Angschdhasen-Fußball

Der VfB ver­lor in Frank­furt in letz­ter Minu­te alle drei Punk­te, trotz 25 Minu­ten Über­zahl. War­um wir anfan­gen soll­ten, uns Gedan­ken zu machen.

Vier Minu­ten lang war es in Frank­furt rich­tig geil. Die Ein­tracht klär­te zur Ecke, Han­nes Wolf nutz­te die Spiel­un­ter­bre­chung um Simon Terod­de ein­zu­wech­seln, der sprin­te­te in den Straf­raum, war­te­te auf die Ecke von Den­nis Aogo, köpf­te sie wie zu bes­ten Zweit­li­ga-Zei­ten ins lan­ge Eck und ließ sich anschlie­ßend vom völ­lig eska­lie­ren­den Gäs­te­block im Wald­sta­di­on fei­ern. Wenig spä­ter mach­te sich eben­je­ner Terod­de erneut Rich­tung Ein­tracht-Tor auf, wur­de vom Frank­fur­ter Falet­te zu Fall gebracht und mar­schier­te mit dem Ball in der Hand Rich­tung Elf­me­ter­punkt. Dann wan­del­te der Video­schieds­rich­ter den Elf­me­ter in einen Frei­stoß um, Dani­el Gin­c­zek zim­mer­te die­sen zehn Meter übers Tor und alles ging den Bach run­ter.

Dabei war der Aus­gleich des VfB und das ers­te Bun­des­li­ga-Tor von Simon Terod­de bis dahin das bes­te an einem erneut ent­täu­schen­den Auf­wärts­auf­tritt des VfB. Ja, Chadrac Ako­lo war wie­der dabei und hat­te, wie Ana­sta­si­os Donis sei­ne Chan­cen, aber kei­ner von bei­den nutz­ten die­se. Statt­des­sen sahen die Offen­siv­be­mü­hun­gen des VfB bis zur 61. Minu­te so aus (vier­tes Bild, rechts unten):

Nach vorne wieder zu wenig

Da sah die Welt noch super aus: Teroddes erstes Bundesliga-Tor. Bild: © VfB-Bilder.de
Da sah die Welt noch super aus: Terod­des ers­tes Bun­des­li­ga-Tor. Bild: © VfB-Bilder.de

Selbst gegen die Ein­tracht, die bis­her noch kei­nes ihrer Heim­spie­le gewon­nen hat­te, schaff­te es der VfB, abge­se­hen von den bereits erwähn­ten Ein­zel­ak­tio­nen von Ako­lo und Donis, nicht, offen­siv genug Druck zu ent­wi­ckeln, um die Abwehr der Ein­tracht in die Knie zu zwin­gen. Han­nes Wolf hat­te Simon Terod­de zunächst auf der Bank gelas­sen, was ich grund­sätz­lich nicht schlecht fin­de. Zum einen zahl­te es sich spä­ter aus, als er unbe­las­tet von einem Spiel vol­ler Fehl­schüs­se aufs Feld stürm­te und den Aus­gleich mach­te. Zum ande­ren bleibt Wolf damit sei­ner ange­kün­dig­ten Linie treu, die Mann­schaft nach Leis­tung auf­zu­stel­len und nie­man­dem einen Stamm­platz zu schen­ken. Nach der lei­sen Kri­tik an Terod­des Enga­ge­ment in der Rück­wärts­be­we­gung gegen Augs­burg nur kon­se­quent.

Das Pro­blem war nur: Ohne Terod­de lief es auch nicht. Das lag zum einen dar­an, dass Dani­el Gin­c­zek zwar wei­ter­hin bei jeder Ein­wechs­lung fre­ne­tisch gefei­ert wird, aber ein­fach nicht in der Lage ist, vor­ne den Allein­un­ter­hal­ter zu geben. Ob er nach sei­ner erneu­ten Ver­let­zungs­pau­se noch nicht rich­tig in Tritt ist, oder ob er es grund­sätz­lich nicht kann, weiß ich nicht. Auf jeden Fall erwisch­te die Num­mer 33 mit dem Brust­ring einen gebrauch­ten Tag. Nicht nur, dass er vor­ne kaum einen Zwei­kampf gewann und nur sel­ten den Ball behaup­ten konn­te: Selbst wenn er an den Ball kam, war das alles ande­re als gefähr­lich. Vom 2:1 will ich gar nicht erst anfan­gen.

