Rund um das Spiel gegen Bochum

Am fanunfreundlichen Montagabend empängt der VfB den VfL Bochum im Neckarstadion. Mit den Machern des VfL-Blogs Einsachtvieracht sprachen wir über das Spiel und ihren Verein.

Hallo und vielen Dank, dass Ihr euch Zeit für unsere Fragen nehmt. Stellt Euch doch bitte erstmal kurz vor: Wie ist einsachtvieracht entstanden?

Uns gibt es jetzt seit etwa zwei Jahren. Wir sind alle seit Ewigkeiten VfL-Fans. Nach dem Saisonende 2017 entstand bei ein paar Leuten die Idee, einen Blog zu gründen. Sie wollten einen Blog, der auch mal tiefer in die Materie einsteigt. Das fehlte damals in der auf den VfL bezogenen, relativ brachliegenden Medienlandschaft. Sie haben dann Leute, die in Foren oder kleineren Blogs Beiträge zum VfL verfassten, zusammengetrommelt. Viele kannten sich auch bereits. So entstand unsere Truppe.

Im Sommer 2020 jährt sich der bislang letzte Abstieg des VfL aus der Bundesliga zum zehnten Mal. Nach einer Reihe einstelliger Tabellenplätze wurdet Ihr letztes Jahr Elfter. Was fehlt Bochum aktuell, um die Aufstiegsplätze anzugreifen?

Das ist natürlich immer schwer zu sagen. Die Abstiege zuvor wurden immer gleich ausgebügelt, nach dem letzten Abstieg wurde finanziell ebenfalls wieder etwas Risiko gegangen, man scheiterte aber in der Relegation unglücklich. Seitdem sind wir eigentlich ein in allen Belangen durchschnittlicher Zweitligist. Weder finanziell noch in der Kreativität (besonders bezogen auf das Scouting) sind wir herausragend. Unsere Jugend steht eigentlich gut dar. Kommt jedoch mal ein Juwel hoch (wie beispielsweise Leon Goretzka oder auch Jan Gyamerah nach überstandener Verletzung), dann ist es nicht besonders lang beim VfL und verlässt ihn dann teils sogar ablösefrei.

Euer Saisonstart ging ja ziemlich in die Hose. Ihr habt zwar die drittmeisten Tore der Liga geschossen, aber auch die zweitmeisten kassiert und steht mit zwei Punkten aus vier Spielen auf Platz 17. Woran hakt es bei Euch derzeit noch?

Viele individuelle Fehler haben uns in den Spielen schmerzlich weh getan. Zudem ist insbesondere die rechte Außenverteidigerposition eine riesige Baustelle gewesen, die man jetzt durch die Verpflichtung von Cristian Gamboa versucht zu schließen. Im Grunde deutete sich schon in der schwachen Vorbereitung an, dass es nicht so läuft. Es gab eine Systemumstellung auf ein 4-1-3-2 gegen Ende der Saison und in der Vorbereitung, die dann doch nicht so fruchtete. Weitere Experimente folgten und der Saisonstart ging entsprechend in die Hose.

Entließ sich quasi selber: Ex-VfB-Sportvorstand Robin Dutt. © Getty/Bongarts
Entließ sich quasi selber: Ex-VfB-Sportvorstand Robin Dutt. © Getty/Bongarts

Nach dem für Außenstehende sehr unterhaltsamen, für Euch aber wahrscheinlich nervenaufreibenden 3:3 im Heimspiel gegen Wiesbaden stellte sich Trainer Robin Dutt selber in Frage und wurde am Montag dann entlassen. Als Sportvorstand beim VfB war er für solche Anfälle von Reflektion und Selbstkritik nicht unbedingt bekannt. Wie bewertet Ihr sein Verhalten?

Es ist schwierig, dies passend zu bewerten. Der Tenor seiner Pressekonferenz wurde durch ein Interview am nächsten Tag schon wieder etwas abgeschwächt. Ob er nun, wie er später sagte, nur wachrütteln wollte, ob er sich einfach in der Emotion verrannt hat oder ob es ein Stück weit Berechnung war, das werden wir wohl nie erfahren. Überrascht hat es aber sowohl Fans als auch die Vereinsverantwortlichen, da zwar inzwischen auch mal Kritik aufkam, aber er im Grunde fest im Sattel saß.

Und welches Fazit zieht Ihr nach seiner knapp eineinhalbjährigen Amtszeit?

Er hat den Verein in einer sehr schwierigen, chaotischen Phase übernommen, sich auf die wesentlichen Dinge konzentriert und den Verein damit gerettet. Dafür gebührt ihm Dank. Später allerdings schien er die Mannschaft mit Umstellungen, komplexeren Bewegungsmustern und Systemänderungen zu überfordern. Dazu kam ein nicht besonders erfolgreich vollzogener Umbruch im Kader, in dem ältere Spieler wie Hoogland, Celozzi und Tesche aussortiert würden, ohne adäquaten Ersatz zu schaffen. Was sonst noch bleibt ist, dass er ein sehr angenehmer Mensch ist, der Fußball liebt und auch gerne drüber spricht.

