Der alltägliche Sexismus im (Neckar-)Stadion

Sexismus im Fußball ist ein Thema, über das nicht gerne gesprochen wird. Für Frauen im Stadion ist die Angst vorm nächsten Grabscher allgegenwärtig, für Männer ist das Thema häufig unangenehm und es wird klein geredet, abgetan oder verniedlicht. Gleich zwei Spiele in der jüngesten Vergangenheit haben gezeigt, dass auch beim VfB Sexismus nicht nur „heimlich“ allgegenwärtig ist, sondern von einer Ultragruppe offensiv nach außen getragen wird.

TEIL 1: Sexismus ist auch im Neckarstadion an der Tagesordnung

TEIL 2: Sexismus ist im Fußballstadion alltäglich

TEIL 3: Forderungen und Lösungsmöglichkeiten – für Fans und Verantwortliche

TEIL 4: Persönlicher Kommentar


TEIL 1: Sexismus ist auch im Neckarstadion an der Tagesordnung

[CN: Sexualisierte Gewalt; Triggerwarnung: anschauliche Beschreibungen von Übergriffen]

Im Spiel gegen Heidenheim zeigten die Ultras der Südbande ein sexistisches Banner gegenüber der weiblichen Heidenheimer Ultra-Gruppierung Societas und im Spiel gegen St. Pauli legten sie gegenüber den Heimfans nach. Den Inhalt möchte ich hier nicht wiederholen, er ist hinlänglich bekannt. Die Banner sorgten aber für eine deutliche Reaktion des VfB, des Vorstandsvorsitzenden und des neu gewählten Präsidenten, die sich in einem Statement gegen Sexismus aussprachen.

Über zukünftige (oder vergangene) Projekte gegen Sexismus seitens des VfB ist jedoch nichts bekannt und so wirkt die Aktion trotz dem, dass sie sicher gut gemeint war, ein klein wenig wie Aktionismus. Denn abgesehen von dem offensichtlichen Sexismus, der auf den Bannern zur Schau gestellt wird, sind auch im Neckarstadion sexistische Kommentare und sexualisierte Gewalt (Grabschen, Tatschen, mehrfache anzügliche Kommentare) an der Tagesordnung.

Auch im Pokalspiel gegen Leverkusen waren neben rassistischen Kommentaren (die nicht weniger schlimm sind, aber nicht Gegenstand des Artikels) gegenüber Clinton Mola, dem Debütanten, sexistische Kommentaren gegenüber der Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus zu hören:

„Shivasam1893“ schreibt darüber hinaus noch davon, dass Steinhaus als „Fotze“ beleidigt worden sei und „die will doch nur Bredlow und Mangala flachlegen“, begleitet von höhnischen Kommentaren, „ach Bibi, sei doch nicht so streng“.

Das ist übrigens nicht erst seit gestern Thema, siehe einem Tweet von 2016 (!), als Steinhaus ein Spiel gegen Heidenheim im Neckarstadion pfiff:

Es gibt tausende Beispiele für Sexismus unter Fußballfans:

„Ganz selbstverständlich scheinbar. Eine junge Frau wird im Schalke-Fanblock von einem Mann begrabscht. Seine Freunde sollen belustigt zugesehen haben. Der Ordner, bei dem die Frau Hilfe sucht, soll gesagt haben, sowas passiere schon mal. In einem Sonderzug mit Borussia-Mönchengladbach-Fans soll laut Anklageschrift Anfang vergangenen Jahres eine 19-Jährige vergewaltigt worden sein. […] Reisebusse halten für sie nicht an ordentlichen Toilettenhäuschen, Ultra-Anführer übergeben ihnen die für sie wertvolle Gruppenfahne, weil sie sich sicher sind, dass Frauen von anderen Fans nicht überfallen werden.“ (Deutschlandfunk)

Und natürlich ist das Neckarstadion keine Ausnahme. So schreiben weibliche Stuttgart Fans über ihre Erlebnisse:

Auf den ersten Tweet gab es vonseiten der VfB-Community eine ganze Menge Zuspruch und Bedauern, aber das Problem sind natürlich nicht die vielen Guten, sondern die wenigen Schlechten, denen man Einhalt gebieten muss.

Begriffserklärung: Worum geht es eigentlich?

Zunächst zur Begrifflichkeit: Es geht hier um sexualisierte Gewalt – alle Handlungen, „die ohne Zustimmung oder gegen den Willen einer Person ausgeübt werden“ (Leitfaden) – das können körperliche Übergriffe sein oder auch rein verbale Belästigungen. Eben alles, was die Person nicht will und genau diese Person ist letztlich dafür ausschlaggebend, ob es sexualisierte Gewalt ist oder nicht; die Grenzen sind nicht klar gezogen, es kommt auf das jeweilige Empfinden und die Person an; was für manche schon sexualisierte Gewalt ist, finden andere nicht so schlimm. Das hat aber ausschließlich die betroffene Person zu beurteilen, keine Beobachter*innen und schon gar nicht die ausübende Person.

Es gibt unzählige Erlebnisberichte aus der Stuttgarter Fanszene

Um etwas gegen Sexismus beim VfB zu unternehmen, gilt es, zunächst Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen. Als weißer Cis-Mann bin ich persönlich davon überhaupt nicht betroffen, zumindest, solange ich selbst nicht Täter bin, deswegen habe ich mit denen gesprochen, die es betrifft: Den Frauen, die sich den VfB im Neckarstadion anschauen.

Da ist zum einen Gina (@snowwhizzl), die der ein oder andere eventuell vom VfB-Becherpfand kennen könnte:

 „Abgesehen von dem angesprochenen Hinterngrabscher [siehe Tweet] sind auch im Block diverse Berührungen schon des Öfteren passiert, natürlich ist das für diejenigen, von denen solche Aktionen ausgehen, eine optimale Umgebung. Da hast du ja eh teilweise kaum Platz zum Atmen, man kann gar nicht ausmachen, woher die Hand jetzt in dem Moment kam.

Auf dem Weg zum Stadion (ohne männliche Begleitung) kam die Frage von einem dickbauchigen Mittvierziger, ob ich nicht auf seinem Schoß sitzen will. Was ich aber mindestens genauso nervig finde, sind eben diese Aussagen, die man an den Kopf geworfen bekommt, wenn man sich erlaubt, als Frau die Aussage „ich mag Fußball“ zu tätigen. Da ist dann eben die komplette Palette an Reaktionen mehrfach aufgetreten. Das reicht von „Du gehst da doch bestimmt nur hin, um die Typen zu bestaunen“ (sorry, dafür bin ich dann doch zu sehr Schwabe, dass ich nur zum Männer gucken Geld für ein Ticket ausgeben würde), bis hin zu irgendwelchen Möchtegern-Quizfragen um herauszufinden, ob ich’s ernst meine und mich wirklich auskenne „oder nur den Typ beeindrucken will“, bis hin eben zu dem Standard-Machogelaber, dass Frauen in der Kurve nix zu suchen hätten. Und am allermeisten nervt mich daran, dass es nicht KSC-, Bayern oder sonstige Fans sind, sondern die von unserem Verein.“

Sarah (unter anderem Podcasterin beim Brustringtalk und Verfasserin des Tweets von oben) hat ebenfalls einige Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt gemacht:

„Im Gedränge vorm Palm Beach bspw. oder auch im Block kommt das immer mal wieder vor, dass man plötzlich angegrabscht wird – und ja, es gibt einen Unterschied zwischen “es ist Gedränge und ich komme aus Versehen mit meiner Hand gegen dich” und “ich nutze das Gedränge, um dich bewusst anzugrabschen”. Diesen Unterschied bemerkt man als Frau. Leider können die Täter in den Fällen auch sehr schnell im Gedränge wieder verschwinden, bevor man überhaupt realisiert, was passiert ist.