Die Eintracht hat’s unnötig leicht

Der ande­re Grund: Das Offen­siv­kon­zept des VfB sieht immer noch so aus, dass sich ent­we­der Donis und Ako­lo ver­su­chen, irgend­wie durch­zu­wursch­teln oder dass Beck und Aogo den Ball auf den Flü­gel gespielt bekom­men und das Ding erfolg­los hoch in den Straf­raum klop­pen. Ach­ja. Und lan­ge hohe Bäl­le von hin­ten raus, die auch kei­nen Abneh­mer fin­den. So ist es kein Wun­der, dass zwei der vier Sai­son­to­re des VfB aus Stan­dards resul­tie­ren. Vier Sai­son­to­re nach sie­ben Spie­len ist übri­gens wei­ter­hin Nega­tiv­re­kord in der Bun­des­li­ga-Geschich­te des VfB.

Wür­de man die Sai­sons des VfB nach nega­ti­ver Tor­dif­fe­renz nach sie­ben Spie­len sor­tie­ren (was ich offen­sicht­lich getan habe), läge die der­zei­ti­ge Spiel­zeit auf Platz 5. Neun Gegen­to­re in sie­ben Par­tien sind kei­ne Kata­stro­phe, aber auch kein Ruh­mes­blatt, vor allem, wenn man sel­ber nicht trifft. Und schon gar nicht, wenn der Geg­ner vor dem Spiel sel­ber erst vier Mal getrof­fen hat. Der VfB mach­te es auch der Ein­tracht unnö­tig leicht: Zuerst ver­lor Beck bei einem Kon­ter fahr­läs­sig den Ball an der Außen­li­nie, dann ging es plötz­lich ganz schnell und vier Stutt­gar­ter in der Rück­wärts­be­we­gung waren nicht in der Lage sich gegen drei Frank­fur­ter zur Wehr zu set­zen — nicht das letz­te Mal, dass der VfB in Über­zahl schlecht aus­sah. Dann sprang der Ball dem ansons­ten erneut star­ken Bad­s­tu­ber auch noch so unglück­lich an den Fuß, dass Rebic den Ball nur noch ein­schie­ben brauch­te.

In Überzahl weniger als nichts

Der Anfang vom Ende: Ein Freistoß geht in die Wolken. Bild: © VfB-Bilder.de
Der Anfang vom Ende: Ein Frei­stoß geht in die Wol­ken. Bild: © VfB-Bilder.de

Es hät­te aber alles noch gut gehen kön­nen. Die Ein­wechs­lung und der Aus­gleich von Simon Terod­de hät­ten der Mann­schaft einen Schub­ser geben kön­nen und sie hät­ten die bei wei­tem nicht unschlag­ba­re Ein­tracht mit einem Spie­ler mehr in Grund und Boden spie­len kön­nen. Statt­des­sen geschah: Nichts. Sogar weni­ger als nichts, wenn man so beschrei­ben will, dass die Ein­tracht ihrer­seits plötz­lich auf­dreh­te und den VfB in arge Bedräng­nis brach­te. Gleich zwei Mal muss­te Ron-Robert Zie­l­er sei­nen Vor­der­leu­ten den Arsch ret­ten. Han­nes Wolf brach­te in der 81. Minu­te Ebe­ne­zer Ofo­ri für Ako­lo und beging damit, ohne dass ich Ofo­ri allei­ne die Schuld geben möch­te, einen schwe­ren Feh­ler. Nicht nur das er in den zwölf Minu­ten auf dem Platz völ­lig neben sich stand und kaum einen ver­nünf­ti­gen Pass hin bekam, sein Foul, dass den Frei­stoß zum 2:1 beding­te, war zudem sowohl über­flüs­sig, als auch toll­pat­schig.

