Ein Schritt vor der Wand

Der VfB steht nach dem 2:0‑Auswärtssieg in Nürn­berg zwar tabel­la­risch schlech­ter da als vor­her, macht jedoch in der Kri­se einen klei­nen Schritt nach vor­ne.

Am Ende ist es ja irgend­wie alles egal: Platz 18, weil Düs­sel­dorf am Ende Ber­lin mit 4:1 abschießt. Die wenigs­ten geschos­se­nen Tore in der Liga, gemein­sam mit Schal­ke. Immer noch eine erbärm­lich schlech­te Bilanz für einen Ver­ein, der sich die­se Sai­son im Mit­tel­feld der Liga eta­blie­ren woll­te. Aber wenn Dei­ne Spie­ler, die Dich in den Vor­wo­chen noch zur Weiß­glut getrie­ben haben, Rich­tung Gäs­te­block ren­nen, freu­de­strah­lend jubelnd, weil sie gera­de das ers­te Tor seit über einem Monat geschos­sen haben und ihre gan­ze Erleich­te­rung und Freu­de her­aus­las­sen, zu einem Gäs­te­block der die nicht ganz unbe­rech­tig­te Angst hat­te, dass auch die­ses Spiel ein Fes­ti­val der ver­ge­be­nen Chan­cen wür­de und dem­entspre­chend ob des Tores aus dem Häus­chen ist, dann geht Dir ein­fach das Herz auf. Es war ein dre­cki­ger Arbeits­sieg, die­ses 2:0 in Nürn­berg und die Gesamt­si­tua­ti­on ist immer noch höchst pre­kär. Aber es war etwas fürs Herz.

Was für's Herz: Erik Thommy jubelt über das 2:0. Bild: © VfB-Bilder.de
Was für’s Herz: Erik Thom­my jubelt über das 2:0. Bild: © VfB-Bilder.de

VfB stabiler, Nürnberg am harmlosesten

Aber nicht nur im Posi­ti­ven. Zwar schlug es nach 90 Min­ten freu­dig erregt, wäh­rend des Spiels hat­te es aber doch den einen oder ande­ren Aus­set­zer. Als Nürn­berg dann doch ein paar Mal eini­ger­ma­ßen gefähr­lich vor dem Tor von Ron-Robert Zie­l­er auf­tauch­te. Oder als sich Mario Gomez und Chris­ti­an Gent­ner wie in den Wochen zuvor beim Ver­ge­ben von Tor­chan­cen gegen­sei­tig über­tra­fen. Immer­hin: Slap­stick-Ein­la­gen einer hüh­ner­hau­fi­gen Abwehr gab es dies­mal nicht zu bewun­dern. Das lag zum einen dar­an, dass Ben­ja­min Pavard und vor allem Timo Baum­gartl einen bes­se­ren Auf­tritt hin­leg­ten als zuletzt. Ob der kurz­fris­ti­ge Aus­fall von Hol­ger Bad­s­tu­ber, der Marc-Oli­ver Kempf wahr­schein­lich zu sei­nem Debüt für den VfB ver­half, zu die­ser ver­bes­ser­ten Defen­siv­leis­tung bei­trug, wie man es nach einem Arti­kel im kicker mei­nen könn­te, las­se ich mal dahin­ge­stellt.

Es lag aber zum ande­ren auch dar­an, und so ehr­lich müs­sen wir sein, dass Nürn­berg ein ziem­lich harm­lo­ser Geg­ner war: Under­stat berech­net nur 0,48 expec­ted goals. So einen nied­ri­gen Wert hat­te in die­ser Sai­son noch kein Geg­ner des VfB, am nächs­ten dran sind die Bre­mer, die aller­dings wesent­lich gefähr­li­cher wirk­ten und der BVB, der gna­den­los über­per­form­te, als er mit vier Schüs­sen aufs Tor vier Tore erziel­te. Das sieht auch Flo­ri­an Zen­ger in sei­ner Ana­ly­se auf Club­fans United so. Und so waren es dann jeweils zwei­te Bäl­le nach Ecken, die in die­sem Spiel den Unter­schied mach­ten. Viel­leicht war es auch die Bis­sig­keit des VfB, die auch der Glubb-Blog anspricht. Mei­nem Gefühl nach mach­te sich die aber eher defen­siv bemerk­bar, wäh­rend die Offen­siv­leis­tun­gen, wie bereits beschrie­ben, häu­fig schmerz­lich an die letz­ten Spie­le erin­ner­ten. Wenn Ihr Euch wun­dert, war­um ich die­ses Mal auch zwei Nürn­ber­ger Blogs zitie­re: Ich habe im Gäs­te­block schlicht­weg nicht genug vom Spiel mit­be­kom­men, um bei­spiels­wei­se das Pres­sing des VfB genau­er bewer­ten zu kön­nen.

