Zurück auf Anfang? Nein! Hamburger SV — VfB 3:2

Es war ein Spiel, wel­ches man nicht ver­lie­ren durf­te. Nicht gegen die­sen HSV. Der VfB tat es trot­zem und bereits nach dem zwei­ten Spiel­tag und der zwei­ten Nie­der­la­ge wird von ver­schie­de­nen Sei­ten Kri­tik, vie­len Fans füh­len sich an die letz­te Sai­son zurück erin­nert. Mei­ne Gedan­ken zum zwei­ten Spiel­tag.

Zunächst eine Ein­schrän­kung. Ich habe das Spiel nur in der Zusam­men­fas­sung gese­hen, kann also nicht beur­tei­len, ob Zor­ni­gers Pres­sing-Fuß­ball den Ham­bur­gern zu Beginn genau­so die Luft abschnür­te wie den Köl­nern in der Woche zuvor. Fan­gen wir mit dem Posi­ti­ven an: Der VfB ist zum Glück noch in der Lage, Tore aus dem Spiel her­aus­zu schie­ßen. Das war nach dem Elf­me­ter-Tor und den vie­len ver­ge­be­nen Chan­cen im ers­ten Liga-Spiel eine mei­ner größ­ten Sor­gen: Dass der VfB ver­lernt, wie man den Geg­ner über­spielt und dann auch noch die Kugel im Tor unter­bringt. Zum Glück ist auf Dani­el Gin­c­zek und sei­nen Tor­instinkt Ver­lass. Nach­dem er bereits in der End­pha­se der letz­ten Sai­son sowie im Pokal getrof­fen hat­te, bau­te er sein Tore­kon­to auf ein­drucks­vol­le Wei­se wei­ter aus. Es ist schön, end­lich wie­der jeman­den mit der 33 auf dem Rücken zu sehen, der die­se Num­mer in ähn­li­cher Manier mit Tor­ge­fahr in Ver­bin­dung bringt wie damals Mario Gomez.

Wie in der Stutt­gar­ter Zei­tung zu lesen ist, könn­te er sogar für die Natio­nal­mann­schaft inter­es­sant sein. Natür­lich ist es immer eine schö­ne Sache, wenn ein Spie­ler den VfB auch in der Natio­nal­mann­schaft ver­tre­ten kann. Es ist aber ein ziem­lich zwei­schnei­di­ges Schwert. Natio­nal­spie­ler trai­nie­ren in Län­der­spiel­pau­sen nicht mit der Mann­schaft und es gibt zum Teil ziem­lich unglück­lich ter­mi­nier­te Län­der­spiel-Pau­sen. Man­che Nach­wuchs­tur­nie­re lie­gen so unglück­lich in der Sai­son­vor­be­rei­tung, dass Spie­ler die­se nicht voll­stän­dig mit­ma­chen kön­nen. Gön­nen wür­de ich es Gin­c­zek nichts­des­to­trotz.

Aber zurück zum HSV-Spiel. Der VfB geht also in Füh­rung, kas­siert den Aus­gleich, weil die Abwehr­rei­he die Abseits­fal­le nicht auf die Ket­te (haha) kriegt und kommt noch vor der Pau­se zurück. Soweit eigent­lich alles gut, es scheint, als habe man den HSV im Griff. Und dann pas­siert etwas, was in so einer Situa­ti­on eigent­lich nicht pas­sie­ren darf. Flo­ri­an Klein, der letz­te Sai­son prak­tisch kom­plett durch­ge­spielt hat, begeht zwei Fouls. Bei­de ein­deu­tig gelb­wür­dig, an dem Platz­ver­weis gibt es nichts zu rüt­teln. Nach eige­ner Aus­sa­ge sei er beim zwei­ten Foul weg­ge­rutscht. Mag sein, trotz­dem hät­te ich mir von einem Spie­ler, der schon einen Kar­ton in der Sta­tis­tik hat, etwas mehr Zurück­hal­tung gewünscht. Zor­ni­gers Aggres­siv-Man­tra in allen Ehren, aber mit zehn Leu­ten ist die Jagd nach Ball und Geg­ner halt noch schwe­rer.

