Das Gschmäckle schlägt zurück

Am vergangenen Freitag erschienen zwei Artikel über den VfB Stuttgart, die verdeutlichen, dass die Zeiten, in denen die Vereinsführung auf Augenhöhe mit Fans und Mitgliedern kommunizierte, vorbei sind. Geredet wird von oben herab oder hinten herum. Und das hat eine Vorgeschichte.

Da denkt man beim Frühstück in der Länderspielpause nichts Böses, und dann diese Nachricht:

Präsident Wolfgang Dietrich will sich bei der Suche nach weiteren Investoren für den VfB Stuttgart alle Optionen offen halten und schließt auch Fonds als Anteilseigner an der AG nicht aus. „Wir suchen Partner, die optimal zum Verein passen. Ob der Partner aus der Region kommt oder nicht, ist zweitrangig. Es muss passen von den Zielen, die er hat“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der VfB-AG der „Deutschen Presse-Agentur“.

Fonds? Also im Zweifel Investoren ohne regionalen Bezug, denen es primär um die Rendite geht und nicht wie dem Ankerinvestor und treuen Partner Daimler um die Stärkung des lokalen Bundesligisten? Moment, wie hieß es noch im Löwenzahn-Video zur Ausgliederung?

“Starke, regional verwurzelte Unternehmen sind unser Heimvorteil. Den wollen wir nutzen”

Bereits ein knappes halbes Jahr, nachdem dieses Video entstanden ist, ist der Heimvorteil, den der VfB nutzen will, also zweitrangig. Dabei war es genau dieses Argument, welches viele VfB-Mitglieder ruhigen Gewissens für die Ausgliederung stimmen ließ: Der VfB holt sich keinen “Scheich” und keinen durchgeknallten amerikanischen Milliardär an Bord, sondern nur bodenständige Mittelständler aus dem Ländle. Was im Mai noch als Verkaufsargument für die Ausgliederung galt, ist jetzt nicht mehr so wichtig. Frei nach Adenauer: “Was stört mich mein Geschwätz von vor der Ausgliederung?”. Natürlich heißt das jetzt nicht, dass der VfB sich direkt einen solchen Investor an Land zieht. Aber schon allein die Tatsache, dass man mit der Aussicht auf regionale Partner für die Ausgliederung wirbt und dann Regionalität als zweitrangig bezeichnet, hat ein Gschmäckle.

Am Abend des selben Tages erschien dann ein Artikel in den Stuttgarter Nachrichten, geschrieben von Sportredakteur Gunter Barner, der das erste Jahr der Präsidentschaft Wolfgang Dietrichs resümierte und dabei zu Erkenntnissen kam, bei denen sich manch einer angesichts der Nachricht vom Morgen verwundert die Augen rieb.

Ein Jahr danach lautet die Bilanz: Einige Fans begegnen ihm immer noch mit Argwohn, aber fast alle respektieren seine Arbeit.

(…)

Die Rückkehr in die Bundesliga blieb auch deshalb keine Illusion, weil es die neue Führungsriege verstand, wieder Ruhe in den Verein zu bringen.

(…)

Er ist, gemessen an den Herausforderungen des ersten Jahres, eine gute Wahl.

Interessant: Am Morgen wird bekannt, dass Wolfgang Dietrich uns nur was von regionalen Investoren erzählt hat, um die Stimmen für die Ausgliederung zu bekommen und am Abend schreibt Gunter Barner einen Artikel, in dem davon kein Sterbenswörtchen erwähnt wird, sondern der Präsident in den Himmel gelobt wird?

Natürlich ist es Gunter Barner unbenommen, diese Meinung von Wolfgang Dietrich zu haben, und ihn auf eine solche Weise zu portraitieren. Aber es hat schon ein gewisses Gschmäckle, oder nicht?

Down the rabbit hole

Der Entwurf für diesen Beitrag lag schon eine Weile in der Schublade, aber es waren diese beiden Artikel, die mich dazu brachten, ihn wieder hervorzuholen. Denn was am Freitag passierte, war kein Präzedenzfall. Im Gegenteil es war nur der folgerichtige nächste Schritt einer bedenkenswerten Entwicklung im Umgang der Vereinsführung des VfB mit Fans und Mitgliedern. Das letzte Mal, als ich diesen Beitrag aus der Schublade holte, hatte Michael Reschke gerade Kritiker seiner Transfers als “Vollidioten” bezeichnet. Aber immer, wenn ich darüber nachdenke, bewege ich mich, wie man im Englischen sagt, “down the rabbit hole”. Soll heißen, man gräbt sich in seinen Gedanken immer tiefer hinein in einen Sachverhalt und kommt von einem zum nächsten. Dass Michael Reschke beim VfB ist, hat ja seinen Ursprung darin, dass Jan Schindelmeiser gefeuert wurde. Das wiederum hat etwas mit VfB-Präsident Wolfgang Dietrich zu tun. Aber ist Wolfgang Dietrich wirklich der Startpunkt dieser Geschichte? Denn dessen Präsidentschaft entstand ja auch nicht aus der dünnen Luft, sondern hat eine Vorgeschichte. Ebenso wie die Geschehnisse des vergangenen Freitags.

Diese Vorgeschichte beginnt am 17. Juli 2011 und und hat ihren Ursprung am Ende des rabbit holes: Beim Aufsichtsrat und dessen Mitgliedern.

