Neu im Brustring: Gregor Kobel, Fabian Bredlow und Hamadi Al Ghaddioui

Zwei am Frei­tag, einer am Mon­tag: Der VfB füllt sei­nen Kader lang­sam auf. Wir haben mit Exper­ten über die Neu­zu­gän­ge Kobel, Bred­low und Al Ghad­dioui.

Zwei Tor­hü­ter und ein Stür­mer tra­gen seit die­sem Wochen­en­de das Tri­kot mit dem Brust­ring: Gre­gor Kobel wird für ein Jahr aus Hof­fen­heim aus­ge­lie­hen, Fabi­an Bred­low wech­selt fest vom 1. FC Nürn­berg nach Bad Cannstatt und von Jahn Regens­burg kommt Hama­di Al Ghad­dioui. Anstatt die Trans­fers aber chro­no­lo­gisch abzu­ar­bei­ten, wol­len wir uns zunächst die Situa­ti­on im Tor des VfB in der kom­men­den Sai­son anschau­en und uns dann dem Sturm wid­men.

Über Gre­gor Kobel haben wir uns mit Ste­phan (@Urbster) unter­hal­ten, der Fan des FC Augs­burg und Teil des Pod­casts Auf die Zir­bel­nuss ist, denn in der Rück­run­de der abge­lau­fe­nen Sai­son stand Kobel leih­wei­se beim FCA im Tor. Zu Fabi­an Bred­low haben wir uns bei zwei FCN-Fans schlau gemacht: Flo­ri­an Zen­ger (@flo_zenger) von Club­fans-United und Stef­fen (@2_Steffen).

Neu im Brustring: Gregor Kobel

Wid­men wir uns zunächst Kobel, der ja vor­aus­sicht­lich als Num­mer 1 in die neue Sai­son gehen wird. Gebo­ren im Dezem­ber 1997 in Zürich, spiel­te er vom ach­ten bis zum 17. Lebens­jahr beim Gras­shop­per Club, bevor er 2014 in die Nach­wuchs­ab­tei­lung der TSG Hof­fen­heim wech­sel­te. Dort wur­de er 2016 Deut­scher Vize­meis­ter der A‑Junioren und stand im Anschluss auch bei der zwei­ten Mann­schaft in der Regio­nal­li­ga Süd­west im Tor. Für die ers­te Mann­schaft Diet­mar Hopps hat er bis­her zwei Ein­sät­ze: In der Euro­pa League gegen Ras­grad und in der Liga gegen Han­no­ver.

Anfang 2019 wech­sel­te er dann für den Rest der abge­lau­fe­nen Sai­son leih­wei­se zum FC Augs­burg und wur­de dort auf Anhieb Stamm­kee­per. Er absol­vier­te 16 Liga und zwei Pokal­spie­le und ver­pass­te nur eine Par­tie wegen einer Gehirn­er­schüt­te­rung — der FCA kam aber beim 6:0 gegen den VfB auch ohne ihn ganz gut über die Run­den. Ins­ge­samt kas­sier­ten die Augs­bur­ger aller­dings mit Kobel zwi­schen den Pfos­ten 42 Gegen­to­re, auf die Sai­son gese­hen mit 71 sogar eins mehr als der VfB. Man muss dabei aller­dings auch den 34. Spiel­tag in Betracht zie­hen, als man sich von Wolfs­burg mit 8:1 abschie­ßen ließ, was sicher nicht nur an Kobel lag.

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Ins­ge­samt war es für die Tor­hü­ter in Augs­burg kei­ne gute Sai­son. Fabi­an Gie­fer patz­te in der Hin­run­de zu oft und Andre­as Luthe wur­de nicht zuge­traut, ihn zu erset­zen. Mit dem Wech­sel von Kobel war die Erwar­tung ver­bun­den, dass man mit einem jun­gen Talent nun end­lich Ruhe auf der Posi­ti­on haben wer­de, erklärt Ste­phan. Am Sta­tus des Talents scheint sich auch nach dem hal­ben Jahr in Augs­burg noch nicht viel geän­dert zu haben. Ste­phan beschreibt Kobel als jeman­den “mit ein ein paar rau­en Ecken die man noch bear­bei­ten muss”. In Augs­burg sei man nicht all­zu trau­rig, dass er nach der Lei­he wie­der nach Hof­fen­heim zurück ging. Ste­phan traut ihm aber durch­aus eine Kar­rie­re in der Bun­des­li­ga zu.

