ren­nen das Nach­se­hen gehabt hat­ten. Der 21-jäh­ri­ge Undav stand jedoch für die Ein­tracht, die am letz­ten Spiel­tag noch über­ra­schend auf einen direk­ten Abstiegs­platz fiel, nur ein­mal im Pro­fi­ka­der. Viel­leicht auch wegen einer Schien­bein­ver­let­zung, die er sich früh in der Sai­son zuzog und die ihn bis Novem­ber außer Gefecht setz­te. Als er wie­der auf dem Platz stand, fand er sich erneut in der Regio­nal­li­ga Nord wie­der, dies­mal bei der zwei­ten Mann­schaft des BTSV. Dabei gelang ihm wie­der das Kunst­stück, in den ver­blei­ben­den 18 Spie­len im Schnitt in jedem zwei­ten zu tref­fen. 2018 zog es Undav dann wei­ter nach Meppen, die in der ver­gan­ge­nen Sai­son nach sechs Jah­ren aus der drit­ten Liga abge­stie­gen sind. Wäh­rend er in sei­ner ers­ten Sai­son im Ems­land nur sechs Mal traf, erreich­te er in der Coro­na-Sai­son 2019/2020 wie­der sei­nen alten Tore­schnitt: 17 Tref­fer in 34 Spie­len, dazu 13 Vor­la­gen. Soweit im Schnell­durch­lauf sei­ne Kar­rie­re in Deutsch­land, die ich auch des­halb nicht noch mit Ein­drü­cken von Exper­ten ange­rei­chert habe, weil sie drei Jah­re zurück­lie­gen und sowohl die Regio­nal­li­ga Nord als auch die 3. Liga nur schwer mit den Anfor­de­run­gen der Bun­des­li­ga ver­gleich­bar sind.

Das Märchen von Saint Gilles

Wäh­rend der Coro­na-Pau­se gab Undav dann sei­nen Wech­sel zum bel­gi­schen Zweit­li­gis­ten Roya­le Uni­on Saint-Gil­lois zum Sai­son­ende bekannt. Wer noch nie etwas von die­sem Ver­ein gehört hat, dem emp­feh­le ich die­sen sehr lesens­wer­ten Arti­kel aus dem bal­les­te­rer von Klaus Feder­mair, der sel­ber Uni­on-Fan ist und über den auch der Kon­takt zu Jesús ent­stand. Sté­pha­ne zufol­ge habe man in Brüs­sel kei­ne gro­ßen Erwar­tun­gen an die­sen Stür­mer aus der drit­ten deut­schen Liga gehabt, ange­sichts des ablö­se­frei­en Wech­sels sah man aber auch wenig Risi­ko, die 17 Tore für Meppen mach­ten aller­dings durch­aus Ein­druck. Jesús ergänzt dass ihn Undavs ers­ter Kon­takt, also die Ball­an­nah­me beein­druckt habe. Auf die 17 Tore kam Undav auch in der Sai­son 2020/2021, aller­dings in nur 26 Spie­len. Die ers­ten Mona­te in Bel­gi­en sei­en für Undav aller­dings schwer gewe­sen, erklärt Ste­phá­ne, bis Dezem­ber gelan­gen ihm in zehn Spie­len nur zwei Tref­fer beim 6:0 gegen Club NXT. Undav habe spä­ter sel­ber zuge­ge­ben, dass er sich nicht beson­ders pro­fes­sio­nell ernährt habe, erklärt Ste­phá­ne und zitiert einen Kol­le­gen der schrieb, dass Undav frü­her täg­lich eine Dose eines unge­nieß­ba­ren Getränks genoss, des­sen Her­stel­ler unter ande­rem Stand­or­te in Salz­burg und Leip­zig betreibt. Außer­dem habe er in Meppen nach dem Trai­ning häu­fig als ers­tes zum Fast Food gegrif­fen, mit­hil­fe einer Ernäh­rungs­be­ra­te­rin habe er die­ses Pro­blem aber in den Griff bekom­men.