Up the rabbit hole

Denn dieser Tag, an dem der VfB Stuttgart 1893 e.V. seine Mitgliederversammlung abhielt, markiert den Beginn einer Phase, in der die Aufsichtsratsmitglieder die Kontrolle über den VfB Stuttgart verloren und die erst knapp fünf Jahre später mit dem Abstieg des VfB in die zweite Liga im Mai 2016 endete. Auf besagter Mitgliederversammlung drückte der damalige Aufsichtsrat unter seinem Vorsitzenden Dieter Hundt als Nachfolger des heutigen Ehrenpräsidenten Erwin Staudt sein Mitglied Gerd Mäuser als einzigen Präsidentschaftskandidaten durch. Und das nicht ohne Nebengeräusche: Ein Antrag, eine zweite Kandidatur zuzulassen, fand ebenso wenig die notwendige Zustimmung von 75 Prozent wie ein Antrag auf Abwahl Hundts. Mäuser selber erreichte nur 58,7 Prozent der Stimmen. Immerhin noch etwa ein Prozentpunkt mehr als Wolfgang Dietrich. Von da an ging es bergab.

Zwei Jahre später, nachdem sich Mäuser durch die alberne Suche nach einer neuen Stadionhymne, einem Vertrag mit dem zweifelhaften Ticketportal Viagogo, einer rückgratlosen Haltung gegenüber der Liga im Rahmen des DFL-Maßnahmenpapiers und – dem Vernehmen nach – zwischenmenschlichen Defiziten als völlig unqualifiziert erwiesen hatte, trat er schließlich Anfang Juni 2013 zurück. Genauso wie kurz darauf sein Aufsichtsratsvorsitzender Dieter Hundt, der das Amt seit 2002 innegehabt hatte und sich seiner Machtposition so sicher war, dass er sogar den ewigen Gerhard Mayer-Vorfelder trotz des drohenden Kollapses im Jahr 2001 überlebte und sich später anschickte, nach der Vizemeisterschaft Manager Rolf Rüssmann zu schassen und im Jahr 2006 den späteren Meistertrainer Armin Veh als “Übergangslösung” zu bezeichnen.

Der Aufsichtsrat verliert die Kontrolle

Diesem Doppelrücktritt vorausgegangen waren massive Proteste aus der Cannstatter Kurve gegen beide. Und es kam einer Palastrevolution gleich. Schließlich war der letzte Präsident, der seinen Posten ungewollt verlor, Gerhard Mayer-Vorfelder gewesen. Dieser war von Hundts Vorgänger Heinz Bandke abgesägt worden. Und nun traten gleich die beiden wichtigsten Männer im Verein, nämlich Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender, binnen weniger Tage zurück.

Hundts Nachfolger wurde Joachim Schmidt, für den es auf der nächsten Mitgliederversammlung im gleichen Jahr noch gut lief. Im Glauben, es würde alles besser, stimmten 97,4 Prozent für Bernd Wahler und entlasteten den Aufsichtsrat, mit Ausnahme von Dieter Hundt, für das Jahr 2012. Außerdem fand in diesem Jahr die monatelange Kampagne der aktiven Fanszene, das alte VfB-Wappen wieder einzuführen, endlich Umsetzung. Der Frieden sollte aber nicht von langer Dauer sein. In der darauf folgenden Mitgliederversammlung 2014 wurde der Aufsichtsrat neu gewählt und bestand fortan aus Joachim Schmidt als Vorsitzendem, Eduardo Garcia als seinem Stellvertreter, Hansi Müller, Hartmut Jenner, Wilfried Porth und Martin Schäfer.

Mai 2016: Ground Zero

Spulen wir kurz zwei Jahre vor – von diesen sechs Aufsichtsräten sind nur noch drei im Amt. Schmidt und Garcia traten kurz nach der Mitgliederversammlung 2015 zurück, als dem von ihnen geführten Aufsichtsrat nur 28 Prozent der Mitglieder die Entlastung genehmigen wollten. Bereits im Mai des gleichen Jahres war Hansi Müller zurück getreten, nachdem er es seines Egos unangemessen fand, sein Insiderwissen über die Verpflichtung von Alexander Zorniger als neuen VfB-Trainer nicht auszuplaudern, obwohl Huub Stevens zu diesem Zeitpunkt noch im Amt war und mit der Mannschaft mitten in einem aussichtslos erscheinenden Abstiegskampf steckte.

Wir befinden uns jetzt also im Mai 2016 und in den Gremien des VfB herrscht gähnende Leere. Der Vorstand besteht nur noch aus Finanzvorstand Stefan Heim und Marketingvorstand Jochen Röttgermann, nachdem Bernd Wahler und Robin Dutt aus dem Abstieg persönliche Konsequenzen gezogen hatten. Im Aufsichtsrat saßen unter dem Vorsitz von Martin Schäfer nur noch die eben genannten Wilfried Porth und Hartmut Jenner. Und der Verein stand vor der Herausforderung, einen Präsidenten, einen Trainer, einen Sportvorstand und eine aufstiegstaugliche Mannschaft zu finden.

