Rund um Fußball und Corona in Nürnberg

Am Sonntag könnte der VfB im leeren Max-Morlock-Stadion zu Nürnberg einen entscheidenden Schritt Richtung Aufstieg machen. Wir sprachen mit FCN-Fan Jakob (@rotes_ballett) über die Lage in Franken.

Rund um den Brustring: Hallo Jakob und vielen Dank, dass Du Dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Zunächst einmal: Wie geht es Dir, wie waren die letzten Monate für Dich?

Jakob: Hi Lennart, schön, dass ich dir Frage und Antwort stehen darf. Mir geht es gut, wohne in einem winzigen Dorf einer Ferienregion und bin beim Staat angestellt, kann mich also nicht beklagen. Im engeren Bekannten- und Verwandtenkreis sind die Erkrankten zum Glück auch nicht verstorben.

Nach dem 6:0 gegen Wehen Wiesbaden steht Ihr auf Platz 15. Welche Chancen siehst Du auf den Klassenerhalt und was für ein Spiel erwartest Du am Sonntag? Welche Aussagekraft hat das Ergebnis?

Ein 6:0 klingt erstmal beeindruckend, leider gibt es da einige Einschränkungen: es gibt keinen Heimvorteil bei Geisterspielen, da entsteht schnell eine Dynamik, vor allem, wenn man schnell in Folge drei Nackenschläge bekommt. Wiesbaden war sehr schwach, hat nach vorne kaum etwas zustande gebracht und war trotzdem nach dem 0:1 in mehreren Situationen gefährlich. Der HSV hat uns zudem einen Bärendienst erwiesen, was wiederum für euch positiv ist. So bleibt es bei ? zum KSC und einem Dreikampf um den 16. Rang. Dresden und Wiesbaden sehe ich nicht mehr als Konkurrenz. Es ist sehr wahrscheinlich, dass am 34. Spieltag in Kiel ein Sieg her muss, in einer etwaigen Relegation sehe ich den Drittligisten favorisiert.

Ihr hattet ja letzte Saison in der Bundesliga schon einen relativ kleinen Etat. Welche Auswirkungen hätte, auch angesichts der Corona-Krise, ein Durchrutschen des Clubs in die 3. Liga?

Da wird viel spekuliert, vor der Saison hieß es, dass man endlich gesund sei, jetzt schreiben manche Reporter davon, dass die Hütte brennt. Wenn man durch Corona so schlecht steht, dass man Pleite geht, hat man zuvor schon extrem schlecht gearbeitet. Und an der Stelle des Verantwortlichen für Finanzen sitzen und saßen die beiden Verantwortlichen beim Club (Meeske und Rossow), die nachweislich gut gearbeitet haben. Das kann man von den anderen Positionen nicht behaupten. Ob Abstieg oder nicht, es muss ein kompletter Umbruch auf Spieler- und Verantwortlichenebene kommen, es gibt aktuell wenig, auf dem man aufbauen kann.

Sowohl der FCN als auch der VfB haben am vergangenen Wochenende gegen ihren jeweiligen Erzrivalen verloren. Wie siehst Du das: Kann man solche Spiele überhaupt als Derby bezeichnen, wenn die Zuschauer fehlen? Und wie stehst Du generell zu Geisterspielen?

Wir haben jedenfalls wieder unsere klassische Derbyleistung gezeigt, also ja.

Und wie stehst Du generell zu Geisterspielen?

Aktuell ist es wohl die einzige Möglichkeit, dass Profisport stattfindet und daher aus Sicht von DFB, DFL und den Vereinen unausweichlich. Ich bin hauptsächlich TV-Fan, für mich macht es wenig Unterschied.

Gab es in Nürnberg auch, wie in anderen Städten, Solidaritäts- und Unterstützungsaktionen der Fanszene und wie hat sich der FCN Deiner Meinung nach während der Pause verhalten?

Die Ultras haben Nachbarschaftshilfe geleistet und der Verein hat das unterstützt, das war die größte Aktion, die ich mitbekommen habe. Da ich 200km entfernt wohne, habe ich da sicherlich das ein oder andere verpasst. Die Nürnberger Versicherungen als Sponsor und Kooperationspartner mit Katharina Fritsch vom FCN haben sicherlich noch viel weiteres Gutes geleistet.

Kannst Du die scharfe Kritik, die in den letzten Monaten am Profifußball geäußert wurde, nachvollziehen und hat sich durch die Krise Dein Verhältnis zum Geschäft und zum Glubb verändert?

Es wurde eine Wette eingegangen und obwohl sich viele Spieler nicht korrekt verhalten haben, ist sie bisher aufgegangen. Leidtragend ist Dresden, die krass benachteiligt wurden und jetzt absteigen und enormen wirtschaftlichen Schaden zusätzlich mitnehmen. Dass Unternehmen, die ausschließlich nach finanziellem Interesse entscheiden, auch hier den egoistischen Weg gehen, überrascht mich nicht, da konnte ich nicht enttäuscht werden. Das gilt auch für den DFB, die DFL und die FIFA. Ich schaue Fußball, weil ich Fan eines Vereins bin und auch nur die Spiele dieses Vereins. Das macht seit 2 Jahren ausgesprochen wenig Spaß, aber wo die Liebe hinfällt…

Titelbild: © Sportfoto Zink/DaMa 

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