Auf die Fresse

In Leipzig geht der VfB mit 0:4, man kann es nicht anders sagen, unter und erinnert uns daran, dass uns noch eine lange, anstrengende Saison bevorsteht.

15 Sekunden. 15 fucking Sekunden brauchte die hochgezüchtete Truppe aus Salzburg-Nord, um dem VfB jegliche Hoffnung auf einen geschenkten Punkt zu nehmen. 15 verdammte Sekunden jener ersten 60 nach Anpfiff der zweiten Halbzeit, die den VfB auch gegen Fürh schon in die Bredouille hätte bringen können. Aber welch ein Kontrast: letzte Woche verlief die Einbahnstraße vom Stuttgarter Tor weg, am Freitagabend lief sie über 90 Minuten genau darauf zu. Das lag zum Teil daran, dass dem VfB mit Orel Mangala immer noch ein pressingresistenter Spieler in der Defensive fehlt. Es liegt aber viel mehr daran, sich seine Mannschaftskollegen von einer spielerisch sowieso eine Klasse höher anzusiedelnden Mannschaft überrennen ließen – im wahrsten Sinne des Wortes.

So macht das keinen Spaß

Denn auch wenn das Leipziger Pressing verbunden mit der individuellen Klasse zum Beispiel des erst im Winter aus Österreich herdelegierten Szoboszlai geradezu furchterregend ist – der VfB machte es ihnen durch Unkonzentriertheiten im Spielaufbau einen Ticken zu einfach. Und so waren der Distanzschuss zum 1:0 und die ungestörte Kombination zum 2:0 zum einen ärgerlich, zum anderen aber vor allem eins: Absehbar. Genauso wie die Niederlage, nachdem die Leipziger Viererkette erst Sosa und dann Massimo auf der Außenbahn kaltstelle und im Zweifelsfall Hamadi Al Ghaddioui im Zentrum verhungern ließ, so dass dem außer einem ungelenken Schuss nichts gelang und er zur zweiten Halbzeit bereits für Didavi das Feld räumen musste.

Und es wurde auch nicht besser: Erst das Blitztor, dann ein Flatterfreistoß, bei dem sich Florian Müller nur falsch verhalten konnte. Als Sahnehäubchen ein Elfmeter, den man mit irgendeiner langatmigen und der Realität auf dem Platz völlig entrückten Erklärung bestimmt regeltechnisch erklären kann und als Kirsche auf der Sahne Sasa Kalajdzics ausgekugelte Schulter. Da werden gleich Erinnerungen wach an das unselige 0:4 in Überzahl gegen die Bayern, als Silas sich das Kreuzband riss. Es war eines dieser Spiele, das überhaupt keinen Spaß macht, weder beim Zuschauen, noch in der Nachbetrachtung, denn mit dem anstehenden Ausfall Kalajdzics kann man es auch nicht einfach so abhaken. Alles in allem emotional ein ziemlicher. Schlag in die Fresse und dann kommt einem erst Mo Sankoh in den Sinn, dessen Ausfallzeit Sven Mislintat vor dem Spiel auf mehr als acht Monate taxierte.

34 Spiele Mühseligkeit

So ein bisschen haben wir aktuell die Seuche am Fuß, andererseits muss nach diesem Spiel auch niemand aufgescheucht in Alarmismus verfallen. Die Punkte für den Klassenerhalt – und um nichts anderes, das kann man gar nicht oft genug betonen, geht es in dieser Saison – holen wir wenn woanders als in diesem in vielerlei Hinsicht ungleichen Duell. Gleichzeitig muss das aber auch passieren. Wir müssen es jedem Gegner so schwer wie möglich machen, mehr Tore zu schießen als wir. Dass das nicht immer gut geht, liegt in der Natur der Sache, der Auftritt in Leipzig entsprach jedoch nicht diesen Vorgaben.

Ein schlechter Spieltag sei auch unserer ersatzgeschwächten und entwicklungsfähigen Mannschaft zugestanden. Aber gegen Freiburg muss die Mannschaft wieder wissen was sie erwartet, was am Freitag nach Aussage von Pellegrino Matarazzo nicht der Fall war. Und sie wird auch die personellen Ausfälle weiterhin über die Gruppe auffangen müssen, denn ich sehe nicht, wie wir Kalajdzic wirtschaftlich sinnvoll ersetzen können. Das ist aber in die sportliche und finanzielle Situation des VfB sowieso eingepreist: Man musste Kobel und Gonzalez verkaufen, ohne die Ablösesummen zu reinvestieren, um wirtschaftlich handlungsfähig zu bleiben. Nach dem wenig aussagekräftigen, aber dennoch wichtigen Spiel gegen Fürth und und der undankbaren Partie in Leipzig hat die Mannschaft in den kommenden Wochen die Gelegenheit zu beweisen, dass der Plan der sportlichen Führung, der auch diese Saison nicht ohne ein bisschen Glücksspiel auskommt, aufgehen kann. Vorerst ohne Kalajdzic, aber dafür vielleicht mit einem Enzo Millot, der ein respektables Bundesliga-Debüt feierte. Wie auch immer: Der Klassenerhalt in dieser Saison besteht aus 34 Spieltagen Mühseligkeit. An manchen weniger, an manchen mehr.

Titelbild: © imago

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