Extremere Beispiele, die mir passiert sind:
2018, Gästeblock in Dortmund: Der Mann der hinter mir steht, fängt plötzlich an, mir den Rücken zu massieren. Auf Aufforderung hört er auf, fängt später nochmal an. Auf erneute Aufforderung hört er dann ganz auf – ich war mit gerade so 19 damals noch so unsicher, dass ich einfach nichts zu den Umstehenden gesagt habe. Bereue ich bis heute, aber man reagiert nicht so schnell wie man das gerne würde in solchen Situationen.


2019, Gästeparkplatz Regensburg: Ein älterer Mann klatscht mir im Vorbei gehen einen Sticker auf die Brust. Ich rufe ihm hinterher, er lacht nur.


2020, vorm Gästeblock in St. Pauli: Ein älterer Mann nennt mich Mausi und grabscht mir an den Hintern, ist weg, bevor ich etwas sagen kann. Nach dem Spiel fasst mir irgendjemand im Vorbeilaufen von hinten unters Shirt – bis ich bemerkt habe, dass das nicht mein Freund war, sehe ich nur noch eine Gruppe junger Männer im Gedränge verschwinden und sich für dieses Angrabschen gegenseitig feiern.“

Und auch Ute (vfb-bilder.de) hat nicht nur positive Erfahrenung mit den Fans des eigenen (!) Vereins gemacht:

Von Grabschereien bin ich bislang glücklicherweise verschont geblieben. Lediglich eine einzige Situation war mir extrem unangenehm: vor einigen Jahren stand ich in Freiburg im Stadion, mit meinem Freund und einigen anderen Freunden. Ein augenscheinlich normaler Fußballfan kam auf mich zu, etwa Anfang/Mitte 20, und fragte mich, ob ich „die Ute“sei. Ich dachte, er kennt mich vielleicht von der SWR-Dokumentation aus dem Jahre 2014, von Instagram oder von Twitter. Ich bejahte, woraufhin er mir sagte, er habe mit seinem Kumpel eine Wette laufen. Er würde mir für ein Beweisfoto an die Brüste fassen und dadurch 100 € von seinem Kumpel bekommen. Im ersten Moment war ich ganz perplex und wusste nicht, was ich sagen sollte. Das übernahmen meine Freunde, denen ich dankbar war. Sie scheuchten ihn weg, mit einer eindeutigen Wortwahl. Mein Freund, der dabei stand, meinte später, wäre nicht so viel Polizeipräsenz gewesen, hätte er ihm eine mitgegeben. Ich selbst war nicht in der Lage, mich adäquat zur Wehr zu setzen. Der Schock-Moment ist unfassbar groß.

Das sind nur Einzelaufnahmen von drei Frauen. Ich habe für den Artikel nicht drei Frauen angeschrieben, von denen ich wusste, dass sie bereits sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren, sondern drei Frauen, von denen ich wusste, dass sie häufiger ins Stadion gehen und sie gefragt, ob sie schon Erlebnisse mit sexualisierter Gewalt gemacht haben – und alle drei hatten es.

Und obwohl Frauen im Stadion nicht selten sind, werden sie nicht ernst genommen, fühlen sich, als müssten sie sich für ihr Interesse für Fußball rechtfertigen und müssen auch noch fürchten, als „Zicke“ oder „Emanze“ abgestempelt zu werden, wenn sie etwas dagegen unternehmen.

Gina: Angst [etwas zu sagen] habe ich nicht, weil ich mittlerweile das nötige Selbstbewusstsein habe, mir einfach nichts in diese Richtung gefallen zu lassen und dabei auch meinen Mund aufmache. Es ist aber natürlich immer leicht, eine Frau als Zicke oder ähnliches abzustempeln, wenn man nie selbst so eine Situation erlebt hat und es aufgrund seines Geschlechts auch vermutlich niemals wird. Und kein Mensch hat das Recht, eine negative Emotion, die die betroffene Person in dem Moment dann auf jeden Fall fühlt, abzutun, einem zu sagen wie man stattdessen zu fühlen hat oder es in irgend einer Form be- oder abzuwerten.

Sarah sagt dazu:

„Sexistische Kommentare sind so gang und gäbe im Stadion, dass ich sie oftmals nicht mal mehr bemerke. Das reicht von “Hey, bist du nur wegen deinem Freund da” über “du schaust Fußball wegen den schönen Männern”, “gehst du ins Stadion, um Männer zu beeindrucken” bis zum bloßen Erstaunen, dass ein weibliches Wesen freiwillig das Stadion betritt. Bei Letzteren versuche ich ab und zu noch, ihnen zu erklären, dass es in der heutigen Zeit ganz normal ist, dass eine Frau ganz freiwillig und selber Fußball schaut. Bei wirklich dummen Kommentaren oder “Witzen” habe ich aber schon aufgegeben. Wenn dir nicht sofort eine schlagfertige Antwort einfällt, kannst du das bei solchen Typen vergessen. Die haben meistens noch ihre Freunde dabei und feiern sich für solche Bemerkungen total ab, wenn du da was sagst, wirst du nur als humorlose Zicke dargestellt. Habe auch schon Antworten wie “ach, haste deine Tage” oder “is gut, dass du im Stadion bist, brauchst anscheinend mal wieder einen Mann, der dich rannimmt” bekommen, als ich versucht habe, mit solchen Idioten zu diskutieren.
Traurig ist, dass es bei solchen Typen oft nur hilft, wenn ein anderer Mann etwas entgegnet. Wenn mein Freund beispielsweise dann etwas gesagt hat, hat das immer mehr gebracht und es wurde sich für den “dummen Witz” entschuldigt, es wurde zur Entschuldigung Bier ausgegeben etc. Ich denke, dass Männer mit so einer Denkweise sich die Antworten überhaupt nur zu Herzen nehmen, wenn ein anderer Mann etwas sagt – so traurig und sexistisch das auch ist.“

Ute:

“Ich gehe jetzt seit 13 Jahren ins Stadion und habe das große Glück, dass sich sexistische Kommentare von Angesicht zu Angesicht in Grenzen halten. Das mag daran liegen, dass ich vermutlich nicht das typische „Beuteschema“ des normalen Durchschnittsproleten erfüllt habe. Mit Sneakern, Jeans, Hoodie und Bauchtäschle kleide ich mich wie der größte Teil der (männlichen) Fußballfangemeinde, das erspart mir vermutlich fiese Kommentare, man habe sich wohl verlaufen oder ähnliches. Bekommt man so etwas zu hören, sollte man auf alle Fälle entgegnen, dass man sich so etwas nicht gefallen lässt. Aber wie? Die Sprache, die solche Personen noch am ehesten verstehen, geht in die Richtung „Halt die Fresse“. Ich denke schon, dass sich viele Frauen dann so fühlen, als würden sie keinen Spaß verstehen und damit erst recht nicht der mitunter rauen Welt des Stadions gewachsen sein.”

