Direkt nach dem Ende der abgelaufenen Saison hat der VfB noch am Pfingstmontag die ersten beiden Neuzugänge für die kommende Spielzeit verkündet. Die Transfers von Mittelfeldspieler Grischa Prömel und Torhüter Marius Funk standen schon länger fest und bedeuten für beide eine Rückkehr nach Stuttgart — allerdings unter unterschiedlichen Vorzeichen. Vor allem Prömel könnte ein wichtiger Baustein für die kommende Saison werden.
Es lief schon mal ungeordneter ab in Bad Cannstatt. Am Samstag das Pokalfinale, am Montag die ersten beiden Neuzugänge fix gemacht, am Dienstag Pascal Stenzel und Alex Nübel verabschiedet und am Donnerstag die Diskussion um Dennis Seimen öffentlich beendet. Fehlt eigentlich nur noch die Vertragsverlängerung von Deniz Undav, die dem Vernehmen nach auch nicht mehr lange auf sich warten lässt. Kurz: Der VfB hat nicht nur sportlich seine Hausaufgaben gemacht — trotz des verlorenen Pokalfinales — sondern arbeitet auch neben dem Platz die offenen Punkte einen nach dem anderen ab. Neben dem Torhüterteam, dem ich mich an anderer Stelle noch widmen möchte, ist vor allem die Verpflichtung von Grischa Prömel ein wichtiger Faktor, um das in der abgelaufenen, hervorragenden Saison, aufgetretene Verbesserungspotenzial weiter auszuschöpfen. Denn bei aller spielerischen Qualität ging der Mannschaft im Brustring bisweilen die Resilienz ab — gerade gegen jene Gegner, denen wir sportlich auf Augenhöhe begegnete, die uns aber in punkto Cleverness eine lange Nase machten. Abgezockheit alleine macht den VfB natürlich auch nicht zum Titelkandidaten, ist aber ein Puzzlestück, um zumindest die vermeidbaren Punktverluste der vergangenen Saison, nunja, zu vermeiden.
Schwierige sportliche Vita
Grischa Prömel wurde zwar am 9. Januar 1995 in Bad Cannstatt geboren, hat aber bis dato nie das Trikot mit dem Brustring getragen. Stattdessen liest sich seine sportliche Vita wie ein Albtraum für jeden VfB-Fan: Kickers, Hoffenheim, Karlsruhe, Union und wieder Hoffenheim. Nun findet er mit 31 Jahren endlich den Weg zu dem Verein, bei dem er dem Vernehmen nach schon als Jugendlicher in der Kurve stand und ist damit seit Genki Haraguchi, der Anfang 2023 kam, der erste Neuzugang, der zum Zeitpunkt seiner Verpflichtung älter als 30 Jahre ist. Um zu erfahren, was Prömel in seiner Karriere so gemacht hat, nachdem er Stuttgart mit 18 Jahren verließ und gen Mordor (pardon) zog, haben wir wieder verschiedene Expertinnen und Experten befragt. Über seine zwei Stationen in Hoffenheim sprachen wir mit Benjamin Hofmann, beim Kicker nicht profilierter Investigativjournalist, sondern auch Experte für sowohl den VfB als auch den Club von der A6. Über seine zwei Jahre in Karlsruhe berichtete uns KSC-Fan Kirsten. Am prägendsten für VfB-Fans war vermutlich Prömels Zeit in Köpenick, schließlich stand er auch auf dem Platz, als der 1. FC Union uns 2019 ein nachhaltiges Trauma verpasste. Über seine Zeit in Berlin sprachen wir mit Sebastian vom FCU-Podcast Textilvergehen.
