Neu im Brustring: Grischa Prömel

Direkt nach dem Ende der abge­lau­fe­nen Sai­son hat der VfB noch am Pfingst­mon­tag die ers­ten bei­den Neu­zu­gän­ge für die kom­men­de Spiel­zeit ver­kün­det. Die Trans­fers von Mit­tel­feld­spie­ler Gri­scha Prö­mel und Tor­hü­ter Mari­us Funk stan­den schon län­ger fest und bedeu­ten für bei­de eine Rück­kehr nach Stutt­gart — aller­dings unter unter­schied­li­chen Vor­zei­chen. Vor allem Prö­mel könn­te ein wich­ti­ger Bau­stein für die kom­men­de Sai­son wer­den.

Es lief schon mal unge­ord­ne­ter ab in Bad Cannstatt. Am Sams­tag das Pokal­fi­na­le, am Mon­tag die ers­ten bei­den Neu­zu­gän­ge fix gemacht, am Diens­tag Pas­cal Sten­zel und Alex Nübel ver­ab­schie­det und am Don­ners­tag die Dis­kus­si­on um Den­nis Sei­men öffent­lich been­det. Fehlt eigent­lich nur noch die Ver­trags­ver­län­ge­rung von Deniz Undav, die dem Ver­neh­men nach auch nicht mehr lan­ge auf sich war­ten lässt. Kurz: Der VfB hat nicht nur sport­lich sei­ne Haus­auf­ga­ben gemacht — trotz des ver­lo­re­nen Pokal­fi­na­les — son­dern arbei­tet auch neben dem Platz die offe­nen Punk­te einen nach dem ande­ren ab. Neben dem Tor­hü­ter­team, dem ich mich an ande­rer Stel­le noch wid­men möch­te, ist vor allem die Ver­pflich­tung von Gri­scha Prö­mel ein wich­ti­ger Fak­tor, um das in der abge­lau­fe­nen, her­vor­ra­gen­den Sai­son, auf­ge­tre­te­ne Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al wei­ter aus­zu­schöp­fen. Denn bei aller spie­le­ri­schen Qua­li­tät ging der Mann­schaft im Brust­ring bis­wei­len die Resi­li­enz ab — gera­de gegen jene Geg­ner, denen wir sport­lich auf Augen­hö­he begeg­ne­te, die uns aber in punk­to Cle­ver­ness eine lan­ge Nase mach­ten. Abge­zock­heit allei­ne macht den VfB natür­lich auch nicht zum Titel­kan­di­da­ten, ist aber ein Puz­zle­stück, um zumin­dest die ver­meid­ba­ren Punkt­ver­lus­te der ver­gan­ge­nen Sai­son, nun­ja, zu ver­mei­den.

Schwierige sportliche Vita

Gri­scha Prö­mel wur­de zwar am 9. Janu­ar 1995 in Bad Cannstatt gebo­ren, hat aber bis dato nie das Tri­kot mit dem Brust­ring getra­gen. Statt­des­sen liest sich sei­ne sport­li­che Vita wie ein Alb­traum für jeden VfB-Fan: Kickers, Hof­fen­heim, Karls­ru­he, Uni­on und wie­der Hof­fen­heim. Nun fin­det er mit 31 Jah­ren end­lich den Weg zu dem Ver­ein, bei dem er dem Ver­neh­men nach schon als Jugend­li­cher in der Kur­ve stand und ist damit seit Gen­ki Hara­guchi, der Anfang 2023 kam, der ers­te Neu­zu­gang, der zum Zeit­punkt sei­ner Ver­pflich­tung älter als 30 Jah­re ist. Um zu erfah­ren, was Prö­mel in sei­ner Kar­rie­re so gemacht hat, nach­dem er Stutt­gart mit 18 Jah­ren ver­ließ und gen Mordor (par­don) zog, haben wir wie­der ver­schie­de­ne Exper­tin­nen und Exper­ten befragt. Über sei­ne zwei Sta­tio­nen in Hof­fen­heim spra­chen wir mit Ben­ja­min Hof­mann, beim Kicker nicht pro­fi­lier­ter Inves­ti­ga­ti­v­jour­na­list, son­dern auch Exper­te für sowohl den VfB als auch den Club von der A6. Über sei­ne zwei Jah­re in Karls­ru­he berich­te­te uns KSC-Fan Kirs­ten. Am prä­gends­ten für VfB-Fans war ver­mut­lich Prö­mels Zeit in Köpe­nick, schließ­lich stand er auch auf dem Platz, als der 1. FC Uni­on uns 2019 ein nach­hal­ti­ges Trau­ma ver­pass­te. Über sei­ne Zeit in Ber­lin spra­chen wir mit Sebas­ti­an vom FCU-Pod­cast Tex­til­ver­ge­hen.

