In guten Händen

Mit dem Ende der Lei­he von Alex­an­der Nübel steht dem VfB auf der Tor­wart­po­si­ti­on mal wie­der ein Umbruch bevor. Anders als in der Ver­gan­gen­heit geschieht der Wech­sel aber unter posi­ti­ven Vor­zei­chen. Wir haben uns das Tor­hü­ter­team der neu­en Sai­son ein­mal genau­er ange­schaut.

Denn häu­fig war es in der Ver­gan­gen­heit ja so, dass wir unse­re Tor­hü­ter zie­hen lie­ßen, weil sie den Ansprü­chen des VfB nicht genüg­ten. Sei es der nie kom­plett über­zeu­gen­de Flo­ri­an Mül­ler, dem selbst im Abstiegs­end­spiel gegen Köln die Ner­ven flat­ter­ten. Sei es Ron-Robert Zie­l­er, der sich außer bei Bor­na Sosas Ein­wurf grund­sätz­lich wenig zu schul­den kom­men ließ, den Abstieg 2019 aber auch nicht ver­hin­dern konn­te. Oder Prze­myl­saw Tyton, der einer nicht-bun­des­li­ga­taug­li­chen Hin­ter­mann­schaft auf kei­ne Sta­bi­li­tät gegen konn­te. Und selbst als uns die Bay­ern Sven Ulreich abkauf­ten, atme­te so manch ein VfB-Fan, mich ein­ge­schlos­sen, auf. Denn Ulreich hat­te sich ja schließ­lich damals gegen Bernd Leno durch­ge­setzt und auch Jens Leh­mann im Tor über­lebt, so rich­tig glück­lich waren wir aber in den 2010er Jah­ren mit ihm nicht. Am ehes­ten ist die aktu­el­le Situa­ti­on noch mit der im Som­mer 2021 ver­gleich­bar, als Gre­gor Kobel den unver­meid­ba­ren, aber auch nach­voll­zieh­ba­ren Schritt zum BVB ging.

Mit Alex­an­der Nübel ver­liert die Mann­schaft eine ähn­lich wich­ti­ge Figur wie damals den Schwei­zer — nur dass Nübel mit dem VfB natür­lich viel mehr erreich­te und sei­ne Para­den den VfB nicht “nur” zu einem Auf­stieg und Platz 9, son­dern auch zu zwei Cham­pi­ons League-Teil­nah­men und einem Pokal­sieg führ­ten. Auch wenn sich bei Nübel bis­wei­len die ein oder ande­re Unsi­cher­heit ein­streu­te, die ihn davon abhielt, in die­sem Som­mer bei den Bay­ern Manu­el Neu­er zu beer­ben, ist es wohl nicht über­trie­ben, ihn als unse­ren bes­ten Tor­hü­ter seit dem eben erwähn­ten Jens Leh­mann zu bezeich­nen — nur ohne des­sen Exzen­trik und Explo­si­vi­tät. In Mainz muss nach Spie­len gegen den VfB schließ­lich nie­mand mehr um sei­ne Bril­le fürch­ten.

Es ist viel­leicht auch die­se ost­west­fä­li­sche Gelas­sen­heit, die Nübel bei uns Fans so beliebt mach­te. Indem er sei­nem spä­te­ren Kon­kur­ren­ten den Wech­sel von Gel­sen­kir­chen nach Mün­chen nach­mach­te, hat­te er sich kar­rie­re­tech­nisch viel­leicht etwas ver­ho­ben, auch in Mona­co war man anschlie­ßend geteil­ter Mei­nung, wie unser Vor­stel­lungs­ar­ti­kel offen­bar­te. Und wohl noch nie hat der VfB mit dem FC Bay­ern einen so guten Deal gemacht — der über Wol­te­ma­de kam ja nicht zustan­de — wie damals, als es um die Auf­tei­lung des gro­tesk hohen Gehalts zwi­schen den bei­den Clubs ging. Die Bay­ern hat­ten ihre Pro­ble­ma­tik, dass Neu­er sei­nen Ver­trag immer wie­der ver­län­gert, ein­fach drei Jah­re auf­ge­scho­ben und der VfB bekam einen Tor­wart, der sich bewei­sen woll­te.

Nübel, Nübel, Nübel!

