Schatten und Licht

Der VfB zeigt beim Heim­spiel gegen Dyna­mo Dres­den zwei Gesich­ter und wirft die Fra­ge auf, wel­ches von bei­den die Mann­schaft für den Rest der Sai­son tra­gen wird: Tri­umph oder Tra­gö­die.

Viel­leicht soll­te Han­nes Wolf in Zukunft anti­zy­klisch trai­nie­ren las­sen. Oder sei­ner Mann­schaft ver­bie­ten, sei­ne Pres­se­kon­fe­ren­zen vor dem Spiel zu sehen. Anders lässt sich wohl der kras­se Wider­spruch zwi­schen der Ankün­di­gung des Trai­ners und dem Gesche­hen auf dem Platz nicht ver­mei­den. Vor der Plei­te in Fürth sag­te der Trai­ner, man wol­le mit einer “gewis­sen Wut im Bauch” ins Spiel gehen. Auf dem Rasen war von Wut wenig zu sehen. Nach der Län­der­spiel­pau­se erklär­te Wolf, man habe in den letz­ten zwei Wochen dar­an gear­bei­tet, bes­ser ins Spiel zu kom­men. Funk­tio­nier­te gegen Dyna­mo eher so gar nicht.

Fool me once, shame on you, fool me twice…

Der Tiefpunkt des Spiels: Das 0:3. Bild: © Eric Späte
Der Tief­punkt des Spiels: Das 0:3. Bild: © Eric Spä­te

Immer­hin war es dies­mal nicht eine tak­ti­sche Umstel­lung, die die Mann­schaft aus dem Tritt brach­te, von ver­coacht kann also dies­mal nicht die Rede sein. Viel mehr war es die Dumm­heit ins­be­son­de­re der VfB-Defen­si­ve, die bei den Dresd­nern Träu­me rei­fen lie­ßen, den Kan­ter­sieg aus dem Hin­spiel zu wie­der­ho­len. Zwei­mal muss­te Dyna­mo nicht mehr tun als einen Ball scharf in den Straf­raum des VfB zu spie­len und schon stand es 2:0 für die Gäs­te. Und das nach gera­de mal 20 Minu­ten. Das gan­ze Gere­de, dass man aus dem Fürth-Spiel gelernt habe und es in der nächs­ten Par­tie bes­ser machen wol­le, lös­te sich in das auf, was es war: hei­ße Luft. Erneut schaff­te es die Mann­schaft nicht, von Beginn an wach zu sein. Es war wie in den Vor­wo­chen: Das 1:0 kann einem mal pas­sie­ren, auch wenn ich nicht nach­voll­zie­hen kann, war­um Kreu­zer, der Kutsch­ke das 1:0 auf­leg­te, so unge­hin­dert durch unse­ren Straf­raum spa­zie­ren konn­te. Aber das das 2:0 prak­tisch genau­so fällt, ist unver­zeih­bar.

Und lässt sich auch nicht mit der Sze­ne am ande­ren Ende des Spiel­felds ent­schul­di­gen. Natür­lich wur­den sol­che Elf­me­ter, in denen Spie­ler aus zwei Metern Ent­fer­nung die Hän­de vom Kör­per weg­ris­sen und sich dabei einer­seits schüt­zen, ande­rer­seits die Kör­per­flä­che ver­grö­ßer­ten, schon häu­fig gepfif­fen. Aber auch wenn man ange­sichts des Leis­tungs­stan­des in der Liga im All­ge­mei­nen dazu geneigt sein mag, die mise­ra­ble ers­te Halb­zeit dem kom­plett über­for­der­ten Schieds­rich­ter anzu­las­ten: Das hat die Mann­schaft sel­ber ver­bockt. Ins­be­son­de­re die Innen­ver­tei­di­gung und selbst Timo Baum­gartl sahen dabei alles ande­re als sou­ve­rän aus. Die Kro­ne setz­te dem gan­zen dann Mitch Lan­ge­rak auf, der Kutsch­ke, den die VfB-Abwehr erneut hat­te zie­hen las­sen, knapp inner­halb der Straf­raum­gren­ze von den Bei­nen hol­te. 0:3 nach 26 Minu­ten. Es war wie­der zum Kot­zen. Soll­te das ein wei­te­rer Sarg­na­gel auf die Auf­stiegs­träu­me sein?

Powerplay mit Happy End und Wermutstropfen

Der Höhepunkt des Spiels: Das 3:3. Bild © VfB-Bilder.de
Der Höhe­punkt des Spiels: Das 3:3. Bild © VfB-Bilder.de

Zum Glück war er das nicht, denn im Gegen­satz zur Hin­run­de und zu den ver­gan­ge­nen Jah­ren merk­te die Mann­schaft zu die­sem Zeit­punkt end­lich mal, um was es ging. Das tech­nisch über­ra­gen­de 1:3 von Simon Terod­de war der Auf­takt zu einer zwei­ten Halb­zeit vol­ler Power­play, an deren Ende zwei wei­te­re VfB-Tore stan­den, eines davon in aller­letz­ter Sekun­de, als Car­los Mané das aus­ge­streck­te Bein von Ex-VfBler Phil­ip Hei­se dan­kend annahm und Simon Terod­de mit sei­nem 17. Sai­son­tref­fer bewies, dass er der ers­te ech­te Stür­mer im Brust­ring seit lan­gem ist.

