Zweitliga-Revival

Am 17. Spieltag kassiert der VfB gegen Mitaufsteiger Bielefeld seine bisher höchste Saisonniederlage. Das Spiel war eine Reminiszenz an die vergangene Zweitliga-Saison, denn die Brustringträger nutzten ihre Chancen nicht und schlugen sich am Ende selber.

Was machst Du, wenn eine gegnerische Flanke im eigenen Fünfmeter-Raum von deinem Bauch ins Tor prallt? Zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel. Vielleicht hätte sich Marc Oliver Kempf vorher besser positionieren sollen, aber irgendwie passte dieses 2:0 der Arminia, das auf jeden Fall eine Nominierung zum Kacktor des Jahres verdient hatte, zum gesamten Auftritt der Brustringträger. Nicht nur der Gegner, mit dem man sich in der letzten Saison zweimal duellierte, auch der Spielverlauf erinnerten an Zweitliga-Zeiten. Ohne die gelbgesperrten Wamangituka und Gonzalez lag die Verantwortung für die Offensive auf den Schultern von Sasa Kalajdzic und Tanguy Coulibaly, unterstützt von Mateo Klimowicz und überraschenderweise Philipp Förster, der Gonzalo Castro ersetzte.

An Chancen mangelte es vor allem Kalajdzic eigentlich nicht, er rieb sich jedoch als einzige richtige Sturmspitze zu häufig auf und hatte das ein oder andere Mal einfach auch Pech im Abschluss. Normalerweise kann die Mannschaft so etwas durch die Fähigkeite der beiden gesperrten Spieler kompensieren, diesmal gelang das nicht. Coulibaly dribbelte sich zu häufig fest und Klimowicz und Förster besitzen (noch) nicht die individuelle Klasse, um in den entscheidenden Momenten zuzuschlagen. So gingen dann auch viele Flanken des erneut sehr engagierten Borna Sosa ins Leere. Kurz: Der VfB hatte viel Aufwand und wenig Ertrag. Auch die Einwechlungen von Philipp Klement, Darko Churlinov, Roberto Massimo und Daniel Didavi fruchteten nicht. Die jungen Außenspieler waren zwar ebenfalls bemüht, konnten in dieser Situation nicht den Unterschied machen, die Standardspezialisten blieben blass. Unterm Strich fehlte der Mannschaft die Zielstrebigkeit in den Offensivaktionen, die ein Wamangituka oder ein Gonzalez eben haben.

Bielefeld geschickter und effektiver

Entscheidend war aber womöglich, dass der VfB nicht sein gewohntes Aufbau- und Umschaltspiel durchziehen konnte, zumindest nicht in der Häufigkeit, dass es am Ende für genügend Torchancen gereicht hätte. Kempf, Anton und Stenzel mussten sich häufiger als üblich den Ball in der eigenen Hälfte quer zuspielen, als ihnen lieb war – auch das kommt einem aus der zweiten Liga bekannt vor. Bielefeld stellte die Brustringträger vor allem in der Mitte des Spielfelds gut zu, ohne dabei unbedingt besser zu sein. Sie waren vor allem effektiver und geschickt darin, die nicht unbedingt unverdiente aber gleichzeitig auch glücklich zustande gekommene Führung zu verteidigen.

Jetzt hat der VfB nach der Hinrunde 22 Punkte und wird in den nächsten Spielen wieder auf seine beiden Topstürmer zurückgreifen können. Auch wenn Freiburg ähnlich unangenehm zu spielen sein wird wie im Pokal und Mainz wie Bielefeld mit allen Mitteln gegen den Abstieg kämpft, sollte man diese Niederlage nicht als Beginn einer Krise sehen, sondern eher als Erinnerung, vor welchen Herausforderungen die Mannschaft teilweise noch steht. Ich jedenfalls freue mich auf die Rückrunde, trotz dieses Spiels.

Titelbild: © Stuart Franklin/Getty Images

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