Rund um den Brustring am Mittwoch, 17. Juni 2015

Der Tag 1 nach Ulreich. Vie­les dreht sich heu­te nicht nur in den Stutt­gar­ter, son­dern auch in den natio­na­len Medi­en um den Wech­sel des VfB-Tor­warts nach Mün­chen. Auch die VfB-Blogo­sphä­re erwacht zum Leben. Und auch heu­te geht es wie­der um zwei Stamm­gäs­te in der VfB-Gerüch­te­kü­che.

In der Stutt­gar­ter Zei­tung wird dar­über spe­ku­liert, dass es vor allem die man­geln­de Rücken­de­ckung im Ver­ein war, die Ulreich zum Wech­sel antrieb. Auch die über­re­gio­na­len Medi­en las­sen sich nicht lum­pen, was aber wohl eher dar­an liegt, dass Ulreich zu den Bay­ern wech­selt, als dar­an, dass er den VfB ver­lässt.
Für Spie­gel Online kom­men­tiert Chris­toph Ruf den Wech­sel und liegt mei­ner Mei­nung nach mit sei­ner Ein­schät­zung der Lage ziem­lich rich­tig (was man von den ande­ren Kom­men­ta­to­ren nicht unbe­dingt behaup­ten kann, aber dazu spä­ter). Für die Bay­ern sei der Trans­fer sinn­voll, weil man jetzt einen zwei­ten Tor­hü­ter habe, der ehr­gei­zig und nicht wie bis­her schon jen­seits der 30 ist. Auch aus Ulreichs Sicht sei der Wech­sel nach­voll­zieh­bar,

“Denn beim VfB war sein Weg zu Ende. Und von Beschäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten in einem der ande­ren 17 Bun­des­li­ga­to­re gibt es offen­bar kei­ne Spur. Was läge da näher als die wohl attrak­tivs­te Ersatz­bank Euro­pas?”

Ehr­lich gesagt sind mir sowohl der sport­li­che Erfolg der Bay­ern als auch Ulreichs wei­te­re Kar­rie­re rela­tiv egal, aber Ruf geht auch auf die Lage beim VfB ein und kom­men­tiert — mei­ner Mei­nung nach tref­fend — dass Ulreich sich nur des­halb nach der ers­ten von zwei auf­ein­an­der­fol­gen­den Kata­stro­phen­sai­sons als Nr. 1 hal­ten konn­te, weil es anders­wo in der Mann­schaft noch mehr haper­te.
Weni­ger zustim­men kann ich Oli­ver Frit­sch in sei­nem Kom­men­tar für die ZEIT. In sei­nem etwas lieb­los und ohne viel Kennt­nis über die Ver­hält­nis­se vor Ort run­ter geschrie­be­nen Kom­men­tar  stimmt er den Abge­sang auf die Bun­des­li­ga an, in der Spie­ler lie­ber bei den Bay­ern auf der Bank sit­zen als bei einem Ver­ein, der zum abge­häng­ten Rest der Liga gehört, im Tor zu ste­hen. Außer­dem sei der VfB ein Ver­ein, bei dem Eigen­ge­wäch­se nicht viel zähl­ten, daher sei der Wech­sel von Ulreich ver­ständ­lich, da er die “Feh­ler der Ver­eins­spit­ze” ergo das Cha­os im Club nicht wei­ter aus­ba­den wol­le. Offen­sicht­lich hat sich Frit­sch nicht die Mühe gemacht, sich mehr als das “Ren­te mit 26”-Meme anzu­schau­en und die Kom­men­ta­re unter Ulreichs Face­book-State­ment durch­zu­le­sen. Denn wie schon ges­tern geschrie­ben: Vie­le VfB-Fans emp­fin­den auch Erleich­te­rung dar­über, dass sich die unschö­ne Tor­hü­ter-Situa­ti­on beim VfB so ein­fach lösen lässt.
Wäh­rend Frit­sch mei­ner Mei­nung nach bei der Betrach­tung des Stutt­gar­ter Umfelds dane­ben liegt, hat man bei Lars Wall­rodts Kom­men­tar in der Welt das Gefühl, er habe Ulreich die letz­ten zwei Jah­re nicht spie­len sehen. Sei­ner Mei­nung nach ver­dirbt sich Ulreich die Kar­rie­re bei den Bay­ern, denn

“Ulreich war jemand, der durch­aus das Poten­zi­al gehabt hät­te, auch ein­mal in der Natio­nal­mann­schaft auf­zu­tau­chen. Mit ande­ren jun­gen Tor­hü­tern wie Bernd Leno, Marc-And­re ter Ste­gen und Timo Horn hät­te er den Kampf um die Num­mer zwei bei Joa­chim Löw auf­neh­men kön­nen.”