Alex Nübel. © Alexander Hassenstein/Getty Images
Alex Nübel. © Alex­an­der Hassenstein/Getty Images

Grund­sätz­lich wer­den im Neckar­sta­di­on seit der Jahr­tau­send­wen­de ja sel­ten ein­zel­ne Spie­ler gefei­ert. Die Zau­ber­maus aus Weiß­russ­land viel­leicht, oder eben Sven Ulreich, wobei die “Ulle, Ulle, Ulle”-Rufe nach dem zwan­zigs­ten Abschlag ins Sei­ten­aus mit den Jah­ren einen gewis­sen sar­kas­ti­schen Unter­ton erhiel­ten. Ganz und gar ernst gemeint war das “Nübel, Nübel, Nübel”, was bereits kurz nach sei­ner Ver­pflich­tung durchs Neckar­sta­di­on schall­te und bis zuletzt immer wie­der raus­ge­holt wur­de, wenn er uns mal wie­der mit sei­ner Stär­ke auf der Linie im Spiel hielt. Wobei ihn ja von sei­nen Vor­gän­gern nicht unbe­dingt das Spiel gegen den Ball — als das Ver­hin­dern von Toren — abhob, son­dern das Spiel mit Ball. Vor allem in jener ers­ten Sai­son war er einer der Fak­to­ren des Erfolgs, als er unzäh­li­ge Pres­sing­li­ni­en mit sei­nen Abschlä­gen hin­ter die Ket­te düpier­te, weil so ziem­lich jeder Bun­des­li­ga-Offen­siv­spie­ler irgend­wann die Ner­ven ver­lor, wenn Nübel mit dem Fuß auf dem Ball in sei­nem Straf­raum lock­te.

Dass der Trick in den dar­auf­fol­gen­den Spiel­zei­ten nicht mehr so funk­tio­nier­te, gehört auch zum Rei­fe­pro­zess unse­rer Mann­schaft. Aber auch sonst war auf Nübel meis­tens Ver­lass. Auf der Linie, bei hohen Bäl­len und bis auf Aus­nah­men auch bei der Spiel­eröff­nung. Vor allem aber als laut­star­ker, aber nicht laut­spre­chen­der Füh­rungs­spie­ler, des­sen ein­zig über­lie­fer­te Aus­sa­ge mit Skan­dal­po­ten­zi­al die nach mehr Bier bei der Vize­meis­ter­fei­er war. Nicht umsonst fährt Nübel jetzt auch mit zur Welt­meis­ter­schaft — denn an einer Aus­wahl guter Tor­hü­ter man­gelt es auch Juli­an Nagels­mann nicht. Nübel setz­te sich trotz­dem durch und hin­ter­lässt das Tor des VfB nach drei auf­re­gen­den Jah­ren in guten Hän­den. Dan­ke, Alex!

Dennis Seimen: Vertrauen verdient

In Emp­fang neh­men wird die Ehre das, weiß-rote Tor zu hüten, ab der kom­men­den Sai­son Den­nis Sei­men. Der wird im Dezem­ber 21 Jah­re alt, teilt sich mit dem Ex-Bre­mer und Neu-Frei­bur­ger Mio Back­haus das Tor der deut­schen U21 und war­tet eigent­lich schon seit Jah­ren dar­auf, dort anzu­kom­men, wo er jetzt ist: Als Nr. 1 des Ver­eins, dem er sich mit zehn Jah­ren anschloss. Auch wenn rund um das Pokal­fi­na­le noch ein­mal Dis­kus­sio­nen auf­flamm­ten, die lei­der auch den Weg an die Öffent­lich­keit fan­den: Dass Sei­men auf Nübel im Tor nach­folgt, ist eigent­lich alter­na­tiv­los. Denn eine Wei­ter­be­schäf­ti­gung Nübels wäre schon allein an des­sen Gehalt geschei­tert, von dem er dem Ver­neh­men nach die Hälf­te hät­te strei­chen müs­sen, um in das Gefü­ge des VfB zu pas­sen. Abge­se­hen davon, dass der VfB sich hüten soll­te, den glei­chen Feh­ler wie mit Bernd Leno noch ein­mal zu bege­hen. Der Bie­tig­hei­mer brach­te uns nach sei­nem Wech­sel als Tor­hü­ter von Lever­ku­sen zur Weiß­glut und star­te­te anschlie­ßend in die Pre­mier League durch.

