Rund um das Spiel in Sandhausen

Am Sonntag erwartet den VfB das nächste Spiel gegen einen Verein aus Baden, auch wenn es kein Derby ist. Vor dem Auswärtsspiel in Sandhausen sprachen wir mit Jörg vom SVS-Fanzine Der Ligazwerg.

Rund um den Brustring: Hallo Jörg und vielen Dank, dass Du Dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Erzähl doch mal, wie Du Sandhausen-Fan geworden bist und wie Euer Fanzine “Der Ligazwerg” entstanden ist.

Jörg: Hallo Lennart! Aber gerne doch! Fußball hat mich eigentlich seit frühster Kindheit interessiert, da lag aber eher die 1. Bundesliga im Fokus. Ich stamme eigentlich aus dem Odenwald (böse Zungen nennen es Badisch-Sibirien), entsprechend waren Stadionbesuche sehr selten, Fußball fand im Fernsehen statt. Durch mein Studium in Heidelberg bin ich dann in die Region gelangt und bin so in Kontakt mit dem SVS gekommen. Gegen Ende der Drittligazeit hat sich das dann schrittweise gesteigert, eins kam irgendwie zum anderen. Aus gelegentlichen Stadionbesuchen wurden regelmäßige, es entstanden die ersten Bekanntschaften, Freundschaften, der erste Schal wurde gekauft und schließlich war’s dann die Dauerkarte und die komplette schwarz-weiße Montur. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga tat sein übriges, auf einmal war man mittendrin im “echten, großen” Fußball, unglaublich. Mittlerweile wohne ich auch in Sandhausen – man kann wirklich sagen, der SVS hat mich irgendwie hier behalten.

Unser Fanzine “Der Ligazwerg” ist dann durch Bekanntschaften im SVS-Fanforum entstanden. Die Fangemeinde ist ja recht klein und überschaubar, da lernt man sich recht schnell kennen und merkt, wer so ähnlich tickt wie man selbst. Und so fanden sich schließlich ein paar Leute zusammen, jeder warf seine Ideen in einen Topf und beim Umrühren merkten wir, dass wir uns toll ergänzen und da was Gutes entstehen könnte. Unser Ziel war es, unsere Fanszene im Bereich Kreativität und Kommunikation zu bereichern und unseren kleinen SVS auch überregional ein wenig bekannter zu machen. Zudem fanden wir, dass es sowohl für den Verein wie auch die Fanszene gewinnbringend sein könnte, manche Dinge auch mal öffentlich etwas kritischer zu beleuchten. Die Presselandschaft hier in der Region ist nicht gerade vielfältig und berichtet im Regelfall relativ zahm. Etwas zwergischer Biss schien uns da angemessen. Anfangs beäugte uns der Verein auch recht kritisch, aber mit dem Erfolg unserer ersten Ausgaben legte sich das glücklicherweise. Selbstverständlich sind wir Fans des SVS und streben da ein gutes Verhältnis an, aber wir legen großen Wert auf unsere Unabhängigkeit, um auch mal den Finger in manche Wunde legen zu können. Hofberichterstatter sind wir sicher nicht und wollen wir auch nicht sein.
Mittlerweile sind wir zu acht, und unser Fanzine erscheint zweimal pro Saison in einer Auflage von 500. Das mag für vergleichbare Fanzines anderer Vereine nicht so hoch erscheinen, für Sandhausen ist das aber eine ganz gute Reichweite. Außerdem haben wir mittlerweile viele Kontakte zu anderen Fanzines aufgebaut – man kennt sich, man tauscht sich aus, man nimmt uns wahr. Und das kommt letztlich auch dem SV Sandhausen zu gute.

Euer Name ist ja durchaus Programm, denn einerseits ist Sandhausen mittlerweile so wie früher Meppen der Inbegriff der zweiten Liga, andererseits fragen sich wahrscheinlich viele, wie sich ein Verein mit 900 Mitgliedern aus einem 15.000-Einwohner-Ort im mittlerweile achten Jahr in Folge in der zweiten Liga behauptet. Wie lautet die Antwort?

