Rund um das Spiel in Mönchengladbach

Rund um das Spiel in Mönchengladbach

Der Spielplan kennt keine Gnade: Am Sonntagabend muss der VfB zum Spitzenteam vom Niederrhein. Vor dem Spiel gegen Mönchengladbach sprachen wir mit Borussia-Fan Stefan (@Bruno8x4) vom Podcast Vollraute.


© Stefan Behrens

Rund um den Brustring: Hallo Stefan, vielen Dank, dass Du dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Stell Dich doch bitte zunächst einmal kurz vor: Wie bist Du Gladbach-Fan geworden und wie kamst Du zum Vollraute-Podcast?

Stefan: Hallo zusammen, ich bin Stefan, 33 Jahre jung und mache eine Ausbildung zum Erzieher in einer Kita in Mönchengladbach. Als geborener Gladbacher hat man fast keine andere Wahl als Fan der Borusia zu werden. Mein Onkel hat mich früher das ein oder andere mal mit zum Bökelberg genommen. Das Erleben der Stadionatmosphäre vor Ort war so ansteckend, dass es kein anderer Verein als Borussia sein konnte. Lustigerweise war mein erstes Spiel im Stadion gegen euren Stadtrivalen, die Stuttgarter Kickers. Zum Vollraute-Podcast kam ich über (damals ). 2016 habe ich im Rahmen der Europameisterschaft mit dem Podcasten angefangen. Die Jungs von der Vollraute sind auf mich aufmerksam geworden, so dass ich ein paar mal zu Gast sein durfte. Die Chemie stimmte, so dass ich zur Saison 2017/18 ständiges Mitglied der Vollraute sein durfte.

Die jüngere Geschichte des VfL verlief ja in Wellenbewegungen, wenn auch aus unserer Sicht in moderaten. Nach dem Klassenerhalt in der Relegation 2011 stürmte die Borussia auf Platz 4, landete dann im Tabellenmittelfeld, kam wieder in die Top 4 und schloss die letzten beiden Spielzeiten auf Platz 9 ab. Nachdem die späten 90er und frühen 2000er Jahre für Euch eher wenig erfreulich waren, würdest Du sagen, dass Ihr Euch mittlerweile in der oberen Tabellenhälfte etabliert habt?

Ich glaube, der Anspruch der Borussia ist es immer, die Saison in der oberen Tabellenhälfte zu beenden. Etabliert haben wir uns in der oberen Tabellenhälfte. Langfristig möchte man um Europa mitspielen, auch wenn dieses Ziel viele Mannschaften haben, die ebenfalls eine große Qualität mitbringen.

In dieser Saison scheint die Welle Euch wieder nach oben zu treiben, nach 13 Spielen steht Ihr auf Platz 2. War damit vor der Saison zu rechnen?

Als Eberl letzte Saison das Ziel „einstelliger Tabellenplatz“ ausgab, hielten viele das für zu konservativ. Diese Saison ist man was forscher, man will man sich verbessern, nicht nur in der Spielweise, sondern auch in Sachen Punkten und Platzierung. Dass es so gut wie jetzt gerade läuft, war nicht unbedingt zu erwarten, aber ist auch kein einfacher Ausreißer nach oben. Die Qualität des Kaders ist besser als in der vorigen Saison, das neue System steht der Mannschaft gut, die Anzahl der Verletzungen geht zurück. So konnte man schon eine Verbesserung zur Vorsaison erahnen. Die Vergangenheit hat man als Borussiafan aber immer im Hinterkopf, dass man diese konfortable Situation wirklich genießen kann.

Eure Transferaktivitäten im Sommer waren eher überschaubar. Schaut man sich Eure beiden besten Torschützen, Thorgan Hazard und Neuzugang Alassane Pléa an, könnte man meinen, dass das daran liegt, dass Sportdirektor Max Eberl einen ziemlich guten Kader nur punktuell ergänzen musste. Stimmt das? Und wie bewertest Du die weiteren Neuzugänge?

