Luft holen

Der VfB siegt im Heim­spiel gegen Frei­burg mit 3:0 und schwimmt sich im Abstiegs­kampf frei. Ein wich­ti­ger Sieg zum rich­ti­gen Zeit­punkt.

Dis­clai­mer: Ich habe das Spiel gegen Frei­burg nur in der Zusam­men­fas­sung gese­hen. Das kommt lei­der auch mal vor und war unver­meid­lich. Des­we­gen soll es hier weni­ger um den Her­gang des Spiels und ein­zel­ne bedeut­sa­me Sze­nen gehen, son­dern viel­mehr um die Bedeu­tung, die der Sieg in der gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on hat.

Denn die sieht nach dem 3:0 gegen die Süd­ba­denser schon wesent­lich freund­li­cher aus also noch vor sie­ben Tagen. Erin­nern wir uns zurück: Nach der 0:1‑Niederlage in Leip­zig wur­de das Grum­meln und Brud­deln am Wasen erst­mals so laut, dass man nicht umhin konn­te, es wahr­zu­neh­men. Der Trai­ner wech­se­le falsch ein und hal­te zu steif an sei­ner Drei­er-/Fün­fer­ket­te fest. Terod­de sei für die Bun­des­li­ga nicht gut genug. Der VfB schie­ße im All­ge­mei­nen zu wenig Tore. Dann kam ein spie­le­risch teil­wei­se gru­se­li­ges aber am Ende durch drei Tore den­noch von Erfolg gekrön­tes Pokal­spiel in Kai­sers­lau­tern und schließ­lich das Heim­spiel am Sonn­tag­abend.

Heldenzeit

Bedingt durch die erneu­te Ver­let­zung von Hol­ger Bad­s­tu­ber stell­te Han­nes Wolf dies­mal auf einer Vie­rer­ket­te mit Pavard und Baum­gartl im Zen­trum um. Die Dop­pel­sechs bil­de­ten wie­der Bur­nic und Ascací­bar, vor­ne rück­ten Özcan und bereits zum zwei­ten Mal Dani­el Gin­c­zek in die Start­elf.

Ginczek mit seinem zweiten Treffer in einer Woche. Bild: © VfB-Bilder.de
Gin­c­zek mit sei­nem zwei­ten Tref­fer in einer Woche. Bild: © VfB-Bilder.de

Es soll­te das Spiel der Über­ra­schungs­hel­den wer­den. Ber­kay Özcan zum Bei­spiel, dem der Ver­ti­kal­pass die Über­schrift sei­nes Rück­blicks gewid­met hat. Er berei­te­te nicht nur Gin­c­zeks Tor durch eine Flan­ke vor, son­dern auch Ben­ja­min Pavards Kopf­ball­tor zum 2:0 und beför­der­te sich damit mit einem Schlag her­aus aus der Ver­sen­kung, in der er seit dem Auf­stieg ver­schwun­den war.

Womit wir schon bei zwei wei­te­ren Hel­den sind. Ben­ja­min Pavard belohn­te sich für sei­ne über­wie­gend star­ken Defen­siv­leis­tun­gen mit sei­nem ers­ten Bun­des­li­ga-Tref­fer und auch Gin­c­zek traf nach dem ver­wan­del­ten Elf­me­ter gegen Kai­sers­lau­tern erneut. Dass Simon Terod­de sei­nen zwei­ten Bun­des­li­ga-Tref­fer erziel­te, run­de­te die offen­si­ve Glück­se­lig­keit beim VfB ab. Sechs Tore in zwei Spie­len? Da kann man die Offen­siv­flau­te ja nur für been­det erklä­ren.

Nun, ganz so ein­fach ist es natür­lich nicht. Denn wäh­rend sich die Brust­ring­trä­ger am Mitt­woch im Pokal bei dem Tabel­len­letz­ten der 2. Bun­des­li­ga durch­setz­te, spiel­ten sie am Sonn­tag knapp 80 Minu­ten lang in Über­zahl. Dass dadurch nicht auto­ma­tisch Tore für den VfB fal­len, hat man in Frank­furt gese­hen. Aber es stimmt natür­lich schon, dass jeder ein­zel­ne Frei­bur­ger den Aus­fall des elf­ten Spie­lers durch eige­nen Mehr­auf­wand kom­pen­sie­ren muss­te, auch wenn das bei den Toren sel­ber wenig zur Sache tat: Gin­c­zek und Pavard tra­fen jeweils aus einem voll­be­setz­ten Straf­raum her­aus, Terod­de ver­wer­te­te einen hän­gen­ge­blie­be­nen Tor­schuss von Ascací­bar.

Dreier zum richtigen Zeitpunkt

Wir dür­fen jetzt also nicht davon aus­ge­hen, dass wir am Sams­tag den HSV, der seit Ende August kein Bun­des­li­ga-Spiel mehr gewon­nen hat, aus dem Volks­park­sta­di­on bal­lern wer­den. Zu eng ist da im Tabel­len­kel­ler immer noch alles bei­ein­an­der, zu anfäl­lig ist der VfB wei­ter­hin für Gedan­ken­lo­sig­kei­ten in der Abwehr. Auch am Sonn­tag hät­te man sich nach der 2:0‑Halbzeitführung etwas mehr Kon­se­quenz beim Ein­sa­cken der drei Punk­te gewünscht.