Aber gehen wir zurück an den Anfang, nach Esslingen. Dort fing Prömel mit sechs Jahren beim TSV RSK Esslingen mit dem Fußballspielen an und wechselte acht Jahre später nach Degerloch. Mit den Kickers spielte er in seinem letzten Jahr dort in der A‑Junioren-Bundesliga, der Aufsteiger vom Fernsehturm stieg jedoch damals sang und klanglos mit nur 16 Punkten wieder ab. Dabei bestritt Prömel auch das Rückspiel gegen die U19 des VfB, damals übrigens mit Sechser Joshua Kimmich und Stürmer Timo Werner — und Ersatztorwart Marius Funk. 2013 zog es ihn dann nach Hoffenheim, mit deren U19 er nicht nur vor 1860 und dem VfB, dann mit Stammkeeper Marius Funk, die Südwest-Meisterschaft holte, sondern im Endspiel gegen Hannover auch die Deutsche Meisterschaft. Der U19 entwachsen, absolvierte er in der Folgesaison 23 Spiele für die zweite Mannschaft Hoffenheims in der Regionalliga und erzielte dabei immerhin fünf Tore. Im April 2015 saß er dann beim Auswärtsspiel in Hannover auch das erste Mal in der Bundesliga auf der Bank, kam aber in dieser Saison zu keinen Einsätzen in der ersten Liga, so dass er sich 2015 dem KSC anschloss. Benni zufolge habe man in Hoffenheim damals noch nicht so sehr auf die eigene Nachwuchsarbeit gesetzt, das habe sich erst mit der Ankunft von Alexander Rosen stärker ausgebildet. Nimmt man einmal beispielhaft die Aufstellung des letzten Spieltags der zweiten Mannschaft 2014/15 her, wird das auch deutlich: Neben Prömel haben sich in der Folge nur Kevin Akpoguma (in Hoffenheim) und Baris Atik (heute in Magdeburg) im Profifußball etabliert — wobei die Quote bei uns jetzt aktuell auch nicht besser ist. Zudem, so Benni, habe Hoffenheim damals mit Sebastian Rudy, Eugen Polanski, Pirmin Schwegler und Tobias Strobel viele etablierte Kräfte auf seiner Position gehabt, mit Rudy auch einen späteren Nationalspieler — die Einsatzzeiten für Prömel seien also relativ gering gewesen.
In Karlsruhe seien die Erwartungen an Prömel, der bisher lediglich über Erfahrungen in der vierten Liga verfügte, nicht besonders groß gewesen. Dafür schlug er dort sofort ein, wie Kirsten berichtet, und wurde in der zweiten Liga auf Anhieb zum Stammspieler. Wichtig aus Karlsruher Sicht war natürlich auch das Tor im 2:0‑Derbysieg gegen Kaiserslautern am 12. Spieltag. Am Ende der Saison, die der KSC auf Platz 7 abschloss, brachte er es auf 21 Einsätze, davon 17 von Beginn an. 2016/2017 traf er mit seinem Verein dann auf den gerade zum ersten Mal seit 41 Jahren abgestiegenen VfB und stand auch bei der 1:3‑Heimniederlage in der Hinrunde auf dem Platz. Insgesamt kam er auf 23 Einsätze, davon 22 in der Startelf, jedoch verpasste er in der Rückrunde sieben Spiele verletzungsbedingt, auch die zweite Begegnung mit dem VfB. Und so musste er größtenteils von der Tribüne aus zusehen, wie seine Mannschaft als Tabellenletzter in die 3. Liga abstieg. Zwischendurch, so Kirsten, habe es Spekulationen gegeben, ob seine Abwesenheit mit dem bevorstehenden Wechsel zu Noch-Ligakonkurrent Union zu tun haben könnte. Es stellte sich zwar heraus, dass dem nicht so war, dennoch wurde sein Abschied zwiespältig aufgenommen. Immerhin bleibt er dort als “Karlsruher Sportler des Jahres 2016” in Erinnerung — unter anderem auch, weil er im August 2016 mit der deutschen Olympia-Auswahl die Silbermedaille gewann.
Mit Union in die Bundesliga
Auch in Berlin avancierte er mit dann 22 Jahren direkt zum Stammspieler in einer Mannschaft, die in der Vorsaison knapp den Bundesliga-Aufstieg verpasst hatte. Sebastian freute sich damals erstmal darüber, dass mit Prömel ein junger, vielversprechender Spieler zu Union kam, zudem mit der eben erwähnten olympischen Silbermedaille, der ein guter Backup für Stephan Fürstner sein könnte — Fürstner stand in jener Saison nur neun Mal in der Startelf, Prömel doppelt so häufig. Union rangierte nach 17 Spielen in jener Saison noch auf Platz 4, am Ende der Saison stand man auf Platz 8. Umso erfolgreicher war die Folgesaison, in der Prömel nur ein Spiel wegen einer gelb-roten Karte, eins wegen einer Gelbsperre und weitere drei wegen einer Verletzung verpasste und auch in der Relegation gegen den VfB zwei Mal 90 Minuten auf dem Platz stand. Hinzu kamen sieben Treffer und zwei Vorlagen und natürlich am Ende der Aufstieg, so dass man zwei Jahre nach seinem Wechsel feststellen musste: Prömel und mit ihm Union waren der zweiten Liga entwachsen — in beiden Fällen dauerhaft.

