Stuttgart on fire

…your defence is terrified. Nanananana. Der VfB krönt mit dem 5:1 in Dortmund den Arbeitssieg in Bremen und die Leistungen der letzten Wochen. Was für ein herrliches Spiel!

Keine Sorge, ich erspare Euch jetzt jegliche Advents-Metaphern von brennenden Bäumen oder Strafräumen. Der umgedichtete Fangesang auf Will Griggs im Titel muss reichen. Überhaupt fehlen mir nach dem 5:1 (Fünf! Zu! Eins!)-Auswärtsieg in Dortmund etwas die Worte. Und das will was heißen, wenn man seit über fünf Jahren über den VfB schreibt. Dass diese Saison in Sachen Abstiegskampf ganz in Ordnung läuft, war ja schon abzusehen. Weniger an den Ergebnissen – auch wenn der Sieg in Bremen immens wichtig war – als vielmehr an der Spielweise und der Einstellung der Jungs mit dem Brustring: Immer schnell nach vorne, immer weiter, nie aufhören, nie aufstecken. Das klappte schon ganz gut, auch wenn sich die Mannschaft nicht immer für den Aufwand belohnte und bei der Niederlage gegen die Bayern eben ein bisschen was fehlte, um einen Punkt im Neckarstadion zu behalten.

Wie geil war dagegen dieses Spiel in Dortmund? Sicherlich, wir haben in den vergangenen Jahren schon ein paar Kantersiege gefeiert. Aber entweder gegen Zweitligisten, desolate Konkurrenten im Abstiegskampf oder einen FC Bayern, dem bereits alles egal war. Aber eben nicht gegen eine Mannschaft wie Dortmund, mitten in der Saison, die zumindest auf dem Papier um die Meisterschaft spielt. Die zugegebenermaßen vor leeren Rängen und in einem engen Terminplan gefangen auf ihren besten Stürmer verzichten musste. Die aber gleichzeitig die Qualität im Kader hat, die man braucht, um ein Tor wie das 1:1 zu erzielen. Wie man es dreht und wendet: Dass der VfB in Dortmund etwas holen würde, war, wie Trainer Pellegrino Matarazzo vor dem Spiel anmerkte, eher unrealistisch. Dass er die Borussia mit 5:1 aus dem eigenen Stadion ballert, völlig absurd. Absurd schön.

29 Prozent Ballbesitz, fünf Tore, drei Punkte 

Wo fangen wir also an bei diesem Spielbericht? Vielleicht damit, dass der VfB endlich mal seine Torchancen, die er ja auch in den vergangenen Wochen hatte, mit einer gnadenlosen Effektivität nutzte. Vier von fünf Schüssen, die in der zweiten Halbzeit auf das Tor des BVB flogen, waren drin: Zunächst Wamangitukas erneuter Führungstreffer, nachdem Mangala der Dortmunder Abwehr an deren Strafraum den Ball stibizt und sich in eine mustergültige Vorlagenposition gebracht hatte. Dann das 3:1, als der BVB Philipp Förster nach Pass von Sosa freies Geleit gab. Das 4:1, als Tanguy Coulibaly sich mit einem Schlenzer ins lange Eck für die Nachfolge von Klimowicz und Wamangituka als Rookie des Monats Dezember bewarb. Und das 5:1, das der wiedergenesene Nicolas Gonzalez nach seiner Einwechslung unbedingt noch erziehlen wollte und deshalb mehrfach der BVB-Abwehr einfach davon lief. So macht man aus 29 Prozent Ballbesitz drei Punkte. Aber dieses Spiel bestand ja aus so viel mehr als diesem Offensivfeuerwerk, bei dem man auch Teto Klimowicz erwähnen muss.