Um ehrlich zu sein: Das fragen wir uns selbst auch immer noch. Schon der Aufstieg damals glich einem Fußballwunder, und der Traum schien nach einer ziemlich miesen ersten Zweitligasaison auch schnell wieder ausgeträumt zu sein. Nur der Lizenzentzug von Duisburg rettete uns ja vor dem direkten Wiederabstieg. In allen darauffolgenden Jahren jedoch konnten wir uns jedoch aus eigener Kraft behaupten, obwohl wir immer wieder als Abstiegskandidat Nr. 1 gehandelt wurden. Und selbst in der vergangenen “verflixten” siebten Saison sind wir dem Abstiegsgespenst am allerletzten Spieltag wieder von der Schippe gesprungen.

Der Grund, dass wir uns in der 2. Liga halten können, ist genau der, den manche Externe als Störfaktor im Profifußball empfinden, nämlich unserer Kleinheit und Dörflichkeit. In Sandhausen kann man ohne großen Medienzirkus und ohne überspannten Fanerwartungen ruhig und konzentriert arbeiten, das ist ein enormer Vorteil. Zum zweiten ist da natürlich der Präsident, Jürgen Machmeier, der im Ort wie im Verein tief verwurzelt ist und der den SVS wirklich lebt. Er führt den Verein mit ruhiger Hand verfolgt einen Kurs, der einerseits unserer Kleinheit gerecht wird, bei dem wir uns aber nicht kleiner machen als nötig. Die internen Vereinsstrukturen sind über viele Jahre gewachsen, die personellen Netzwerke der Verantwortlichen von Stabilität und Kontinuität geprägt. Die Vereinsführung kennt sich gegenseitig schon seit Ewigkeiten und man weiß, was man aneinander hat. Manchmal ist dieser Umstand aber auch Segen und Fluch zugleich, denn solche Strukturen können dann problematisch werden, wenn mal Flexibilität gefragt ist. Mit Neuerungen, Transparenz und unkonventionellen Ideen tut sich der SVS manchmal schwer. Klar ist dabei: Wir sind jede Saison aufs Neue gezwungen, aus relativ wenig wieder viel zu machen. Und bislang ist uns das zum Glück ganz gut gelungen.

Bisher konntet ihr in der zweiten Liga noch keine Saison auf einem einstelligen Tabellenplatz abschließen. Derzeit steht Ihr auf Platz 9. Wie zufrieden bist Du mit der bisherigen Hinrunde und wo siehst Du den SVS am Saisonende?

Klar wäre es schön, am Saisonende einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen. Aber es geht wieder eng zu, und so tippe ich mal, dass wir auf einem guten 12. Rang landen werden. Allerdings hielt die bisherige Saison schon so einiges für uns bereit. Für unsere Verhältnisse haben wir ja einen geradezu furiosen Start hingelegt, die Mannschaft zeigte ansehlichen wie erfolgreichen Fußball, undzwischenzeitlich schnupperten sogar mal an den Aufstiegsrängen. Aber keine Sorge, die Bodenhaftung hat da bei uns niemand verloren. Umso wichtiger, denn quasi schlagartig war’s dann auch wieder vorbei mit der Herrlichkeit, und wir kullerten nach und nach in Richtung Tabellenkeller. Selbst der Stuhl des Trainers fing, glaubt man Gerüchten, schon so langsam an zu wackeln. Glücklicherweise haben wir uns in den letzten Wochen wieder gefangen, die Mannschaft wirkt wieder deutlich sicherer und belohnte sich wieder öfter für ihren Einsatz – denn daran mangelte es nie. Übrigens war der Beginn unserer Durststrecke genau der Abgang von Philipp Förster. Da stellte sich dann schon die Frage, ob es eine gute Idee war, ihn gehen zu lassen.

Im Sommer gab es in Eurem Kader ein großes Kommen und Gehen, 12 Neuzugänge stehen 16 Abgängen gegenüber. Wie zufrieden bist Du mit den sommerlichen Transfers und wo siehst Du in der Winterpause Handlungsbedarf?

