Neu im Brustring: Josha Vagnoman und Juan Perea

Der VfB hat nach lan­gen Ver­hand­lun­gen end­lich die ers­ten exter­nen Neu­zu­gän­ge ver­pflich­tet kön­nen: Josha Vagno­man kommt vom HSV nach Stutt­gart. Und Sven Mislin­tat schlug am Frei­tag bereits auf dem Trans­fer­markt zu und hol­te Juan José Perea von PAS Gian­ni­na. Wir haben uns in Ham­burg und in Grie­chen­land über die bei­den erkun­digt.

Josha Vagnoman

Viel­leicht ver­deut­licht der Trans­fer von Josha Vagno­nam am Bes­ten, wel­chen Ein­schrän­kun­gen der VfB und sein Sport­di­rek­tor Sven Mislin­tat der­zeit anschei­nend unter­liegt. Bevor groß oder über­haupt inves­tiert wer­den kann, müs­sen zuerst Spie­ler ver­kauft wer­den. Bis­her war das nur Phil­ipp Förs­ter für eine über­schau­ba­re Sum­me, jetzt hat sich Mislin­tat mit sei­nem Ham­bur­ger Gegen­über auf eine etwas höhe­re Sum­me für Josha Vagno­man geei­nigt, der einen Ver­trag bis 2026 beim VfB unter­schrie­ben hat. Viel wur­de schon über Vagno­man gere­det in den letz­ten Wochen, denn anders als bei manch ande­rem Trans­fer fan­den die Ver­hand­lun­gen über die Ablö­se qua­si öffent­lich statt. Um Euch trotz­dem noch­mal einen Über­blick über sei­nen Wer­de­gang und sei­ne Stär­ken und Schwä­chen zu bie­ten, haben wir uns bei zwei HSV-Fans über ihn erkun­digt und hof­fen, Ihr erfahrt noch das ein oder ande­re Neue über ihn.  Die Exper­ti­se lie­fer­ten dies­mal Tan­ja (@fschmidt77), die beim HSVTalk und bei Frau­en reden über Fuß­ball spricht und bei Rau­te 22c schreibt und Chris­ti­an vom Pod­cast HSV KlönStuv.

Ich bin ein Hamburger Jung und ich komm nich in Schwung

Was gibt es also über Josha Mama­dou Kara­boue Vagno­man, wie er voll­stän­dig heißt, zu erfah­ren. Nun, zuerst­mal die rich­ti­ge Aus­spra­che sei­nes Namens: Nicht Wag­no­mann, son­dern Wan­jo­man, wie Tan­ja erklärt, wobei das “-man” nicht so lang aus­ge­spro­chen wird wie “Mahn” und nicht so kurz wie “Mann”. Irgend­wo dazwi­schen also. Vagno­man wur­de am 11. Dezem­ber 2000 in Ham­burg gebo­ren und hat sei­ne Geburts­stadt zumin­dest fuß­bal­le­risch nicht ver­las­sen. Nach Sta­tio­nen in den den Stadt­tei­len Pop­pen­büt­tel und Hum­mels­büt­tel wech­sel­te er mit neun Jah­ren zum HSV und durch­lief dort das Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum. Vagno­man spiel­te in der A‑Jugend übri­gens mit dem kürz­lich nach Kiel gewech­sel­ten Fie­te Arp zusam­men, wur­de aber, wie Tan­ja betont, nicht so als das gro­ße Talent gehy­ped wie die­ser, wenn er auch als Ver­spre­chen für die Zukunft galt. Von die­sem Ver­spre­chen erhoff­ten sich die HSV-Fans viel, als er von Bernd Hol­ler­bach in der Sai­son 2017/2018, die schließ­lich im ers­ten Abstieg der Bun­des­li­ga-Geschich­te der Ver­eins­ge­schich­te ende­te, in den Pro­fi­ka­der beru­fen wur­de: “Als ‚Ham­bur­ger Jung” waren die Hoff­nun­gen in Josh natür­lich grö­ßer. Die Sehn­sucht nach einem Eigen­ge­wächs der zum Lea­der bei den Pro­fis wird, ist natür­lich nach wie vor sehr groß”, erklärt Chris­ti­an. Mar­kus Gis­dol habe ihn schon auf dem Schirm gehabt, erklärt Chris­ti­an, zu sei­nem ers­ten Bun­des­li­ga-Ein­satz kam Vagno­man aber aus­ge­rech­net bei einer 0:6‑Niederlage gegen den FC Bay­ern unter Bernd Hol­ler­bach. Damit war er damals der bis dato jüngs­te Bun­des­li­ga-Spie­ler des Ver­eins. Sei­ne Beru­fung und sein Ein­satz sei für Vie­le über­ra­schend gekom­men, erklärt Tan­ja. Einer­seits habe man gegen den Rekord­meis­ter wenig zu ver­lie­ren, ande­rer­seits ist eine solch her­be Klat­sche viel­leicht nicht die bes­te Ein­füh­rung in die ers­te Mann­schaft, gera­de fürs Selbst­ver­trau­en. Kurz nach dem Spiel wur­de Hol­ler­bach ent­las­sen, sein Nach­fol­ger Chris­ti­an Titz habe eher auf Spie­ler aus “sei­ner” U21 gesetzt als auf A‑Jugendliche, zudem sei die Kon­kur­renz auf den Außen­bah­nen mit Dou­glas San­tos und Ex-VfB-Spie­ler Goto­ku Sakai sehr groß gewe­sen, so dass das Spiel gegen die Bay­ern sein bis­her ein­zi­ger Bun­des­li­ga-Ein­satz geblie­ben ist.

