Und jetzt? Vorfreude oder nicht? — Rund um den Brustring am Mittwoch, 29. Juli 2015

Die Nach­rich­ten­la­ge ist an die­sem Mitt­woch ziem­lich dünn, des­we­gen nut­ze ich die Zeit, um mich mit den Erwar­tun­gen an die neue Sai­son zu beschäf­ti­gen: Kann man ange­sichts der bis­he­ri­gen Vor­be­rei­tung eupho­risch auf die in Bäl­de begin­nen­de Sai­son bli­cken, oder nicht?Zunächst aber zu einem ande­ren The­ma: In den Stutt­gar­ter Nach­rich­ten hat sich Gre­gor Preiss mit den Zuschau­er­zah­len bei den VfB-Ama­teu­ren befasst und die­se mit denen ande­rer Zweit­ver­tre­tun­gen von Bun­des­li­gis­ten ver­gli­chen. Dass in Dort­mund, Gel­sen­kir­chen und Mün­chen wesent­lich mehr Leu­te zur Zwei­ten kom­men, ist all­ge­mein bekannt. Auf­hor­chen ließ jedoch der Schluss des Arti­kels, der die (ver­meint­li­che) Begrün­dung für die gerin­gen Zuschau­er­zah­len lie­fer­te:

Und beim VfB? Dort sind die Grün­de für die maue Unter­stüt­zung bei der Zwei­ten eben­falls viel­schich­tig. Gera­de die Älte­ren machen noch immer einen Bogen um die Heim­spiel­stät­te Gazi­sta­di­on – für sie ist es auf ewig der Kickers-Platz. Groß­as­pach war eben­falls kei­ne Opti­on, am liebs­ten sähen die ein­ge­fleisch­ten Fans die klei­nen Roten im Schli­enz-Sta­di­on kicken. Eins­ti­ge Über­le­gun­gen, das Sta­di­on dritt­li­ga­taug­lich zu machen, schei­ter­ten jedoch am Geld.

Immer wie­der wird der Vor­wurf laut, der Ver­ein selbst unter­neh­me zu wenig, sei­ne erfolg­rei­che U 23 bes­ser in Sze­ne zu set­zen. Außer ver­bil­lig­ten Tickets fiel den Ent­schei­dern nicht viel ein, sie hat­ten zuletzt genü­gend ande­re Bau­stel­len. Vie­le Ultras vom Com­man­do Cannstatt und dem Schwa­ben­sturm machen indes ganz bewusst einen Bogen um die drit­te Liga. Sie wer­fen ihrem Ver­ein Dop­pel­mo­ral vor, wenn die­ser sich einer­seits Tra­di­ti­on auf die Fah­nen schreibt, ande­rer­seits aber durch sei­ne eige­ne Sport­po­li­tik ande­ren Tra­di­ti­ons­ver­ei­nen das Tor zur drit­ten Liga ver­sperrt. „Wie in der ver­gan­ge­nen Sai­son aus­ge­mus­ter­te oder lan­ge Zeit ver­letz­te Pro­fis zahl­reich in der zwei­ten Mann­schaft ein­zu­set­zen, hal­ten wir für Wett­be­werbs­ver­zer­rung“, sagt ein Ver­tre­ter der Ultras. „Da machen wir nicht mit.“

Klingt alles durch­aus plau­si­bel. Passt auch ins oft gepfleg­te Kli­schee, dass Ultras sich mehr um Prin­zi­pi­en als um die Unter­stüt­zung der Mann­schaft küm­mern. Ein­zi­ges Pro­blem: Stimmt nicht. Das Com­man­do Cannstatt ver­öf­fent­lich­te umge­hend eine Gegen­dar­stel­lung:

Mit Ver­wun­de­rung haben wir den Arti­kel „VfB-Fans keh­ren U23 den Rücken zu“ von Gre­gor Preiss in den heu­ti­gen Stutt­gar­ter Nach­rich­ten zur Kennt­nis genom­men. Wir haben uns gegen­über Herr Preiss nicht zur The­ma­tik geäu­ßert und befin­den uns auch nicht in einem Kon­flikt mit dem VfB Stutt­gart wegen einer angeb­li­chen Dop­pel­mo­ral in der Sport­po­li­tik sei­ner Reser­ve­mann­schaft. Wir besu­chen die Spie­le der U23 aus diver­sen Grün­den nur im abso­lu­ten Aus­nah­me­fall. Die Grün­de hier­für sind viel­schich­tig und bedür­fen kei­ner öffent­li­chen Dis­kus­si­on.