Das ist ja der erste Kader, für den Trainer Uwe Koschinat verantwortlich zeichnete, natürlich zusammen mit dem sportlichen Leiter Mikayil Kabaca, der das langjährige “Mastermind” Otmar Schork beerbt hatte. Man merkte den Transfers schon an, dass da eine besondere, etwas frischere Handschrift dahinter war. Zum einen sah man Rückgriffe auf Spieler, mit denen die beiden in der Vergangenheit schon zu tun hatten, zum anderen legte man großen Wert darauf, den Kader sehr ausgeglichen zu verstärken. Zudem setze man auch einige Ausrufezeichen. Einen Philip “Torpedo” Türpitz oder einen Mario Engels hätte sicher auch manch anderer Verein gerne genommen. Und auch die Rückkehr von Aziz Bouhaddouz hat nach kleineren Anlaufschwierigkeiten erfreulich gut funktioniert – schließlich mussten wir ja den Abgang von unserem erfolgreichen Sturmduo Andrew Wooten und Fabian Schleusener verkraften. Tja, und dann ist da eben noch der späte Abgang von Philipp Förster, der schon ein arges Loch in unser Mittelfeld gerissen hat – auch wenn es ein sicherlich gut bezahltes Loch war. Hier haben wir lange herumexperimentieren müssen und hatten wirklich Probleme, eine Lösung zu finden – Pippo war da für uns schon ein echter Unterschiedsspieler – einerseits mit sehr viel taktischer Klasse nach vorn, andererseits sich aber auch nicht zu schade, um nach hinten zu arbeiten. So ganz sind wir da immer noch nicht am Ziel, ihn zu ersetzen. Und doch glaube ich, dass wir derzeit keine Großbaustelle offen haben, die für die Winterpause akuten Handlungsbedarf auslöst, da können wir uns durchaus glücklich schätzen. Das beweist aber auch, wie gut das Team Koschinat-Kabaca im Sommer geplant und gearbeitet hat. Ob sich dennoch was tut? Mal schauen, ich bin sicher, dass man hier die Augen offen hält.

Trifft am Sonntag auf alte Kollegen: Philipp Förster. © Getty/Bongarts
Trifft am Sonntag auf alte Kollegen: Philipp Förster. © Getty/Bongarts

Kurz vor Toreschluss wechselte ja Philipp Förster noch zum VfB. Welche Auswirkungen hatte sein Abgang auf Eure Mannschaft? Und meinst Du, er muss sich am Sonntag was anhören von der Heimkurve?

Wie schon oben ausgeführt, der Abgang von Pippo Förster schlug bei uns wirklich ein wie eine Bombe und führte zu so einigen Problemen. Auch die Tatsache, dass er erst kurz vor diesem Wechsel seinen Vertrag bei uns verlängert hatte, versah die ganze Sache schon mit einem kleinen “Gschmäckle”. Als es danach dann so gar nicht mehr lief, ging bei einigen wirklich schon die Angst um, dass uns dieser Verlust noch teuer zu stehen kommen könnte, obwohl die Ablösesumme natürlich für unsere Verhältnisse ein Meilenstein war. Zum Glück haben wir und dann ja wieder stabilisiert, und der Name Förster fällt nun nicht mehr so oft in Fangesprächen. Klar, der ein oder andere in der Fankurve wird schon seinen Unmut äußern und ein paar Pfiffe werden vielleicht kommen, aber die große Mehrheit der SV-Fans dürfte das eher gelassen sehen. Pippo hat bei uns gute Arbeit geleistet und eine tolle Entwicklung hingelegt, da haben viele Verständnis dafür, dass er den nächsten Schritt auf der Karriereleiter gehen wollte. Dass dieser Schritt dann so groß ausgefallen ist, das ist ihm zu gönnen. Und doch wäre es für uns natürlich wünschenswert, wenn er am Sonntag vielleicht nicht unbedingt einen Bombentag erwischt. Danach darf er dann gerne wieder groß für euch aufdrehen.

In Eurem Kader findet sich mit Besar Halimi auch ein ehemaliger VfB-Spieler, der in der Saison 2013/2014 für unsere zweite Mannschaft auflief. Wie geht es ihm bei Euch?

