…und Du warst fasziniert!

Statt eines Rück­blicks auf das 0:3 gegen Frank­furt mal etwas posi­ti­ves: Eine Lobes­hym­ne auf die der­zeit ein­zi­gen Leis­tungs­trä­ger beim VfB.

 

You got me run­nin’ goin’ out of my mind
You got me thin­kin’ that I’m was­tin’ my time
Don’t bring me down, no no no no no

Elec­tric Light Orches­tra, Don’t bring me down

Ich könn­te an die­ser Stel­le über das schrei­ben, was am Frei­tag­abend gegen Ein­tracht Frank­furt auf dem Platz pas­siert ist. Ich könn­te mich auf­re­gen: Über die Art und Wei­se, wie sich die­se “Mann­schaft” Woche für Woche abschlach­ten lässt. Über die Arro­ganz, die fal­schen Ver­spre­chun­gen und die Lügen von Prä­si­dent Wolf­gang Diet­rich. Über die Über­heb­lich­keit und die Dumm­heit von Micha­el Resch­ke. Die Chro­nis­ten­pflicht wird die­ses Wochen­en­de aber Jan­nick über­neh­men, über Wolf­gang Diet­rich wer­de ich zu gege­be­ner Zeit etwas los­wer­den.

Ich möch­te statt­des­sen an die­ser Stel­le mal etwas Posi­ti­ves anspre­chen und jene loben, die als ein­zi­ge am Frei­tag­abend Leis­tung brach­ten. 

Lie­be Cannstat­ter Kur­ve,

wir sind nicht immer einer Mei­nung. Ich fin­de, dass Du nicht allena­se­lang “Jaaaaaaa, der VfB” anstim­men musst, nur weil den Text wirk­lich jeder auch mit dem Kopf vol­ler Hof­bräu noch mit­sin­gen kann. Und wenn wie­der ein­mal irgend­ein geg­ne­ri­scher Spie­ler meint, direkt vor Dir sein Tor zu fei­ern, dann könn­test Du ruhig mal ein wenig eska­lie­ren. Aber es gibt auch die­se magi­schen Momen­te, in denen Du genau das Rich­ti­ge tust. Wenn Du einen jun­gen Timo Baum­gartl trös­test, der gera­de von Mar­co Reus düpiert wur­de. Oder einen Nicolás Gon­zá­lez, der par­tout das Tor nicht trifft. Wenn Du eine Mann­schaft antreibst, die zeigt, dass sie will, so wie im Abstiegs­kampf 2015. Oder so wie am Frei­tag.

Als es gegen Ein­tracht Frank­furt zur Halb­zeit bereits 0:2 stand, der VfB in den letz­ten drei Spie­len zehn Gegen­to­re kas­siert hat­te und die Mann­schaft mit einem gel­len­den Pfeif­kon­zert in die Kabi­ne geschickt wur­de. Als die Stim­mung zu kip­pen und die zwei­te Halb­zeit eine drö­ge und frus­trie­ren­de Ange­le­gen­heit zu wer­den droh­te. Du hast Dich nicht dem Spiel unten auf dem Rasen ange­passt — wie Du es zuge­ge­be­ner­ma­ßen manch­mal tust — und Dich nicht in den frei­tag­nächt­li­chen Schlaf gesun­gen. Du hast dich nicht von der Mann­schaft run­ter­zie­hen las­sen, wie es Elec­tric Light Orches­tra besin­gen. Nein, Du hast Dich Dir sel­ber zuge­wandt und den größ­ten Teil der zwei­ten 45 Minu­ten lang die bes­te Stim­mung seit lan­gem gemacht.

Sicher­lich kann man drü­ber strei­ten, ob es der Mann­schaft hilft, wenn man ihr den Rücken zuwen­det. Dann muss man sich aber auch fra­gen, ob es uns hilft, sich die­se Schei­ße anzu­schau­en und ver­geb­lich zu hof­fen, dass irgend­wie doch ein Tor für den VfB fällt. Wir hät­ten die zwei­te Halb­zeit in einer Lau­ne ver­brin­gen kön­nen, die dem Tabel­len­platz und dem Zustand des Ver­eins ange­mes­sen sind. Statt­des­sen hat­ten wir — ganz über­ra­schend — Spaß und haben damit das Bes­te aus die­ser betrüb­li­chen Situa­ti­on raus­ge­holt. Wir sin­gen neu­er­dings die­ses eine Lied über Dich. Dies­mal trifft es zu: Ich war fas­zi­niert.

Und es war nicht nur befrei­end, sich nicht über jeden Fehl­pass auf­re­gen zu müs­sen, weil man ihn eben nicht gese­hen hat. Es war vor allem auch laut. Es war Leben im Sta­di­on, es war Ener­gie da. Mögen Spie­ler und Ver­eins­füh­rung ein noch so jäm­mer­li­ches Bild abge­ben — den Trai­ner neh­me ich da selbst­ver­ständ­lich aus — der Ver­ein tut es nicht. Denn so pathe­tisch das klin­gen mag: Der Ver­ein sind nicht jene, die kom­men und gehen, son­dern jene die blei­ben. Die mehr Herz­blut für die­sen Ver­ein auf­brin­gen als jene, die dafür fürst­lich bezahlt wer­den: Die Fans.

Natür­lich nicht nur die in der Cannstat­ter Kur­ve. Wenn an einem Frei­tag­abend Anfang Novem­ber das Neckar­sta­di­on fast aus­ver­kauft ist, dann gehen jedem, der vom schwie­ri­gen Stutt­gar­ter Umfeld schwa­dro­niert, die Argu­men­te aus. Ganz abge­se­hen davon, dass von den vier ande­ren Heim­spie­len drei aus­ver­kauft waren und selbst an einem Mitt­woch­abend gegen Düs­sel­dorf nur 4.000 v0n 58.000 Plät­zen frei blie­ben.

Um es kurz zu machen: Dan­ke Cannstat­ter Kur­ve, für die­sen Abend. Dan­ke, dass Du allen zeigst, war­um der VfB in die Bun­des­li­ga gehört.

Auch der Ver­ti­kal­pass hat zur Schreib­fe­der gegrif­fen — und gleich meh­re­re Brie­fe an die sport­lich Ver­ant­wort­li­chen geschickt. Und auch VfBein­le­ben­lang befasst sich aus­führ­lich mit der sport­li­chen Situa­ti­on.

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