Gschmäckle-Journalismus

Wann genau Gunter Barner, Sportredakteur bei den Stuttgarter Nachrichten, es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Aufsichtsrat und die Vereinsführung des VfB mit voller publizistischer Kraft zu unterstützen und beschloss, jegliche gebotene kritische journalistische Distanz zum Objekt seiner Berichterstattung zum Fenster raus zu werfen, ist mir nicht ganz klar. Denn bereits 2011, vor der Wahl Gerd Mäusers, trat er im Gespräch mit Dieter Hundt in inzwischen wohlbekannter Manier mehr als Stichwortgeber, denn als kritischer Interviewer auf:

Barner: Selbst ernannte Kandidaten haben einen Wahlkampf inszeniert, der vor allem eines zum Ziel hat: den vom Aufsichtsrat gemäß Satzung benannten Bewerber Gerd E. Mäuser zu verhindern.

Hundt: Ja, und das bedauere ich sehr. Diese Irritationen schaden dem VfB gewaltig. Deshalb bin ich froh, dass am nächsten Sonntag die Mitgliederversammlung entscheidet . . .

Barner: . . . und danach womöglich das große Chaos ausbricht.

Hundt: Nein, um Himmels willen. Es muss schnellstmöglich wieder Ruhe einkehren, die der VfB braucht, um sich ungestört auf die nächste Saison vorbereiten zu können.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten vom 9. Juli 2011

Kommt einem alles so bekannt vor, oder? Sehr lesenswert dazu übrigens dazu der Kommentar von Heinz Kamke damals. Es hat, man kann es nicht anders nennen: Ein Gschmäckle. Weniger gut war offensichtlich der Draht zu Gerd Mäuser, den Barner im März 2013 “nach Informationen unserer Zeitung” anzählte. Selbstredend verliert er hier kein schlechtes Wort über denjenigen, von dem die Informationen wahrscheinlich stammten und der die geballte Inkompetenz, die Barner in seinem Artikel seziert, überhaupt erst zum Präsidentenamt verholfen hat.

Auch über Joachim Schmidt und Bernd Wahler sind auf den ersten Blick keine gefälligen Artikel oder unkritische Interviews zu finden. Wenig überraschend, denn als Aufsichtsratschef und VfB-Präsident hatte man zwischen 2013 und 2016 nur wenig zu lachen und warum auf ein lahmes Pferd setzen?

Wer erfand die Ausgliederung?

Auch nicht ganz klar ist mir, wessen Idee die Ausgliederung eigentlich war. Auf jeden Fall nahm es Bernd Wahler auf sich, als erster VfB-Präsident diesen Plan den Mitgliedern des Vereins schmackhaft zu machen. Wir erinnern uns: Mäuser und Hundt traten zurück, Nachfolger wurden Wahler und: Joachim Schmidt, Vertreter der Daimler AG im Aufsichtsrat. Erstmals wird die Ausgliederung bei der Mitgliederversammlung 2014 erwähnt, in der Folge veranstaltete der VfB unter der Regie von Rainer Mutschler eine Reihe von Regionalversammlungen und Workshops, in denen Mitglieder, mehr oder minder auf Augenhöhe, mit Vereinsvertretern diskutieren konnten. Natürlich war schon damals das Fernziel klar erkennbar, auf dem Wege der Mitgliederbeteiligung den Mitgliedern die Ausgliederung schmackhaft zu machen. Aber immerhin: Man konnte sich mit Vereinsmitarbeitern und -funktionären in einen Stuhlkreis setzen. Von Barner las man zu diesem Thema erstaunlich wenig. Stattdessen tat sich Kollege Thomas Haid von der Stuttgarter Zeitung hervor, der die Ausgliederungspläne bei jeder Gelegenheit in höchsten Tönen lobte. Dann kam der Abstieg und Bernd Wahler war weg.

Wir befinden uns also wieder im Jahr 2016, der VfB ist in die zweite Bundesliga abgestiegen, die Vereinsführung ist auf Rumpfformation zusammengeschrumpft und die Ausgliederung auf Eis gelegt. Dem Aufsichtsrat, der – wir erinnern uns – aus Schäfer, Porth und Jenner bestand, konnte also quasi gar nicht anders, als die Zügel in die Hand zu nehmen. Gemäß des Leitspruchs “Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen” sollten ihnen dabei nicht, wie in den vergangenen fünf Jahren, kritische Fans und Mitglieder auf der Nase herumtanzen. Es galt, den Einfluss des Aufsichtsrates wieder zu stärken und das Projekt endlich umzusetzen, an dem Schmidt und Wahler gescheitert waren: Die Ausgliederung. Von nun an steter publizistischer Begleiter: Gunter Barner.

Als die VfB-Mitglieder sich am 1. Juni dieses Jahres dazu entschlossen, ihre Profifußballer in eine AG auszugliedern, überschrieb ich meinen Rückblick auf die außerordentliche Mitgliederversammlung mit “The times, they are a changin’“. Welch ein Irrtum. Die Zeitenwende kam bereits in den Wirren des Abstiegs 2016. Denn seither gibt es beim VfB keine Veranstaltungen auf Augenhöhe mehr und keine Abstimmungen auf Mitgliederversammlungen oder Spruchbänder in der Kurve mehr, die Funktionäre zu Fall bringen können.