Aber gehen wir zurück an den Anfang, nach Ess­lin­gen. Dort fing Prö­mel mit sechs Jah­ren beim TSV RSK Ess­lin­gen mit dem Fuß­ball­spie­len an und wech­sel­te acht Jah­re spä­ter nach Deger­loch. Mit den Kickers spiel­te er in sei­nem letz­ten Jahr dort in der A‑Ju­nio­ren-Bun­des­li­ga, der Auf­stei­ger vom Fern­seh­turm stieg jedoch damals sang und klang­los mit nur 16 Punk­ten wie­der ab. Dabei bestritt Prö­mel auch das Rück­spiel gegen die U19 des VfB, damals übri­gens mit Sech­ser Joshua Kim­mich und Stür­mer Timo Wer­ner — und Ersatz­tor­wart Mari­us Funk. 2013 zog es ihn dann nach Hof­fen­heim, mit deren U19 er nicht nur vor 1860 und dem VfB, dann mit Stamm­kee­per Mari­us Funk, die Süd­west-Meis­ter­schaft hol­te, son­dern im End­spiel gegen Han­no­ver auch die Deut­sche Meis­ter­schaft. Der U19 ent­wach­sen, absol­vier­te er in der Fol­ge­sai­son 23 Spie­le für die zwei­te Mann­schaft Hof­fen­heims in der Regio­nal­li­ga und erziel­te dabei immer­hin fünf Tore. Im April 2015 saß er dann beim Aus­wärts­spiel in Han­no­ver auch das ers­te Mal in der Bun­des­li­ga auf der Bank, kam aber in die­ser Sai­son zu kei­nen Ein­sät­zen in der ers­ten Liga, so dass er sich 2015 dem KSC anschloss. Ben­ni zufol­ge habe man in Hof­fen­heim damals noch nicht so sehr auf die eige­ne Nach­wuchs­ar­beit gesetzt, das habe sich erst mit der Ankunft von Alex­an­der Rosen stär­ker aus­ge­bil­det. Nimmt man ein­mal bei­spiel­haft die Auf­stel­lung des letz­ten Spiel­tags der zwei­ten Mann­schaft 2014/15 her, wird das auch deut­lich: Neben Prö­mel haben sich in der Fol­ge nur Kevin Akpo­gu­ma (in Hof­fen­heim) und Baris Atik (heu­te in Mag­de­burg) im Pro­fi­fuß­ball eta­bliert — wobei die Quo­te bei uns jetzt aktu­ell auch nicht bes­ser ist. Zudem, so Ben­ni, habe Hof­fen­heim damals mit Sebas­ti­an Rudy, Eugen Pol­an­ski, Pir­min Schweg­ler und Tobi­as Stro­bel vie­le eta­blier­te Kräf­te auf sei­ner Posi­ti­on gehabt, mit Rudy auch einen spä­te­ren Natio­nal­spie­ler — die Ein­satz­zei­ten für Prö­mel sei­en also rela­tiv gering gewe­sen.

