Zu einfach

Ein müh­sam zu bezwin­gen­der Geg­ner, durch den Trai­ner­wech­sel schwer aus­zu­rech­nen. Das hät­te der VfB für Tabel­len­füh­rer Dort­mund sein kön­nen. Statt­des­sen hat­te der BVB leich­tes Spiel.

Am Ende hät­te es noch ein­mal knapp wer­den kön­nen. Hät­te Borus­sia Dort­mund in der zwei­ten Hälf­te mehr Lust am Tore­schie­ßen gehabt, dann wäre der VfB im Duell der Schieß­bu­den wie­der an For­tu­na Düs­sel­dorf vor­bei auf den letz­ten Platz der Bun­des­li­ga-Tabel­le gezo­gen. So wur­de es nur ein 4:0, obwohl wir wis­sen, dass der der­zei­ti­ge Spit­zen­rei­ter durch­aus in der Lage ist, Mann­schaf­ten übler zu ver­dre­schen, als er es mit dem VfB tat.

Abwehr von der Rolle

Da ist es schon wieder passiert. Der VfB verpennt die erste halbe Stunde. © VfB-Bilder.de
Da ist es schon wie­der pas­siert. Der VfB ver­pennt die ers­te hal­be Stun­de. © VfB-Bilder.de

Nicht nur unser Inter­view-Gast Dani­el, den ich vor dem Spiel zum BVB befrag­te, auch manch VfB-Fan mut­maß­te, wir hät­ten durch den Trai­ner­wech­sel einen gewis­sen psy­cho­lo­gi­schen Vor­teil: Die Brust­ring­trä­ger hat­ten nichts zu ver­lie­ren und Dort­mund-Trai­ner Fav­re dank der Län­der­spiel­pau­se kein Anschau­ungs­ma­te­ri­al, wie Mar­kus Wein­zierl sei­ne Mann­schaft wür­de spie­len las­sen. Nicht zuletzt hat­te ja sein ehe­ma­li­ger Ver­ein, der FC Augs­burg, zwei Wochen zuvor in Dort­mund gezeigt, dass man die Schwarz­gel­ben durch­aus in Bedräng­nis brin­gen kann, ver­lor der FCA doch erst in der Nach­spiel­zeit durch ein Frei­stoß-Tor. Dass der VfB die drei Punk­te nur schwer im Neckar­sta­di­on wür­de behal­ten kön­nen, war klar. Aber die Devi­se muss­te unbe­dingt lau­ten: Wir machen es ihnen so schwer wie mög­lich.

Nach nicht ein­mal 25 Minu­ten war das alles Maku­la­tur. Wie effi­zi­ent der BVB in die­sem Spiel war, zeigt ein Blick auf die expec­ted Goals. Gin­ge es näm­lich nach die­sen Wer­ten, wäre das Spiel in etwa 1:1 aus­ge­gan­gen. Statt­des­sen kom­bi­nier­ten sich die Gäs­te durch eine VfB-Abwehr, die zu sehr von der Rol­le war, um die­sem Ansturm stand­zu­hal­ten: Beim 1:0 hat­te Mar­co Reus nach einem kur­zen Quer­pass viel zu viel Platz, beim 2:0 ver­zich­te­te unter ande­rem Gon­za­lo Cas­tro dan­kend auf einen not­wen­di­gen Zwei­kampf und beim 3:0 reih­te sich Ben­ja­min Pavard in den Rei­gen der VfB-Spie­ler ein, die in den letz­ten Wochen min­des­tens einen Total­aus­set­zer pro Spiel hat­ten. Damit war das Ding gelau­fen und jede Mög­lich­keit, sich hier mit einem acht­ba­ren Ergeb­nis aus der Affä­re zu zie­hen, dahin.  Denn wie bereits ange­spro­chen, blieb die Anzahl der Gegen­to­re nur des­halb im Rah­men, weil der BVB in der zwei­ten Halb­zeit ein paar Gän­ge run­ter­schal­te­te. Es war ent­ge­gen den Erwar­tun­gen ein ein­fa­ches Spiel für den BVB. Zu ein­fach.

Ansätze verpuffen

Zehn Ecken, ein Ergebnis: Kein VfB-Tor. Mal wieder.
Zehn Ecken, ein Ergeb­nis: Kein VfB-Tor. Mal wie­der.

