Rund um das Spiel gegen Leverkusen

Nach dem späten und glücklichen Punktgewinn in Frankfurt empfängt der VfB erneut am Sonntag Leverkusen im Neckarstadion. Über den nächsten Gegner der Brustringträger haben wir mit Leverkusen-Experte Sebastian (@Rarename2k14) von der Rheinischen Post gesprochen.

Rund um den Brustring: Hallo Sebastian und vielen Dank, dass Du Dir wieder Zeit für unsere Fragen nimmst. Leverkusen ist mit sieben Punkten und elf Toren aus den ersten vier Spielen furios in die Saison gestartet. Hättest Du das so erwartet?

Sebastian: Ich habe angenommen, dass die Eingewöhnungszeit unter dem neuen Coach Gerardo Seoane etwas länger dauert. Die Vorbereitung war extrem holprig. Ein Testspiel musste wegen der Flutkatastrophe abgesagt werden, der für die Generalprobe angedachte Gegner Celta Vigo kam wegen mehrerer Corona-Fälle im Team nicht nach Deutschland und eine Trainingseinheit in Leverkusen konnte nicht stattfinden, da es eine Explosion im Chempark unweit der BayArena gab. Im Trainingslager in Österreich mussten Einheiten wegen heftiger Regenfälle verschoben werden, einige EM-Fahrer sind zudem erst sehr spät dazugestoßen. Es kam in diesen Sommer einiges zusammen. Umso bemerkenswerter, wie vielversprechend die Mannschaft in die Saison gekommen ist – gleichwohl das 3:4 gegen Dortmund gezeigt hat, dass noch längst nicht alle Abläufe perfekt sitzen.

Mit den Bender-Zwillingen und Leon Bailey hat Leverkusen prägende Spieler verloren, wie bewertest Du die Transferphase im Sommer?

Die Verantwortlichen haben bei einigen Schwachstellen nachgebessert, der Kader ist meiner Meinung nach insgesamt etwas ausbalancierter. Odilon Kossounou (Brügge) und Mitchel Bakker (Paris) verfügen über viel Potenzial und sollten die Abwehr auf Sicht besser machen. Auch Offensivtalent Amine Adli (Toulouse), an dem die Bayern ebenfalls lange dran waren, wird eine große Zukunft vorhergesagt. In Robert Andrich von Union Berlin hat Leverkusen zudem einen Profi der Marke „Aggressive Leader“ verpflichtet – wohl auch, um das Image des zwar talentierten, in den entscheidenden Phasen aber zu braven Teams abzulegen. Ein weiterer, eher defensivorientierter Rechtsverteidiger hätte freilich gutgetan.
Was die Abgänge betrifft: Leon Bailey hat eine starke Saison gespielt, war aber in seiner Außendarstellung nicht immer einfach. Für die von Aston Villa gebotenen 32 Millionen Euro hätte ich den wechselwilligen Jamaikaner auch ziehen lassen. Der Abgang der Bender-Zwillinge schmerzt natürlich, gleichwohl es für beide aufgrund ihrer Verletzungsgeschichte wohl eine sinnvolle Entscheidung war.

Auch der Trainer ist neu: Gerardo Seoane kam als Meistertrainer der Young Boys Bern aus der Schweiz. Wie bewertest Du seine Arbeit bisher und wie lässt er seine Mannschaft spielen?

Sebastian: Der Spielstil der Werkself hat sich unter dem 42-Jährigen schon deutlich verändert. Ballbesitzfußball wie unter Peter Bosz ist nicht mehr die oberste Maxime, auch der ein oder andere eingestreute lange Ball aus der Defensive ist kein Tabuthema. Offensiv lässt Seoane trotzdem spielen, die Außenangreifer ziehen immer wieder gerne vom Flügel in die Zentrale. Was die Formation angeht, setzt er bisher auf ein 4-2-3-1 mit Patrik Schick als einzige Spitze. Bayer hat den Schweizer Erfolgscoach aber vor allem auch aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit verpflichtet. Daher gehe ich davon aus, dass wir in dieser Hinsicht vielleicht auch mal eine Variante mit zwei Stürmern im Saisonverlauf sehen werden. Mit seiner ruhigen, aber doch bestimmenden Art kommt er bislang gut an. Die ersten Partien haben zumindest den Eindruck erweckt, dass sich Bayer unter ihm entwickeln kann. Die vorangegangene Saison, in der Leverkusen um die Herbstmeisterschaft spielte, sich am Ende aber so gerade eben in die Europa League rettete, hat aber mal wieder gezeigt, wie schnell sich das Blatt wenden kann.

Moussa Diaby, Patrik Schick und Florian Wirtz haben schon fleißig Scorerpunkte gesammelt. Vor wem von den Dreien muss sich der VfB am meisten in Acht nehmen und wo liegen die Schwächen der Mannschaft?

Moussa Diaby. Der Franzose ist in sehr guter Verfassung und hat in punkto Effizienz offenbar den erhofften Schritt nach vorne gemacht. Aber auch Patrik Schick, der seine EM-Form zumindest in Teilen kompensieren konnte, ist gut drauf. Und dass Florian Wirtz mit 18 Jahren bereits eine Schlüsselrolle beim Werksklub einnimmt, spricht freilich Bände über seine Qualität als Fußballer. Ohne den noch immer verletzten Edmond Tapsoba ist die Abwehr noch nicht auf Top-Niveau, die Außenverteidiger Mitchel Bakker und Jeremie Frimpong sind zwar defensiv solide, haben ihre größten Stärken aber beide im Spiel nach vorne.

Diese Woche trat Leverkusen in der Europa League an. Was ist Deiner Meinung nach in dieser Saison drin?

In der Europa League das Viertelfinale, in der Liga ein Champions-League-Platz und im DFB-Pokal – wie so oft – alles.

Zum Abschluss: Dein Tipp fürs Spiel?

3:1 für Leverkusen.

Titelbild: © imago/Pressefoto Baumann 

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