Mitspielender Torhüter ohne Kaufoption

Natür­lich inter­es­siert uns bei Kobel wie auch bei allen ande­ren Neu­zu­gän­gen die Kom­pa­ti­bi­li­tät mit dem neu­en Trai­ner Tim Wal­ter oder, wenn man den Aus­füh­run­gen Tho­mas Hitzl­sper­gers Glau­ben schenkt, mit dem neu­en Spiel­stil, der beim VfB unab­hän­gig vom Trai­ner Ein­zug hal­ten soll. Kobel sei durch­aus ein mit­spie­len­der Tor­wart, erklärt, der auch über gute Refle­xe ver­fü­ge. Gleich­zei­tig habe er aber auch Schwä­chen beim Raus­kom­men, beim Faus­ten und beim Stan­dard­si­tua­tio­nen. Die bereits ange­spro­che­ne hohe Zahl an Gegen­to­ren hat Ste­phan zufol­ge auch viel mit einer wenig ein­ge­spiel­ten Vie­rer­ket­te und einem unsi­che­ren Innen­ver­tei­di­ger Reece Oxford zu tun. Gleich­zei­tig habe Kobel aller­dings eben bei Stan­dards auch ein paar Tore auf sei­ne Kap­pe neh­men müs­sen. Ste­phan kann sich aber gut vor­stel­len, dass eine rich­ti­ge Vor­be­rei­tung gemein­sam mit der Vie­rer­ket­te Kobel hel­fen wür­de. Abseits des Plat­zes sei Kobel ein eher ruhi­ger Zeit­ge­nos­se.

Ein wei­te­rer inter­es­san­ter Punkt bei der Ver­pflich­tung von Kobel sind die Ver­trags­mo­da­li­tä­ten. Kobel ist, anders als in Augs­burg, nicht nur für eine Halb­se­rie aus­ge­lie­hen, son­dern für die gan­ze Sai­son. Zunächst ver­mel­de­ten ver­schie­de­ne Medi­en, der VfB habe sich eine Kauf­op­ti­on in den Ver­trag schrei­ben las­sen, was vom Dorf direkt demen­tiert wur­de:

So der Pres­se­spre­cher der SAP-Betriebs­mann­schaft. Die Auf­lö­sung kam dann von Sven Mislin­tat:

Kobel hat sei­nen Ver­trag vor der Lei­he um ein Jahr ver­län­gert, hat also im Som­mer 2020 noch ein Jahr Rest­lauf­zeit. Dass Kobel einen Ver­bleib in Stutt­gart nicht aus­schließt, ehrt ihn, bie­tet dem VfB aber nicht unbe­dingt mehr Pla­nungs­si­cher­heit. Aber zur Gesamt­si­tua­ti­on im Tor gleich mehr, denn Hitzl­sper­ger und Mislin­tat haben ja am Wochen­en­de noch einen zwei­ten Kee­per unter Ver­trag genom­men.

Neu im Brustring: Fabian Bredlow

Fabi­an Bred­low ist zwei­ein­halb Jah­re älter als Kobel und spiel­te bis zur B‑Jugend bei ver­schie­de­nen Ver­ei­nen in sei­ner Geburt­stadt Ber­lin zuletzt bei Her­tha Zehlen­dorf. 2012 wech­sel­te er dann zu Red Bull Leip­zig und wur­de in der Fol­ge erst ans Farm­team nach Salz­burg und dann ans Farm­teams des Farm­teams nach Lie­fe­ring ver­lie­hen, für das er 29 Spie­le mach­te. 2015 wech­sel­te er dann zum Hal­le­schen FC und damit zurück in den Ver­eins­fuß­ball. Nach 68 Spie­len in der 3. Liga für den Ver­ein aus Sach­sen-Anhalt. Von dort ging es 2017 nach Nürn­berg, die damals noch in der zwei­ten Liga spiel­ten.