Auf der ande­ren Sei­te hat der VfB jetzt sechs Punk­te Vor­sprung auf den HSV, der auf dem Rele­ga­ti­ons­platz steht und geht mit Rücken­wind in die anste­hen­den Duel­le mit den bei­den Nord­ver­ei­nen im Tabel­len­kel­ler sowie gegen Mit­auf­stei­ger Han­no­ver und den BVB, der zuletzt gegen eben­je­ne 96er ver­lor. Dann haben wir 14 Spie­le absol­viert und kön­nen hof­fent­lich eini­ger­ma­ßen beru­higt in die drei Par­tien gegen Bay­er, Hop­pen­heim und die Bay­ern gehen, bevor wir das Jahr im Pokal in Mainz aus­klin­gen las­sen.

Der Drei­er gegen Frei­burg könn­te ein Sieg zum rich­ti­gen Zeit­punkt (gibt es einen fal­schen für einen 3:0‑Heimsieg?) gewe­sen sein, wenn wir das gute Gefühl von zwei Sie­gen und sechs Toren inner­halb von fünf Tagen mit­neh­men, dabei aber nicht über­heb­lich wer­den und den­ken, dass es in Ham­burg von allei­ne läuft. Die­ser Sieg könn­te dem VfB also die Hin­run­de geret­tet haben.

WTF?!

Der Videobeweis sorgt weiter für Unmut. Bild: © VfB-Bilder.de
Der Video­be­weis sorgt wei­ter für Unmut. Bild: © VfB-Bilder.de

Kom­men wir zu den Neben­ge­räu­schen die­ses Heim­siegs. Ich hab eigent­lich immer noch kei­ne Lust, mich jede Woche über den Video­be­weis zu ärgern. Ich muss es aber trotz­dem tun. Auch wenn der VfB, wie schon gegen Köln, dies­mal davon pro­fi­tiert hat. Frü­her — und ich bin bei­lei­be nicht jemand, der frü­her “alles bes­ser” fand — war Foul, oder in die­sem Fall Hand­spiel, wenn der Schieds­rich­ter pfeift. Meis­tens lag der Unpar­tei­ische damit rich­tig, manch­mal auch nicht, das liegt in der mensch­li­chen Natur. Heu­te ist Hand­spiel und Rot, wenn sich der Video­schieds­rich­ter in Köln ein paar Minu­ten nach der frag­li­chen Sze­ne ein­schal­tet, der Schieds­rich­ter auf dem Feld trotz­dem noch Rot zeigt und sei­ne Ent­schei­dung hin­ter­her doch noch in Fra­ge stellt. Anschlie­ßend muss man als Betrach­ter noch phi­lo­so­phie­ren, ob er Video­schieds­rich­ter über­haupt hät­te ein­grei­fen dür­fen. Schieds­rich­ter Stie­ler sag­te, mit etwas mehr Ruhe habe er anders ent­schie­den. Wait, what?

Ist der Fuß­ball dadurch “gerech­ter” gewor­den? Viel­leicht hat sich alles in allem die Zahl der Fehl­ent­schei­dun­gen ein wenig redu­ziert. Viel­leicht auch, weil sich die Schieds­rich­ter auf dem Feld ein wenig auf den Video­as­sis­ten­ten ver­las­sen: Wenn der sich nicht mel­det, wird es schon nichts gewe­sen sein. Erspart der Video­be­weis Schieds­rich­tern end­lo­se Dis­kus­sio­nen über ihre Ent­schei­dun­gen? Das wäre ja noch ein Neben­ef­fekt der Neue­rung, die man aus Sicht des DFB nach­voll­zie­hen könn­te. Nein, das Gegen­teil pas­siert. Wir haben wei­ter­hin Ermes­sens­ent­schei­dun­gen, die unter Druck getrof­fen wer­den. Nur dau­ern sie jetzt län­ger. Und kei­ner im Sta­di­on weiß, was pas­siert und alle sind frus­triert.

Kein Derby, keine Verschwörung

Am Sonn­tag war das vor allem Chris­ti­an Streich:

…kei­ne Ahnung, war­um sie das mit uns machen. Aber die Bun­des­li­ga ist ein gro­ßes Geschäft — und wir gehö­ren nicht zu den Gro­ßen.

Inhalt­lich kann ich den Ärger der Frei­bur­ger voll­kom­men nach­voll­zie­hen, wie bereits beschrie­ben. Die Art und Wei­se, wie seit ein paar Jah­ren unab­sicht­li­che Hand­spie­le in der Bun­des­li­ga gepfif­fen wer­den, ist ein Witz. Mitt­ler­wei­le muss man sich im Straf­raum ja schon im Schnell­ver­fah­ren die Arme absä­beln, um einen Hand­elf­me­ter zu ver­mei­den. Was aber Streich und dem SC Frei­burg auch nicht gut zu Gesicht steht, sind sol­che Ver­schwö­rungs­theo­rien mit dem Tenor “Immer auf die Klei­nen”. Schließ­lich war es der VfB, der hier als Auf­stei­ger antrat. Man kann DFB und DFL und auch Schieds­rich­tern vie­les vor­wer­fen. Aber die sys­te­ma­ti­sche Benach­tei­li­gung einer bestimm­ten Mann­schaft mit Sicher­heit nicht. Natür­lich ist es frus­trie­rend, wenn man mehr­mals in Fol­ge durch Fehl­ent­schei­dun­gen einen Nach­teil erlei­det. Aber die­se Form des Lamen­tie­rens soll­te Streich lie­ber den Fans über­las­sen. Denn das ist weder “Kult”, noch “authen­tisch”, son­dern ein­fach nur lächer­lich:

Und, ach­ja: Der­by ist gegen den KSC.

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