Torschützenkönig in Belgien. © VIRGINIE LEFOUR / BELGA MAG / Belga via AFP
Tor­schüt­zen­kö­nig in Bel­gi­en. © VIRGINIE LEFOUR / BELGA MAG / Bel­ga via AFP

In der zwei­ten Sai­son­hälf­te schien das auch zu wir­ken, als er sei­ne wei­te­ren 15 Tref­fer erziel­te, dar­un­ter drei wei­te­re Dop­pel­packs, beim 3:2 gegen Lom­mel SK schoss er sogar alle Tore. Uni­on ver­lor in der gesam­ten Sai­son nur zwei von 28 Spie­len, das letz­te Ende Novem­ber, und stieg am Ende zum ers­ten Mal seit 1972 wie­der in die ers­te Liga auf — und stürm­te direkt wei­ter nach oben, muss­te sich Im Som­mer 2022 nur knapp dem FC Brüg­ge im Kampf um die bel­gi­sche Meis­ter­schaft geschla­gen geben. Es wäre die zwölf­te für Uni­on gewe­sen, die ers­te seit 1935. Genau­so mär­chen­haft wie der Auf­stieg sei­nes Ver­eins war der Sai­son­ver­lauf für Undav. Er traf unglaub­li­che 25 Mal in 33 Spie­len in der Haupt­run­de und ein wei­te­res Mal in der Final­run­de und wur­de damit bel­gi­scher Tor­schüt­zen­kö­nig — dar­un­ter ein Vie­rer­pack beim 7:1 in Oos­ten­de und ein Drei­er­pack gegen Leu­ven. Ein Erfolg für Spie­ler und Ver­ein, der, wie Sté­pha­ne erklärt, für nie­man­den abseh­bar war.

Kurzer Dienstweg nach Brighton

Als Undav mit Uni­on um den Titel kämpf­te war er aller­dings offi­zi­ell bereits ein Spie­ler des Brigh­ton & Hove Albi­on FC, der ihn im Janu­ar 2022 ver­pflich­tet und direkt an Saint Gil­les ver­lie­hen hat­te. Wer ein biss­chen etwas über die Mehr­heits­ver­hält­nis­se bei bei­den Ver­ein weiß, den konn­te der Wech­sel nicht unbe­dingt über­ra­schen, denn der pro­fes­sio­nel­le Poker­spie­ler Tony Bloom hielt zu die­sem Zeit­punkt bei bei­den Ver­ei­nen die Mehr­heit der Antei­le. Mitt­ler­wei­le ist er in Bel­gi­en nur noch Min­der­heits­eig­ner, um den Regeln der UEFA zu genü­gen, die es ver­bie­tet, dass zwei Ver­ei­ne mit dem glei­chen Mehr­heits­eig­ner an euro­päi­schen Wett­be­wer­ben teil­neh­men oder gar auf­ein­an­der tref­fen — es sei denn, der Her­stel­ler von Deniz Undavs Lieb­lings­ge­tränk hat sei­ne Fin­ger im Spiel, selbst­ver­ständ­lich. Sté­pha­ne zufol­ge betont man auch in Brüs­sel und Brigh­ton immer wie­der, dass die Ver­ei­ne nicht Teil eines Netz­werks sei­en, de fac­to gebe es aber vie­le Ver­bin­dun­gen und auch Leih­ge­schäf­te und der Dienst­weg bei die­sem Trans­fer wird wohl ein eher kur­zer gewe­sen sein. Für Undav war der Auf­stieg aus der drit­ten deut­schen in die stär­ke Liga der Welt natür­lich ein Rie­sen­sprung — und für Uni­on mit 7 Mil­lio­nen Euro Ablö­se ein Rekord­ver­kauf.