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Die Ver­pflich­tung sei damals von Rapha­el Schä­fer, lang­jäh­ri­ger Nürn­ber­ger Tor­wart mit unrühm­li­cher VfB-Ver­gan­gen­heit, ein­ge­fä­delt wor­den erläu­tert Flo­ri­an. Beim FCN traf er auf einen ande­ren ehe­ma­li­gen Brust­ring­trä­ger: Thors­ten Kirsch­baum, der den VfB 2015 gen Nürn­berg ver­las­sen hat­te. Die Erwar­tung, dass Bred­low auch ange­sichts der Tat­sa­che, dass Kirsch­baum damals schon 30 Jah­re alt war, lang­fris­tig Tor­hü­ter Num­mer 1 sein wür­de, sei durch­aus vor­han­den gewe­sen, so Stef­fen. Kirsch­baum haben 2015/16 “eine Kas­tro­phen­sai­son” gehabt, erklärt Flo­ri­an, habe sich in der Fol­ge­sai­son aber gefan­gen, so dass das Tor­war­t­ren­nen bei Bred­lows Ankunft rela­tiv offen gewe­sen sei.

Aufstiegsheld Bredlow

In der Hin­run­de der Auf­stiegs­sai­son stand Bred­low dann bei zwei Spie­len im Tor, unter ande­rem beim 3:1 im Der­by gegen Fürth, saß aber sonst auf der Bank. Nach einem schlech­ten Spiel Kirsch­baums voll­zog der dama­li­ge Trai­ner Köll­ner den Wech­sel im Tor: Bred­low wur­de die neue Num­mer 1 und gab die­sen Sta­tus bis zum Ende der Sai­son, die der FCN auf Platz 2 und damit als Auf­stei­ger been­de­te, nicht mehr ab. Ins­ge­samt kas­sier­te Bred­low in den 22 Spie­len in die­ser Sai­son 22 Gegen­to­re und hat­te durch­aus einen gewis­sen Anteil am Auf­stieg, wie Flo­ri­an und Stef­fen beto­nen. Flo­ri­an unter­streicht das mit ein paar Zah­len, die er mit Hil­fe des Daten­diens­tes wyscout auch noch mal mit denen von Gre­gor Kobel, Ron-Robert Zie­l­er und ande­ren Tor­hü­tern, die beim VfB im Gespäch waren, ver­gleicht: Bred­low hat­te eine Fang­quo­te von 74 Pro­zent, kas­sier­te fünf Tore weni­ger als nach expec­ted goals erwar­tet und mach­te ins­ge­samt nur weni­ge, dafür aber auf­se­hen­er­re­gen­de Feh­ler. 

Nach dem Auf­stieg ver­pflich­te­te der FCN Chris­ti­an Mathe­nia vom Abstei­ger HSV, gegen den sich Bred­low jedoch in der Vor­be­rei­tung zunächst durch­set­zen konn­te. Auch in der abge­lau­fe­nen Sai­son kehr­te im Tor der Nürn­ber­ger jedoch kei­ne Ruhe ein. Nach dem 0:7 in Dort­mund und dem 0:6 in Leip­zig fand sich Bred­low auf der Bank wie­der.  Nach­dem sich Mathe­nia ver­letz­te, mach­te Bred­low zwar in der Hin­run­de ins­ge­samt 13 Spie­le, in der Rück­run­de wur­de er aller­dings end­gül­tig zur Num­mer 2 degra­diert. In die­sen 13 Spie­len hat­te er, dan­ke erneut an Flo­ri­an für die Zah­len, nur noch eine Fang­quo­te von 52 Pro­zent und acht Tore mehr kas­siert als nach xG erwar­tet.