Umso bitterer, dass er nach seinen ersten zwei Bundesligaspielen die Hälfte der Saison mit einer Patellasehnenreizung ausfiel, auch wenn er sich im Anschluss seinen Stammplatz wieder erkämpfen konnte — wohlgemerkt erst im Mai 2020, als die Bundesliga nach zweimonatiger Corona-Pause den Spielbetrieb wieder aufgenommen hatte. Dabei war die Bundesliga für ihn, wie für alle bei Union, inklusive Sebastian, Neuland. “Ihm wurde so ein bisschen das Erlebnis der ersten Bundesliga-Saison genommen. Man steigt eben nur einmal das erste Mal in die Bundesliga auf”, so unser Experte. 2020/2021 kam er immerhin auf 24 Einsätze, 21 davon in der Startelf, verpasste aber auch ingesamt neun Spiele verletzungsbedingt und war dementsprechend nicht immer ein Kandidat für die vollen 90 Minuten. Sebastian vermutet, dass auch die Verletzungen ihren Teil dazu beitrugen, dass er lange bei Union blieb und die großen Clubs nicht bei ihm anklopften. Für den FCU, der den bekannten märchenhaften Aufstieg nach Europa hinlegte, war das nicht das Schlechteste.
2021 beendete Union die Bundesliga-Saison auf Platz 7 und qualifizierte sich damit für die Conference League. In seinem letzten Vertragsjahr für Union verpasste Prömel nur wenige Spiele zu Saisonbeginn wegen einer Leistenoperation, fand dann aber zur gewohnten Stabiltität zurück, bestritt 28 Partien von Beginn an und lief auch zum ersten Mal in seiner Karriere international auf, auch wenn für Union nach Spielen gegen Feyenoord, Slavia Prag und Maccabi Haifa bereits nach der Gruppenphase Schluss war. Im DFB-Pokal scheiterte Union erst im Halbfinale an Leipzig und während wir uns gegen Köln zum Last-Minute-Klassenerhalt robbten, liefen die Berliner auf Platz 5 ein und qualifizierten sich für die Europa League. In der sollte Prömel jedoch im Trikot der Köpenicker nicht auflaufen, denn mit Ablauf seines Vertrages wechselte er ablösefrei zurück nach Hoffenheim. Interessant: Alle Vereinswechsel Prömels geschahen erst nach Vertragsende, abgesehen von den üblichen begleitenden Zahlungen wurde für ihn also nie auch nur ein Cent Ablöse gezahlt. Sebastian ordnet das folgendermaßen ein: “Ich habe ihn immer als sehr klaren Menschen wahrgenommen, der das Privileg des Profifußballers anerkennt. Vielleicht gehört das dazu, dass er für sich versucht, an einem Ort das Beste herauszuholen und nicht immer schaut, wo es noch besser sein könnte.” Immerhin hatte Union die Saison vier Plätze vor Hoffenheim abgeschlossen. Gleichzeitig war aber auch klar, dass er in Hoffenheim besser verdienen würde, wenngleich Prömel in seiner Kommunikation immer sehr klar gewesen sei, was den damaligen Sportgeschäftsführer Oliver Ruhnert zu der Aussage verleitete, dass er grundsätzlich zwar nichts von Rückholaktionen hielte — bei Prömel aber eine Ausnahme machen würde.
