Reicht halt nicht

Der VfB kas­siert gegen die Bay­ern sei­ne zwei­te Nie­der­la­ge der Sai­son. Der Unter­schied zu frü­he­ren Begeg­nun­gen mit den Münch­nern: Er knüpft damit an die guten Leis­tun­gen der Vor­wo­chen an.


Spie­le gegen das Bay­ern Mün­chen der Neu­zeit sind eine denk­bar undank­ba­re Ange­le­gen­heit. Punk­te gibt es eh nicht zu holen, sieht man mal von der Freak­show im Mai 2018 ab. Also ist man ent­we­der chan­cen­los und kriegt vier bis acht Buden ein­ge­schenkt oder man nutzt sei­ne Chan­cen nicht und kas­siert ein paar Tore weni­ger. Egal wie hoch die Nie­der­la­ge aus­fällt, einen Erkennt­nis­ge­winn über die eige­ne Leis­tungs­stär­ke bringt das Ergeb­nis meist nicht — sieht man ein­mal von der königs­blau­en Aus­nah­me zur Regel ab. Die Bay­ern sind dem Groß­teil der Liga mitt­ler­wei­le sport­lich so weit ent­eilt, dass man sich in oder gegen Mün­chen eine Packung abho­len und trotz­dem im nächs­ten Spiel gegen eine belie­bi­ge ande­re Bun­des­li­ga-Mann­schaft gewin­nen kann. Was bleibt einem also außer ein aus­ge­spro­che­nes Ach­sel­zu­cken wie in der Über­schrift oder dem His­sen der wei­ßen Bonus­spiel-Flag­ge, zuletzt prak­ti­ziert von Timo Baum­gartl?

Der hat gepasst! © Matthias Hangst/Getty Images
Der hat gepasst! © Mat­thi­as Hangst/Getty Images

Die Begeg­nung am Sams­tag­nach­mit­tag pass­te wie­der genau in die­ses Sche­ma: Der VfB spielt gut, geht sogar in Füh­rung, nutzt sei­ne wei­te­ren Chan­cen nicht. Pfif­fe, die ertö­nen kön­nen, aber nicht müs­sen, ertö­nen und am Ende hebeln die Bay­ern die gute Leis­tung des VfB mit einem unfass­bar prä­zi­sen Umschalt­spiel und wuch­ti­gen Distanz­schüs­sen, die man ver­hin­dern könn­te, aber nicht immer kann, aus. Viel­leicht hät­te ein Nico­las Gon­za­lez die Chan­cen von Phil­ipp Förs­ter ver­wer­tet und nicht wie die­ser nach star­kem Beginn stark abge­baut. Viel­leicht hät­te der VfB Glück gehabt und Manu­el Neu­ers chro­nisch pein­li­cher Rekla­mier­arm wäre fol­gen­los geblie­ben und die Kugel beim Hand­spiel-Rou­lette rich­tig gefal­len. Aber letzt­end­lich ist Bay­ern dann halt in der Lage, nach einem Ball­ge­winn am eige­nen Straf­raum mit zwei Päs­sen vor Dein Tor zu kom­men. Wenn alles in die rich­ti­ge Rich­tung läuft, nimmst Du aus so einem Spiel trotz­dem was mit. Wenn nicht, nicht.

Starke Flügel 

Kon­zen­trie­ren wir uns also lie­ber auf das, was Mut und einen Unter­schied macht: In der Ver­gan­gen­heit waren gute Leis­tun­gen gegen die Bay­ern sin­gu­lä­re Ereig­nis­se, die durch erbärm­li­che Auf­trit­te in den fol­gen­den Spie­len schnell in Ver­ges­sen­heit gerie­ten. Anders in die­ser Sai­son: Die Brust­ring­trä­ger spiel­ten genau­so ansehn­lich wie in den Spie­len zuvor, belohn­ten sich aber auch eben­so­we­nig. Vor allem Silas Waman­gi­tu­ka und Bor­na Sosa auf den Flü­geln gaben eine rich­tig gute Figur ab. Debü­tant Phil­ipp Förs­ter hat­te zwei gro­ße Chan­cen und lei­te­te das 1:0 mit einem klu­gen Pass ein.

