Rund um das Spiel gegen Union Berlin

Am Dienstagabend steht für den VfB gegen Union Berlin ein ganz besonderes Spiel an – warum, lest ihr hier. Wir haben vor der Partie mit Union-Fan Hans-Martin (@keanofcu) vom FCU-Blog und -Podcast Textilvergehen gesprochen.

Rund um den Brustring: Hallo Hans-Martin und vielen Dank, dass Du Dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Zunächst zu Dir: Wie bist Du Union-Fan geworden?

Hans-Martin: Ich bin in Köpenick aufgewachsen, habe mich aber lange nicht so recht für Fußball interessiert. Das begann dann erst so mit Anfang/Mitte Zwanzig, und da war es dann qua Herkunft eindeutig, welcher Verein es sein sollte. Nach einiger Zeit sporadischer Besuche von Spielen der Regionalliga Nordost habe ich seit der Saison 2000/01 eine Dauerkarte.

Die vergangene Saison, die erste Bundesliga-Spielzeit der Vereinsgeschichte, schloss Union auf Platz 11 ab. Wie blickst Du auf Euer Premierenjahr zurück?

Nach dem 0:4 gegen Leipzig im Eröffnungsspiel beschlich uns alle die Angst, die ganze Sache sei eine Nummer zu groß für uns. Das wurde durch das 3:1 gegen Dortmund ein paar Wochen später eindrucksvoll ausgeräumt. Da war dann klar, dass wir schon mithalten können in der Liga. Es gab weitere Highlights wie die Siege gegen Hertha und Gladbach in der Hinrunde und in Bremen und Frankfurt in der Rückrunde.
Nach der Corona-Unterbrechung stotterte es etwas, aber zum Glück waren schon vorher genug Punkte gesammelt worden, so dass die Abstiegsgefahr nie akut wurde und am Ende ein für mich sensationeller 11. Platz stand.

In dieser Saison steht Union für einen Aufsteiger im zweiten Jahr überraschend gut da, nämlich punktgleich mit dem VfB auf Platz 6 mit 17 Punkten aus elf Spielen. Warum läuft es bisher so gut? Und wo siehst Du Union am Saisonende?

Angesichts der Tatsache, dass mit Sebastian Andersson und Rafał Gikiewicz zwei Leistungsträger der Vorsaison abgegeben wurden, war ich durchaus besorgt vor dieser Spielzeit, aber Urs Fischer hat es erneut geschafft, meine Erwartungen zu übertreffen. Zur bekannten Kompaktheit und Disziplin kamen plötzlich spielerische Elemente hinzu, die in einer kaum für möglich gehaltenen Selbstverständlichkeit vorgetragen werden. Dass hard man Robert Andrich zur Passmaschine mutiert ist, erstunt mich immer noch. Hinzu kommt ein sicher auch dem guten Start geschuldetes Selbstbewusstsein, das dann eben auch dazu führt, dass man auch gegen die Bayern phasenweise dominiert und einen hochverdieneten Punkt holt.
Wofür es am Ende reicht, ist schwer zu sagen. Wenn’s wirklich gut läuft, ist ein einstelliger Tabellenplatz drin, ich tippe auf Platz 10 bis 12.

Loris Karius spielte vier Jahre lang in der VfB-Jugend - und sitzt jetzt bei Union auf der Bank. Bild: © Matthias Koch
Loris Karius spielte vier Jahre lang in der VfB-Jugend – und sitzt jetzt bei Union auf der Bank. Bild: © Matthias Koch

Hat sich der Verein eigentlich seit dem Aufstieg verändert? Oder hat sich für Dich als Fan, jetzt mal abgesehen von der Corona-Krise, etwas geändert?

Von der Corona-Krise abzusehen fällt natürlich schwer, gerade weil unsere erste Saison in der 1. Bundesliga untrennbar damit verbunden ist. Aber ich versuche es trotzdem mal. In den wesentlichen Dingen ist der Verein sich aus meiner Sicht treu geblieben, auch wenn das öffentliche Interesse irrsinnig gestiegen ist. Dass die Nachfrage nach Tickets das Angebot übersteigt, war ja schon in der Aufstiegssaison so. Das jetzt eingeführte Losverfahren für Tageskarten ist natürlich schmerzhaft, aber für alle gleich ungerecht und damit wahrscheinlich die am wenigsten schlechte Lösung.

Mit Max Kruse und Lorius Karius konnte Union im Sommer zwei durchaus namhafte Neuzugänge begrüßen. Wie zufrieden bist Du mit den Transfers bisher und wo siehst Du im Winter Nachholbedarf?

