Zurück im Abstiegskampf

“Der VfB ist wie­der da”! Nach der einer spie­le­risch wie kämp­fe­risch kata­stro­pha­len Leis­tung beim 0:4 in Glad­bach sind die Brust­ring­trä­ger wie­der zurück im Abstiegs­kampf. Die Klat­sche am Nie­der­rhein wirft vie­le Fra­gen auf, auf die die Mann­schaft am Sams­tag gegen Hop­pen­heim eine ein­deu­ti­ge Ant­wort fin­den muss.Irgend­wann nach dem 2:0 Heim­sieg gegen den Tabel­len­drit­ten in Ber­lin muss es gewe­sen sein, als sich in der VfB-Mann­schaft anschei­nend die Mei­nung durch­setz­te, man habe mit dem Abstiegs­kampf nichts mehr zu tun. Es folg­te ein Unent­schie­den in Gel­sen­kir­chen, in dem man immer­hin in der zwei­ten Halb­zeit die Kur­ve kriegt, eine Nie­der­la­ge nach eige­ner Füh­rung gegen Han­no­ver und ein Deba­kel gegen Glad­bach. Bevor wir uns die­se Ent­wick­lung angu­cken, zunächst der Blick auf das Spiel.

Das Mön­chen­glad­bach eine offen­siv­star­ke Mann­schaft ist, die ähn­lich wie der VfB ihre Schwä­che eher hin­ten hat, konn­te man unter ande­rem in unse­rem Geg­ner­in­ter­view mit dem Voll­rau­te-Pod­cast nach­le­sen. Die Spie­ler im Brust­ring hät­ten also gewarnt sein kön­nen und müs­sen. Nun kann man gegen einen sol­chen Geg­ner trotz des Auf­wärts­trends des VfB auch nicht mit einem kla­ren Sieg rech­nen. Man durf­te aller­dings durch­aus erwar­ten, dass der VfB ver­su­chen wür­de, die sicher­lich vor­han­de­ne spie­le­ri­sche Über­le­gen­heit des Tabel­len­vier­ten mit Ein­satz­wil­len und einem kon­zen­trier­ten Auf­tritt aus­zu­glei­chen. Dass das funk­tio­nie­ren kann, hat Mainz ein­drucks­voll bewie­sen.

Es fehlt an allem

Jürgen Kramny hat einiges mit der Mannschaft aufzuarbeiten. Bild: © VfB-exklusiv.de
Jür­gen Kram­ny hat eini­ges mit der Mann­schaft auf­zu­ar­bei­ten. Bild: © VfB-exklusiv.de

Statt­des­sen war das Spiel ein Best of der Unzu­läng­lich­kei­ten der letz­ten Jah­re. Es ging damit los, dass die Abwehr den Glad­ba­cher Stür­mern aus uner­klär­li­chen Grün­den viel zu viel Platz ließ. Kom­bi­niert mit den immer noch vor­han­de­nen spie­le­ri­schen Defi­zi­ten vor allem von Schwa­ab, Nie­der­mei­er und vor allem Insua lud man die Glad­ba­cher immer wie­der zu Angrif­fen, Tor­schüs­sen und schließ­lich auch Toren ein. Die feh­len­de Bereit­schaft, sich den Ball und damit auch die Kon­trol­le über das Spiel zurück zu erkämp­fen setz­te sich auch in den ande­ren Mann­schafts­tei­len fort. Wobei es im Mit­tel­feld vor allem schlam­pi­ge Päs­se und aus Kon­zen­tra­ti­ons­män­geln resul­tie­ren­de Ball­ver­lus­te waren, die dem VfB das Genick bra­chen. Dem­entspre­chend ging bis auf ein paar frucht­lo­se Flan­ken­läu­fe auch nach vor­ne fast nichts. Vor allem jene Spie­ler, von denen man sich auf­grund ihrer per­sön­li­chen Qua­li­tät Impul­se erwar­te­te, ent­täusch­ten. Dani­el Dida­vi tauch­te unter, Lukas Rupp gelang nichts und auch Filip Kostic spiel­te unter­ir­disch.