Dennis Seimen in Paderborn. © Selim Sudheimer/Getty Images
Den­nis Sei­men in Pader­born. © Selim Sudheimer/Getty Images

Sei­men hin­ge­gen trägt bis heu­te das Tri­kot des VfB und kriegt jetzt auch das Ver­trau­en, wel­ches Leno ver­wehrt blieb. Bereits mit 19 Jah­ren stand er bei der zwei­ten Mann­schaft in der Regio­nal­li­ga und nach deren Auf­stieg auch in der 3. Liga im Tor und gehör­te zu den bes­ten Tor­hü­tern der Liga. Vor weni­gen Wochen setz­te er sich mit dem SC Pader­born in der Auf­stiegs­re­le­ga­ti­on zur Bun­des­li­ga gegen den VfL Wolfs­burg durch und zeig­te auch auf die­sem Niveau sei­ne Qua­li­tät. Auch wenn die Ent­wick­lung von Men­schen und damit auch Fuß­ball­spie­lern nie line­ar ver­läuft, geben sei­ne bis­he­ri­gen Leis­tun­gen Anlass zur Hoff­nung, dass er auch in der Bun­des­li­ga und der Cham­pi­ons League den nächs­ten Schritt machen wird. Auf jeden Fall gibt es kein Argu­ment, ihm die­ses Ver­trau­en nicht zu geben und statt­des­sen wei­ter auf den auch nicht immer feh­ler­frei­en Alex Nübel oder gar einen teu­ren Neu­zu­gang zu set­zen.

Das deu­te­te sich schon im Hin­run­den­rück­blick unse­rer Leih­spie­ler an, als Kevin vom SCP-Fan­pod­cast Pader­cast froh­lock­te, Sei­men habe das Tor­wart­spiel der Pader­bor­ner auf ein ande­res Level geho­ben. Auch Micha­el Rich­ter, der für den Kicker über die Ost­west­fa­len berich­tet, ist voll des Lobes über Sei­men, der in der End­pha­se der Sai­son ein Erfolgs­ga­rant gewe­sen sei und spä­tes­tens mit den Auf­trit­ten in der Rele­ga­ti­on sei­ne “Taug­lich­keits­prü­fung” bestan­den habe, was die Bun­des­li­ga ange­he. Natür­lich ste­hen die Para­den kurz vor Schluss des Rück­spiels vor allem exem­pla­risch dafür. Aber auch zuvor habe er schon über­zeugt, nicht nur auf der Lini­en, son­dern auch in jenem moder­nen Tor­wart­spiel, wel­ches auch Alex­an­der Nübel aus­zeich­net und mitt­ler­wei­le ja in der Bun­des­li­ga kei­ne Neu­ig­keit mehr ist. Aber was Sei­men in Zukunft auch von durch­schnitt­li­chen Tor­hü­tern in der Bun­des­li­ga abhe­ben könn­te, ist, dass er in fast allen Berei­chen, die dafür not­wen­dig sind, in Pader­born schon sei­ne Qua­li­tät bewie­sen habe. Sei es bei der Spiel­eröff­nung, unter geg­ne­ri­schem Druck oder auch in der Aus­strah­lung. Gera­de die alles-oder-nichts-Spie­le gegen Wolfs­burg dürf­ten Sei­men noch ein­mal geprägt haben.

Wenn, wenn nicht jetzt?

Men­tal hält Micha­el Rich­ter ihn auf jeden Fall für stark genug, um an sei­nen Auf­ga­ben zu wach­sen — natio­nal wie inter­na­tio­nal. Denn natür­lich wird die Schlag­zahl der Spie­le bis zur Win­ter­pau­se und dar­über hin­aus ähn­lich hoch sein wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bei uns. Einer­seits bleibt da nicht zu viel Zeit zum Nach­grü­beln über Pat­zer, ande­rer­seits muss man auch direkt im nächs­ten Spie­ler wie­der hell­wach sein. Aber bereits in der Hin­run­de zeig­te Sei­men sei­ne men­ta­le Stär­ke, als ihm ein Feh­ler bei der U21 nichts anha­ben konn­te. Rich­ter hält fest, dass es bei Sei­men eigent­lich vor allem dar­um geht, die auf­ge­zähl­ten Stär­ken “wei­ter zu opti­mie­ren und zu sta­bi­li­sie­ren”. Wirk­li­che Schwä­chen sei­en ihm, abge­se­hen von dem einen oder ande­ren unsau­be­ren Auf­bau­pass, nicht auf­ge­fal­len und das sei schon Kri­tik auf hohem Niveau.