Perspektive Nummer Zwei

Bred­low habe in der Hin­run­de der abge­lau­fe­nen Sai­son vor allem Aus­strah­lung und Sicher­heit ver­mis­sen las­sen, erklärt Stef­fen und Flo­ri­an weist dar­auf hin, dass sei­ne Leis­tung wohl auch men­tal bedingt gewe­sen sei, auf jeden Fall sei sie zu sel­ten bun­des­li­ga­taug­lich gewe­sen. Auch des­we­gen habe er sich nicht mehr gegen den bun­des­li­gaer­fah­re­nen Mathe­nia durch­set­zen kön­nen. Des­sen Ver­trag wur­de kurz nach Sai­son­ende um fünf Jah­re ver­län­gert, so dass weder Flo­ri­an noch Stef­fen wirk­lich über­rascht sind, dass Bred­low den Ver­ein ver­lässt. Über­ra­schen­der ist hin­ge­gen das Ziel sei­nes Wech­sels, bezie­hungs­wei­se die Situa­ti­on bei sei­nem neu­en Ver­ein. Denn Bred­low habe durch­aus immer mal wie­der Ansprü­che auf den Sta­tus als Stamm­tor­wart geäu­ßert, wird aber beim VfB wohl auch wie­der auf der Bank sit­zen.

Dem­entspre­chend kön­nen sich auch bei­de Nürn­berg-Exper­ten nicht so wirk­lich vor­stel­len, dass Bred­low lang­fris­tig mehr als eben die Num­mer 2 beim VfB sein wird und sich in der Bun­des­li­ga nach einem mög­li­chen Wie­der­auf­stieg durch­setzt. Wobei man natür­lich in Betracht zie­hen muss, dass er in der letz­ten Sai­son wirk­lich nicht über­zeug­te. “Wirk­lich unsi­cher mit dem Ball am Fuß wirk­te er nicht, aber jetzt auch kein Vir­tuo­se in Sachen Auf­bau­spiel”, ant­wor­tet Flo­ri­an auf die Fra­ge, wie gut Bred­low ins Ball­be­sitz­spiel des VfB pas­sen könn­te. Sein Trai­ner Köll­ner habe sehr gemäch­lich auf­bau­en las­sen, außer­dem habe Bred­low vie­le lan­ge Abschlä­ge gemacht, bei denen die Streu­ung, wie Stef­fen anmerkt, rela­tiv groß gewe­sen sei. Ähn­lich wie Kobel habe er gute Refle­xe und habe anders als der aber auch eine gute Straf­raum­be­herr­schung, Schwä­chen offen­bar­ten sich bei Distanz­schüs­sen.

Die Situation zwischen den Pfosten

Nun ist also das Tor­hü­ter­team des VfB für die neue Sai­son schein­bar kom­plett. Gre­gor Kobel als wahr­schein­li­che Num­mer 1, dahin­ter Fabi­an Bred­low und Jens Grahl, wäh­rend A‑Ju­nio­ren-Vize­meis­ter Sebas­ti­an Hor­nung zunächst wei­ter für die U19 oder die U21 spie­len wird. Zwei Kee­per haben den Ver­ein dafür ver­las­sen: Alex­an­der Mey­er, der in zwei Jah­ren kein ein­zi­ges Spiel in der Bun­des­li­ga mach­te und, wesent­lich pro­mi­nen­ter: Ron-Robert Zie­l­er. Es ist zu ver­mu­ten, dass die Tren­nung in bei­der­sei­ti­gem Ein­ver­neh­men statt­fand, wie man so schön sagt: Der VfB woll­te den spie­le­ri­schen Neu­auf­bau ohne Zie­l­er ange­hen und der ergriff die Chan­ce, zu sei­nem lang­jäh­ri­gen Ex-Ver­ein zurück zu keh­ren. Der VfB hin­ge­gen tauscht, wie in der Kader­pla­nung gene­rell, Bere­chen­bar­keit gegen Risi­ko ein. 

