Rund um das Spiel in Leipzig

Am zweiten Bundesliga-Spieltag hat der VfB direkt einen sportlich ganz dicken Brocken vor der Nase. Vor dem Auswärtsspiel in Leipzig sprachen wir mit Sportjournalist und Leipzig-Experte Ulli Kroemer (@HandballKurti).

Rund um den Brustring: Hallo Ulli und vielen Dank, dass Du Dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Zunächst zu Dir: Wie ist Deine Verbindung zu unserem nächsten Gegner aus Leipzig?

Ulli: Ich bin Freier Journalist und beschäftige mich seit mehreren Jahren schwerpunktmäßig mit RB Leipzig. Ich schreibe vor allem für die Mitteldeutsche Zeitung und das dazugehörige RB-Portal RBlive.de; aber auch für überregionale Medien wie zdf.de und ntv.de und habe auch zwei Bücher über RB Leipzig veröffentlicht. In Kürze erscheint das Dritte als Teil der Reihe „Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten”.

Am ersten Spieltag verlor die Mannschaft überraschend beim personell gebeutelten FSV Mainz 05. Wo siehst Du die Gründe dafür? Hat Leipzig den Saisonstart etwas verschlafen?

Es deutet vieles darauf hin, dass das Team nicht auf den Punkt die nötige Frische hatte. Im Mainzer Glutofen bei 31 Grad im Schatten (auf dem Spielfeld waren sicher 40 Grad) war das Team nicht in der Lage, so spritzig, leidenschaftlich und aggressiv dagegenzuhalten, wie das gegen die gepushte Mainzer Notelf nötig gewesen wäre. Unter Jesse Marsch trainiert das Team physisch intensiver als unter Julian Nagelsmann, dazu kommt die EM-Belastung einiger Akteure. Offenbar haben Marsch & Co. im Training unter der Woche nicht rechtzeitig den Fuß vom Pedal genommen.

Dazu kommen die fehlende Klarheit und die neuen Freiheit unter Marsch im Spiel nach vorn, mit der einige Spieler offensichtlich nichts anzufangen wusste. Von der angestrebten Geradlinigkeit und Geschwindigkeit in Richtung Torabschluss war nichts zu sehen. Das Spiel im letzten Drittel musste Marsch unter der Woche ebenso schärfen wie Verhalten im Gegenpressing und Restverteidigung.

Seit Jahren wartet man eigentlich nur darauf, dass entweder Dortmund oder Leipzig die Bayern vom Meisterthron stoßen. Siehst Du die Mannschaft dieses Jahr dafür gerüstet?

Eher nicht. RB Leipzig bleibt Kandidat für Rang drei, da ich den BVB unter Marco Rose in diesem Jahr besser als RB sehe.

Julian Nagelsmann ist zu den Bayern gewechselt, dafür wurde Jesse Marsch auf dem kurzen Dienstweg geholt. Wie bewertest Du seine Arbeit bisher?

Als Typ ist Marsch überragend sympathisch, ein typischer US-Amerikaner, der demütig ist und sich selbst nicht in den Mittelpunkt rückt und zugleich Optimismus versprüht und Selbstvertrauen vorlebt. Sein Lebensmotto ist „Teamgeist”. Als starkes Team, so sein Credo, kannst du alles schaffen; auch Deutscher Meister werden und den FC Bayern ärgern. was Taktik, Variablilität und Coaching angeht, muss man erst noch sehen, ob er seinem Vorgänger Julian Nagelsmann das Wasser reichen kann.

Mit Upamecano und Konaté gab man im Sommer zwei Innenverteidiger ab und ersetzte sie durch Gvardiol und Simakan, hinzu kam Mittelstürmer André Silva aus Frankfurt. Wie bewertest Du die Transferaktivitäten?

Die außergewöhnliche Schnelligkeit und Körperlichkeit von Upamecano werden RB in dem ein oder anderen Spiel fehlen; dennoch sind die Neuen allessamt sehr gute Verstärkungen. Simakan ist ein starker Zweikämpfer, der auch Spieleröffnung kann. Linksfuß Gvardiol ist ein Toptalent, das schnell reifen und Marcel Halstenberg ersetzen wird. Und Silva ist genau der komplette Stürmer, der RB in der Vorsaison fehlte, dem aber so früh in der Saison noch Abstimmung mit den Kollegen, Einbindung ins RB-System und Selbstvertrauen vor dem Tor fehlen. Marcel Sabitzer und Alexander Sörloth dürften noch gehen; dafür will RB will noch einen Verteidiger und Talent Ilaix Moriba vom FC Barcelona holen.

Der VfB ist am Freitag trotz Tabellenführung wohl eher Außenseiter. Vor wem müssen wir uns besonders in Acht nehmen und wo liegen die Schwächen der Leipziger Mannschaft?

In der Saisonvorbereitung und im Pokal gegen Sandhausen gehörte Amadou Haidara zu den Besten, das konnte er gegen Mainz nicht bestätigen. Die Innenverteidiger Willi Orban und Mohamed Simakan waren bei der Auftaktpleite noch die Besten. Probleme hatte unter anderem Angeliño, dessen Qualitäten als Linksverteidiger in der Viererkette bei weitem nicht so zum Tragen kommen wie in einer Dreier- / Fünferkette. Der kleine Spanier hatte immer wieder Probleme mit dem Kopf bei hohen Diagonalbällen auf die Halbspur/Außenbahn.

Zum Abschluss: Dein Tipp fürs Spiel?

2:1 für RB.

Titelbild: © imago

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