Aber auch die zwei­te Halb­zeit lässt sich nicht unge­trübt betrach­ten. Schon in der ers­ten Halb­zeit schaff­te der VfB es nicht, einen Abpral­ler zu ver­wer­ten, in der zwei­ten Halb­zeit nahm das Gan­ze absur­de Züge an. Zum Glück reich­te es am Ende trotz­dem für einen Punkt und iro­ni­scher­wei­se sogar für die Tabel­len­füh­rung. Aber ich habe mir lan­ge abge­wöhnt, stolz dar­auf zu sein, dass der VfB mehr Groß­chan­cen hat als der Geg­ner und das Spiel, ging es danach “eigent­lich” hät­te gewin­nen müs­sen.

Tabelle: Leider gar nicht geil

Sie haben es noch einmal hingebogen. Gerade so. Wie oft geht das gut? © VfB-Bilder.de
Sie haben es noch ein­mal hin­ge­bo­gen. Gera­de so. Wie oft geht das gut? © VfB-Bilder.de

Denn die Tabel­len­si­tua­ti­on ist zum Haa­re rau­fen, mal ganz abge­se­hen von dem schö­nen Vor­sprung, der uns in der Früh­lings­son­ne dahin­ge­schmol­zen ist. Die ers­ten drei Mann­schaf­ten sind acht Run­den vor Schluss punkt­gleich, der Vier­te, des­sen Tabel­len­platz für den VfB die Bemü­hun­gen einer gan­zen Sai­son zunich­te machen wür­de, ist nur einen Punkt dahin­ter. Zum drit­ten Mal in Fol­ge hat es die Mann­schaft zunächst nicht gerafft, wor­auf es im Kampf um die Bun­des­li­ga ankommt, immer­hin hat sie es gegen Bochum und Dres­den im Ver­lauf des Spiels noch hin­ge­kriegt.  Aber so kann es nicht wei­ter gehen. So darf es nicht wei­ter­ge­hen. Viel­leicht soll­te Han­nes Wolf für die nächs­ten Spie­le wirk­lich auf viel­ver­spre­chen­de Sprü­che ver­zich­ten und ein­fach zu Pro­to­koll geben, man habe sich auf den Geg­ner vor­be­rei­tet. Punkt. Denn vie­le sol­cher Spiel­ver­läu­fe in den ver­blei­ben­den acht Spie­len hal­ten weder mei­ne Ner­ven, noch die Auf­stiegs­am­bi­tio­nen des VfB durch.

Die Mann­schaft und auch wir Fans, mich ein­ge­schlos­sen, haben uns nach der Sie­ges­se­rie im Febru­ar zu sehr in Sicher­heit gewo­gen. Natür­lich ist die Auf­hol­jagd in der zwei­ten Halb­zeit aller Ehren wert. Aber nein, Han­nes Wolf, dass Spiel ist weder lei­der, noch “eigent­lich geil” (Zitat im kicker). Wäre ich ein neu­tra­ler Zuschau­er oder wür­den wir nicht jeden Punkt brau­chen, könn­ten wir wie­der den Spruch des eng­li­schen Kom­men­ta­tors vom Spiel in Dort­mund raus­ho­len: “This is why we love foot­ball”. Ich lie­be es nicht, nach 26 Minu­ten den Geg­ner zu drei Toren ein­ge­la­den zu haben. Ich fin­de es nicht eigent­lich geil, dass die Mann­schaft sich schon wie­der sel­ber ins Hin­ter­tref­fen bringt und dann mit 8:3 Tor­schüs­sen und 10:1 Ecken das Gan­ze gera­de noch so hin­biegt. Lasst uns die­ses Spiel als aller­letz­ten Warn­schuss ver­ste­hen und hof­fen, dass die Mann­schaft ganz schnell wie­der auf­wacht. Am Bes­ten schon am Mitt­woch abend in Mün­chen.

Hate dumme Gegentore, love Stimmung

War­um man die­sen Fuß­ball­tag trotz­dem lie­ben konn­te: Zum einen wegen der teil­wei­se bra­chia­len Laut­stär­ke sowohl des Gäs­te­blocks, als auch der Cannstat­ter Kur­ve, zum ande­ren wegen der tol­len Cho­reo­gra­phien, die das Com­man­do Cannstatt, aber auch die Gäs­te aus Dres­den auf­bo­ten. Tom war dies­mal auf der Tri­bü­ne und hat bei­des für uns auf Video fest­ge­hal­ten. Lei­der ohne Ton, denn You­tube ist so schlau, dass es sogar bei Han­dy­vi­de­os urhe­ber­recht­lich geschütz­te Musik erkennt.

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