Auch Scott und Jim bestä­ti­gen von der ande­ren Sei­te des Ärmel­ka­nals, dass Brigh­ton vie­le Spie­ler nach Saint Gil­les ver­lei­he, um ihnen Spiel­pra­xis zu ver­schaf­fen und nennt als Bei­spie­le Kao­ru Mitoma und Simon Adin­gra. Der Unter­schied bei Undav sei jedoch gewe­sen, dass die­ser qua­si den ande­ren Weg genom­men habe und dass die eben genann­te Ablö­se für Pre­mier League-Ver­hält­nis­se nur ein gerin­ges Risi­ko dar­stell­te — ein deut­li­ches Zei­chen für den gro­ßen Unter­schied der eng­li­schen zu ande­ren euro­päi­schen Ligen. Scott und Ady beto­nen zudem, dass Undav wegen sei­nes Sta­tus als Tor­schüt­zen­kö­nig ohne­hin auf Brigh­tons Radar gewe­sen sei und auch Jesús sieht eher die Mög­lich­keit für Undav, in einer der bes­ten Ligen der Welt zu spie­len, von sei­ner Sei­te als aus­schlag­ge­bend für den Wech­sel. Trotz­dem sei­en die Erwar­tun­gen auch wegen der Unter­schie­de zwi­schen der bel­gi­schen und der eng­li­schen Liga nicht all­zu groß gewe­sen, beto­nen alle drei. Ady zufol­ge rech­ne­te man damit, dass er sich erst im eng­li­schen Fuß­ball ein­fin­den müs­se. Die Tat­sa­che, dass er sich bis dort­hin empor gear­bei­tet habe sei aber etwas gewe­sen, was Brigh­tons Fans beein­druckt habe, so Scott. In der Pre­mier League konn­te Undav sei­nen Tore­schnitt dann nicht mehr hal­ten, ihm gelan­gen ledig­lich fünf Tref­fer, aller gegen Sai­son­ende in den letz­ten acht Spie­len, dazu drei Tore in den Pokal­wett­be­wer­ben.

Ballverteiler mit Zielwasser

Wie Ady und Scott berich­ten, beweg­ten Undav dabei aber vor allem im ver­gan­ge­nen Win­ter auch pri­va­te Ange­le­gen­hei­ten, zum ande­ren litt er wohl auch unter Heim­weh. Scott erzählt, Undav habe noch im April ange­merkt, dass er in Brigh­ton noch kei­ne ver­nünf­ti­gen Döner oder Würst­chen gefun­den habe, was dazu führ­te, dass die Albi­on-Fans ihm Emp­feh­lun­gen gaben. Am Ende war es auch die Ver­let­zung von Evan Fer­gu­son, die im von Trai­ner Rober­to De Zer­bi prä­fe­rier­ten Sys­tem mit nur einem Stür­mer Undav die Mög­lich­keit gab, regel­mä­ßi­ger zu spie­len — und zu tref­fen. Am Ende, so Jim, hät­ten Undavs Tore, unter ande­rem beim 3:0 gegen Arse­nal, auch zu ers­ten Euro­pa­po­kal­teil­nah­me der Ver­eins­ge­schich­te bei­getra­gen. Nicht unwe­sent­lich sei für Undav auch die Unter­stüt­zung sei­ner Team­ka­me­ra­den gewe­sen, die sich mit ihm über sei­nen ers­ten Tref­fer im FA Cup gegen Midd­les­b­rough gefreut hät­ten —  sogar der Tor­wart mach­te sich quer über den Platz auf den Weg um ihn zu beglück­wün­schen, so Scott —  sowie die Tat­sa­che, dass er sich gegen Ende der Sai­son end­lich in Eng­land ange­kom­men fühl­te. Umso über­rasch­ter sei­en vie­le Fans jetzt über die Lei­he nach Deutsch­land, so Scott.

Undavs erster Treffer für Brighton im Pokal gegen Boro. © Stu Forster/Getty Images
Undavs ers­ter Tref­fer für Brigh­ton im Pokal gegen Boro. © Stu Forster/Getty Images