Da fragt man sich natür­lich schon, wie leb­haft die Fan­ta­sie des Jour­na­lis­ten sein muss, dass er sich eine so aus­führ­li­che Begrün­dung zusam­men­reimt. Kann natür­lich auch sein, dass sei­ne Quel­le ein­fach nicht so “ultra” ist, wie Preiss das ger­ne hät­te. Wie auch immer. Ein Arti­kel, der durch den offen­sicht­li­chen Quatsch, der drin steht, über­flüs­sig wird. Gut, dass die Som­mer­pau­se bald zu Ende ist.

Auch eine Mel­dung wert: Alex­an­der Zor­ni­ger ver­bie­tet sei­nen Spie­lern angeb­lich das Tra­gen von Kopf­hö­rern in der Öffent­lich­keit. Was die 11Freunde zu einer Bil­der­stre­cke von Fuß­bal­lern mit Kopf­hö­rern ver­an­lasst (wie krea­tiv! Nicht.), führt im Blog des Tages-Anzei­gers zu einer Kolum­ne über skur­ri­le Vor­stel­lun­gen, die Trai­ner von Dis­zi­plin haben kön­nen. Ganz kurz­wei­lig, aber auch etwas unzu­sam­men­hän­gend.

Das trifft auch auf den Bei­trag in Stockworld.de zu, der die Bilanz des VfB und die Aktie der Ver­si­che­rung Alli­anz ver­gleicht. Muss man auch nicht so wirk­lich ver­ste­hen. Außer dass bei bei­den die zukünf­ti­ge Ent­wick­lung span­nend ist.

Im Kicker fin­det sich noch ein Arti­kel, wie Zor­ni­ger mit auf­kom­men­der Unzu­frie­den­heit von Ersatz­spie­lern umzu­ge­hen gedenkt. In der letz­ten Sai­son war es ja größ­ten­teils fast egal, wer auf dem Platz stand, Stamm­spie­ler ver­sag­ten genau­so wie Ersatz­spie­ler. Soll­te der Wett­be­werb zwi­schen den Spie­lern die­ses Jahr zu mehr Erfolg füh­ren, neh­me ich ger­ne unzu­frie­de­ne Spie­ler in Kauf.

Thema des Tages: Vorfreude auf die neue Saison oder nicht?

Die Stim­mung im Umfeld eines Bun­des­li­gis­ten wird im Grun­de jede Som­mer­pau­se abge­klopft. Wie wur­de die letz­te Sai­son ver­ar­bei­tet, wel­che Wei­chen wur­den für die neue Sai­son gestellt? Geht es jetzt end­lich berg­auf, respek­ti­ve kann man den Erfolg aus­bau­en? Beim VfB ist man nach den bei­den letz­ten Spiel­zei­ten auf der Eupho­rie-Ska­la eigent­lich bei Null ange­kom­men. Der ein­zi­ge Licht­blick waren die letz­ten drei Saisonspiele.Doch dann kam die Pres­se­kon­fe­renz von Robin Dutt an Pfings­ten und irgend­wie nahm das gan­ze Fahrt auf. Wie die Stutt­gar­ter Nach­rich­ten Mit­te Juli berich­te­ten, gin­gen die Ver­käu­fe von Dau­er­kar­ten und Tri­kots durch die Decke. Gre­gor Preiss führt das in einem wei­te­ren Arti­kel auf die Emo­tio­na­li­tät des Abstiegs­kamp­fes zurück.