Viele Frauen fühlen sich in männlicher Begleitung sicherer und gehen häufig mit ein oder sogar zwei Männern ins Stadion. Auf die Frage, ob sie schon einmal darüber nachgedacht habe, einen Selbstverteidigungskurs zu machen oder Pfefferspray ins Stadion mitnehmen zu wollen, sagt zum Beispiel Gina:

„Ehrlich gesagt nein, ich muss ehrlich sagen, dass die Angst gar nicht so allgegenwärtig ist in diesen Momenten. Im Stadion bin ich meistens in männlicher Begleitung, also auf dem Weg und im Block selbst habe ich Menschen um mich, die mir Sicherheit geben. […] Pfefferspray wäre daher meiner Meinung nach nicht nötig, aber ich weiß, dass es Mädels gibt, die darüber eventuell anders denken und wenn es ihnen das Sicherheitsgefühl gibt – natürlich sollte es dann (zumindest für Frauen) erlaubt werden.“

„Aber das ist eigentlich schon ein Punkt, zu dem es erst gar nicht kommen sollte. Wenn sich die Männer, die so etwas tun, nicht so verhalten würden, wäre es überflüssig.“

Die zahlreichen Beispiele, die in diesen Tagen auch auf Twitter kursieren, zeigen, dass einige Männer leider genau so etwas tun.

Auch Sarah wehrt sich dagegen, die Sexisten “gewinnen” zu lassen. Auf die Frage nach einem Selbstverteidigungskurs und vorbeugenden Maßnahmen zum Eigenschutz wie Pfefferspray sagt sie:

„Bisher habe ich so etwas noch nicht gemacht, und habe es eigentlich auch nicht vor. Ich wehre mich noch dagegen, dass jeder Stadionbesuch etwas ist, wovor ich Angst haben muss und mich entsprechend verteidigen können muss. Ich glaube, dann könnte ich den Stadionbesuch weniger genießen. Das ist aber nur meine persönliche Denkweise – ich kann mir gut vorstellen, dass es anderen Frauen helfen könnte, die vielleicht unsicherer sind als ich.


Wirkliche Angst hatte ich im Stadion bisher noch nicht, da ich mir einbilde, dass genug Menschen einschreiten würden, sollte etwas passieren und ich mich bemerkbar machen. Auf dem Heimweg, vor allem in der Bahn oder allein auf der Heimfahrt kam das aber schon vor. Früher, als ich noch allein zu den Spielen gefahren bin, hatte ich mir daher angewöhnt, in der Bahn immer Leute anzusprechen, um nicht alleine zu sein. Das hat ganz okay funktoniert.
Pfefferspray wie auch jegliche andere Form der Gewalt kann ich für mich persönlich nicht befürworten. Ich denke, damit würde man in solchen Situationen nur eine Eskalation provozieren.“

Ute findet das Stadion relativ sicher und die Gefahr, in die sie sich als Fußballfan und Auswärtsfahrerin begibt, hat weniger mit ihrem Geschlecht zu tun als mit kritischen Situationen im Allgemeinen, wenn man “zur falschen Zeit am falschen Ort” sei, insbesondere bezogen auf die Polizei. Darauf bezieht sie auch ihre Ablehnung zu Pfefferspray.

Es gibt auch noch ein anderes Phänomen, das Sophie Paßmann ungefähr so beschrieben hat: Wenn man als Frau nicht den von den Belästigern ausgemachten Schönheitsidealen entspricht, wird man auch nicht belästigt. Eine sehr gemeine, subtile Herangehensweise, die auch sexistisch ist: Man muss sich den Sexismus erst einmal „verdienen”,

Wichtig: Die Frauen, mit denen ich geredet habe, sind keine Opfer! Sie wehren sich, sie sprechen über ihre Erlebnisse und sie weigern sich, Angst zu haben. Das ist nicht selbstverständlich und mutig. Deshalb verwendet man gemeinhin auch den Begriff “Betroffene” und “grenzüberschreitende Personen”.


TEIL 2: Sexismus ist im Fußballstadion alltäglich

Die Düsseldorferin Sue Rudolph, die für die Ausstellung Fan.tastic Females weibliche Fußballfans interviewt hat, hat in einem Interview mit dem Deutschlandfunk gesagt:

„Es gibt keine Frau, die kein negatives Erlebnis erzählen kann“.

Wir müssen uns bewusst werden, dass Frauen, die im Stadion noch keinem Sexismus oder sexualisierter Gewalt ausgesetzt wurden, eher die Ausnahme als die Regel sind, insbesondere, wenn sie nicht nur gemeinsam mit ihrem Freund ins Stadion gehen, sondern in einer weiblichen Gruppe oder gar alleine unterwegs sind. Die Frauen, die noch keinen (!) Sexismus erlebt haben, bilden die Ausnahme, nicht die Frauen, die dumme Sprüche hören, sexuelle Angebote bekommen und angegrabscht werden – das ist die Regel.

Ute: “Sexismus im Fußball ist ein wichtiges und großes Thema, dessen Dunkelziffer sehr viel höher liegt, als wir momentan alle greifen können. Die meisten Frauen trauen sich nicht, darüber zu sprechen, es ist schließlich unangenehm, sich jemanden anzuvertrauen, wenn man unsittlich und gegen seinen Willen berührt wurde, oder was man sich für Schweinkram anhören musste. Einige Frauen gehen damit sehr tough um, andere wiederum weniger.”

Insbesondere im Stadion trauen sich viele Frauen wohl nicht, darüber zu sprechen, weil sie dann als „Zicke“ dargestellt werden könnten, oder weil es einfach schon so „normal“ geworden sei, meint Sarah.

Wer sind eigentlich die Täter?

Es stellt sich aber doch die Frage nach den Tätern: Sind das wirklich nur besoffene Prolls, die nicht mehr an sich halten können, weil sie schon so einen über den Durst getrunken haben? Und wie oft passiert es eigentlich, und hilft es, denen etwas zu entgegnen? Gina sagt dazu:

„Solche Aussagen kommen aus allen Schichten, da lässt sich kein “Typ” pauschal festlegen. Je nachdem bringt es auch mehr oder weniger da etwas dagegen zu sagen. Tun sollte man es jedoch immer. Man muss sich sowas auf gar keinen Fall gefallen lassen. Es wird immer welche geben, bei denen das auf taube Ohren stößt, aber oft gibt‘s auch (sorry für die Wortwahl) einfach hohle Fritten, deren Weltbild so schlecht entwickelt ist, dass sie sich ihrem Bullshit, den sie von sich geben, gar nicht bewusst sind.“

Wenn “sich wehren” zum Bumerang wird

In vielen Artikeln, in denen betroffene Frauen und Aktivistinnen zu Wort kommen, wird auch häufig von einer Opfer-Täter-Umkehr (im übertragenen Sinne) gesprochen. So wird Frauen, die von Sexismus betroffen sind und das offensiv ansprechen, oft vorgeworfen, eine „Zicke“ oder „Emanze“ zu sein, die keinen Spaß verstehe. Und selbst wenn sie einfach nur ins Stadion gehen, um Fußball zu sehen, ohne dass sonst etwas vorfällt, wird Frauen vorgeworfen, sie seien doch nur wegen den gutaussehenden Fußballern da. So kommt es, dass „frau“ sich fühlt, als müsse sie sich für einen normalen Stadionbesuch entschuldigen. Gina sagt dazu:

„Ja, rechtfertigen musste ich mich schon ein paar Mal. Egal ob es von Typen war, die eben die Meinung vertreten, dass Frauen nichts im Stadion zu suchen haben oder auch vor Männern die man früher so kennengelernt hat, die teilweise auch nichts mit Fußball zu tun hatten und es daher nicht verstanden haben.“

Ute: “Wenn jemand zum Spiel einen  Kumpel mitbringt, dann gehört der einfach dazu, solange der sich nicht völlig daneben benimmt. Keiner hinterfragt, warum er da ist oder woher er kommt. Taucht aber eine Frau auf, sieht die Sache leider öfter mal anders aus und wir sind wieder beim Thema “Stadionbesuch rechtfertigen”.