Besar wurde ja unmittelbar nach dem Abgang von Förster quasi in allerletzter Minute von Bröndy IF verpflichtet. Auf dem Taktik-Tableau sieht das zwar nach einem 1:1-Ersatz aus, aber natürlich sind die beiden von ihrer Spielweise ganz verschiedene Typen, und auch die körperliche Präsenz von Förster hat Besar natürlich nicht. Zudem konnte er während seinen letzten Wochen in Dänemark keine Spielpraxis mehr sammeln, so dass er erst wieder in Tritt kommen und dann Anschluss an unsere Spielweise finden musste. Ich selbst traue ihm einiges zu und bin wirklich gespannt, welche Rolle er bei uns spielen wird. So ein kleiner, wendiger Spieler im Mittelfeld kann manchmal beim Gegner schon für ordentlich Alarm sorgen.

Sollte Förster ersetzen: Ex-VfB II-Spieler Besar Halimi (l.). © Getty/Bongarts
Sollte Förster ersetzen: Ex-VfB II-Spieler Besar Halimi (l.). © Getty/Bongarts

Andere Namen, die ins Auge fallen, sind Jesper Verlaat – der Sohn unseres Liberos aus den 90ern – und Dennis Diekmeier, der lange beim HSV spielte und jetzt Euer Kapitän ist. Welche Rolle spielen die beiden in der Mannschaft?

Jessy Verlaat ist der Sonnenschein in unserem Team, ein unheimlich sympathischer und offener Spieler, der bei den Fans sehr beliebt ist. Vergangene Saison hat er auch viele gute Spiele abgeliefert, auch wenn man ihm natürlich hier und da angemerkt hat, dass er noch jung ist und noch mehr Erfahrung braucht. Zu seinem Unglück hat er nun aber mit Zhirov und Nauber zwei Innenverteidiger vor sich, die für meine Begriffe zu den besten der Liga zählen und die da hinten wirklich Topleistungen zeigen. Für Jessy tut mir das wirklich leid, und man sieht es ihm auch an, wenn die Mannschaft nach dem Spiel in die Kurve kommt – er leidet wie ein Hund, dass er nicht mehr auf dem Platz stehen darf und ich bin da auch etwas besorgt, ob er uns erhalten bleibt. Wie gesagt, er ist jung, und um sich entwickeln zu können, muss er spielen.

Tja, und Dennis Diekmeier ist natürlich eine Sache für sich. Für viele – auch für mich – war seine Verpflichtung vor einem knappen Jahr eine große Überraschung, und irgendwie auch eine Wundertüte. Denn bislang hatten wir mit sog. “Königstransfers” von etwas namhafteren Spielern nie so richtig Glück. Mit Diekmeier kam dann natürlich für unsere Verhältnisse ein echter Knaller, und nicht wenige fragten sich, ob das überhaupt passt: Ein so großer Name, noch dazu mit einem auch in den Medien bisweilen extrovertiertem Auftreten, und das im kleinen und etwas verschlafenen Sandhausen – tja es hat gepasst, und zwar für beide Seiten. Er hat uns in einer sehr schwierigen Lage sofort weitergeholfen, nicht nur durch seine spielerische Qualität, sondern auch durch seine Präsenz auf dem Platz und seine Führungsqualitäten. Nicht umsonst ist er schnell zum Kapitän aufgestiegen, denn er hat die Mannschaft und die Fans wirklich mitgerissen. Ohne ihn, da bin ich mir ziemlich sicher, wären wir abgestiegen. Umso schöner, dass auch er dann sein Herz für Sandhausen entdeckt und hier verlängert hat.

Ähnlich wie der Gastgeber unseres letzten Auswärtsspiels habt ihr mit die wenigsten Tore geschossen, aber auch mit die wenigsten kassiert, jeweils 15. Was sagt das über die Spielweise, die Trainer Uwe Koschinat der Mannschaft mitgibt und wie bewertest Du seine Arbeit?