Plea ist wirklich ein Toptransfer. Er hat sich, nach kleiner Eingewöhnungszeit, wirklich super in die Mannschaft integriert und zeigt sehr gute Leistungen. Mit Vestergaard haben wir einen Stamminnenverteidiger abgeben und mit Lang einen Stammaußenverteidiger mit internationaler Erfahrung dazu geholt und Elvedi in die Mitte gezogen. Sowohl Lang, als auch Plea haben die Qualität des Kaders erhöht. Neuhaus, der letzte Saison noch an die Fortuna ausgeliehen war, muss man auch als Neuzugang zählen, da er noch kein Pflichtspiel im Dress der Borussia absolvierte vor dieser Saison. Wenn man bedenkt, dass es seine erste Bundesligasaison ist, hat die Scoutingabteilung hervorragende Arbeit geleistet.

Bereits seit vier Jahren spielt unser ehemaliger Spieler Ibrahima Traoré am Niederrhein. Wie hat er sich bei Euch entwickelt?

Schon seit vier Jahren in Mönchengladbach: Ex-VfB-Spieler Ibrahima Traoré. 
© Wikipedia/Heynckesjupp unter CC BY-SA 4.0 

Ibo tut der Mannschaft richtig gut. Nicht nur auf dem Platz sondern gerade in der Kabine. Er ist ein wichtiger Ansprechpartner für die französisch sprechenden Spieler der Mannschaft. Unter anderem hat er Hazard den Einstieg stark erleichtert. Noch lieber sehe ich ihn aber auf dem Platz. Mit seiner Finesse und Geschwindigkeit macht es immer Spaß ihm zu zusehen, auch wenn er sich leider häufiger mit Verletzungen rumplagen musste.

Dieter Hecking, mit dem Ihr zweimal Neunter wurdet, stand ja, wenn ich das richtig mitbekommen habe, nach der letzten Saison etwas in der Kritik. Wie bewertest Du seine Arbeit? Denkst Du, er hat die Kurve noch einmal gekriegt?

Hecking ist in seiner Ausstrahlung kein Publikumsmagnet oder einer, der mit seinem Humor die Leute zum Lachen bringt. Aber das möchte er auch nicht sein. Letzte Saison hatte er es schwer, da er mit vielen Verletzen Spielern, nicht auf den kompletten Kader zurückgreifen konnte. Laut Eberl war es Dieter Hecking, der im Sommer sagte, er möchte nach seiner Leistung mit einem kompletten Kader bewertet werden und verschob die Vertragsverlängerung seines auslaufenden Vertrages. Vor kurzem ist der Vertrag, um nur ein Jahr verlängert worden, was ja eher unüblich ist. Hecking sagte, er habe es nicht nötig auf eine Abfindung oder dergleichen zu spekulieren, so dass ihm eine jährliche Verlängerung reiche, wenn der sonstige Rahmen den stimme. Für mich persönlich, ein feiner Zug von ihm. Auch spielerisch setzt er neue Impulse, die uns momentan da stehen lassen, wo wir sind. Man darf sich also nicht beschweren.

Ihr habt in dieser Saison den FC Bayern mit 3:0 besiegt und vor dem letzten Spiel gegen Leipzig in drei Spielen zehn Tore geschossen. Gleichzeitig gab es aber auch so Spiele wie das 0:5 im Pokal gegen Leverkusen oder das 0:2 gegen Leipzig am Wochenende. Wo liegen die Stärken der Borussia und von welchen Schwächen könnte der VfB am Sonntag profitieren?