Auch Sarah fühlt sich, als würden sie manche ausgrenzen wollen:

„Ja, für mich stimmt diese Aussage […]. Was ich am Stadionbesuch so liebe, ist das Zusammengehörigkeitsgefühl. Egal wer du bist oder wo du herkommst, in diesen 90 + x Minuten brennt man für dieselbe Sache. Es ist schade, dass es immer ein paar Idioten gibt, die einem als Frau dann das Gefühl geben müssen, nicht so wirklich dazuzugehören.“

Frauen sind keine “seltenen Einhörner” im Stadion, sind aber in der Kurve und in Gremien kaum sichtbar

Eine Zahl sollte vielen zu denken geben: Ein Drittel der Stadionbesucher/innen ist weiblich. Es ist nicht so, als wären Frauen im Stadion eine Ausnahmeerscheinung, aber durch die Haltung einiger Männer, die Frauen seien nur wegen dem Anblick der Fußballer oder alternativ dank ihres Freundes da, lässt sich die Zahl ganz einfach kleinreden.

Gina: „Wow, die Zahl hätte ich nicht unbedingt erwartet. Aber das liegt vielleicht daran, dass ich im Stadion bin, um das Spiel zu sehen und nicht, um anderen Leute zu beobachten. Wie wir [Frauen] wahrgenommen werden, ist mir ehrlich gesagt egal. Ich bin wie gesagt da, um die Mannschaft zu unterstützen und hoffentlich einen Sieg zu sehen. Und ich denke, so geht es den meisten Mädels auch. Das sollten sich die Herren, die uns als Sonderlinge wahrnehmen, einfach merken. Wir wollen zumeist niemanden damit beeindrucken; um die “gutaussehenden Boys” auf dem Platz geht es auch nicht unbedingt (vielleicht bei manchen an zweiter Stelle). Natürlich kam auch mal ein dummer Spruch, aber sowas ist so peinlich, dem schenke ich keine Aufmerksamkeit.“

Problematisch für die Präsenz der Frauen im Stadion ist sicherlich, dass teilweise und – wie man an den Spielen gegen Heidenheim und St. Pauli gesehen hat – manchmal hauptsächlich, die Ultras noch problematischer sind. In Bezug auf Kritik am DFB, Demokratisierung der Stadien und Einsatz „für die gute Sache“, sind auch die Stuttgarter Ultras mit Spenden für örtliche soziale Einrichtungen, Spruchbändern gegen Polizeigesetze und vielem mehr sind die Ultras sicher ein Vorbild, aber in Bezug auf Sexismus kam von den VfB-Ultras in den letzten Jahren wenig oder wie jetzt negatives.

Frauen sind in Ultra-Gruppen generell immer noch stark unterrepräsentiert. Und wenn, dann übernehmen sie eher Aufgaben im Hintergrund, wie der Organisation von Auswährtsfahrten oder ähnliches. Auf dem Zaun oder als Vorsängerinnen sind sie hingegen kaum zu finden, auch wenn sich laut Ute das ein wenig geändert habe:

Fußball ist nach wie vor in erster Linie ein Männerding – aber Frauen gehören mittlerweile zum gelernten Bild dazu. Nicht zuletzt durch die Frauen, die auch in unserer aktiven Fanszene in den ersten Reihen stehen. Ich persönlich denke, dass sich hier in den letzten 15 Jahren einiges getan hat. Mit der WM 2006 wurden die Stadien bunter und weiblicher. Mich selbst nehme ich dabei nicht raus, ohne die WM 2006 und die vielen Emotionen, die ich so nie vorher gekannt hatte, wäre ich nie zum Fußball, geschweige denn zum VfB gekommen. Ich denke, viele Männer fühlten sich damals von dieser Entwicklung bedroht und reagierten mit Unverständnis. Und auch wenn Frauen mittlerweile oft zu sehen sind, viele halten daran fest, dass wir dort nichts verloren haben und hinter den Herd gehören. Viel häufiger als dem tatsächlichen gelebten Sexismus im Stadion bin ich dem anonymen Sexismus im Netz ausgesetzt: hinter der Anonymität des Internets ist ein „Weißt du überhaupt, was Abseits ist?“ schnell geschrieben. Nicht zuletzt durch die sozialen Medien, auch durch meine Herkunft aus den neuen Bundesländern musste ich mein Dasein als VfB-Fan oft rechtfertigen – und das sehr viel öfter und heftiger, als ich es mit sexistischen Kommentaren je zu tun hatte.

Auf der anderen Seite der Ultras, bei den Verantwortlichen in den Vereinen, beim Verband und in der Liga sind laut einer Studie des Antidiskriminierungsnetzwerks Fare, Football Against Racism in Europe, „nur 3,7 Prozent der Führungspositionen im europäischen Fußball von Frauen besetzt. Von den 17 Mitgliedern des DFB-Präsidiums ist eines weiblich. Im Präsidium der Deutschen Fußball-Liga findet sich keine Frau. Das gleiche gilt für die meisten Vorstände, Aufsichtsräte, Kuratorien.“ (Deutschlandfunk)

Gegeben ist also eine toxische Situation: ein vermeintlich männerdominiertes Stadion, wo testosterongeladene Idioten ihre sich selbst zugeschriebene Vormachtsstellung ausnutzen, um weibliche Fans anzumachen, während weder in den Kurven – bis auf ein paar Ausnahmen – noch in den europäischen Verbänden jemand daran Interesse hat, etwas an der Situation zu ändern.

Verständlich, dass sich Frauen dann unter Druck gesetzt fühlen, sich „männlich“ zu verhalten:

„Alleine, dass ich, glaube ich, keine Röcke oder keine Kleider anziehe, in der Fankurve oder beim Spieltag. Und vom Verhalten her sehe ich tatsächlich auch, dass, wenn ich im Fußballkontext bin, anders rede, als wenn ich mich mit meinen besten Freundinnen treffe. Also allein, was die Themen angeht. Bisschen pöbeliger, bisschen lauter. Und direkt gemerkt habe, wie körperlich angespannt ich war und wie laut ich geworden bin. Und wie ich auch ein bisschen, sozusagen, prolliger werde in dem Bereich und mich da sozusagen anpasse.“ (Deutschlandfunk)

TEIL 3: Forderungen und Lösungsmöglichkeiten – für Fans und Verantwortliche

Das „Netzwerk gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt“ hat gemeinsam mit dem DFB und weiteren Vertretern einen Leitfaden ausgearbeitet, der zum Beispiel auch bei der Fachtagung Antidiskriminierung und Vielfalt am 11.2.2020 verteilt wurde. Das Thema ist dem DFB also durchaus bekannt. Hier sind neben der Begriffsdefinition und Präventionsmaßnahmen auch Hilfestellungen für die Vereine aufgelistet, die das Problem angehen wollen.