Uwe Koschinat ist der kommunikativste Trainer, den wir seit langem hatten. Man merkt ihm an, dass er mit seiner rheinischen Art gerne mit Menschen zu tun hat, das gilt für Fans ebenso wie für Spieler. Beim Training erklärt er nicht nur, was zu tun ist, sondern auch warum. Er nimmt seine Spieler mit, und das ist gerade in schwierigen Situationen wichtig. Gelegentlich hört man hier die Meinung, dass Koschinats Vorgänger, Kenan Kocak, taktisch etwas versierter war, Uwe aber klare Vorteile im Bereich des menschlichen Miteinanders und der Motivation aufweist. Könnte schon sein, dass da was dran ist. Bei der Spielweise muss man natürlich mit dem arbeiten, was unser kleines Budget hergibt. Viele Spieler holen wir aus der 3., manchmal aus der 4. Liga und müssen sie schnell an das Niveau der 2. Liga heranführen. Für Hurra-Fußball bleibt da kein Platz, in erster Linie müssen wir hinten stabil stehen, und das klappt sehr gut. Viele Externe verbinden dabei den SV Sandhausen immer noch mit hässlichen Mauerfußball. Das ist aber schon lange nicht mehr der Fall, und auch Uwe Koschinat steht für eine spielerische Weiterentwicklung, die schon unter Kocak eingesetzt hatte.

SVS-Toptorschütze Kevin Behrens beim Torschuss. © Getty/Bongarts
SVS-Toptorschütze Kevin Behrens beim Torschuss. © Getty/Bongarts

Bei einem Blick auf Eure Torschützen fällt auf, dass Kevin Behrens und Aziz Bouhaddouz für allen elf der 15 Tore verantwortlich sind, Behrens hat schon sieben Mal getroffen. Was zeichnet ihn aus und ist die Abhängigkeit von seinen Toren auch ein Problem?

Naja, auch diese Medaille hat zwei Seiten. Treffen mehr Spieler aus anderen Mannschaftsteilen, so kommt recht schnell der Vorwurf auf, die Sturm wäre ein Flop. Da freut man sich doch lieber darüber, dass unsere Stürmer das tun, wofür wir sie haben.  😉 Aber ernsthaft, auch Kevin hat etwas länger gebraucht, bis er wirklich bei uns angekommen ist. Zwar war er auch zuvor in Saarbrücken ein Torjäger, aber in Liga 2 sind natürlich die Räume enger, die Abläufe schneller, und anfangs sah er nicht immer ganz glücklich bei seinen Aktionen aus. Mittlerweile merkt man ihm aber an, dass er gut zurecht kommt, was sich in seiner Torausbeute spiegelt. Manchmal hat man bei ihm aber immer noch das Gefühl, dass er in den Situationen am besten trifft, in denen er am wenigsten Zeit hat. Hat er dagegen zu viel Zeit, spielt ihm vielleicht sein eigener Kopf den ein oder anderen Streich. Aber um keine Zweifel aufkommen zu lassen, wir sind natürlich heilfroh, dass wir Kevin und Aziz da vorne haben.

Vor wem müssen wir uns am Samstag sonst noch in Acht nehmen und was sind die Schwächen Eurer Mannschaft?

Die größten Probleme haben wir eigentlich dann, wenn der Gegner sich weit zurückzieht, und wir gezwungen sind, selbst das Spiel zu machen. Das sind wir nicht gewöhnt, das liegt uns nicht. Gerade im Spiel gegen den VfB glaube ich aber nicht, dass das passieren wird. Eure Ambitionen sind natürlich ganz andere als die unsrigen, und eure Fans wären verständlicherweise nicht begeistert, wenn Tim Walter ausgerechnet gegen den kleinen Dorfverein eine Defensivtaktik wählen würde. Neben dem schon behandelten Sturmduo gibt es so einige, die durchaus was reißen können. Denis Linsmayer hat schon den einen oder anderen Treffer aus der zweiten Reihe reingezimmert, Leart Paqarada zaubert bisweilen ganz schöne Freistoßtore hervor. Auch bei unserem (schönen) Isländer Gislason wäre schon lange mal wieder ein Tor fällig. Und wer weiß, vielleicht gelingt Dennis Diekmeier ja sein langersehntes, allererstes Tor im Profifußball?

Auch dieses Mal werden die VfB-Fans im Hardtwaldstadion in der Übezahl sein. © Getty/Bongarts
Auch dieses Mal werden die VfB-Fans im Hardtwaldstadion in der Übezahl sein. © Getty/Bongarts

Für die VfB-Fans ist es die zweite Reise ins Hardtwaldstadion, wahrscheinlich werden wir wieder in der Überzahl sein. Ist das häufig so und glaubst Du, dass sich das in absehbarer Zeit ändert?