Schlüsselspieler in Hoffenheim
Auch Benni Hofmann geht davon aus, dass für Prömel auch die finanziellen Möglichkeiten in Hoffenheim verlockend waren, also auch die Investitionsmöglichkeiten in den Kader, unabhängig vom eigenen Gehalt. Beim Club wiederum erhoffte man sich eine laufstarke und aggressive Ergänzung zum spielerisch durchaus begabten Kader — etwas, das uns bekannt vorkommen dürfte. Die Saison ließ sich für Prömel und den neuen Trainer André Breitenreiter, Nachfolger eines gewissen Sebastian Hoeneß, eigentlich ganz gut an. Unser Neuzugang zog sich jedoch Anfang November in einem Spiel gegen Leipzig einen Knöchelbruch zu. Diese zweite große Verletzung seiner bisherigen Karriere setzte ihn bis weit in den April hinein außer Gefecht, zwischendurch machte er, um Spielpraxis zu sammeln, gar einen kurzen Abstecher zurück in die Regionalliga Südwest. In der Zwischenzeit wurde die Mannschaft von Pellegrino Matarazzo betreut, nachdem sie in die zweite Tabellenhälfte abgerutscht und Breitenreiter den Job gekostet hatte. Gegen Ende der Spielzeit zählte Prömel wieder zum Stamm der Mannschaft, so auch beim 1:1 am letzten Spieltag, welches den VfB in die Relegation beförderte.

In jener Saison habe man Prömels Einfluss auf die Mannschaft vor allem dadurch gemerkt, dass er fehlte, erklärt Benni. Zwischendurch blieb die Mannschaft sehr lange sieglos und hätte einen aggressive leader gut gebrauchen können: “Ich glaube, mit Prömel wäre die Saison besser verlaufen.” In der Folgesaison lief es in der Tat besser, mit einem 4:2 am letzten Spieltag gegen die Bayern machte Hoffenheim den VfB zum Vizemeister, bereits vorher hatte sich die Mannschaft Platz 7 und damit die Teilnahme an der Europa League gesichert. Im November 2023 wurde er auch erstmals für die A‑Nationalmannschaft berufen, kam allerdings in zwei Testspielen nicht zum Einsatz. In der Liga verpasste er nur eine Handvoll Spiele wegen Verletzungen oder Sperren, trug aber mit vier Toren und fünf Assists zur guten Saison der Kraichgauer bei — bevor es in der anschließenden Spielzeit wieder stark bergab ging. Prömel riss sich nach zwei Spieltagen im Training das Kreuzband und verpasste damit den Rest der Saison, inklusive der Spiele in der Europa League. Ohne ihn ging es auch sportlich für Hoffenheim bergab, statt eines 4:2 gab es am letzten Spieltag ein 0:4 gegen die Bayern, statt Platz 7 landete man auf Platz 15, statt Pellegrino Matarazzo saß Christian Ilzer auf der Trainingsbank. Erneut ist sich Benni hier sicher, dass man ohne ihn nicht in Abstiegsnöte geraten sei. Der Kreuzbandriss war nach dem Knöchelbruch und der Patellasehnenreizung die dritte große, vielleicht die schwerwiegendste Verletzung Prömels. Unser Experte betont jedoch, dass er ihn nicht für übermäßig verletzungsanfällig hält. Der Knöchelbruch sei bespielsweise durch einen Zusammenstoß zustande gekommen, grundsätzliche muskuläre Probleme sieht Benni bei ihm nicht.
Vielleicht ist es deshalb auch nur folgerichtig, dass die TSG in Prömels bester Saison seit seinem letzten Jahr in Berlin zuletzt wieder einen Aufschwung erlebte. Er schoss sieben Tore und bereitete zwei vor, und hatte damit einen großen Anteil am jüngsten Erfolg der Hoffenheimer. Der Wechsel nach Stuttgart stand indes schon lange fest, noch bevor klar war, ob sich sein alter oder sein neuer Verein für die Champions League qualifizieren würden. Erneut ließ er seinen Vertrag auslaufen und erneut entschied sich Prömel für eine neue Station, die seiner Meinung nach zu ihm passte, unabhängig von Tabellenständen. Hinzu kommt, wie Benni betont, seine VfB-Vergangenheit abseits des Platzes und die Möglichkeit, gegen Ende seiner Karriere auch endlich das Trikot mit dem Brustring tragen zu können. Für die Hoffenheimer jedenfalls sportlich ein schmerzhafter Verlust. Was ihn in der vergangenen Saison, aber auch an seinen vorherigen Stationen stark gemacht hat, wollen wir uns als nächstes anschauen.