Das entwickelte Handlungskonzept fordert folgendes von den Vereinen, den handelnden Personen, der Polizei und weiteren Akteuren:

  • Anerkennung von Sexismus als ein Problem durch alle Akteure
    • Verankerung eindeutiger Positionen z.B. in den Satzungen der Vereine
    • Thematisierung durch öffentlichkeitswirksame Kampagnen, Nutzung öffentlich zugänglicher Handbücher, Infomaterialien etc.
    • Sensibilisierung der Akteure
    • Nutzung gut besuchter Orte für Plakataktionen etc.
  • Sensibilisierung potentiell Betroffener und Beobachter*innen
    • Gefühle und Erfahrungen müssen ernst genommen werden
    • Nicht die Betroffenen sind das Problem, sondern die grenzüberschreitenden Personen
  • Ausarbeitung eines lokalen Handlungskonzepts
    • Einbeziehung aller Akteure eines Spieltags, von der Bundespolizei am Bahnhof über die Ordner und Imbissbudenmitarbeiter*innen
  • Aufbau eines Beschwerdemanagements
    • Alle Zuschauer*innen und Akteure wissen, an wen sie sich wenden können
    • Gleichgeschlechtliche Ansprechpartner
    • Ansprechperson beim Verein selbst
    • sichtbare Ansprechpersonen während des Spieltags

Positiv-Beispiele sind Darmstadt (LILY), Düsseldorf (Luisa ist hier!) und Bielefeld, die jeweils eigene Aktionen, aber immer aktive Ansprechpersonen haben.

Die Frauen, mit denen ich gesprochen habe, wissen meist nicht genau, wie man Sexismus perfekt in Luft auflösen könnte. Das ist aber auch nicht ihre Aufgabe. Für ein angenehmes Stadionerlebnis zu sorgen haben der VfB, die Verbände und allen voran die anderen Fans! Die Aussage des Artikels ist nicht, dass es immer und überall zu sexualisierter Gewalt kommt und dass jeder männliche Fan Frauen dumm anlabert. Sondern vielmehr die: Wir alle müssen dafür sorgen, dass die vielen Fälle von Sexismus Konsequenzen haben.

Das wichtigste für alle Fans, das sagt auch die o.g. Leitlinie, die Sexismus oder sexualisierte Gewalt mitbekommen, ist Ansprechen. Sofort den Typen zur Rede stellen. Das muss jeder tun. Anders wird es nicht besser. Die Möglichkeiten von Verein und Verband sind begrenzt, darauf komme ich gleich. Es kommt darauf an, dass in der Kurve, im Stadion ein Umdenken stattfindet: von stiller Toleranz hin zur aktiven Gegenwehr.

Dies schreibt auch der DFB in einer Risikoanalyse zur sexualisierten Gewalt:

Die Grundeinstellung „So etwas kommt bei uns nicht vor“ ist risikoerhöhend dafür, dass Übergriffe und Missbrauch in Organisationen unbemerkt stattfindenkönnen.

Ute:

“Der Riky vom Podcast VfB STR hat es in der Ausgabe 93 [unten verlinkt] eigentlich schon ganz gut formuliert. Wenn es Anlaufstellen für Betroffene Frauen gibt, wäre schon viel gewonnen. Das kann entweder eine Art „Sonderkommando“ des Sicherheitsdienstes sein, oder in Form eines Codeworts (Stichwort „Ist Luisa da?“) – Betroffene sollten gleich wissen, wo sie hingehen können, wenn sie davon betroffen worden sind. Und ja, da ist auch die Zivilcourage eines jeden Einzelnen gefragt.”

Gina schließt genau hier an:

„An Nebenstehende kann ich nur sagen, dass sie verdammt noch mal den Mund aufmachen sollen. Wie gesagt, wir brauchen in den Situationen meistens zu lange, um zu schalten was passiert und wenn wir es begreifen, ist es meist zu spät. Ich bin mir bewusst, dass es auch schwer sein kann, das zu erkennen in dem Moment und mache da niemandem einen Vorwurf, wenn man es nicht mitbekommt, vor allem, weil oft unübersichtliche Situationen ausgenutzt werden. Aber nicht jede Frau ist so abgehärtet wie ich und oft auch verlegen, den Mund aufzumachen. Und da braucht es dann Menschen um einen herum, die diese Momente ernst nehmen und nicht erstmal abtun à la „ach, du übertreibst.“ – das hilft uns nicht. Wenn das Gefühl des Unbehagens in uns ausbricht ist es niemals übertrieben.
Wir erwarten ja nicht, dass ihr denen die Nase brecht. Aber ansprechen. Fragen was das grade war. Mit Konsequenzen drohen. Natürlich lässt sich so etwas in der Theorie leicht sagen. Aber wir haben heutzutage alle kein Problem damit im Netz den Mund aufzumachen, wenn uns was nicht passt. Wieso dann nicht im realen Leben?“

Auch Sarah baut auf die Unterstützung der Nebenstehenden:

„Im Stadion kann ich nur jedem Mann raten, genauer ein Auge für solche Situationen zu entwickeln. Als Frau kannst du oft nicht schnell genug reagieren. Und auch Situationen, die du als Mann vielleicht als harmlos betrachtest, können eine Frau ernsthaft verletzen oder traumatisieren. Daher: lieber einmal zu viel einschreiten. Als Frau kann ich nur raten: wenn es irgendwie geht, dann mach dich laut bemerkbar. Aber das geht leider viel zu oft nicht. Sprich über solche Vorfälle, auch hinterher. Zeig anderen Frauen, dass sie mit solchen Situationen nicht allein sind und dass sie nicht empfindlich oder zickig sind, wenn es ihnen durch sexistische Vorfälle schlecht geht. Seid füreinander da, und passt aufeinander auf.

Da habe ich sogar noch ein positives Beispiel: Ich bin mal alleine mit dem Regio nach einem Spiel zurück nach Hause gefahren. In der Bahn hat mich ein Mann massiv sexuell belästigt (zwischen die Beine und an die Brust gefasst, meinen Arm und Oberschenkel gestreichelt, meinen Arm gepackt, gedroht, mir bis nach Hause zu folgen etc). Daraufhin bin ich weinend in den belebteren Teil des Zuges gelaufen, wo mir sofort mehrere Männer geholfen haben. Als der besagte Mann mir dann tatsächlich gefolgt ist, haben die ihm mehr als deutlich eine Ansage gemacht und dafür gesorgt, dass er den Zug verlässt. Außerdem sind sie extra eine Station weitergefahren, bis ich umsteigen musste, haben mit mir am Bahnhof gewartet und im Anschlusszug Leute angesprochen, dass sie mich bis zu meiner Endstation begleiten. Dafür war ich sehr dankbar, ich habe in dem Moment nämlich nicht mehr klar denken können.“

Ute sagt dazu im Prinzip dasselbe: Dass insbesondere die Umstehenden gefragt sind:

Ich will mich im Stadion sicher fühlen, nicht nur vor Sexismus, sondern in vielerlei Hinsicht. Sexismus, Rassismus, Hetze, darauf habe ich keinen Bock. Ich bin da, um das Spiel zu sehen und meine Mannschaft zu unterstützen, da habe ich keine Lust, genau beobachten zu müssen, wer um mich herum steht und wer mir eventuell etwas Böses will. Bei Heimspielen stehe ich seit vielen Jahren an genau der gleichen Stelle und fühle mich wohl und sicher – weil ich weiß, dass wenn ich ein Problem habe, viele Leute zur Hilfe eilen würden. Bei Auswärtsspielen habe ich mich meist so postiert, dass ich Bekannte in Sichtweite hatte, sofern ich nicht sogar direkt neben ihnen stand. Leute zu kennen, kann Gold wert sein. Die Zivilcourage ist im Stuttgarter Umfeld schon ganz gut, könnte im Moment von sexistischen Kommentaren natürlich noch größer sein.

