Ein Tag im Mai

Ein Tag im Mai

“Fans schreiben für Fans” steht auf dem Cover. Wer könnte das besser als Andreas Zweigle und Sebastian Rose, besser bekannt als @abiszet und @buzze und noch besser bekannt als Vertikalpass? Mit der “Fußballfibel VfB Stuttgart” haben die Kollegen bewiesen: Sie können nicht nur hervorragend bloggen, sondern auch ein sehr lesenswertes Buch schreiben. Eine Empfehlung.

Haben nicht nur das Internet, sondern jetzt auch 140 Seiten vollgeschrieben: Andreas und Sebastian vom Vertikalpass. © Vertikalpass
Haben nicht nur das Internet, sondern jetzt auch 140 Buchseiten vollgeschrieben: Andreas und Sebastian vom Vertikalpass. © Vertikalpass

Der Fixpunkt des Buches ist der 19. Mai 2007 (Oh, Ihr glaubt, ich hätte das Datum nachschlagen müssen? Ha!)  und das trifft bei jemandem wie mir erstmal emotional voll in Schwarze. Schließlich ist das nicht nur immer noch für viele Fans heute ein historischer Sehnsuchtsort, auch für mich erfüllte sich an diesem Tag der Traum eines jeden Fußballfans: Endlich die eigene Mannschaft mit der Meisterschale in der Hand auf dem Rasen zu sehen. Die Vertikalpassler haben sich das Schreiben aufgeteilt: Der in Stuttgart geborene und aufgewachsene Andreas lässt jenen Tag im Mai Revue passieren und schwelgt dabei immer wieder in Erinnerungen: An seine Karriere im VfB-Trikot, an Helden aus einer Zeit vor meiner Zeit. Ein bißchen wie Nick Hornby in Fever Pitch, das ja auch unweigerlich auf jenen 26. Mai 1989 zusteuert, an dem Arsenal die Meisterschaft denkbar knapp gegen Liverpool holt. Ja, ich weiß, der Vergleich mit Hornby wird inflationär gebraucht, in diesem Fall finde ich ihn angemessen. Denn auch der Stil, der biographische Anekdoten mit fußballerischen Erinnerungen verknüpft, erinnert an as Meisterwerk der Fußballliteratur, ohne es zu kopieren. Schön eingearbeitet: das schwäbische Idiom, dass ich als Neigeschmeckter im Exil nie beherrscht habe oder werde beherrschen können, welches in mir aber immer ein wohliges Gefühl auslöst.

Eine Goldgrube

Those were the days, my friend! © Getty/Bongarts
Those were the days, my friend! © Getty/Bongarts

Den Gegenpart spielt der wirklich Neigeschmeckte Ostwestfale Sebastian, der dem Andreas von 2007 in Einschüben immer wieder klar macht, was in den zwölf Jahre seit jenem Tag im Mai beim VfB alles passiert ist. Manchmal ein bißchen altklug, wie man es im Nachhinein nun mal ist (natürlich ging Gomez zu den Bayern und über Timo Hildebrands Karriere nach jenem Maitag hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens), manchmal mit dem Zynismus, den wir uns als VfB-Fans in den letzten Jahren aneignen mussten, um das alles zu ertragen. Vor allem aber in dem energischen Tonfall, den man von ihm kennt, seit er nicht mehr nur über Fußball schreibt, sondern im VfB STR Podcast auch darüber redet. Wer seine in Kursiv gehaltenen Kommentare liest, hat sofort seine Stimme im Ohr.

Für jemanden wie mich ist das Buch eine Goldgrube. Ich lese von Helden, die ich nie spielen sah (Ohlicher, Six, etc.) und solche, die ich spielen sah (Hleb, Soldo etc.), erinnere mich selber an die Vorfreude an jenem Mai-Tag, endlich meine erste Meisterschaft als Fan feiern zu können und kann die Enttäuschung von Sebastian nachvollziehen, der bereits weiß, dass der VfB zwölf Jahre später nicht nur unzählige Verantwortliche verbrannt hat, sondern auch zwei Mal abgestiegen ist. Das hätten wir uns damals schließlich nicht vorstellen können. Wer wissen will, warum wir VfB-Fans sind, wie wir sind (leicht zu begeistern, aber immer mit dem Schlimmsten rechnend), sollte dieses Buch lesen. Wer diesen Verein kennt, wird sich darin wiederfinden, wer ihn nicht so gut kennt, tut es spätestens nach der Lektüre. Vielen Dank dafür, liebe Wichtigblogger!

Die “VfB Stuttgart Fußballfibel” ist im Culturcon-Verlag erschienen und kostet 12,99 Euro. Wir haben ein Rezensionsexemplar erhalten. Ihr kauft Euch das Buch bitte beim lokalen Buchhändler Eures Vertrauens und nicht im Internet!

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2 Gedanken zu “Ein Tag im Mai”

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