Rund um das Pokalspiel in Berlin

Mit einer Pokalpartie beim BFC Dynamo startet der VfB in die Pflichtspielsaison 2021/2022. Vor dem Spiel haben wir mit Dynamo-Fan Andreas gesprochen.

Rund um den Brustring: Hallo Andreas und vielen Dank, dass Du Dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Zunächst zu Dir: Wie ist Deine Verbindung zu unserem Gegner in der ersten Runde des DFB-Pokals, dem BFC Dynamo?

Andreas: Ich bin Jahrgang ´65 und im Prenzlauer Berg am Cantian-Stadion aufgewachsen, wo der BFC vor allem in den ´80ern seine sportlich erfolgreichste Zeit hatte. 1977 bin ich das erste Mal mit Freunden mitgegangen, war bis etwa ´85 dabei, dann wieder ab ´92. Von 2008 bis 2014 habe ich mit Freunden das BFC-Fanzine Zugriff rausgebracht und war dem Verein meistens irgendwie verbunden. 

In die neue Saison der Regionalliga Nordost ist der BFC mit drei Siegen gegen Lok Leipzig, Cottbus und Eilenburg gestartet. Hoffen wir mal, die Saison wird nicht wieder abgebrochen werden müssen: Was ist in dieser Saison Deiner Meinung nach für Dynamo drin?

Schöne Momentaufnahmen. Gegen Cottbus hätte es auch anders ausgehen können. Der BFC legte in manchem Vorjahr recht unterschiedliche Halbserien hin. Ich bin gelassener geworden. Aber in der derzeitige Truppe scheint ne gute Mischung zu stecken. In einer Vorab-Umfrage unter den Trainern unserer Liga zählten viele den BFC zum Favoritenkreis.

Seit sieben Jahren spielt der Verein jetzt in der Regionalliga. Gibt es für Dich noch Potenzial nach weiter oben oder sind Pokalspiele auf absehbare Zeit die einzige Möglichkeit für BFC-Fans, höherklassigen Fußball zu sehen?

Beim BFC war man bis vor Kurzem noch mit der Stadionfrage und anderen existenziellen Fragen beschäftigt, aber wenn die Euphorie anhält und die Ergebnisse stimmen, lässt sich in Berlin vielleicht ein größerer Teil des wirtschaftlichen Potenzials auf uns ein. Erfolg macht sexy. Wenn Dynamo von Verletzungen halbwegs verschont bleibt, könnte was wachsen. Den Aufstieg in eine überregionale Liga würden viele Fans gerne noch erleben. Berlin ist groß genug für vier Bundesligisten.

Vedad Ibisevic bejubelt einen seiner beiden Treffer beim letzten Pokalspiel beim BFC 2013. Bild: © imago/Pressefoto Baumann
Vedad Ibisevic bejubelt einen seiner beiden Treffer beim letzten Pokalspiel beim BFC 2013. Bild: © imago/Pressefoto Baumann


Ein solches Pokalspiel fand auch in der ersten Runde 2013/2014 statt, als der VfB in Berlin durch zwei Tore von Vedad Ibisevic gewann. Welche Erinnerungen hast Du an das Spiel?

10.000 Zuschauer im Cantian-Stadion, gute Stimmung, bestes Wetter. Der BFC verbuchte anfangs wohl einen Pfostenknaller, hielt sich wacker, kassierte in der 1. Hälfte das 0:1 und ein spätes 0:2. Alles in allem war das achtbar und spannender als das 0:0 beim sogenannten internationalen Vergleich zwischen dem BFC und dem VfB, Anfang der ´80er vor 25.000 Zuschauern. Nach meiner Erinnerung wurde auf einer dicken Schneedecke gespielt. Ihr kamt mit Hansi Müller, den Förster-Brüdern – wir hatten noch die Nationalspieler Terletzki, Lauck, Netz, Riediger …

BFC-Torwart Bodo Rudwaleit und Bernd Förster beim Wimpeltausch vorm Freundschaftsspiel. Bild: © imago
BFC-Torwart Bodo Rudwaleit und Bernd Förster beim Wimpeltausch vorm Freundschaftsspiel. Bild: © imago

Gehen wir mal in der Historie noch weiter zurück: In der DDR-Oberliga wurde der BFC zehn Mal in Folge Meister, was ihn bei Fans anderer Vereine ebensowenig beliebt machte wie die Tatsache, dass der Verein als “Stasi-Club” galt. Im Raum stand der Vorwurf, dass der Erfolg auch politisch gewollt war. Welche Rolle spielt diese Zeit heute noch für den BFC, wie geht der Verein mit seiner Geschichte um?

Aus dieser Zeit kommt ein Großteil der Fans, die den Verein am Leben halten. Wie sollen wir damit umgehen? Wir singen bei Gelegenheit ein Lied aus alten Tagen. Mit diesen Geschichten haben wir uns oft auseinander gesetzt. Dennoch halten viele Außenstehende den BFC Dynamo für das Böse und die Vorstädter für das Gute. Daran wollen sie glauben, lass sie …

In der Zeit seit der Wende stand die Fanszene des BFC häufig wegen Gewalt und rechtsextremer Tendenzen in der Kritik. Wie sieht die Situation rund um den Verein aktuell aus?

Der Herausgeber der 11 Freunde sagte mal sinngemäß: “Beim BFC stehen die wenigsten Zuschauer im Verdacht, links-liberal zu sein.” Kann ich lächelnd unterschreiben. Unterschiedliche Menschen zählen sich sonstwo oder nirgends dazu, gehen wegen Fußball und Remmidemmi hin. Gewalt in unserem Stadion gab es ewig nicht mehr.

Zurück zum Sportlichen: Seit zwei Jahren ist Christian Benbennek Trainer des BFC. Wie bewertest Du seine Arbeit und wie lässt er seine Mannschaft spielen?

Er besitzt eine natürliche Autorität, holt das Potenzial aus den Männern raus und verbreitet optimistische Stimmung. Er genießt das Vertrauen bei der Vereinsführung und den Fans. Der letzte Pokalsieg ist ohnehin der schrägste von allen. Eben noch im Lockdown-Loch, plötzlich 3:0 im Halbfinale gegen Viktoria und im Finale 2:1 gegen BAK; Vereine gegen die man mitunter den Kürzeren zog. Der BFC erinnerte an Dänemark 1992.

Wie so häufig in der ersten Pokalrunde ist der VfB auch diesmal der Favorit. Vor welchem Spieler müssen wir uns besonders in Acht nehmen und wie kann der BFC dem VfB gefährlich werden?

Nur so viel: Einige haben schon höherklassig ihre Tore erzielt und sie werden auch im VfB-Strafraum unterhaltsam herum flippern.

Zum Abschluss: Dein Tipp fürs Spiel?

3:2 für den Ruhmreichen.

Titelbild: © imago/Sebastian Wells

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