Natür­lich besteht hier schnell die Gefahr der fal­schen Ablei­tung: “Wenn die gegen die Bay­ern so gut spie­len, dann wer­den sie gegen Bre­men bestimmt locker…”. Nee, wer­den sie viel­leicht nicht unbe­dingt. Weil so ein Spiel gegen Bre­men dann doch wie­der eine ganz ande­re Dyna­mik und Struk­tur hat. Aber es war gera­de für Waman­gi­tu­ka in sei­nem ers­ten Spiel gegen die Bay­ern eine gute Übung, sich mit einem Außen­ver­tei­di­ger wie Ex-VfBler Ben­ja­min Pavard zu mes­sen. Auch Tan­guy Cou­li­ba­ly erwisch­te dies­mal einen guten Tag und das nicht nur wegen sei­nes Tors. Über­haupt fin­de ich sei­ne noch schwan­ken­den Leis­tun­gen — gegen Hof­fen­heim sah man nicht viel von ihm — voll­kom­men nach­voll­zieh­bar ange­sichts sei­nes Alters. Sei­ne Auf­stel­lung als ein­zi­ge Spit­ze recht­fer­tig­te er auf jeden Fall.

Keine Ausnahme mehr 

Der leider auch! © Matthias Hangst/Getty Images
Der lei­der auch! © Mat­thi­as Hangst/Getty Images

Die Basis für die guten Leis­tun­gen der Offen­siv­spie­ler bil­de­ten erneut wich­ti­ge Ball­ge­win­ne und gewon­ne­ne Zwei­kämp­fe im Mit­tel­feld — wie schon in den ver­gan­ge­nen Wochen. Und auch in der Drei­er­ket­te brann­te wesent­lich weni­ger an, als man es gegen die Bay­ern befürch­ten muss­te. Man muss eben nur damit rech­nen, dass deren Schüs­se auch aus schwie­ri­gen Posi­tio­nen  — Bay­ern hat­te laut Under­stat einen xG-Wert­von 0,89 — mal den Weg ins Tor fin­den Es besteht auf jeden Fall gar kei­ne Not­wen­dig­keit, sich auf ver­meint­li­ches Bay­ern-Dusel oder eine angeb­li­che Benach­tei­li­gung durch Schieds­rich­ter Harm Osmers und sei­ne Assis­ten­ten zu ver­stei­fen. Der VfB hat auch in sei­nem neun­ten Bun­des­li­ga-Spiel nach dem Auf­stieg eine gute Leis­tung gezeigt. Es macht Spaß, der Mann­schaft zuzu­schau­en, egal gegen wel­chen Geg­ner. Das ist das Posi­ti­ve, was man aus die­sem Spiel mit­neh­men kann: Bay­ern-Spie­le sind kei­ne Aus­nah­me mehr.

Was nicht heißt, dass man sich jetzt schul­ter­klop­fend zurück­leh­nen soll­te, weil das schon alles irgend­wie läuft. Gegen Bre­men und Uni­on soll­te, nein muss der VfB auch mal wie­der ein Spiel gewin­nen, um das Pols­ter nach unten wie­der etwas anwach­sen zu las­sen. Aus sie­ben Spie­len ohne Nie­der­la­ge sind jetzt näm­lich fünf Spie­le ohne Sieg gewor­den — das eine so wenig aus­sa­ge­kräf­tig wie das ande­re, aber so ist das, wenn man sich Seri­en auf einer Rei­he von Unent­schie­den zurecht­biegt. Die Bay­ern muss­ten zur Halb­zeit nicht groß umstel­len und brach­ten ihre Füh­rung ins Ziel. Gegen die bei­den eben genann­ten Geg­ner wird das Spiel wie­der wesent­lich dyna­mi­scher ver­lau­fen. Wenn der VfB sei­ne Chan­cen nutzt und auch auf Ver­än­de­run­gen des Geg­ners rich­tig reagiert, soll­te es dann aber auf jeden Fall für ein paar wei­te­re Punk­te rei­chen.

Titel­bild: © Mat­thi­as Hangst/Getty Images 

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