Klar ist: Sei­men wird genau­so wenig kom­plett feh­ler­frei spie­len wie alle sei­ne Vor­gän­ger im Tor des VfB. Aber wann, wenn nicht jetzt, wo es bei uns sport­li­che gut bis her­vor­ra­gend läuft, wol­len wir die­sen Schritt wagen, ein jun­ges Eigen­ge­wächs auf­zu­bau­en? Sei­men wird in einer sta­bi­len Mann­schaft wach­sen. Natür­lich wis­sen wir jetzt noch nicht, wie die kom­men­de Sai­son läuft. Ich sehe aber auch kei­nen Grund, war­um bei ihm bei die­sem Schritt plötz­lich der kom­plet­te Ein­bruch kom­men und er die in ihn gesetz­ten Erwar­tun­gen kom­plett ent­täu­schen soll­te. Das Wich­tigs­te wird in der kom­men­den Sai­son Geduld sein. An ande­ren Stand­or­ten wie Frei­burg und Bre­men hat man es vor­ge­macht, in Bre­men sogar unter sport­lich wesent­lich pre­kä­re­ren Umstän­den als beim UEFA-Pokal-Fina­lis­ten aus dem Breis­gau. Ich hal­te auch nichts davon, eige­nen Jugend­spie­lern aus Prin­zip Spiel­zeit in der Bun­des­li­ga zu geben, zu vie­le Ehe­ma­li­ge haben in den letz­ten Jah­ren woan­ders gezeigt, dass es für sie nicht auf die­sem Niveau reicht. Im Gegen­satz zu Den­nis Sei­men.

Marius Funk: In Fürth unvollendet

Unter­stützt wird im Tor­hü­ter­team zudem von Fabi Bred­low, der nach dem Ver­trags­en­de von Pas­cal Sten­zel zusam­men mit Ata­kan Kara­zor der dienst­äl­tes­te Pro­fi im Kader ist — des­sen Ver­trag aller­dings auch 2027 aus­läuft. Und von einem Neu­zu­gang, der eigent­lich nicht so rich­tig neu ist in Stutt­gart. Denn Mari­us Funk, am ers­ten Tag es Jah­res 1996 in Aalen gebo­ren, fin­det nach zehn Jah­ren den Weg zurück nach Bad Cannstatt. Mit 14 Jah­ren über den Aale­ner FC Unter­ko­chen und den nahen 1. FC Hei­den­heim zum VfB gekom­men, fei­er­te er 2013 unter Tho­mas Schnei­der und mit Timo Baum­gartl die B‑Ju­nio­ren-Meis­ter­schaft. In der U19 ver­dräng­te er zunächst Rast­ko Sul­ja­gic aus dem Tor um 2015 dann in die zwei­te Mann­schaft in der 3. Liga auf­zu­rü­cken. Dort stand er die ers­ten acht Spie­le im Tor, von denen sie­ben ver­lo­ren gin­gen, wor­auf­hin er sei­nen Platz an Ben­ni Uphoff ver­lor. Auch der konn­te aber den Abstieg in die Regio­nal­li­ga im Jahr 2016 nicht ver­hin­dern. Funk, den gegen Sai­son­ende ohne­hin eine Kahn­bein-OP außer Gefecht setz­te, wech­sel­te dar­auf­hin nach Fürth in die zwei­te Bun­des­li­ga.

Marius Funk in Fürth. © Lukas Schulze/Getty Images
Mari­us Funk in Fürth. © Lukas Schulze/Getty Images

Bei den Fran­ken blieb er ins­ge­samt sechs Jah­re, war jedoch zu Beginn erst­mal Ersatz­mann hin­ter Sascha Bur­chert und stand für die zwei­te Mann­schaft in der Regio­nal­li­ga Bay­ern im Tor. Bur­chert, Funk und Balasz Megye­ri sei­en damals zeit­gleich gekom­men, ver­rät uns Fürth-Fan Dan­ny, wobei Funk die Rol­le des drit­ten Kee­pers und eben des Stamm­tor­warts der zwei­ten Mann­schaft zuge­dacht war. Im Umfeld war man mit die­ser Per­so­na­lie nicht ganz zufrie­den, was vor allem dar­an lag, dass man dafür einen gewis­sen 22jährigen Tor­wart namens Mark Flek­ken nach Duis­burg abgab, weil man ihm die Rol­le als Her­aus­for­de­rer von Bur­chert nicht zutrau­te —  die The­ma­tik haben wir also nicht exklu­siv. An der Her­aus­for­de­rer-Rol­le für Funk soll­te sich jedoch nie etwas ändern.