Es war aber schon die Ein­wechs­lung, die mich mit dem Kopf schüt­teln ließ. Der VfB hat­te einen Spie­ler mehr auf dem Platz und wech­sel­te zehn Minu­ten vor Schluss einen Offen­siv­spie­ler für einen defen­si­ven Mit­tel­feld­spie­ler ein? Nicht dass ich von Taku­ma Asa­no, der ja auch noch auf der Bank saß, Wun­der­din­ge erwar­te, aber viel­leicht hät­te der ja den sich durch die Über­zahl bie­ten­den Raum offen­siv noch bes­ser nut­zen kön­nen, als der zuletzt ange­schla­ge­ne Ako­lo. Statt­des­sen spiel­te der VfB auf Scha­dens­be­gren­zung und wur­de bestraft. Denn der Frei­stoß lan­de­te eigent­lich ziem­lich harm­los auf dem Kopf von Dani­el Gin­c­zek, der ihn aber unkon­trol­liert in die Mit­te wei­ter­lei­te­te und damit den Seit­fall­zie­her von Hal­ler mus­ter­gül­tig auf­leg­te. Hin­ter ihm hät­te übri­gens Hol­ger Bad­s­tu­ber gestan­den.

Nicht bitter, sondern dumm

Hin­ter­her mach­te unwei­ger­lich das Wort “bit­ter” die Run­de, auch beim unfrei­wil­li­gen Vor­la­gen­ge­ber:

 In der Sze­ne, die zum 1:2 führt, darf ich den Ball dann auf kei­nen Fall in die Mit­te köp­fen. Ich tref­fe den Ball falsch. Das ist sehr bit­ter.

-Dani­el Gin­c­zek

Enttäuschte Brustringträger. Es wäre vermeidbar gewesen. Bild: © VfB-Bilder.de
Ent­täusch­te Brust­ring­trä­ger. Es wäre ver­meid­bar gewe­sen. Bild: © VfB-Bilder.de

Nee, Gin­ni. Das war nicht bit­ter, das war dumm! Im sich-selbst-schla­gen hat der VfB ja mitt­ler­wei­le ein wenig Erfah­rung, aber ab und zu schafft er es doch, uns noch­mal zu über­ra­schen. Die Prä­mis­se ist ja seit Sai­son­be­ginn die glei­che: Für den VfB geht es nur um den Klas­sen­er­halt und jeder Punkt ist wich­tig. Konn­te man bei den Punkt­ver­lus­ten in den ver­gan­ge­nen Spie­len immer­hin noch auf die Klas­se der Geg­ner ver­wei­sen, die sich dann am Ende doch durch­ge­setzt hat­te, muss man nach dem Auf­tritt in Frank­furt kon­sta­tie­ren: Es war das bis­her schlech­tes­te Sai­son­spiel des VfB. Nicht weil die Ein­tracht unbe­dingt so schlecht war. Son­dern weil der VfB in der Lage sein muss, gegen eine ähn­lich mit­tel­mä­ßig gestar­te­te Mann­schaft in Über­zahl das Spiel zu gewin­nen, wenn er die Klas­se hal­ten will.