Vier Mal kämpf­te Vagno­man seit 2018 ver­geb­lich mit dem HSV um den Wie­der­auf­stieg, zuletzt schei­ter­ten die Ham­bur­ger bekann­ter­ma­ßen in der Rele­ga­ti­on an Her­tha BSC. Dass Vagno­man in die­sen vier Spielt­zei­ten nur 2020/2021 auf mehr als 20 Spie­le pro Sai­son kam, hat wenig mit den zahl­rei­chen Trai­nern zu tun, unter deren Lei­tung er spiel­te, son­dern mehr mit sei­nen Ver­let­zun­gen: Bän­der­ris­se, ein Fuß­bruch und zuletzt Mus­kel­ver­let­zun­gen, meist auch nicht durch Kör­per­kon­tak­te, also Fouls her­vor­ge­ru­fen. Chris­ti­an rech­net 56 durch Ver­let­zun­gen ver­pass­te Spie­le seit April 2018 zusam­men. Es liegt mir aber fern, hier eine ama­teur­haf­te medi­zi­ni­sche Dia­gno­se zu erstel­len. Tan­ja unter­streicht auch, dass Vagno­man in den letz­ten Jah­ren kör­per­lich zuge­legt habe und auch Chris­ti­an sieht ihn robus­ter als frü­her und führt zudem an, das sich Vagno­man nach der letz­ten Ver­let­zung mehr Zeit gelas­sen habe, um zurück zu kom­men. Trotz der beacht­li­chen Kran­ken­ak­te hof­fent­lich Grund zum Opti­mis­mus, dass sein Kör­per sta­bil bleibt. Auf­grund der vie­len Ver­let­zungs­un­ter­bre­chun­gen sei­ner Kar­rie­re sei er bis­lang über den Sta­tus des viel­ver­spre­chen­den Talents auch noch nicht hin­aus­ge­kom­men, zum Hoff­nungs­trä­ger im Auf­stiegs­kampf konn­te er des­halb auch nicht unbe­dingt wer­den. Oder wie Tan­ja es for­mu­liert: 

Wenn Josha dann aber wie­der auf dem Platz stand, sah das schon gut aus und
man woll­te mehr von ihm sehen — aber dann kam zu oft schon die nächs­te
Ver­let­zung. Daher: Guter Spie­ler, den man ger­ne im Team hat, aber lei­der
konn­te man nicht wirk­lich auf ihn bau­en.