Sicher hat­te auch Zie­l­er sei­ne schwa­chen Momen­te und auch sei­ne star­ken Refle­xe und sein alles in allem siche­res defen­si­ves Tor­wart­spiel kön­nen nicht kom­plett dar­über hin­weg­täu­schen, dass er nicht unbe­dingt in der Lage war, das Spiel beson­ders kon­struk­tiv — oder schnell — von hin­ten auf­zu­bau­en. Auf der ande­ren Sei­te hät­te man mit ihm wahr­schein­lich einen der bes­ten Zweit­li­ga-Tor­hü­ter gehabt — und einen der sta­bils­ten. Statt­des­sen hat man sich für zwei Tor­leu­te ent­schie­den, die wesent­lich jün­ger sind und in der ver­gan­ge­nen Sai­son in der Bun­des­li­ga nicht wirk­lich geglänzt haben. Das heißt zum einen: Sie wol­len sich bewei­sen. Kobel will sich für einen Stamm­platz in Hof­fen­heim oder woan­ders emp­feh­len, Bred­low möch­te zei­gen, dass er auch Num­mer 1 blei­ben kann und zwar nicht nur für eine Halb­se­rie. Das heißt aber zum ande­ren auch, selbst wenn man einen Tor­wart nie unab­hän­gig von sei­ner Abwehr betrach­ten soll­te: Sie sind jung und haben noch nicht viel bewie­sen.

Ein Torwart nur für ein Jahr

Das hat den VfB auch nicht davon abge­hal­ten, jun­gen Tor­hü­tern wie Timo Hil­de­brand und — mit Abstri­chen und auf Umwe­gen — Sven Ulreich irgend­wann das Ver­trau­en aus­zu­spre­chen, die Num­mer 1 auf dem Rücken zu tra­gen. Der Unter­schied bei die­sen Spie­lern war jedoch, dass sie ver­trag­lich län­ger an den VfB gebun­den waren und man trotz immer wie­der­keh­ren­der Abwan­de­rungs­ge­dan­ken Hil­de­brands eine gewis­se Pla­nungs­si­cher­heit hat­te. Davon kön­nen wir der­zeit nicht spre­chen und das macht mir etwas Sor­ge. Natür­lich muss die Spiel­idee unab­hän­gig von den ein­zel­nen Spie­lern funk­tio­nie­ren. Aber eine mit einem Tor­wart mög­lichst seit mehr als einem Jahr ein­ge­spiel­te Abwehr­for­ma­ti­on ver­mit­telt mir ein bes­se­res Gefühl, als sich im Som­mer 2020 um einen Nach­fol­ger für Kobel und gege­be­nen­falls auch für Bred­low bemü­hen zu müs­sen. Sicher: Zie­l­er und sei­ne Vor­der­leu­te kann­ten sich zu Beginn der ver­gan­ge­nen Sai­son auch bereits seit einem Jahr und beka­men trotz­dem die Hucke voll. 

Den­noch wer­de ich das Gefühl nicht los — und mehr als ein Gefühl kann es aktu­ell nicht sein, da wir uns gera­de in der ers­ten Woche der Vor­be­rei­tung befin­den — dass der VfB der­zeit alles tut, um sein Kon­zept — oder das von Tim Wal­ter, ich bin da immer noch skep­tisch — in die­sem Som­mer mit die­sem Kader radi­kal umzu­set­zen. Grund­sätz­lich begrü­ße ich die­sen wirk­lich not­wen­di­gen Umbruch, aber er ist eben mit einem gewis­sen Risi­ko ver­bun­den. Es scheint beim VfB in der kom­men­den Sai­son kei­ne Grau­tö­ne zu geben. Ent­we­der es läuft gran­di­os oder es geht gran­di­os schief. Und Tor­hü­ter sind nun mal kei­ne ganz ein­fa­che Posi­ti­on, denn es gibt sie nur ein­mal auf dem Platz und anders als Innen­ver­tei­di­ger gibt es für sie im Spiel kein Back­up.