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass das Hardtwaldstadion (das ja sponsorentechnisch leider auch mittlerweile einen Namenszusatz verpasst bekommen hat) wieder mehrheitlich von Brustringen bevölkert sein wird. Das sind wir insbesondere bei größeren Gegnern gewöhnt, aber auch sonst ist eines unserer dringlichsten Probleme die Mobilisierung und Entwicklung der schwarz-weißen Fangemeinde. Wir wachsen zwar, aber leider sehr, sehr langsam. Auch die Zahl der Auswärtsfahrer ist immer noch gering. Die Region hat leider immer noch nicht genug wahrgenommen, was hier im kleinen Sandhausen an großem Fußball stattfindet. Lange Zeit hat der Verein auch den Bereich Werbung sträflich vernachlässigt. Aber die Rahmenbedingungen sind auch denkbar schwierig. Heidelberg ist leider keine Fußballstadt, und die Mannheimer gehen eben lieber zum Waldhof, zum Eishockey oder zum Handball. Und im weiteren Umfeld konkurrieren wir mit Hoffenheim, Darmstadt, Frankfurt, Karlsruhe und Kaiserslautern um die Gunst der Zuschauer. Da kann man einfach keine Quantensprünge erwarten – aber wünschen würde ich es mir schon.

Welche Themen beschäftigen denn die SVS-Fans gerade so abseits des grünen Rasens?

Seit wir in der Liga wieder besser in die Spur gefunden haben, ist es – zumindest derzeit – wieder etwas ruhiger geworden. Ob das mit vorweihnachtlicher Besinnlichkeit zu tun hat? Als Langzeitthema ist da sicher die schon angesprochene Weiterentwicklung der Fanszene zu nennen, da muss man einfach beharrlich dran arbeiten, um voran zu kommen. Und auch bei den Kommunikationsstrukturen vor Ort gibt es noch vieles, was man verbessern könnte. Unsere Fangemeinde ist zwar überschaubar, aber es gibt dennoch relativ viele kleine Fanclubs, die nur lose oder schlecht miteinander vernetzt sind. Das macht es schwierig, Fanbelange effektiv zu bündeln. Aber auch in der Kommunikation zwischen Verein und Fans gibt es noch einiges zu tun, um besser voneinander profitieren zu können.

Ein weiteres Thema, dass Sandhausen bewegt, ist seit kurzer Zeit auch der geplante Bau von zwei neuen Trainingsplätzen, die der Verein dringend nötig hat. Nach derzeitigem Planungsstand müssten dafür ca. 2 Hektar Wald weichen. Dies würde zwar anderorts wiederaufgeforstet, dennoch hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die erbittert gegen den Bau kämpft. Die Gemeinde scheint gespalten, und teilweise geht es da leider sehr hässlich zu. In Kürze soll ein Runder Tisch stattfinden – man darf wirklich gespannt sein, wie diese Sache letztlich ausgehen wird.

Für diejenigen, die am Sonntag nicht nur das Stadion von innen sehen wollen: Hast Du eine Empfehlung für uns, was man in Sandhausen und Umgebung noch gesehen haben sollte?

Wenn man die Ausgehmöglichkeiten der Landeshauptstadt gewöhnt ist, so hat Sandhausen natürlich vergleichsweise wenig zu bieten, aber ein bissl was geht da schon: Sowohl in unserer Clubgaststätte als auch im nahen Restaurant Bauer gibt’s vorzügliche Schnitzel, da kann man auch ohne Probleme im Gästetrikot einkehren. Ansonsten ist natürlich die Heidelberger Altstadt mit ihren teils touristischen, teils studentischen Angeboten immer einen Besuch wert. Auch die Fahrt mit der Bergbahn hinauf zum berühmten Heidelberger Schloss oder noch weiter hinauf zum Königsstuhl ist durchaus empfehlenswert. In Mannheim wären dann noch das Planetarium und das Technoseum zu nennen.

Abschließend: Dein Tipp fürs Spiel?

Ich glaube, dass mein SVS eine gute Figur machen und wird und punktemäßig was drin ist. Gegen einen Überraschungssieg hätte ich natürlich nichts, aber ich tippe mal auf ein hochverdientes 1:1.

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