Rund um das Spiel gegen Mönchengladbach

Zum letzten Heimspiel der Hinrunde empfängt der VfB am Samstagabend Borussia Mönchengladbach. Wir haben mit VfL-Fan Manuel (@Binger05) vom Vollraute-Podcast über die Lage am Niederrhein gesprochen.

Hallo Manuel und vielen Dank, dass Du Dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Zunächst zu Dir: Wie bist Du Borussia-Fan geworden?

Ich bin in Möchengladbach und mit dem Verein aufgewachsen – wenn man nicht zufällig Teil einer (zugezogenen?) Familie mit anderen Vereins-Vorlieben ist, ist das am Niederrhein mit der Fussballleidenschaft für die Borussia alternativlos.

Nach dem Klassenerhalt vor zehn Jahren stieß der Verein relativ schnell in die Spitzengruppe der Liga vor, nach zwei neunten Plätzen wurden die letzten Spielzeiten unter den Top 5 beendet. Auch wenn Ihr aktuell “nur” auf Platz 7 steht: Hat sich die Borussia Deiner Meinung nach mittlerweile im oberen Tabellendrittel etabliert?

Angesichts des Umsatzes, des Kaderwertes und der kontinuierlich verbesserten Infrastruktur muss die Borussia bei aller vom Verein zur Schau gestellten Bescheidenheit schon zu den Klubs gezählt werden, die dauerhaft auf den Tabellenplätzen 4 bis 6 – sagen wir 4 bis 7 – einlaufen sollte.

Wie zufrieden bist Du mit der bisherigen Saison und was ist Deiner Meinung nach noch drin für den VfL?

Gerade im Borussia-Park wurden – trotz nicht immer überzeugenden Vorstellungen – einige Punkte nach Führung regelrecht verschenkt. Ende 2020 musste die Mannschaft auch den starken, aber laufintensiven Spielen in der Champions League Tribut zollen. Es gab immer wieder Chancenwucher und/oder defensive Aussetzer zu beobachten. Momentan wirken einige Spieler frischer und das gibt vielen Fans Hoffnung zu einer “Aufholjagd”, mit der wohl gemeint ist, dass wir in der Rueckrunde ernsthaft um die Plätze 3 bis 6 mitspielen werden.

Für Aufsehen sorgte am letzten Spieltag der 3:2-Sieg nach einem 0:2-Rückstand gegen Bayern München. Was war Deiner Meinung nach entscheidend für diesen Erfolg?

Das ist exemplarisch an den Toren zu sehen – hohe Balleroberung und der schnelle Pass in die Tiefe/Spitze, um den durchstartenden Jonas Hofmann in Szene zu setzen. Dafür hatte Rose extra erstmals drei Sechser (Neuhaus, Kramer, Zakaria) auf einer Linie gegen den Ball aufgestellt. Dazu kam, dass die Mannschaft im Vergleich zu den Vormonaten eine wesentlich höhere Laufleistung (um eng zu stehen und gut zu verschieben) gebracht hat, was die Bayern trotz der frühen 2:0-Führung zermürbte.

Im Sommer war der Verein kaum aktiv auf dem Transfermarkt, die Neuzugänge waren nur zurückkehrende Leihspieler sowie Hannes Wolf und Valentino Lazaro, die man wiederum aus Leipzig, beziehungsweise Mailand lieh. Zum 1. Januar verpflichtete Max Eberl Joe Scally vom New York City FC. Muss Deiner Meinung nach noch mehr getan werden, oder bist Du mit dem Kader zufrieden?

Ich wuerde gerne zwei bis drei Neuzugänge sehen, die zumindest eine starke Bankoption sind. Gladbach hat die drittwenigsten Spieler der Liga eingesetzt und der Kader benötigt in Abwehr und Mittelfeld ein paar mehr Optionen. Es wäre auch schön, wenn ein Nachwuchsspieler sich mal wieder einen dauerhaften Kaderplatz sichern könnte – Rocco Reitz Debüt gegen Mainz war toll, aber er wurde jügst durch Verletzungen zurückgeworfen.