In Karls­ru­he sei­en die Erwar­tun­gen an Prö­mel, der bis­her ledig­lich über Erfah­run­gen in der vier­ten Liga ver­füg­te, nicht beson­ders groß gewe­sen. Dafür schlug er dort sofort ein, wie Kirs­ten berich­tet, und wur­de in der zwei­ten Liga auf Anhieb zum Stamm­spie­ler. Wich­tig aus Karls­ru­her Sicht war natür­lich auch das Tor im 2:0‑Derbysieg gegen Kai­sers­lau­tern am 12. Spiel­tag. Am Ende der Sai­son, die der KSC auf Platz 7 abschloss, brach­te er es auf 21 Ein­sät­ze, davon 17 von Beginn an. 2016/2017 traf er mit sei­nem Ver­ein dann auf den gera­de zum ers­ten Mal seit 41 Jah­ren abge­stie­ge­nen VfB und stand auch bei der 1:3‑Heimniederlage in der Hin­run­de auf dem Platz. Ins­ge­samt kam er auf 23 Ein­sät­ze, davon 22 in der Start­elf, jedoch ver­pass­te er in der Rück­run­de sie­ben Spie­le ver­let­zungs­be­dingt, auch die zwei­te Begeg­nung mit dem VfB. Und so muss­te er größ­ten­teils von der Tri­bü­ne aus zuse­hen, wie sei­ne Mann­schaft als Tabel­len­letz­ter in die 3. Liga abstieg. Zwi­schen­durch, so Kirs­ten, habe es Spe­ku­la­tio­nen gege­ben, ob sei­ne Abwe­sen­heit mit dem bevor­ste­hen­den Wech­sel zu Noch-Liga­kon­kur­rent Uni­on zu tun haben könn­te. Es stell­te sich zwar her­aus, dass dem nicht so war, den­noch wur­de sein Abschied zwie­späl­tig auf­ge­nom­men. Immer­hin bleibt er dort als “Karls­ru­her Sport­ler des Jah­res 2016” in Erin­ne­rung — unter ande­rem auch, weil er im August 2016 mit der deut­schen Olym­pia-Aus­wahl die Sil­ber­me­dail­le gewann.

Mit Union in die Bundesliga

Auch in Ber­lin avan­cier­te er mit dann 22 Jah­ren direkt zum Stamm­spie­ler in einer Mann­schaft, die in der Vor­sai­son knapp den Bun­des­li­ga-Auf­stieg ver­passt hat­te. Sebas­ti­an freu­te sich damals erst­mal dar­über, dass mit Prö­mel ein jun­ger, viel­ver­spre­chen­der Spie­ler zu Uni­on kam, zudem mit der eben erwähn­ten olym­pi­schen Sil­ber­me­dail­le, der ein guter Back­up für Ste­phan Fürst­ner sein könn­te — Fürst­ner stand in jener Sai­son nur neun Mal in der Start­elf, Prö­mel dop­pelt so häu­fig. Uni­on ran­gier­te nach 17 Spie­len in jener Sai­son noch auf Platz 4, am Ende der Sai­son stand man auf Platz 8. Umso erfolg­rei­cher war die Fol­ge­sai­son, in der Prö­mel nur ein Spiel wegen einer gelb-roten Kar­te, eins wegen einer Gelb­sper­re und wei­te­re drei wegen einer Ver­let­zung ver­pass­te und auch in der Rele­ga­ti­on gegen den VfB zwei Mal 90 Minu­ten auf dem Platz stand. Hin­zu kamen sie­ben Tref­fer und zwei Vor­la­gen und natür­lich am Ende der Auf­stieg, so dass man zwei Jah­re nach sei­nem Wech­sel fest­stel­len muss­te: Prö­mel und mit ihm Uni­on waren der zwei­ten Liga ent­wach­sen — in bei­den Fäl­len dau­er­haft.

Prömel bei beim 1. FC Union Berlin. Bild: © Sebastian Widmann/Getty Images
Prö­mel bei beim 1. FC Uni­on Ber­lin. Bild: © Sebas­ti­an Widmann/Getty Images

