Jemand zuhause?

Am Mitt­woch star­tet der VfB in die zigs­te Umbruch­sai­son in Fol­ge. Dies­mal erzwang der Abstieg die Zäsur. Aber kann man wirk­lich von einer sol­chen spre­chen? Beim VfB pas­siert der­zeit wenig. Viel zu wenig.

Drei neue Spie­ler, ein neu­er Trai­ner samt Team und zwei Ex-Spie­ler in neu­en Posi­tio­nen. Das ist das bis­he­ri­ge Arbeits­zeug­nis der Ver­eins­füh­rung des VfB, die sich der­zeit aus einem drei­köp­fi­gen Auf­sichts­rat, dem Mar­ke­ting­ver­ant­wort­li­chen und dem Schatz­meis­ter zusam­men­setzt. Hät­te der Ver­ein, wie wir alle im Febru­ar noch gehofft hat­ten, die Sai­son im Mit­tel­feld abge­schlos­sen, könn­te man sich als Fan wahr­schein­lich ent­spannt zurück­leh­nen und die Euro­pa­meis­ter­schaft genie­ßen. Wer aber noch nicht völ­lig im Schland­tau­mel ist, dem macht die aktu­el­le Situa­ti­on, sie­ben Wochen vor Sai­son­be­ginn, lang­sam Angst.

Die halbe Mannschaft hängt in der Luft

Von Stefan Baudy from Stuttgart, Germany http://bast-photo.com/ - Stefan Baudy on flickr, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7769009
Was macht eigentlich…Thomas Hitzl­sper­ger? Foto: Ste­fan Bau­dy

Denn noch immer hat der VfB kei­nen, der sich haupt­amt­lich um die sport­li­chen Belan­ge des Ver­eins küm­mert. Sicher­lich wird der Trans­fer­stau auch damit zusam­men­hän­gen, dass bis­lang nur weni­ge Spie­ler den Ver­ein offi­zi­ell ver­las­sen haben und auch nicht alle eine Ablö­se ein­brach­ten. Aber gleich­zei­tig lässt sich der Ein­druck nicht ver­mei­den, dass die sport­li­che (Neu-) Aus­rich­tung auf die zwei­te Liga beim VfB der­zeit weder Hand noch Fuß hat. Klar, den amtie­ren­den Tor­schüt­zen­kö­nig der zwei­ten Liga zu ver­pflich­ten ist nahe lie­gend. Wahr­schein­lich ist auch der Preis von um die 3 Mil­lio­nen Euro (oder wor­auf man sich am Ende geei­nigt hat) ein guter Deal. Der Sturm ist aber nicht der ein­zi­ge Mann­schafts­teil, der drin­gend geup­dated wer­den muss. Für die Abwehr ver­pflich­te­te man einen pol­ni­schen Innen­ver­tei­di­ger, der, wie wir erfah­ren haben, auch kein Zwei­kampf­mons­ter ist. Zwar haben glück­li­cher­wei­se sowohl Georg Nie­der­mei­er wie auch Dani­el Schwa­ab dem Ver­ein den Rücken gekehrt, mit Baum­gartl und Kamin­ski allein wird es aber auch in der 2. Liga schwie­rig. Immer­hin wur­de der Trans­fer von Jean Zim­mer schon wäh­rend der Sai­son fix gemacht, wobei noch abzu­war­ten bleibt, wo der über­haupt spie­len soll, wenn Groß­kreutz fit ist.