Dass Rest-Aufsichtsrat und Rest-Vorstand niemandem damit einen Gefallen getan haben, erst Jos Luhukay als Trainer und dann geschlagene zwei Monate später Jan Schindelmeiser als Sportvorstand engagiert zu haben, wurde spätestens mit  Luhukays Rücktritt kurz nach Saisonbeginn deutlich. Natürlich war Hannes Wolf ein ziemlicher Glücksfall für den Verein, aber der wurde auch von Jan Schindelmeiser verpflichtet und nicht vom Aufsichtsrat. Als jener sich dann seiner Kernkompetenz zuwandte, nämlich der Neuwahl des Präsidenten wurde schon deutlich, in welche Richtung es gehen sollte.

Gschmäckle-Kandidat

Monatelang hatten die Mitglieder zusammen gesessen und hatten überlegt, wie man den Verein positiv weiterentwickeln könnte. Und dann präsentierte der Aufsichtsrat für die Mitgliederversammlung im Oktober 2016: Nur einen Kandidaten. Und nicht nur irgendeinen Kandidaten, sondern Wolfgang Dietrich, der als ehemaliger Sprecher von Stuttgart21 sowieso schon bei vielen Menschen in der Stadt nicht gut gelitten war und der mit seiner Firma Quattrex zudem in finanzieller Verbindung mit direkten Zweitliga-Konkurrenten des VfB wie etwa Union Berlin stand. War aber alles kein Problem, denn beim VfB heißt es ja jetzt: Was nicht passt, wird passend gemacht. Dietrich übergab die Firma vollständig an seinen Sohn und auch die DFL bestätigte schließlich die Rechtmäßigkeit der Kandidatur. Was nicht wirklich überrascht, denn eine Liga, die sich von Red Bull, Martin Kind und Volkswagen aufs Kreuz legen lässt, hat mit sowas selbstverständlich auch kein Problem. Aber bereits hier offenbart sich, beim VfB geht es nicht mehr ohne – ihr ahnt es bereits – ein gewisses Gschmäckle.

Wie? Es gibt immer noch Mitglieder, die nicht von Wolfgang Dietrich überzeugt sind und die gar die Aufsichtsratsmitglieder abwählen wollen? So geht das aber nicht. Flugs schwadronierte Aufsichtsratsvorsitzender Martin Schäfer davon, wer diesem Antrag auf Abwahl stattgebe, wolle den VfB “in Schutt und Asche legen”, berichtet Gunter Barner am 29. September 2016. Am selben Tag erscheint ein weiterer Artikel von Barner, der, gäbe es diese Auszeichnung, bei der Wahl zur “Homestory des Jahres” mit Sicherheit weit vorne läge. Der Hauptdarsteller: Martin Schäfer. Es ist ein solches Gesamtkunstwerk, dass man gar nicht daraus zitieren kann, ohne dabei die eine Lobhudelei aus dem Kontext der anderen zu reißen. Fazit: Schäfer hat sich hochgearbeitet und redet, wie ihm die Gosch gewachsen ist. Einer von uns. Seit dem Interview mit Dieter Hundt 2011 also nichts verlernt.

Die Mitgliederversammlung rückte näher und immer noch gab der aufmüpfige Pöbel keine Ruhe. Also müssen schärfere Geschütze aufgefahren werden. Ob Barner Schäfer einen Gefallen tun wollte, oder ob dieser ihn im Zuge der Homestory um einen solchen bat, kann nur spekuliert werden. Auf jeden Fall rief Barner ihn am 6. Oktober aus den…Tag der Abrechnung! Und er rechnete ab, mit jenen, die es wagten, Kritik am Aufsichtsrat und dessen Wunschkandidaten zu üben:

Seit Wochen laden die Vormänner des Widerstands ihre Geschütze vorzugsweise in den sozialen Netzwerken, um ihr Verständnis vom Neubeginn einem breiten Publikum einzubläuen: erst einmal alles zerstören.

(…)

Giftpfeile, gern auch unter die Gürtellinie, feuern die Heckenschützen auch deshalb gegen die Chefkontrolleure, weil sie statt zwei – wie laut Satzung erlaubt – nur einen Kandidaten für das Präsidentenamt ins Rennen schicken. Zwar beteuert Martin Schäfer, „dass wir ausführlich mit 13 Kandidaten gesprochen und uns dann eindeutig nur für den einen entschieden haben“, in den Ohren der Opposition klingt das aber so glaubhaft wie eine Mär aus dem Fundus von Münchhausen.

(…)

Beseelt von der romantischen Vorstellung, dass die Postkutschen schon wieder fahren werden, wenn sie man es nur lange genug fordern, wüten Teile der Ultra-Szene um Commando Cannstatt gegen alles, was nach Kommerz riecht, genießen im Stadion aber die Vorzüge der Moderne und feiern nebenbei ihre ganz eigene Party: Mit preisgünstigen Tickets – und wenn es sein muss auch mit Pyros, Krawall-Einlagen und schmähenden Internet-Posts, die Verletzungen der Anstandsregeln als taktisches Foul tolerieren. Da kann es schon mal passieren, dass man den Präsidentschafts-Kandidaten als „kriminellen Vollidioten“ apostrophiert. Und die Sponsoren-Vertreter im Aufsichtsrat aus der Cannstatter Kurve der unsportliche Ratschlag ereilt: „Verpisst euch!“

Die Gschmäckle-Dreierkette Barner-Schäfer-Dietrich stand also stabil.