Es sind genau sol­che Slap­stick-Auf­trit­te, wegen denen man am Ende einer Sai­son wie­der absteigt. Weil man sich zu lan­ge in der Sicher­heit gewo­gen hat, dass ja zumin­dest ein Punkt bei die­sem Aus­wärts­spiel hän­gen blei­ben wür­de und dass ein Punkt ja bes­ser sei als gar kei­ner. 2015/2016 waren wir uns auch zu lan­ge sicher, dass wir die nöti­gen Punk­te schon irgend­wie holen wür­den, dass wir nach jedem Nacken­schlag nur “wie­der auf­ste­hen und es im nächs­ten Spiel bes­ser machen” müss­ten. Ja, es ist erst der sieb­te Spiel­tag, die Sai­son ist lang und so wei­ter. Aber es ist eben auch der sieb­te Spiel­tag und wir haben zwei Heim­spie­le gegen ziem­li­che Fall­obst-Mann­schaf­ten gewon­nen. Wo wol­len wir denn aus­wärts die Punk­te holen wenn nicht in einem sol­chen Spiel? Wie will man denn Spie­le gewin­nen in die­ser Liga, wenn man sie schon in Über­zahl aus der Hand gibt? Es ist ja nicht so, als wäre das 2:1 die ein­zi­ge Groß­chan­ce der Frank­fur­ter nach dem Platz­ver­weis gewe­sen.

Alarmglocken marsch!

Pas­sen­der­wei­se ist jetzt erst­mal Län­der­spiel­pau­se, also viel Zeit, sich Gedan­ken zu machen, was am Sams­tag alles schief gelau­fen ist. Mir wäre es lie­ber, wir hät­ten gleich noch eine eng­li­sche Woche und könn­ten direkt am Diens­tag Köln put­zen. Statt­des­sen spie­len wir am Frei­tag in zwei Wochen zu Hau­se gegen einen Geg­ner, der uns noch nie lag und das auch weiß und der nach sie­ben Spie­len mit einem Punkt und 2:15 Toren am Tabel­len­en­de steht. Eine Mann­schaft mit dem Rücken zur Wand und drin­gend auf der Suche nach einem Auf­bau­geg­ner.

Des­halb soll­ten beim VfB jetzt und genau jetzt die Alarm­glo­cken klin­geln, und zwar laut. Nach den Spie­len gegen Köln und in der Brau­se­stadt ist die Hälf­te der Hin­run­de bereits vor­bei. Wir soll­ten uns mitt­ler­wei­le bewusst sein, dass uns in die­ser Liga kei­ner als Auf­stei­ger wahr­nimmt und dem­entspre­chend auch nicht so gegen uns spielt. Und wir kön­nen sol­che Auf­trit­te wie die in Frank­furt auch nicht mehr jugend­li­chem Leicht­sinn zuschrei­ben. Genau davor haben wir doch vor der Sai­son Leu­te wie Beck, Bad­s­tu­ber und Aogo geholt. Dafür sind Spie­ler wie Gin­c­zek und Terod­de und auch Baum­gartl und selbst Kamin­ski doch erfah­ren genug: Damit sol­che Spie­le zumin­dest mit der Min­dest­aus­beu­te zu Ende gebracht wer­den.

Geschenke annehmen, nicht machen

Womit ich dar­auf zurück kom­me, wor­auf ich ursprüng­lich hin­aus­woll­te: Der VfB muss sei­nen Angst­ha­sen-Fuß­ball able­gen und sich end­lich über­le­gen, wie er in die­ser Sai­son Tore schie­ßen will. Ein Hin­weis: Mit Quer- und Rück­päs­sen klappt es nicht. Auch nicht, indem man den Ball, weil einem nichts bes­se­res ein­fällt, auf einen der Außen­ver­tei­di­ger raus­schiebt. Und wenn man schon ein sol­ches Geschenk wie eine rote Kar­te und einen Frei­stoß aus 16 Metern Ent­fer­nung und zen­tra­ler Posi­ti­on bekommt, dann muss man es anneh­men und darf den Geg­ner nicht zum Tore­schie­ßen ein­la­den.

Also, lie­be Mann­schaft, lie­ber Han­nes Wolf: Passt bit­te höl­lisch auf, dass die­se Par­tie nur ein Warn­schuss bleibt und nicht die Ein­lei­tung einer frus­trie­ren­den Hin­run­de. Noch­mal zum Mit­schrei­ben: Wir brau­chen jeden Punkt und haben kei­nen zu ver­schen­ken.

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