Umso bit­te­rer, dass er nach sei­nen ers­ten zwei Bun­des­li­ga­spie­len die Hälf­te der Sai­son mit einer Patel­la­seh­nen­rei­zung aus­fiel, auch wenn er sich im Anschluss sei­nen Stamm­platz wie­der erkämp­fen konn­te — wohl­ge­merkt erst im Mai 2020, als die Bun­des­li­ga nach zwei­mo­na­ti­ger Coro­na-Pau­se den Spiel­be­trieb wie­der auf­ge­nom­men hat­te. Dabei war die Bun­des­li­ga für ihn, wie für alle bei Uni­on, inklu­si­ve Sebas­ti­an, Neu­land. “Ihm wur­de so ein biss­chen das Erleb­nis der ers­ten Bun­des­li­ga-Sai­son genom­men. Man steigt eben nur ein­mal das ers­te Mal in die Bun­des­li­ga auf”, so unser Exper­te. 2020/2021 kam er immer­hin auf 24 Ein­sät­ze, 21 davon in der Start­elf, ver­pass­te aber auch inge­samt neun Spie­le ver­let­zungs­be­dingt und war dem­entspre­chend nicht immer ein Kan­di­dat für die vol­len 90 Minu­ten. Sebas­ti­an ver­mu­tet, dass auch die Ver­let­zun­gen ihren Teil dazu bei­tru­gen, dass er lan­ge bei Uni­on blieb und die gro­ßen Clubs nicht bei ihm anklopf­ten. Für den FCU, der den bekann­ten mär­chen­haf­ten Auf­stieg nach Euro­pa hin­leg­te, war das nicht das Schlech­tes­te.

2021 been­de­te Uni­on die Bun­des­li­ga-Sai­son auf Platz 7 und qua­li­fi­zier­te sich damit für die Con­fe­rence League. In sei­nem letz­ten Ver­trags­jahr für Uni­on ver­pass­te Prö­mel nur weni­ge Spie­le zu Sai­son­be­ginn wegen einer Leis­ten­ope­ra­ti­on, fand dann aber zur gewohn­ten Sta­bil­ti­tät zurück, bestritt 28 Par­tien von Beginn an und lief auch zum ers­ten Mal in sei­ner Kar­rie­re inter­na­tio­nal auf, auch wenn für Uni­on nach Spie­len gegen Feye­noord, Sla­via Prag und Mac­ca­bi Hai­fa bereits nach der Grup­pen­pha­se Schluss war. Im DFB-Pokal schei­ter­te Uni­on erst im Halb­fi­na­le an Leip­zig und wäh­rend wir uns gegen Köln zum Last-Minu­te-Klas­sen­er­halt robb­ten, lie­fen die Ber­li­ner auf Platz 5 ein und qua­li­fi­zier­ten sich für die Euro­pa League. In der soll­te Prö­mel jedoch im Tri­kot der Köpe­ni­cker nicht auf­lau­fen, denn mit Ablauf sei­nes Ver­tra­ges wech­sel­te er ablö­se­frei zurück nach Hof­fen­heim. Inter­es­sant: Alle Ver­eins­wech­sel Prö­mels gescha­hen erst nach Ver­trags­en­de, abge­se­hen von den übli­chen beglei­ten­den Zah­lun­gen wur­de für ihn also nie auch nur ein Cent Ablö­se gezahlt. Sebas­ti­an ord­net das fol­gen­der­ma­ßen ein: “Ich habe ihn immer als sehr kla­ren Men­schen wahr­ge­nom­men, der das Pri­vi­leg des Pro­fi­fuß­bal­lers aner­kennt. Viel­leicht gehört das dazu, dass er für sich ver­sucht, an einem Ort das Bes­te her­aus­zu­ho­len und nicht immer schaut, wo es noch bes­ser sein könn­te.” Immer­hin hat­te Uni­on die Sai­son vier Plät­ze vor Hof­fen­heim abge­schlos­sen. Gleich­zei­tig war aber auch klar, dass er in Hof­fen­heim bes­ser ver­die­nen wür­de, wenn­gleich Prö­mel in sei­ner Kom­mu­ni­ka­ti­on immer sehr klar gewe­sen sei, was den dama­li­gen Sport­ge­schäfts­füh­rer Oli­ver Ruh­nert zu der Aus­sa­ge ver­lei­te­te, dass er grund­sätz­lich zwar nichts von Rück­hol­ak­tio­nen hiel­te — bei Prö­mel aber eine Aus­nah­me machen wür­de.