Der war nämlich bereits in der ersten Halbzeit so flink auf den Beinen, dass Emre Can ihn nur mit einem Foul im Strafraum stoppen konnte. Wieder ging der VfB durch einen Elfmeter in Führung. Das sechste von mittlerweile sieben Saisontoren von Wamangituka im elften Spiel. Klimowicz hatte aber noch zwei weitere hochkarätige Chancen, einmal scheiterte er am Torwart, einmal am Pfosten. Es klingt absurd, aber eigentlich war der BVB mit den fünf Gegentoren gut bedient und ich will hier nicht mal über diverse Strafraumszenen sprechen. Egal ob Silas, Coulibaly, Klimowicz, Sosa, Förster oder Sosa: Die Abteilung Attacke machte da weiter, wo sie in den letzten Spielen aufgehört hatte – nur mit mehr Treffsicherheit. Da kannst Du dann deinen gefühlt wichtigsten Angreifer und argentinischen Nationalstürmer auch mal erst beim Stand von 4:1 einwechseln, wenn die Abwehr des BVB sich schon in ihre Einzelteile aufgelöst hat. 

Aufmerksam und auf Angriff gepolt 

Es war aber nicht nur die Treffsicherheit die Dortmund zum Verzweifeln brachte. Nach 20 Minuten schossen die Hausherren das erste Mal aufs Tor. Und auch wenn es ihnen zeitweise gelang, sich vom hohen Pressing des VfB zu befreien: spätestens bei Gregor Kobel und seiner Dreierkette aus Mavropanos, Kempf und dem vor allem im der zweiten Halbzeit bärenstarken Anton war Schluss. Und dann war da noch die Umschaltstation im VfB-Spiel. Über Orel Mangala sprachen wir bereits aber wie bockstark ist bitte ein Wataru Endo, der erst den für einen Konter gedachten langen Ball des BVB abfängt und mit diesem direkt den bereits erwähnten und leider erfolglosen Gegenangriff über Teto Klimowicz einleitet? Spätestens da (oder nach dem Steilpass von Förster auf Sosa mit der Hacke, sucht’s Euch aus) war klar: Der VfB war hier nicht zu stoppen und vielleicht fasst die eben beschriebene Szene von Wataru Endo das Spiel des VfB perfekt zusammen. Defensiv aufmerksam und immer auf Angriff gepolt. Und vor allem im Kollektiv unglaublich gut, während der BVB außer der individuellen Klasse seiner Spieler nicht viel zu bieten hatte. 

Ich könnte noch viele andere Statistiken rauskramen und werde das vielleicht für den Daten-Dienstag auch tun (die zweitmeisten geschossenen Tore! höchster Sieg in Dortmund seit 1993!), aber auch ohne auf die Zahlen zu blicken wird klar: Es läuft beim VfB. Das Schöne: die Mannschaft schwimmt nicht nur auf der Erfolgswelle mit, sie reitet sie. Indem sie gegen jeden Gegner ihr begeisterndes Spiel durchzieht und zur Belohnung einen Sahnetag erwischt, an dem vieles passt und die Spielfreude der Mannschaft in fünf Toren gegen einen Champions League-Achtelfinalisten kulminiert. Gleichzeitig verbessert sie mit den unerwarteten Punkten ihre Situation im Abstiegskampf erheblich.

Eine Mannschaft zum Verlieben

Und: Sie macht ihre Fans wieder stolz. Nicht mal unbedingt wegen des phänomenalen Ergebnisses, sondern weil sie tollen, mitreißenden und eben mitunter auch erfolgreichen Fußball spielt. Dieses 5:1 (!) in Dortmund (!) lässt einen fast vergessen, welche Rechnung wir am nächsten Spieltag am Dienstag noch zu begleichen haben. Nicht nur, dass die letzten Jahre für VfB-Fans gespickt waren mit Demütigungen und Enttäuschungen, es wurde dabei auch meistens ein gotteserbärmlicher Fußball gespielt. Zu sehen, wie sich Tanguy Coulibaly durch gegnerische Abwehrreihen dribbelt oder Silas Wamangituka schon wieder den Außenbahnspieler überläuft, ist eine wahre Augenweide.

Ja, auch ein Sieg in Dortmund bringt nur drei Punkte und es ist weiterhin erst ein Drittel der Saison gespielt. Aber dieses Drittel nährt bereits die Hoffnung, dass es endlich mal aufhört, scheiße zu sein, zumindest rund ums Sportliche. Ich habe hier in den letzten fünfeinhalb Jahren viel kritisiert, war aber vielleicht manchmal auch zu optimistisch. Eina weiß ich aber: So begeistert von einer VfB-Mannschaft war ich lange nicht mehr! 

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