Rund um das Spiel in Leipzig

Am Sams­tag spielt der VfB zum ers­ten Mal beim Brau­se­fa­bri­kan­ten in Leip­zig. Wir haben uns mit dem Leip­zi­ger VfB-Fan Sebas­ti­an (@seb1893) über das Spiel und sei­ne Wahl­hei­mat unter­hal­ten.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo Seb, vie­len Dank, dass Du Dir Zeit für uns genom­men hast. Stell Dich doch bit­te kurz vor: Wie bist Du zum VfB gekom­men und wie hat es Dich nach Leip­zig ver­schla­gen?

Sebas­ti­an: Ser­vus Lenn­art! Sehr ger­ne. Ich bin 30 Jah­re alt, kom­me aus der Regi­on Würt­tem­berg, ursprüng­lich aus Crails­heim und bin mit 9 nach Aalen gezo­gen. 1995 war ich das ers­te mal mit mei­nem Vater im Sta­di­on, Geg­ner war Frei­burg. Fast schon klas­sisch also. Seit­dem war ich mal mehr, mal weni­ger und sooft es ging im Neckar­sta­di­on und spä­ter nach den stu­di­ums­be­ding­ten Umzü­gen nach Mainz und Leip­zig auch öfters bei Aus­wärts­spie­len am Start — lei­der nicht oft genug.

Rund um den Brust­ring: Du bist vor vier Jah­ren nach Leip­zig gezo­gen, da war Red Bull gera­de in die drit­te Liga auf­ge­stie­gen. Hat­te der Kon­zern da schon das glei­che Stan­ding in der Stadt wie heu­te, oder kam das erst mit den wei­te­ren Auf­stie­gen?

Sebas­ti­an: Der Club ist heu­te immer noch nicht so prä­sent wie es nor­ma­le Bun­des­li­gis­ten in ihrer Hei­mat­stadt sind. Man sieht die Red Bull Fans nur am Spiel­tag. Gro­ßer Zuschau­er­an­drang kam erst, als abzu­se­hen war, dass der Auf­stieg in die Bun­des­li­ga mit hoher Wahr­schein­lich­keit klappt. Hofiert wur­de der Kon­zern von der Stadt schon seit dem Ein­stieg, was auch ein wenig ver­ständ­lich ist, da man hier zum Som­mer­mär­chen 2006 das Zen­tral­sta­di­on gebaut hat­te und sich über einen Mie­ter und inzwi­schen Eig­ner freu­te. So wirk­lich rich­tig prä­sent wur­de man erst mit dem Auf­stieg, als die gan­ze Stadt mit Wer­bung zuge­kleis­tert wur­de und Rie­sen­wer­be­ban­ner am Bahn­hof hin­gen. Ich sage übri­gens immer Red Bull, weil das ers­tens kor­rek­ter ist als der Phan­ta­sie­na­me Rasen­ball und weil sich die Fans dar­über ärgern. Die wirk­li­che Iden­ti­fi­ka­ti­on mit ihrem Gebie­ter aus Fuschl fällt ihnen dann doch nicht so leicht 😀

Rund um den Brust­ring: Leip­zig ver­fügt ja über zwei rela­tiv bekann­te Ver­ei­ne, auch wenn sie meh­re­re Reinkar­na­tio­nen durch­ge­macht haben. War­um gehen die Leu­te trotz­dem zu Red Bull? Ist es nur, weil die Bun­des­li­ga sport­lich attrak­ti­ver ist als die Regio­nal­li­ga?

Sebas­ti­an: Schwie­ri­ge Fra­ge. Wenn man sich mit den Leu­ten unter­hält, ist oft zu mer­ken, dass vie­le haupt­säch­lich Bun­des­li­ga- und — was ja nicht von der Hand zu wei­sen ist — erfolg­rei­chen und attrak­ti­ven Fuß­ball sehen wol­len. Vie­le gehen angeb­lich wegen der fried­li­chen und fami­li­en­freund­li­chen Atmo­sphä­re dort­hin. Ich mei­ne das sind vor­ge­scho­be­ne Grün­de, weil mein kei­ne Lust hat sich Rum­pel­fuß­ball in der Regio­nal­li­ga anzu­schau­en, Spie­le gegen Meu­sel­witz und Lucken­wal­de sind oft eher weni­ger spek­ta­ku­lär und über­dacht ist dort auch nicht alles. Lok und Che­mie haben bei­de für die Regio­nal­li­ga bemer­kens­wer­te Zuschau­er­zah­len, bei bei­den ist eine erfolgs­un­ab­hän­gi­ge, loya­le Fan­ba­se vor­han­den. Ich habe den Ein­druck, dass Red Bull-Fans eher aus dem Umland als aus der Stadt selbst kom­men, kann mich aber auch täu­schen. Die bei­den Leip­zi­ger Ver­ei­ne haben auch ver­stan­den, dass es nichts bringt Red Bull nach­zu­ei­fern.