Auch der Interimscoach hat eine VfB-Vergangenheit: Heiko Butscher. © Getty Images Sports
Auch der Interimscoach hat eine VfB-Vergangenheit: Heiko Butscher. © Getty Images Sports

Und: Wer ist denn so als Nachfolger im Gespräch? Oder glaubt Ihr, dass am Montag Heiko Butscher, ehemaliger Spieler unserer zweiten Mannschaft, und Oliver Barth, 2017/18 Co-Trainer unserer Zweiten und ehemaliger VfB-Jugendspieler an der Seitenlinie stehen werden?

Wir sind im Moment selbst von den Ereignissen überrascht. Die naheliegende Variante ist, dass Butscher, Barth und Torwarttrainer Greiber bis zum Spiel am Montag verantwortlich bleiben und dann ein neuer Trainer in der Länderspielpause übernimmt. Von den Medien wurde bislang euer Ex-Trainer Hannes Wolf ins Gespräch gebracht, der sogar in Bochum geboren ist. Ansonsten sind noch nicht groß Namen kursiert.

Machen wir doch gleich weiter mit der Rubrik “Was macht eigentlich?”. Der VfL hatte ja in der Vergangenheit den einen oder anderen ehemaligen Brustringträger unter Vertrag. Robbie Kruse und Tim Hoogland verließen den Verein im Sommer beide gen Melbourne, Kevin Stöger sorgt bereits seit letzter Saison in Düsseldorf für Furore. Übrig geblieben ist Stefano Celozzi, der seit 2014 Euer Trikot trägt und letzte Saison Kapitän war. Wie läuft es bei ihm?

Auf dem Abstellgleis: Ex-Kapitän und -VfBler Stefano Celozzi. © Getty/Bongarts
Auf dem Abstellgleis: Ex-Kapitän und -VfBler Stefano Celozzi. © Getty/Bongarts

Wie bereits erwähnt, wurde Stefano Celozzi wie auch Tim Hoogland nach der letzten Saison mitgeteilt, dass man sportlich nicht mehr mit ihnen plant und sie sich einen neuen Verein suchen können. Der Vertrag mit Hoogland wurde deshalb wie erwähnt aufgelöst, Celozzi trainiert in Bochum noch mit, kommt aber nicht für Einsätze in Frage. Das stieß angesichts der Probleme auf rechts, wo sein designierter Nachfolger Osei-Tutu defensiv noch deutliche Schwächen offenbarte und inzwischen etwa fünf Spieler ausprobiert wurden, nicht nur auf positive Resonanz. Mal schauen, wie es mit ihm weitergeht. Zumindest wurde auf der Position jetzt nachgelegt.

Wo wir gerade bei Transfers sind: Die Zugänge waren ja in diesem Sommer an der Zahl eher überschaubar. Woran lag das und wo hättet Ihr Euch noch Verstärkung gewünscht?

Im Grunde war der Kader vorher zu groß und man hatte noch „Altlasten“ mit den beiden Aussortierten. Zudem ist es zur „Tradition“ geworden, dass der VfL spät zuschlägt, gerne bei in der ersten Liga aussortierten Spielern. So kam am Dienstag mit Cristian Gamboa, der bis Sommer bei Celtic aktiv war, eine dringend benötigte Neuverpflichtung für die rechte Verteidigerposition. In Bochum hoffen wir weiter darauf, zumindest noch eine weitere Alternative für das Sturmzentrum zu bekommen, wo wir im Grunde als echten Mittelstürmer nur Ganvoula haben. Aber auch auf weiteren Positionen wie der offensiven Außenbahn, der linken Verteidigerposition oder auch im zentral defensiven Mittelfeld wären zumindest noch Alternativen gewünscht. Grundsätzlich kann man sagen, dass der VfL eine wirklich gute erste Elf hat, es aber unserer Ansicht nach an einigen Punkten noch in der Breite hapert. Einige der Talente sehen wir einfach noch nicht so weit, dass sie direkt helfen könnten.

Vor wem müssen wir uns denn am Montag trotz Eures schlechten Saisonstarts in Acht nehmen und wo liegen die Stärken und Schwächen der VfL-Elf?

Die Torbilanz sagt es ja. Wir schaffen es durchaus zu treffen, aber bekommen viele Gegentore. Eine klare Schwäche sind die Verteidigung langer Bälle, defensive wie offensive Standards und der Hang zu individuellen Fehlern in der Verteidigung und beim Aufbauspiel. Stärken sind, auch nach der neuesten Verpflichtung, Außen mit viel Tempo und ein körperlich präsenter und trotzdem schneller Mittelstürmer.

In der zweiten Pokalrunde geht es für Euch Ende Oktober gegen Bayern München, zu denen eine Fanfreundschaft besteht. Wie ist die eigentlich entstanden und welche Themen beschäftigen die Fans sonst noch so abseits des Rasens?

Die Fanfreundschaft entstand bereits 1973, als Fans vom Fanclub Bochumer Jungen eine Gruppe Bayern-Fans davor beschützten, von anderen Bochumern angegriffen zu werden. Diese danach in einem Umtrunk entstandene Freundschaft erlebte immer Höhen und Tiefen und seit wenigen Jahren wird sie wieder gepflegt, vor allem, da die Ultragruppen beider Vereine eine innige Freundschaft eint. Wer mehr lesen möchte, kann diesen Artikel in unserem Blog lesen.

Abschließend: Euer Tipp fürs Spiel?

Angesichts der Umstände sollte man eigentlich nicht viel erwarten, trotzdem bin ich optimistisch und und hoffe auf ein 2:2.

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