Zwischen den Strafräumen
Klar ist: Abgesehen von seiner Zeit in der Jugend bei den Kickers, als man ihn als Innenverteidiger einsetzte, und bei manchen Noteinsätzen in der Abwehr beim KSC war Prömel immer im zentralen Mittelfeld beheimat — mal mehr, mal weniger offensiv. Alle unsere Experten heben vor allem seine Laufstärke hervor, gerade in Richtung des gegnerischen Tors. Kirsten beschreibt dabei vor allem seinen aufrechten Laufstil und seine “Nähmaschinenschritte”, ein Begriff, der mir vor allem bei Chris Führich auch in den Sinn kommt. In seiner Anfangszeit beim KSC habe er aufgrund seines Alters manchmal noch zu viel gewollt, habe sich aber dort auch den Grundstein für seine spätere Karriere gelegt, so Kirsten. Später, da sind sich Sebastian und Benni einig, entwickelte er sich zum klassischen box-to-box-Spieler, also zwischen beiden Strafräumen, auf der Achterposition: Viel in Bewegung, mit vielen Ballberührungen, aber auch in jedem Zweikampf mit dabei — vor allem bei Union verkörperte er damit eine ganze Zeit lang ziemlich gut die Spielweise der Mannschaft.
Benni, der sich ja auch beim VfB gut auskennt, sieht Prömel als jemand, der Angelo Stiller mit seiner Zweikampfstärke den Rücken freihalten kann und der viele Wege sowohl nach hinten, als auch nach vorne macht. Er beschreibt Prömel als dynamisch, raumgreifend und aggressiv und dabei durchaus auch mit einer gewissen Abschlussstärke für einen Mittelfeldspieler. Zudem gehe er keinem Zweikampf aus dem Weg: “Er ist auch mal jemand, der über Grenzen geht, der dem Gegner auch mal wehtut, wenn es nötig ist, der auch gegen sich selbst hart ist”, erklärt Benni und ordnet auch die 18 gelben und eine gelb-rote Karte in 87 Spielen für Hoffenheim entsprechend ein. Grundsätzlich könne man ihn überall im Mittelfeld einsetzen, meint Sebastian, am Besten sei er allerdings auf der Acht, in Hoffenheim spielte er in einem 4–3‑3 als halbrechter Achter. Schwächen sieht Benni eher im technischen Bereich, er sei kein klassischer Regisseur — aber dafür haben wir ja Stand jetzt auch noch Angelo Stiller. Spannend auch der Vergleich zwischen Prömel und Karazor, den ich mir von den Seiten Understat.com und oneversusone.com gezogen habe. Prömel hat seine Stärken im Vergleich zum VfB-Kapitän vor allem in der Offensive und kann damit vielleicht auch gegen tiefstehende Gegner für noch mehr offensive Impulse sorgen — oder zumindest Angelo Stiller in solchen Spielen mehr Raum verschaffen.


Interessant ist natürlich auch, was er der Mannschaft abseits von Pässen, Toren und Zweikampfwerten geben kann: Widerstandsfähigkeit. Exemplarisch führt Benni an, wie wichtig Prömel für Hoffenheim war und wie sehr er ihnen in den schwierigen Spielzeiten mit seinen langen Verletzungen fehlte. Gerade mit Blick auf beispielsweise die Duelle mit dem FC Porto, einer Mannschaft, die eigentlich normalerweise — und in der kommenden Saison wieder — in der Champions League spielt, sei Prömel jemand, der dem VfB genau die fehlende Abgezocktheit geben könnte. An seiner Qualifikation für die Bundesliga bestehen ohnehin seit Jahren keine Zweifel mehr und auch für Königsklasse sehen ihn unsere Experten gerüstet, auch wenn Benni ihn eher als wichtigen Baustein einer wettbewerbsfähigen Mannschaft sieht und nicht als jemand, der auf diesem Niveau Spiele alleine entscheide. Er habe sich aber sowohl unter Matarazzo als auch unter Ilzer schnell an die jeweils sehr unterschiedlichen Spielweisen gewöhnt und werde sich, so Benni, auch in der Champions League schnell anpassen.
Ein wichtiger Baustein?