Über das Aus­maß die­ser sport­li­chen Fehl­ein­schät­zung braucht man glau­be ich kaum ein Wort zu ver­lie­ren. Auch die Annah­me, Ulreich gebe in Stutt­gart einen siche­ren Stamm­platz auf, liegt ziem­lich dane­ben.
In der Mit­tel­deut­schen Zei­tung kom­men­tiert ein lau­ni­scher Tho­mas Schmitz, dass Ulreich sich wahr­schein­lich jetzt schon mal eine Zweit­woh­nung in Katar suchen kön­ne. Dort wür­de er näm­lich hin­wech­seln, nach­dem er bei den Bay­ern ein paar Jah­re auf der Bank ver­sau­ert ist.
Den Vogel schießt bei den gan­zen Kom­men­ta­ren zum Wech­sel aber Jens Nag­ler (BILD) auf Twit­ter ab:

Allein, dass ein Bild-Mit­ar­bei­ter sich übers Dreck­wer­fen empört, ent­behrt nicht einer gewis­sen Iro­nie. Gleich­zei­tig pau­schal alle VfB-Fans mit Dreck zu bewer­fen, passt dann wie­der ins Bild. Zum Abschluss der natio­na­len VfB-Pres­se­schau noch ein aus mei­ner Sicht pas­sen­der Text von Felix Götz auf Spox.com. Auch er sieht den Trans­fer als sinn­voll für die Bay­ern (guter Ersatz­kee­per) und Ulreich (Geld, Titel, kann mit Neu­er trai­nie­ren) an und schätzt auch die Fol­gen des Wech­sels für den VfB rich­tig ein: “Ganz unbe­rech­tigt waren die Zwei­fel nicht. Ulreich, der vor ein paar Jah­ren noch mit der Natio­nal­mann­schaft in Ver­bin­dung gebracht wur­de, hielt meis­tens zuver­läs­sig, immer sel­te­ner aller­dings her­aus­ra­gend. Sei­ne Ent­wick­lung sta­gniert.”

Transfergerüchte

Bei den Stutt­gar­ter Nach­rich­ten schaut man sich die aktu­el­le Situa­ti­on auf der Tor­hü­ter-Posi­ti­on an. Der Wech­sel von Tyton ist noch lan­ge nicht fix, auch scheint er die glei­chen Stär­ken (auf der Linie) und Schwä­chen (im Straf­raum) zu haben wie Ulreich. Immer­hin kön­ne er Elf­me­ter hal­ten. Inter­es­san­tes Detail: Sein Bera­ter ist der Sohn von Huub Ste­vens. Kanns­te dir nicht aus­den­ken.

Neu­es gibt es auch von Dani­el Dida­vi zu berich­ten. Der VfB schiebt laut Stutt­gar­ter Nach­rich­ten einem Wech­sel in die­sem Som­mer einen Rie­gel vor. Dida­vis Ver­trag läuft aller­dings 2016 bereits aus. Ich bin mal gespannt, ob es dem VfB gelingt, den Ver­trag noch ein­mal zu ver­län­gern und was das für sei­nen Mit­tel­feld­kol­le­gen bedeutet://

A short visit in Stutt­gart with my fri­end and mana­ger!

Pos­ted by Maxim Alex­an­dru on Diens­tag, 16. Juni 2015

Auch in den ver­schie­de­nen Blogs rund um den VfB befasst man sich mit den Ereig­nis­sen rund um Ulreich und Dida­vi. Der Ver­ti­kal­pass kommt zu dem Schluss, dass es Ver­eins­treue nur noch beim Daim­ler gibt und man ansons­ten rea­lis­tisch an die Ver­eins­wech­sel von Eigen­ge­wäch­sen her­an­ge­hen soll­te. Der Brust­ring fasst Ulreichs Wir­ken kurz und knapp zusam­men: Ein guter Jun­ge, aber ein durch­schnitt­li­cher Tor­hü­ter. Gold­mann Sax schaut Robin Dutt beim Aus­mis­ten zu und bringt als Men­tor für Odis­se­as Vlacho­di­mos einen bekann­ten Namen ins Gespräch: Timo Hil­de­brand. Hät­ten sich die Her­ren Nag­ler, Wall­rodt und Frit­sch bloß mal hier umge­schaut, statt auf Face­book.