Und kam am Ende zum gewünschten Ergebnis: Dietrich wurde gewählt, auch wenn er dabei noch schlechter abschnitt als seinerzeit Gerd Mäuser, der Aufsichtsrat blieb im Amt, einzig die vorgeschlagenen Satzungsänderungen fanden keine Mehrheit. Aber gar kein Problem, denn Abwehrchef Dietrich ging direkt nach der Wahl in die Offensive und unterstellte den Mitgliedern auf der anschließenden Pressekonferenz, sich gegen die Stärkung der eigenen Rechte entschieden zu haben. Und unterschlug dabei, dass diese gar nicht die Möglichkeit hatten, über einzelne Satzungsänderungen separat abzustimmen.  Man konnte nicht anders, als entweder alle Änderungen, gute wie schlechte, anzunehmen oder abzulehnen. Es bedarf schon einiger Chuzpe, so offensichtlich die Tatsachen zu verdrehen und die Mitglieder so vor den Kopf zu stoßen. Aber es stand im Einklang mit der neuen Innenpolitik des VfB: Erstmal von oben herab draufhauen.

Frontalunterricht statt Stuhlkreis

Auch abseits der Mitgliederversammlung änderte sich die Herangehensweise. Statt Workshops gab es jetzt “VfB im Dialog”. Frontalunterricht statt Stuhlkreis. Moderiert und organisiert nicht mehr von Rainer Mutschler, sondern von einem Moderator VfB-Freundeskreis-Mitglied Klaus-Dieter Feld, der seine Gesprächspartner aus Vorstand und Aufsichtsrat durchgehend duzte und alles in allem nicht den Eindruck vermittelte, eine unabhängige Instanz zwischen Vereinsführung und Mitgliedern zu sein. Es schadete dabei sicherlich nicht, dass natürlich die Zeit begrenzt war und dass viele Fans und Mitglieder die Gelegenheit, die VfB-Funktionäre auf der Bühne direkt adressieren zu können, dafür nutzten, erstmal ihre gesamte Fankarriere zu rekapitulieren, um hinterher Fragen zu stellen, die schon tausend Mal beantwortet wurden.

Ziemlich genau vor einem Jahr war also beim VfB die Ordnung endgültig wieder hergestellt. Der Aufsichtsrat saß fest im Sattel, gestützt durch einen Präsidenten, der dem Kontrollorgan in dominantem Gehabe in nichts nachstand. Von jetzt an sollte beim VfB wieder Vereinspolitik von oben gemacht werden. Schließlich galt es noch eine Ausgliederung durchzubringen. Und dafür hatte der Aufsichtsrat genau den richtigen Kandidaten. Keine weichgespülten Stuhlkreise wie unter Barner und Mutschler mehr, jetzt hieß es: “Ja zum Erfolg!”.

Auf der flugs eingerichteten gleichnamigen Aktions-Webseite wurden Kritik an der Ausgliederung als “Fake” dargestellt und den Mitgliedern ein Youtube-Film auf Löwenzahn-Niveau präsentiert. Auseinandersetzung auf Augenhöhe? Nirgends zu sehen. Stattdessen hieß es “Friss oder stirb”. Hauptdarsteller Wolfgang Dietrich, der erzählte, man habe bereits Verhandlungen mit der Daimler AG geführt, aber mit niemandem sonst, denn dafür fehle ihm, Zitat “das Mandat der Mitglieder”. Der Kritiker irgendwann persönlich angriff, selbst auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung noch, anstatt inhaltlich auf deren Kritik einzugehen. Und der sich bei seiner Überzeugungsarbeit für die Ausgliederung nicht primär auf die Fähigkeiten von Finanz- und Marketingvorstand stützte, sondern auf die Meriten seines Sportvorstands: Jan Schindelmeiser.

Gschmäckle-Entlassung

Der sah sich, sechs Wochen nach der erfolgreich verlaufenen Ausgliederungs-Mitgliederversammlung, plötzlich Kritik ausgesetzt. Der VfB war aufgestiegen, hatte zusätzliches Geld zur Verfügung, und Schindelmeiser kaufte Spieler ein. Es war noch etwa ein Monat bis zum Saisonbeginn und eigentlich sah alles recht positiv aus. Und dann das: Jan Schindelmeiser stoße intern auf Widerstand, man sei unzufrieden mit ihm, berichtete Gunter Barner Mitte Juli exklusiv. Als Schindelmeiser Anfang August tatsächlich vor die Tür gesetzt wurde, hatte er dann ganz überraschend bereits wenige Minuten nach Bekanntgabe der Beurlaubung durch den VfB einen fertig ausgeschriebenen Kommentar zur Hand und durfte sogar noch ein Videointerview dazu geben.

Und wieder hieß es: Die Dreierkette stand sicher. Denn zu den Gründen für die Entlassung Schindelmeisers hat sich Wolfgang Dietrich bis heute nicht eindeutig geäußert. Wozu auch, der Hase läuft ja jetzt anders beim VfB. Musste er zudem gar nicht, denn das konnte man ja bei Gunter Barner nachlesen: Zu viele Alleingänge bei Transfers, zu große Nähe zum Bruder von Andreas Beck, zu wenig menschliche Nähe. Was für eine Position! Barner konnte jetzt nicht mehr nur Menschen in Ämter hineinschreiben oder ihnen Rückendeckung verschaffen, um ihre Ämter zu behalten. Nein, jetzt konnte er scheinbar sogar Leute aus Funktionen heraus schreiben. Dass die von ihm gestreuten Kritikpunkte an Schindelmeiser samt und sonders Käse waren, offenbarte schon die Tatsache, dass Dietrich nichts von Kritik an Schindelmeisers Transfers wissen wollte. Vom großen Andrang bei dessen Verabschiedung ganz zu schweigen. Dass Schindelmeisers Nachfolger dann ausgerechnet Andreas Beck verpflichtete, der selbstverständlich von seinem Bruder beraten wird, verlieh Barners Bullshit-Story eine besonders absurde Note. Wenn man dann noch erfährt, dass Reschke bereits vor der Asienreise des FC Bayern um die Auflösung seines Vertrags bat, wird das Gschmäckle nicht nur unübersehbar, sondern bekommt eine bittere Note.