Im Win­ter sei­ner ers­ten Sai­son beim Klee­blatt zog er sich bei einem Hal­len­tur­nier einen Kreuz­band­riss zu, kämpf­te sich zurück in den Kader, saß aber in den fol­gen­den Spiel­zei­ten, in denen Fürth mal in letz­ter Sekun­de die Klas­se hielt (2017/2018) oder im Lau­fe der Sai­son in der Tabel­le abrut­sche (2018/2019) einen Groß­teil der Sai­son auf der Bank, von ein­zel­nen Spie­len kurz vor Sai­son­ende ein­mal abge­se­hen. So auch 2019/2020, bevor in der Fol­ge­sai­son lang­sam die Dis­kus­si­on in Fürth auf­kam, ob Funk nicht der bes­se­re Tor­hü­ter sei, erzählt uns Dan­ny. An Bur­chert sei aber in der Mann­schafts­hier­ar­chie kein Vor­bei­kom­men gewe­sen. Sei­ne Chan­ce kam dann in der Bun­des­li­ga am 1. Okto­ber 2021, als er im Ober­haus debü­tier­te, jedoch in einer Mann­schaft, die über kei­ne bun­des­li­ga­taug­li­che Abwehr ver­füg­te, wie Dan­ny sich mit Schau­dern erin­nert. Mit Bur­chert hat­te die Mann­schaft aus den ers­ten sechs Spie­len nur einen Punkt geholt und auch beim für Mo San­koh fol­gen­schwe­ren Spiel gegen den VfB hat­te es eine Klat­sche für den Auf­stei­ger gesetzt. Für den ins kal­te Was­ser gewor­fe­ne Funk wur­de es noch schlim­mer: Nach einem 0:4 in Glad­bach, einem 3:6 am Ron­hof gegen Hof­fen­heim und einem 1:7 in Lever­ku­sen muss­te er ver­let­zungs­be­dingt wie­der Bur­chert Platz machen kam auch als er fit war nicht mehr ins Tor des spä­te­ren Abstei­gers zurück, das mitt­ler­wei­le Andre­as Lin­de hüte­te. Dan­ny resü­miert: “So bleibt als Fazit, dass sich die Tür zu einer güns­ti­gen Zeit nie öff­ne­te, und als sie es einen Spalt tat, schlug der Fuß­ball in all sei­ner Här­te zu gegen ihn.”

In Ingolstadt stabilisiert

Mit Ende der Bun­des­li­ga-Sai­son lief sein Ver­trag in Fürth aus und er wech­sel­te inner­halb Bay­erns in die drit­te Liga zum FC Ingol­stadt. In Fürth hin­ter­ließ er zwar kei­nen gro­ßen sport­li­chen Ein­druck, war aber den­noch bei den Fans, die in bei Trai­nings­la­gern oder ande­ren Gele­gen­hei­ten ken­nen ler­nen konn­ten, sehr beliebt. Auch in Ingol­stadt bau­te man damals sein Tor­wart-Team ganz neu auf, wie uns Mar­co vom FCI-Pod­cast Schan­zer Zeit­spiel berich­tet. Der Ver­ein war damals gera­de aus der zwei­ten Liga abge­stie­gen und hat­te in der Vor­sai­son drei ver­schie­de­ne Tor­hü­ter im Ein­satz, die alle nach dem Abstieg gin­gen, dar­un­ter Fan­lieb­ling Fabi­an Bun­tic. Funk war als kla­re Num­mer 1 vor Nach­wuchs­spie­ler Mar­kus Ponath — der es in der ver­gan­ge­nen Sai­son zur Num­mer 1 in Ingol­stadt brach­te — ein­ge­plant, wenn auch mit gemisch­ten Erwar­tun­gen nach sei­ner Hor­ror­sai­son mit Fürth.