Hauptsache Tor

Erneut war eine fünfstellige Zahl an VfB-Fans im Max-Morlock-Stadion. Bild: © VfB-Bilder.de
Erneut war eine fünf­stel­li­ge Zahl an VfB-Fans im Max-Mor­lock-Sta­di­on. Bild: © VfB-Bilder.de

Zwei Aus­nah­men gab es in der Offen­si­ve. Bei­des mal wur­de der Ball nach einer VfB-Ecke zu kurz und zu sehr in die Mit­te abge­wehrt. Und bei­de Male stan­den dort, anders als sonst so häu­fig, VfB-Spie­ler zum rich­ti­gen Zeit­punkt am rich­ti­gen Ort, was viel­leicht doch ein ganz klei­nes biss­chen dafür spricht, jeman­den anzu­stel­len, der sich auf Stan­dards kon­zen­triert, ohne da jetzt direkt einen Zusam­men­hang her­stel­len zu wol­len. Sie hat­ten zudem end­lich auch mal die nöti­ge Por­ti­on Glück. Timo Baum­gartls ers­tes Bun­des­li­ga-Tor wur­de am Ende noch von Tor­hü­ter Chris­ti­an Mathe­nia abge­fälscht und Erik Thom­my brach­te vor sei­nem traum­haf­ten Kano­nen­schuss in den Win­kel des Tor­net­zes den Ball auf eine Art und Wei­se unter Kon­trol­le, die ange­sichts der der­zeit vogel­wil­den Aus­le­gung der ent­spre­chen­den Regel durch­aus als Hand­spiel hät­te gewer­tet wer­den kön­nen. Wie schon ein­gangs beschrie­ben: Scheiß­egal. Zwei Mal Schuss, zwei Mal Tor, zwei Mal Sprint in die Süd­kur­ve.

Wo 10.000 Stutt­gar­ter war­te­ten. Für den Tabel­len­letz­ten mit nur einem Sieg aus elf Pflicht­spie­len eine beein­dru­cken­de Zahl. Aber — und viel­leicht bin ich noch immer zu berauscht von der zwei­ten Halb­zeit gegen Frank­furt — fas­zi­niert war ich dies­mal irgend­wie nicht ganz so. Dafür hab ich mir am Sams­tag­abend auf Twit­ter noch eini­ges anhö­ren müs­sen, aber viel­leicht habe ich es auch schlecht for­mu­liert. Die Stim­mung war gut, sie kam schein­bar an den Fern­seh­ge­rä­ten zu Hau­se auch wie Heim­spiel­stim­mung rüber. Aber ich hät­te mir in die­sem mut­maß­li­chen Alles-oder-Nichts-Spiel mit einer sol­chen Men­ge an Aus­wärts­fah­rern irgend­wie mehr, for lack of a bet­ter word, Bums erwar­tet. Je wei­ter man im Block nach hin­ten schau­te, des­to ruhi­ger wur­de es und es macht auch irgend­wie kei­nen Spaß, wenn mal etwas aus­ge­fal­le­ne­re Gesän­ge wie “Oh, wie ist das schön” — mei­ner Mei­nung auf eine bestimm­te Art und Wei­se der Situa­ti­on ange­mes­sen — vom ewi­gen “Jaaaaa, der VfB” über­tönt wer­den. Das sind halt Fluch und Segen einer so gro­ßen Mas­se und ja, ich weiß, das letz­te Spiel in Nürn­berg war was ande­res. Sei es drum, ich will hier nicht das Haar in der Sup­pe suchen, son­dern den mir hier zur Ver­fü­gung ste­hen­den Platz nut­zen, um mei­ne Gedan­ken dazu zu erläu­tern. Beim Ver­ti­kal­pass liest sich das auch ganz anders, war halt mei­ne sub­jek­ti­ve Sicht­wei­se.

