Neu im Brustring: Darko Churlinov

Nach Niko­las Nar­tey ver­pflich­tet der VfB mit Dar­ko Chur­li­nov erneut einen jun­gen Spie­ler vom 1. FC Köln. Wir haben uns mit einen FC-Exper­ten über ihn unter­hal­ten.

Wie schon bei Nar­tey stand uns auch dies­mal Tho­mas (@koelnsued), Chef­re­dak­teur bei effzeh.com für Fra­gen zur Ver­fü­gung. Chur­li­nov wur­de im Juli 2000 in der maze­do­ni­schen Haupt­stadt Skop­je gebo­ren (Maze­do­ni­en heißt mitt­ler­wei­le Nord­ma­ze­do­ni­en) und wech­sel­te 2014 in die Nach­wuchs­ab­tei­lung von Han­sa Ros­tock. In der dar­auf fol­gen­den Sai­son wech­sel­te er zum 1. FC Mag­de­burg, bevor es 2016 wei­ter nach Köln ging. 

Rund um den Brust­ring: Chur­li­nov kam ja 2016 aus Mag­de­burg in den Nach­wuchs des FC. Hat man ihn da schon wahr­ge­nom­men, er abseh­bar, dass er jemand für die ers­te Mann­schaft sein könn­te?

Tho­mas: Nein, das war damals noch ganz und gar nicht abseh­bar. Sei­ne Ver­pflich­tung war auch kein gro­ßes Ding, son­dern lief unter fer­ner lie­fen. Auch wenn der FC mei­nes Wis­sens damals pro­mi­nen­te­re Mit­be­wer­ber aus dem Feld geschla­gen hat, um Chur­li­nov ans Geiß­bock­heim zu holen.

Wie hat er sich im Nach­wuchs­be­reich geschla­gen?

Dar­ko war, nach­dem er zunächst ein­mal von einer feh­len­den Spiel­be­rech­ti­gung und einer Ver­let­zung aus­ge­bremst wur­de, von Beginn an Leis­tungs­trä­ger in den Jugend­mann­schaf­ten des 1. FC Köln. Die Leis­tungs­da­ten spre­chen eine kla­re Spra­che – schon als B‑Jugendlicher hat er in der U19-Bun­des­li­ga glän­zen kön­nen. Und auch wenn die Zah­len im zwei­ten Jahr etwas schwä­cher wur­den: Chur­li­nov war stets ein wich­ti­ger Fak­tor für die erfolg­rei­che A‑Jugend der „Geiß­bö­cke“. Spä­tes­tens im letz­ten Jahr im Jugend­be­reich hat er gezeigt, was für ein rie­si­ges Talent er ist.

Wie wür­dest Du sei­ne Spiel­wei­se beschrei­ben und auf wel­cher Posi­ti­on ist er am Bes­ten auf­ge­ho­ben?

Chur­li­nov ist im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes ein ech­ter Stra­ßen­ki­cker. Er macht gera­de im Dribb­ling wil­de Din­ge, die sich nicht vie­le zutrau­en. An Selbst­ver­trau­en man­gelt es ihm nun wahr­lich nicht. Auch wenn er offen­siv jede Posi­ti­on über­neh­men kann, ist er zumeist auf dem lin­ken Flü­gel zuhau­se. Dort ist Dar­ko mit sei­ner Stär­ke im Eins-gegen-Eins, sei­ner Schnel­lig­keit und sei­nen Qua­li­tä­ten im Abschluss in mei­nen Augen am sinn­volls­ten ein­ge­setzt.

Er debü­tier­te die­se Sai­son am ers­ten Spiel­tag in der Bun­des­li­ga. Traust Du ihm zu, sich dort durch­zu­set­zen, soll­te er mit uns auf­stei­gen?

Ja, mit­tel­fris­tig hat er defi­ni­tiv das Poten­zi­al, in der Bun­des­li­ga eine Rol­le zu spie­len. Doch die­ses Poten­zi­al muss in Stutt­gart erst noch geho­ben wer­den – man­gels Mög­lich­kei­ten konn­te er beim FC nicht zei­gen, ob es schon jetzt für höhe­re Wei­hen rei­chen könn­te. Dar­ko hat gewal­tig Luft nach oben. Im Defen­siv­ver­hal­ten, im Spiel ohne Ball, in der Kör­per­lich­keit und auch bei der Tech­nik. Doch wenn es der VfB schafft, Chur­li­novs PS auf die Stra­ße zu brin­gen, dann kann ich euch nur gra­tu­lie­ren.

Was sind sei­ne Stär­ken und Schwä­chen?

Im direk­ten Duell mit den Ver­tei­di­gern traut er sich eine Men­ge zu und macht durch­aus ver­rück­te und über­ra­schen­de Din­ge. In mei­nen Augen kann er ein rich­ti­ger Game­ch­an­ger sein, der mit einer Akti­on ein Spiel für sein Team ent­schei­det. Die­se Unbe­küm­mert­heit muss aber in die rich­ti­gen Bah­nen gelenkt wer­den – genau­so wie sei­ne Emo­tio­na­li­tät. Er ist kei­ne Diva, son­dern ackert für sei­ne Mann­schaft. Aber: Dar­ko ist durch­aus hitz­köp­fig und hat auf dem Platz sei­nen eige­nen Kopf. Auch wenn das Bild schon kom­plett abge­grif­fen ist: Chur­li­nov ist ein Roh­dia­mant, der für den Pro­fi­be­reich vor allem tak­tisch noch geschlif­fen wer­den muss. Indi­vi­du­ell hat er alle Mög­lich­kei­ten – er muss sie ein­zu­set­zen wis­sen.