Neu im Brustring: Hamadi Al Ghaddioui

Weni­ger Risi­ko geht der VfB bei sei­nem drit­ten Neu­zu­gang ein, er dürf­te auch bis­her noch am wenigs­ten bekannt sein, was auch dar­an lie­gen kann, dass der VfB in den letz­ten Jah­ren nicht sei­nen bis­he­ri­gen Ver­ein, den SSV Jahn Regens­burg, traf. Zwei SSV-Exper­ten haben wir zu Hama­di Al Ghad­dioui befragt. Ste­fan (@johndillinger15), Pod­cas­ter bei 1889fm und Tobi­as, Autor des Buches “111 Grün­de, den SSV Jahn Regens­burg zu lie­ben” und Blog­ger.

Al Ghad­dioui ist schon ein paar Tage älter als die bei­den neu­en Tor­hü­ter, er wur­de 1990 in Bonn gebo­ren und hat sowohl die deut­sche, als auch die marok­ka­ni­sche Staats­bür­ger­schaft. Sein Nach­na­me wird, wie uns Tobi­as erklärt und es der Spie­ler am Diens­tag bei VfBtv auch noch­mal erklär­te, Al Gadui aus­ge­spro­chen

Nach ver­schie­de­nen Sta­tio­nen in Nord­rhein-West­fa­len bei Lever­ku­sen, Verl, Dort­mund und Lot­te wech­sel­te er Anfang 2018 aus der 3. Liga zum Jahn. Dort such­te man nach einer Ergän­zung zu Kapi­tän Mar­co Grütt­ner, der vor nicht all­zu­lan­ger Zeit noch für den VfB II auf Tore­jagd ging. In der Rück­run­de 2017/2018 spiel­te er unterm Strich aller­ding nur etwas melhr als 60 Minu­ten, da man in Regens­burg bereits über drei ande­re Stür­mer ver­füg­te. Ins­ge­samt sei ihm auf­grund der häu­fi­gen Ver­eins­wech­sel und der kur­zen Zeit bei sei­nen Ver­ei­nen auch eine gewis­se Skep­sis ent­ge­gen gege­bracht wor­den.

Der nächste Schritt

So rich­tig fest­ge­spielt hat sich Al Ghad­dioui eigent­lich erst ab Mit­te der Hin­run­de der ver­gan­ge­nen Sai­son. Nach­dem er vor­her nur spo­ra­disch zum Ein­satz kam, absol­vier­te er von da an die meis­ten Spie­le über 90 Minu­ten, erziel­te beim Tabel­len­ach­ten elf Tore in 20 Start­elf-Ein­sät­zen und ins­ge­samt 33 Par­tien und gab sechs Vor­la­gen. Ins­ge­samt sind Ste­fan und Tobi­as mit Platz 8 in der Sai­son und auch mit der Leis­tung ihres Stür­mers zufrie­den. Ziel des Jahn sei­es, so Ste­fan, sich in der Liga zu eta­blie­ren. Durch die Tore von Al Ghad­dioui sei Grütt­ner ent­las­tet wor­den, Tobi­as weist dar­auf hin, dass auch eini­ge wich­ti­ge Tore dar­un­ter gewe­sen sei­en.

Dem­entspre­chend sind bei­de Jahn-Exper­ten wenig erfreut über den Wech­sel, wenn auch nicht wirk­lich über­rascht. Man sei sol­che Abgän­ge , wohl auch wegen der finan­zi­el­len Situa­ti­on des Ver­eins gewohnt, und es sei auch die Phi­lo­so­phie des Ver­eins, Rei­sen­de nicht auf­zu­hal­ten, so Ste­fan. Tobi­as erklärt, dass Al Ghad­dioui wie schon bei sei­nem Wech­sel von Lot­te nach Regens­burg die Chan­ce ergrif­fen hat, auf der Kar­rie­re­lei­ter die nächs­te Stu­fe zu erklim­men. Frus­trie­rend ist für ihn vor allem die “für einen 11-Tore-Stür­mer, der sei­ne Zweit­li­ga­taug­lich­keit unter Beweis gestellt hat” ver­hält­nis­mä­ßig gerin­ge Ablö­se­sum­me von rund 300.00o Euro sowie die offen­sicht­li­che Gering­schät­zung, die man­che VfB-Fans in den sozia­len Medi­en einem ihnen noch unbe­kann­ten Spie­ler bis­her ent­ge­gen gebracht haben. 