Die­sen Sta­tus unter­streicht viel­leicht auch Vagno­mans Ein­sät­ze in der deut­schen U21 unter Ste­fan Kunz: Beim EM-Gewinn 2021 war er bis zum Vier­tel­fi­na­le Stamm­spie­ler, muss­te aber im Halb­fi­na­le und Fina­le wegen klei­ne­rer Bles­su­ren aus­set­zen. Als er im März die­ses Jah­res nach der letz­ten län­ge­ren Pau­se wie­der beru­fen wur­de, galt er gleich wie­der als gesetzt.

Einer für die offensive Außenbahn

Josha Vagnoman. © Martin Rose/Getty Images
Josha Vagno­man. © Mar­tin Rose/Getty Images

Nun aber genug zu Vagno­mans Ver­let­zungs­ge­schich­te, gehen wir mal opti­mis­tisch davon aus, dass er davon in Zukunft ver­schont bleibt und bli­cken dar­auf, was er kann, wenn er auf dem Platz steht. Das ist beim HSV, der in den letz­ten Jah­ren einen ähn­li­chen Trai­ner­ver­schleiß hat­te wie der VfB vor Mat­a­raz­zo, gar nicht so ein­fach zu sagen. Vagno­man hat­te seit sei­ner Debüt­sai­son 2018 sechs ver­schie­de­ne Trai­ner — Gis­dol, Hol­ler­bach, Titz, Wolf, Hecking und Wal­ter mit mit­un­ter ganz unter­schied­li­chen Spiel­sys­te­men. Klar ist: Vagno­man ist ein Außen­bahn­spie­ler, der auf bei­den Sei­ten ein­ge­setzt wer­den kann und auch ein­ge­setzt wur­de. Tan­ja sieht ihn auf­grund sei­nes star­ken rech­ten Fußes eher auf der rech­ten Sei­te und bei­de sehen ihn eher auf der offen­si­ven Außen­bahn und weni­ger in der defen­si­ven Vari­an­te, die bei­spiels­wei­se Pas­cal Sten­zel bis­wei­len in einer Vie­rer­ket­te beklei­det. Die offen­si­ve Aus­rich­tung kommt auch eher sei­nen Stär­ken zugu­te, die Tan­ja in der Schnel­lig­keit, im Pass­spiel und in der Über­sicht sieht, ähn­lich sieht es auch Chris­ti­an: “Sei­ne Stär­ken sehe ich, wenn er mit Power über die Außen kommt.” Er müs­se aller­dings noch an sei­nen Flan­ken und an sei­nem Abschluss arbei­ten, Tan­ja moniert noch das Kopf­ball­spiel an bei­den Enden des Spiel­felds sowie Ent­schei­dungs­fin­dung und Prä­zi­si­on, sie hat aber beob­ach­tet, dass er über die Jah­re abge­klär­ter gewor­den ist. In 61 Zweit­li­ga­spie­len traf Vagno­man fünf Mal und berei­te­te vier Tref­fer vor.