Aber: Wir haben das Ziel erst erreicht, wenn sich Frauen nicht mehr an “sicheren” Punkten im Stadion positionieren, ob das jetzt bei weniger regelmäßigen Besucherinnen die Heimspiele oder wie bei Ute die Auswärtsspiele sind. Es kann doch nicht sein, dass frau sich nicht einfach irgendwo in die Kurve stellen kann, ohne nicht wenigstens Hintergedanken haben zu müssen.

Rein weibliche Fangruppierungen wie die aus Heidenheim – die in dem Banner von der Südbande gemeint waren – sorgen für mehr Akzeptanz in der Kurve. Angepasst für Stuttgart, beispielsweise als Ausgründung aus dem Commando Cannstatt, ist das Echo gemischt:

Gina: „Grundsätzlich wäre es schön, wenn Frauen wie Männer gleich behandelt werden würden, ohne Angst davor belächelt zu werden, wenn sie sich einbringen möchten. Das gilt natürlich nicht nur innerhalb einer Gruppierung. Aber um Mädels den Zugang zu erleichtern, um Gleichgesinnte zu finden und ein Teil zum Beispiel des Commandos zu werden, fände ich so ein Konzept wie in Heidenheim sicher wünschenswert. Die Damen dort sind eigenständig, aber doch auch Teil des Ganzen, in Choreos, Interessensvertretungen und so weiter. Im Endeffekt geht es doch darum, die Mannschaft zu unterstützen. Daher sollte es doch eigentlich egal sein, welches Geschlecht man hat, woher man kommt oder mit wem man abends ins Bett geht.“

Ute zielt auf einen guten Punkt, den Gina hier anreißt: Die weibliche Gruppe – sollte es denn eine geben – sollte sich nicht aus dem Grund bilden, etwas gegen Sexismus zu tun:

Ich denke nicht, dass so etwas [eine weibliche Ultra-Gruppe] unbedingt notwendig ist. Wenn sich reine Frauengruppen entwickeln, dann sollte das aus dem Impuls heraus kommen, als (weibliche) Gruppe wahrgenommen zu werden und weil man sich in erster Linie gut versteht und Spaß hat im Stadion hat–und nicht, weil man glaubt, dass es effektiv gegen Sexismus etwas ausrichten kann. Manchmal kann damit sogar der gegenteilige Effekt erreicht werden.

Was können denn Vereine konkret tun?

In Düsseldorf gibt es beispielsweise ein Spieltagstelefon, das an den Spieltagen besetzt ist, wo man anrufen und sich melden kann. Dann kann man entscheiden, ob man Anzeige erstatten will, ob man einfach nur reden will oder ob man einen Ort braucht, um runterzukommen. Wichtig wäre auch beim VfB ein Rückzugsort beziehungsweise Schutzraum für weibliche Fans, die das brauchen, mit einer weiblichen Gesprächsparterin vor Ort.

Wenn der VfB – und ich sage ganz klar wenn, denn mir und auch den Fans, mit denen ich im Gespräch war, fiel keine Aktion des VfB gegen Sexismus im Stadion ein, kein Hilfsangebot etc. – so einen Raum oder ein Spieltagstelefon einrichtet, dann muss das, wie oben genannt, offensiv beworben werden, beispielsweise mit Plakaten an relevanten Punkten vor Bistros oder an und in der Damentoilette. Der VfB hat – und das wussten wohl wenige – eine Frauenbeauftragte, die nach dem Tweet von Sarah Kontakt mit ihr aufnahm:

„Auf meinen Tweet hat sich die VfB Fanbetreuung und die Frauenbeauftragte des Fanausschusses bei mir gemeldet, um das Thema im Fanausschuss zu besprechen. Das fand ich schon mal ganz ganz groß! Mir war gar nicht bewusst, dass es so etwas wie eine Frauenbeauftragte gibt. Ich denke, es müsste deutlicher und öfter kommuniziert werden, dass es Ansprechpartner für betroffene Frauen gibt. Vielleicht eine feste Anlaufstelle, bei der man Vorfälle melden kann. Ich glaube aber, dass auch der VfB da nicht die Welt verändern kann – Idioten hast du immer und die finden auch immer einen Weg, um das auszuleben. Klare Statements sind wichtig, dass so etwas vom Verein nicht geduldet wird.“

Auch Ute, die in der Fanszene eigentlich ganz gut vernetzt ist, fallen auf Anhieb keine Aktionen des VfB ein, sieht aber ein Umdenken:

Nicht, dass ich wüsste. Aber soweit ich weiß, ist man an dem Thema gerade aktuell dran. Die Spruchbänder gegen Heidenheim und St. Pauli haben den Verein offenbar nicht nur zu einem Statement genötigt, sondern auch tatsächlich wachgerüttelt. Ich bin mir sicher, hier passiert noch etwas in den nächsten Wochen.

Am wichtigsten ist die Aufmerksamkeit. Je mehr Fans sich des Problems bewusst sind und das überhaupt als Problem erkennen, desto eher kann eine gegenüber den Tätern proaktive Atmosphäre hergestellt werden. Der VfB ist hierbei gefordert, mit Aktionen, mit Statements wie neulich auf das Thema aufmerksam zu machen und es auf der Agenda zu halten, damit es ins Bewusstsein der Fans sickern kann, wo es momentan noch nicht ist.

Der Verein muss hier proaktiv auf die Fans zugehen, meint auch Gina:

„Grundsätzlich wäre es schön, mehr Frauen in solchen Positionen oder Gremien etc. zu sehen. Dann wäre so ein Thema vielleicht schon früher aufgekommen. Aber zur Frage: Ich bin der Meinung, dass man in diesem Fall und auch beim Thema Rassismus nicht alles von den Fans regeln lassen kann. Da bedarf es auf jeden Fall mehr. Speziell ist es denke ich wichtig, dass man Spieler mit ins Boot nimmt. Die sind Vorbilder, oder heute: Influencer – der Grund warum wir dorthin gehen, mit denen sich kleine, große und Erwachsene identifizieren. Wenn ein Daniel Didavi einem sagt, dass es daneben ist, Frauen anzupacken oder jemanden aufgrund seiner Hautfarbe zu diskriminieren, dann fruchtet es vielleicht. Man kann Jungs nie früh genug beibringen, dass es nicht ihr Recht ist, andere  ohne ihre Zustimmung anzufassen oder ihnen Dinge an den Kopf zu werfen, die in irgend einer Form das Geschlecht oder die Herkunft herabwürdigen. Auch Workshops, Abteilungen o.ä. können dazu beitragen. Aber eigentlich sollte man nicht den Sport dazu benötigen, so ein Verhalten zu ändern. Wer so im Stadion mit Frauen umgeht, tut das sicher auch außerhalb.“

Es würde sicher auch helfen, bei runden Tischen, bei OFC-Veranstaltungen (von den Fanclubs selbst aus) das Thema zu besprechen. Wenn man als OFC gemeinsam ins Stadion geht und sich alle Mitglieder des Problems bewusst sind, ist zum einen die Aufmerksamkeit viel höher und zum anderen der Schutz für Frauen viel größer. Wenn dann doch etwas passiert, trauen sich die Betroffenen wohl eher, den Übeltäter auf sein Vergehen aufmerksam zu machen, wenn sich noch zehn Leute um sich herum des Problems bewusst sind und gleich handeln.