Was ich bei dem The­ma auch nicht unter­schät­zen wür­de ist der „end­lich sind wir wie­der wer“ Nach­wen­de-Trotz sowie eine Art Wagen­burg­men­ta­li­tät — wir für Leip­zig, weil alle gegen uns sind.  Was man löb­lich erwäh­nen könn­te ist die Sze­ne um die “Rasen­bal­lis­ten”, die sich vor­bild­lich gegen Homo­pho­bie und Ras­sis­mus ein­setzt.

Rund um den Brust­ring: Red Bull ist wenig über­ra­schend in sei­ner ers­ten Bun­des­li­ga-Sai­son Vize­meis­ter gewor­den. Was traust Du ihnen die­ses Jahr zu?

Sebas­ti­an: Anschei­nend sind sie in der Cham­pi­ons League ange­kom­men mit dem Sieg gegen Por­to am Diens­tag. Wird abzu­war­ten sein, wie lan­ge die drei­fach Belas­tung dau­ert, weil durch das sehr inten­si­ve Spiel schon ein hoher Ver­schleiß bei dem ein oder ande­ren fest­zu­stel­len ist. Hier haben sie natür­lich den ein­zig­ar­ti­gen Vor­teil, dass man schnell einen Ersatz aus dem Farm­team holen kann, der das Sys­tem Red Bull/Rangnick schon ver­in­ner­licht hat. Ich gehe davon aus, dass sie 3. oder 4. wer­den, mit hoher Wahr­schein­lich­keit also vor dem VfB.

Rund um den Brust­ring: Am Sams­tag trifft der VfB zum ers­ten Mal seit dem Abstieg wie­der auf Timo Wer­ner. Was sind Dei­ne Gedan­ken zu sei­nem Wech­sel?

Sebas­ti­an: Jaaa, der Döner-Timo.. ich war schon bru­tal ent­täuscht, dass er zu Red Bull gewech­selt ist damals, vor allem für die viel zu gerin­ge Ablö­se. Red Bull war auf­ge­stie­gen und der VfB abge­stie­gen, also sport­lich kann man das schon nach­voll­zie­hen. Was erstaun­lich ist, ist, dass ein Auf­stei­ger in der Lage ist 10 Mil­lio­nen zu zah­len und somit locker unse­ren Rekord­trans­fer von Kuz­ma­no­vic über­trumpft. Letzt­end­lich gibt ihm der Erfolg recht und er hat für sei­ne Kar­rie­re alles rich­tig gemacht. Außer­dem bezweif­le ich, dass er eine ähn­li­che Ent­wick­lung bei uns genom­men hät­te, da ja bekann­ter­ma­ßen viel im Ver­ein falsch lief (läuft). Ich wür­de mir wün­schen, dass er sich weni­ger zum VfB äußert. Hät­te ich was zu sagen, wür­de ich Fer­ber und vor allem Förs­ter Haus­ver­bot ertei­len, denn wie die bei­den von der Jugend­ar­beit des VfB pro­fi­tie­ren ist nicht mehr fei­er­lich.

Rund um den Brust­ring: Dass Red Bull sich eine star­ke Mann­schaft zusam­men gekauft hat, ist bekannt. Denkst Du, der VfB hat trotz­dem eine Chan­ce, dort einen Punkt mit­zu­neh­men und wenn ja, wie?

Sebas­ti­an: Eine Chan­ce hat man schon und ich bin auch posi­tiv ein­ge­stellt, Han­nes Wolf ist ja auch tak­tisch gese­hen kein schlech­ter, auch wenn er natür­lich auch schon Feh­ler gemacht hat. Man hat in den letz­ten Spie­len gese­hen, dass der VfB zumin­dest zeit­wei­se gut defen­siv ste­hen kann und einen ordent­li­chen Kee­per hat. Der spä­te Sieg gegen Köln soll­te den Jungs Selbst­ver­trau­en geben. Der Aus­fall von Donis ist hin­ge­gen bru­tal bit­ter, Die Schnel­lig­keit von Donis ist jeden­falls schwer zu ersetz­ten. Ich hof­fe Bre­ka­lo und Ako­lo oder viel­leicht sogar schon Insua kön­nen ihre Stär­ken und Geschwin­dig­keit ein­brin­gen. Ascací­bar und Manga­la wün­sche ich einen Sah­n­etag in der Mit­te.