Schlüsselspieler in Hoffenheim

Auch Ben­ni Hof­mann geht davon aus, dass für Prö­mel auch die finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten in Hof­fen­heim ver­lo­ckend waren, also auch die Inves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten in den Kader, unab­hän­gig vom eige­nen Gehalt. Beim Club wie­der­um erhoff­te man sich eine lauf­star­ke und aggres­si­ve Ergän­zung zum spie­le­risch durch­aus begab­ten Kader — etwas, das uns bekannt vor­kom­men dürf­te. Die Sai­son ließ sich für Prö­mel und den neu­en Trai­ner André Brei­ten­rei­ter, Nach­fol­ger eines gewis­sen Sebas­ti­an Hoe­neß, eigent­lich ganz gut an. Unser Neu­zu­gang zog sich jedoch Anfang Novem­ber in einem Spiel gegen Leip­zig einen Knö­chel­bruch zu. Die­se zwei­te gro­ße Ver­let­zung sei­ner bis­he­ri­gen Kar­rie­re setz­te ihn bis weit in den April hin­ein außer Gefecht, zwi­schen­durch mach­te er, um Spiel­pra­xis zu sam­meln, gar einen kur­zen Abste­cher zurück in die Regio­nal­li­ga Süd­west. In der Zwi­schen­zeit wur­de die Mann­schaft von Pel­le­gri­no Mat­a­raz­zo betreut, nach­dem sie in die zwei­te Tabel­len­hälf­te abge­rutscht und Brei­ten­rei­ter den Job gekos­tet hat­te. Gegen Ende der Spiel­zeit zähl­te Prö­mel wie­der zum Stamm der Mann­schaft, so auch beim 1:1 am letz­ten Spiel­tag, wel­ches den VfB in die Rele­ga­ti­on beför­der­te.

Prömel war in Hoffenheim quasi unersetzbar. Bild: © Stuart Franklin/Getty Images
Prö­mel war in Hof­fen­heim qua­si uner­setz­bar. Bild: © Stuart Franklin/Getty Images

In jener Sai­son habe man Prö­mels Ein­fluss auf die Mann­schaft vor allem dadurch gemerkt, dass er fehl­te, erklärt Ben­ni. Zwi­schen­durch blieb die Mann­schaft sehr lan­ge sieg­los und hät­te einen aggres­si­ve lea­der gut gebrau­chen kön­nen: “Ich glau­be, mit Prö­mel wäre die Sai­son bes­ser ver­lau­fen.” In der Fol­ge­sai­son lief es in der Tat bes­ser, mit einem 4:2 am letz­ten Spiel­tag gegen die Bay­ern mach­te Hof­fen­heim den VfB zum Vize­meis­ter, bereits vor­her hat­te sich die Mann­schaft Platz 7 und damit die Teil­nah­me an der Euro­pa League gesi­chert. Im Novem­ber 2023 wur­de er auch erst­mals für die A‑Nationalmannschaft beru­fen, kam aller­dings in zwei Test­spie­len nicht zum Ein­satz. In der Liga ver­pass­te er nur eine Hand­voll Spie­le wegen Ver­let­zun­gen oder Sper­ren, trug aber mit vier Toren und fünf Assists zur guten Sai­son der Kraich­gau­er bei — bevor es in der anschlie­ßen­den Spiel­zeit wie­der stark berg­ab ging. Prö­mel riss sich nach zwei Spiel­ta­gen im Trai­ning das Kreuz­band und ver­pass­te damit den Rest der Sai­son, inklu­si­ve der Spie­le in der Euro­pa League. Ohne ihn ging es auch sport­lich für Hof­fen­heim berg­ab, statt eines 4:2 gab es am letz­ten Spiel­tag ein 0:4 gegen die Bay­ern, statt Platz 7 lan­de­te man auf Platz 15, statt Pel­le­gri­no Mat­a­raz­zo saß Chris­ti­an Ilzer auf der Trai­nings­bank. Erneut ist sich Ben­ni hier sicher, dass man ohne ihn nicht in Abstiegs­nö­te gera­ten sei. Der Kreuz­band­riss war nach dem Knö­chel­bruch und der Patel­la­seh­nen­rei­zung die drit­te gro­ße, viel­leicht die schwer­wie­gends­te Ver­let­zung Prö­mels. Unser Exper­te betont jedoch, dass er ihn nicht für über­mä­ßig ver­let­zungs­an­fäl­lig hält. Der Knö­chel­bruch sei bespiels­wei­se durch einen Zusam­men­stoß zustan­de gekom­men, grund­sätz­li­che mus­ku­lä­re Pro­ble­me sieht Ben­ni bei ihm nicht.