Viel bes­ser wur­de es für Funk in der Drit­ten Liga zunächst auch nicht, denn der Auf­stiegs­fa­vo­rit Ingol­stadt lan­de­te mit einem star­ken Kader im Tabel­len­mit­tel­feld, wie auch in den fol­gen­den bei­den Jah­ren in denen Funk das Tri­kot der Schan­zer trug. Wäh­rend er sich in sei­nem ers­ten Jahr als Stamm­tor­wart im Pro­fi­fuß­ball noch vie­le Pat­zer leis­te­te und das ein oder ande­re Spiel kos­te­te, sta­bi­li­sier­te er sich in der Fol­ge und wur­de zum Leis­tungs­trä­ger. Ins­ge­samt bestritt er bis zum Som­mer ver­gan­ge­nen Jah­res 106 Pflicht­spie­le für den Dritt­li­gis­ten, wobei er in sei­ner letz­ten Sai­son dort im Janu­ar dort durch Pel­le Boe­vink ersetzt wur­de — der mitt­ler­wei­le übri­gens in Fürth auf der Bank sitzt und auch damals kei­ne guten Leis­tun­gen zeig­te. Auch in Ingol­stadt hat er bei den Fans schein­bar blei­ben­den Ein­druck hin­ter­las­sen, bei sei­ner Rück­kehr mit Cott­bus in der Fol­ge­sai­son wur­de er mit Applaus emp­fan­gen, berich­tet Mar­co, vie­le hät­ten ihn ger­ne wei­ter in der Mann­schaft gese­hen. Nach­dem er Ingol­stadt ver­las­sen hat­te, war er zunächst ver­eins­los und hielt sich, wie er bei sei­ner Vor­stel­lung erwähn­te, damals schon beim VfB fit.

Aufstiegsgarant in Cottbus

Im Sep­tem­ber unter­schrieb er dann einen Ver­trag bei Ener­gie Cott­bus, die nach der Ver­let­zung von Stamm­tor­hü­ter und Leis­tungs­trä­ger Eli­as Beth­ke beim Auf­wär­men vor dem Erst­run­den-Pokal­spiel gegen Han­no­ver einen neu­en Tor­hü­ter such­ten, auch wenn Beth­kes Stell­ver­tre­ter Alex Sebald in die­sem Spiel die Null hielt und damit den Grund­stein für das 1:0 und den Ein­zug in die zwei­te Run­de leg­te. Den­noch habe man einen erfah­re­nen Tor­wart gesucht, erklärt uns Ener­gie-Fan Sebas­ti­an und die­sen in Funk gefun­den. Und der schlug der­art ein, dass Beth­ke im Win­ter zu Dyna­mo Dres­den wech­sel­te, weil Trai­ner Claus-Die­ter Wol­litz sich früh auf Funk fest­ge­legt hat­te. Und nicht nur für Funk lief es, denn Ener­gie kehr­te zehn Jah­re nach dem letz­ten Abstieg in die Regio­nal­li­ga nach zwölf Jah­ren wie­der in die zwei­te Bun­des­li­ga zurück.

Wol­litz, so Sebas­ti­an, habe über Jah­re eine ech­te Trup­pe geformt, nach dem der Ver­ein vor fünf Jah­ren “qua­si tot” gewe­sen sei. Dabei habe er auch im Som­mer 2025, nach dem knapp ver­pass­ten Auf­stieg, nicht vor einem grö­ße­ren Umbruch zurück­ge­schreckt, zudem habe der Ver­ein eini­ge gute Regio­nal­li­ga-Spie­ler gefun­den, die die Mann­schaft nach vor­ne brach­ten. Bei Ener­gie lief es, bei der Kon­kur­renz nicht und Funk sei einer der Garan­ten des Auf­stiegs gewe­sen, gera­de bei den Aus­wärts­spie­len in Essen und Ros­tock sei er beson­ders stark gewe­sen, so Sebas­ti­an. Dem­entspre­chend sei der Wech­sel zum VfB sport­lich ein Ver­lust für Ener­gie zumal Funk den Lohn sei­ner star­ken Leis­tung nicht als Stamm­tor­wart in der zwei­ten Liga wird ern­ten kön­nen, so unser Exper­te.