Auch Ute meint, man muss das Problem zum einen gemeinsam angehen und vor allem schon im Kleinen beginnen:

Das Problem kann dauerhaft nur gelöst werden, wenn beide Seiten aktiv daran mitarbeiten. Sexismus in der Kurve direkt die Stirn bieten, auch wenn es der beste Kumpel ist, der einen vermeintlich witzigen Kommentar zur Blondine in der Reihe davor gemacht hat. Aber auch der Verein ist gefragt. Eine Fanabteilung könnte ein Anfang sein. Der wichtigste Schlüssel zur Änderung wird aber die Zivilcourage sein. Nur, wer den Mund aufmacht, wenn er etwas sieht oder hört, das nicht in Ordnung ist, kann das Stadion zu einem besseren Ort machen. Das gilt genauso wie für rassistische Aussagen.

Man kann Sexismus und sexualisierte Gewalt nicht vom einen auf den anderen Tag abschaffen, man muss das Problem aber so schnell wie möglich angehen. Andere Vereine wie Bremen, St. Pauli, Heidenheim und Düsseldorf sind da schon viel weiter als wir – und auch dort gibt es regelmäßig Vorfälle. Wir sind nicht der schlimmste Verein, aber wir sind definitiv keine Vorreiter.

Ute meint dazu:

“Im großen und ganzen können wir Frauen uns in Stuttgart eigentlich nicht beklagen. Ich bekomme nicht übermäßig viel Feindlichkeit gegenüber Frauen mit, und wie gesagt, die Dunkelziffer bei sexistischen Kommentaren oder gar Handlungen ist vermutlich relativ hoch, so dass ich nicht für alle Frauen sprechen kann.”

Die meisten wünschen sich einfach nur ein ganz normales Stadionerlebnis ohne Vorfälle. So, dass man sich ohne Hintergedanken über den Grottenkick auf dem Rasen aufregen kann oder eben euphorisiert nach Hause geht.

Der VfB-Shop – mehr als nur ungenutztes Potential

Noch ein Thema ist übrigens die weibliche Fankollektion im VfB-Shop. Momentan sieht das alles sehr rosa und bling-bling aus, wenn man explizit nach Frauen-Artikeln sucht und abgesehen davon ist die Kollektion für Frauen neben dem Damenschnitt für die normalen Trikots noch sehr ausbaufähig.

Gina: „Ich kann hier nur über meinen persönlichen Geschmack sprechen, aber ich habe mich bisher immer schwergetan, Geld in “Frauenkollektionen” des VfB zu investieren. Grundsätzlich sollte jeder tragen was ihm gefällt, und sicher gibt es Damen, die sich die Kleidungsstücke und Fanartikel kaufen. Aber auch hier darf sich der Verein gerne an aktuellen Styles orientieren, wie sie es bei den Männern tun.  Es fehlen einfach alltagstaugliche Designs, bei denen man seinen Verein repräsentieren kann, ohne dass es zu sehr nach Stadion aussieht. Wenn ich die letzten Jahre etwas vom Verein gekauft habe, dann meistens aus der Männerabteilung. Ich habe gerade mal in den Onlineshop geschaut und man sieht, dass es ein, zwei Teile gibt, die schon eher in die Richtung gehen, was ich anziehen würde. Aber die Designs wirken immer relativ lieblos, wie “jetzt brauchen wir halt noch was für die Frauen”. Da geht definitiv mehr. Wenn die Verantwortlichen vom Merchandise keine Ideen haben, dürfen Sie sich gerne melden. Ich wüsste da einiges…“

Na dann, VfB, gebt euch einen Ruck!

Auch Sarah ist gegenüber der „weiblichen Kollektion“ des VfB eher kritisch eingestellt:

„Ich persönlich finde sie super hässlich, da sie so gezwungen auf den weiblichen Stereotypen gemacht sind. Nicht jede Frau trägt gerne pink, Herzchen und süße Schriftzüge. Aber es gibt bestimmt auch genug Frauen, die das schön finden und mit so etwas lieber im Alltag raus gehen als mit “normalen” Fanutensilien. Letztendlich wird eine Zielgruppe mehr angesprochen, und das finde ich wichtig. Ich kaufe dann halt eben den Frauenschnitt von der “Standard” Fankleidung. Von daher, jeder wie er / sie es möchte.“

Und auch Ute kann den auf weiblich gemachten Fan-Utensilien wenig abgewinnen, sieht den VfB aber auf einem guten Weg:

Rosa Fanschals, String-Tangas und Aufkleber für Fingernägel müssen nicht sein und verstärken nur das Bild, das die meisten Frauen im Stadion eben gerade nicht zeichnen wollen. Ganz anders tatsächlich bei den Damenschnitten für Oberteile – hier gebe ich zu, hier könnteder VfB sogar noch mehr machen, aber der eingeschlagene Weg ist hier grundsätzlich schonmal richtig. Wenn dann noch die rosa Fanschals aus dem Sortiment verschwinden, fände ich es schon ganz gut.

TEIL 4: Noch ein persönlicher Kommentar

Ich muss noch etwas Persönliches gestehen: Ich habe mich, bis zu dem Twitter Thread (siehe oben), nicht mit dem Thema Sexismus auf den VfB und das Neckarstadion bezogen auseinandergesetzt. Es war für mich ein Thema, ich habe auch viele Artikel und einige TV-Berichte dazu gesehen und mir war durchaus bewusst, dass viele Frauen dem ausgesetzt sind – aber nicht auf den VfB bezogen. Die Banner von der Südbande haben mich getroffen. Sie haben mein sehr naives, heiles Weltbild vom VfB eingerissen und die Erlebnisberichte, die ich auf Twitter in den letzten Tagen gelesen habe, haben sein Übriges getan. Ich war überhaupt nicht sensibilisiert für das Thema Sexismus im Neckarstadion, und ja, das war ziemlich naiv – aber so war es. Ich habe nie sexistische Sprüche von mir gegeben und war natürlich auch noch keinen ausgesetzt und trotzdem hätte mir das viel klarer sein müssen.