Und so starr­te ich alle fünf Minu­ten auf mein Han­dy bis sechs Minu­ten vor Abpfiff das Unver­meid­li­che pas­sier­te. Aus­ge­rech­net Pierre-Michel Lasog­ga, der sym­pa­thischs­te aller HSV-Spie­ler macht den Aus­gleich, kurz dar­auf trifft Johan Djo­rou zum 3:2 für die Ham­bur­ger und die Mär von den Ham­bur­ger Steh­auf­männ­chen lässt sich wei­ter­schrei­ben, was auch Spie­gelOn­line bereit­wil­lig tut. Es tut mir leid, lie­be Ham­bur­ger, aber ich den­ke nicht, dass das der Tur­ning Point Eurer Sai­son ist. Dafür fie­len die VfB-Tore zu ein­fach. Dafür brauch­te es auch erst einen — berech­tig­ten — Platz­ver­weis, um Euch wie­der in die Erfolgs­spur zu brin­gen. Auch gegen die Bay­ern hielt der HSV lan­ge dicht, um dann doch die Bude voll zu bekom­men. Und glaubt mir, es ist nicht der Frust über die ver­lo­re­nen drei Punk­te, der da aus mir spricht, son­dern die Tat­sa­che, dass da noch Mann­schaf­ten kom­men, die mehr aus ihren Chan­cen machen als der VfB und die sich vor allem hin­ten nicht  — schon wie­der — so kom­plett dus­se­lig anstel­len.

Das war näm­lich, noch mehr als der Platz­ver­weis für Klein, der Knack­punkt in die­sem Spiel. Eine miss­ra­te­ne Abseits­fal­le: Geschenkt. Aber wie man eine Füh­rung so schlecht ver­tei­di­gen kann, dass am Ende alle drei Punk­te futsch sind, ist mir ein Rät­sel. Wie gesagt: Ich sah nur die Zusam­men­fas­sung, aber was man da sieht, ist, dass die Zuord­nung beim 3:2 hin­ten und vor­ne nicht pass­te. Lei­der war es da auch der viel geprie­se­ne Hlou­sek, der Djou­rou ganz allein ließ.

Also jetzt alles wie­der auf Anfang, alles über den Hau­fen schmei­ßen, Huub Ste­vens anru­fen? Nein! Dazu wur­de in die­ser Sai­son bereits zu viel rich­tig gemacht. Robin Dutt hat den Kader in bei­spiel­lo­ser Manier auf­ge­räumt. Sei­ne größ­te Her­aus­for­de­rung besteht jetzt zwar noch dar­in, die Innen­ver­tei­di­gung zu ver­stär­ken. Das war eigent­lich schon nach dem Abgang von Ser­dar Tasci nötig, wur­de aber bit­ter­lich ver­säumt (ja, Karim Hag­gui war ursprüng­lich als Tasci-Ersatz ein­ge­plant). Den zwei Nie­der­la­gen zum Trotz: Beim VfB kommt in die­ser Sai­son so viel Posi­ti­ves ins Rol­len: Die Mann­schaft wur­de durch Zor­ni­ger von ihrer Behä­big­keit und ihrem Phleg­ma befreit, wel­ches vor allem die Amts­zeit von Bru­no Lab­ba­dia kenn­zeich­ne­te. Im Ver­ein wur­den alte Zöp­fe abge­schnit­ten, vor allem der Abgang von Ulrich Ruf soll­te allen wie­der fri­sches Leben ein­hau­chen. Schließ­lich wur­den wie schon gesagt vie­le Trans­fer­sün­den der ver­gan­ge­nen Jah­re berei­nigt. Ich las­se mir die­se posi­ti­ven Ent­wick­lun­gen beim VfB nicht von zwei Nie­der­la­gen kaputt machen, in denen der VfB wirk­lich alles für den Sieg tat, aber ent­we­der wirk­lich Pech im Abschluss hat­te, oder sich in der Abwehr ein­fach unglaub­lich unge­schickt ange­stellt hat. Klar ist auch: Die­se Nie­der­la­gen­se­rie muss am Sams­tag gegen die Ein­tracht enden, denn mit null Punk­ten aus drei Spie­len steckt man ein­fach erst mal unten drin und der Spiel­plan wird auch nicht leich­ter.

Im Gegen­satz zu letz­tem Jahr habe ich aber in die­sem August nicht die Befürch­tung wie 2014, dass die alte Sai­son ein­fach naht­los in die neue Sai­son über­ge­gan­gen war. Gebt Zor­ni­ger und der Mann­schaft noch ein biß­chen. Es geht in die­ser Sai­son wie­der auf­wärts, ich bin mir sicher. Aber einen wei­te­ren Innen­ver­tei­di­ger brau­chen wir trotz­dem. Und die drei Punk­te gegen die Ein­tracht auch!

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