Viel­leicht ist es des­halb auch nur fol­ge­rich­tig, dass die TSG in Prö­mels bes­ter Sai­son seit sei­nem letz­ten Jahr in Ber­lin zuletzt wie­der einen Auf­schwung erleb­te. Er schoss sie­ben Tore und berei­te­te zwei vor, und hat­te damit einen gro­ßen Anteil am jüngs­ten Erfolg der Hof­fen­hei­mer. Der Wech­sel nach Stutt­gart stand indes schon lan­ge fest, noch bevor klar war, ob sich sein alter oder sein neu­er Ver­ein für die Cham­pi­ons League qua­li­fi­zie­ren wür­den. Erneut ließ er sei­nen Ver­trag aus­lau­fen und erneut ent­schied sich Prö­mel für eine neue Sta­ti­on, die sei­ner Mei­nung nach zu ihm pass­te, unab­hän­gig von Tabel­len­stän­den. Hin­zu kommt, wie Ben­ni betont, sei­ne VfB-Ver­gan­gen­heit abseits des Plat­zes und die Mög­lich­keit, gegen Ende sei­ner Kar­rie­re auch end­lich das Tri­kot mit dem Brust­ring tra­gen zu kön­nen. Für die Hof­fen­hei­mer jeden­falls sport­lich ein schmerz­haf­ter Ver­lust. Was ihn in der ver­gan­ge­nen Sai­son, aber auch an sei­nen vor­he­ri­gen Sta­tio­nen stark gemacht hat, wol­len wir uns als nächs­tes anschau­en.

Zwischen den Strafräumen

Klar ist: Abge­se­hen von sei­ner Zeit in der Jugend bei den Kickers, als man ihn als Innen­ver­tei­di­ger ein­setz­te, und bei man­chen Not­ein­sät­zen in der Abwehr beim KSC war Prö­mel immer im zen­tra­len Mit­tel­feld behei­mat — mal mehr, mal weni­ger offen­siv. Alle unse­re Exper­ten heben vor allem sei­ne Lauf­stär­ke her­vor, gera­de in Rich­tung des geg­ne­ri­schen Tors. Kirs­ten beschreibt dabei vor allem sei­nen auf­rech­ten Lauf­stil und sei­ne “Näh­ma­schi­nen­schrit­te”, ein Begriff, der mir vor allem bei Chris Füh­rich auch in den Sinn kommt. In sei­ner Anfangs­zeit beim KSC habe er auf­grund sei­nes Alters manch­mal noch zu viel gewollt, habe sich aber dort auch den Grund­stein für sei­ne spä­te­re Kar­rie­re gelegt, so Kirs­ten. Spä­ter, da sind sich Sebas­ti­an und Ben­ni einig, ent­wi­ckel­te er sich zum klas­si­schen box-to-box-Spie­ler, also zwi­schen bei­den Straf­räu­men, auf der Ach­ter­po­si­ti­on: Viel in Bewe­gung, mit vie­len Ball­be­rüh­run­gen, aber auch in jedem Zwei­kampf mit dabei —  vor allem bei Uni­on ver­kör­per­te er damit eine gan­ze Zeit lang ziem­lich gut die Spiel­wei­se der Mann­schaft.

Ben­ni, der sich ja auch beim VfB gut aus­kennt, sieht Prö­mel als jemand, der Ange­lo Stil­ler mit sei­ner Zwei­kampf­stär­ke den Rücken frei­hal­ten kann und der vie­le Wege sowohl nach hin­ten, als auch nach vor­ne macht. Er beschreibt Prö­mel als dyna­misch, raum­grei­fend und aggres­siv und dabei durch­aus auch mit einer gewis­sen Abschluss­stär­ke für einen Mit­tel­feld­spie­ler. Zudem gehe er kei­nem Zwei­kampf aus dem Weg: “Er ist auch mal jemand, der über Gren­zen geht, der dem Geg­ner auch mal weh­tut, wenn es nötig ist, der auch gegen sich selbst hart ist”, erklärt Ben­ni und ord­net auch die 18 gel­ben und eine gelb-rote Kar­te in 87 Spie­len für Hof­fen­heim ent­spre­chend ein. Grund­sätz­lich kön­ne man ihn über­all im Mit­tel­feld ein­set­zen, meint Sebas­ti­an, am Bes­ten sei er aller­dings auf der Acht, in Hof­fen­heim spiel­te er in einem 4–3‑3 als halb­rech­ter Ach­ter. Schwä­chen sieht Ben­ni eher im tech­ni­schen Bereich, er sei kein klas­si­scher Regis­seur — aber dafür haben wir ja Stand jetzt auch noch Ange­lo Stil­ler. Span­nend auch der Ver­gleich zwi­schen Prö­mel und Kara­zor, den ich mir von den Sei­ten Understat.com und oneversusone.com gezo­gen habe. Prö­mel hat sei­ne Stär­ken im Ver­gleich zum VfB-Kapi­tän vor allem in der Offen­si­ve und kann damit viel­leicht auch gegen tief­stehen­de Geg­ner für noch mehr offen­si­ve Impul­se sor­gen — oder zumin­dest Ange­lo Stil­ler in sol­chen Spie­len mehr Raum ver­schaf­fen.