Warum machen die Typen das überhaupt? Weil sie in ihrem Leben sonst keine Freu(n)de haben und weil sie ein altbackenes Weltbild haben, das man im Kreis von vielen Männern endlich mal ausleben kann, ohne Konsequenzen von dieser ach-so-modernen Gesellschaft, wo Frauen (was eine Schande) gleichberechtigt sind, befürchten zu müssen. Weil sie nichts auf die Reihe kriegt und sich endlich mal fühlen, als wäre “mann” stark. Im Prinzip ist das aus meiner Sicht nur das Eingeständnis, dass man ein Schwächling, ein Feigling und ein Versager ist. Man bekommt es im echten Leben nicht hin, deswegen wünscht man sich eine Welt zurück, in der man andere unterdrücken kann.

In einer Doku vom Y-Kollektiv (Teil von funk) muss man nur in die Kommentare schauen, um die halbseidenen Ausreden und Ablenkungsversuche von dünnhäutigen Männern beobachten zu können: „Gibt es eigentlich eine Doku über Sexismus bei der Berichterstattung von Sexismus? Halbbesoffene Idioten und ansonsten nur Frauen zu interviewen, halte ich für etwas einseitig“, schreiben „StayMean Entertainment“ und viele weitere. Aber auch eine Frau schreibt „Idioten gibt es überall, da muss man einfach drüberstehen“. Generell wird in den meisten Kommentaren die Objektivität dieser Doku angezweifelt, weil die Reporterin hauptsächlich mit Frauen spricht und mit Männern (die vermeintlich betrunken sind) nur vorm Stadion.

Und auch dieser Artikel hier könnte deswegen angezweifelt werden, ich nehme argumentativ nicht die Position des männlichen, neutralen Zuschauers ein. Doch genau darum geht es doch: Den nicht unmittelbar Betroffenen die Position der Betroffenen zu vermitteln. Die Frauen, die von Sexismus betroffen sind und die betrunkenen Männer, die hauptsächlich dafür verantwortlich sind, in einer Doku zu interviewen ist demzufolge genauso richtig, wie in diesem Artikel nicht auf Gruppen einzugehen, die mit dem Thema quasi nichts zu tun haben (90% der Betroffenen sind Frauen). Also ist es hoffentlich verständlich, dass ich in diesem Artikel nicht lang und breit darüber geschrieben habe, wie viele Männer doch eigentlich gar nichts sexistisches tun – um euch geht es hier nur am Rande, denn ihr sollt handeln, wenn ihr etwas mitbekommt und helfen, Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken, aber abgesehen davon dürft ihr euch in den Kommentaren gerne zurückhalten.

Das Problem beim Angrabschen oder Tatschen ist auch, dass es relativ heimlich passiert. Es ist kein Spruch, bei dem man sich umdrehen kann und den Täter sieht, es passiert im Vorbeigehen und wie so viele Frauen schreiben, es „passiert so schnell“. Daher die Bitte an euch: Wenn ihr es mitbekommt, wenn ihr es seht, sprecht die Person an, zeigt ihr, dass das nicht geht. Holt euch die Bestätigung von Umstehenden und Freunden, macht klar, dass das Verhalten nicht in Ordnung ist. Ihr müsst, wie Gina es sinngemäß formuliert hat, dem Typen nicht die Fresse polieren. Ansprechen ist aber das allermindeste. Macht Ordner auf den Typen aufmerksam, wenn das geht, sorgt dafür, dass er es sich beim nächsten Mal zweimal überlegt. Man kann vielleicht nicht die Meinung oder das Gedankengut ändern, man kann aber dafür sorgen, dass die Person das nicht mehr nach außen trägt.

Um nochmal zu den Plakaten zu kommen:

Im Nachgang der Viererkette zur Präsidentenwahl habe ich mit einigen Fans zufällig über das Thema Rassismus im Block gesprochen und auch wenn der VfB nicht so weit wie beispielsweise Bremen oder St. Pauli ist, in Bezug auf politische Äußerungen ist die Kurve in meinen Augen auf einem guten Weg. Die Nazis der 80er sind weitgehend an den Rand gedrängt und haben kein Forum mehr für rassistische Äußerungen. Gleiches muss die Kurve jetzt mit den Sexisten machen. Man muss nicht die ganze Südbande „verbannen“, aber das Commando, der Schwabensturm und alle Fans in der Kurve sollten den Idioten sehr schnell und sehr deutlich klar machen, dass das nicht die allgemeine Haltung der Kurve ist.

Denn wenn das so weiter geht, fällt das nicht nur auf die ganze Kurve zurück, wie es das jetzt schon von vielen außerhalb von Stuttgart gesehen wird, sondern auf alle VfB-Fans. Ich werde mich nicht von einer dummen Gruppe von „Fans“ für deren sexistisches Gedankengut vereinnahmen lassen. Ich will nicht, dass, wenn ich in Zukunft nach Heidenheim oder St. Pauli gehe, als Fan vom “sexistischen VfB” begrüßt werde.

Wenn ihr Idioten, das sage ich jetzt ganz offen so, euch nicht aus Respekt vor den Frauen im Stadion zurückhalten könnt, wenn euch das nicht reicht, wenn es euch nicht einmal vor euren Frauen, Schwestern und Kindern peinlich ist (ja, das ist eins der dümmsten Argumente dafür, kein Sexist zu sein), dann seid es für den VfB und dessen Außendarstellung. Ich lasse mich von euch nicht vereinnahmen. Ich stimme euren Plakaten nicht zu und ich hoffe, viele von euch Lesern auch nicht.


Noch zwei Empfehlungen: Riky in der aktuellen VfBSTR-Folge:

Und die aktuelle Folge des FRÜF-Podcasts beschäftigt sich auch mit dem Thema, spannenderweise auch mit der Broschüre, deren Handlungsempfehlungen oben zusammengefasst wurden.

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4 Gedanken zu „Der alltägliche Sexismus im (Neckar-)Stadion“

  1. Vielen Dank für diesen toll geschriebenen und wichtigen Artikel! Als weiblicher Fan ist mir zum Glück noch nichts wie hier beschrieben passiert, allerdings gehe ich nur selten ins Stadion und wenn, dann stehe ich nicht in der Kurve. Es muss auf jeden Fall ein Bewusstsein für das Problem geschaffen werden, damit Ausführende zu spüren bekommen, dass sie sich mit ihrem Verhalten ins Abseits befördern und es eben kein “Kavaliersdelikt” oder sogar die etwas handfestere Art eines Kompliments ist. Und das fängt schon mit dem Reden an: Wenn bei Spielen, die von Bibiana Steinhaus geleitet werden, so häufig das F-Wort fällt, würden ein paar “Halt die Fresse” o. ä. auf jeden Fall ein Zeichen setzen. Bei rassistischen Sprüchen passiert das ja zum Glück mittlerweile häufiger, aber Frauen kann man anscheinend immer noch kritik- und kommentarlos beleidigen.

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  2. Danke für diesen Eintrag. Mir – und sicher vielen anderen – geht es genauso wie dir: Ich war mir nicht bewusst, wie verbreitet Sexismus bei uns im Stadion ist. Wir alle können dazu beitragen, dass mehr Bewusstsein für das Problem entsteht und sich Frauen künftig im Neckarstadion nicht nur sicherer, sondern hoffentlich richtig wohl fühlen. Denn am meisten Spaß macht es doch, wenn alle zusammen feiern. Damit meine ich nicht nur Frauen und Männer, sondern auch Menschen mit Behinderung, Kinder und ältere Menschen. In der VfB-Familie sind alle willkommen!

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