Denn wie bereits erwähnt, war Jan Schindelmeiser ein nicht unwesentlicher Faktor, um die VfB-Mitglieder von den Vorzügen einer Ausgliederung zu überzeugen. Es waren seine in der zweiten Liga getätigten Transfers, auf denen das Vertrauen vieler Mitglieder basierte, dass nun der Zeitpunkt gekommen sein, zu dem man dem VfB endlich wieder eine größere Summe Geld anvertrauen konnte. Ohne Angst zu haben, dass er diese genauso in den Wind schießt wie seinerzeit die Erlöse aus den Transfers von Hleb und Gomez. Schindelmeisers Entlassung hatte aber am Ende nichts mit seinen Transfers oder dem Bruder von Andreas Beck zu tun. Er wurde mitten in der Saisonvorbereitung entlassen, weil er offenbar nicht mit dem Ego seines Präsidenten kompatibel war und dieser für ihn nach erfolgter Ausgliederung (und Ablauf der Einspruchsfrist) auch keine Verwendung mehr hatte. Wie auch zwei Monate später galt schon Anfang August: “Was stört mich mein Geschwätz von vor der Ausgliederung?” Man gewinnt den Eindruck, Wolfgang Dietrichs Entscheidung sei nicht zum Wohle des VfB Stuttgart geschehen, sondern zum Wohle seines Egos.

Le Club, c’est moi

Dieses erhielt direkt im Anschluss einen weiteren Schub, denn als Nachfolger präsentierte er Michael Reschke, der sich als Kaderplaner und Transferspezialist in Leverkusen und München einen Namen gemacht hatte. Und der bei seiner Vorstellung fast mehr über den FC Bayern redete, als über seinen neuen Arbeitgeber. Endlich wurden die Bayern und der VfB wieder in einem Atemzug genannt. Der VfB war wieder wer und mit ihm Wolfgang Dietrich, auch wenn man damit sportlich noch nicht zu den Münchnern aufgeschlossen hatte. Aber zumindest abseits des Platzes waren der Präsident des VfB Stuttgart und sein guter Freund, der Präsident des FC Bayern, auf Augenhöhe. Aber nicht nur wegen der Aussicht, dass der Glanz des FC Bayern nun ein wenig auf den VfB abfärben könnte, war Michael Reschke der perfekte Kandidat für Wolfgang Dietrich.

Denn der neue Sportdirektor verinnerlichte schnell die Führungsphilosophie seiner Vorgesetzten. Im besten Stile des Aufsichtsratsvorsitzenden und Präsidenten bezeichnete er jene, die an seinen Transfers Kritik übten, von oben herab als “Vollidioten” und ließ die Fangemeinde außerdem wissen, dass es auf seine Lebensqualität keinen Einfluss habe, wann ein Fußballspiel angepfiffen wird und ob ein DFB-Pokalfinale in Asien stattfindet. Er muss sehr genau zugehört haben, als Uli Hoeneß seinerzeit polterte: “Für die Scheißstimmung seid ihr doch verantwortlich!” Aus der Dreierkette ist einer Viererkette geworden. Benjamin Brumm (Tragisches Dreieck) konstatiert zurecht:

Der neue Sportchef Michael Reschke folgte nun auf eine, wenn man ihn zu kennen meint, überraschend unangenehme Weise dem Ton des Präsidenten. Der hatte Kritiker an der durchgesetzten Ausgliederung als Fortschrittsverweigerer bezeichnet. Pauschal und ohne Not. Wer mit Argumenten zu überzeugen weiß, muss niemanden beschimpfen oder herabwürdigen. Schon gar nicht die, die dem Verein bereits die Stange hielten, lange bevor dort auch nur das Wort Aktiengesellschaft zum ersten Mal ausgesprochen wurde. Diese Wortwahl wirkt überheblich, abgehoben und ist Wasser auf die Mühlen der Hasser des Systems Profifußball.

Geschmackvoll ist anders

Und damit kommen wir wieder zum Ausgangspunkt, dem vergangenen Freitag. Es hieß ja 2016, ein Abstieg würde dem VfB vielleicht einmal gut tun. Ich habe damals nicht daran geglaubt und ich glaube auch heute nicht daran. Der Abstieg hat den Verein eine Menge Geld gekostet und ihm eine Vereinsführung beschert, der Vereinsmitglieder und Fans entweder nützlich oder lästig sind. Eine Vereinsführung, die sich scheinbar auch nicht davor scheut, über einen Journalisten die Stimmung in Öffentlichkeit und Verein in die für sie richtige Richtung zu lenken. An den Fans vorbei, wie erneut Benjamin es heute geschrieben hat.