Tan­ja und Chris­ti­an trau­en Vagno­man bei­de zu, sich in der Bun­des­li­ga durch­zu­set­zen, sehen dabei aber zwei Fak­to­ren als ent­schei­dend an: Zum einen sei­ne Gesund­heit, zum ande­ren Kon­ti­nui­tät auf der Trai­ner­po­si­ti­on. Gene­rell fällt bei­den eine Ein­schät­zung auf­grund sei­ner unbe­stän­di­gen Ein­sät­ze nicht leicht. Ange­sichts des­sen ist man unter den HSV-Fans bei einer ange­mes­se­nen Ablö­se­sum­me auch bereit, ihn zie­hen zu las­sen. Was ange­mes­sen ist, dar­über ließ sich die letz­ten Wochen zum Bei­spiel auf Twit­ter treff­lich strei­ten, es scheint aber nicht so zu sein, als rei­ße man der HSV-Mann­schaft mit Vagno­ma das Herz­stück her­aus. Ange­sichts der schein­bar knap­pen Finanz­la­ge gehe ich davon aus und hof­fe ich, dass man sich beim VfB ins­be­son­de­re medi­zi­nisch genau mit Vagno­man beschäf­tigt hat. Wie schon die zuletzt als Trans­fers gehan­del­ten Namen ist er kein blut­jun­ger Nach­wuchs­ki­cker, son­dern hat schon Erfah­run­gen im Pro­fi­fuß­ball gesam­melt, wenn auch nicht durch­ge­hend gute. Mit sei­ner Viel­sei­tig­keit könn­te er, wenn er fit bleibt, ein wich­ti­ges Puz­zle­stück sein in dem Bestre­ben, die Mann­schaft und die Tak­tik des VfB etwas varia­bler zu gestal­ten und gera­de auf den Außen­bah­nen nicht auf Spie­ler zurück­grei­fen zu müs­sen, die nicht opti­mal für die­se Posi­ti­on aus­ge­bil­det sind. Mavro­pa­nos kann zwar den rech­ten Außen­ver­tei­di­ger in einer Vie­rer­ket­te geben, sei­ne stärks­te Posi­ti­on ist es nicht, gera­de was die Spiel­eröff­nung angeht. Pas­cal Sten­zel wie­der­um ist ein klas­si­scher Rechts­ver­tei­di­ger, der zwar auch mal einen gepfleg­ten Dia­go­nal­ball spie­len kann, sei­ne Stär­ke aber eher in der Defen­si­ve hat. Mit Vagno­man, Silas und Tomás ver­fügt der VfB auf der rech­ten Sei­te nun über meh­re­re Optio­nen für ver­schie­de­ne Spiel­si­tua­tio­nen. Die Kunst wird für Pel­le­gri­no Mat­a­raz­zo nun dar­in bestehen, Vagno­mans Poten­zi­al wei­ter zu för­dern und das Mann­schafts­puz­zle erfolg­reich zu kom­plet­tie­ren.

Juan Perea

Auch an ande­rer Stel­le ist noch nicht ganz klar, wie der VfB-Kader in der kom­men­den Sai­son aus­sieht, näm­lich im Sturm. Da hat sich der VfB mit dem Kolum­bia­ner Juan José Perea ver­stärkt, der 2019 mit dem FC Por­to die UEFA Youth League gewann und die letz­ten drei Spiel­zei­ten in Grie­chen­land aktiv war, zuerst bei Pan­athi­nai­kos, dann bei einem Ver­ein namens Volos NFC und zuletzt bei PAS Gian­ni­na, dem Hei­mat­ver­ein von Kon­stan­ti­nos Mavro­pa­nos. Anders als Vagno­man war sein Name bis vor kur­zem nur weni­gen VfB-Fans ein Begriff, umso grö­ßer dürf­te Euer Bedarf nach Infor­ma­tio­nen sein. Über ihn haben wir uns gleich mit vier Men­schen unter­hal­ten: Alex­an­der Kou­ta­kos (@AKoutakos) schreibt für die Sei­te Hel­las Foot­ball, eben­so Anto­ni­os (@PanathasLA), der zudem Pan­athi­nai­kos-Fan ist und aus Epi­rus, der Regi­on um Gian­ni­na kommt, außer­dem Vas­si­lis Vas­si­li­ou (@billiouu) ein Sport­jour­na­list bei BN Sports Grie­chen­land und Andre­as (@Kaliba1893), VfB-Fan mit grie­chi­schem Fami­li­en­hin­ter­grund.