Auch wenn wie gesagt noch nicht fest­steht, in wel­cher per­so­nel­len For­ma­ti­on Undav in den kom­men­den Mona­ten auf­lau­fen wird, lohnt ein Blick auf sei­ne Spiel­wei­se in Bel­gi­en und Eng­land. Bei Uni­on habe er bes­ser in einem Sys­tem mit zwei Stür­mern funk­tio­niert, erklärt Sté­pha­ne, das sieht Jesús auch so. Dabei habe Undav eher tie­fer gestan­den, wäh­rend sein Sturm­part­ner — und guter Freund — Dan­te Van­zeir höher spiel­te und schnel­le Läu­fe in die Spit­ze gemacht habe. Wie bei­de Uni­on-Exper­ten beto­nen, habe Undav den Ball sehr gut mit sei­nem Kör­per behaup­ten kön­nen, was sei­nen Mann­schafts­kol­le­gen Zeit zum Auf­rü­cken in der Offen­si­ve oder zum Ver­schnau­fen in der Defen­si­ve ver­schafft habe. Er habe für Uni­on eini­ge sen­sa­tio­nel­le Tore geschos­sen und es sei ihm häu­fig gelun­gen die Beschimp­fun­gen der geg­ne­ri­schen Fans in Moti­va­ti­on umzu­wan­deln, so Sté­pha­ne. Wich­tig für Undav, erklärt er, sei ein intak­tes Mann­schafts­um­feld, was man auch an sei­nem Zusam­men­spiel mit Van­zeir habe beob­ach­ten kön­nen, der ihm sechs Tore auf­leg­te. Schwä­chen hat­te Undav in Bel­gi­en im Kopf­ball­spiel gehabt, gleich­zei­tig hät­ten ihn inter­es­san­ter­wei­se Abwehr­feh­ler des Geg­ners aus dem Kon­zept gebracht. In Brigh­ton wur­de er wie erwähnt häu­fig als Mit­tel­stür­mer ein­ge­setzt, wobei auch Scott und Jim beto­nen, dass er in der Lage sei, als zwei­te Spit­ze zu agie­ren, wäh­rend er auf der 10 Pro­ble­me gehabt habe. Ady sieht ihn eher als zwei­ten Stür­mer oder in einem 4–3‑3. Sei­ne größ­te Stär­ke sei sein Abschluss, Scott führt an, dass die Fans der Seagulls sol­che “cli­ni­cal strikes” nicht gewohnt sei­ne, weil der Club in der expec­ted goals-Sta­tis­tik jah­re­lang weit hin­ten lan­de­te. Gleich­zei­tig sei er aber auch gut im Spiel­auf­bau und dabei, freie Räu­me zu fin­den. Jim betont, dass er sei­ne Stär­ken vor allem im eins gegen eins im Sta­f­raum habe und über einen sehr guten Abschluss ver­fü­ge. Wich­tig sei, dass er im Straf­raum zu Chan­cen kom­me unter­strei­chen alle drei Exper­ten, sein ers­ter Gedan­ke im Sech­zeh­ner sei immer “Kann ich tref­fen?”, ergänzt Ady, sein ers­ter Kon­takt sei aller­dings noch aus­bau­fä­hig, Jim zufol­ge sei sein Kopf­ball­spiel auch in Brigh­ton nicht unbe­dingt bes­ser gewor­den, er sei zudem auch nicht unbe­dingt der Schnells­te, so Jésus.

Die Stimmung muss passen

Viel, das wird in allen Gesprä­chen deut­lich, hängt bei Undav von sei­nem Selbst­be­wusst­sein und sei­ner Zufrie­den­heit ab. Scott unter­streicht das mit dem eng­li­schen Aus­druck “chalk or cheese”: Ent­we­der er ist rich­tig gut vor dem Tor oder rich­tig schlecht. Alle Exper­ten sind sich jedoch einig, dass er auch bei sei­ner Rück­kehr nach Deutsch­land in der Bun­des­li­ga tref­fen kann — wenn die Rah­men­be­din­gun­gen stim­men. Die­se Abhän­gig­keit von äuße­ren Umstän­den kann eine Schwä­che sein, nach allem was ich in den letz­ten Jah­ren von der Mann­schaft im Brust­ring gese­hen habe, soll­te Zusam­men­halt aller­dings kein Pro­blem sein, egal wer auf dem Platz steht. Es loh­ne sich auf jeden Fall, so Sté­pha­ne, Geduld mit ihm zu haben. Wie Scott unter­streicht, soll­te die Bun­des­li­ga auch Undavs Heim­weh kurie­ren, selbst wenn er in Deutsch­land nie so weit süd­lich gespielt hat. Sei­ne Pro­phe­zei­ung: “If Stutt­gart has some good kebab shops, then expect big things from Undav!” In Brigh­ton, so Ady, möch­te man ihn jeden­falls nicht gehen las­sen.