Gute Technik, wenig Risiko

Al Ghad­dioui ist 28 Jah­re alt und hat beim VfB für zwei Jah­re bis 2021 unter­schrie­ben. Bei­de Regens­bur­ger Fans trau­en ihm eine gute Sai­son in der zwei­ten Liga zu, auch wenn er in Regens­burg ein wenig gebraucht habe, um zu “zün­den”, wie Ste­fan es aus­drückt. Tobi­as kann sich durch­aus vor­stel­len, dass der auch in der kom­men­den Sai­son wie­der zwei­stel­lig trifft, mel­det aber Zwei­fel an, ob er nach einem Auf­stieg auch eine Chan­ce hat, sich in der Bun­des­li­ga durch­zu­set­zen, auch weil er dann schon fast 30 Jah­re alt wäre. Al Ghad­dioui sei bei 1,93 Meter Kör­per­grö­ße ein robus­ter Spie­ler, so Ste­fan, “der sich vor­ne in der Box mit sei­ner Tech­nik gut durch­set­zen kann” und sich sei­ne Bäl­le durch­aus auch von wei­ter hin­ten hole, auch weil das bis­he­ri­ge Sys­tem der Regens­bur­ger dies erfor­de­re. Tobi­as ergänzt, dass er zudem unheim­lich viel lau­fe, also nicht nur im Straf­raum auf Bäl­le war­te und auch sonst viel Ein­satz zeigt. Einen ers­ten Vor­ge­schmack erhiel­ten die VfB-Fans schon beim 11:0 gegen die Hohen­lo­he-Aus­wahl am ver­gan­ge­nen Sonn­tag, auch wenn der Geg­ner natür­lich kein Maß­stab war.

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Auch bei Al Ghad­dioui ach­tet der VfB schein­bar vor allem auf die kurz­fris­ti­ge Per­spek­ti­ve, geht dabei aller­dings kein gro­ßes Risi­ko ein. Die Ablö­se ist, ähn­lich bei Bred­low, rela­tiv gering und die Erfolgs­chan­cen ange­sichts der Leis­tun­gen des Spie­lers in der letz­ten Sai­son, rela­tiv groß. Mario Gomez, der dem Ver­ein ja erhal­ten bleibt, hat dann end­lich die Unter­stüt­zung im Sturm, die er schon in der abge­lau­fe­nen Rück­run­de nötig gehabt hät­te und in der Win­ter­pau­se bei Micha­el Resch­ke ein­for­der­te. Es wird span­nend sein zu sehen, was das für Leon Daja­ku bedeu­tet, der natür­lich noch jung genug ist, um auch in der kom­men­den Sai­son noch die drit­te Gei­ge im Sturm zu spie­len um dann suk­zes­si­ve Gomez und/oder Al Ghad­dioui zu beer­ben. Wenn er sich so wei­ter ent­wi­ckelt wie bis­her. Mit der Ver­pflich­tung des Stür­mers aus Regens­burg hat der VfB auf jeden Fall nicht viel falsch gemacht. Al Ghad­dioui ist ein biß­chen wie Simon Terod­de, nur mit ein paar Toren und ein biß­chen Erfolgs­ga­ran­tie weni­ger.