Wie gesagt: Hät­te wenigs­tens der Ein­satz und die mann­schaft­li­che Geschlos­sen­heit gestimmt, man hät­te die­se spie­le­ri­schen Män­gel aus­glei­chen kön­nen. Aber im Gegen­teil: Der VfB schenk­te das Spiel nach und nach völ­lig ab. Chris­ti­an Gent­ner, als Kapi­tän an die­sem Tag wie schon häu­fig in der Ver­gan­gen­heit völ­lig über­for­dert, schmiss gemein­sam mit Tyton  — der ein­zi­ge, der annä­hernd Nor­mal­form erreich­te — den Dia­pro­jek­tor an und erin­ner­te die mit­ge­reis­ten VfB-Fans mit dem 2:0 an die guten alten Zei­ten, als man sich im Wochen­takt per Slap­stick-Ein­la­ge selbst schlug. Was Jür­gen Kram­ny der Mann­schaft in der Halb­zeit­pau­se sag­te, weiß ich nicht, hilf­reich war es nicht. Und so gewan­nen die Gast­ge­ber am Ende auch in der Höhe abso­lut ver­dient mit 4:0.

Läuft’s nur, wenn gar nichts mehr geht?

Beim VfB lief gar nichts zusammen. Bild: © VfB-Bilder.de
Beim VfB lief gar nichts zusam­men. Bild: © VfB-Bilder.de

Der VfB ließ in die­sem Spiel alles ver­mis­sen, was ihn zu Beginn der Hin­run­de stark mach­te. Das schwer­wie­gends­te Ver­säum­nis war aber jenes, dass man es einem spiel­star­ken Geg­ner nicht so schwer wie mög­lich mach­te. Und so macht sich, wenn man die bei­den Spie­le zuvor mit in die Betrach­tung auf­nimmt, das Gefühl breit, dass die Mann­schaft auch in die­ser Spiel­zeit nur zu außer­ge­wöhn­li­chen Leis­tungs­stei­ge­run­gen in der Lage ist, wenn sie mit dem Rücken zur Wand steht. Schal­ke wäre mit einem cou­ra­gier­te­ren Auf­tritt zu schla­gen gewe­sen, Han­no­ver hät­te man nie­der­kämp­fen müs­sen und gegen Glad­bach kann man zwar ver­lie­ren, aber nicht so!

Die Mann­schaft muss nun gegen die nächs­ten Geg­ner eine deut­li­che Reak­ti­on zei­gen. Dum­mer­wei­se hei­ßen die Hop­pen­heim und Ingol­stadt, sind also ent­we­der im Auf­wärts­trend oder extrem eklig zu spie­len. Wie schon nach dem Han­no­ver-Spiel geschrie­ben: Es ist mei­ner Mei­nung nach nicht so, dass die Mann­schaft durch den Rück­run­den­auf­takt Kre­dit auf­ge­baut hat, der durch Nie­der­la­gen wie am Mitt­woch­abend  abschmilzt. Viel­mehr ist die Mann­schaft nach der Hin­run­de eini­ges schul­dig, dass sie durch die Sie­ges­se­rie wie­der gut gemacht hat. Das 0:4 war ange­sichts die­ses Kon­tex­tes nicht nur eine Frech­heit, son­dern auch ein Rück­fall in Zor­ni­ger-Zei­ten. Konn­te man damals noch davon aus­ge­hen, dass die Spie­ler von den Erwar­tun­gen des Trai­ners über­for­dert waren, ent­fällt die­ses Ali­bi heu­te. Was natür­lich Georg Nie­der­mei­er nach dem Spiel nicht davon abhielt, jeg­li­che Ein­stel­lungs­pro­ble­me zu demen­tie­ren und zu ver­spre­chen, beim nächs­ten Spiel alles bes­ser zu machen.

Katastrophal!

Nach dem Han­no­ver-Spiel schrieb ich, dass die Nie­der­la­ge kei­ne Kata­stro­phe war. Das kann ich jetzt nicht mehr schrei­ben. Das Spiel war eine Kata­stro­phe in jeg­li­cher Hin­sicht. Es liegt jetzt an der Mann­schaft, zu bewei­sen, dass cha­rak­ter­lich gefes­tigt genug für den Abstiegs­kampf ist. Und dafür zu sor­gen, dass das Kata­stro­phen­spiel nicht doch noch zu einer Kata­stro­phen­rück­run­de führt.

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