Die Jungs müs­sen kom­pakt ste­hen, gif­tig sein, Kei­ta ner­ven und vor allem die ers­ten Minu­ten der jewei­li­gen Halb­zeit hell­wach sein, denn dann spie­len die oft noch extre­me­res Gegen­pres­sing als sonst. Wich­tig wird sein das Zen­trum dicht zu machen und den Platz auf den Außen zu nut­zen. Aogo also mit ner schö­nen Flan­ke in die Mit­te wäre doch was! Schal­ke hat gezeigt wie es gehen kann.

Rund um den Brust­ring: Der Schwa­ben­sturm hat die­se Woche ein Video ver­öf­fent­licht, in dem VfB-Fans auf die Unter­schie­de zwi­schen dem VfB und Red Bull hin­wei­sen und das mit dem Auf­ruf endet, nach Leip­zig zu fah­ren und dort Flag­ge zu zei­gen, vor allem alte Zahn­fah­nen. Wie bewer­test Du den Auf­ruf der orga­ni­sier­ten Stutt­gar­ter Fan­sze­ne und wirst Du sel­ber vor Ort sein?

Sebas­ti­an: Muss jeder sel­ber wis­sen, wie er das hand­habt. Für die Mann­schaft ist es bestimmt schö­ner mit einem vol­len Aus­wärts­block. Ich bin nicht vor Ort, aber wäre auch nicht gegan­gen, wenn ich in Leip­zig gewe­sen wäre. Ich für mich habe beschlos­sen das ehe­ma­li­ge Zen­tral­sta­di­on nicht zu betre­ten. Ich muss auch ehr­lich sagen, dass ich immer noch nicht so rich­tig weiß wie ich zur VfB AG ste­he, die Aus­glie­de­rung sowie der Ablauf der MV im Juni hat mir übel auf­ge­sto­ßen. Letzt­end­lich besteht für “Tra­di­ti­ons­ver­ei­ne” mei­ner Mei­nung nach nur die Mög­lich­keit sich als Gegen­ent­wurf zu posi­tio­nie­ren wie es ja auch in besag­tem Video gefor­dert wird. Lei­der sahen vie­le VfB Mit­glie­der das anders und haben Ja zum Erfolg gesagt.

Eine sehr gute Akti­on hat Uni­on Ber­lin gebracht, die ein AH Spiel gegen Che­mie orga­ni­siert haben und anschlie­ßend per Fan­marsch zur zwei­ten Halb­zeit ins Zen­tral­sta­di­on gekom­men sind. Ein­fluss auf die Red Bull Fans hat das aber nicht, auch die media­le Bericht­erstat­tung ist da oft sehr undif­fe­ren­ziert und the­ma­ti­siert oft nur den tum­ben Pro­test anstatt sich mit der Kri­tik an sich aus­ein­an­der­zu­set­zen, was die RB-Fans in ihrer Mei­nung bestä­tigt.

Rund um den Brust­ring: Für vie­le VfB-Fans ist es seit dem Abstieg des VfB Leip­zig die ers­te Rei­se in die Mes­se­stadt. Hast Du ein paar Tipps, was man dort an einem Wochen­en­de inter­es­san­tes machen kann, außer Fuß­ball schau­en?

Sebas­ti­an: Der AKS (Alfred-Kun­ze-Sport­park) in Leutzsch ist ein wun­der­ba­rer Ground, das sage ich als Che­mie­sym­pa­thi­sant natür­lich völ­lig neu­tral. 😉

Ansons­ten kann man die Zeit sehr gut auf der Kar­li in der Südvorstadt/Connewitz ver­brin­gen. Oder in Plag­witz am Karl-Hei­ne-Kanal. Kul­tu­rell bzw. geschicht­lich inter­es­sant sind das Gras­si­mu­se­um, das Sta­si­mu­se­um und das Zeit­ge­schicht­li­che Forum. Fürs Sight­see­ing bie­ten sich der Uni­rie­se am Augus­tus­platz und natür­lich das Völ­ker­schlacht­denk­mal an. Ich kann jedem nur emp­feh­len, die­se wun­der­ba­re Stadt mal zu besu­chen. Wenn das Wet­ter schön ist kann man sich auch an den zahl­rei­chen Seen rund um Leip­zig aus­to­ben.

Rund um den Brust­ring: Abschlie­ßend: Dein Tipp fürs Spiel?

Sebas­ti­an: Ich tip­pe nie gegen den VfB, also sage ich ein sehr, sehr opti­mis­tisch gemein­tes 3:1.

Rund um den Brust­ring: Sebas­ti­an, vie­len Dank fürs Gespräch.

Bild: MOd­ma­te aus der deutsch­spra­chi­gen Wiki­pe­dia

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