Blackbox Kaderplanung

Alles in allem ist die Kader­pla­nung des VfB für mich immer noch ein wenig eine Black­box. Ich weiß, wor­auf Mislin­tat, Hitzl­sper­ger und Wal­ter hin­aus wol­len, ich weiß aber noch nicht, wie der Kader am Ende der Vor­be­rei­tung aus­sieht und wie die Spie­ler, die wir bis­her ver­pflich­tet haben, genau ins Sys­tem pas­sen. Vie­les wird sich mit Sicher­heit auch in den kom­men­den Test­spie­len zei­gen, von denen am heu­ti­gen Mitt­woch das nächs­te ansteht. Es wird auf jeden Fall eini­ges anders beim VfB und wir wer­den neben star­ken Ner­ven wahr­schein­lich auch viel Geduld mit in die neue Sai­son brin­gen. Auch wegen des völ­lig unnö­ti­gen Abstiegs genießt der Ver­ein, auch wenn das gegen­über den teil­wei­se noch nicht so lan­ge han­deln­den Per­so­nen unfair sein mag, bei mir kei­nen Ver­trau­en­vor­schuss. Vor einem Jahr habe ich den Feh­ler gemacht und mehr oder min­der dar­auf ver­traut, dass die han­del­nen Per­so­nen nicht so unfä­hig sein kön­nen, die Sai­son trotz gro­ßer Inves­ti­tio­nen und frü­her Pla­nungs­si­cher­heit vor die Wand zu fah­ren. Ich wur­de bit­ter ent­täuscht. Statt gro­ßer Inves­ti­tio­nen stellt der VfB jetzt in kur­zer Zeit und mit einem gewis­sen Risi­ko alles um. Ich hof­fe, dass es gut geht, bewah­re mir aber schon aus Selbst­schutz noch eine gewis­se kri­ti­sche Distanz.

3 Gedanken zu „Neu im Brustring: Gregor Kobel, Fabian Bredlow und Hamadi Al Ghaddioui“

  1. Dan­ke für die auf­wän­di­ge Recher­che, eure Bei­trä­ge sind immer wie­der sehr inter­es­sant und hel­fen uns VfB Fans durch die Hin­ter­grün­de das (hof­fent­lich) vor­han­de­ne Kon­zept bes­ser zu ver­ste­hen. Aber es ist und bleibt ein „Ritt auf der Rasier­klin­ge“, der hof­fent­lich gut­geht. Ich tue mich auch noch ein biß­chen schwer mit den „han­deln­den“ Per­so­nen, da die­se den Abstieg nicht ver­hin­dern konn­ten und so noch kei­nen „Lei­tungs­nach­weis“ erbrin­gen konn­ten bis auf dass Sie das Gan­ze Cha­os etwas befrie­det hat­ten. Miß­trau­isch machen mich vor allem die „Lob­hu­de­lei­en“ gegen­über Diet­rich, das wirk­te ja gera­de­zu lach­haft. Ein biß­chen mehr „kri­ti­scher „ Geist ist aus mei­ner Sicht not­wen­dig und ein Trai­ner der mal zur Abwechs­lung nicht mit dem „Kopf durch die Wand“ will wie einst Zor­ni­ger, Wolf und Co.

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  2. Ich fin­de den etwas kri­ti­schen Blick auf die VfB-Zukunft abso­lut not­wen­dig (auch wenn ich es mir ger­ne rosa­rot oder viel­mehr weiß­rot aus­ma­len wür­de). Seit klar ist, dass Wal­ter kommt, muss ich eigent­lich immer­zu an Zor­ni­ger 2.0 den­ken. Und das war — abge­se­hen von der letz­ten Sai­son — mit die schlimms­te Zeit in Stutt­gart. Die­ses ganz oder garnicht-‘Konzept’, das Auf­tre­ten des Trai­ners und das kom­plet­te Umwer­fen des Kaders … ich habe echt Zwei­fel, dass man die Spiel­idee des Ver­eins bin­nen zwei Trai­nings­la­gern fest­le­gen kann. Aber ich lass mich ger­ne eines bes­se­ren beleh­ren.

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    • Hal­lo Flo­ri­an,

      ich hof­fe, dass Wal­ter nicht so star­sin­nig ist, wie Zor­ni­ger es war. Wenn man Hitzl­sper­ger Glau­ben schen­ken darf, soll das Kon­zept ja unab­hän­gig vom Trai­ner sein, d.h. wir säßen immer­hin nicht auf einer Mann­schaft fest, die nicht zum neu­en Trai­ner passt. Ich bin auch gespannt. Lang­wei­lig wird es auf jeden Fall nicht.

      Vie­le Grü­ße, Lenn­art

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