Der Mann für die Kabine

Nun heißt es für Funk also ver­mut­lich wie­der auf der Bank Platz neh­men oder die zwei­te Mann­schaft in der Drit­ten Liga zu unter­stüt­zen — also dort, wo er den VfB II vor zehn Jah­ren ver­las­sen hat, nur unter ganz ande­ren Vor­zei­chen. Dan­ny kann ange­sichts nur gerin­ger Spiel­zeit nicht viel über Funk sagen, nur dass er damals mit dem Ball am Fuß eigent­lich gut gewe­sen sei und auch eine gute Straf­raum­be­herr­schung gehabt habe. In Ingol­stadt sei er sehr ruhig und sou­ve­rän gewe­sen, berich­tet Mar­co. Sebas­ti­an beschreibt ihn als stark auf der Linie auch auch fuß­bal­le­risch gut, vor allem sei Funk aber auch in der Lage, sich in Spie­le rein­zu­stei­gern und schier unbe­zwing­bar zu sein — auch wenn im ab und an mal ein Pat­zer unter­lau­fen sei.

U19-Pokalsieger Floran Hellstern. © Reinaldo Coddou H./Getty Images
U19-Pokal­sie­ger Flo­ran Hells­tern. © Rei­nal­do Cod­dou H./Getty Images

Viel wich­ti­ger wird als im Tor wird aber ver­mut­lich Funks Rol­le in der Kabi­ne in der kom­men­den Sai­son sein — zumal er als beim VfB aus­ge­bil­de­ter Spie­ler einen Platz im Cham­pi­on-League-Kader qua­si sicher hat und der VfB somit kei­nen Feld­spie­ler mit ohne­hin gerin­gen Ein­satz­chan­cen nomi­nie­ren muss. Es geht also eher dar­um, wie der wahr­schein­lich schei­den­de Ste­fan Drl­ja­ca, sei­ne bei­den Kol­le­gen zu unter­stüt­zen. In Fürth, so Dan­ny sei er jah­re­lang der eta­blier­te zwei­te Tor­hü­ter gewe­sen, der sei­ne Rol­le voll und ganz ange­nom­men habe, so Dan­ny. Inter­es­san­ter­wei­se trug er dort auch, wie Fabi Bred­low bei uns aktu­ell, lan­ge die Num­mer 1, obwohl er kaum spiel­te. FCI-Fan Mar­co beschreibt Funk als abso­lu­ten Team­play­er und durch sei­ne ruhi­ge Art defi­ni­tiv der Rich­ti­ge als Nr. 3. Und auch in Cott­bus ist man über sei­ne Rol­le in der Kabi­ne nur voll des Lobes. Sebas­ti­ans Urteil: “Ich glau­be, der VfB bekommt einen Voll­pro­fi zurück, der sich die­se Sta­ti­on noch­mal ver­dient hat.” Bes­ser hät­te ich es auch nicht sagen kön­nen.

Und was ist mit Hellstern?

Bleibt noch der Vier­te im Bun­de, Flo­ri­an Hells­tern. Zwei Jah­re jün­ger als Den­nis Sei­men, aber nicht min­der talen­tiert, stand er 2023 mit 16 (!) schon ein­mal im Tor der U19, war aber eigent­lich Tor­wart der U17, stieg dann voll­stän­dig in die A‑Jugend auf, absol­vier­te 2024/2025 acht Spie­le in der Youth League und stand die ver­gan­ge­ne Sai­son im Tor der zwei­ten Mann­schaft in der drit­ten Liga. Ich war am Vor­abend des Pokal­fi­nals beim U19-End­spiel in Pots­dam und schon da sah man Hells­tern, der für die­se wich­ti­ge Par­tie im Tor stand, an, dass er dem Nach­wuchs­fuß­ball längst ent­wach­sen ist und eine Sai­son im Senio­ren­be­reich hin­ter sich hat. ihn zieht es wohl per Lei­he in die zwei­te oder sogar die ers­te Liga — man darf gespannt sein.

Nach­dem das Tor also jah­re­lang eines der gro­ßen Pro­ble­me beim VfB war — kein Kee­per nach Sven Ulreich stand län­ger als zwei Jah­re im Kas­ten und auch bei dem war man über die lan­ge Amts­zeit nicht ganz glück­lich — hat­ten wir jetzt drei Jah­re lang einen ech­ten Rück­halt und mit Sei­men und Hells­tern ein ech­tes Luxus­pro­blem. Die Zei­ten sind ganz ande­re gewor­den beim VfB, gera­de auf einer so neur­al­gi­schen Posi­ti­on ist das sehr beru­hi­gend.

Titel­bild: © der Col­la­ge sie­he Bild­un­ter­schrif­ten

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