Ich muss sagen, ich traue dem Bra­ten nicht so ganz. Es scheint mal wie­der alles zu pas­sen beim VfB: Der Trai­ner spricht Schwä­bisch, der Mana­ger kommt auch aus der Nähe von Stutt­gart und hat den Ankün­di­gun­gen, er wol­le den Kader mas­siv aus­dün­nen bis­her schon vie­le Taten fol­gen las­sen. Das Tri­kot hat end­lich einen durch­ge­hen­den Brust­ring und die Test­spie­le las­sen sich trotz defen­si­ver Schwä­chen auch ganz gut an. Anto­nio Rüdi­ger spielt wohl noch ein Jahr beim VfB und die ande­ren Spie­ler, die uns in der End­pha­se der ver­gan­ge­nen Sai­son den Arsch geret­tet haben, blei­ben uns auch vor­erst erhal­ten. Man könn­te also von einem locke­ren Aus­wärts­sieg in Kiel aus­ge­hen und dann zur Sai­son­er­öff­nung den Angst­geg­ner Köln weg­hau­en. Und da heißt es immer, das Stutt­gar­ter Publi­kum sei schwer zu begeis­tern.

Kann so pas­sie­ren, muss aber nicht. Ob der Trai­ner Schwä­bisch spricht oder nicht, ist mir per­sön­lich rela­tiv wurscht, ich kom­me aber auch nicht aus Stutt­gart. Dutts bis­he­ri­ge Trans­fer­bi­lanz ist auf jeden Fall posi­tiv. Man darf aber auch nicht über­se­hen, dass eini­ge Spie­ler den VfB mit prall gefüll­ten Taschen ver­lie­ßen. Nach dem vor etwas mehr als zwei Jah­ren das rich­ti­ge VfB-Wap­pen wie­der ein­ge­führt wur­de, dach­ten auch alle, jetzt gehe es end­lich lang­sam berg­auf. Bis­her ist die sport­li­che Bilanz des Wap­pens ziem­lich beschei­den (was nichts dar­an ändert, dass es rich­tig war, das Wap­pen wie­der ein­zu­füh­ren). Was mich zuver­sicht­lich stimmt, ist die Tat­sa­che, dass wir Offen­siv­spie­ler hal­ten konn­ten, denen ich schon in der ver­gan­ge­nen Sai­son wesent­lich mehr zuge­traut hab, als sie über wei­te Tei­le der Spiel­zeit zu zei­gen bereit waren. Ins­be­son­de­re Filip Kostic und Alex­an­dru Maxim.
Was die Abwehr angeht: Ich hal­te Rüdi­ger wei­ter­hin für kei­nen über­ra­gen­den Ver­tei­di­ger, aber Bun­des­li­ga-Niveau hat er in der Tat. Nach­dem sich der Wech­sel zu Wolfs­burg zer­schla­gen hat, wird er wohl beim VfB blei­ben. Mit Insua und Klein sowie hof­fent­lich noch einem erfah­re­nen Innen­ver­tei­di­ger, der even­tu­el­le Leis­tungs­schwan­kun­gen von Baum­gartl abfan­gen kann sind wir zumin­dest so gut auf­ge­stellt, dass ein Platz zwi­schen 9 und 13 raus­sprin­gen müss­te. Ehr­lich gesagt wäre ein ein­stel­li­ger Tabel­len­platz und ein ent­spann­ter Schlaf ab März (wegen erreich­tem Klas­sen­er­halt) schon ein Rie­sen-Erfolg. So sehen es auch die Kol­le­gen vom Brust­ring. Auch Heinz Kam­ke sag­te es in der Sai­son­vor­schau der 11 Freun­de: Der VfB braucht end­lich mal ein biss­chen Ruhe, um sich wie­der neu aus­zu­rich­ten.