Auch die Umstel­lun­gen, die Mar­kus Wein­zierl an der Auf­stel­lung vor­nahm, ver­puff­ten so völ­lig. Mit Thom­my, Gon­za­lez, Gomez und Gent­ner stan­den nomi­nell vier Offen­siv­kräf­te auf dem Platz, auf dem rech­ten Flü­gel bekam Maf­feo den Vor­zug vor Andi Beck, auf links hat­te der Trai­ner nach dem Aus­fall von Bor­na Sosa kei­ne Alter­na­ti­ve zu Emi­lia­no Insua. Kom­plet­tiert wur­de die Start­elf von Sant­ia­go Ascací­bar auf der Sechs und dem bereits ange­spro­che­nen Cas­tro sowie der Innen­ver­tei­di­gung bestehend aus Baum­gartl und Pavard. Die Offen­siv­be­mü­hun­gen des VfB nah­men vor allem zu Beginn der zwei­ten Halb­zeit end­lich Fahrt auf, mal wie­der man­gel­te es jedoch an der Treff­si­cher­heit. Da hal­fen auch weder die zehn Ecken —  von denen zwei hin­ter dem Tor lan­de­ten —  noch die Umstel­lung auf ein 3–5‑2 etwas. Es war wie zuletzt: Man konn­te schon Ansät­ze und Bemü­hen sehen, aber es reich­te halt vor­ne wie hin­ten nicht.

Genau das ist auch das frus­trie­ren­de an der der­zei­ti­gen Situa­ti­on. Wir brau­chen, mal wie­der, Geduld. Wer weiß, wie das Spiel ver­lau­fen wäre, wenn wir nicht die ers­te hal­be Stun­de ver­pennt hät­ten. So blei­ben die guten Ansät­ze eben auf ein paar Tor­raum­sze­nen nach der Halb­zeit beschränkt und wir sind so schlau als wie zuvor. Wie zu Sai­son­be­ginn müs­sen wir hof­fen, dass die Mann­schaft im nächs­ten, spä­tes­tens aber im über­nächs­ten und wenn nicht, dann aber im über­über­nächs­ten Spiel end­lich ihren Erwe­ckungs­mo­ment unter dem neu­en Trai­ner hat. Dass der BVB kein Grad­mes­ser für uns ist, ist klar. Aber Hof­fen­heim und Frank­furt sind der­zeit eigent­lich auch nicht unse­re Kra­gen­wei­te. Trotz­dem müs­sen zu den bis­he­ri­gen fünf Punk­ten bald ein paar dazu­kom­men. Zum Ver­gleich: Vor drei Jah­ren hat­ten wir zum glei­chen Zeit­punkt in der Sai­son nur einen Punkt weni­ger, dafür aber eine etwas bes­se­re Tor­dif­fe­renz — Zor­ni­gers Hara­ki­ri-Offen­siv­fuß­ball sei Dank.

Warten und Hoffen

Das sagt natür­lich nichts über Mar­kus Wein­zierl und den Sai­son­aus­gang des VfB aus. Aber ein etwas sta­bi­le­rer Auf­tritt gegen Dort­mund wür­de zumin­dest mehr Hoff­nung auf einen Punkt­ge­winn in den nächs­ten Spie­len machen. Denn nach dem Heim­spiel gegen Frank­furt sind bereits zehn Spie­le in die­ser Bun­des­li­ga-Sai­son absol­viert und ab einem gewis­sen Zeit­punkt in der Sai­son, die Sta­tis­tik hat­te ich ja schon häu­fi­ger zitiert, ist der Unter­schied zwi­schen der jeweils aktu­el­len und der End­plat­zie­rung nor­ma­ler­wei­se nicht mehr so furcht­bar groß. Will sagen: Je län­ger wir da unten drin­hän­gen, des­to grö­ßer wird die Anstren­gung — sie­he letz­te Sai­son — da wie­der raus­zu­kom­men. Das ist natür­lich eine Bin­sen­weis­heit, aber es ver­deut­licht, wie ernst die Situa­ti­on mitt­ler­wei­le genom­men wer­den muss. Und dass Micha­el Resch­ke auf­pas­sen muss, dass sei­ne voll­mun­di­ge Ankün­di­gung, man wer­de “nicht groß in den Abstiegs­kampf gera­ten” nicht von der Rea­li­tät ein­ge­holt wird. Es bleibt uns also nichts ande­res übrig, als zu war­ten und zu hof­fen. Mal wie­der.

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