Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Porto-Experte Marcos

Heu­te Abend trifft der VfB im ers­ten von zwei Ach­tel­fi­nal-Spie­len in der Euro­pa League auf den FC Por­to. Um mehr über den Ver­ein und die Mann­schaft aus der por­tu­gie­si­schen Hafen­stadt her­aus­zu­fin­den, haben wir mit FCP-Exper­te Mar­cos gespro­chen.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo Mar­cos, und vie­len Dank, dass du dir die Zeit nimmst, unse­re Fra­gen zu beant­wor­ten. Der FC Por­to steht an der Spit­ze der Pri­mei­ra Liga und könn­te zum ers­ten Mal seit vier Jah­ren den Titel gewin­nen. Wie schätzt Du die Chan­cen auf den Gewinn der Liga ein und was macht Por­to in die­ser Sai­son anders als in den letz­ten drei Jah­ren?

Mar­cos: Es gibt ein Kli­schee im Fuß­ball, beson­ders wenn man in vie­len Wett­be­wer­ben spielt: von Spiel zu Spiel zu den­ken, ohne zu weit vor­aus­zu­schau­en. Der FC Por­to befin­det sich der­zeit in sehr guter kör­per­li­cher Ver­fas­sung. Wie Fario­li auf einer Pres­se­kon­fe­renz sag­te, zeigt die Mann­schaft sehr gute phy­si­sche Leis­tungs­wer­te im Trai­ning. Die ers­te Halb­zeit gegen Ben­fi­ca war trotz des Ergeb­nis­ses sehr ermu­ti­gend. Obwohl das Spiel unent­schie­den ende­te, hat der Fuß­ball, den die blau-wei­ße Mann­schaft gespielt hat, allen Fans gefal­len. Das Team ist in allen Spiel­pha­sen stark und dar­auf vor­be­rei­tet, die­se K.-o.-Runde trotz ihrer Schwie­rig­keit zu bestrei­ten.

In der Euro­pa League beleg­te Por­to den fünf­ten Platz und zog direkt ins Ach­tel­fi­na­le ein. Hät­ten sie in der Liga­pha­se höher abschnei­den sol­len oder ist das Dei­ner Mei­nung nach unge­fähr die Stär­ke der Mann­schaft in die­sem Wett­be­werb?

Auf­grund von Fario­lis Kader­ma­nage­ment war ein Platz unter den ers­ten acht das Haupt­ziel. Der FC Por­to spielt grund­sätz­lich dar­um, jeden Wett­be­werb zu gewin­nen, daher wird der Kader in weni­ger schwie­ri­gen Spie­len manch­mal geschont. Aller­dings ist Fario­lis Manage­ment etwas anders, weil er sehr viel rotiert, sodass am Ende vie­le Spie­ler gewis­ser­ma­ßen Stamm­spie­ler sind. Häu­fig gibt es eine Start­elf für die Euro­pa League und eine ande­re mit sechs oder sie­ben Ände­run­gen für die Liga.

In der Taça de Por­tu­gal hat Por­to das Hin­spiel des Halb­fi­na­les bei Sport­ing ver­lo­ren. Wie ste­hen die Chan­cen des Ver­eins, den Pokal – oder die Euro­pa League – zu gewin­nen?

Zu Hau­se ist der FC Por­to nor­ma­ler­wei­se sehr stark. Im Hin­spiel des Pokals aus­wärts bei Sport­ing rotier­te Fario­li sechs Spie­ler, ins­be­son­de­re Fro­holdt, um die vol­le Ener­gie für das Liga­spiel gegen Ben­fi­ca im Está­dio da Luz zu haben. Das Rück­spiel fin­det Ende April statt, und bis dahin kann sich viel ändern – Spie­ler kön­nen sich ver­let­zen, Por­to könn­te sich bis dahin eine bestimm­te Posi­ti­on in der Liga sichern, und das kann die men­ta­le Situa­ti­on der Teams beein­flus­sen.

Wie war die Reak­ti­on in Por­to, als klar wur­de, dass es gegen Stutt­gart geht? Wel­chen Stel­len­wert hat Stutt­gart – falls über­haupt – in Por­tu­gal?

Um ehr­lich zu sein, woll­ten wir nicht gegen Stutt­gart spie­len. Gene­rell wis­sen wir, dass die Bun­des­li­ga eine Liga mit sehr hoher Inten­si­tät ist, mit her­vor­ra­gen­den phy­si­schen Wer­ten, tak­tisch sehr gut vor­be­rei­te­ten Teams und viel indi­vi­du­el­lem Talent. Spe­zi­ell über Stutt­gart wis­sen wir, dass sie eine aus­ge­zeich­ne­te Bun­des­li­ga-Sai­son spie­len und ganz sicher eine sehr schwer zu schla­gen­de Mann­schaft sein wer­den. Es wird in vie­ler­lei Hin­sicht ein inter­es­san­tes Duell. Ich hof­fe, dass ich Zeit habe, den Geg­ner wie gewohnt zu ana­ly­sie­ren (im Moment habe ich wegen des Kur­ses nicht so viel Zeit).

Ein Blick auf die Sta­tis­ti­ken: Por­to hat in 25 Spie­len nur 10 Tore kas­siert, Tor­hü­ter Dio­go Cos­ta hat bereits 16 Spie­le ohne Gegen­tor. Sind die Stür­mer in der Liga ein­fach nicht sehr gut oder ist Por­to defen­siv so stark?