Neu­es von Anto­nio Rüdi­ger: Der VfB ver­langt 16 Mil­lio­nen, Volks­wa­gen bie­tet 12 Mil­lio­nen, laut Stutt­gar­ter Nach­rich­ten. Dürf­te nur noch eine Fra­ge der Zeit sein.

Nach­dem ich mich zuletzt dar­über beklagt hat­te, dass es nur Gerüch­te zu Offen­siv­spie­lern gibt, tau­chen nun auch die Namen von zwei Abwehr­spie­lern auf. Die Stutt­gar­ter Nach­rich­ten zitie­ren die Gaz­zet­ta del­lo Sport dahin­ge­hend, dass der VfB sich für Fran­ces­co Acer­bi (US Sas­su­lo) und Mario Rui (FC Empo­li) gewor­fen hat. Laut fussballtransfers.com hat der VfB für den Por­tu­gie­sen Rui bereits vier Mil­lio­nen Euro gebo­ten. Bei­de Spie­ler waren bei Ver­ei­nen des unte­ren Tabel­len­mit­tel­felds in der ver­gan­ge­nen Sai­son Stamm­spie­ler.

Neu im Brustring

Der VfB hat Danie­le Gabrie­le vom SC Frei­burg II für die zwei­te Mann­schaft ver­pflich­tet, wie er auf sei­ner Web­sei­te mit­teilt. Der 20jährige Mit­tel­stür­mer schoss letz­tes Jahr in der Regio­nal­li­ga Süd­west in 30 Spie­len 21 Tore und wur­de damit Tor­schüt­zen­kö­nig.

4 Gedanken zu „Rund um den Brustring am Mittwoch, 17. Juni 2015“

  1. Sehr wohl­tu­end, mit wel­cher Ruhe du den von Halb­wis­sen und Selbst­ge­fäl­lig­keit strot­zen­den Arti­keln so man­cher mit­tel­mä­ßig bis mie­sen Sport­jour­na­lis­ten begeg­nest. Jens Nag­ler… da muss ich mal ganz tief durch­at­men.
    Bin tat­säch­lich gespannt, wie wei­ter mit Maxim geplant wird. Ihn abzu­ge­ben wäre schmerz­lich. Und wahr­schein­lich ein Feh­ler. Aber hängt natür­lich auch von Zor­ni­gers Vor­stel­lun­gen ab.
    Im Tor bin ich mir nicht sicher, ob Vlacho­di­mos irgend­wann die Num­mer 1 bei uns wird. Und ich den­ke dar­an zwei­feln auch Dut­to und co. Even­tu­ell liegt da schon mehr Hoff­nung auf Mari­us Funk, ist aber nur so ein Gefühl, habe bei­de noch nicht wirk­lich beob­ach­ten kön­nen.
    Die Sache mit Danie­le Gabrie­le gefällt mir sehr gut — allein schon des Namens wegen! Könn­te klap­pen

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    • Hal­lo Ste­phan

      Ich fürch­te, es läuft jetzt dar­auf hin­aus, dass Maxim geht. Denn der VfB braucht das Geld und Maxim wird spie­len wol­len. Ich gehe davon aus, bzw. ich hof­fe, dass die Zei­ten vor­bei sind, in denen der VfB nach einem Trans­fer Wochen brauch­te, um einen Nach­fol­ger zu fin­den. Vlacho­di­mos erin­nert von der Posi­ti­on an Leno. Noch kei­ne Minu­te Bun­des­li­ga gespielt, aber eigent­lich lang­sam zu gut für die drit­te Liga, zumin­dest wenn man nach dem geht, was ich so wahr­ge­nom­men habe.
      Was die Jour­na­lis­ten angeht: Zum Teil ist es mei­ner Mei­nung nach Unkennt­nis des­sen, was man als VfB-Fan die letz­ten zwei Jah­re durch­ge­macht hat. Bei Nag­ler ist es ein­fach pau­scha­les Bashen nach BILD-Art.