Dementsprechend trauen ihm unsere Experten als Stand jetzt ältestem Feldspieler auch eine Führungsrolle in der Mannschaft zu, wobei es interessant sein wird zu sehen, wie sich der VfB im zentralen Mittelfeld aufstellt. Angelo Stiller oder ein gleichwertiger Ersatz als technisch starker Sechser wäre wohl gesetzt, um den Platz daneben konkurrieren in Zukunft nun Prömel, Karazor und Chema, wobei der VfB-Kapitän im Pokalfinale Interessanterweise trotz Spielberechtigung nicht in der Startelf stand. Natürlich werden wir auch in der kommenden Saison rotieren — aber eben den einen Spieler mehr, den anderen weniger. Benni Hofmann attestiert Prömel aber auf jeden Fall, dass er sich auch bei Niederlagen oder schlechten Ergebnissen vor die Kamera stellt, ohne dabei aber verbal über die Stränge zu schlagen. Auch sonst scheint Prömel recht bodenständig zu sein, die Schlagzeile mit dem Ford Fiesta im Spiegel dürftet Ihr schon mitbekommen haben. Es scheint, als habe Fabian Wohlgemuth, und damit kommen wir zur Einordnung, bei dem Transfer nicht nur auf Erfahrung und Widerstandsfähigkeit geachtet, sondern auch darauf, dass der Neuzugang in ein Team passt, welches größtenteils ähnlich unaufgeregt daher kommt — was jetzt natürlich auch nichts Bahnbrechendes ist.
Ich muss ehrlich sein: Bei Union und in Hoffenheim ging mir Prömel immer ziemlich auf den Keks. Aber genau so einen Spieler möchte ich eigentlich auch beim VfB haben. Der Transfer von Prömel ist auf jeden Fall eine Ausnahmeerscheinung in der jüngeren Vereinsgeschichte, schon alleine wegen seines Alters. Dass Sebastian Hoeneß genau so einen Spieler gerne schon im letzten Sommer gehabt hätte, machte er nach Ende der Transferperiode ziemlich unmissverständlich deutlich. Einerseits sein gutes Recht, andererseits lief es natürlich auch ohne einen Spieler wie Prömel nicht ganz schlecht in der abgelaufenen Saison. Es wird spannend sein zu sehen, ob er seine Rolle, die er in er Bundesliga bei Union und Hoffenheim ausfüllte und auch beim VfB ausfüllen wird, auch in die Champions League übertragen kann. Natürlich sind die Erwartungen an den VfB in der Königsklasse geringer als vergangene Saison im UEFA-Cup. Gleichzeitig wäre ein erneutes Scheitern in der Ligaphase wohl schon eine Enttäuschung, zumal man beim letzten Mal das Weiterkommen gerade gegen Mannschaften wie Prag oder Roter Stern verspielte, die dem VfB keineswegs sportlich überlegen waren.
Sollte in diesem Sommer nichts ganz Verrücktes passieren, bleibt der große Umbruch dieses Jahr aus und wird sich erst nach der kommenden Saison vollziehen, wenn viele Leistungsträger der vergangenen drei Jahre einerseits vor ihrem letzten Vertragsjahr und andererseits kurz vor dem 30. Geburtstag stehen. Mit Prömel erfüllt der VfB in diesem Sommer seinem Trainer erstmal den Wunsch nach der Weiterentwicklung des Kaders in punkto Erfahrung. Klar ist, dass auch ein Grischa Prömel alleine solche Spannungsabfälle wie beispielsweise gegen St. Pauli nicht wird verhindern können. Auch der Rest der Mannschaft wird, unter seiner Beteiligung weiter dazu lernen müssen. Gleichzeitig könnte die Verpflichtung des Mittelfeldspielers das Ende der Zeit von Atakan Karazor beim VfB einleiten, der bei allem Einsatzwillen zum Trotz gegen Gegner einer gewissen Qualität an seine Leistungsgrenze kommt. Natürlich wird man auch um Prömel herum keine Mannschaft der Zukunft aufbauen — gleichzeitig kann er dem VfB aber helfen, sich weiter dort zu etablieren, wo wir nach dem Durchhänger 2025 wieder angekommen sind.
Titelbild: © Stuart Franklin/Getty Images