Die Fra­ge, wel­che Funk­ti­on der über­haupt hat, kann man pro­blem­los auf die Füh­rungs­ebe­ne über­tra­gen. Nach der har­schen Fan­kri­tik an der Beset­zung der Füh­rungs­gre­mi­en (mehr Sport­kom­pe­tenz!, was auch immer die im Auf­sichts­rat oder auf dem Prä­si­den­ten­ses­sel zu suchen hat) hat der VfB zwei ehe­ma­li­ge Spie­ler ange­stellt. Marc Kien­le soll die Schnitt­stel­le zwi­schen Scou­ting, Nach­wuchs und Pro­fi­be­reich bear­bei­ten, Tho­mas Hitzl­sper­ger die zwi­schen Ver­eins­füh­rung und Mann­schaft. Was das genau zum Wie­der­auf­stieg bei­tra­gen soll, weiß noch kei­ner so rich­tig, aber Haupt­sa­che Sport­kom­pe­tenz. Ecke Par­do, Hitz schießt, Tor! Zweit­li­ga­meis­ter. Oder so.

Der Geduldsfaden wird kürzer

Aber die zen­tra­le Per­son fehlt immer noch. Und man wird das Gefühl nicht los, dass wer auch immer gera­de beim VfB die Fäden in der Hand hält, vor allem erst­mal die Brudd­ler ruhig stel­len will. Ja, das Tra­gi­sche Drei­eck mahn­te Anfang Juni noch Geduld an, die geht mir aber ehr­lich gesagt so lang­sam flö­ten. Es ist ja nicht so, als ob die Kon­kur­renz schlie­fe. Dass man einen Spie­ler even­tu­ell erst ver­pflich­ten kann, wenn man Wer­ner für klei­nes Geld nach Leip­zig ver­schenkt hat oder Kostic für gro­ßes Geld nach Spa­ni­en, dass kann ich ja noch irgend­wo ver­ste­hen, auch wenn ich mich fra­ge, was mit dem Geld ist, dass wir für Rüdi­ger bekom­men haben. Aber dass man eine Per­so­nal­ent­schei­dung trifft und dann wochen­lang kei­nen Nach­fol­ger prä­sen­tie­ren kann, das ist schon pein­lich.

Das Gan­ze erin­nert ungut an die Epi­so­de um Adam Hlou­sek zu Anfang der ver­gan­ge­nen Sai­son. Auch damals ließ man eine Schlüs­sel­po­si­ti­on, dies­mal in der Mann­schaft, fahr­läs­si­ger­wei­se unbe­setzt. Und als zu Sai­son­be­ginn immer noch kein Innen­ver­tei­di­ger gefun­den war, mach­te man den Bock zum Gärt­ner und einen durch­schnitt­li­chen Außen­ver­tei­di­ger zu einem unter­durch­schnitt­li­chen Innen­ver­tei­di­ger, nur weil der VfB ein­mal mit ihm nicht die Bude voll bekom­men hat. Die­ser Hang zur ein­fa­chen, zur beque­men Lösung zieht sich schon seit Jah­ren durch beim VfB:

Unser Kon­zept­trai­ner ist geschei­tert? Dann neh­men wir doch ein­fach den Trai­ner der Ama­teu­re. Der hat einen Cham­pi­ons League-Teil­neh­mer geschla­gen? Dann behal­ten wir den doch ein­fach. Wir spie­len zwar eine unan­sehn­li­chen Fuß­ball, sind aber damit ins Pokal­fi­na­le gekom­men? Dann ver­län­gern wir doch ein­fach mit dem Trai­ner. Wir fin­den kei­nen Ersatz für Mario Gomez? Dann gehen wir doch ein­fach mit Cacau, Mari­ca, Schie­ber und Ried­le in die Cham­pi­ons League-Sai­son.

Keine Experimente!

Das Pro­blem: Es ist bis­lang immer gut gegan­gen. Die Zei­ten sind jetzt aber vor­bei. Die 2. Bun­des­li­ga ist kei­ne Spiel­wie­se und erst recht kein Ver­suchs­la­bor, wie lan­ge man ohne qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal vor sich hin­wursch­teln kann, bevor es jeman­dem auf­fällt. Wir müs­sen hell­wach sein und die gan­ze Sai­son über blei­ben. Wenn in der Mer­ce­des­stra­ße nicht lang­sam bald mal Betrieb ist, dann wird das ein ganz schwe­res Jahr. Und von denen hat­ten wir eigent­lich schon genug.

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