Das sich Union überhaupt in diesem Regal bedient finde ich schon sehr bemerkenswert. Und zumindest Kruse passt ja bisher wie die Faust aufs Auge, ohne dass alles auf ihn zugeschnitten ist. Aber auch Robin Knoche hat sich hervorragend, wenn auch weniger auffällig, eingefügt. Bei Andreas Luthe hatte ich nach dem charismatischen und extrovertierten Gikiewicz zunächst Bauchschmerzen, aber er spielt eine mehr als solide Saison bisher, auch wenn zuletzt ein paar Fehler dabei waren. Dass Loris Karius bisher keinen Stich sieht, spricht da ja für sich. Ebenfalls positiv auszeichnen konnten sich für mich bisher Taiwo Awoniyi, Joel Pohjanpalo und Keven Nico Schlotterbeck, wobei die letzten beiden leider verletzt ausfallen.
Ihr merkt schon, ich bin ziemlich angetan von den Transfers, einzig die zahlenmäßig recht knapp besetzten Positionen im zentralen Mittelfeld und in der Innenverteidigung könnten im Winter nachbesserungswürdig sein.

Loris Karius kommt ja aus der VfB-Jugend und noch ein zweiter Ex-VfBler spielt bei Union: Unser ehemaliger Kapitän Christian Gentner. Wie wurde seine Verpflichtung damals nach der Relegation aufgenommen und wie lief es für ihn bei Union seit dem Wechsel?

Ihm schlug nach meiner Wahrnehmung zunächst viel Skepsis entgegen, einerseits wegen des Alters, andererseits, weil er ja auch in Teilen der VfB-Anhängerschaft sehr kritisch gewesen wurde. Das war aber nicht von langer Dauer. Christian Gentner hat sich ziemlich schnell als zentrales Element in Fischers Spiel etabliert und hatte maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen letzten Saison. Mit seiner Erfahrung und Ruhe im Spiel hat er auf dem Platz den auf diesem Niveau größtenteils unerfahrenen Spielern Halt und Orientierung gegeben, und mein Eindruck ist, dass er auch abseits des Platzes eine wichtige Rolle spielte. Und auch wenn ich nicht ganz so skeptisch war wie manch anderer, eine so gute Saison hätte ich ihm nicht zugetraut.

Christian Gentner geht bereits in seine zweite Saison in Köpenick. Bild: © imago
Christian Gentner geht bereits in seine zweite Saison in Köpenick. Bild: © imago

In Stuttgart hat das Spiel gegen Union natürlich eine besondere emotionale Bedeutung. Wie sieht das andersrum aus?

Die Relegationsspiele vor anderthalb Jahren gehören für mich und wahrscheinlich alle Unioner zu den emotionalsten und wichtigsten meiner bzw. ihrer Fankarriere und ich bin sehr froh, beide im Stadion erlebt zu haben. Allerdings glaube ich gar nicht mal, dass daraus ein besonderes Verhältnis zum VfB erwachsen ist, dazu waren wir wahrscheinlich viel zu sehr mit uns selbst und diesem unfassbaren Aufstieg beschäftigt. Das mögen andere aber auch gänzlich anders sehen.

Max Kruse ist bekanntlich verletzt, vor wem müssen wir uns am Dienstagabend in Acht nehmen und wo liegen aktuell die Schwächen der Union-Elf?

Bis zur 36. Minute des Bayernspiels hätte ich auf Marcus Ingvartsen verwiesen, der zuletzt eine gute Entwicklung hingelegt hat und gerade sehr formstark war, allerdings dürfte er gegen euch jetzt auch verletzt ausfallen. Eklatante Schwächen sehe ich derzeit eigentlich gar nicht so recht, einzig die Chancenverwertung war zuletzt ausbaufähig. Und womöglich könnte die ziemlich ausgedünnte Personaldecke eine Rolle spielen.

Union stand in dieser Saison beim Thema Geisterspiele häufig in der Kritik. Wie bewertest Du die Vorgehensweise des Vereins?

Inhaltlich bin ich in vielen Punkten beim Verein: dass man nach Wegen sucht, Zuschauer wieder sicher ins Stadion zu bekommen, halte ich für vernünftig und legitim. Die Kommunikation dazu war aber zuweilen etwas unglücklich bis ungeschickt. Etwas weniger Hemdsärmeligkeit wäre mir da lieber gewesen.
Andererseits war die mediale Darstellung der Pläne das ein oder andere Mal etwas ungenau und es wurden Dinge unzulässig vermischt.
Insgesamt kann ich damit aber ganz gut leben.

Zum Abschluss: Dein Tipp fürs Spiel?

Es wird ziemlich schwer, glaube ich. Die Auftritte des VfB zuletzt flößen mir schon Respekt ein. Aber natürlich tippe ich auf meinen Verein. Ein umkämpftes 2:1.

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