Es war näm­lich auch die Dis­kre­panz zwi­schen der Spiel­wei­se und den sport­li­chen Erfol­gen unter Bru­no Lab­ba­dia, die Vie­les in Stutt­gart durch­ein­an­der gebracht hat. So schön es war, mal wie­der zum Pokal­fi­na­le in Ber­lin vor­bei zu schau­en: Es brauch­te offen­sicht­lich zwei Spiel­zei­ten mit einem Bein im Sarg namens zwei­te Liga, damit man im Ver­ein end­lich mal auf­wach­te. Die spek­ta­ku­lä­ren Rück­run­den in den ver­gan­ge­nen Sai­sons und die durch Pokal­heim­spie­le gegen unter­klas­si­ge Mann­schaf­ten “erschli­che­ne” Euro­pa­po­kal­teil­nah­me haben dem VfB im Nach­hin­ein einen Bären­dienst erwie­sen. Die Süd­deut­sche Zei­tung fasst das ganz gut zusam­men:

Beim VfB Stutt­gart soll in der kom­men­den Sai­son vie­les anders wer­den. Die Fans schei­nen den Umbruch zu gou­tie­ren. Sie erwar­ten gar nicht so viel vom neu­en Trai­ner Zor­ni­ger: Es kann nur bes­ser wer­den.

Ich bin schon glück­lich, wenn wir die schlech­ten Mann­schaf­ten der Liga mal deut­lich, mal weni­ger deut­lich schla­gen und gegen die guten Mann­schaf­ten viel­leicht mal einen Über­ra­schungs-Drei­er holen. Wenn wir uns irgend­wo im grau­en Mit­tel­feld der Tabel­le ein­nis­ten und dort bis Mai über­win­tern. So sehr ich mich auch auf Euro­pa­po­kal­spie­le freue: Erst­mal raus aus dem Cha­os der ver­gan­ge­nen bei­den Jah­re. Ich hof­fe, dass man beim VfB die Weit­sicht besitzt und nicht ver­sucht, für den kurz­fris­ti­gen Erfolg wie­der irgend­wel­che Luft­schlös­ser zu bau­en.

Die Vor­freu­de auf Fuß­ball, aufs Sta­di­on ist auf jeden Fall schon wie­der da. Die Eupho­rie, die bei sich bei mir dar­auf kon­zen­triert, dass wir ein­fach nur im ruhi­gen Fahr­was­ser durch die Sai­son schip­pern, wird sich wahr­schein­lich erst ein paar Spiel­ta­ge nach Sai­son­be­ginn ein­stel­len.

Zuletzt: Es gibt auch Leu­te, die sind anschei­nend grund­un­zu­frie­den damit, wie es beim VfB läuft. Wie der Betrei­ber die­ses Blogs namen CP Kom­mu­ni­ka­ti­on. Kei­ne Ahnung, woher die gut infor­mier­ten Krei­se ihre Infor­ma­tio­nen haben. Mei­ner Mei­nung nach befin­det sich der VfB eher auf dem Weg der Pro­fes­sio­na­li­sie­rung, dass sah vor zehn Jah­ren noch ganz anders aus. Viel­leicht zielt der Ver­fas­ser auch auf die noch immer nicht umge­setz­te Aus­glie­de­rung ab…wer weiß es schon.

Und wie ist das bei Euch? Was erwar­tet ihr euch von der kom­men­den Sai­son? Wie ist Eure Stim­mung jetzt, zwei­ein­halb Wochen vor Bun­des­li­ga-Beginn?

1 Gedanke zu „Und jetzt? Vorfreude oder nicht? — Rund um den Brustring am Mittwoch, 29. Juli 2015“

  1. Gute Über­blick über die aktu­el­le Situa­ti­on, die rund um den VfB herrscht. Ich freu mich schon sehr dar­auf, dass die Sai­son end­lich bald mal wie­der los geht. Mein Herz sagt auch wie­der mal, dass wir eine ziem­lich gute Sai­son hin­le­gen wer­den, mein Kopf tickt da ganz anders. Ist ein wenig wie nach einem ver­lo­re­nen Sai­son­spiel letz­te Spiel­zeit: Sonn­tag bis Dienstag/Mittwoch war man depres­siv, spä­tes­tens ab Don­ners­tag dann zogen ein­zel­ne rosa Wölk­chen auf, so dass dann kurz vor dem Spiel meist ein irra­tio­na­ler Opti­mis­mus Ein­zug hielt.

    Ansons­ten wär ich auch schon sehr zufrie­den damit, früh­zei­tig aus allem Kud­del­mud­del unten drin raus zu sein. Mehr brauch ich nicht.

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