Durchbruch bei Ajax von Epirus

Die­ser Text ist also sehr Grie­chen­land-las­tig, dabei ist Perea in Kolum­bi­en, genau­er gesagt in Bogo­ta gebo­ren und ist wie Vagno­man Jahr­gang 2000, aller­dings hat­te er schon am 23. Febru­ar Geburts­tag. Mit 18 Jah­ren wech­sel­te er von der Fuß­ball­schu­le Esco­fu­tu­per aus sei­ner Hei­mat­stadt zum FC Por­to und kam in des­sen U19 zum Ein­satz. Die Mann­schaft gewann zwar in die­sem Jahr die UEFA Youth League, Perea kam aller­dings nur in drei Vor­run­den­spie­len auf ins­ge­samt 20 Minu­ten Ein­satz­zeit. Den­noch wur­de er im Anschluss von Pan­athi­nai­kos ver­pflich­tet. Wie Anto­ni­os erklärt, sei man in Athen durch­aus gespannt auf Perea gewe­sen, auch weil er von Por­to kam. In sei­ner ers­ten Sai­son kam er auf ins­ge­samt 23 Liga- und fünf Pokal­spie­le, erziel­te ins­ge­samt drei Tore und berei­te­te eins vor. Er stand aller­dings nur vier­mal in der Start­elf und kam häu­fig in der zwei­ten Halb­zeit von der Bank um zusätz­li­chen Druck auf den Geg­ner aus­zu­üben. In der Fol­ge­sai­son wur­de er zum erst 2017 gegrün­de­ten Volos NFC aus­ge­lie­hen, wo er in 27 Liga­spie­len und vier Pokal­spie­len eben­so drei Mal traf, einen Assist lie­fer­te, Hier stand er wesent­lich häu­fi­ger in der Start­elf, Volos spiel­te aber anders als Pan­athi­nai­kos nach Abschluss der Haupt­run­de nicht in der Meister‑, son­dern in der Abstiegs­run­de. Auf jeden Fall erhielt er dort wesent­lich mehr Spiel­zeit. Im ver­gan­ge­nen Som­mer wech­sel­te er dann zu PAS Gian­ni­na und schaff­te dort sei­nen vor­läu­fi­gen Durch­bruch in der grie­chi­schen Super League. Er ver­pass­te nur vier von 36 Liga­spie­len und stand sonst immer in der Start­elf und erziel­te dabei zehn Tore, je zwei in der Meis­ter­run­de gegen AEK Athen und Olym­pia­kos Pirä­us. Aber woher kam die­ser Durch­bruch? Vas­si­lis zufol­ge erhielt er bei Gian­ni­na das Ver­trau­en, das ihm in Athen fehl­te und die rich­ti­ge Posi­ti­on in einem Team, dem das Tore schie­ßen nicht so schwer fiel wie dem aus Volos.

Perea kann näm­lich sowohl als Flü­gel, wie auch als Mit­tel­stür­mer spie­len — bei Volos wur­de er als Rechts­au­ßen ein­ge­setzt — sei­ne opti­ma­le Posi­ti­on ist aber allen unse­ren Exper­ten zufol­ge in der Mit­te. Dort habe er mehr Frei­hei­ten, erklärt Vas­si­lis. Anto­ni­os sieht ihn sowohl als Teil eines Zwei­er­sturms — in wel­cher Kon­stel­la­ti­on auch immer — traut ihm aber in einem kon­ter­star­ken Team auch die Rol­le des allei­ni­gen Mit­tel­stür­mers zu. Alle drei Exper­ten aus Grie­chen­land beschrei­ben Perea als schnell, Vas­si­lis hebt sei­ne Ball­be­hand­lung und sei­ne Dribb­lings her­vor, Anto­ni­os sei­nen Ein­satz fürs Team. Die­se Stär­ken erlau­ben es ihm ent­we­der als zwei­ter Stür­mer Ver­tei­di­ger an sich zu bin­den oder durch Läu­fe aus dem Mit­tel­feld in Kon­ter­si­tua­tio­nen schlecht posi­tio­nier­te Defen­siv­rei­hen auf dem fal­schen Fuß zu erwi­schen. Auf jeden Fall sei er aber kein klas­si­scher Straf­raum­stür­mer, son­dern jemand, der aus dem Raum kommt, so Vas­si­lis. Anto­ni­os sieht sei­ne Ent­schei­dungs­fin­dung vor dem Tor als Schwä­che an, Vas­si­lis zufol­ge lässt er sich auch ab und zu mal aus dem Kon­zept brin­gen, zum Bei­spiel durch Schieds­rich­ter­ent­schei­dun­gen. Apro­pos: Perea kas­sier­te in den letz­ten drei Jah­ren in der Super League 17 gel­be Kar­ten, eine mehr als er Tore erziel­te, wie jemand auf Twit­ter anmerk­te. Alex­an­der zufol­ge sei das durch­aus auch sei­nem Tem­pe­ra­ment geschul­det, gleich­zei­tig wür­den in der Liga die Kar­ten aber auch ein wenig locke­rer sit­zen. Mit 181 Zen­ti­me­tern is Perea gute 20 cm klei­ner als Sasa Kalajd­zic, er mache das aber durch Sprung­kraft wett, so Alex­an­der.

