Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Bayern-Fan Stefen

Nach am sechsten Spieltag muss der VfB zum Serienmeister nach München. Wir haben mit Bayern-Fan Stefen (@fcblogin) über seine Mannschaft und die Partie gesprochen.

Rund um den Brustring: Im Sommer wechselte Robert Lewandowski zum FC Barcelona. Wie bewertest Du die medialen Begleiterscheinungen?

Stefen: Damals hat es natürlich genervt. Lewandowski ist weg, Haaland kommt nicht, obwohl sich der FC Bayern sich IMMER durch Weltklasse-Stürmer ausgezeichnet hat. Nun haben wir gar keinen. Die Selbstdarstellung war widersprüchlich, die Sprüche von Lewy teils unterirdisch, insgesamt fehlte der gegenseitige Respekt. Nicht schön. Aber jetzt ist es egal. Alle haben sich ausgesprochen, es wurden noch ein paar nette Videos gedreht und öffentlich nette Sachen gesagt. Erledigt.

Ansonsten war es im Grund das Übliche. Infos werden durchgestochen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen, um den Preis zu senken oder zu steigern, um Zeit zu gewinnen, Alternativen zu suchen und zu verhandeln. Und alle machen mit, weil es so interessant und spannend ist. Teil des Zirkus‘.

Und welche Auswirkungen hatte sein Wechsel sportlich und taktisch bisher? Wie zufrieden bist Du mit Euren Neuzugängen?

Spielerisch hat Nagelsmann bisher gute Antworten gefunden, die Zahl der Torschüsse sprechen für sich. Reinmachen müssen die Spieler sie dann aber schon. Die Defensive lässt weniger zu, obwohl sie neu zusammengewürfelt ist. Mané lässt gerade ein bisschen nach, die Offensiven müssen teils in die neue Verantwortung reinwachsen. Ein Prozess. Der dauert. Da gibt es Tiefen wie ZWEI UNENTSCHIEDEN. Also Drama. Muss Nagelsmann Tuchel weichen?

Nein, im Ernst, es ist an der Zeit, der Führung ein großes Lob auszusprechen. Sie haben einen fast optimalen #FCBTransfersommer hingelegt. Strategisch klug verkauft und gekauft. Das Notwendige möglich gemacht und eine unverhoffte Chancen ergriffen (Mané), die naheliegenden Sachen ausgelotet (Haaland), aber nicht mit den englischen tiefen Taschen mitzuhalten versucht. Gut verkauft mit positiver Bilanz, hohe Summen für weniger prominente Spieler (Nianzou, Roca, Kouassi und Richard jeweils über 10 Mio.), die Konkurrenz im Kader angeheizt (in der Defensive de Light und Mazraoui, im Mittelfeld Gravenberch, vorne Mané).
Noch dazu Vertrauen in den Trainer gesetzt (Sabitzer gehalten) und mit Kane keine verrückte Sache gemacht, aber fürs nächste Jahr vorgefühlt. Und perspektivisch sehr starke Spieler geholt (Tel), die heranzuführen Nagelsmann zuzutrauen ist (siehe sehr dosierter und nun häufigerer Einsatz von Musiala).

Es ist Druck in der Mannschaft, es herrscht dennoch ein gutes Teamgefühl, selbst gesetzte Spieler wie Kimmich und Müller können sich nicht darauf verlassen, dass sie immer spielen oder durchspielen. Das kann aber durchaus noch heikel werden, wenn man sich vor die Alternative Müller oder Musiala stellen lässt.

Bisher funktioniert die Mischung aus Rotation. Sie ist auch erforderlich wegen des eigentlich unzumutbar extrem dicht getakteten Spielplans. Stresspotenzial ist da, wenn man sich beispielsweise Goretzka nach seiner Verletzung anhört. Noch alles im Rahmen, aber das kann noch knallen. Die Stimmung kann also ganz schnell kippen nach dem Motto: Haben sie zu viele Weltklasse-Spieler geholt, die sich auf die Füße treten? So ist das eben bei uns. Von himmelhochjauchzend zu Bayernbeben innerhalb von wenigen Spielen oder Spielminuten. Eure Chance ;).

Blicken wir auf den Saisonstart: Kantersiege gegen Frankfurt und Bochum, Unentschieden gegen Gladbach und Union, dazu ein 2:0 gegen Wolfsburg. Bedeutet aktuell Platz 3 hinter Freiburg (!) und Dortmund. Wie zuversichtlich bist Du, was das Erreichen der Saisonziele angeht?

Wir haben beispielsweise unter Pep schon viele goldene Herbstwochen erlebt, bis wegen Verletzungen, fehlender Disziplin oder Mentalität der Einbruch im Frühjahr kam. Ab und an ein Dämpfer zu rechten Zeit ist okay. Das Saisonziel Meisterschaft ist nicht gefährdet, solange wir gegen Dortmund gewinnen. Derzeit sieht es so aus, als würden sie die sonst hergeschenkten Spiele aufgrund besserer Mentalität, höherer und breiterer Qualität (bessere Bank) nicht mehr verlieren, so dass es tatsächlich enger werden könnte.

Welche Schwächen siehst Du aktuell beim FC Bayern, die dem VfB einen Punktgewinn ermöglichen könnten, so wie beim letzten Aufeinandertreffen im Mai?

Keine.

Ansonsten eigentlich wie immer, wenn der Gegner extrem starken Willen zeigt und nie mental nachlässt, seine ein bis drei Chancen eiskalt nutzt, dann macht er gegen uns Tore. Wenn ihr unseren Spieler ständig auf den Füßen tretet, der Schiedsrichter nicht jede Kleinigkeit abpfeift, ist was drin. Ansonsten schlagen wir uns nur durch die mangelnde Chancenverwertung. Torschüsse machen wir mehr als genug. Eurer Torwart heißt aber nicht Yann Sommer, oder?

Zum Abschluss: Dein Tipp fürs Spiel?

Euer Pech, dass wir die Punkte diesmal dringend brauchen, euer Glück, dass die langen englischen Wochen angefangen haben und das Spiel gegen Inter einige Körner gekostet hat. Wir werden es also zum Ende hin und auch zwischendrin etwas ruhiger angehen lassen. 4:0.

Titelbild: © VfB-Bilder.de

3 Gedanken zu „Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Bayern-Fan Stefen“

  1. “Wir werden es also zum Ende hin und auch zwischendrin etwas ruhiger angehen lassen. 4:0.”
    Wie arrogant. Auch wenn’s realistisch ist, muss man es nicht so nach außen tragen.

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