Der Ver­gleich zwi­schen Prö­mel und Kara­zor auf oneversusone.com
Der Ver­gleich zwi­schen Prö­mel und Kara­zor auf Understat.com

Inter­es­sant ist natür­lich auch, was er der Mann­schaft abseits von Päs­sen, Toren und Zwei­kampf­wer­ten geben kann: Wider­stands­fä­hig­keit. Exem­pla­risch führt Ben­ni an, wie wich­tig Prö­mel für Hof­fen­heim war und wie sehr er ihnen in den schwie­ri­gen Spiel­zei­ten mit sei­nen lan­gen Ver­let­zun­gen fehl­te. Gera­de mit Blick auf bei­spiels­wei­se die Duel­le mit dem FC Por­to, einer Mann­schaft, die eigent­lich nor­ma­ler­wei­se — und in der kom­men­den Sai­son wie­der — in der Cham­pi­ons League spielt, sei Prö­mel jemand, der dem VfB genau die feh­len­de Abge­zockt­heit geben könn­te. An sei­ner Qua­li­fi­ka­ti­on für die Bun­des­li­ga bestehen ohne­hin seit Jah­ren kei­ne Zwei­fel mehr und auch für Königs­klas­se sehen ihn unse­re Exper­ten gerüs­tet, auch wenn Ben­ni ihn eher als wich­ti­gen Bau­stein einer wett­be­werbs­fä­hi­gen Mann­schaft sieht und nicht als jemand, der auf die­sem Niveau Spie­le allei­ne ent­schei­de. Er habe sich aber sowohl unter Mat­a­raz­zo als auch unter Ilzer schnell an die jeweils sehr unter­schied­li­chen Spiel­wei­sen gewöhnt und wer­de sich, so Ben­ni, auch in der Cham­pi­ons League schnell anpas­sen.

Ein wichtiger Baustein?

Dem­entspre­chend trau­en ihm unse­re Exper­ten als Stand jetzt ältes­tem Feld­spie­ler auch eine Füh­rungs­rol­le in der Mann­schaft zu, wobei es inter­es­sant sein wird zu sehen, wie sich der VfB im zen­tra­len Mit­tel­feld auf­stellt. Ange­lo Stil­ler oder ein gleich­wer­ti­ger Ersatz als tech­nisch star­ker Sech­ser wäre wohl gesetzt, um den Platz dane­ben kon­kur­rie­ren in Zukunft nun Prö­mel, Kara­zor und Che­ma, wobei der VfB-Kapi­tän im Pokal­fi­na­le Inter­es­san­ter­wei­se trotz Spiel­be­rech­ti­gung nicht in der Start­elf stand. Natür­lich wer­den wir auch in der kom­men­den Sai­son rotie­ren — aber eben den einen Spie­ler mehr, den ande­ren weni­ger. Ben­ni Hof­mann attes­tiert Prö­mel aber auf jeden Fall, dass er sich auch bei Nie­der­la­gen oder schlech­ten Ergeb­nis­sen vor die Kame­ra stellt, ohne dabei aber ver­bal über die Strän­ge zu schla­gen. Auch sonst scheint Prö­mel recht boden­stän­dig zu sein, die Schlag­zei­le mit dem Ford Fies­ta im Spie­gel dürf­tet Ihr schon mit­be­kom­men haben. Es scheint, als habe Fabi­an Wohl­ge­muth, und damit kom­men wir zur Ein­ord­nung, bei dem Trans­fer nicht nur auf Erfah­rung und Wider­stands­fä­hig­keit geach­tet, son­dern auch dar­auf, dass der Neu­zu­gang in ein Team passt, wel­ches größ­ten­teils ähn­lich unauf­ge­regt daher kommt — was jetzt natür­lich auch nichts Bahn­bre­chen­des ist.