Ibrahima Traoré spielt schon seit 2014 bei der Borussia. Bild: © Sergei Supinsmy / AFP via Getty Images

Unser ehemaliger Spieler Ibrahima Traoré ist seit 2014 bei der Borussia und damit einer der dienstältesten Spieler im Kader. Wie läuft es für ihn?

Ibo ist neben der sportlichen Rolle seit einigen Jahren als Integrationsfigur für französischsprachige Spieler wichtig. Er ist nach starken Leistungen nach dem Wechsel vom VfB ab 2016 immer wieder von längeren Verletzungen geplagt worden, was sehr schade ist. Mittlerweile geht ihm einiges von der Spritzigkeit und Dribbel-Geschwindigkeit von früher ab, aber er hat im Dezember gegen die Hertha sogar nach einem Jahr wieder mal einen Startelf-Einsatz gehabt. Sein Vertrag läuft zum Saisonende aus – ich kann mir vorstellen, dass Ibo dem Verein noch erhalten bleibt, womöglich auch über die Karriere als Spieler hinaus.

Wie zufrieden bist Du denn mit der Arbeit von Trainer Marco Rose, der aktuell in seiner zweiten Saison bei der Borussia ist und wie lässt er die Mannschaft spielen?

Er passt schon sehr gut zu Gladbach. Im ersten Jahr fand ich es beeindruckend, wie oft Rose und sein Trainer-Team mit Rene Maric und Andreas Zickler auf den Spielverlauf und den Gegner derart reagiert haben, dass Spiele noch gewonnen werden konnten. Der Rose-Fußball – eine Mischung aus hoher Balleroberung, vertikalem Angriffsspiel und Phasen der Ballkontrolle – war bei Spielen wie dem 6:0 gegen Donezk in der Champions League fantastisch anzusehen. Mit den offensiven Außen kann extrem viel Druck gemacht werden und die Rückkehr von Ramy Bensebaini und Hofmann ist sehr viel wert, um das System Rose jetzt wieder voll durchzuziehen.

Mit 24 Gegentoren hat die Borussia mit die meisten in der oberen Tabellenhälfte, erst zwei Mal spielte man zu null. Siehst Du das als Problem?

Ja und in Kombination mit der Ineffizienz im Tore erzielen bei den erwähnten Heim-Unentschieden hat es wichtige Punkte gekostet. Wenn es vorne nicht mit dem zweiten Tor klappt, sollte halt defensiv nicht noch ein Lapsus dazukommen.

Lars Stindl hat die meisten Tore geschossen und die meisten Scorerpunkte, dicht gefolgt von Jonas Hofmann. Vor wem muss sich der VfB noch in Acht nehmen am Samstag und wie sehr fehlt der Mannschaft der gesperrte Marcus Thuram?

Alassane Plea würde gegen den VfB sicher gerne endlich mit Toren in das Jahr 2021 starten und seine Bundesligabilanz im Vergleich zum Europapokal aufbessern. Florian Neuhaus steigert seine Torgefahr kontinuierlich. Die Sperre von Thuram sehe ich momentan fast schon als Vorteil – er wirkte im Dezember überspielt und unfokussiert und wird darauf brennen, ab der Rückrunde seine unsägliche Aktion vom Hoffenheim-Spiel mit Toren vergessen zu machen.

Und wo siehst Du Schwächen der Borussia-Elf?

In der oben geschilderten konsequenten Verteidigung. Dazu ist die Mannschaft gegen ballsichere und schnell kombinierende Mannschaften anfällig in der Umschaltbewegung und in den Halbräumen vor der Abwehr wenn die Außenverteidiger überspielt wurden, was der VfB ausnutzen könnte.

Zum Abschluss: Dein Tipp fürs Spiel?

Viele interessante Szenen und ein 2:2-Unentschieden.

Titelbild: © imago/Kicker/Eissner 

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