It ain’t over ‘til it’s over

Im Ach­tel­fi­nal-Hin­spiel der Euro­pa League bringt sich der VfB mal wie­der sel­ber in die Bre­douil­le, am Ende wiegt das Han­di­cap zwei­er Auf­bau­feh­ler zu schwer, um die Heim­nie­der­la­ge zu ver­hin­dern. Viel­leicht sind dann immer­hin die Sin­ne im Rück­spiel genug geschärft.

Eines vor­ne­weg: Wir spie­len ein Ach­tel­fi­na­le im UEFA-Pokal. Das ist kei­ne Nor­ma­li­tät. Und auf die­sem Level trifft man auf Mann­schaf­ten, die alles — wirk­lich alles — tun, um wei­ter­zu­kom­men. Da kriegst Du, anders als gegen Abstiegs­kan­di­da­ten in der Bun­des­li­ga nichts geschenkt. Von daher wäre auch das 1:2 gegen den FC Por­to im Neckar­sta­di­on nicht so tra­gisch, wenn, ja wenn der VfB sich nicht schon wie­der durch dum­me Feh­ler um den Lohn sei­nes Auf­wands gebracht hät­te. Über wei­te Stre­cken des Spiels stimm­te die Inten­si­tät bei den Brust­ring­trä­gern näm­lich, anders als noch am Sams­tag in Mainz. Gera­de nach der Pau­se kämpf­te sich der VfB kreuz und quer über den gan­zen Platz, hat­te aber das Pech, dass der Geg­ner zu die­sem Zeit­punkt nicht mehr vom Spiel woll­te, als dass es end­lich abge­pfif­fen wür­de.

Denn jeder enga­gier­te Auf­tritt wird zur Maku­la­tur, wenn man vor­her wie­der die Basics hat ver­mis­sen las­sen. Die zwei Gegen­to­ren gegen Por­to dürf­ten in der Mann­schaft wie­der die Angst vor der eige­nen Rest­ver­tei­di­gung schü­ren — und damit womög­lich auch die Ner­vo­si­tät am Ball. Es ist die­se selt­sa­me Mischung aus Angst vor dem nächs­ten Feh­ler und Sorg­lo­sig­keit, die zu Sze­nen wie vor den bei­den Toren führt. Zunächst schlug Alex Nübel den Ball halb hoch, halb prä­zi­se in den geg­ne­ri­schen Ach­ter-Raum, dann spiel­te Jeff Cha­b­ot einen unge­nau­en, ziel­lo­sen und halb ver­hun­gern­den Pass auf die rech­te Außen­bahn, der von sei­nem Gegen­spie­ler gie­rig auf­ge­schnappt wur­de. Bei­des mal war die VfB vom Über­fall der Gäs­te auf den eige­nen Straf­raum so über­rum­pelt, dass Alex Nübel nur noch hin­ter sich grei­fen konn­te.

Willensstärke reicht nicht

Beson­ders frus­trie­rend ist die Tat­sa­che, dass sich der VfB schon zum zigs­ten Mal allei­ne in die­sem Kalen­der­jahr ein Tor fängt, dass man gut und ger­ne als Eigen­tor dekla­rie­ren kann. In der Liga mag das am Ende noch für den einen oder ande­ren Sieg rei­chen, in Pokal­wett­be­wer­ben wird es zuneh­mend schwie­ri­ger, das allein durch Wil­lens­stär­ke zu kom­pen­sie­ren. Wenn­gleich der VfB genau die bewies, nicht nur im Zwei­kampf­ver­hal­ten, son­dern auch, als Deniz Undav sei­nen Gegen­spie­ler an sei­nem Hin­ter­teil abtrop­fen ließ und zum Anschluss traf. Oder als Ange­lo Stil­ler den Ball über die Tor­li­nie zwang, auch wenn der VAR ihm das Tor wie­der klau­te. Es fehl­te nicht viel, und der VfB wäre mit einer wesent­lich bes­se­ren Aus­gangs­la­ge an den Atlan­tik geflo­gen.

Und wie schon Len­ny Kra­vitz sang: “It ain’t over ‘til it’s over”! Natür­lich darf sich die Mann­schaft in Por­to kei­ne solch hane­bü­che­nen Feh­ler erlau­ben und muss zusätz­lich mit der Atmo­sphä­re beim Aus­wärts­spiel sowie der teil­wei­se grenz­wer­ti­gen Abge­zockt­heit des Geg­ners klar­kom­men. Genau das gilt es anzu­neh­men, anstatt sich über die erwart­bar schlech­te Qua­li­tät von UEFA-Schieds­rich­tern zu beschwe­ren oder über die klei­nen Schmut­zig­kei­ten, mit denen Du auf die­sem Niveau leben musst. Das Poten­zi­al dazu hat die Mann­schaft in jedem Fall, sie muss es nur abru­fen. Ein K.O.-Spiel in einem auf­ge­heiz­ten, feind­se­li­gen Sta­di­on wäre genau die rich­ti­ge Gele­gen­heit dazu. Und wenn nicht?

Dann halt nächs­tes Jahr!

Titel­bild: © Alex­an­der Hassenstein/Getty Images

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