 
 
 
 
 
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Mehr Variabilität bitte

Wie also ist der Wech­sel in die Bun­des­li­ga zum VfB zu bewer­ten? Andre­as gibt uns zunächst eine Ein­ord­nung der Spiel­stär­ke der Super League: Ver­ei­ne wie Olym­pia­kos, PAOK, Pan­athi­nai­kos, Aris und AEK könn­ten durch­aus im Bun­des­li­ga­mit­tel­feld mit­hal­ten, der Rest, und dazu zählt auch Gian­ni­na, wür­de sich eher in der zwei­ten oder drit­ten Liga ein­sor­tie­ren. Gleich­zei­tig ist Pere­as letz­ter Ver­ein für sei­ne gute Spie­ler­ent­wick­lung als “Ajax von Epi­rus” bekannt, ein Aus­druck, der mir häu­fi­ger unter­ge­kom­men ist. So ist es Andre­as zufol­ge auch kein Wun­der, dass Sven Mislin­tat in die­ses “Regal” schaut, denn Perea habe bei PAS gute Leis­tun­gen gezeigt, gera­de die Tref­fer gegen Top­clubs sei­en ein Zei­chen dafür. Sowohl Anto­ni­os, als auch Vas­si­lis sehen den Wech­sel in die Bun­des­li­ga als den rich­ti­ge nächs­ten Schritt in sei­ner Ent­wick­lung an, auch wenn er sicher­lich zunächst Zeit brau­che, um sich an die Liga zu gewöh­nen. Das Poten­zi­al, sich beim VfB durch­zu­set­zen, habe er auf jeden Fall, ein Satz, den ich in den letz­ten Jah­ren sehr häu­fig hier auf­ge­schrie­ben habe. Auch Andre­as pro­phe­zeit ihm eine gewis­sen Ein­ge­wöh­nungs­zeit, da die meis­ten Mann­schaf­ten in Grie­chen­land vor allem auf Kon­ter­fuß­ball setz­ten, Gegen­pres­sing sei für die meis­ten ein Fremd­wort und auch Anto­ni­os weist dar­auf hin, dass die grie­chi­sche Liga sehr phy­sisch und defen­siv­ori­en­tiert ist.

Um es kurz zu machen: Perea ist der Mit­tel­stür­mer, der Mar­moush trotz meh­re­rer Ver­su­che nie war. Gleich­zei­tig scheint sich aber mit die­sem Trans­fer abzu­zeich­nen, was sich bereits in den ers­ten bei­den Test­spie­len gegen Böb­lin­gen und Wies­ba­den ansatz­wei­se andeu­te­te: Pel­le­gri­no Mat­a­raz­zo scheint der­zeit mit einem Sys­tem mit zwei Stür­mern zu expe­ri­men­tie­ren, weg vom klas­si­schen Drei­er-Sturm mit Kalajd­zic in der Mit­te und meist Tomás auf dem rech­ten und zukünf­tig viel­leicht Füh­rich auf dem lin­ken Flü­gel. Das heißt natür­lich nicht, dass das Sys­tem mit allei­ni­gem Mit­tel­stür­mer bereits bei den Akten liegt — wir wis­sen ja nicht mal, wel­ches Tri­kot Sasa Kalajd­zic in der kom­men­den Sai­son tra­gen wird. Es erscheint aber nicht abwe­gig, dass sowohl er als auch Bor­na Sosa den Ver­ein in die­sem Som­mer noch ver­las­sen und der VfB eine Alter­na­ti­ve zu deren Flan­ke-Kopf­ball-Kom­bi­na­ti­on braucht. Natür­lich war Kalajd­zic in den ver­gan­ge­nen Spiel­zei­ten auch als Wand­spie­ler, der Bäl­le auf Neben­leu­te ableg­te, wert­voll. Aber auch in die­sen Situa­tio­nen war das Angriffs­spiel auf ihn als Ziel­spie­ler zuge­schnit­ten, was häu­fig auf­grund sei­ner indi­vi­du­el­len Qua­li­tät auch funk­tio­nier­te — aber wie lan­ge noch? Auch unab­hän­gig von sei­nem Wech­sel muss der VfB wie­der unbe­re­chen­ba­rer in der Offen­si­ve wer­den. Mit akuel­le Kalajd­zic, Kas­t­a­n­a­ras, San­koh und jetzt Perea hat der VfB eine inter­es­san­te Aus­wahl für die vor­ders­te Posi­ti­on, wobei man aller­dings aktu­ell mit dem ers­ten in der kom­men­den Sai­son nicht pla­nen soll­te, der zwei­te und drit­te zusam­men bis­her auf nur weni­ge Bun­des­li­ga-Minu­ten und der vier­te viel­leicht auch nicht direkt funk­tio­nie­ren wird. Da ich den VfB grund­sätz­lich nicht als Kon­ter­mann­schaft sehe — auch wenn es prak­tisch ist, die­se Fähig­keit aus­spie­len zu kön­nen — sehe ich Perea in Zukunft eher als Teil eines Dop­pel­sturms — mit wem auch immer.