Das neue 4-3-3 System bringt viele neue Stärken mit sich. Das Zentrale Mittelfeld ist mit so vielen guten Spielern besetzt, dass Hecking möglichst viele davon auf dem Platz haben möchte. Hofmann hat mit der 8 seine Traumrolle in der Mannschaft gefunden. Strobl spielt mit viel Übersicht und Neuhaus zeigt sich sehr mutig und kombinationsstark. In der Offensive haben wir jetzt mit Plea (endlich) einen richtigen Stürmer, der aus allen Lagen treffen kann. Er ist auch sehr sicher in seinen Kombinationen und verdammt schnell. Die größte Stärke der Borussia und dieses neuen Systems ist aber die Variabilität, die es mitbringt. Je nach dem, mit welchen Spielern man die Positionen besetzt, ist es ein anderer Ansatz, Plea kann außen wie im Zentrum spielen. Stindl rotiert während des Spiels häufig auf die 8 und Hazard ist in der Offensive ebenfalls überall zu finden. Anstatt mit zwei nominellen 8ern kann man, je nach Gegner, auch mit zwei 6ern (Kramer + Strobl) beginnen. Schwächen liegen momentan eher in der Rückwärtsbewegung. Wendt und Lang interpretieren ihre Positionen als Außenverteidiger sehr offensiv, dass dahinter Lücken entstehen können. Auch ist die Innenverteidigung Elvedi+Jantschke noch nicht so gut eingespielt, als einer der beiden Spieler zusammen mit Ginter.

Wie schwer wiegt der Ausfall von Matthias Ginter und Christoph Kramer?

Kramer hat diese Saison noch nicht viele Spiele gemacht, auch als er fit war. Strobl macht seinen Job auf der 6 sehr gut, dass man Kramer nicht so sehr vermisst auf dem Spielfeld. Ginter hingegen ist das Herzstück der Defensive. Bis zu seiner Verletzung hat er jede mögliche Sekunde auf dem Platz gestanden, seit dem er für die richtige Borussia spielt. 😉

In den vergangenen Wochen wurde Patrick Herrmann mit dem VfB in Verbindung gebracht. Kannst Du Dir vorstellen, dass er im Winter wechselt und meinst Du, er würde den VfB weiter bringen?

Laut Eberl wird Patrick Hermann wohl diese Saison be Borussia bleiben. Man hat ihm in der Sommerpause seine Situation in diesem Kader erklärt und ihm angeboten, dass er wechseln könne, wenn er es wünscht, aber auch gerne bleiben kann. Hermann hat dann öffentlichkeitswirksam klar gemacht, dass er sich lieber bei Borussia durchbeißen würde. Das hat den Fans natürlich gut gefallen. Er kam ja auch schon das ein oder andere mal zum Einsatz und hat dann mit seinen sehr guten Leistungen überzeugt. Auf der Außenbahn ist Hermann mit seiner Geschwindigkeit und Einsatzfreude nicht leicht zu bremsen. Auch das Tore schießen fällt ihm wieder leichter. Ich glaube schon, dass er bei vielen anderen Bundesligisten mehr Einsatzzeiten hätte. Ob er aber auch EUCH weiterbringt, kann ich leider nicht beurteilen.


Februar 1988: Der VfB gewinnt auswärts in Mönchengladbach. Mehr Videos von VfB-Spielen findet Ihr in unserem Videoarchiv und auf unserem YouTube-Kanal.

Sportlich bleiben ja gerade wenig Wünsche offen in Mönchengladbach. Welche Themen bewegen denn, mal abgesehen von den bundesweiten Protesten gegen Montagsspiele und fanfeindliche Ansetzungen, die Gladbacher Fanszene derzeit?

In dem Thema bin ich leider überhaupt nicht drin

Vor dem letzten Auswärtsspiel im Borussia-Park sprachen wir mit Christoph vom Halbangst-Blog. Auf die Frage nach  Sightseeing-Tips für Mönchengladbach hin verwies er uns auf Düsseldorf. Hast Du einen Vorschlag, wie man die Zeit am Sonntag vor dem Spiel in Mönchengladbach sinnvoll nutzen kann?

Der Rheydter, als auch der Gladbacher Weihnachtsmarkt laden zum fröhlichen Glühweintrinken ein. Außerdem ist verkaufsoffener Sonntag in Mönchengladbach, dass sich ein Abstecher ins „Minto“ lohnen kann, für diejenigen, die noch Weihnachtsgeschenke kaufen müssen.

Zum Abschluss: Dein Tipp fürs Spiel?

Zu Hause ist Borussia seit 10 Heimspiele ungeschlagen und hat die letzten 8 sogar gewinnen können, daher sage ich 3:1

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