Auch wenn es einen Niveau­un­ter­schied zwi­schen den ers­ten vier Teams und dem Rest gibt, sind die Mann­schaf­ten in Por­tu­gal trotz der nied­ri­gen Bud­gets der meis­ten Ver­ei­ne sehr gut trai­niert. Der FC Por­to ist eine äußerst wett­be­werbs­fä­hi­ge und phy­si­sche Mann­schaft, die in allen Spiel­pha­sen enga­giert ist. Das Geheim­nis dafür, dass wir so weni­ge Tore kas­sie­ren, ist, dass wir neben einer pol­ni­schen „Abwehr­mau­er“, die viel Sicher­heit gibt (Bedna­rek und Kiwi­or), und einem Tor­hü­ter von Welt­klas­se­for­mat (Dio­go Cos­ta) ein Spiel­mo­dell haben, das von allen elf Spie­lern sehr viel Defen­siv­ar­beit ver­langt. Das beginnt bereits bei den vor­ders­ten drei Spie­lern, die sehr inten­siv pres­sen und vie­le defen­si­ve Auf­ga­ben haben – sowohl beim hohen Pres­sing als auch beim kom­pak­ten Ver­tei­di­gen in einem mit­tel­tie­fen bis tie­fen Block. Mei­ner Mei­nung nach ist das das Geheim­nis des defen­si­ven Erfolgs des FC Por­to.

Wie wür­dest Du die Pri­mei­ra Liga im Ver­gleich zur Bun­des­li­ga in Bezug auf die Stär­ke ein­schät­zen?

Vie­le Men­schen unter­schät­zen die Pri­mei­ra Liga, aber die Wahr­heit ist, dass vie­le Spie­ler in die Pre­mier League wech­seln und dort erfolg­reich sind (man­che mehr, man­che weni­ger). Gene­rell ist das Niveau im Scou­ting extrem hoch, das Ana­ly­se-Niveau gehört zu den bes­ten, und die Qua­li­tät por­tu­gie­si­scher Trai­ner ist welt­weit aner­kannt – von der Jugend­ar­beit bis zum höchs­ten Niveau. Was die bei­den Ligen haupt­säch­lich unter­schei­det, ist die finan­zi­el­le Aus­stat­tung der deut­schen Ver­ei­ne – sie ist so viel grö­ßer, dass sie deut­lich mehr Geld inves­tie­ren und erwirt­schaf­ten kön­nen, ganz zu schwei­gen von der Fuß­ball­kul­tur, bei der fast alle Sta­di­en voll sind.
In Por­tu­gal unter­stüt­zen die Men­schen meist nur fünf Ver­ei­ne – FC Por­to, SC Bra­ga, Vitória SC, Sport­ing CP und Ben­fi­ca – und das min­dert die Attrak­ti­vi­tät vie­ler Liga­spie­le, wenn die Sta­di­en nicht voll sind. Mit Eurer finan­zi­el­len Struk­tur könn­ten wir ohne Zwei­fel noch viel wei­ter kom­men.

Samu, der in 20 Liga­spie­len 13 Tore erzielt hat, fällt wegen eines Kreuz­band­ris­ses aus – wie sehr scha­det das der Mann­schaft und auf wen soll­te man sonst noch ach­ten?

Wie ich bereits gesagt habe, ist der FC Por­to eine sehr aus­ge­gli­che­ne Mann­schaft in allen Spiel­pha­sen: stark im offen­si­ven Umschalt­spiel, stark dar­in, das Spiel zu bestim­men, um Kom­bi­na­tio­nen im Zen­trum zu erzeu­gen – beson­ders wenn man hoch gepresst wird – und häu­fig wird das Prin­zip des „drit­ten Man­nes“ ange­wen­det, um Vare­la zu fin­den.

Abge­se­hen von der offen­sicht­li­chen defen­si­ven Stär­ke: Was sind die Stär­ken und Schwä­chen die­ser Por­to-Mann­schaft?

Sie über­ra­schen die Innen­ver­tei­di­ger mit unter­stüt­zen­den Bewe­gun­gen von Denis, zie­hen die Ver­tei­di­ger her­aus und nut­zen dann den Raum mit einem Tie­fen­lauf eines der zen­tra­len Mit­tel­feld­spie­ler.
Auch bei Stan­dard­si­tua­tio­nen sind sie sehr kom­pe­tent und haben in die­ser Sai­son vie­le Tore dar­aus erzielt. Auch ihre Anstö­ße kön­nen wir­kungs­voll sein, egal ob kurz oder lang. Die größ­te Schwä­che ist ohne Zwei­fel die Ent­schei­dungs­fin­dung, meist im letz­ten Drit­tel des Spiel­felds.

Stutt­gart hat noch nie gegen Por­to gespielt. Was soll­ten die mit­rei­sen­den VfB-Fans nächs­te Woche in der Stadt sehen oder tun – kannst du etwas emp­feh­len?

Ich kann sagen, dass ihr unbe­dingt Fran­ces­in­ha und Bifa­na pro­bie­ren soll­tet und, wenn ihr Fisch mögt, ein gutes Bacal­hau-Gericht. Trinkt viel Super Bock, und wenn ihr alle mit Respekt behan­delt, wer­det ihr sicher eben­falls gut behan­delt. Ein Besuch der Ribei­ra und der Liv­ra­ria Lel­lo ist eben­falls Pflicht. Die Atmo­sphä­re wird unglaub­lich sein – ich den­ke, die Tickets wer­den bereits aus­ver­kauft sein.

Wer wird neben Samu das Spiel am Don­ners­tag ver­pas­sen?

Samu, Luuk de Jong und Nehuén Pérez.

Vie­len Dank!

Titel­bild: © Jose Manu­el Alva­rez Rey/Getty Images

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