Frühzeitige Verstärkung

Ich habe es neu­lich schon in der Rezen­si­on von Jonas Bischof­ber­gers Buch “Sys­tem Weiß-Rot” ange­spro­chen: Das Zau­ber­wort beim VfB heißt wei­ter­hin Poten­zi­al. Das brin­gen sowohl Vagno­man als auch Perea mit, gleich­zei­tig ist mit ihrer Ver­pflich­tung ein gewis­ses Risi­ko ver­bun­den: Hal­ten Kno­chen und Bän­der bei dem Außen­ver­tei­di­ger? Kann Perea gemein­sam mit sei­nen jun­gen Kol­le­gen einen Ver­kauf von Sasa Kalajd­zic auf­fan­gen? Gleich­zei­tig bie­tet die­se Umstel­lung weg von einem sehr auf einen Spie­ler fixier­ten Sys­tem auf eine Spiel­wei­se, die auf meh­re­ren Schul­tern ruht, eine Chan­ce, noch varia­bler zu wer­den. Es ist ja auch nicht das ers­te Mal, dass Ver­ant­wor­tung geteilt wird, man den­ke nur an den Abgang von Gon­za­lo Cas­tro vor der Sai­son. Dass der VfB jetzt mit ins­ge­samt etwa fünf Mil­lio­nen Euro Ablö­se doch schon etwas Geld in die Hand genom­men hat, um Spie­ler zu ver­pflich­ten, die mit ins Trai­nings­la­ger fah­ren kön­nen, ist bes­ser, als erst auf Erlö­se aus Spie­ler­ver­kau­fen zu war­ten. Ich sehe bei bei­den Trans­fers auch etwas weni­ger Risi­ko, da sowohl Vagno­man, als auch Perea schon über ein paar Jah­re Pro­fi­erfah­rung ver­fü­gen, gleich­zei­tig ist die Fall­hö­he nicht so groß wie bei Fag­hir, der im End­ef­fekt im letz­ten Som­mer viel­leicht ein wenig zu sehr gehy­ped wur­de. Es liegt jetzt an Pel­le­gri­no Mat­a­raz­zo, wie viel Varia­bi­li­tät er mit die­ser Mann­schaft in der Vor­be­rei­tung erar­bei­ten kann und wie schnell die Mann­schaft die­se umset­zen kann, um nächs­te Sai­son wie­der mehr Tor­ge­fahr und Sta­bi­li­tät aus­zu­strah­len.

1 Gedanke zu „Neu im Brustring: Josha Vagnoman und Juan Perea“

  1. Wie immer ein tol­ler Arti­kel! Die Bespre­chun­gen der Neu­zu­gän­ge mit Expert:innen vor Ort sind immer ein Grund wert, “Neu im Brust­ring” zu lesen. Mehr Tief­gang als bei StN/StZ und Kicker. Klas­se auch, dass du eine tak­ti­sche Ein­schät­zung dazu­packst, wie der jewei­li­ge Spie­ler ins Sys­tem Mat­a­raz­zo (oder Trai­ner XY) pas­sen könn­te.

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