Er hat bis jetzt 9 Spie­le für Eure Zwei­te in der Regio­nal­li­ga absol­viert und dabei 6 Tore geschos­sen, in der Bun­des­li­ga kam er nicht mehr zum Ein­satz seit sei­nem Debüt. Es war zu lesen, er habe sich gewei­gert, in der zwei­ten Mann­schaft zu spie­len. Was hat es damit auf sich, ist das der Grund für den Wech­sel?

Die Geschich­te ist ziem­lich kom­pli­ziert und ziem­lich ver­wor­ren. Eines dürf­te sicher sein: Die Ver­trags­ge­sprä­che zwi­schen dem FC und Chur­li­nov gin­gen in die Hose. Über das „War­um“ scheint dage­gen kei­ne Klar­heit zu herr­schen. Der Ver­ein ließ die­se Wei­ge­rungs­ge­schich­te durch­si­ckern, aus dem Umfeld des Spie­lers ist von „feh­len­der Per­spek­ti­ve“ die Rede. Dass es letzt­lich nicht gelang, die Kuh vom Eis zu holen, hat allen Betei­lig­ten gescha­det. Aber das ist in Köln lei­der nichts Neu­es.

Wie sind die Reak­tio­nen in Köln auf sei­nen Wech­sel?

Es gibt sicher eini­ge, die extrem ent­täuscht sind, dass uns ein solch viel­ver­spre­chen­des Talent ver­lässt. Die Hoff­nun­gen waren nach den Auf­trit­ten in der Vor­be­rei­tung doch groß. Der Groß­teil folgt aber eher der Inter­pre­ta­ti­on, dass der undank­ba­re Youngs­ter unrea­lis­ti­sche For­de­run­gen gestellt hat und wir des­we­gen jetzt froh sein soll­ten, einen Que­ru­lan­ten los­ge­wor­den zu sein. Möge sich jeder selbst ein Bild machen.

Was gibt es sonst noch über ihn zu wis­sen?

Dar­ko ist der jüngs­te A‑Nationalspieler Nord­ma­ze­do­ni­ens. Im März 2017 debü­tier­te er beim Freund­schafts­spiel gegen Bela­rus im Alter von 16 Jah­ren für die Aus­wahl sei­nes Hei­mat­lan­des. Seit­dem ist aller­dings kein Ein­satz mehr hin­zu­ge­kom­men.

Dan­ke für das Gespräch!

Unse­re Ein­schät­zung: Ähn­lich wie Waman­gi­tu­ka bringt Chur­li­nov eine gewis­se Unbe­re­chen­bar­keit ins Offen­siv­spiel des VfB ein, was unse­ren zuletzt sta­ti­schen und leicht durch­schau­ba­ren Angrif­fen mit Sicher­heit hilft und viel­leicht auch im Sin­ne von Pel­le­gri­no Mat­a­raz­zo ist, der von sei­nen Spie­lern mehr Ver­ti­ka­li­tät for­dert. Gleich­zei­tig ist er aber, genau­so wie Waman­gi­tu­ka auch tak­tisch noch lan­ge nicht so weit, um sofort Stamm­spie­ler sein zu kön­nen — wie auch, mit 19 Jah­ren?

Bewertung erst langfristig möglich

Chur­li­nov passt damit in das Mus­ter der Ver­pflich­tun­gen von Sven Mislin­tat in der Som­mer­pau­se. Beden­ken hat­te ich zuletzt noch wegen sei­ner Wei­ge­rung, für die zwei­te Mann­schaft der Köl­ner zu spie­len, ein Schick­sal, dass ihm hier auch dro­hen könn­te. Mal schau­en, wie er damit umgeht. Zuletzt kann man natür­lich die Fra­ge stel­len, war­um man einen 19jährigen aus Köln holt, wenn die eige­ne U19 so glän­zend dasteht. Auch die­se Fra­ge muss sich Sven Mislin­tat gefal­len las­sen, wenn es für die eige­nen Jugend­spie­ler ledig­lich bei der Teil­nah­me am Trai­nings­la­ger bleibt. Auf der  ande­ren Sei­te weiß ich nicht, ob wir in der U21 oder U19 einen Außen­bahn­spie­ler ver­gleich­ba­rer Stär­ke haben. 

Wie auch immer: Die Ver­pflich­tung von Chur­li­nov ist einer jener Trans­fers, deren Wert wir wahr­schein­lich erst in der nächs­ten Sai­son wer­den sehen wer­den. Kurz­fris­tig wird Sven Mislin­tat wohl noch mal aktiv wer­den müs­sen, um das Offen­siv­spiel effek­ti­ver zu gestal­ten — oder Mat­a­raz­zo muss es den vor­han­de­nen Spie­lern bes­ser bei­brin­gen, als Tim Wal­ter es konn­te.

Titel­bild: © Getty/Bongarts 

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