Beim VfB geht es seit Mai 2016 nicht mehr ohne Gschmäckle. Ich möchte gar nicht wissen, was uns in den kommenden Monaten und Jahren noch ins Haus steht. Geschmackvoll wird es auf jeden Fall nicht.

Bild: “Star Destroyer Bridge – The Empire Strikes Back” von flickr/Pixelpiper unter CC BY-NC-SA 2.0

Lennart kommt aus der Nähe von Kassel, lebt mittlerweile in Darmstadt und ist seit den späten 90ern, etwa seit dem Pokalsieg 1997, treu ergebener Fan des roten Brustrings. In weiser Voraussicht kaufte er sich im Sommer 2006 ein Trikot von Fernando Meira. Seit 2005 ist er auch VfB-Mitglied, seit 2006 ist er Mitglied des offiziellen Fanclubs VfB-Supporters Hessen, außerdem Besitzer einer Heim- und Auswärtsdauerkarte. Auf Twitter findet Ihr ihn unter @l_sauerwald.

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  • Christian

    Wow das ist schon ein starkes Stück und in sich leider überhaupt nicht plausibel, da ganz viele Themen durchmischt werden und diese Unterstellungen der Gefälligkeitspresse relativ peinlich sind.

    Ich möchte drei Dinge hervorheben:

    1. Wenn du glaubst, dass die Wahl von Schmidt, Dietrich oder auch das Ja zur Ausgliederung letztendlich nur durch Artikel und Interviews von Herrn Barner zustande kommen dann schmeichelst du ihm gewaltig, überschätzt die (vermeintliche) Macht der (Lügen-)Presse aber maßlos.
    Dass die Herren Barner und Co. pro Ausgliederung waren mag vllt auch nur daran liegen, dass sie als reflextierte VfB-Fans der Meinung waren (die kann man teilen oder auch nicht), dass die Ausgliederung für den Verein sportlich überlebenswichtig ist? Aber nein, bestimmt spendiert ihnen Wolle Dietrich vier Wochen Mauritius im Jahr.

    2. Zitat: “Dass die von ihm gestreuten Kritikpunkte an Schindelmeiser samt und sonders Käse waren, offenbarte schon die Tatsache, dass Dietrich nichts von Kritik an Schindelmeisers Transfers wissen wollte”
    Das genaue Gegenteil ist richtig. Da kannst du jeden Mitarbeiter im Verein fragen. Dass Dietrich sich nicht öffentlich hinstellt und Schindelmeiser noch einmal diskreditiert war eine Frage des Stils. Das kann man ihm weiß Gott nicht vorwerfen.

    3. Einen ganz wichtigen und guten Punkt machst du, und das ist so schade, dass er durch die ganzen anderen komischen Unterstellungen und Verschwörungstheorien ziemlich unter geht: Das Thema mit dem Fond als Investor. Hier hätte ich mir eine schöne Auseinandersetzung damit gewünscht, warum wir das nicht wollen, wieso es dem VfB schadet und warum Dietrich hier Wortbruch begeht.
    Aber stattdessen schreibst du lieber darüber, dass Barner von Dietrich (wie auch immer) geschmiert ist: Zitat: “Eine Vereinsführung, die sich scheinbar auch nicht davor scheut, über einen Journalisten die Stimmung in Öffentlichkeit und Verein in die für sie richtige Richtung zu lenken” Lügenpresse! Lügenpresse! Lügenpresse! Ernsthaft?

    • Hallo Christian,

      gerne gehe ich auf die drei von dir hervorgehobenen Punkte ein. Was ich da sonst durchmischt haben soll und was sonst noch unplausibel sein soll, müsstest Du mir dann nochmal erläutern.

      1. Ich habe nirgends geschrieben, dass die Wahl der genannten Herren und die Ausgliederung NUR durch die Artikel von Gunter Barner zustande gekommen sind. Zur Ausgliederung selber hat Barner auch gar nicht mal so viel geschrieben, da hat sich eher Thomas Haid hervorgetan (da auch die Bitte an Dich, das nicht durcheinander zu schmeißen). Es ist ja auch nicht verboten, dass Gunter Barner ausschließlich positiv über Wolfgang Dietrich und den Aufsichtsrat des VfB berichtet. Aber es hat, wie ich es im Artikel mehrfach gesagt habe, ein unschönes Geschmäckle, wenn immer der gleiche Journalist völlig unkritische Artikel verfasst, und sich einseitig auf die Seite des Objekts seiner Berichterstattung stellt. Und das war nicht nur einmal so, sondern ist seit Jahren so. Und zwar nicht erst seit gestern, sondern bereits seit 2011. Im übrigen liegt es mir völlig fern, “Lügenpresse” zu schreien. Es muss aber möglich sein, einzelne Journalisten für ihre Arbeit zu kritisieren, ohne dass einem gleich vorgeworfen wird, man hole die Lügenpresse-Keule raus. Die Redakteure der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten machen größtenteils sehr gute Arbeit, einige kenne ich auch persönlich. Was mir gegen den Strich geht, ist die einseitige Berichterstattung Barners und, und damit kommen wir zu

      2. ..die Berichterstattung im Fall Schindelmeiser. Sorry, aber das geht schon mit der Unterstellung los, Schindelmeiser habe eine zu große Nähe zu Andi Becks Bruder Arthur Beck. Der hatte zum Zeitpunkt des Artikels zwei Spieler beim VfB unter Vertrag: Galstyan und Sessa von der zweiten Mannschaft (https://www.transfermarkt.de/aka-global-gmbh/beraterfirma/berater/1956). Steven Skrzybski hingegen, auch ein Klient Becks, lehnte sogar einen Wechsel zum VfB (aus der zweiten Liga von Union) ab. Ironischerweise wird dann der dritte Beck-Spieler im Verein von Schindelmeisers-Nachfolger verpflichtet: Andreas Beck.

