Well, you live in hope, don’t you?

Mal unabhängig von der Geisterspiel-Thematik: Warum tut man sich ein Spiel wie das in Kiel als VfB-Fan überhaupt noch an?

Vor ein paar Jahren entdeckte ich bei den Bremer Blogger-Kollegen von vert et blanc ein Filmzitat, dass ich zwar eigentlich hätte kennen müssen, weil ich den Film sicher ein Dutzend mal gesehen habe, was mir aber nie in Erinnerung blieb, wahrscheinlich weil es in der Buchvorlage nicht vorkommt. Es stammt aus Fever Pitch, der Verfilmung von Nick Hornbys Standardwerk über die Leiden von Fußballfans. Der britischen Verfilmung mit Colin Firth, wohlgemerkt, nicht der mit den Red Sox. Wie auch immer, es geht folgendermaßen und ich übernehme hier die Darstellung der Bremer Blogger:

Fan 1: What about last season?
Fan 2: What about it?
Fan 1: They were rubbish. They were fucking rubbish.
Fan 2: They weren’t that bad.
Fan 1: They were fucking rubbish last year. And they were fucking rubbish the year before. And I don’t care if they are top of the League, they’ll be fucking rubbish this year, too. And next year. And the year after that. I’m not joking.
Fan 2: I don’t know why you come, Frank. Honest I don’t.
Fan 1: Well, you live in hope, don’t you?

Das Zitat gefällt mir so gut, dass ich den YouTube-Schnipsel aus Fever Pitch an meinen Twitterfeed angepinnt habe – und das bereits vor knapp vier Jahren im August 2016.

I don’t know why you come

Und ganz ehrlich: Anders kann ich es mir nicht erklären, warum ich mir dieses Auswärtsspiel in Kiel teilweise angeschaut, teilweise im Liveticker verfolgt habe. Dass auch dieses Spiel in die Hose gehen würde, diese leise Vorahnung beschlich mich bereits vergangenen Sonntag nach der mindestens genauso peinlichen Niederlage in Wiesbaden. Und doch hofft man, der Mannschaft Unrecht zu tun mit seinem Pessimismus, Dass man sich ärgert, das Spiel nicht in voller Länge gesehen zu haben, weil die Mannschaft endlich das angekündigte “andere Gesicht” zeigt.

Aber natürlich tut sie das nicht. Nein, es ist ihr nicht einmal zu blöd, erneut in den ersten zehn Minuten ein Konter-Gegentor zu kassieren und anschließend genauso erfolglos anzurennen, wie sie das schon die ganze Saison tut. Als hätte es die Hinrunde und den Rauswurf von Tim Walter, auch wegen solcher Spielverläufe, nie gegeben. Und natürlich fliegt der Vertretungskapitän Daniel Didavi mit gelb-rot vom Platz, weil er bei der ersten gelben Karte meinte, nach den Corona-Einschränkungen jetzt auch mal die Entscheidungen des Schiedsrichters hinterfragen zu müssen. Dass die zweite Verwarnung für das begangene Foul überzogen ist: geschenkt. Da hatte die Mannschaft schon eine Halbzeit lang business as usual gestümpert und dass die Schiedsrichter in dieser Liga genauso zweitklassig sind wie sie selber, hätte ihr klar sein müssen. 

Überhaupt: Man hätte es wissen müssen.

Fucking rubbish reloaded

Und jetzt empfängt der VfB am Donnerstagabend den HSV zum ersten Geisterspiel im Neckarstadion. Jenen HSV, der immerhin mit zwei Unentschieden aus der Corona-Pause kam und sich damit im Schneckenaufstiegsrennen dieser Klepperles-Liga einen Punkt vor die Brustringträger auf Platz 2 schob. Und deswegen heißt es dann auch von Trainer Pellegrino Matarazzo, wie von so vielen seiner Vorgänger:

“Wir haben heute auch ein paar positive Sachen gesehen, die wir mit ins nächste Spiel gegen Hamburg nehmen. Da geht es um alles und wir werden wieder alles geben, um zu gewinnen.”

Tja. Positive Sachen hat mit Sicherheit auch Nico Willig nach dem Relegations-Hinspiel gesehen. Man kann natürlich immer die Hoffnung haben, dass der ganze Mist im nächsten Spiel endlich vorbei ist. Dass wir an Hamburg vorbei und in den Spielen danach davon ziehen. Mir fehlt diese Hoffnung derzeit komplett. Nicht weil die Mannschaft in Wiesbaden und Kiel verloren hat und sieben Spieltage vor Schluss Dritter ist. Sondern weil sie in Wiesbaden und Kiel verloren hat, obwohl sie wusste dass sie im Hinspiel fucking rubbish gespielt hat.

Titelbild: © Stuart Franklin/Getty Images

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