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  2. Aus mei­ner Sicht war Ulreich der rich­ti­ge Tor­mann für einen Tabel­len­vier­zehn­ten. Nicht mehr und nicht weni­ger. Er hat durch­schnitt­li­ches Bun­des­li­ga-Niveau, mei­net­we­gen leicht unter­durch­schnitt­lich. Daher sah ich kein “Tor­wart­pro­blem”, son­dern, wenn schon, ein gene­rel­les. Ich fin­de ihn jeden­falls bes­ser als Vlacho­di­mos und Kirsch­baum und in den ent­schei­den­den Spie­len war er feh­ler­frei.

    Außer­dem fra­ge ich mich, war­um das Tor­wart­pro­blem jetzt gelöst sein soll­te? Wie ist es denn gelöst? In 2 Wochen ist Trai­nings­be­ginn und man sucht noch.

    Und noch was zur Ver­eins­füh­rung: Ist jetzt alles gut?

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    • Hal­lo Oli,

      In der Tat: Er war der rich­ti­ge Tor­mann für den Tabel­len­vier­zehn­ten. Mit Kirsch­baum im Tor wäre der VfB sicher abge­stie­gen, weil der mei­ner Mei­nung nach nur Zweit­li­ga-Niveau hat. Vlacho­di­mos kann ich nicht ein­schät­zen, aber wahr­schein­lich wäre die Situa­ti­on für ihn zu viel gewe­sen.

      Jetzt muss aber beim VfB in der Mann­schaft ein radi­ka­ler Umbruch kom­men. Vor allem im Defen­siv­be­reich, denn es war auch Ulreichs Unsi­cher­heit bei hohen Flan­ken in den Straf­raum und sei­ne unko­or­di­nier­ten Abschlä­ge, die die Abwehr ver­un­si­chert haben, bzw. Gegen­to­re mit ein­ge­lei­tet haben. Seit sei­ner Beför­de­rung zum Stamm­tor­hü­ter hat er sich sport­lich nicht wei­ter­ent­wi­ckelt. In der glei­chen Zeit ist der VfB sport­lich abge­stürzt, auch weil man Abwehr­spie­ler wie Tasci und Bouhla­rouz nicht ange­mes­sen erset­zen konn­te.

      Damit es beim VfB wie­der auf­wärts geht, muss man sich also auch auf der Tor­wart­po­si­ti­on ver­bes­sern. Aber: Was macht man mit einem Ver­einsur­ge­stein, wel­ches zudem immer noch gro­ßes Anse­hen bei den Fans genießt? Ein­fach auf die Bank set­zen geht nicht. Aus Dank­bar­keit im Kas­ten las­sen und gege­be­nen­falls die Ent­wick­lung von Vlacho­di­mos blo­ckie­ren, so wie bei Leno damals? Auch nicht sinn­voll. Des­we­gen sind vie­le VfB-Fans (viel­leicht nicht gera­de die UIreich-Fan­boy/-girl-Frak­ti­on auf Face­book) glück­lich über den Trans­fer.

      Wie schon im ande­ren Kom­men­tar geschrie­ben: Ich hof­fe, dass Dutt etwas in der Hin­ter­hand hat, was in den nächs­ten Tagen Rea­li­tät wird. Schließ­lich lie­fen die Gesprä­che mit den Bay­ern schon vor dem Sai­son­fi­na­le. Damit ist mit­nich­ten alles gut, was die Ver­eins­füh­rung macht. Aber man scheint end­lich mal erkannt zu haben, dass man jetzt nicht mehr ein­fach so wei­ter­wursch­teln kann wie in den Som­mer­pau­sen ver­gan­ge­ner Jah­re. Das hat Dutt ja in der Pres­se­kon­fe­renz am Pfingst­mon­tag bereits ange­kün­digt. Ich sehe den Ulreich-Trans­fer als ein ers­tes Zei­chen, dass den Wor­ten auch Taten fol­gen. Denn ganz ehr­lich: Die Höhe der Ablö­se­sum­me hört sich nicht gera­de danach an, als hät­te der VfB dar­um gekämpft, dass Ulreich bleibt.

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