Kleiner Schritt

Es ist nur ein kleiner Schritt nach vorne, aber es ist einer. Bild: © VfB-Bilder.de
Es ist nur ein klei­ner Schritt nach vor­ne, aber es ist einer. Bild: © VfB-Bilder.de

Als mich Felix vom FCN-Pod­cast Total Beglubbt vor dem Spiel frag­te, ob der VfB mit dem Rücken zur Wand steht ant­wor­te­te ich ihm: Viel mehr an der Wand geht gar nicht (hier zum Nach­le­sen und hören). Und jetzt? Hat der VfB einen klei­nen Schritt von der Wand weg­ge­macht. Aber wirk­lich nur einen klei­nen Schritt. Denn dank des über­ra­schend hohen Sie­ges der For­tu­na sind wir immer noch Letz­ter. Zwar haben wir den Anschluss an die von uns Ver­folg­ten, wenn man es so nen­nen mag, wie­der her­ge­stellt, aber die nächs­ten Aus­wärts­spie­le haben es in sich: In Lever­ku­sen ringt ein Trai­ner wahr­schein­lich um sei­nen Job, wenn er ihn bis zum Ende der Län­der­spiel­pau­se noch nicht ver­lo­ren hat, in Mön­chen­glad­bach schießt sich gera­de jemand rich­tig warm und in Wolfs­burg rutscht man zwar gera­de in der Tabel­le wie­der etwas ab, ein­fach wird es dort aber auch nicht. Dazu Heim­spie­le gegen Augs­burg, Ber­lin und Schal­ke — bis zur Win­ter­pau­se auch nur in die Nähe der 20 Punk­te zu kom­men, wird ein har­tes Stück Arbeit. Dass die kom­men­den Geg­ner auch so harm­los auf­tre­ten wie der FCN darf eben­so bezwei­felt wer­den wie eine plötz­li­che Wie­der­ge­burt der Abwehr aus Gra­nit.

 TGIL (Thank God it’s Länderspielpause)

Viel­leicht kommt des­halb auch die Län­der­spiel­pau­se zur Abwechs­lung mal ganz recht. Der Sieg in Nürn­berg war nicht so über­zeu­gend, als ob man da irgend­ei­nen Schwung ins nächs­te Wochen­en­de hin­über ret­ten müss­te. Statt­des­sen soll­ten wir, ich hab es schon bei Ama­zon gesagt, die Zeit nut­zen, um die Ver­letz­ten, zu denen jetzt doch auch wie­der Pablo Maf­feo zählt, wie­der zu Kräf­ten kom­men zu las­sen. Abge­se­hen von Bor­na Sosa und Ber­kay Özcan, für die die Hin­run­de bereits been­det ist, könn­ten in Lever­ku­sen alle der­zeit ver­letz­ten Feld­spie­ler wie­der ein­satz­be­reit sein: Ana­sta­si­os Donis, Dani­el Dida­vi, Hol­ger Bad­s­tu­ber und mit Abstri­chen eben Maf­feo. 

Und viel­leicht, ganz viel­leicht über­rascht uns der VfB in zwei Wochen erneut und bringt ein der­zeit schwer aus­zu­rech­nen­des Bay­er Lever­ku­sen samt Trai­ner mit einer cou­ra­gier­ten Leis­tung und ein wenig Glück zu Fall. Viel­leicht über­rascht uns Wein­zierl mit einem wei­te­ren der der­zeit nur in begrenz­tem Maße vor­han­de­nen Juwe­len der VfB-Nach­wuchs­ar­beit, wie er es in die­sem Spiel mit Aido­nis getan hat. Die Licht­bli­cke sind da, aber sie sind klein und sie basie­ren vor allem auf der Hoff­nung, dass man vor dem Nürn­berg-Spiel die Tal­soh­le die­ser Sai­son bereits erreicht hat und dass es ab jetzt bes­ser wer­den muss, weil es nicht mehr schlech­ter wer­den kann. Hof­fen wir also wei­ter, dass der VfB sich irgend­wie in klei­nen Schrit­ten von der Wand weg­be­wegt, ohne dabei umzu­fal­len.

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