Undav hat unlängst auch den Wunsch geäu­ßert, sich für die Euro­pa­meis­ter­schaft im kom­men­den Jahr zu emp­feh­len — even­tu­ell spielt das auch eine Rol­le, in eine schwä­che­re Liga und und zu einem schwä­che­ren Team als Brigh­ton in der Pre­mier League zu gehen. Betrach­tet man die bis­he­ri­ge Tran­fer­stra­te­gie des VfB, so wird deut­lich, dass die größ­te Ver­än­de­run­gen nicht per­so­nel­ler Natur sein wird, auch wenn bis­her mit Jeong, Lewe­ling und eben Undav vor allem die Offen­si­ve gestärkt wur­de. Es wird aber viel mehr dar­auf ankom­men, noch häu­fi­ger in noch bes­se­re Schuss­po­si­ti­on zu kom­men. Von den Qua­li­tä­ten her ähneln sich Gui­ras­sy und Undav sehr, auch wenn sie auf unter­schied­li­chen Posi­tio­nen behei­ma­tet sind. Die Her­aus­for­de­rung für Spie­ler wie Füh­rich, Jeong, Lewe­ling oder Mil­lot wird in der kom­men­den Sai­son dar­in bestehen, Wege in den Straf­raum zu fin­den, um zum einen die Abhän­gig­keit von dem Spie­ler auf der Neun zu redu­zie­ren und zum ande­ren mit Undav eben einen ganz neu­en Stür­mer­ty­pen ein­zu­bin­den — oder eben ihn auf der Neun anzu­spie­len.

Sinnvolles Mittel zum Zweck

Natür­lich ist eine Lei­he immer nur eine Lösung auf Zeit — oder eben auch nicht, wie wir bei Tia­go Tomás beob­ach­ten konn­ten, des­sen Ver­pflich­tung für die von Sport­ing auf­ge­ru­fe­ne Sum­me unver­ant­wort­lich gewe­sen wäre. Auch in zwölf Mona­ten wird der VfB, soll­te er nicht über­ra­schend in die Cham­pi­ons League stür­men, nicht in der Lage sein, Undav fest zu ver­pflich­ten. Lei­hen kön­nen immer nur Mit­tel zum Zweck sein. In die­sem Fall geht es dar­um, den Ver­ant­wort­li­chen mehr Pla­nungs­si­cher­heit und damit Mann­schaft und Ver­ein mehr Sta­bi­li­tät zu ver­schaf­fen, wenn viel­leicht der Klas­sen­er­halt nicht erst Ende Mai oder gar im Juni fest­steht. Gleich­zei­tig muss eine Lösung gefun­den wer­den, wie der VfB nach den bei­den in die­ser Hin­sicht ver­hee­ren­den Spiel­zei­ten wie­der als Mann­schaft mehr Tor­ge­fahr aus­strah­len kann. Sei es durch ein star­kes offen­si­ves Mit­tel­feld oder eben über einen Nach­fol­ger für Gui­ras­sy und/oder Undav, der sich zur Abwechs­lung mal län­ger­fris­tig an den VfB bin­det. Den­noch: Selbst als Mit­tel zum Zweck scheint die Lei­he von Deniz Undav kurz­fris­tig eine sinn­vol­le Lösung und im bes­ten Fal­le ein klu­ger Schach­zug zu sein. Den­noch ist nicht nur in der Abwehr­ket­te, son­dern auch im Angriff wei­ter Geduld gefragt — bis zum 20. August, even­tu­ell sogar noch elf Tage län­ger. Viel­leicht hat ja unser Neu­zu­gang bis dahin wie­der sei­nen alten Tore­schnitt in Angriff genom­men.

Titel­bild: © Juli­an Finney/Getty Images

4 Gedanken zu „Neu im Brustring: Deniz Undav“

Schreibe einen Kommentar

Rund um den Brustring
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.