Ich muss ehr­lich sein: Bei Uni­on und in Hof­fen­heim ging mir Prö­mel immer ziem­lich auf den Keks. Aber genau so einen Spie­ler möch­te ich eigent­lich auch beim VfB haben. Der Trans­fer von Prö­mel ist auf jeden Fall eine Aus­nah­me­erschei­nung in der jün­ge­ren Ver­eins­ge­schich­te, schon allei­ne wegen sei­nes Alters. Dass Sebas­ti­an Hoe­neß genau so einen Spie­ler ger­ne schon im letz­ten Som­mer gehabt hät­te, mach­te er nach Ende der Trans­fer­pe­ri­ode ziem­lich unmiss­ver­ständ­lich deut­lich. Einer­seits sein gutes Recht, ande­rer­seits lief es natür­lich auch ohne einen Spie­ler wie Prö­mel nicht ganz schlecht in der abge­lau­fe­nen Sai­son. Es wird span­nend sein zu sehen, ob er sei­ne Rol­le, die er in er Bun­des­li­ga bei Uni­on und Hof­fen­heim aus­füll­te und auch beim VfB aus­fül­len wird, auch in die Cham­pi­ons League über­tra­gen kann. Natür­lich sind die Erwar­tun­gen an den VfB in der Königs­klas­se gerin­ger als ver­gan­ge­ne Sai­son im UEFA-Cup. Gleich­zei­tig wäre ein erneu­tes Schei­tern in der Liga­pha­se wohl schon eine Ent­täu­schung, zumal man beim letz­ten Mal das Wei­ter­kom­men gera­de gegen Mann­schaf­ten wie Prag oder Roter Stern ver­spiel­te, die dem VfB kei­nes­wegs sport­lich über­le­gen waren. 

Soll­te in die­sem Som­mer nichts ganz Ver­rück­tes pas­sie­ren, bleibt der gro­ße Umbruch die­ses Jahr aus und wird sich erst nach der kom­men­den Sai­son voll­zie­hen, wenn vie­le Leis­tungs­trä­ger der ver­gan­ge­nen drei Jah­re einer­seits vor ihrem letz­ten Ver­trags­jahr und ande­rer­seits kurz vor dem 30. Geburts­tag ste­hen. Mit Prö­mel erfüllt der VfB in die­sem Som­mer sei­nem Trai­ner erst­mal den Wunsch nach der Wei­ter­ent­wick­lung des Kaders in punk­to Erfah­rung. Klar ist, dass auch ein Gri­scha Prö­mel allei­ne sol­che Span­nungs­ab­fäl­le wie bei­spiels­wei­se gegen St. Pau­li nicht wird ver­hin­dern kön­nen. Auch der Rest der Mann­schaft wird, unter sei­ner Betei­li­gung wei­ter dazu ler­nen müs­sen. Gleich­zei­tig könn­te die Ver­pflich­tung des Mit­tel­feld­spie­lers das Ende der Zeit von Ata­kan Kara­zor beim VfB ein­lei­ten, der bei allem Ein­satz­wil­len zum Trotz gegen Geg­ner einer gewis­sen Qua­li­tät an sei­ne Leis­tungs­gren­ze kommt. Natür­lich wird man auch um Prö­mel her­um kei­ne Mann­schaft der Zukunft auf­bau­en — gleich­zei­tig kann er dem VfB aber hel­fen, sich wei­ter dort zu eta­blie­ren, wo wir nach dem Durch­hän­ger 2025 wie­der ange­kom­men sind.

Titel­bild: © Stuart Franklin/Getty Images

Schreibe einen Kommentar

Rund um den Brustring
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.