      Zu den Transfers. Zitat Dietrich aus der StZ:

      „Es gab keine einzige Verpflichtung, hinter der ich nicht voll und ganz stehe.“ Wohl war dem 68-Jährigen das Augenmerk seines ehemaligen Sportvorstands zu sehr auf junge Spieler ausgelegt: „Wir wollen das eine tun, ohne das andere zu lassen“, sagt Dietrich, „wir brauchen beides – Erfahrung und Entwicklungspotenzial.“

      Und deswegen entlässt man den Sportdirektor einen Monat vor Ende des Transferfensters, am Tag, an dem Holger Badstuber, die personifizierte Erfahrung einen Vertrag beim VfB unterschreibt? Und holt einen Nachfolger, der Dennis Aogo aus der Arbeitslosigkeit holt? Und nein, ich kann nicht jeden Mitarbeiter fragen. Aber ich kann lesen, dass bei Schindelmeisers Verabschiedung sehr viele Leute anwesend waren. Dietrich brauchte ihn nicht zu diskreditieren. Das geschah bereits durch den hanebüchenen Artikel von Gunter Barner. Was meinst Du denn, woher er diese Informationen hat?

      3. Thema Fonds: Dietrich ist ja nicht blöd, dass habe ich ihm nie unterstellt. Natürlich hat er ein solches Investment nie ausgeschlossen. Aber geworben wurde in diesem Filmchen damit für die Ausgliederung, dass man seine Investoren vor Ort sucht. Jetzt ist diese Regionalität nur noch zweitrangig. Ist das nicht offensichtlich genug? Vielleicht kommt auch gar kein Fond und Dietrich präsentiert im Sommer Würth und Kärcher als Investoren. Aber glaubst Du, er hat das einfach nur so gesagt und nicht, um sich ebendiese Hintertür offen zu halten? Ich finde, der Satz am Ende steht nicht im Gegensatz dazu.Es ist ja nicht nur Dietrich. Wie kommt denn ein Gunter Barner dazu, kurz vor der Mitgliederversammlung ein solches Portrait über den unter Beschuss stehenden Aufsichtsratsvorsitzenden zu schreiben und danach einen Artikel (keinen Kommentar!) zu verfassen, in dem er dem Aufsichtsrat noch publizistischen Feuerschutz gibt. Da muss man doch auch als Redaktion irgendwann mal sagen: “So Gunter, jetzt reicht es”. Oder am vergangenen Freitag: Morgens kommt die Nachricht mit dem Fond und abends erscheint ein ziemlich unkritischer Artikel über Dietrich, in dem die ganze Sache mit keinem einzigen Wort erwähnt wird. Und auch sonst bisher nicht? Du sagst ja selber, dass das ein guter Punkt ist.

      Natürlich ist da kein Geld geflossen oder so. Aber im Falle des Schindelmeiser-Artikels liegt die Vermutung nahe, dass da gezielt Informationen an Barner gestreut wurden, um Schindelmeisers Stuhl schon mal anzusägen. Wieso sollte das vor einer Mitgliederversammlung nicht ähnlich laufen. Man kennt und schätzt sich. 😉 Es ist natürlich nur eine Mutmaßung, aber mir erscheint sie angesichts der Fülle der unkritischen Artikel als plausibel. Wie gesagt, es geht mir hier nicht um StZ und StN im Allgemeinen, sondern lediglich um diese Person, die Journalismus mit Geschmäckle betreibt.

  • Inge Hauber

    Was für eine Chronologie, die allen klar machen müsste, welchen fatalen Fehler so viele Mitglieder mit ihrem JA zum Seelenverkauf begingen.

    Wann das erste Mal die Ausgliederung thematisiert wurde, kann ich sagen. Vor und auf der legndären MV von der Mäuser Wahl.
    Damals nutzten der Präsi und Ruf, natürlich auch Mäuser, das Ansinnen von Roleder, der diese für die Zukunft in Aussicht stellte, als ein nogo für den Verein für die Wahlkampagne, die ihren Höhepunkt auf der MV fanden.

    Sie sagten damals, mit uns nicht. Sie hatten recht, sie waren am Trauertag in keiner verantwortlichen Position mehr in Amt und Würden. Rest ist bekannt.

    Welche Rolle Barner spielt, hätte dem Letzten bewusst werden müssen, als der Blogger C. Prechtl (by the way) enthüllte, welcher Posten für Barner unter Dietrich eigentlich zugesagt war. Natürlich war das nach der Enthüllung nicht mehr möglich. Der Verbandelung zwischen den Beiden tat das wohl keinen Abbruch. Wahrscheinlich ist Dietrich dem Barner noch was schuldig. Daher auch diese Artikel von ihm. Die an Offensichtlichkeit keine Frage mehr offen lassen dürften.

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